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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Hennie :

Sammler kostbarer Momente

Jetzt gerade ist alles gut von Stephan Schäfer

Ein kleiner Schnitt in den Finger! Unbeachtet, schnell abgetan, fast vergessen! Wie oft passiert so ein Missgeschick im Alltag. Hier erzielt diese winzige Ursache eine große Wirkung. Soeben war das Leben noch in Ordnung. Die Familie freute sich auf drei Wochen Urlaub am Atlantik, war schon auf dem Sprung, die Koffer gepackt.

Fertig zum Starten. Doch von einem Moment auf den anderen steht die Welt Kopf. Der Familienvater schwebt in höchster Lebensgefahr. Diese Geschichte wollte ich gern weiterverfolgen. Sie erschien mir so vollkommen unabgehoben, so natürlich, so alltäglich. Und tatsächlich bereitete mir das Lesen dieses Büchleins Freude. Ich habe es zum großen Teil gelesen, als ich meinen Mann zu einer längeren Untersuchung ins Krankenhaus begleitete. Der Schreibstil gefällt mir und bereits die Leseprobe ließ sich flott lesen. Das Cover vermittelt Optimismus mit dem Blick übers Meer zum Horizont. Auch das gefällt mir. Ich liebe solche kleinen Bücher, die vom normalen Leben erzählen. Auf nur 176 Seiten führt Stephan Schäfer in kurzen, episodenhaften Kapiteln aus, wie vergänglich unser Dasein ist.

Die Überschriften enthalten die Tagesangabe und die Uhrzeit. Es beginnt an einem Mittwoch. Der Erzähler hatte überlebt, entdeckt die Menschen neu und wird zum Sammler kostbarer Momente. Diese Momente sind manchmal nur winzige Augenblicke oder auch wunderbare und prägende Erinnerungen wie im Kapitel LIEBLINGSRESTAURANT (bei der Oma) oder DER BADETAG. Er entdeckt das Lachen, das Unbeschwertsein. Die ganz normalen, alltäglichen Mitteilungen machen das Leben aus. Gefallen hat mir auch das Kapitel DER KNACKS. S. 138 Das ist mir auch schon passiert und ich konnte ebenfalls nicht mehr sagen, wann der Knacks erfolgte. Besondere Erlebnisse widerfahren ihm in der Landschaft, in Feld und Wald mit einem Freund, der Biologe ist. Das Werden und Vergehen. Die Natur. Das immer Wiederkehrende!

Die ganze Erzählung zeigt uns, was das Leben ausmacht, dass auch angeblich Belangloses bedeutend und wichtig werden kann.

Ein Buch zum Innehalten! Meine Empfehlung mit vier von fünf Sternen!

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Wichtiges Zeitdokument

Zwei Leben: Das Versprechen von Astrid Korten

„Zwei Leben – Das Versprechen" berührte mich genauso wie der erste Band, der den Titel „Zwei Leben - Hinter dem Schweigen“ trägt.
Auch dieser historische Familienroman von Astrid Korten bewegt sich auf zwei Handlungsebenen, die Vergangenheit und Gegenwart in feinfühliger Weise miteinander verbinden.

2014 - Wie das Leben so spielt, führt es die junge Juna und den schon sehr betagten Vincent Molen zusammen. Juna kümmert sich um den alten Mann. Sie braucht eine sinnvolle Aufgabe, nachdem ihr zehrender Job eine Auszeit verlangte. Nach und nach kommt Vincent aus seinem Schneckenhaus und erzählt Juna, was ihm in jungen Jahren widerfahren ist.
1942 – 1944 Vincent und Ester arbeiten in einer Diamantschleiferei in Antwerpen. Sie lernen sich kennen und lieben. Es ist eine verbotene Liebe, die vor allem für Ester als Jüdin lebensgefährlich ist. Vincent versucht alles, um sie zu schützen. Doch die Zeiten sind barbarisch und trennen die beiden jungen Leute. Erst am Ende seines langen Lebens wird Vincent die ganze Wahrheit erfahren...

Auch dieser Roman ging mir wieder sehr nah. Die Autorin berichtet sehr einfühlsam, sehr ergreifend aus der eigenen Familie. Auf 307 Seiten entfaltet sich vorwiegend mit leisen Tönen eine unfassbare Geschichte. Durch ihr schriftstellerisches Können wurden die Charaktere für mich fassbar, richtig lebendig. Die Ereignisse aus der Vergangenheit erschütterten mich in besonderem Maße. Es wurden viele Szenen entwickelt, die sehr intensiv sind, Bilder in mir entstehen ließen und tief nachwirken. Die Grausamkeiten, die Unmenschlichkeit auf der einen Seite durch die Nazis, aber auf der anderen Seite auch Liebe, Hoffnung, kleine Glücksmomente und Menschlichkeit in aussichtsloser Lage. Toll erzählt!
Einen Satz möchte ich zitieren, der in seiner Aussage für sich spricht. Vincent richtet an Juna diese Worte:
„Vor dem Krieg lebten fünfundzwanzigtausend Juden in Antwerpen, danach nur noch etwa tausend.“ (S. 75)
Beide Bände sind wichtige Zeitzeugnisse. Das, was den Millionen Juden und den anderen Opfern des Nationalsozialismus angetan wurde, soll nie in Vergessenheit geraten. Ich erinnere an die Worte von Bertolt Brecht:
„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Für mich ist auch dieses Buch ein Lesehighlight 2025! Deshalb von mir die Höchstbewertung!

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Natürlich kreativ - wunderbare Dekoideen

Meine zauberhafte Dekowelt von Michaela Waldl

Ich möchte Michaela Waldl herzlich danken für dieses schöne Anleitungsbuch. Der Titel „Meine zauberhafte Dekowelt" passt ausgezeichnet.
Das Inhaltsverzeichnis weist daraufhin, was einem im Buch erwartet, gegliedert in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die selbst gefertigten vielfältigen Dekorationen, die alle vier Jahreszeiten bedienen, fanden meine einhellige Begeisterung.

Besonders in der Weihnachtszeit verbreiten diese eine herrliche, behagliche Atmosphäre.
Gleich zu Beginn des Buches verweist die Autorin auf Basiswissen und auf die Wichtigkeit von gutem Werkzeug. Beides ist Voraussetzung für das Gelingen! Sie beantwortet viele wichtige Fragen und gibt wertvolle Ratschläge und Hinweise. Wertvolle Tipps (grün unterlegt) ergänzen den erklärenden Text.
Sehr viele Fotos dokumentieren die einzelnen Arbeitsschritte und das fertige Ergebnis. Schritt für Schritt erfolgen die Anleitungen.
Der Möglichkeiten scheinen keine Grenzen gesetzt. Verwendung finden alle mögliche Naturmaterialien aus Wald, Feld und Garten. Auch aus Altem lässt sich Schönes erschaffen. Upcycling- Ideen sind gefragt! Dazu lohnen sich Blicke in den eigenen Haushalt/Küche, in den Wollkorb, der Restekiste, dem Kleiderschrank, dem Flohmarkt...
Die zauberhafte Dekowelt ist natürlich kreativ. Hier wirkt nichts gekünstelt. Das Buch regte meine Phantasie besonders an. Ich fühlte mich direkt angesprochen. Schon beim Durchsehen kamen mir viele neue Ideen. Die Kreativität Michaelas ist sehr ansteckend.

Zusatzinformationen kann man durch das kostenlose Extra: Die APP “Kosmos Plus" erhalten.

Ich empfehle das Buch sehr gern weiter und vergebe fünf von fünf Sternen.

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Tiefe Einblicke in die Arbeit der Rechtsmedizin

Mit kalter Hand von Michael Tsokos

Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, stellt hier den dritten Band um die Ermittlungen der Rechtsmedizinerin Dr. Sabine Yao vor.
Tsokos schreibt anschaulich. Das konnte ich schon bei seinen anderen Thrillern feststellen. Schnell war ich wieder in dem Geschehen drin. Außerdem ließen mich die kurzen Kapitel mit den Angaben zu Datum/Zeit/Ort schnell mit dem Lesen vorankommen.

Das gefällt mir.
Der ständige Wechsel zwischen den einzelnen Fällen macht das Lesen abwechslungsreich und spannend.
Dr. Yao ist mir schon bekannt als sehr akribische, wissbegierige Rechtsmedizinerin, die den Fällen gewissenhaft auf den Grund geht. Das ist hier auch so, besonders bei dem Pferderipperfall. Für sie stellt die Tierpathologie etwas ganz Neues dar. Sabine Yao arbeitet gemeinsam mit anderen Experten für die Soko Ross, bringt ihr Wissen ein.
Es ist viel von anderen Untersuchungen und skurrilen Tötungsarten die Rede. Fälle, die in der Rechtsmedizin auch noch bearbeitet werden müssen. Wir erfahren, wie es im Sektionssaal so zugeht. Gerüche, Beschaffenheit von Haut, Organen, Knochen, Muskulatur, Verwesungsszustände usw.. Davon berichtet Michael Tsokos sehr intensiv und authentisch. Obduktionen werden genau beschrieben; Befunde mit allen Details ausgewertet. Vielleicht ist das für sensible Menschen nicht zu empfehlen.
Im letzten Leseabschnitt (ab S. 226) geht es recht zügig zur Auflösung der Fälle um den Pferderipper und dem Leichenzerstückler. Die Täter spielen keine Rolle mehr. Ich hätte gern mehr zu den Hintergründen der beiden Verbrecher erfahren. Sabine Yao hat ihre Arbeit exzellent zu Ende geführt. Es wurde der Erweis erbracht, dass die Rechtsmedizin in enger Zusammenarbeit mit der Polizei die Täter überführt. Die Untersuchungsmethoden wurden verständlich dargelegt. Unmögliches wird möglich. Das hat mich tief beeindruckt.

Mit kalter Hand wird als Rechtsmedizin-Thriller bzw. als True-Crime-Thriller bezeichnet, aber gerade der Thrill fehlte mir in diesem Band.

Meine Bewertung: vier von fünf Sternen. Ich fühlte mich gut unterhalten und gebe deswegen gern meine Leseempfehlung.

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Relativierung des Wahnsinns

Botanik des Wahnsinns von Leon Engler

Zuerst ist mir das verrückt schöne Cover aufgefallen. Da sind weder bestimmte Blumen noch bekannte Vögel abgebildet! Nach der Lektüre des Buches fiel mir auf, wie natürlich und unverkrampft der Titel und die Illustration bei dem Thema zusammenpassen.

Autor Leon Engler verarbeitet mit Botanik des Wahnsinns seine eigene familiäre Geschichte, ein Stammbaum des Wahnsinns.

Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. (Auszug aus dem Klappentext)

In 46 kurzen Kapiteln gelingt es ihm sehr eindrucksvoll episodische Einblicke in diese emotional komplizierte Familiengeschichte zu geben. Der Roman beginnt ungewollt komisch mit der Verwechslung des Hausrats der Mutter bei der Zwangsräumung ihrer Wohnung. Alles von Wert und damit auch die Erinnerungen landen in der Müllverbrennungsanlage. Es verbleiben die wert- und belanglosen Überreste.
Fragmentarisch springt er zwischen den Generationen seiner Familie hin und her. In die Biografie seiner Mutter gibt er tiefere episodenhafte Einblicke. Auch mit dem Vater setzt er sich intensiver auseinander. Dabei gefällt mir, wie der Ich-Erzähler es versteht, nicht zu urteilen oder zu verurteilen. Die Authentizität berührt mich. Es wird berichtet mit einer Wahrhaftigkeit, mit einer Klarheit, mit wunderbarer Echtheit, die mich tief beeindruckt. Seine Gedanken, die er ohne Anklage gegen irgendwen niederschreibt, sind wohlformuliert, mit Zitaten durchsetzt und durch seine Arbeit als Psychologe sehr professionell. Es gibt höchstens mal klitzekleine Anklänge von Wut, die hervorblitzen, aber wer will ihm das bei solch einer Häufung von psychischen Erkrankungen in einer, nämlich seiner Familie verdenken!? Ganz stark auch, wie er das mitteilt, wie heute in der Psychiatrie die Menschen gegenüber früheren Zeiten behandelt werden. Jede Person in der Klinik ist ein Individuum, nicht die Diagnose.
"Die Psychiatrie ist alles mögliche, aber kein Ort für einfache Antworten... Die Psychiatrie ist kein Ort für gesellschaftliche Fragen.“ S. 96

Leon Engler hat mir mit dieser Erzählung den Wahnsinn relativiert. Was und wer ist schon normal?

Ich vergebe meine Lese- und Kaufempfehlung mit der Höchstbewertung!

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Die vermisste Tochter und der demente Vater

Himmelerdenblau von Romy Hausmann

Die Begeisterung, die Romy Hausmanns Thrillerdebüt „Liebes Kind" bei mir auslöste, vermochte „Himmelerdenblau" nicht zu erreichen. Was mir am meisten fehlte, war leider die kontinuierliche Spannung. Den teilweise überbordenden Hype um dieses neue Buch teile ich nicht.

Bis ich mich in diese Geschichte so richtig einfinden konnte, dauerte es ziemlich lang.

Es gab viele Hemmnisse, zu viele Nebenschauplätze, die sich am Ende für mein Verständnis als überflüssig erwiesen. Auch die Podcast-Szenen fand ich entbehrlich.

Aus wechselnden Perspektiven erfahren wir, wie erneut zu der vor 20 Jahren spurlos verschwundenen Julie intensive Nachforschungen betrieben werden. Die junge Podcasterin Liv Keller nimmt den Fall wieder auf und gewinnt Julies Vater Theo für das Vorhaben, bevor er durch die fortschreitende Demenz sein Gedächtnis vollends verliert. Die jüngere Tochter Sophia zeigt wenig Begeisterung für das Vorhaben

Der Fokus liegt mehr auf dem Verschwinden des Vaters in seiner Demenz als auf dem Vermisstenfall der Tochter, der oft im Hintergrund verschwindet und zu verblassen droht. Die eindringliche Schilderung des Verlaufs der Krankheit berührt und macht betroffen. Die Erkrankung führt die Autorin sehr eindrucksvoll aus. Sie bringt das Vergessen, die langsame Auflösung der Persönlichkeit, die schrägen bzw. falschen Wörter, die Wortfindungsstörungen, kurz die allgemeine Hilflosigkeit sehr gut in dem kleingeschriebenen Text sowie in den Aktionen zum Ausdruck.

Ich nenne diesen Roman nicht Thriller, sondern eine tragische Geschichte, die viele Menschen ins Unglück stürzt. Falsche Entscheidungen ziehen ungeahnte Konsequenzen nach sich und beeinflussen mehrere Leben negativ. Die meisten der Protagonisten blieben mir fremd, da sie auch sehr unschöne Charaktereigenschaften offenbarten. Für Julies Exfreund Daniel allerdings empfand ich Mitgefühl.
Im gesamten Kontext betrachtet und beim nochmaligen Lesen einiger Sachverhalte, bspw. die Rolle Laras, schätze ich ein, dass das Buch gut durchdacht und nachvollziehbar erzählt wurde. Indes gab es für mich einige Längen und es hätte auf einiges verzichtet werden können.

Das verschwommene blaue Cover und der romantische Titel sind gut gewählt und passen hervorragend zu der Geschichte.

Soweit meine Beurteilung! Trotz der Kritikpunkte gebe ich meine Lese- und Kaufempfehlung. Ich ziehe einen Stern ab und bewerte mit vier von fünf Punkten.

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Keiner muss perfekt sein!

Menschenhausen von Rusanna Danielian

In Menschenhausen dürfen die Einwohner alle irgendwie sein. Jeder darf so sein, wie er ist. Die Andersartigkeit eines Menschen steht im Vordergrund. Die Botschaft, die mit der Geschichte vermittelt werden soll: Keiner muss perfekt sein. Das funktioniert in Menschenhausen ganz gut, bis eines Tages im Ort die wunderschöne Miss Betty auftaucht.

Plötzlich fangen alle an, ihre bis dahin nie thematisierten Makel zu verstecken. Sie schämen sich sogar dafür. Bei den eigentlich zufriedenen Bewohnern treten mit dem Auftauchen der makellosen jungen Frau die negativen Charaktereigenschaften zutage. Sie empfinden Neid, Mißgunst, Scham. Doch auch die attraktive Betty hat ein gut gehütetes Geheimnis. Ihr Fehler ist gut versteckt.

Das Buch wird für das Lesealter ab acht Jahren empfohlen und ist ansprechend und kindgerecht in schöner Farbigkeit gestaltet. Ich denke, dass es gemeinsam mit den Kindern gelesen werden sollte. Das Thema ist nicht so einfach. Damit sollte man die jungen Leser nicht allein lassen.
Es regt zum Nachdenken, Diskutieren und fairen Umgang miteinander an.

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Zwei Leben, das Leben davor und das danach

Zwei Leben von Astrid Korten

Ich kenne schon viele Bücher von Astrid Korten, die meisten waren Thriller, und ich habe sie ausnahmslos mit Begeisterung gelesen. Nun konnte mich die Autorin erneut überraschen mit einer neuen Seite ihres schriftstellerischen Könnens. Sie legte ihren ersten historischen Familienroman vor, der auf Erzählungen ihrer Großeltern basiert.

Erscheinungstermin: 28.05.2025 Herausgeber: ‎BoD – Books on Demand
Der Prolog führt in den verschneiten Dezember 1941. Die Szene folgt einer geschickten Dramaturgie. Noch wissen wir nicht, wer die Frau ist, die mit blutbefleckter Kleidung von russischsprechenden Männern in bedenklichem Zustand aufgefunden wird. Schon auf der nächsten Seite gibt es einen Zeitsprung ins Jahr 2013. Großmutter Xannas Begräbnis findet statt und Enkelin Nora muss feststellen, dass sie ihre 90 jährige Oma nie richtig kennenlernte. Beim Sichten des Nachlasses findet sie auf dem Dachboden eine Schatulle mit rätselhaftem Inhalt. Zum gleichen Zeitpunkt verläßt Noras Ehemann sie und den kleinen Sohn abrupt und möchte Neues beginnen. Aus ihrem seelischen Gleichgewicht gebracht, begibt sich die junge Frau mit dem Journalisten Andreas auf die geheimnisvollen Spuren der Großmutter...
Auf 271 Textseiten (das ist so in meiner Printausgabe) und in kurzen Kapiteln entwickelt sich eine erschütternde, tief ergreifende Geschichte, die in den 2. Weltkrieg zurückreicht. Die Handlungsebenen verlaufen abwechselnd in Gegenwart und Vergangenheit. Die Hauptpersonen sind Nora Weiß und Hannah/Xanna. Die wesentlichen Handlungsorte sind Aachen in Deutschland und Glusk in Weißrussland.
Astrids Schreibstil ist wieder so mitreißend, so spannend, wie ich es von ihren Thrillern kenne, dass es mir schwerfiel, das Buch auch mal wieder aus den Händen zu legen. Die Charaktere der Haupt- und Nebenpersonen sind ausnahmslos authentisch dargestellt. Mir ging besonders eine Szene sehr tief ins Herz und an die Nieren. Ich musste innehalten, tief Luft holen, um das unfassbare Geschehen zu verstehen. Mir fehlen die Worte für solche Grausamkeiten! Dem entgegengesetzt sind zum Glück im Roman einfühlsame, gefühlvolle Szenen, die das Dasein lebenswert machen. Das unterstreicht das wunderschöne, farbenfrohe Cover mit den beiden im Flug befindlichen Schwalben und den zwei Mohnblumen.

S. 270 „Das Leben ist unvorhersehbar. Es kann immer in alle Richtungen gehen.“

Dieses Buch brachte mich, da ich bereits im achten Jahrzehnt meines Lebens bin, erneut zum Nachdenken, was ich eigentlich über meine Ahnen weiß bzw. was nicht.

Fazit:
Zwei Leben – Hinter dem Schweigen ist eine Geschichte, die von unvorstellbarem Leid berichtet. Doch nicht die Gefahren, die Schrecken des Krieges gewinnen die Oberhand, sondern es gibt Hoffnung auf Liebe und Glück, auf die schönen Momente des Lebens. Der Roman hat mich tief berührt und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck auf mich.

Für mich ist das Buch ein Lesehighlight 2025! Deshalb von mir die Höchstbewertung!

Nachsatz:
Die NS-Zeit war eine unfassbar schlimme Zeit und was mit den Juden geschehen ist, darf sich niemals wiederholen! Der jetzigen gesellschaftlichen Entwicklung mit ihren rechtsextremen Auswüchsen muss dringendst entgegengewirkt werden.

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Vom Embryo zum Schauspielstar

Sputnik von Christian Berkel

In seinem ersten Buch „Der Apfelbaum“ beschreibt Christian Berkel in eindrucksvoller Weise ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte anhand der ungewöhnlichen Liebe seiner Eltern Sala und Otto in der Zeit der Nationalsozialisten. Diese aufregende, oft quälende und bittere Story der beiden aus sehr unterschiedlichen Schichten stammenden Menschen bildete den Kern des Buches.

In „Ada“ wird aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur eine wesentlich dichtere autofiktionale Geschichte abgebildet. Das geschieht über einen Zeitraum von fast 50 Jahren. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf den 50er und 60er Jahren, die 70er und 80er sind ausgeblendet. Aus dem Bruder Peter des Autors in der Realität wurde in der Fiktion die Schwester Ada, die 1945 nach einer schwierigen Geburt in Leipzig das Licht der Welt erblickt.
Auch der dritte Roman Christian Berkels ist autofiktional. Die Erzählung erfolgt aus der Ich-Perspektive und ist in drei Teile gegliedert.
Mit Sputnik verfasste Berkel weitgehend seine eigene Lebensgeschichte, sein Werden, Wachsen und Fortkommen. Es ist für mich sehr beeindruckend, wie er das literarisch beginnt. Er fängt nämlich an mit der vorgeburtlichen Erinnerung. Sehr außergewöhnlich und lesenswert! Das muss einem erst einmal einfallen! Später kommen wiederholt die Erinnerungen an Mutter und Vater hinzu, die der Autor in seinen vorherigen Büchern ausführlich beschrieben hatte – die nicht alltägliche, schmerzvolle und komplizierte Geschichte der Eltern, die immer wieder thematisiert wird.
In sehr jungen Jahren darf Sputnik in Frankreich seine Erfahrungen sammeln, sowohl in sexueller Hinsicht als auch erste prägende Erkenntnisse für den schauspielerischen Beruf. Der Autor lässt uns teilhaben an seiner Entwicklung und zeigt dabei viele Facetten der Orientierungs- und Hilflosigkeit, Zerrissenheit und Selbstzweifel. Die Liebe zum Theater und der Literatur weisen ihm den Weg. Er kehrt zurück nach Deutschland.

Alles habe ich nicht verstanden bzw. kann es nicht einordnen. Was ist Wahrheit, was Fiktion? Im Gegensatz zum Apfelbaum und Ada, die ich mit fünf Sternen bewertete, ziehe ich hier einen Stern ab. Vier von fünf Sternen und meine Kauf- und Leseempfehlung!

Fazit:
Mich faszinierte erneut der gewandte, detaillierte, wohlformulierte Sprachstil des Autors.

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Churchills Geheimnis, bleibt es eins?

Was am Ufer lauert von Lenz Koppelstätter

Wie schon im ersten Teil findet die junge Gianna Pitti, die als Polizeireporterin bei der Zeitung Messagero di Riva arbeitet, im Wasser des Gardasees eine Leiche. Dieses Mal ist es eine Frau und wie sich bald herausstellt, war das ihre Informantin. Im Auftrag ihres Vaters sollte Gianna eine CD-Rom mit wichtigen Daten übernehmen.

Leider findet sie nur die Hülle mit unvollständigem Hinweis zu Churchills Geheimnis...

Das ist der spannende Ausgangspunkt und ich begann mit großer Erwartung zu lesen. Wie im ersten Teil wird das italienische Flair, die Urlaubsstimmung am Gardasee, die italienische Art zu leben, wunderbar eingefangen. Die eigentliche Geschichte mit dem grandiosen historischen Hintergrund unter Beteiligung großer Namen ist für meinen Lesegeschmack ein wenig zu ausufernd geraten. Viel Raum nehmen die Geschichte der Adelsfamilie Pitti-Sanbaldi und die Macken des Marchese Francesco (Bruder von Arnaldo und Onkel von Gianna) ein. Dazu gibt es noch einige Protagonisten im Arbeitsumfeld Giannas, ihre Chefin Elvira Sondrini, dann die Exfrau Arnaldos, Clara sowie deren jungen Lebensgefährten Patrick, ein Historiker... Aus wechselnden Perspektiven setzt sich die Handlung fort, erst gemächlich bis es immer brisanter wird. Am Ende gibt es eine Auflösung, aber nicht die erwartete. Churchills Geheimnis, bleibt es eins?

Interessante Beigaben:
Giannas sich ständig ändernde To-Do-Liste, ein Kreuzworträtsel und ein Plätzchenrezept, das eine wichtige Rolle spielt.

Fazit:
Ich wiederhole meine Einschätzung vom ersten Teil: Auch Was am Ufer lauert ist eine Werbung für die Urlaubsregion Gardasee, eine schöne Urlaubslektüre. Ich freue mich auf Teil 3 und auf die Lösung noch ungeklärter Fragen.

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