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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Maria Dörfler:

Ratlos

Wovon wir leben von Birgit Birnbacher

Durch einen Fehler aus dem Beruf "geworfen", der Rahmen und Halt für Julia war, gerät sie auf der Suche nach Erholung und Orientierung immer wieder in Ratlosigkeit , Traurigkeit und Resignation. Das Familie ohne die "geflüchtete" Mutter kann ihr nichts Positives geben, auf eine Beziehung kann und will sie sich nicht ganz einlassen, das Dorf stößt sie ab, lässt sie aber doch kaum los.

Die Menschen um sie herum scheinen leichter ihren Weg zu gehen. Sehr einfühlsam, sehr traurig, wenig ermutigende Perspektive, kurzes Aufblitzen von guten Momenten, die aber zerfließen in Abwehr und Unfähigkeit und alles bleibt offen.
Es ist für mich ein beunruhigendes Psychogramm einer Frau, die es schwer hat, Frieden und Ruhe zu finden, sich mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, für sich einen guten Weg zu finden. Vielleicht das Lebensgefühl von vielen Menschen, Frauen, die ihre frühe Jugend hinter sich haben und Mühe haben, ihren Platz im Leben zu finden.
Feinfühlig und bedrückend...

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Wie schön zu lesen!

Jahre mit Martha von Kordic Martin

Eine sehr besondere Geschichte, die nach unkonventionell konventionellem Beginn, nämlich der Erzählung einer doch sehr ungewöhnlichen Liebesbeziehung, immer mehr Tiefgang bekommt. Vielschichtig wird die Nähe, aber auch die Kluft zwischen den beiden Menschen, den beiden Kulturen deutlich. Die notwendige Trennung, die unruhige, verstörende Zeit des jungen Mannes, seine Rückkehr zu seinen Wurzeln, die wohl niemand ganz verlassen ohne Schaden zu nehmen.

Wie wird es weitergehen mit Zeljko, Jimmy?

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Laaaang, aber nicht zu lang!

Utopia Avenue von David Mitchell

Ich habe es noch nicht ganz bis zum Ende geschafft, aber ich freue mich auf meine nächste längere Zugfahrt, um endlich dabei zu bleiben.
Der kreative Prozess einer Gruppe mit viel Mühe, Enttäuschungen, Highlights, ist hier hervorragend beschrieben. Daneben gibt es das Leben, das neben der Leidenschaft Musik, die die 4 Protagonisten verbindet, so verschieden verläuft mit Schmerzen, Freuden, Traurigkeit.

Ein ganz besonderes Buch. Den 5. Stern habe ich nicht gegeben, weil es trotz allem eine Welt ist, in die ich mich nur bedingt einfühlen kann und in der ich Manches emotional schwer nachempfinden kann.

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Warum hat mich das bewegende Thema nicht bewegt???

Schmelzwasser von Patrick Tschan

Der Kampf von drei Frauen mit sehr verschiedener Geschichte gegen die dumpfe Stimmung in einem Ort am Bodensee nach dem 2. Weltkrieg wird hier zum Thema gemacht.
Kleinbürgertum, viel Naziideologie bei den meisten Dorfbewohnern, verkrustete Strukturen, die die Buchhändlerin mit ihren Gefährtinnen aufbrechen will.

Es gelingt im Grunde alles.
Es ist geradezu mein Thema, ich habe viel gelesen, noch mehr erlebt, zuerst als Jugendliche, später als Erwachsene.
Dennoch hat mich das leicht zu lesende Buch, in dem alles zu gut läuft, bis auf einen ganz Bösen fast alle "bekehrt" werden, nicht erreicht, nicht bewegt, stellenweise sogar ein wenig gelangweilt. Wenn es doch so einfach wäre, wäre es ein Märchen und wir müssten nicht fürchten, dass sich schlimme Dinge wiederholen können...wie uns die Geschichte zeigt.
Dennoch ist es einen Versuch wert, das Gespräch zu suchen, im Gespräch zu bleiben - leider scheitern diese Versuche in der Realität zu oft.

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Ungewöhnlich und sehr gut

Der große Fehler von Jonathan Lee

Die sehr ungewöhnliche Lebensgeschichte des Andrew Green, der für die Architektur im New York des 19 Jahrhunderts eine beachtliche Rolle gespielt hat, ist die eine Geschichte
Das Sittenbild, die Lebensverhältnisse, die weit verbreitete Armut, die Zwänge der Gesellschaft die andere.
Hervorragend geschrieben - nicht immer ganz leicht zu lesen - aber immer fesselnd, mit überraschenden Wendungen.

Die Qualität des Buches liegt für mich auch in der Andeutung von psychischen Vorgängen, die dennoch ein sehr klares Bild zeichnen von einem besonderen Mann. Hochbegabt entkommt er durch die Beziehung zu einem der "Privilegierten" seinen sehr ärmlichen, ja katastrophalen Verhältnissen und er nützt diese Chance und wird ein ganz "Großer"
Kaum entkommt er jedoch seinen Defiziten aus der Kindheit, seiner Einsamkeit, die er aber mit dem Rettungsanker der Intellektualität gut kompensieren kann.
Ein phantasievoller Autor hätte kaum eine spannendere Geschichte erfinden können aus Jonathan Lee aus den Bruchstücken dieser Biographie konstruiert hat.
Ich werde dieses Buch sehr weiterempfehlen.

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Eine überraschende Geschichte

Du existierst nicht von Miha Mazzini

Das Schicksal von Zara, der Protagonistin dieses Romans, hat mich sehr überrascht. Obwohl die Handlung eine fiktive ist, lehnt sie sich, wenn der historische Kommentar zutreffend ist, sehr an die Realität an. An eine Realität, die eine Folge der Kriegswirren des zerfallenen Jugoslawiens einerseits, einer unfähigen Bürokratie andrerseits, oder gar mehr oder weniger nachlässiges Umgehen mit dem Schicksal einzelner Menschen(gruppen) ist.

Denn dass sich für einzelne "Fälle" wie der dargestellte keine bessere, einfachere, menschliche Lösung finden lässt, ist geradezu kafkaesk. Über die Ursachen dafür könnte man lange spekulieren.
Nun zur literarischen Seite des Buches. Die hat mich nicht sehr beeindruckt. Weder Aufbau noch Sprache (Übersetzung?) haben mir gefallen. Trotz der Dramatik des Inhalts - und es ist gut, dass das Thema öffentlich wird - habe ich mich beim Lesen teilweise gelangweilt. Vielleicht blieb durch das" Überlesen" mancher Seiten gegen Ende des Buches die Ursachen für die "Lösung" für mich unklar - oder es ist Absicht des Autors, den Dschungel der Bürokratie und ihrer Blüten vage zu lassen - was mir eigentlich wieder sehr gut gefällt.
Maria Dörfler

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Ein Essay, eine Novelle nach einer wahren Geschichte

Das Dämmern der Welt von Werner Herzog

Den Älteren von uns ist die seltsame Geschichte des Soldaten Onoda wohl bekannt. Sie ist durch die Weltpresse gegangen nach seiner "Entdeckung" im Urwald, in dem er ganz alleine immer noch gegen den vermeintlichen "Feind" kämpft. Sehr einfühlsam wird die unglaubliche Geschichte erzählt, es entstehen fast unwirkliche Bilder, Einblick in die Psyche eines Mannes, der über Jahrzehnte einem "Befehl" gehorcht Für mich nicht wirklich nachvollziehbar.

So war die Lektüre für mich zwar ansprechend, aber irgendwann auch etwas langweilig.
Maria Dörfler

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Das erreicht mich gar niucht

Salonfähig von Elias Hirschl

Abgesehen von einigen wenigen witzigen Passagen kann ich mit dieser Art von Satire wirklich wenig anfangen. Das Anbeten des Idols, die überzogene Beschreibung der Entfremdung dieser Art zu leben, die plumpen Anspielungen auf Personen und Ereignisse kann ich beim besten Willen nicht in Buchform schätzen.

Vielleicht im Kabarett, vielleicht als kurzen Essay....aber nicht als Roman

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Ein ganz normales, seltsames Leben

Der Kolibri von Sandro Veronesi

Das Leben des Marco Carrera ist geprägt von manchmal seltsamen Zufällen, Brüchen, Sehnsüchten, Schwierigkeiten und doch einer Form von Treue zu sich selbst und für ihn wichtigen Menschen. In manchen Zeiten verausgabt er sich total in der Aufopferung für seine Familie und doch scheint er immer wieder an dem, was ihm an großem Glück vorschwebt, vorbei zu gleiten.

Einer (vermeintlich) großen Liebe ein Leben lang nach zu träumen hat schon auch etwas von selbst gewähltem Leiden.
Teilweise sehr spannend zu lesen, war es für mich doch mühsam - ich musste die Lektüre oft unterbrechen - die Zeitsprünge der Erzählung mit zu machen. Ich habe nicht wirklich einen Sonn darin gefunden.
Dass kaum die Rede von seinen Gefühlen in der Achterbahn seines bewegten Lebens die Rede ist, macht die Geschichte eher reizvoll. Am ehesten zeigt er in den Briefen "an die ferne Geliebte" seine Gefühle, seine Zerrissenheit. Doch etwas seltsam ist die Geschichte mit seiner Enkelin und zu dem Analytiker....
Das selbst gewählte, selbst inszenierte (?) Ende seines Lebens hinterlässt für mich auch etwas zwiespältige Gefühle. Alles zusammen scheint fast ein wenig viel für ein einziges Leben.

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Ein(e) Buch (Frau) für einen Abend

Rose Royal von Nicolas Mathieu

Eine gute Geschichte, trifft wahrscheinlich das Lebensgefühl einer Generation, die sich durchs Leben schlängelt mit kleinen Hilfen wie eher unverbindlichen Liebschaften, etwas zu viel Alkohol und die doch auf der Suche ist. Und dann geschieht das Wunder: die alten Illusionen sind wieder da, die Abhängigkeit scheint unvermeidlich.

Gerade als Rose sich wieder lösen will, zurück in die unsichere Freiheit - passiert es...
Alles ist schnell, die Tage , die Veränderungen, das Lesen - und das Ende.
Als Erzählung recht fesselnd, der Stil hat mich nicht wirklich überzeugt und die Figuren sind mir fremd geblieben - was aber vielleicht durchaus der Intention entspricht, denn Gefühle sind nicht an und ausgesprochen, aber im Hintergrund stark präsent.
Maria Dörfler

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