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Rezensionen von Furbaby_Mom:

Tiefgründiger, realistischer Frauenroman

Kaputte Herzen kann man kleben von Kristina Günak

Für mich war dieser im Juni 2021 bei Lübbe Belletristik erschienene Frauenroman das erste Werk aus der Feder von Kristina Günak; ich hatte schon viel Positives über ihren Schreibstil bzw. ihre zuvor veröffentlichten Bücher gehört und meine dementsprechend hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Die Hebamme Luisa trägt nicht nur den charmanten Nachnamen Haselnuss, sondern vor allem die Last der Welt auf ihren Schultern – bzw. auf ihrem Rücken, der ihr mit unerträglichen Schmerzen klar macht, dass es so nicht weitergehen kann in ihrem Leben. Als wäre der Alltag als Alleinerziehende nicht schon anstrengend genug, muss Luisa sich mit allerlei weiteren Sorgen herumplagen: Hannes, ihr Ex und der Vater ihrer entzückenden Tochter Amelie, drückt sich vor den Unterhaltszahlungen, tingelt im Van die spanischen Strände entlang und genießt samt neuer Flamme ein entspanntes Surfer-Leben, während Luisa unter den stressigen Arbeitsbedingungen des Klinikumfelds zusammenzubrechen droht und von schrecklichen Schuldgefühlen geplagt wird, da sie das Gefühl hat, ihrer eigentlichen Rolle – Schwangeren und frischgebackenen Eltern beizustehen – nicht mehr gerecht werden zu können. Hinzu kommen die übermotivierten Super-Müttern von Amelies Schule, denen von veganen Kindermenüs bis hin zu top organisierten Kinderhobbies alles locker von der Hand zu gehen scheint und die für die so offensichtlich überforderte Luisa nur ein mitleidiges Lächeln übrig haben. Als Luisa einen mittelschweren Nervenzusammenbruch erleidet (laut telefonischer Ferndiagnose ihrer Tante Mimi) bzw. an Burnout erkrankt (laut ihrem Arzt), reist sie samt Tochter und 6-wöchiger Krankschreibung im Gepäck von München nach St. Peter-Ording, um auf Tante Mimis Hof etwas zur Ruhe zu kommen. Tatsächlich kann sie an der stürmischen Nordsee bald zum ersten Mal seit langer Zeit dem ständigen Gedankenkarussell entfliehen – dank einer sympathischen Frauentruppe und den fachkundigen Händen des lokalen Osteopathen Tom…

Ob Luisa, ihre exzentrische Tante Mimi, der relaxte Schmied Malte oder Tom – die Figuren sind wunderbar glaubwürdig ausgearbeitet worden. Insbesondere das nette Frauengrüppchen (allesamt Mütter, die aus dem Teufelskreis des Perfekt-sein-wollens ausgestiegen sind und sich gegenseitig dabei helfen, die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren) hat es mir angetan, solche Freundinnen wünscht man sich. Der Schreibstil ist einnehmend und bildreich, man ist direkt mittendrin in der Story, kann sich in Luisa hineinversetzen und spürt ihre Verzweiflung, ihre Wut und anfängliche Hilflosigkeit überdeutlich. Umso wohltuender wirkt sich der Ortswechsel auf sie aus – und auch an mir ging das von der Autorin stimmungsvoll eingefangene Flair von Meer und Strand nicht vorüber.

Ein, zwei kleine Kritikpunkte habe ich allerdings. Für mich war es nicht nachvollziehbar, wieso Tom als der Frauenheld schlechthin gilt, da weder etwas über seine vergangenen Beziehungen noch über sein Datingverhalten im Allgemeinen bekannt ist. Basiert diese Annahme also lediglich auf seinem attraktiven Aussehen? Er selbst amüsiert sich darüber - warum sein Umfeld ihn allerdings so einschätzt, ist auch ihm nicht klar; an seinem stets zuverlässigen und korrekten Verhalten kann es nicht liegen. Weiterhin kann ich zwar verstehen, dass die Autorin den Punkt 'vegetarisches/veganes/super gesundes Essen' als Beispiel für das übertriebene Verhalten mancher (selbsterklärter) Super-Mütter heranzieht, aber es gibt durchaus auch Menschen, die diese Art der Ernährung für sich gewählt haben, glücklich damit sind und es eben nicht jedermann auf die Nase binden oder Bekehrungsversuche unternehmen; hier klingt es jedoch manchmal so, als wäre vegane Ernährung automatisch etwas Negatives, das von einem Hang zum Perfektionismus zeugt. Den größten Stolperstein sehe ich allerdings darin, dass all die Schilderungen der typisch-elterlichen Probleme zwar unheimlich realistisch sind (und gewiss so manchen Eltern ein wiedererkennendes Schmunzeln entlocken werden), dafür allerdings das Potenzial haben, werdende Eltern ziemlich zu verschrecken. Man bekommt den Eindruck, dass ohne das sprichwörtliche Dorf, ohne die unterstützende Freundesgruppe oder Familie, die Erziehung eines Kindes ein nicht zu schaffender Gewaltakt ist, der Alleinerziehende zwangsläufig nicht nur den letzten Nerv, sondern auch jegliche Lebensenergie sowie finanzielle Absicherung kosten wird. Und das sind doch recht trübe Aussichten, die so – hoffentlich zumindest – nicht 1:1 den Tatsachen entsprechen.

Nichtsdestotrotz hat mich diese von authentischen Dialogen, humorvollen Elementen und facettenreichen (- auf angenehme Weise nicht perfekten -) Charakteren geprägte Geschichte herrlich unterhalten. Es ist, auch wenn man dies aufgrund des bunten Covers vielleicht vermuten würde, keine klassische Feel-Good-Story, denn die Autorin prangert – zu Recht – einige Missstände an, wie beispielsweise die Situation des deutschen Hebammensystems oder die Rentennachteile für Frauen. Trotzdem kommen Romantik und Nordsee-Atmosphäre nicht zu kurz, weshalb ich guten Gewissens 5 Sterne vergeben kann und mich schon jetzt auf weitere Werke der Autorin freue.

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Der Kampf um Olympisches Gold

Goldmädchen von Jennifer Iacopelli

Obwohl meine eigenen sportlichen Leistungen sich stets in Grenzen gehalten haben, war ich doch schon immer ein Fan des Turnsports; speziell die Rhythmische Sportgymnastik fasziniert mich seit jeher und ich kann nur erahnen, welch hartes Training hinter den kunstvollen Elementen einer Kür stecken muss.

Folglich war ich begeistert von Jennifer Iacopellis Romanidee – ein Jugendroman mit dem Fokus Turnen, das ist mal etwas Außergewöhnliches, nicht nur im Hinblick auf das Setting: die Olympischen Spiele in Tokio. Das in ein wunderschönes Cover mit passendem Buchtitel eingebettete Werk ist im Juni 2021 beim DRAGONFLY Verlag (HarperCollins) erschienen und umfasst 320 Seiten.

Die Turnerin Audrey Lee steht kurz vor der Erfüllung ihres Traums. Bis zu ihrer Qualifikation für die Olympischen Spiele war es ein weiter Weg - hinter ihr liegen 14 Jahre harte Arbeit, jede Menge Schweiß und Tränen, Rückschläge und Erfolge: "Landesmeisterschaft und Elite-Qualifikation, NGC-Lager und internationale Meisterschaften, […] Verletzungen, Operationen, Arzttermine und Physiotherapie". Es ist ihre letzte Chance, sich zu beweisen; aufgrund einer Verletzung am Rücken wird sie nach dem Wettkampf mit dem Turnen aufhören müssen. Als wären die allgemeinen Vorbereitungen für Olympia nicht schon überwältigend genug, bricht ein Skandal los, der weitreichende Folgen hat und Audreys Welt ins Chaos zu stürzen droht. Plötzlich muss sie hinterfragen, wem sie bisher vertraut hat – und wem sie weiterhin trauen kann. Ihrem Trainer, der das Team mit subtilen Psychospielen zu Bestleistungen angespornt hat, werden sexueller Missbrauch einer Turnerin sowie die Manipulation eines Drogentestes vorgeworfen; er wird vom FBI verhaftet und das Team der Mädchen teilt sich in zwei Lager auf – jene, die dem vermeintlichen Opfer, Dani Olivero, glauben und jene, die es nicht tun. Zum ersten Mal stehen Audrey und ihre beste Freundin Emma auf verschiedenen Seiten und Audrey ist fassungslos über Emmas Mangel an Mitgefühl. War Emma schon immer so abgeklärt und berechnend, dass sie für den Erfolg über Leichen gehen würde? Wieso verhält sie sich so seltsam? Wird es dem Team gelingen, sich rechtzeitig zusammenzuraufen und viel wichtiger: Wer soll sie nun trainieren?!

Aufgrund der leidenschaftlichen Dokumentation des Wettkampfes spürt man, dass die Autorin, die schon mehrmals am berühmten Turn-Podcast Gymnastics mitgewirkt hat, selbst ein Turn-Fan ist. Gekonnt und detailliert schildert sie die einzelnen Kür-Elemente, wobei insbesondere der Schwebebalken eine besondere Herausforderung für die weibliche Hauptfigur darstellt.

Die nervenaufreibende Atmosphäre in der Halle ging beim Lesen direkt auf mich über, war quasi greifbar – sei es bei der Bekanntgabe der Punktewertungen durch die Kampfrichter oder aufgrund der Dauerbegleitung durch die Presse, welche dem Team auf Schritt und Tritt folgt: Man hat das Gefühl, zusammen mit den besten Kunstturnerinnen der U.S. Nationalmannschaft mitten im Geschehen zu sein. Der immense Erfolgsdruck, die Anspannung, die auf den jungen Frauen lastet, wird eindringlich beschrieben und man kommt nicht umhin, den Sportlerinnen Respekt zu zollen. Ein wenig unrealistisch fand ich, dass Audrey zu Beginn des Romans noch unter heftigen Rückenschmerzen gelitten hat, die im Laufe der Handlung zu verschwinden scheinen. Vielleicht aufgrund des Adrenalinrausches?

Bereits in der Vorbereitungszeit stehen die Mädchen permanent unter Strom, werden mit Zuckerbrot und Peitsche gedrillt und bewusst verunsichert. "[…] er sieht mich nicht an, sondern lässt den Blick über die anderen Mädchen im Raum huschen. Ich bin überzeugt, dass er das mit Absicht macht, um mir zu zeigen, dass es immer, selbst während er mit mir spricht, eine andere gibt, die meinen Platz einnehmen könnte".

Die zarte Liebesgeschichte (- Audrey verliebt sich in den Sohn ihrer neuen Trainerin -) verläuft eher am Rande der Handlung, was ich durchaus realistisch finde, immerhin ist Olympia der Hauptfokus und viel Zeit zum Flirten bleibt da nicht. Allerdings frage ich mich, ob die Einbindung einer potenziellen Romanze wirklich nötig war, da Leo als Figur dermaßen oberflächlich ausgearbeitet worden ist, dass die gegenseitige (angeblich seit Jahren existierende) Schwärmerei absolut unglaubwürdig wirkt.

Richtige Nähe zur Hauptfigur konnte ich zwar nicht aufbauen, jedoch hat mich das ausnahmsweise nicht gestört, denn das Highlight dieses Romans waren ganz klar der Turnsport an sich sowie der Sportgeist und die Solidarität unter den Turnerinnen. Statt der Farbe Gold wird mir in diesem Zusammenhang immer die Farbe Blaugrün in Erinnerung bleiben.

Fazit: Ein sportfokussierter Jugendroman mit kleinen Längen, für den ich solide 3 ½ Sterne vergebe. Gerne empfehle ich das Werk allen Turn-Fans.

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Uneingeschränkte Leseempfehlung!

Wildblütenzauber von Anne Töpfer

Dies war nach "Bernsteinsommer" nun schon der zweite Roman, den ich von der begabten Autorin lesen durfte. Erneut war ich restlos begeistert und kann nur sagen: Anne Töpfer alias Anne Barns ist eine Meisterin des Wohlfühlromans!

Die Hauptprotagonistinnen dieser bezaubernden Geschichte um Freundschaft, Trauerbewältigung und Neuanfänge sind die Förderschullehrerin Sarah, die gerade ihre geliebte Mutter Barbara verloren hat, und Doreen, die seit klein auf wie eine Schwester für Sarah ist und ihr in dieser schweren Zeit nach besten Kräften zur Seite steht.

Nicht nur, dass Sarahs Ex Kai uneingeladen auf der Beerdigung auftaucht – auch eine Unbekannte, die sich als Sarahs Großtante entpuppt, ist unter den Trauergästen. Als kurz darauf Barbaras Testament allerlei überraschende Details enthüllt, steht Sarah vor einer gänzlich neuen Familiensituation…

Die aufrichtige, von Loyalität und Offenheit geprägte Freundschaft der beiden Frauen sowie die wundervollen Beschreibungen der malerischen Schönheit der Vorpommerschen Boddenlandschaft waren für mich die Highlights dieses realistischen wie humorvollen Romans, in dem auch leise Töne nicht zu kurz kommen. Trotz ernster Themen wirkt die Geschichte nie schwermütig oder deprimierend, im Gegenteil! Die Autorin hat ein lebensbejahendes Werk voller liebenswerter Figuren und inspirierender Weisheiten erschaffen, das nach dem Lesen noch lange nachklingt. Als besonderes Schmankerl gibt es im Anhang gleich mehrere ausgewählte Rezepte (- angesichts der in die Handlung eingestreuten Rezeptideen und Essensbeschreibungen lief mir stets das Wasser im Mund zusammen -).

Fazit: Viel zu schnell war dieses durch und durch traumhafte Buch ausgelesen. Gerne hätte ich mehr als nur 5 Sterne vergeben!

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Naja...

Zwischen uns nur ein Wort von Renée Carlino

Ich falle gleich mit der Tür ins Haus: Leider konnte mich dieser Roman, erschienen im Juni 2021 bei Lübbe Belletristik, nicht überzeugen. Für mich war es das erste Buch von Renée Carlino und angetan vom wunderschönen, in zarten Lilatönen gehaltenen Cover, auf dem im Hintergrund die Skyline von New York City zu erkennen ist, sowie vom vielversprechenden Klappentext, erhoffte ich mir eine tiefgründige, süße Romanze und war äußerst gespannt auf die Story.

Mia, die gerade ihren Vater verloren hat, und der Musiker Will lernen sich während eines Fluges nach New York kennen. Aufgrund ihrer gemeinsamen Begeisterung für Musik bauen sie schnell eine Bindung zueinander auf und als sie sich knapp einen Monat später wiedersehen, dauert es nicht lange, bis Will bei Mia einziehen darf. Die Regeln sind klar: Nur Freundschaft. Immerhin möchte Mia sich "nicht auf eine Beziehung mit einem fast dreißigjährigen Musiker einlassen, der am Hungertuch nagt" (S. 67). …was durch die gegenseitige Anziehungskraft allerdings erschwert wird.

Der Prolog hat mir aufgrund des überraschend poetischen, nachdenklich machenden Schreibstils noch enorm gut gefallen. Er wird, ebenso wie der Epilog, aus der Sicht einer Frau namens Lauren erzählt, die eine Zufallsbekanntschaft der weiblichen Hauptprotagonistin (Mia) ist, was ich – insbesondere auf den Übergang von Prolog zum ersten Kapitel – einen sehr kreativen Einstieg in die Handlung finde. Die restlichen Kapitel werden im Präteritum der Ich-Form aus Mias Perspektive erzählt; lediglich in zwei Bonuskapiteln am Ende des Werkes erhält man einen Einblick in die Gedanken und Gefühle der männlichen Hauptfigur (Will).

Aus Laurens Perspektive wirkt Mia recht sympathisch. Leider änderte sich dieser Eindruck bereits im ersten Kapitel, in welchem Mia mir unnahbar und als Protagonistin nicht greifbar erschien. Eigentlich sollte doch gerade der Beginn einer Geschichte die Leser/innen dermaßen fesseln, dass sie unbedingt weiterlesen möchten – für mich gehört dafür zwingend dazu, dass die Hauptcharaktere mir sympathisch sind. Als ich mich nach Beendigung des ersten Kapitels schon zum Weiterlesen aufraffen musste, hoffte ich noch, dass Mias Ankunft in New York dem Ganzen mehr Schwung verleihen und mehr positive Charaktereigenschaften aus ihr herauskitzeln würde. Jedoch wurde ich im Laufe des gesamten Romans überhaupt nicht warm mit ihr und empfand sie überwiegend als anstrengend. Sie verhält sich häufig egoistisch und - laut ihren eigenen Gedanken - wie ein "launischer Teenager" (S. 218), wobei sie Will oftmals "falsche Hoffnungen" macht (S. 242) oder ihn "ohne triftigen Grund verletzt" (S. 65) bzw. vor den Kopf stößt.

"Ich wusste selbst nicht, warum ich so schroff war; er hatte eigentlich keine Grenze überschritten […]". (S. 219)

Will wird als lockerer Lebemensch dargestellt, der das Herz am rechten Fleck hat und in Bezug auf Mias Sperenzchen eine Engelsgeduld beweist. Größtenteils konnte ich nicht nachvollziehen, warum er sich das antut. Regelmäßig hatte ich einfach nur Mitleid mit ihm. Dass er Mia von Anfang an entweder "Baby" oder "Süße" genannt hat, empfand ich als unangenehm; es hatte etwas Übertriebenes, Aufgesetztes, was im Grunde gar nicht zu seinem Charakter passte.

Die Annäherung zwischen den beiden Protagonisten erreichte mich nicht. Das Prickeln fehlte, wobei dies nicht zwingend an den betreffenden Szenen, sondern eher am Schreibstil lag. Die Dialoge erschienen mir oft hölzern und unauthentisch (und enthielten z.B. Wörter, die umgangssprachlich eher selten verwendet werden, wie 'Komposita'), und über allem lag eine unterschwellige Schwermut, die im direkten Kontrast zum Leichtigkeit verströmenden Cover stand. Die fehlende emotionale Tiefe konnte auch nicht durch die (in meinen Augen unnötigerweise) eingeflochtenen dramatischen Elemente ausgeglichen werden (Stichwort: Jennys Schicksalsschlag sowie Jackson), vielmehr machten mir diese die Distanz zu den Figuren noch offensichtlicher bewusst.

Fazit: Leider kann ich nicht mehr als 2 ½ Sterne vergeben (für das Cover, die Grundidee und z.T. die Nebenfiguren).

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Herrliche Kleinstadt-Atmosphäre!

Still into you von Jenny Holiday

Mit der bezaubernden Kleinstadt Moonflower Bay hat die Bestseller-Autorin Jenny Holiday ein traumhaftes Setting für ihren Liebesroman "Still Into You" (Juni 2021, Forever by Ullstein) erschaffen! Für mich verkörpert das idyllische, an den kanadischen Ufern des Lake Huron gelegene (- leider fiktive -) Städtchen eine Mischung aus Stars Hollow ("Gilmore Girls") und Redwood ("Redwood Love").

Bereits das wunderschöne, in zarten Rosatönen gehaltene Cover, dessen Gestaltung sich übrigens im hübschen Innencover fortsetzt, suggeriert Wohlfühlatmosphäre pur – zu Recht! In dieser unterhaltsamen Love Story um das unerwartete Wiedersehen des einstigen Teenager-Traumpaares Eve und Sawyer kann man sich beim Lesen herrlich verlieren und die Seele baumeln lassen.

Vor zehn Jahren wurde Eve Abbott von ihrer Jugendliebe Sawyer Collins das Herz so heftig gebrochen, dass sie fürchtete, nie wieder lieben zu können. Er hatte sie öffentlichkeitswirksam betrogen und gedemütigt, mitten im Trubel der jährlich stattfindenden Mermaid Parade. Als Konsequenz hatte Eve Moonflower Bay und all den damit verbundenen, bittersüßen Erinnerungen den Rücken gekehrt. Leider bedeutete dies auch, ihre geliebte Großtante Lucille, in deren schrullig-charmantem Hotel Mermaid Inn sie bis dahin jeden Sommer verbracht hatte, fortan seltener zu sehen. Und nun ist die warmherzige Lucille, die Eve in vielerlei Hinsicht wie eine Mutter gewesen war und ihre Liebe zum Lesen geweckt hatte, tot. Neben Trauer drängt sich vor allem ein Gefühl in den Vordergrund bei Eve: unbändige Wut. Wut auf den Mann, der Schuld daran ist, dass sie all die Jahre, die sie gemeinsam mit Lucille hätte verbringen können, verpasst hat. …weil sie es nicht ertragen hätte, ihn wiederzusehen. Eves Plan steht fest: Sie wird das mittlerweile heruntergekommene Mermaid Inn schnellstmöglich verkaufen und zurück nach Toronto reisen. Doch sie hat die Rechnung ohne die Sonderklausel in Lucilles Testament gemacht - welche vorsieht, dass das Hotel ein Jahr lang nicht verkauft werden darf. Und ohne Sawyer, der mittlerweile den Posten des Polizeichefs innehat und nie über Eve hinweggekommen ist…

Das Highlight des Romans ist ganz klar das Setting; die Autorin hat so viele liebevolle Details in die Geschichte eingebaut – von lokalen Traditionen, wie den Brauch rund um die namensgebende Mondblume, bis hin zu zahlreichen Stadtfesten und das Thema Meerjungfrauen, welches sich über die gesamte Handlung erstreckt. Langweilig wird es hier nie! Die ältere Generation (allesamt Freunde von Lucille) hat sich zudem die Kuppelei zum Hobby gemacht. Nicht umsonst nennen die jüngeren Stadtbewohner das kleine Örtchen scherzeshalber auch Matchmaker Bay.

Eve und Sawyer sind sympathische Hauptfiguren, besonders Sawyers selbstlose und verantwortungsbewusste Art haben mir gut gefallen. Allerdings ist der Funke zwischen den beiden für mich nicht übergesprungen. Ich habe sehr gerne über ihre Vergangenheitsbewältigung und die vorsichtige erneute Annäherung gelesen, aber die Emotionen blieben eher oberflächlich. Vielleicht hätte die Geschichte einfach auch auf Freundschaftsbasis, quasi im Rahmen einer Clique funktionieren können, insbesondere da Eves temperamentvolle Freundin Maya, Sawyers Kumpels Jake und Law sowie seine jüngere Schwester Clara wundervolle Nebenfiguren abgeben. Die erotischen Szenen konnten die fehlende Tiefe der Gefühle bzw. die fehlende Überzeugungskraft letztlich nicht ausgleichen.

Der wahre Grund für das Zerwürfnis des einstigen Traumpaares war zwar nicht sonderlich originell, doch die Idee dahinter wirkte durchaus glaubwürdig und nachvollziehbar. Erzählt wird in der dritten Person, wobei wir Einblicke in Eves und Sawyers Gedanken erhalten. Diese verschiedenen Perspektiven sind spätestens nach den ersten Kapiteln nicht nach mehr getrennt, sondern gehen im Text fließend ineinander über, was ich anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig fand. Insgesamt ist der umgangssprachlich lockere, von humorvollen Dialogen geprägte Schreibstil jedoch ideal für Romane dieser Art. Ein letzter kleiner Kritikpunkt für mich war die Länge – nach einem starken Einstieg, bei dem man die Figuren und das Setting in Ruhe kennenlernt, zog sich der Mittelteil in puncto Spannung und Unterhaltung, ehe es gegen Ende wieder interessanter wurde. Statt knapp 450 Seiten hätte die Story auch gut 100-150 Seiten weniger vertragen können und hätte den gleichen Eindruck hinterlassen.

Fazit: Perfekt für Fans von Kleinstadt-Romanzen! Ich freue mich schon auf Band 2, der im August 2021 erscheinen und von Sawyers charismatischem Freund Jake handeln wird!

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Melancholisch und federleicht zugleich

Dein Herz in tausend Worten. von Judith Pinnow

Dieser im Juni 2021 beim Ullstein Verlag erschienene Roman hat mich von Anfang an in eine ganz sonderbar melancholisch-sentimentale Stimmung versetzt. Der Schreibstil von Judith Pinnow ist einfach wundervoll poetisch, voller Liebe fürs Detail und wortgewaltig – selbst in den leisen Tönen. Bei zahlreichen Formulierungen habe ich innehalten müssen und dachte: 'Welch wunderschöne Beschreibung!'

Die verträumt-sympathische Heldin, Millie, erinnerte mich in vielerlei Hinsicht an Amélie aus "Die fabelhafte Welt der Amélie" – eine Einzelgängerin, die gedanklich in ihrer eigenen Welt zu leben scheint.

Hin und wieder wollte ich sie ein wenig wachrütteln, aus ihrem Schneckenhaus locken und in die Realität zwingen – auch die netteste Tagträumerin kann nicht ständig einen Freipass fürs Zuspätkommen auf der Arbeit bekommen, eigenes Zeitgefühl hin oder her. Sie huscht wie ein verschüchtertes Häschen durch den Alltag, bringt Fremden gegenüber kaum ein Wort heraus, beobachtet alle Details um sich herum scharfsinnig, kann ihr eigenes liebenswertes Wesen allerdings nicht erkennen. Die innige Beziehung zu ihrem Bruder Felix, der sich nach dem Tod der Eltern stets liebevoll um sie gekümmert hat und voller Verständnis für Millies spezielle Sicht auf die Welt ist, gefiel mir ausgesprochen gut. Zeitweise waren mir Millies Angst vor ihrem Umfeld und vor menschlicher Nähe sowie ihr Wunsch, unsichtbar zu sein bzw. nicht wahrgenommen/beachtet zu werden, etwas zu ausgeprägt. Ich konnte ihre Sorge zwar nachvollziehen, anderen Menschen womöglich nicht genug zu sein oder beim näheren Kennenlernen als Enttäuschung betrachtet zu werden, doch teilweise erschien mir dieser Charakterzug zu übertrieben, zu überspitzt dargestellt. Es kratzte gerade so an der Grenze meines Empfindens von 'unglaubwürdig' und 'anstrengend' (- vor allem Millies permanentes Wegrennen in gewissen Situationen).

"Vielleicht ist das ein Fehler, den man generell im Leben oft begeht. Etwas nicht zu versuchen aus Angst davor, dass es sowieso nicht klappt."

Millie arbeitet bei einem Verlag, der finanziell schon bessere Tage erlebt hat, aber abgesehen davon ist ihr Arbeitsumfeld ein Traum für jeden Bücherfan – zumal ihr Vorgesetzter ungemein verständnisvoll für ihre Marotten ist (Millie scheut sich, E-Mails zu schreiben und hat keinerlei Zeitgefühl). Auch das Lektoren-Team besteht aus drei sympathischen Kollegen/innen. Und dann ist da noch der Dachboden – der "Raum des Vergessens", wo die abgelehnten Manuskripte gesammelt und von Millie 'gerettet' werden – bis sie eines Tages dermaßen begeistert von einem dieser Werke (mit dem schönen Titel "Dein Herz in tausend Worten") ist, dass sie beschließt, kleine Passagen daraus in London zu verteilen.

"Ich spiele den guten Geist, der mit ein paar Wörtern Mut macht, zum Nachdenken anregt, lobt oder tröstet."

Der Autor der besagten Geschichte hingegen ist alles andere als begeistert davon und möchte unbedingt herausfinden, wer hinter dieser Aktion steckt, die ihn an sein persönlichstes Werk und an die schmerzhafteste Erfahrung seines Lebens erinnert.

Das Setting des charmanten Londoner Viertels Notting Hill ist prädestiniert für Romantik. Im Verlauf der Handlung erleben die Figuren natürlich eine Annäherung, wobei der Fokus deutlich mehr auf der persönlichen (Weiter-)Entwicklung der Charaktere als auf der sich langsam entspinnenden Liebesgeschichte liegt. Ein Highlight für mich waren die Nebenfiguren Rebecca (Millies extrovertierte und enorm charismatische Arbeitskollegin) und Coren (Williams bester Freund und Agent); auch die eigentümliche und voller Überraschungen steckende Mrs. Crane hat mich für sich eingenommen.

Es gibt ein paar wiederkehrende Elemente (Stichwort: Eule sowie der Obdachlose), die etwas märchenhaft bzw. bewusst unrealistisch inszeniert worden sind, der Story jedoch keinen Abbruch tun.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, die allesamt im Präsens geschrieben sind – zunächst lernen wir Millie (in der Ich-Form) kennen und lieben, später kommt die Sichtweise von William Winter, dem erfolgreichen Star-Autor, hinzu (in dritter Person) und abschließend übernimmt auch mal ein allwissender Erzähler die Perspektive, der Einblick in die Gedanken und Gefühle aller Figuren hat.

Fazit: Ich könnte mir sehr gut eine Verfilmung dieses leicht weltentrückten, mit einem Hauch zum (positiven) Kitsch neigenden Romans vorstellen. Klare Leseempfehlung für alle Fans von "Die fabelhafte Welt der Amélie".

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Spannendes Lesevergnügen vor kanadischer Naturkulisse

Die Schattenwölfin der Rocky Mountains von Natascha Birovljev

Bei "Die Schattenwölfin der Rocky Mountains" handelt es sich um den vierten Teil der in Kanada spielenden Willow-Ranch-Reihe von Autorin Natascha Birovljev. Ich kannte die Vorgängerbände nicht, hatte aber auch als Quereinsteigerin keinerlei Verständnisschwierigkeiten, da es sich um eine in sich geschlossene Geschichte handelt.

Zudem lernt man alle relevanten Figuren und ihre aktuelle Lebenssituation direkt zu Beginn kennen und kann sich fortan gut in die Perspektive der drei Hauptprotagonisten (Rosie, Woodwind und Cody) hineinversetzen.

Woodwind Jones lebt nun seit einiger Zeit wieder im Sunchild Reservat, ohne jedoch wirklich angekommen zu sein. Seine Arbeit in der Wildtierstation macht ihm Spaß, doch es widerstrebt ihm, sich in den Reservatsalltag einzufügen, da er das Gefühl hat, nur geduldet statt willkommen zu sein. Eine alte Schuld, für die er sich nicht vergeben kann, lastet schwer auf seinen Schultern und er treibt relativ orientierungslos durchs Leben. Obendrein hat es der Fiesling Jeremy Bull, der den Posten des Chiefs anstrebt, auf ihn abgesehen. Doch der weise Schamane Chinook stärkt Woodwind den Rücken und ermuntert ihn, sich in das gerade ins Leben gerufene Sommerprogramm für indianische Jugendliche einzubringen und die kürzlich ins Reservat zurückgekehrte Ayita zu unterstützen. Die schöne Frau scheint ebenso einsam zu sein wie er, wirkt recht verschlossen und hat eine dunkle Vergangenheit, über die sie nicht sprechen möchte. Ihr kleiner Sohn Wynono hat sogar ganz mit dem Sprechen aufgehört. Erst als Woodwind ihnen die Wölfin Kachina vorstellt, die sich bei ihm in Pflege befindet, scheinen Mutter und Sohn aufzublühen.

Rosie möchte gerne Pferdetrainerin werden – aber die Kosten für solch eine Ausbildung sind enorm. Ein unerwartetes Angebot ihres Ex-Freundes Calvin scheint die Lösung all ihrer Probleme zu sein, doch kann sie ihm trauen? Immerhin hatte er sie bereits während ihrer gemeinsamen Beziehung ständig belogen. Außerdem drängt sich ein alter Bekannter in ihr Leben (- der gerade aus Australien zurückgekehrte Feuerwehrmann Doug -), der keinen Zweifel daran lässt, dass er Interesse an Rosie hat. Und dann gibt es da noch den stets verlässlichen und herzensguten Nick, der Rosies Herz schneller schlagen lässt…

Cody trauert noch immer um seinen Bruder Scott, der sich das Leben genommen hat. Die Tatsache, dass Scott in den Augen seines Dads der Goldjunge gewesen war, während Cody es seinem alten Herrn nie recht machen kann, macht die Bekämpfung der aktuellen Probleme auf der Familienfarm nicht gerade leichter. Eigentlich wollte Cody immer schon mit Pferden arbeiten, nun wird von ihm erwartet, Milchfarmer zu werden. Soll er seine eigenen Träume wirklich zum Wohle des Familienfriedens aufgeben? Und wie wird das Wiedersehen mit Emma aus Deutschland verlaufen, mit der er sich durchaus eine gemeinsame Zukunft vorstellen könnte?

Überraschend spannend und höchst dramatisch entfalten sich die Ereignisse um die drei Figuren, die allesamt sehr realistisch und glaubwürdig ausgearbeitet worden sind. Cody, Rosie und Woodwind wirken wie aus dem Leben gegriffen, haben Ecken und Kanten, machen Fehler, sind einfach menschlich. Authentisch sind auch die herausfordernden Lebensbedingungen in dieser wunderschönen Region in die Story eingebunden worden - neben Lagerfeuerromantik und Naturverbundenheit werden auch Probleme wie die Perspektivlosigkeit und kulturelle Zerrissenheit junger Indianer, ihr Kampf um die Bewahrung der Traditionen, Alkoholismus und Depressionen angesprochen.

Ich war insbesondere von der im Prolog vorgestellten Legende der Cherokee begeistert, hätte im Laufe der Handlung jedoch noch gerne mehr über Wölfe im Allgemeinen bzw. die im Buchtitel erwähnte Wölfin gelesen. Leider nahmen diese anmutigen Tiere nur eine winzige Nebenrolle ein. Der Geschichte selbst hat dies allerdings keinen Abbruch getan; diese lebt von dem lebendig beschriebenen Setting, den mitreißenden Entwicklungen in den einzelnen Handlungssträngen und unerwarteten Wendungen, mystischen Elementen sowie überzeugenden, tiefgründigen Dialogen.

Fazit: Man spürt die Verbundenheit der Autorin mit jenem Land, in das sie vor einiger Zeit ausgewandert ist. Gerne spreche ich eine klare Leseempfehlung für alle Kanada-Liebhaber und Fans von indianischer Kultur aus.

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Wundervolle Romanbiografie über die berühmteste Pianistin ihrer Zeit

Fräulein Mozart und der Klang der Liebe von Beate Maly

"Ihr Klavierspiel verzauberte die Menschen. Es half ihnen, für ein paar Minuten in eine Welt der Fantasie einzutauchen. Sorgen verflogen und die Zuhörer fühlten sich unbeschwert und glücklich."

Beate Malys zauberhaft atmosphärischer Roman über das Leben von Mozarts Schwester Maria Anna Mozart (kurz: Nannerl) hat mich restlos begeistert! Bisher hatte ich noch kein Buch über die Familie Mozart gelesen und wusste herzlich wenig über das Umfeld des musikalischen Wunderknaben – dass er eine ebenfalls außerordentlich musikalisch begabte Schwester hatte, war mir gänzlich unbekannt gewesen.

Dabei handelt es sich bei Nannerl um solch eine faszinierende Persönlichkeit! Die Autorin hat mit ihrem Werk dieser bedeutenden und zu Unrecht in Vergessenheit geratenen, inspirierenden und couragierten Frau, die Zeit ihres Lebens im Schatten ihres Bruders gestanden hat, ein wundervolles Denkmal gesetzt.

Als großer Fan der Stadt Salzburg war ich natürlich hin und weg vom traumhaft schönen Cover, auf dem eine in Sepia-Tönen gehaltene historische Stadtansicht abgebildet ist. Dieser stimmungsvolle Eindruck jener Zeit spiegelt sich herrlich im angenehmen, vom lokalen Dialekt geprägten Schreibstil wider, der gleichermaßen bildhaft wie emotional und mitreißend ist. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, mit Nannerl und ihrer besten Freundin Katharina (Katherl) durch die Straßen zu wandern, hatte das emsige Treiben in den engen Gassen vor Augen, rümpfte die Nase über die Gerüche der Stadt und war ganz und gar angetan davon, wie mühelos die Autorin die damalige Atmosphäre eingefangen und die vorherrschenden Gesellschaftsordnungen in die Geschichte eingebunden hat!

Wer nun meint, es handele sich ausschließlich um eine Story, die sich in eleganten Konzerthäusern und Ballsälen abspiele, wo die feinen Damen ihre pompösen Kleider und gepuderten Perücken zur Schau tragen, der irrt gewaltig! Nicht alles war Glanz und Gloria – es war eine Zeit, in der Frauen noch öffentlich ausgepeitscht wurden, grauenvolle Krankheiten kursierten und die gesellschaftlichen Zwänge gnadenlos waren.

"Sobald Frauen auch nur ein kleines Stück von der Norm abwichen, waren sie der Kritik der Gesellschaft ausgeliefert."

Diese Erfahrung muss auch Nannerl machen, als sie sich in den charismatischen Franz Ippold (in Wirklichkeit: Franz d’Ippold) verliebt. – Dem Direktor eines Internats für adelige Schüler war aufgrund seiner Anstellung die Ehe verboten. Erstaunlicherweise ist Nannerl zwar betrübt über ihr Schicksal, hadert jedoch nicht damit und findet immer wieder Trost in der Musik und dem Wohlergehen ihrer Familie - "»Ich werde mich mit den Möglichkeiten arrangieren, die das Leben für mich bereithält.«"

Sie war eine sehr kluge, fortschrittliche Frau und bestand z.B. darauf, sich (entgegen der Norm) lieber mit Wasser zu waschen als sich mit trockenen, stark parfümierten Tüchern abzureiben. Als sie an den Pocken erkrankt, "neben der Pest eine der meistgefürchteten Krankheiten", bleibt ihre Schönheit unversehrt (im Gegensatz zu vielen anderen, von Narben gekennzeichneten Überlebenden).

Ihr Vater hatte sie zwar nie in Komposition unterrichtet, war sich ihres Ausnahmetalents allerdings sehr wohl bewusst, auch wenn von Anfang an klar war, dass Wolfgang als Star der Familie gilt. Die Geschwister absolvierten bereits in jungen Jahren internationale Tourneen und sahen dabei viel von der Welt, was sie für immer prägen sollte.

Besonders beeindruckt hat mich das innige, liebevolle Verhältnis zwischen Nannerl und Wolfgang. Trotz seiner oftmals (wenn auch nicht absichtlich bösartigen, aber dennoch) egoistischen, kindlich-naiven Verhaltensweise, die sich auf die gesamte Familie, insbesondere aber auf das Leben seiner Schwester auswirkte, haderte Nannerl nie mit ihrem Bruder und hielt ihm stets die Treue. Ihre Engelsgeduld und Loyalität (auch gegenüber ihren Eltern und Katherl) habe ich enorm bewundert. Es muss unsagbar schwer für sie gewesen sein, ihren eigenen musikalischen Ambitionen zu entsagen, ohne dabei zu verbittern oder von Neid auf die Chancen ihres Bruders zerfressen zu werden.

"»Was würde es denn für einen Sinn machen, wenn ich mir eine große Karriere als Künstlerin ausmale? […] Ich bin eine Frau. […] Ich habe als Mädchen das Wunderkind sein dürfen, und jetzt bin ich dazu verdammt, in deinem Schatten zu stehen.«" - "»[…] ich habe meine Träume der Wirklichkeit angepasst«".

So sehr sich Wolfgang seines eigenen Könnens bewusst war, so sehr schätzte er auch Nannerls Talent und betrachtete sie als eine Künstlerin auf Augenhöhe, was ihr unheimlich viel bedeutete.

"»Nein«, verbesserte Wolfgang. »Du kannst nicht bloß Klavier spielen. Du bist die beste Pianistin auf der ganzen Welt.«"

Fazit: Ich habe diesen umwerfenden Roman binnen kürzester Zeit verschlungen und lege das Werk allen Liebhabern von klassischer Musik sowie Fans von historischen Frauenromanen mit starken Protagonistinnen ans Herz!

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Willkommen in Lerchenbach!

Sommer im kleinen Glückscafé von Susanne Hanika

Schon beim Anblick des farbenfrohen Covers schlug mein Herz höher – nicht nur aufgrund des malerischen kleinen Örtchens, bei dessen Kulisse man sich gedanklich direkt einen gemütlichen, sommerlichen Stadtbummel samt Eis in der Hand vorstellt, sondern vor allem aufgrund des entzückenden Hündchens.

Das nenn' ich mal ein perfektes Cover für einen Wohlfühlroman!

Die Autorin Susanne Hanika entführt uns in ihrem im Juni 2021 erschienenen Werk in das idyllische Lerchenbach in der Oberpfalz, wo die sympathische Miriam, die sich kürzlich ihren Traum von einem eigenen Café erfüllt hat, mit ihren ausgefallenen Kreationen versucht, die lokale Bevölkerung als Stammkundschaft zu gewinnen – bisher mit mäßigem Erfolg. Denn in ihrem Heimatort ticken die Uhren nun mal anders und die meisten Einwohner vertrauen lieber auf bewährte Kost statt auf neue Köstlichkeiten. Aber so leicht lässt Miriam sich nicht unterkriegen, gut Ding will schließlich Weile haben. Unterstützung erhält sie von ihrer besten (aktuell hochschwangeren) Freundin Bell und zwei reizenden Seniorinnen, deren freche Sprüche mich herrlich amüsiert haben. - Miriams schrullig-herzliche Tante Rosa und deren Freundin TikTak nehmen kein Blatt vor den Mund, ändern spontan mal die Tageskarte des Cafés und lassen keinen Zweifel daran, dass sie Miriam gerne verkuppeln möchten…bevorzugt mit dem adretten neuen Tierarzt des Ortes: Marius. Wie praktisch - und welch ein Zufall! -, dass plötzlich ein ausgesetzter Welpe vor dem Café auftaucht! Auch wenn Miriam den Plan der gewieften Damen sofort durchschaut, schleicht sich die kleine Fellnase in ihr Herz und bald steht fest: Dobby gehört nun zu ihr! Doch besagtes Herz gerät auch anderweitig außer Takt, denn Miriams Jugendliebe Leon kehrt nach Lerchenbach zurück, in Begleitung einer Frau und eines kleinen Mädchens. Umso mehr fuchst es Miriam, dass Leon ständig ihre Nähe zu suchen scheint – reicht ihm seine Familie denn nicht?! Sie ahnt nicht, dass er aus ganz anderen Gründen in seine Heimat zurückgekehrt ist…

Aufgrund des charmanten, detailverliebten Schreibstils und der authentischen Dialoge bin ich direkt in die Story eingetaucht. Insbesondere die traumhaften Landschaftsbeschreibungen der umliegenden Gegend und des Mühlenhofs, wo Bell samt Mann, 4 Kindern und zahlreichen Tieren lebt, haben es mir angetan. Die Autorin hat enorm angenehme Charaktere erschaffen, mit denen man zu gerne im realen Leben befreundet wäre. Im Nachhinein habe ich übrigens entdeckt, dass auch Bell bereits einen eigenen Roman erhalten hat - "Glückstage auf dem kleinen Mühlenhof" (April 2020; beHEARTBEAT), den ich nun unbedingt lesen möchte. Gegen Ende der Handlung wird außerdem schon der nächste Lerchenbach-Roman angeteasert, der ebenfalls sehr vielversprechend klingt.

Erzählt wird abwechselnd aus Miriams und Leons Perspektive, wodurch man einen tollen Einblick in ihre Gefühlswelt bekommt und sie als Figuren besser kennenlernt. Miriam ist eine leicht verträumte, aber auch clevere, durch und durch bodenständige, aufrichtige und liebenswerte junge Frau. Sie hat ihre Prinzipien und lässt sich nicht von dem Reichtum Leons bzw. von Leons Familie, der quasi der halbe Ort gehört, blenden; das wäre ja noch schöner! Leon selbst wirkte auf mich erstaunlich nett und zuverlässig, daher war ich total gespannt auf die Gründe ihres einstigen Zerwürfnisses. – Das ihm unterstellte Verhalten passte nämlich so gar nicht zu ihm.

Und damit sind wir auch bei meinem einzigen Kritikpunkt angelangt: der Vorhersehbarkeit. Selbstverständlich erwarte ich nicht, dass in Feelgood-Stories mit quasi vorab garantiertem (und von mir vorausgesetztem) Happy End das Rad neu erfunden wird. Gewisse Entwicklungen stehen bereits zu Beginn fest und das ist auch völlig in Ordnung. Elemente, bei deren Einbindung in die Geschichte ich mir hingegen etwas mehr Kreativität gewünscht hätte, waren sämtliche Ereignisse in der Vergangenheit, die allzu offensichtliche Rolle einer hinterlistigen Person sowie die Identität einer Internetbekanntschaft – Genaueres dazu kann ich aus Gründen der Spoiler-Vermeidung leider nicht verraten.

Fazit: Ein bezaubernder, unterhaltsamer, locker-leichter Sommerroman, den ich allen Fans von Kleinstadtromanzen empfehle!

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Drama, Baby!

Backstage in Seattle von Mina Mart

Für eine sexy Rockstar-Geschichte bin ich ja immer gerne zu haben, daher stürzte ich mich begeistert auf den über 570 Seiten dicken Wälzer, der im Mai 2021 bei Mira Taschenbuch erschienen ist und den Auftakt zur Backstage-Reihe von Mina Mart bildet. Wie sich zufällig herausstellte, hatte ich erst kürzlich zwei andere Werke der Autorin gelesen, nämlich die Soho-Love-Reihe, die sie unter dem Pseudonym Nena Tramountani veröffentlicht hat.

Auch beim vorliegenden Roman handelt es sich um eine New-Adult-Romanze, deren Handlung schnell erzählt ist: Als Eliza Fleming an einem Abend dem Sänger Finn Westwood in die Arme stolpert, sprühen sofort die Funken. Doch beide sind sich einig - ihre heißen Küsse sollen eine einmalige Aktion bleiben. Dumm nur, dass sie den gleichen Freundeskreis haben und sich fortan nicht mehr aus dem Weg gehen können.

Der allgemeine Einstieg in die Story und die Vorstellung der einzelnen Figuren haben mir gut gefallen, insbesondere die Dynamik in der Mädels-WG von Eliza, Ally und Jen wirkte sehr sympathisch. Selbiges gilt für Finns Brüder, die trotz des Reichtums ihrer Familie total bodenständig geblieben sind und mich mit ihren witzigen Sprüchen amüsiert haben. Eliza mochte ich zu Beginn recht gerne, nur auf Dauer wurde ihr Verhalten mir zu anstrengend, da ich es oftmals nicht nachvollziehen konnte. Warum sie sich so gegen die Liebe sperrt, hat sich mir nicht erschlossen. Finn zieht vom sonnigen Kalifornien ins verregnete Seattle, wo auch seine beiden Brüder leben, um einen Neustart zu wagen. Nichts soll ihn mehr an seine düstere Vergangenheit erinnern. Von Anfang an wird immer wieder betont, wie unglaublich attraktiv er ist – sein Aussehen wird als perfekt und gottgleich beschrieben. Jede Frau scheint ihm bewundernde, lechzende Blicke zuzuwerfen, woraufhin er stets genervt und teilweise herablassend reagiert. Nur bei der Begegnung mit Eliza ist plötzlich alles anders – warum auch immer. Er selbst kann sein Verhalten nicht verstehen und ich konnte es ebenfalls nicht. Abgesehen von der Tatsache, dass sie sich gegenseitig sexy finden und direkt übereinander herfallen, gibt es keinen plausiblen Grund für ihre Annäherung.

Prinzipiell war es eine unterhaltsame Geschichte, die man locker auch um ein paar hundert Seiten hätte kürzen können, da ich das Gefühl hatte, dass über lange Strecken kaum etwas Relevantes passiert. So angenehm ich den Plot um die liebenswerten Nebenfiguren fand, so schwer machten die Hauptfiguren es mir, mich entspannt zurückzulehnen. "Melodramatisches Teenie-Verhalten? Aber hallo." (S. 204) Ihr Verhalten wirkte auf mich ziemlich kindisch bzw. nicht altersgerecht. Ständig ging es um "Deals" und "Spielchen", welches Verhalten man dem anderen 'zeigen' darf und was nicht, wer wem etwas vormacht oder etwas beweisen will, wer die 'Macht' hat, wer vor wem wegläuft usw. – einfach nur anstrengend, ebenso wie die gegenseitigen Beschimpfungen. Auf jede 'Versöhnung' bzw. jedes Neu-Arrangement folgte prompt das nächste Drama. SIE will partout keine Gefühle zulassen; ER meint, nicht lieben zu können… Heiß finden sie sich trotzdem und tigern voller Verlangen und Frust umeinander herum wie Katz und Maus. Meine Güte, man kann sich das Leben auch unnötig schwer machen. Bei Teenagern hätte ich das Verhalten nachvollziehen können, aber sooo jung sind sie dann doch nicht mehr. Um es mit den Worten von Eliza selbst auszudrücken: "»Willkommen im Kindergarten.«" (S. 277)

Erzählt wird abwechselnd aus Elizas und Finns Perspektive. Den Schreibstil empfand ich als relativ locker und die Dialoge als realistisch, an vielen Stellen jedoch wirkte die Wortwahl übertrieben im Hinblick auf das ganze Drama zwischen den beiden Hauptprotagonisten, was das Lesevergnügen etwas schmälerte. Eliza wird von Finn immer nur "Kleine" oder "Baby" genannt – wem’s gefällt…mein Fall war es nicht. Leider kam überhaupt kein Seattle-Feeling auf, was ich total schade fand; die berühmte Space Needle wird zwar hier und da kurz erwähnt, aber der Roman hätte in jeder anderen Stadt spielen können. Außerdem hatte ich gehofft, dass das Thema Musik mehr im Fokus stehen würde; von der Musik-Szene bekommt man allerdings nicht wirklich viel mit.

Fazit: Ein hübsches, genregerechtes Cover und eine nette Grundidee; toller Anfang, danach etwas zäh. Die Charaktere und ihre Background-Story erschienen mir nicht tiefgründig genug ausgearbeitet, konnten mich nicht vollends überzeugen; wobei Finn mir letztlich deutlich positiver in Erinnerung geblieben ist und seine noch nicht gänzlich erzählte Vergangenheit viel Raum für Spekulation lässt. Insgesamt hat die Handlung (- sofortige Anziehungskraft und anschließend permanentes, völlig unnötiges Hin und Her -) noch viel Luft nach oben. Man darf gespannt sein, ob das Auf und Ab sich in London, dem Schauplatz des zweiten Bandes, fortsetzen wird. Für (junge) New-Adult-Fans, die sich nicht an Drama stören, könnte das Buch durchaus von Interesse sein.

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