Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Hennie :
Die Geschichte einer anfangs 17jährigen
Die Wiege der Hoffnung von Tara Haigh
Romane, die die Zeit von 1935 bis kurz nach dem Krieg beinhalten, habe ich schon einige gelesen. Hier wird in anderer Weise über das Schicksal einer jüdischen Familie erzählt. Nicht die Deportation der Juden in ein Lager steht im Vordergrund. Die Handlung der Geschichte geht von der seit Generationen in jüdischer Hand befindlichen Berliner „Rosenbaum-Apotheke“ aus.
Tara Haigh widmete sich in der Hauptsache dem Werdegang der beiden Kinder der Familie Rosenbaum, Luise und Hannes. Sie zeigt auf, wie unterschiedlich Menschen die Gefährlichkeit des Naziregimes beurteilen. Während der Vater Rosenbaum sich darauf beruft, ein Deutscher jüdischen Glaubens zu sein, dem nichts passieren könne, arrangieren sich die jungen Erwachsenen mit den Nazis, allerdings auf sehr unterschiedliche Art und Weise.
Der Roman hat 21 Kapitel und ist in drei Teile unterteilt, die in den Überschriften den Inhalt anschaulich widerspiegeln - I Die Kunst der Anpassung; II Die Kunst des Überlebens; III Die Kunst des Hoffens.
Der Titel „Die Wiege der Hoffnung" wurde auch gut gewählt, war doch für viele Juden Apulien in Italien die Wiege der Hoffnung. Von dort aus hofften sie nach Palästina ausreisen zu können.
Eindrucks- und gefühlvoll vermag die Autorin die damalige Zeit zu schildern, u. a. die unheilbringende Entwicklung der Stimmung und der wachsenden Angst in der Bevölkerung, nachdem die Nazis immer mehr die Oberhand gewannen. Es ist nicht zu fassen, mit welchen haarsträubenden, hanebüchenen Mitteln die Juden diffamiert wurden, wie die infame Hetze funktionierte.
Die geschichtlichen Abläufe sind ja hinlänglich bekannt mit den schlimmen Auswüchsen gegen die jüdische Bevölkerung. Die Kristallnacht als Höhepunkt der Ausschreitungen findet hier ebenfalls Eingang. Leider zieht Rosenbaum Senior für sich die falschen Schlüsse. Sehr spannend erfolgt die Beschreibung der Ereignisse. Fast wie im Krimi erfolgen die Schilderungen, wie es bspw. mit den Liebenden Luise und Emilio und Luises Bruder Hannes weitergeht.
Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen und vergebe die Höchstbewertung.
Briefe aus dem Jenseits
Vilma zählt die Liebe rückwärts von Gudrun Skretting
Wie schon der Titel vermuten lässt, ist diese Geschichte etwas wunderlich. Zunächst stellte sich mir die Frage, warum Vilma die Liebe rückwärts zählt. Ich bekam es nicht heraus, aber die Aussage des Titels rechne ich zu den zahlreichen Skurrilitäten, die dieser Roman zu bieten hat. Die Protagonistin Vilma, 35 Jahre alt, lebt als Klavierlehrerin ganz allein in Oslo in einem großen Haus.
Ihre sozialen Kontakte sind auf ein Minimum begrenzt. Eines Tages stehen zwei Männer, ein Pfarrer und ein Sektionsassistent, vor ihrer Tür und konfrontieren sie mit dem Tod des Vaters, von dessen Existenz sie bis dahin nichts wusste. Er hinterlässt ihr zahlreiche an sie gerichtete Briefe, die sie nach und nach öffnet wie bei einem Adventskalender die Türchen. Dabei erfährt Vilma die tragische Liebesgeschichte ihrer Eltern. Mehr und mehr kommt sie aus ihrem Kokon und beginnt sich u.a. ihre eigene Vergangenheit zu erschließen.
Mit dem Lesen kam ich schnell voran. Das Buch strotzt vor komischen, grotesken, befremdlichen Charakteren und Begebenheiten. Die Autorin verfügt über viel schwarzem Humor. Das vermutete ich eher in einem englischen Roman, aber das ist dann wohl norwegischer oder skandinavischer Witz. Jedoch manchmal war es mir dann doch zu viel der skurrilen Personen und grotesken Situationen! Der komischen Vilma werden noch einige Charaktere zur Seite gestellt, die ausgewachsene Macken haben.
Gut herausgearbeitet wurde, wie zaghafte Veränderungen bei der jungen Frau vor sich gehen. Ihre Einstellung zum Leben verändert sich. Erkenntnisse werden sichtbar. Großen Anteil daran hat Amdi, das kleine Musikgenie. Er mit seiner kindlichen Unbeschwertheit bringt ihr so nebenbei menschlichen Umgang nahe. Großartig! Und da ist dann noch der unter Tourette leidende Robert, der sich nicht von Vilma abweisen lässt.
Mein Fazit lautet, dass hier eine durchaus unterhaltsame Geschichte vorliegt mit lustigen und traurigen Sequenzen und einem versöhnlichen Schluss.
Lesenswert!
Ich bewerte mit vier von fünf Sternen!
Kazanski - Ein Held der besonderen Art
EAST. Welt ohne Seele von Jens Henrik Jensen
Die Hauptfigur in dem Thriller ist der vollkommen aus der Bahn geratene CIA-Agent Jan Jordi Kazanski. Er verlor auf gewaltsame Weise Frau und Tochter, danach seine Arbeit und versank im Alkohol. Trotzdem wird er in den Dienst zurückberufen und soll in Krakau „Die Witwe“ aufspüren. Sie führt die größte Verbrecherorganisation an, aber niemand kennt ihre wahre Identität.
Kaum in Polen angekommen, entgeht er nur knapp einem Mordanschlag. Das soll nicht das einzige Attentat auf ihn bleiben. Wer steckt dahinter? Nur ganz wenige Leute wussten von seinem Auftrag!
Undurchsichtig bleibt auf lange Strecke, wer hier Freund oder Feind ist, unliebsame, lebensgefährliche Situationen inbegriffen. Für mich eine unfassbare, irrationale Welt!
Die Geschichte spielt sich hauptsächlich in Polen ab. Doch sind auch die Ukraine, Russland, die USA und Spanien Schauplätze. Es gibt viele Tote, ein Bombenhund sprengt Menschen in die Luft, Heimtücke auf allen Ebenen. Für mich war das Ganze bis zum Schluss schwer durchschaubar, spielten doch mehrere Geheimdienste eine Rolle, voran CIA und Europol (in Gestalt von Jan Jordi und der Dänin Xenia), der russische Auslandsgeheimdienst FSB sowie die russische Mafia (MAKU-90-Syndikat). Auch die Aufgaben waren weit gestreut, in erster Linie die Bekämpfung der organisierten Kriminalität, die illegalen Geschäfte der Banken usw. Und um Red Mercury (rotes Quecksilber), der „freie Zugang zu den Komponenten für Atomwaffen..." (S. 227).
Zu alldem befindet sich Agent Kazanski auf der Suche nach der geheimnisvollen Witwe auf dem heißen Pflaster von Krakau. Das er am Ende überlebt, zwar schwerverletzt, grenzt an ein Wunder.
Von Jens Henrik Jensen kannte ich schon „Oxen". Das war ziemlich spannend, sehr abenteuerlich und auch teilweise sehr mühsam zu lesen. Doch im Gegensatz zu „East –Welt ohne Seele" hatte ich zum Ende den Durchblick. Kazanski ging es mit dem Durchblick wahrscheinlich ähnlich wie mir. Wer da alles falsch spielte! Über seine Rolle fand ich auf S. 363 diese interessante Aussage:
„So war das mit den kleinen Schachfiguren. Er war lediglich ein Bauer, der einen Tritt in den Arsch bekommen hatte, sodass er direkt aufs Brett flog, ohne zu wissen, welche Farbe er trug.
Den Titel finde ich gut gewählt. "Welt ohne Seele“ trifft es sehr gut. Den Eindruck hatte ich auch.
Fazit:
Diese Trilogie werde ich wohl nicht weiterverfolgen. Das Verstehen der Zusammenhänge ist mir zu mühsam. Mir fehlt da sicher viel Faktenwissen.
Drei Sterne!
Beeindruckende Lebenswege
Die Töchter der Ärztin von Helene Sommerfeld
„Die Töchter der Ärztin – Zeit der Sehnsucht" ist ein gelungener Auftakt zu einer neuen Reihe des Berliner Autorenehepaars, die sich hinter dem Pseudonym Helene Sommerfeld verbergen. Die Basis bildet die Trilogie um die Ärztin Ricarda Thomasius. Henny und Antonia sind ihre Töchter.
Beide treten in die Fußstapfen ihrer prominenten Mutter und wurden ebenfalls Ärztinnen. Während Henny, die Ältere der Schwestern, sich in Berlin eine moderne Praxis für Onkologie aufbaut, will Toni sich an ihrem Geburts- und Sehnsuchtsort in Afrika den Lebenstraum erfüllen. Dafür möchte sie ein Praktikum für ein Jahr im Daressalamer Krankenhaus nutzen. Ein Unterfangen mit gewaltigen Aufgaben, dass sie als Frau und Ärztin in große Gefahr bringen sowie ihre Familie und Freunde vor immense Herausforderungen stellen wird...
Ich liebe historische Romane und wenn sie, wie hier, so fesselnd geschrieben sind wie ein Krimi, dann umso mehr. Die Ereignisse überschlagen sich mit dem Fortgang der Geschichte, wobei die Situationen um Toni in Afrika um einiges aufregender sind.
Berlin Ende der 20er Jahre, reich an geschichtlichen Umbrüchen, bekommt mit den Familien Thomasius und von Freystetten ein vielseitiges Gesicht. Es zeigt vor allem auf, wie sich Frauen der gehobenen Gesellschaftsschicht immer mehr emanzipieren und aus der üblichen traditionellen, scheinbar vorgegebenen Geschlechterrolle ausbrechen. Ganz extrem fällt die junge Frieda von Freystetten mit ihrem radikalen Verhalten auf. Sie nimmt sich wie selbstverständlich Freiheiten, die bis dahin nur den Männern vorbehalten waren. Dabei sind Frieda natürliche Grenzen gesetzt, die sie jedoch auch noch gewitzt für sich zu nutzen weiß. Ganz gewiss begegnet uns die exzentrische junge Frau im nächsten Band wieder.
Die Autoren statten die Personen mit authentischen Charakterzügen aus und bilden damit den Zeitgeist ab. Allen voran handelt die junge Toni mutig, tatkräftig, durchsetzungsstark und vor allem glaubhaft. Mit ihrer Reise nach Afrika und ihrem monatelangen Aufenthalt durchlebt sie eine für sich sehr prägende Zeit mit schönen, aber auch schmerzhaften Erfahrungen.
Recht eindrucksvoll wird die besondere afrikanische Welt mit ihrer Fauna und Flora beschrieben. Ebenso erhält man Einblicke in das schwere Leben der einheimischen Bevölkerung. Hat sich da überhaupt viel Positives bewegt bis zum heutigen Tag?
Zum Schluss noch eine Bemerkung zum ansprechenden Cover und der Ausstattung des Buches. Insgesamt machte alles auf mich einen runden Eindruck durch die zarte Farbgestaltung, der Abbildung der beiden Schwestern und je einer Darstellung Afrikas und Berlins. Vervollständigt wird das Ganze im Innenteil noch durch eine Berlinkarte, dem Stammbaum der Familien Thomasius und von Freystetten sowie durch ein Personenregister zum besseren Verständnis.
Fazit:
Wir erleben starke Frauen Ende der 20er Jahre, die sich in einer dominanten Männerwelt zu behaupten wissen. Das tun sie recht oft mit unkonventionellen Methoden.
Ich fühlte mich bestens unterhalten und freue mich auf die Fortsetzung im November 2023. Der Titel lautet „Die Töchter der Ärztin - Zeit der Hoffnung".
Von mir gibt es die Höchstbewertung und eine unbedingte Lese- und Kaufempfehlung!
Rasanter Thriller mit vielen Verdächtigen
Düsteres Wasser: Thriller von Catherine Shepherd
„Düsteres Wasser“ ist schon der siebte Fall aus der Reihe um die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz.
Wie in all ihren Thrillern gelingt es der Autorin auch hier, die Spannung bis zum Schluss hoch zu halten. Von Beginn an geht es aktionsreich zur Sache. Beständig werden falsche Fährten gelegt. Da sorgte Catherine Shepherd bei mir wieder für ganz schöne Verwirrung.
Die Handlungsfäden werden so geschickt gesponnen, dass fast jeder neue Charakter verdächtig daherkommt. Was sie da für Personen erfindet, die sich von fraglich bis absonderlich, teilweise auch bizarr verhalten! Das zeugt sowohl von Erfindungsreichtum als auch von sehr guter Beobachtungsgabe.
Eine grundlegende private Veränderung sorgt bei dem äußerst sympathischen Paar, dem Ermittler Florian und der Rechtsmedizinerin Julia dafür, dass ich mich besonders auf den nächsten Roman freue. Wie wird es bei ihnen weitergehen? Finden sie akzeptable Wege für die privaten und beruflichen Belange? Bringen sie alles unter einen Hut? Es wird auf alle Fälle nicht einfach werden.
Fazit:
Das war mal wieder eine rasante Geschichte, die auch noch einen außergewöhnlichen Abschluss bereithielt. Es war spannend und unterhaltsam zugleich. Für mich bedeutete es eine Lektüre, bei der ich eigentlich keine Ablenkung möchte und Arbeiten jeglicher Art nur stören.
Ich vergebe die Höchstbewertung, d.h. fünf von fünf Sternen!
Deutsche Geschichte, fassbar erzählt
Kinderklinik Weißensee - Tage des Lichts von Antonia Blum
Berlin ab 1928 bis 1930 und Epilog Dez. 1931:
In Band 3 geht es weiter mit den Lindow-Schwestern Marlene (inzwischen Marlene von Weilert) und Emma (verheiratete Vogel) vor ereignisreichem, historischen Hintergrund.
Antonia Blum stellt die Kinderklinik Berlin – Weißensee in den Mittelpunkt ihrer Romanreihe.
Sie beschreibt unterschiedliche Lebensläufe in der geschichtlichen Entwicklung der Zeit.
Mich fesselten über die 30 Kapitel und den 496 Seiten die lebendig dargestellten Charaktere in außergewöhnlichem Maß. Sie waren so authentisch gezeichnet, dass ich mir sie sehr gut vorstellen konnte. Das kommt besonders gut zur Geltung in den Nebenfiguren, die gleichzeitig Gesellschaftsschichten oder/und politische Gesinnung repräsentieren. Vielfältige Verhaltensweisen, Charakterstärken und – schwächen werden thematisiert (wie z. B. Standesdünkel, Hochmut, übersteigertes Selbstbewusstsein, Selbstüberschätzung, Kaltherzigkeit, Eifersucht, Gewalt...) und in den Verlauf der Geschichte geschickt eingebunden.
Die Zeit des stetigen Niedergangs der Weimarer Republik und des Erstarkens der braunen Kräfte mit dem Aufstieg der NSDAP schlägt sich spürbar nieder im Alltag der Menschen. Das versteht die Autorin in den Schicksalen ihrer Figuren eindrücklich darzustellen. Darüber hinaus hält der medizinische Fortschritt Einzug durch die Entdeckung des Penicillins und seiner baldigen Anwendung in der Kinderheilkunde.
Der Schreibstil ist flüssig und überzeugend. Wunderbar sind die Dialoge in der berühmten "Berliner Schnauze".
Die privaten und gesellschaftlichen Geschehnisse sind sehr komprimiert. Doch die Zeit war ähnlich wie heute sehr ereignisreich. Der Weltwirtschaftskrise folgte die Massenarbeitslosigkeit und vor allem eine unbeschreibliche Armut. Berlin war ein Zentrum. Hier kamen die Gegensätze am deutlichsten zum Ausdruck.
Ich kann die Reihe sehr empfehlen.
Fazit:
Anschaulicher und sehr unterhaltsamer Geschichtsunterricht, beeindruckend, berührend!
Ich bewerte mit höchster Sternenanzahl!
Ermittlung der anderen Art
Auf der Spur des Jägers von Alexander Hartung
Ich finde den Thriller unterhaltsam, mit schwarzem Humor versehen, und vor allem spannend von Beginn an. Mit Hilfe seines unkonventionellen Teams versucht der Berliner Kriminalkommissar Jan Tommen erneut komplizierte Verstrickungen bei den brutalen Morden herauszufinden. Mit Max, Zoe und Chandu hat er Freunde, denen nicht die Hände gebunden sind.
Sie ermitteln auf illegale Weise. Ich flog von Seite zu Seite und war voller Wissbegier, wie sie die Fälle lösen werden und wie sie miteinander in Verbindung stehen. Ganz schön komplexe Verwicklungen lässt sich der Autor mit zahlreichen, interessanten Figuren bis hin zu den Nebencharakteren einfallen. Er lockte mich damit auf die eine oder andere falsche Fährte. Das aber macht(e) für mich die zusätzliche Spannung aus.
Um die Zusammenarbeit Jans mit den drei ungewöhnlichen Spezialisten richtig einordnen zu können, sollte meiner Meinung nach zumindest Band 1 bekannt sein. Dort finden sie in einer ausweglosen, total irren Situation (für den Kommissar!) zueinander und helfen ihm aus der Patsche. Seitdem sind sie alle drei ein wichtiger Bestandteil nicht nur im beruflichen Leben des Ermittlers, sondern auch privat eine gute Truppe.
Die Story um hochkriminelle Machenschaften wie Menschenhandel, Zwangsprostitution hat mir gut gefallen. Bis zur letzten Seite empfand ich das Geschehen hochspannend. Es gab tragische Momente, die durch Selbstjustiz zustande kamen und teuer bezahlt wurden (Tod und schwere Verletzungen). In letzter Minute konnte Leben gerettet werden. Ich bin gespannt, ob im nächsten Fall das exklusive Trio erweitert wird um Dr. Volpe. Sie erscheint mir als Bereicherung.
Den nächsten Band erwarte ich sehnsüchtig. Ich bewerte mit fünf von fünf Sternen und vergebe gern meine Lese- und Kaufempfehlung!
Zuviel Zufall!
Die versteckte Apotheke von Sarah Penner
Mit großer Freude ging ich an die Lektüre des herrlich gestalteten Buches mit Lesebändchen. Nicht nur der Schutzumschlag besticht durch seine Farbigkeit, sondern auch das schön bedruckte Hardcover gefällt mir gut.
»Die versteckte Apotheke« ist der erste Roman Sarah Penners und wurde schon in elf Sprachen weltweit übersetzt.
Diese Tatsachen weckten neben dem tollen Cover, dem aussichtsvollen Klappentext und dem geheimnisvollen Titel mein gesteigertes Interesse.
Zum Inhalt (vom Schutzumschlag):
Im London des 18. Jahrhunderts raunen sich Frauen hinter vorgehaltener Hand zu, dass es einen Ausweg aus besonders gewalttätigen Ehen gebe: Eine junge Apothekerin rettet sie mit tödlichen Arzneien aus der Not, eine versteckt übermittelte Nachricht genügt. Doch was, wenn aus der Retterin die Gejagte wird? Knapp 200 Jahre später stößt die Historikerin Caroline Parcewell auf die außergewöhnliche Geschichte der giftmischenden Apothekerin und setzt damit unerwartete Ereignisse in Gang – nicht nur ihr eigenes Leben wird nicht mehr dasselbe sein …
Meine Meinung:
Der lockere Schreibstil gefällt mir gut und der Erstlingsroman besitzt unverkennbar Potential. Doch irgendwie war die Autorin zu überambitioniert, sowohl bei den Handlungen der Protagonisten in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit, als auch bei der Gestaltung der Figuren selbst. Es gibt sicher Leser, die darüber hinwegsehen, aber mich störte das schon sehr. Ich möchte nicht spoilern. Doch einen Hinweis gebe ich! Das betrifft das Apothekenbuch von Nella, wo sie akribisch alle Daten ihrer Kundinnen vermerkt, d. h. mit Namen, Adresse, Art des zu verabreichenden Giftes bis hin zum Namen des Todgeweihten.
Den Sinn dieser Vorgehensweise habe ich überhaupt nicht verstanden.
Die Story verläuft oft zu konstruiert. Es gibt zu viele Zufälle, die den Verlauf der Handlung in die gewünschte Richtung lenken. Das wirkte häufig unglaubwürdig.
Schön allerdings fand ich die Idee der Autorin mit dem Mudlarking. Sie entwickelte die Geschichte mit dieser traditionellen Schatzsuche im Uferschlamm der Themse, ließ Caroline ein antikes Glasfläschchen finden...
Mit weniger Übertreibungen wäre der Roman für mich vielleicht zum Highlight geworden. So reichte es leider nur für eine mittelmäßige Bewertung (3 von 5 Sternen) .
Fazit:
Der Roman beschert gute Unterhaltung, allerdings mit wenig Tiefgang, unrealistischen Handlungen sowie einer nervenden Protagonistin in der Gegenwart.
Ein kauziges Ermittlerduo!
Bruch: Ein dunkler Ort von Frank Goldammer
Ein neues Buch von Frank Goldammer! Auf die Lektüre freute ich mich sehr, machte ich doch mit den Bänden seiner historischen Kriminalroman-Reihe über Max Heller, den Dresdner Kommissar, die besten Leseerfahrungen. Toll geschrieben!
Hier nun mit „Bruch – Ein dunkler Ort" bin ich zwiegespalten.
Auch dieser Krimi zeichnet sich durch einen guten Schreibstil aus, aber die Handlung geriet für meinen Lesegeschmack zu langatmig und in großen Teilen unglaubwürdig. Darunter litt die Spannung. Zudem wiederholten sich zu viele Fakten.
In einem Stadtteil am Rande Dresdens verschwindet ein zwölfjähriges Mädchen spurlos. Zwei Jahre zuvor war das bereits schon mal mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft geschehen. Doch zwei Wochen später kam sie scheinbar unversehrt zurück.
Die Eltern und der Bruder des zuerst verschwundenen Kindes verhalten sich extrem abweisend gegenüber der Polizei. Sie mauern und schotten sie wirkungsvoll ab. Warum sie das tun, ist unverständlich, klärt sich erst gegen Ende des Buches auf. Das Ermittlerduo Felix Bruch und Nicole Schauer scheint im Nebel zu stochern. Wirkliche zielführende Untersuchungen zum Fall des zweiten entführten Mädchens konnte ich nicht erkennen. Eine gruselige, Gänsehaut erzeugende Atmosphäre entwickelte sich durch das wiederholte nächtliche Aufhalten der beiden Kommissare in dem ruinösen, vergammelten einsturzgefährdeten Anwesen der alten Frau.
Sowohl Bruch als auch Schauer werden als Charaktere sehr überzeichnet, so dass sie für den Polizeidienst eigentlich untauglich sind. Sie sind äußerst problembeladen mit ihrer Vergangenheit. Felix Bruch ist extrem in sich gekehrt, läßt Schauer agieren, die gerade erst von Hamburg nach Dresden versetzt wurde. Nicole Schauer hat ein sehr hohes Aggressionspotential, schlägt unvermittelt und hart zu mit Verletzungsfolgen, die schon mal im Krankenhaus enden. Beide gehören in Therapie und nicht an vorderste Front zur Ermittlung von Kriminalfällen! Jedenfalls ein sehr seltsames Duo und kein Ruhmesblatt für die Polizei.
Obwohl alles recht skurril abläuft in dem Krimi, bin ich gespannt auf den nächsten Band, wenn es einen geben sollte. Wie werden sich Bruch und Schauer entwickeln? Haben sie noch Perspektiven bei der Polizei nach dieser chaotischen, unprofessionellen und unrealistischen Ermittlungsarbeit?
Dem Autor gebe ich nach meinen sehr guten bisherigen Leseempfindungen die Chance den komischen Eindruck, den dieses Buch bei mir hinterließ, zu revidieren. Wäre es mein erster Krimi von ihm gewesen, hätte ich noch einen Stern weniger gegeben. So sind es noch drei von fünf Sternen geworden!
Zwischen den Fronten
Pirlo - Falsche Zeugen von Ingo Bott
Pirlo und Sophie zum zweiten Mal:
In "Falsche Zeugen" haben es die beiden Strafverteidiger wieder mit einem vertrackten Fall zu tun. Der Anführer einer Nazi-Rocker-Bande ist tot durch mehrere gezielt geführte Messerstiche. Jeder für sich war tödlich. Des Mordes beschuldigt wird der junge Faruk Maliki, zugehörig zu einer albanischen Clan-Familie.
Noch in der Nacht der Tat klingelt Faruk Sturm bei Pirlo und beteuert seine Unschuld. Anton Pirlo und Sophie Mahler stehen vor einer schwierigen Aufgabe, bei der sie selbst in Gefahr und zwischen die Fronten geraten…
Das Buch zu lesen, hat mir Freude bereitet. In der nachvollziehbaren Handlung werden die Schwierigkeiten des Falles dargelegt. Der angeklagte Faruk befindet sich in einer aussichtslosen Lage. Die Schlinge wurde ihm ganz geschickt um den Hals gelegt. Humorvoll, lebensecht erlebte ich das Gelesene über Pirlo und Sophie. Wobei sie den Hauptpart zur Auflösung der komplizierten Sachlage beitrug. Toni verliert sich sehr oft im Verlaufe des Geschehens in seiner privaten Welt, sei es seine eigene Herkunft als Sohn des „Arabers“ oder seine Liebschaft mit der schönen Alena oder was auch sonst. Er ist sehr oft voller Wut, hat sich nicht im Griff, trinkt sehr viel Alkohol und ist oft ausgepowert. Auch von Sophie erfährt man in diesem Teil der Reihe wieder viel Privates. Wie wird es weiter gehen beruflich bei ihr? Bleibt sie bei dem unzuverlässigen, quirligen, aber trotzdem charismatischen Pirlo oder geht sie in die berühmte Kanzlei ihres Vaters?
Die Schilderung der juristischen und privaten Angelegenheiten finde ich ausgewogen. Ich fühlte mich gut unterhalten durch den flotten Schreibstil Ingo Botts. Es war ein schönes Leseerlebnis und ich freue mich auf Fall 3. Genügend Potential wäre vorhanden!











