Kunden em pfehlungen
Rezensionen von April1985 :
Brutaler Historischer Krimi
1793 Roman von Niklas Natt och Dag Leena Flegler
Als eine übelst verstümmelte Leiche aus der Stadtkloake Stockholms gefischt wird, wird der sterbenskranke Jurist Cecil Winge hinzugezogen. Zusammen mit dem Veteranen Jean Michael Cardell, dem Finder der menschlichen Überreste, macht er sich auf die Suche nach dem Täter.
⭐⭐⭐⭐
Was sich zunächst "nur" wie ein Krimi anhört, ist soviel mehr.
Der Autor vereint gekonnt historisches Wissen mit kriminalistischen Elementen. Er zeichnet ein ehrliches und brutales Bild eines Stockholm des 18. Jahrhunderts. Zart beseitet sollte man beim Lesen nicht sein. Selbst mir als erfahrene Thriller-Leserin und Horrorjunkie ist an so mancher Stelle des Buches dezent übel geworden. Daher habe ich auch einen Stern bei der Bewertung abgezogen.
⭐⭐⭐⭐
Wer sich auf eine spannende Zeitreise einlassen will und vor ao mancher Abscheulichkeit nicht zurück schreckt, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Es wurde nicht umsonst mit dem schwedischen Krimipreis ausgezeichnet
Geschichte über die Erinnerungen, die wir uns im Herzen bewahren
Arno und sein Pferd von Jane Godwin
Das Buch kam für uns genau zur richtigen Zeit, haben auch wir kürzlich einen geliebten Menschen verloren.
Die australische Autorin Jane Godwin schreibt sehr einfühlsam und doch kindgerecht über Verlust, Trauer und die Erinnerungen, die wir uns im Herzen bewahren.
Der kleine Arno verliert sein liebstes Spielzeug.
Ein Holzpferd, das er von seinem verstorbenen Opa bekommen hat. Er ist verzweifelt auf der Suche nach seinem wertvollsten Besitz. Als Arno beginnt von seinem Opa und den gemeinsamen Erinnerungen zu träumen, weiß er plötzlich wo er das Pferdchen finden wird.
Ich fand die Geschichte, welche in Reimform erzählt wird, wirklich zauberhaft. Trotz des sensiblen und traurigen Themas, lädt das Buch zum Träumen ein und vermittelt Hoffnung, wo man glaubt keine mehr zu finden.
Einen ganz besonderen Zauber versprühen die bunten und detailreichen Illustrationen. Vorallem die Traumlandschaften sind wunderschön ausgestaltet und beflügeln die Fantasie.
Fazit:
Jane Godwin hat ein berührende Kinderbuch zum Thema Verlust und Trauer geschrieben. Ganz behutsam und sensibel geht die Autorin an das Thema heran und vermittelt dabei ein wunderbares Gefühl von Hoffnung. Kindgerechte Reime und zauberhafte Illustrationen haben die Augen meiner Tochter zum Strahlen gebracht. Absolute Empfehlung!
Die Malkunst
Rochade von Reinhard Tötschinger
Was haben ein geschickter Schachzug, Jan Vermeer, ein Attentat und mürbe Kipferl gemeinsam? Die Antwort lautet Clemens Hartmann, Restaurator im Kunsthistorischen Museum Wien.
Nach einem gemeinen Anschlag auf Jan Vermeers Gemälde "Die Malkunst" wird Clemens mit dessen Restauration beauftragt.
Was eigentlich nicht unter 9 Monaten zu schaffen ist, muss allerdings innerhalb von 3 Monaten geschehen. Der Bundeskanzler will es so. Das Bild soll künftig sein Büro zieren und ausländische Delegationen beeindrucken. Ein Ding der Unmöglichkeit für Clemens. Nach reichlichen Überlegungen, zahlreichen mürben Kipferl und Beratschlagungen mit seinem Assistenten Hubert beschließt Clemens eine Kopie der "Malkunst" anzufertigen. Der Kanzler und seine Entourage werdens schon nicht bemerken. So "gscheid" sind die werten Herren nicht.
Der österreichische Autor Reinhard Tötschinger konnte mich mit Rochade unglaublich begeistern. Humoristisch, gesellschaftskritisch und mit historischen Bezug erfahren wir die interessante und spannende Geschichte zu einem der bekanntesten Gemälde Vermeers, das bereits Hitler zu seinen Favoriten gezählt hat.
Reinhard Tötschinger schreibt mit einer Leichtigkeit, sehr humorvoll und Sarkasmus zwischen den Zeilen. Kurze Kapitel, viele Dialoge und Rückblenden in die Zeit des Nationalsozialismus erschaffen ein lebendiges Bild und kurzweiliges Leseerlebnis.
Mit Clemens Hartmann hat Tötschinger einen echten Wiener Charakter als Protagonist gewählt. Authentisch gezeichnet und mit Wiedererkennungswert hat der oftmals grantelnde Chefrestaurator des KHM Wien mein Herz erobert. Seine inneren Dialoge mit Jan, die hitzigen Diskussionen mit den Vorgesetzten, seine Vorliebe für mürbe Kipferl, herrlich sarkastische Bemerkungen und zahlreiche Weisheiten, die Mama, Papa und Opa mit auf den Weg gegeben haben, haben Clemens Hartmann für mich zum Highlight des Buches werden lassen.
Doch auch die zahlreichen Nebencharaktere, von den Angestellten im Museum bis zum Kanzler, wurden treffend in Szene gesetzt, natürlich nicht ohne Kritik am aktuellen politischen Geschehen und der Gesellschaft zu üben.
Besonders begeistern konnten mich auch die zahlreichen eingestreuten Anekdoten, wie zum Beispiel die Herkunft des Croissants, warum der Kellner in Wien Herr Ober gerufen wird und der spannenden Frage was es mit dem Café Engländer auf sich hat. Ja, Tötschinger lässt in seinem kunsthistorischen Roman auch die Wiener Kaffeehauskultur hochheben. Mein Herz hats erfreut, wird so doch das Wiener Lebensgefühl so richtig schön eingefangen und präsentiert. Ich würde sagen: Die Rochade ist gelungen!
Fazit:
Humoristisch, gesellschaftskritisch, mit historischem Bezug und doch brandaktuell! Mit Rochade hat Reinhard Tötschinger bei mir voll ins Schwarze getroffen. Die verworrene Geschichte von Vermeers berühmten Gemälde "Die Malkunst" eingebettet im aktuellen politischen Geschehen und die Frage, ab wann eine Kopie als Fälschung gilt haben mich fasziniert und zum Nachdenken gebracht. Absolute Leseempfehlung, nicht nur für Kunstkenner!
Tolles 2-in-1 Buch
Rochade von Reinhard Tötschinger
Ich mache kein Geheimnis daraus, dass wir die Edition Piepmatz aus dem Hause Ravensburger einfach lieben. Die vielen positiven Rezensionen haben ihr Übrigens getan und schwupps, das Pappbilderbuch ist im Einkaufswagen gelandet.
Das besondere dieses Mal: "Wann gehts rund beim Hund?/ Wann macht die Katz Rabatz?" ist ein Wendebuch, welches von Vorne und von Hinten zu lesen ist.
Es sind zwei Geschichten, eine von Hund, eine von Katze, die sich in der Mitte treffen und zu einer werden. Erzählt werden dabei die beiden Tagesabläufe der Fellfreunde, wobei der Hund am Tag unterwegs ist und die Katze sich in der Nacht zum Herumstreunen bereit macht.
Ich finde dieses Konzept einfach spitze. Die lieben Kleinen lernen nicht nur was Hund und Katz für einen Alltag als Haustier durchleben, sondern bekommen auch ein Gefühl für Tageszeiten. Außerdem wird durch die Gestaltung als Wendebuch die Wissbegierde gefördert. Meine kleine Tochter hat schon früh damit begonnen alles von vorne und hinten zu begutachten. Umso mehr Spaß macht es ihr jetzt mit ihren 2 Jahren die Geschichte von Hund und Katze aus allen Blickwinkeln zu Durchleuchten. Ganz toll gefallen ihr auch die Illustrationen, die schön bunt sind, jedoch nicht überladen wirken und sie somit nicht überfordern.
Als Mama lege ich auch immer Wert auf altersgerechte Texte und eine robuste Gestaltung. Beides passt hier perfekt. Die Texte eignen sich für ein schnelles Vorlesen und die Pappe wirkt sehr stabil.
Von uns gibt's daher eine klare Empfehlung!
Fazit:
Ein lehrreiches Pappbilderbuch der Edition Piepmatz, dass kleinen Leseratten den Alltag ihrer Lieblingshaustiere Hund und Katze und die verschiedenen Tageszeiten näher bringt. Durch das Wendeformat wird zudem der Forscherdrang angeregt. Klare Empfehlung für Buben und Mädchen ab 2 Jahren!
Mörderjagd am Maskenball
Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle von Stuart Turton
Der Titel hat mich neugierig gemacht und ich wurde nicht enttäuscht.
Handlung:
Auf dem altehrwürdigen Anwesen Blackheath Manor findet der alljährliche Maskenball der Familie Harscastle statt, zu dem die bessere Gesellschaft geladen ist. Unter den Gästen befindet sich auch ein junger Mann namens Aiden, der den Tag immer wieder neu durchlebt.
Er kann die Endlosschleife erst beenden, wenn er den als Selbstmord getarnten Mord an Evelyn Hardcastle aufklärt.
Meine Meinung :
Stuart Turton ist ein Geniestreich gelungen. Er ist in die Fußstapfen von Agatha Christie getreten und hat die Atmosphäre, die schon in deren Werken spürbar war, wieder aufleben lassen. Gleichzeitig hat er auch was ganz Neues geschaffen. A la "Und tägliche grüßt das Murmeltier" gilt es einen Mordfall zu lösen. Dafür hat unser Protagonist 8 Tage Zeit. Und an dieser Stelle wird es auch etwas kompliziert. Wir springen beim Lesen nämlich die ganze Zeit zwischen den Tagen hin und her. Hier kann man schon mal leicht den Faden verlieren. Man sollte also Zeit und Geduld beim Lesen aufbringen.
Stuart Turton's Schreibstil würde ich als klassisch bezeichnen. Mir hat er gut gefallen. Er hat schöne Bilder in meinem Kopf gezaubert.
Seinen Charakteren hat der Autor Leben eingehaucht. Jeder einzelne wird richtig gut beschrieben und das nicht nur optisch. Sämtliche guten und schlechten Eigenschaften werden vermittelt. Die Liebe zum Detail ist auch wichtig, da viele verschiedene Akteure auftreten. Man kann sie aber Dank Stuart Turton's Beschreibungen gut auseinanderhalten.
Einen Negativpunkt hab ich dann aber doch. Dadurch, dass sich wie schon erwähnt die Tage immer wieder wiederholen, zieht sich die Geschichte stellenweise etwas in die Länge. 500 statt 600 Seiten hätten es wohl auch getan.
Fazit:
Wer sich gerne in die Irre führen lässt und Spaß am Rätseln hat, dem sei dieses faszinierende Werk ans Herz gelegt. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.
Romantisch, witzig, herzerwärmend und queer
Kate in Waiting von Becky Albertalli
Vorhang auf und Bühne frei! Was für ein witziges, herrlich jugendliches, romantisches und queeres Spektakel! Kate in Waiting konnte mich wirklich begeistern! Ich sag nur Applaus und Zugabe!
Becky Albertallis Jugendroman war mein erstes Buch der Autorin. Aufmerksam bin ich darauf eigentlich wegen der Musical‐Thematik geworden.
Ich war einfach extrem neugierig darauf was Becky sich hat einfallen lassen. Die zahlreichen positiven Bewertungen haben natürlich auch ihren Teil dazu beigetragen. Und ja, ich kann mich ihnen nur anschließen. Becky Albertalli hat eine wunderbar leichte und humorvolle Highschool Romance geschrieben, die ich nicht nur jugendlichen Lesern empfehlen kann.
In Kate in Waiting - Liebe ist (nicht) nur Theater geht es um Kate Garfield und Anderson Walker. Beste Freunde, die einfach alles miteinander teilen - die Liebe zum Theater, genauso wie die Schwärmereien für Jungs. Besonders bei "Coca Cola Werbung Matt" bekommen beide Herzchen in den Augen und Schmetterlinge im Bauch. Als besagter Matt dann plötzlich in ihrer Highschool anfängt und auch noch mit Anderson den gleichen Theater-Kurs belegt, wirds turbulent. Und die Freundschaft von Kate und Anderson wird auf eine harte Probe gestellt.
Wer jetzt denkt, nein, bitte nicht wieder eine öde Dreiecksgeschichte, dem kann ich nur anraten sich nicht vom ersten Eindruck täuschen zu lassen. Denn Kate in Waiting ist einfach so viel mehr. Da ist zunächst einmal der ganze Aufbau des Buches. Becky Albertalli hat sich für ihren Jugendroman ein Musical-Thema ausgesucht, dass sich tatsächlich wie ein roter Teppich durch das gesamte Buch zieht. Wie ein Highschool‐Musical aufgebaut mit Szenen statt Kapitel konnte mich die Autorin ungemein begeistern. Wir verbringen zudem ziemlich viel Zeit auf der Bühne und bei den Proben, sodass ein richtiges Musicalfeeling beim Schmökern aufkommt. Inmitten des ganzen Theaters hat Becky Albertalli den wunderbaren Spagat geschafft das Thema LGBTQ+ ganz natürlich einfließen zu lassen. Sie macht daraus keine große Sache und kein großes Drama, sondern nimmt es als das was es ist: etwas ganz Normales und Natürliches. Ich habe tatsächlich noch nichts vergleichbares gelesen! Ich finde Beckys Umsetzung einfach zauberhaft.
Und auch ihre Protagonisten Kate und Anderson konnten mich überzeugen, wobei man sich vielleicht vor Augen halten sollte, dass diese Teenager sind und sich auch entsprechend, sprich nicht immer logisch, verhalten. Andererseits macht sie genau das noch authentischer und liebevoller. Die Freundschaft von Kate und Anderson hat mein Herz richtig berührt. Wie sie gemeinsam durch Höhen und Tiefen gehen, die WC-Gespräche, ihre gemeinsamen Schwärmereien für Jungs, die große Disney-Liebe (Memo an mich: Rapunzel - Neu verwöhnt wieder mal anschauen) und die Leidenschaft fürs Theater.....all diese Dinge wurden so herzerwärmend dargestellt. Ich konnte mit den beiden richtig mitfiebern, lachen und weinen!
Was das ganze für mich noch besser gemacht hätte, wäre gewesen, wenn ich auch aus Andersons Perspektive hätten lesen können. Kate in Waiting ist nämlich nur aus Kates Sicht geschrieben, was letztlich etwas einseitig war. Hätte Anderson auch seine Auftritte bekommen, wäre seine Gedanken‐ und Gefühlswelt mit Sicherheit noch besser transportiert worden. Außerdem ist die Story bzw. das Ende ziemlich vorhersehbar. Trotzdem hatte ich unglaublich vergnügte Hörstunden mit Kate in Waiting und ich kann nur dazu raten, dass Buch auf die Must‐Read-Liste zu setzen.
Fazit
Romantisch, herzerwärmend, witzig, queer und dabei ganz natürlich - das ist Kate in Waiting. Die Dreiecksgeschichte zwischen Kate, ihrem besten Freund Anderson und dem unglaublich attraktiven Love Interest Matt ist wirklich besonders und erfrischend. Das Musical‐Thema ist auch zwischen den Zeilen spürbar. Und der Umgang mit der Thematik LGBTQ+ ist tiefgehend und dabei unglaublich natürlich.
Ich hatte unterhaltsame Hörstunden, die mich haben mitfiebern lassen, und kann Kate in Waiting ‐ Liebe ist (nicht) nur Theater wärmstens empfehlen.
Die Stimmen der Toten
Tote schweigen nie von Turner A. K.
Meine Meinung
Wenn man ein Hörbuch den ganzen Tag laufen lässt und es einem auch eine schlaflose Nacht bereitet, dann weiß man, dass es toll war. Mir ist es so mit Tote schweigen nie von A.K. Turner ergangen. Ich fand den Reihenauftakt rund um die eigenwillige forensische Assistentin Cassie Raven und die unterkühlte DS Phyllida Flyte ziemlich brillant und damit meine ich nicht nur den Fall, sondern auch die beiden außergewöhnlichen Protagonistinnen, die man nicht so schnell vergisst.
In London arbeitet die junge Cassie Raven als Assistentin der Pathologie im Institut für Rechtsmedizin, wo sie nicht nur durch ihr äußeres Erscheinungsbild auffällt. Die tätowierte und gepiercte Gothic Queen ist überzeugt davon mit den Toten kommunizieren zu können. Die Verstorbenen sprechen zu Cassie und liefern ihr wertvolle Hinweise auf deren Dahinscheiden. Davon ist zumindest Cassie überzeugt. Aber was noch wichtiger ist, Cassie will Gerechtigkeit für ihre Schützlinge. Als eines Tages ihre ehemalige Professorin und Mentorin Mrs. Evans auf ihrem Tisch landet , ist Cassie fest davon überzeugt, dass diese Opfer eines Mordes wurde, auch wenn die Ermittlungen von einem Unfall sprechen. Kann Cassie ihrer Mentorin, der sie so viel zu verdanken hat helfen? Das müsst ihr natürlich selbst herausfinden....
Ich mochte Cassie unglaublich gerne. Sie ist schrill, auffallend und schräg. Cassie hat eine Vorliebe für Taxidermie, teilt sich ihr Zuhause mit einem Schädel und war in jungen Jahren dem Drogenkonsum nicht abgeneigt. Nachdem Cassies Eltern bei einem Verkehrsunfall verstorben sind, wurde Babica, ihre rebellische polnische Oma, zu Cassies wichtigstem Halt in ihrem Leben. Ich habe Babica genauso lieb gewonnen wie Cassie. Ich meine, welche Oma hebt schon ein totes Eichhörnchen im Gefrierschrank auf und hält das Geschenk so in Ehren. Aber zurück zu Cassie, welche einmal mehr beweist, dass man durch das Aussehen eines Menschen keine voreiligen Schlüsse ziehen sollte. Denn Cassie ist nahezu brillant. Sie ist verbissen und klug und hat eine enorme Auffassungs- und Kombinationsgabe , mir der sie selbst den erfahrenen Pathologen so manches Mal weiter hilft. Umso unglaublicher ist es auch, dass ausgerechnet durch eine Unachtsamkeit von Cassie ein Leichenraub passiert sein soll, welchen die unterkühlte und zugeknöpfte DS Phyllida Flyte auf den Plan ruft, um gegen Cassie zu ermitteln. Und doch ist es ausgerechnet Phyllida, die Cassie eindeutig nicht leiden kann, die ihr letztlich bei der Aufklärung des Falles der verstorbenen Mrs. Evans hilft. Achja, Cassies Schädel spielt dabei auch keine unwesentliche Rolle.
Wenn Cassie und Phyllida aufeinander treffen, prallen wirklich Welten aufeinander. Nicht nur einmal hätte ich Phyllida gerne so richtig durchgeschüttelt, weil sie Cassie gleich mal wegen ihrer Vergangenheit und ihrem Aussehen vorverurteilt. Im Laufe des Buches lernt man Phyllida allerdings näher kennen und merkt, dass auch sie keinen leichten Stand unter ihren Kollegen hat und sie sich als Frau in einer Männerwelt mehr behaupten muss als jeder andere. Und auch Phyllida hat einen Schicksalsschlag zu verkraften, der ihr Verhalten ein bisschen erklärt. Cassie und Phyllida sind beides Frauen, die man nicht zu schnell abstempeln sollte. Das müssen die beiden auch voneinander lernen und es war einfach schön zu lesen, wie sich aus der zunächst holprigen Zusammenarbeit eine Freundschaft entwickelt.
Die Darstellung der Protagonistinnen ist wirklich fast die größte Stärke an A.K. Turners Reihenauftakt. Die Autorin hat ein ungewöhnliches Ernittlerteam erschaffen, welches man nicht so schnell vergisst, das aber auch wahnsinnig authentisch wirkt. Ich kann es kaum erwarten die beiden wieder in Aktion zu erleben.
Großartig ist aber auch der Fall um die verstorbene Mentorin. Ich bin wirklich lange im Dunkeln getappt, habe mich ebenso von Vorurteilen blenden lassen und war am Ende von der Auflösung mehr als überrascht. Und auch die Arbeit von Cassie in der Leichenhalle war präzise und authentisch beschrieben, auch wenn diese wahrscheinlich nicht jedermanns Sache ist. Mich hat gerade dieser Teil aus Cassies Leben aber sehr fasziniert. Zudem hat sich gezeigt wie wichtig die Arbeit der Pathologen für die Aufklärung von Todesfällen ist.
Mir hat Tote schweigen nie wahnsinnig gut gefallen. Der Thriller ist erfrischend anders, hat einen mystischen Touch, ohne dabei lächerlich rüber zu kommen und ebnet perfekt den Weg für weitere Bücher der Reihe.
Außerdem hat Hörbuchsprecherin Sandra Voss einen großartigen Job gemacht und ich habe ihrer Stimme sehr gerne gelauscht. Ich finde es immer wieder verblüffend wie schnell 12 Stunden vorbei sein können. Aber hier hat einfach das Gesamtpaket gepasst. Daher gibt's eine absolute Lese‐ und Hörempfehlung!
Fazit:
Tote schweigen nie ist ein spannender, neuer Auftakt einer Forensik-Thriller-Reihe von A.K. Turner. Highlight sind auf jeden Fall die beiden un‐ bzw. außergewöhnlichen Protagonistinnen Cassie Raven und Phyllida Flyte. Ein starkes und kluges Duo, dass sich erst von den eigenen, gegenseitigen Vorurteilen befreien muss.
Die Handlung selbst ist fesselnd, bietet einige Überraschungen und lässt einem relativ lange im Dunklen tappen. So mag ich das.
Ich freue mich auf jeden Fall schon auf mehr Cassie & Phyllida! Absolute Leseempfehlung!
Wir bauen ein Haus
Meine Schiebebahn-Pappe: Fahr mit auf der Baustelle von Turner A. K.
Auf dem Bauernhof haben wir schon fleißig mitgearbeitet, jetzt wird ein Haus gebaut!
Auf der Baustelle ist ein weiterer Band der Fahr mit!-Reihe aus dem Thienemann-Esslinger Verlag. Dieses Mal wird im Apfelweg ein Haus gebaut. Vom Aushub übers Planieren gehts zum Fundament um anschließend mit dem Kran die Ziegel aufzubauen.
Meine Tochter hatte einen riesigen Spaß die verschiedenen Baufahrzeuge über die Seiten zu fahren und dabei gespannt der Geschichte gelauscht.
Die bunten Bilder haben ihre Wirkung natürlich auch nicht verfehlt. Wir haben also kurzerhand auch ein Wimmelbildabenteuer gestartet.
Als Mama bin ich von den dicken Pappseiten besonders begeistert. Meine Tochter geht nicht gerade pfleglich mit ihren Büchern um. Ich denke aber, dass dieses hier einiges aushält. Zumindest wirkt es sehr robust.
Von uns gibt's auch für diesen Band der "Fahr mit!"-Reihe eine absolute Empfehlung!
Fazit
Lass uns ein Haus bauen! "Auf der Baustelle" ist ein weiterer toller und lehrreichen Band der "Fahr mit!-Reihe". Schiebeelemente, ein altersgerechter Text und bunte Illustrationen laden zum Staunen ein. Zudem wirkt die Aufmachung aus dicker Pappe sehr robust! Absolute Empfehlung!
Der Horror geht in die nächste Runde
Bloom - Sie schlüpfen auch in deiner Stadt von Kenneth Oppel
Wo sind die Fans von trashigem Horror a la Tremors oder Die Körperfresser kommen? Ich hätte da nämlich eine wahnsinnig gute Buchempfehlung für euch!
Den ersten Teil von Bloom habe ich ja schon mit Begeisterung gelesen, aber mit der Fortsetzung toppt Kenneth Oppel nochmal alles. Die Menschen sind immer größeren Gefahren ausgesetzt.
Kaum wurde ein Herpizid gegen das schwarze Gras gefunden, wird die Erde von allesfressenden Riesenwürmern und virusverbreitenden Stechvögel bevölkert. Und unsere Helden Petra, Anaya und Seth entwickeln sich stetig weiter in eine kryptogene Lebensform. Eben noch als Retter gefeiert, werden sie zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt, in einem Militärbunker gefangen gehalten und grausamen Experimenten ausgesetzt - genauso wie eine Vielzahl weiterer Jugendlicher, die wie sie Mischwesen sind.
Im Gegensatz zum ersten Band, der einige Längen bereit gehalten hat, hat sich der zweite Teil wie ein mitreißender Splatter-Horror-Film in einem Rutsch durchlesen lassen. Die Geschichte setzt mehr oder weniger nahtlos an das Ende des ersten Buches an, wobei der Spannungsbogen dieses Mal wirklich von der ersten bis zur letzten Seite zum Zerreißen gespannt war.
Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass sich Petra, Anaya und Seth plötzlich in einer Ausnahmesituation befinden. Erst noch vom Militär und Geheimdienst beschützt, werden sie plötzlich verraten, ihren Eltern entzogen und in Gefangenschaft genommen. Während sie versuchen mit der Situation irgendwie zurecht zu kommen und einen Ausweg suchen, müssen sie sich auch noch mit der unausweichlichen Situation abfinden, dass sie selber immer mehr zum Alien werden und ihr menschliches Äußeres nach und nach verlieren. Doch auch untereinander entstehen Spannungen, gehören die 3 nämlich unterschiedlichen Spezies an, deren Ansichten sich teilweise sehr unterscheiden. Es entstehen aber auch neue Freundschaften und Verbindungen , die Petra, Anaya und Seth ein Gefühl des Dazugehörens und des Zusammenhalts vermitteln.
Kenneth Oppel hat es geschafft mich an die Seiten zu fesseln. Hinter all dem Horror steht die ganze Zeit die große Frage wem man eigentlich noch Vertrauen kann. Wer ist gut, wer ist böse? Welche Absichten haben die Außerirdischen? Sind sie auf Hilfe angewiesen oder wollen sie die Menschheit vernichten? Ich habe meine Meinung zu dem Ganzen mehrfach geändert. Es sind einfach so viele neue Erkenntnisse, die plötzlich alles bisher Kennengelernte umwerfen und überraschende Wendungen, die die Menschen und deren Handlungen in ein völlig neues Licht stellen. Eine Achterbahnfahrt zwischen Hoffnungslosigkeit und aufmunternden Lichtblicken, die mit einem unfassbaren Knall endet. Ich habe selten so einen fiesen Cliffhanger erlebt.
Ich kann das Buch wirklich sehr empfehlen, wenn man Dystopien und trashigen Horror mag. Auch wenn man das Buch eigenständig lesen kann, würde ich empfehlen auf jeden Fall mit Band 1 zu starten, um auch wirklich alles zu verstehen und die Story einfach mehr genießen zu können.
Fazit
Nachdem der Regen erst schwarzes Gras gebracht hat, bringt er jetzt menschenfressende Würmer, die es zu vernichten gilt. Der Horror geht in die nächste Runde und stellt die 3 Helden Petra, Anaya und Seth vor neue Herausforderungen - auch in persönlicher Hinsicht.
Kenneth Oppel hat auch mit Bloom 2 einen fesselnden, mitreißenden, actiongeladenen Pageturner geschrieben. Neben dem ganzen Trash und Horror geht es aber auch um wichtige Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und Vertrauen.
Ich habe das Buch an einem Nachmittag durchgesuchtet und kann es kaum erwarten, dass der 3. Band erscheint. Absolute Leseempfehlung!
Cineastischer Cyber-Krimi
Der dunkle Schwarm von Marie Graßhoff
Welche Autoren*innen stehen auf eurer Must Read Liste?
Marie Grasshoff ist eine Autorin, deren Bücher ich schon länger verfolge, bislang aber tatsächlich noch keines von ihr gelesen habe. Dabei stehen schon einige bei mir im heimischen Bücherregal. Der dunkle Schwarm war jetzt tatsächlich mein erstes Buch von ihr.
Ursprünglich als Hörspielreihe angelegt, hat Marie einen cineastischen, dystopischen Cyber-Crime zu Papier gebracht, der sich durch ein düsteres Zukunftszenario, innovative Technik und viel Action auszeichnet. Mein Einstieg ist zwar etwas holprig verlaufen, spätestens ab der Hälfte bin ich aber wie eine Süchtige an den Seiten gehangen.
Das Zukunftsszenario das Marie Grasshoff erschaffen hat ist wirklich ziemlich genial. Die Menschen sind in sogenannten Hives über Implantate gedanklich miteinander verbunden. Der technische Fortschritt hat damit seinen Höhepunkt erreicht und die Natur in den Hintergrund gedrängt. Die Kluft zwischen arm und reich ist kaum mehr zu überwinden. Während die superreichen Industriellen im Luxus baden, lebt der Mittelstand in slumähnlichen Gebieten. Kalt, grau und dreckig wirken die urbanen Gebiete. Im Untergrund boomt der illegale Handel mit Daten und Erinnerungen. Und genau hier treffen wir auf die junge Atlas alias Oracle, die sich als Programmiererin ebenfalls dem zwielichtigen Geschäft verschrieben hat. Immer an ihrer Seite der Androide Julien - ein Kampfroboter, der Atlas fast schon väterlich zur Seite steht und ihr ziemlich häufig aus Gefahrensituationen hilft. Das Leben, welches Atlas sich aufgebaut hat, ist ziemlich gefährlich und von viel Blutvergießen gezeichnet. Als eines Tages ein kompletter Hive einfach ausgelöscht wird, klopft Industriellensohn Noah Levy an Atlas Tür. Seine Schwester war ebenfalls unter den Oofern und er fordert Gerechtigkeit - ein Umstand, der in der Zukunft fast schon fremd ist. Atlas nimmt den Auftrag an und wird schnell in gefährliche Machenschaften verstrickt. Es ist ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel, in dem Atlas selbst zur zentralen Figur wird. Ein Aussteigen aus dem Spiel ist unmöglich.
Klingt genial oder? Ist es im Prinzip auch. Nur der Einstieg ist mir irgendwie schwer gefallen. Marie Grasshoff hat zwar einen unglaublich bildhaften und angenehmen Schreibstil und sie erklärt auch viel. Trotzdem habe ich mir mit den ganzen technischen Errungenschaften und Begriffen etwas schwer getan. Es hat einfach seine Zeit gedauert, bis ich mir das Kommunikationswesen rund um die Hives vorstellen konnte. Dazu kam auch die Tatsache, dass die erste Hälfte des Buches nahezu ruhig dahin geplätschert ist. Bis auf den Mordanschlag ist irgendwie nichts nennenswertes passiert. Die Ermittlungen von Atlas und Julien gehen nur schleppend voran. Zudem passieren Dinge, die irgendwie nie aufgelöst werden. Sehr schade.
Ab der Hälfte hat sich die Atmosphäre aber dann aber schlagartig geändert. Plötzlich haben sich die Ereignisse überschlagen und ein Plottwist hat den nächsten gejagd. Hier kam die geballte Ladung an Action, die ich anfangs so vermisst habe. Durchhalten lohnt sich also definitiv. Das einzige was mir dann etwas missfallen hat, war das Ende. Beziehungsweise ein bestimmtes Ereignis gegen Schluss, durch das Atlas die zuvor gesammelten Sympathiepunkte wieder komplett verloren hat.
Bis zu dem Vorfall mochte ich Atlas sehr gerne. Sie ist tough und kämpferisch und schreckt vor kaum etwas zurück. Zudem hütet sie ein Geheimnis, dass sie ziemlich interessant erscheinen lässt. Mit Julien an ihrer Seite hat sie den perfekten Partner. Julien war sowieso mein heimlicher Held. Der Androide wirkte auf mich alles andere als glatt, sondern fast schon menschlich. Er ist nicht nur Beschützer, sondern auch der Vater, den Atlas nie hatte. Uns genau wegen dieser Tatsache, konnte ich am Ende einfach nur wütend auf Atlas sein.
Man muss Marie Grasshoff allerdings zu Gute halten, dass sie ihre Charaktere sehr facettenreich und vielschichtig gestaltet hat. Wie es im echten Leben auch ist, gibt es nicht nur schwarz und weiß. Jeder hat Ecken und Kanten und handelt auch mal falsch oder sagen wir nicht so wie es die Gesellschaft gerne hätte. Noah wirkt neben Atlas und Julien fast schon zu perfekt. Als ruhiger Gegenpol hat er das Duo aber gut ergänzt.
Ja, mir hat nicht alles zugesagt. Dennoch fand ich die Idee ziemlich genial. Und da mich die zweite Hälfte des Buches so richtig fesseln konnte und der Cyber-Krimi sich zu einem richtigen Pageturner entwickelt hat, kann ich eigentlich nur eine Leseempfehlung aussprechen.
Fazit
Actiongeladen, rasant, mitreißend und spannend! Das ist Der dunkle Schwarm! Ein cineastischer und dystopischer Cyber-Crime aus der Feder von Marie Grasshoff. Es ist ein bildgewaltiges und erschreckendes Zukunftsszenario, welches Marie erschaffen hat. Erschreckend weil die Technik die Natur komplett verdrängt hat und die Kluft zwischen arm und reich unüberwindbar scheint. Die Menschen kommunizieren mittels Implantaten und Gedankenübertragung. Androide sind Teil der Gesellschaft und Arbeitswelt und im Untergrund boomt der illegale Datenhandel. Maries Visionen sind eindringlich und wirken nach.
Die erste Hälfte des Buches war mir zwar etwas zu ruhig, der zweite Teil hat mit geballter Action aber alles wieder gut gemacht. Durchhalten lohnt sich also definitiv, vorallem weil so einige unerwartete Wendungen auf einem zukommen. Freunde der Sience Fiction werden hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, weshalb ich das Buch gerne weiter empfehle.










