Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Keine leichte Kost
Play & Pretend von Nena Tramountani
Nachdem mich die ersten beiden Bände von Nena Tramountanis Soho-Love-Reihe zwar nicht restlos überzeugt hatten, mir insgesamt aber nicht schlecht gefallen haben, war ich gespannt auf den Abschluss der Trilogie, welcher von der schüchternen Schauspielstudentin Briony handelt.
Das Cover im edlen Schimmer-Look ist an die beiden Vorgängerbände angelehnt und reiht sich gestalterisch wunderbar ein; farblich gefällt es mir von allen Werken am besten.
Die sanftmütige, ruhige Briony ist ein äußerst interessanter, vielschichtiger Charakter. Auf der Bühne blüht sie förmlich auf, genießt es, in fremde Rollen zu schlüpfen, um dem eigenen Ich zu entfliehen. Sie versinkt in ihren Schauspielrollen, übernimmt sogar deren Gefühle und flüchtet dadurch – wenigstens für kurze Zeit – vor der Realität, in der sie sich selbst und ihren Körper nicht mag. Aus Band 2, Try & Trust, war mir noch bekannt, dass Briony gerade an Liebeskummer leidet: ihre beste Freundin und WG-Mitbewohnerin Matilda ist inzwischen in einer Beziehung mit Anthony – jenem Jungen, mit dem Briony gerade ihr erstes Mal erlebt hatte. Fairerweise hatte dieser nie einen Hehl daraus gemacht, dass eine ernste Beziehung für ihn nicht infrage kommt, zumindest nicht mit ihr. Hier setzt die Handlung von Play & Pretend an. Nun ist Briony der einzige Single in der WG und hat das Gefühl, von allen bemitleidet zu werden. Das eigentliche Problem ist jedoch ein anderes – sie leidet seit Jahren an einer psychischen Krankheit, die sie bisher gut vor ihrem Umfeld verbergen konnte, selbst vor ihrer Schwester Clover. Ihre Eltern wissen zwar davon, ignorieren die gesundheitlichen Probleme ihrer Tochter allerdings lieber, als sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Nur Matilda kennt die Wahrheit und hat Briony schon immer unterstützt. Überwältigt von ihren unterdrückten Gefühlen und ihrer Krankheit droht Briony ein wichtiges Casting in den Sand zu setzen, brilliert schließlich jedoch an der Seite ihres zukünftigen Schauspielpartners, dem attraktiven Sebastian, den sie einst rüde abblitzen ließ. Sein Interesse an ihr ist ungebrochen und mit viel Feingefühl gewinnt er nach und nach Brionys Vertrauen - und ihr Herz. Sie ahnt nicht, dass sein Geheimnis mindestens so dunkel wie ihr eigenes ist.
Hinsichtlich des Inhalts möchte ich aus Gründen der Spoilervermeidung nicht zu sehr ins Detail gehen, doch die dem Roman vorangestellte Triggerwarnung ist durchaus berechtigt. Für meinen Geschmack hätte es ausgereicht, wenn lediglich eine Figur, nicht aber beide Hauptprotagonisten, mit einer psychischen Krankheit zu kämpfen hätte. Solch schwerwiegende Probleme, quasi im Doppelpack, waren mir zu viel des Guten. Zwar ist die Einbindung in die Story glaubwürdig gelungen und es war offensichtlich, dass die Autorin sich ausgiebig mit den betreffenden Themen beschäftigt hat, allerdings war mir der Grundton der Geschichte dadurch einfach einen Hauch zu negativ. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, als würde eine dunkle Wolke über mir schweben und die Leichtigkeit, der fröhliche Optimismus, die Gefühle, die ich mir eigentlich von einem New-Adult-Werk erhoffe, fehlten komplett. Es war eher recht deprimierend, was eventuell auch an den langen Gesprächen lag, die Briony und Sebastian zu den Themen führten. Tiefgründig war es, doch leider eben auch ziemlich deprimierend. Gerne hätte ich stattdessen noch mehr zum Thema Schauspielerei oder zur Arbeit am Theater gelesen, zumal die ernsteren Themen in meinen Augen letztlich auch viel zu schnell abgehandelt wurden, nachdem ihr Aufbau den Großteil des Romans eingenommen hatte. Im Gegenzug dazu ging mir die (nicht körperliche) Annäherung zwischen den Hauptfiguren deutlich zu schnell. Eine gemeinsame Probe hier, ein Kompliment da, und schon ist man verliebt. Der erste Kuss jedoch passiert erst kurz vor knapp. Mich konnte ihre Verbindung leider nicht erreichen.
Der Schreibstil der Autorin ist ausgereift, emotional und angenehm zu lesen; es wird deutlich, dass sie eine wichtige Message an die Leserschaft herantragen möchte: Es ist okay, sich nicht okay zu fühlen. Nach Hilfe zu suchen ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Stärke. Im Laufe der gemächlich erzählten Geschichte erhalten wir Einblick in sowohl Brionys als auch in Sebastians Gedankenwelt. Leider hat mich das Buch auch spannungsmäßig nicht catchen können, vielmehr plätscherte alles etwas langatmig vor sich hin, passend zu den vielen, vielen Tränen der Figuren – es wird tatsächlich sehr häufig geweint.
Fazit: Eine wichtige Botschaft für mehr Toleranz im Umgang mit psychischen Krankheiten, deren Rahmenhandlung einen positiveren Ton gebraucht hätte, um die unterschwellige pessimistische Grundstimmung des Romans zu überlagern. Für Fans der Reihe sicherlich ein Must-Read, mein Fall war es leider nicht.
Nette Geschichte zur Einstimmung auf Weihnachten
Ein Winter voller Liebe von Jenny Bayliss
"Ein Winter voller Liebe" von Jenny Bayliss (Goldmann, September 2021) war mein erster Roman der literarischen Vorweihnachtssaison 2021 (- als Weihnachtsfan schwelge ich schließlich das ganze Jahr über gerne im Zauber dieser besonderen Zeit, der Herbst bildet da keine Ausnahme -) und hat bis auf ein kleines Manko meine genrespezifischen Erwartungen voll und ganz erfüllt: eine süße Love Story um eine sympathische Protagonistin und ein idyllisches Setting mit winterlichem Flair, verpackt in einem angenehmen Schreibstil.
Kate Turner hat sich bequem mit ihrem Status als Single arrangiert, sehr zum Verdruss ihrer besten Freundin Laura und ihres Vaters Mac – beide finden, die hübsche junge Mittdreißigerin sollte sich nicht wie eine Eremitin einigeln, sondern das Leben genießen. Nachdem sie einige Jahre auf Weltreise gewesen war, hatte Kate dem hektischen London den Rücken gekehrt, um sich um ihren Vater zu kümmern, der nach der Trennung von Kates rastloser, exzentrischer Mutter schwer angeschlagen war. Nur ungern kehrte sie in ihren Heimatort Blexford zurück; inzwischen fühlt sie sich allerdings wieder pudelwohl dort, denn mit ihrem einst zerstrittenen Freund aus Kindestagen, Matt, hat sie sich versöhnt und ihrem Job als Stoffdesignerin für das renommierte Kaufhaus Liberty kann sie auch freiberuflich nachgehen. Ihre Tage bestehen aus Zeichnen, Backen und gemütlichen Abenden auf dem Sofa. "Kate war selbst zu ihrem besten Date geworden." Aber kann das wirklich alles sein, wo sie sich doch Kinder wünscht? Amüsiert gibt sie Lauras Drängen nach und nimmt an einer lokalen Dating-Aktion teil, bei der sie sich noch vor Weihnachten mit zwölf Männer verabreden soll. Klar, dass ihr auf der Suche nach Prinz Charming auch einige Frösche begegnen werden. Und während ein, zwei Kandidaten durchaus vielversprechend erscheinen, muss Kate sich fragen, ob ihr das große Glück nicht schon längst begegnet ist.
Das mit Glitzerpartikeln verzierte Cover mutet herrlich winterlich an und passt perfekt zur Geschichte. Was den Buchtitel betrifft, hätte ich die englische Originalversion (The Twelve Dates of Christmas) aussagekräftiger gefunden, aber das ist natürlich Geschmackssache.
Die Autorin beschreibt einen Großteil der Szenen sehr, sehr bildreich und verliert sich dabei in Details. Bei Landschaftsbeschreibungen drücke ich diesbezüglich gerne ein Auge zu, vor allem wenn man dabei in eine so malerische Gegend wie Kent entführt wird. Bei Beschreibungen von Innendekoration, Essensgerichten und – wie im Fall von Kates Job – der ausgewählten Farben & Co. für Zeichenskizzen, wirkt dies hingegen einen Tick zu ausschweifend und lenkt vom eigentlichen Geschehen ab. Gerade im Mittelteil des immerhin rund 530 Seiten starken Werkes gab es einige Längen, die meinen Lesefluss ausgebremst haben. Kurzum: Die Geschichte hätte locker um die Hälfte der Seitenzahl gekürzt werden können; meiner Meinung nach hätte das den Fokus noch mehr auf Kate gerückt und die kreativen und humorvollen Elemente der Story besser zur Geltung gebracht, wie beispielsweise die Gespräche zwischen ihr und ihrer lebenslustigen besten Freundin Laura, die Eigenheiten der anderen Dorfbewohner oder die zwölf Dates. Die Events waren nämlich durchaus bunt gemischt – von einem durchtanzten Salsa-Abend über Go-Kart-Fahren bis hin zu einer Weinverkostung – und während die Szenerie stets wortreich beschrieben wurde, traten die Männerbekanntschaften selbst ein wenig in den Hintergrund.
Positiv zu erwähnen sind die überraschenden Wendungen, mit denen die Autorin mehrfach aufwartet, Kates bodenständiger und aufrichtiger Charakter sowie die tollen Nebenfiguren Evelyn, Matt, Laura und Sarah, von denen ich gerne noch mehr gelesen hätte. Das im Innencover abgedruckte Rezept für Haselnuss-Brownies fand ich im wahrsten Sinne des Wortes eine süße Idee.
Fazit: Das Debüt von Jenny Bayliss ist netter Winterroman, der sich – abgesehen von ein paar Längen – wunderbar für die Einstimmung auf die kalte Jahreszeit eignet.
Nicht so hinreißend wie erhofft
Bis ans Ende aller Fragen von Anne Hertz
Seit Jahren gibt es endlich wieder mal einen neuen Anne-Hertz-Roman – für mich als Fan des Autorinnen-Schwestern-Duos waren das grandiose Neuigkeiten. Zahlreiche ihrer Romane habe ich daheim bereits im Regal stehen und sofern sich ihr locker-leichter Schreibstil nicht verändert haben sollte, war ich überzeugt davon, dass ich auch dieses neue Werk gleich ins Herz schließen würde.
Leider haben sich meine - zugegeben hohen - Erwartungen nicht erfüllt, stattdessen war ich letztlich sogar etwas enttäuscht von der Geschichte, deren Grundidee und Handlungseinstieg mir zunächst recht gut gefallen hatten.
Maxi, Ü40, sehnt sich nach einer eigenen Familie mit Kindern – schwierig, so ganz ohne Partner. Ihr Ex hat sie durch eine Jüngere ersetzt und seitdem herrscht Ebbe an der Männerfront. Maxis Geschwister starten zwar regelmäßig Kuppelaktionen, davon ist die Cafébesitzerin allerdings wenig begeistert. Ihre Nichte Summer hat den Geistesblitz, Maxi zu einer Trauergruppe zu schleppen, um dort attraktive Witwer kennenzulernen. Ehe die überrumpelte Maxi die verfahrene Situation aufklären kann, sieht sie sich einer vielversprechenden Bekanntschaft gegenüber und hat zudem auch das Interesse eines anderen Trauernden geweckt. Wie soll sie den beiden Männern nun beichten, dass sie in Wirklichkeit gar nicht unter einem schweren Verlust leidet, sondern lediglich an ihrem nicht existenten Liebesleben verzweifelt?!
Zu Beginn der Handlung empfand ich Maxi, aus deren Sicht erzählt wird (- inklusiver kurzer Rückblicke in Form von Tagebucheinträgen aus ihrer Jugend -) als spontan, aufgeweckt und nett; sie hat ihr Café gut im Griff, ist Summer eine liebevolle, coole Tante und scheint generell ihren Mitmenschen gegenüber viel Mitgefühl zu haben. Kurzum: eine angenehme Person, der man von Herzen Glück gönnen würde. Mein positives Bild von ihr geriet allerdings im Laufe der Handlung immer mehr ins Wanken und gegen Ende war Maxi mir schlichtweg unsympathisch. Sie ist flatterhaft, respektlos und unbeständig, weiß nicht, was sie will und lügt sich durchs Leben (- hiermit meine ich nicht die im Klappentext angekündigte große Lüge im Rahmen der Trauergruppe, diese war mir schließlich im Vorfeld bekannt und ich war gespannt, wie diese Entwicklung wohl gestaltet werden würde -). Zudem verhält sie sich egoistisch, und dermaßen unreif, dass man sie am liebsten schütteln würde. Zwar erkennt Maxi ihr Fehlverhalten und schimpft regelmäßig mit sich selbst (wie mies sie sich doch benähme und dass sie eine verlogene Kuh sei etc.) – das war es dann aber auch schon. Selbstmitleid statt Besserung, lieber vor Problemen weglaufen, anstatt sich ihnen zu stellen oder einfach mal die Wahrheit zu sagen.
Inhaltlich war ich nicht von der Geschichte überzeugt, die so vielversprechend begonnen hatte und aus deren kreativer Grundidee man einiges hätte machen können. Aufgrund der zu überzogenen, unglaubwürdigen Entwicklungen musste ich so manches Mal mit den Augen rollen. In unterhaltsamen Feel-good-Stories wird hinsichtlich unwahrscheinlicher Zufälle ja gerne ein bisschen übertrieben, das ist auch völlig okay, doch hier war es einfach zu viel des Guten. Selbst der Hertz-typische Humor wirkte irgendwie erzwungen und verkrampft. Im Vergleich zu den vorherigen Werken verblasst dieser Roman gänzlich. Mir fehlte das Gefühl, die tiefgründig ausgearbeiteten Figuren und die optimistische Grundstimmung; große Passagen hatten in meinen Augen einen eher negativen, pessimistischen Unterton – vielleicht kam es mir auch nur so vor, weil die Hauptprotagonistin mit der Zeit immer anstrengender wurde.
Das Cover hätte ich farbenfroher gestaltet, insbesondere da die peppige, knallige Hintergrundfarbe ein bekanntes optisches Wiedererkennungsmerkmal aller bisherigen Hertz-Bücher gewesen war; dagegen sieht der weiße Hintergrund hier relativ nichtssagend aus. In der Buchhandlung wäre ich an dem Roman glatt vorbeispaziert.
Fazit: Leider kein Vergleich zu den wundervollen Anne-Hertz-Werken der Vergangenheit. Schade!
Atmosphärischer Thriller
Waldeskälte von Martin Krüger
Leutnant Valeria Ravelli hat sich aufgrund ihres Fleißes und ihrer ehrgeizigen, unnachgiebigen Arbeitsweise bereits mit Mitte 30 einen Namen bei Interpol gemacht. Nur allzu gut kennt sie die düsteren menschlichen Abgründe, von Menschenhandel bis Missbrauch. Was jedoch die wenigsten wissen: Valerias Bruder Rafael wurde einst von der Mafia ermordet und Valeria selbst überlebte in ihrer Jugend nur knapp eine Entführung – während ihre beiden besten Freundinnen in den unheimlichen Wäldern des heimatlichen Eigerstals bestialisch ermordet wurden.
An die damaligen Ereignisse konnte Valeria sich nie erinnern, weder als traumatisierte Jugendliche noch als toughe erwachsene Ermittlerin. Nun allerdings holen die Schatten der Vergangenheit sie mit einem Schlag ein: Elias, ihr Freund aus Kindestagen, fleht sie an, in das kleine Bergdorf zurückzukehren und ihm bei der Suche nach seiner Nichte Nora zu helfen. Das Mädchen ist über Nacht verschwunden und im Ort häufen sich dieselben grausamen Symbole eines blutigen Steinbock-Kopfes, die auch vor 21 Jahren, als Valeria verschleppt worden war, für Angst und Schrecken sorgten. Der Täter war nie gefasst worden – hat er womöglich die ganze Zeit im Dorf gelebt und auf Valerias Rückkehr gelauert? Das gegenseitige Misstrauen in der Gemeinschaft wächst und bald weiß auch Valeria, die ohnehin mit ihren eigenen Ängsten zu kämpfen hat, nicht mehr, wem sie trauen darf. Die wichtigste Frage aber bleibt: Gibt es noch Hoffnung für Nora?
Das in kühlen Blautönen gehaltene Cover passt perfekt zur Handlung! Dieser packende Thriller aus der Feder von Martin Krüger hat mich aufgrund der stimmungsvollen Beschreibungen komplett in seinen Bann gezogen und in die Handlung eintauchen lassen. Die unglaublich bildhaften Schilderungen des bedrohlichen, unwirtlichen Klimas, der schroffen Gebirgshänge, des regennassen, von Nebel durchzogenen Waldes samt seiner Geräusche, Gerüche und Gefahren im dornigen Unterholz verursachten mir eine Gänsehaut und gebannt genoss ich - aus der Sicherheit meines kuscheligen Lesesessels - die schaurige Atmosphäre. Das Setting ist meisterhaft in die Geschichte eingeflochten worden, im Grunde ist es DAS prägende Element der Story. Erzählt wird in der dritten Person, wobei es auch gelegentliche Rückblicke in die Vergangenheit von Valeria sowie einer weiteren Ermittlerin (Chloe Muston) gibt.
Valeria ist eine kluge, distanzierte, aber nicht unsympathische Hauptfigur, mit der es sich leicht mitfiebern lässt. Einerseits pragmatisch, routiniert und durch ihren Job relativ emotional abgehärtet, andererseits voller Ängste und nicht aufgearbeiteter Emotionen. Sie wird noch immer von Albträumen geplagt und hat zu ihrer in Eigerstal lebenden Mutter seit Jahren keinen Kontakt mehr. Zurück in der Heimat unterlaufen ihr aufgrund ihrer persönlichen Hintergrundgeschichte zudem mitunter gefährliche Fehler, die sie normalerweise nicht machen würde. Der Spannungsaufbau gefiel mir insgesamt sehr gut, lediglich das große, dramatische Finale zog sich für meinen Geschmack etwas in die Länge.
Fazit: Spannung pur – ich habe das rund 450 Seiten umfassende Werk (erschienen bei HarperCollins, August 2021) an einem einzigen Tag verschlungen und freue mich schon auf Valerias nächsten Fall! Klare Leseempfehlung für alle Fans von Thrillern, die auch ohne übermäßiges Blutvergießen auskommen.
Eines der besten Bücher des Jahres!
Tote schweigen nie von Turner A. K.
WOW! Mit "Tote schweigen nie" hat A. K. Turner einen grandiosen Auftakt zu ihrer Forensik-Thriller-Reihe um die toughe, überaus scharfsinnige Sektionsassistentin Cassie Raven erschaffen! Als eingefleischter Fan von (True-)Crime-Dokus und Sendungen, die sich mit dem Gebiet der Rechtsmedizin beschäftigen, war die Thematik dieses Romans genau mein Fall! Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen – ich habe das Buch quasi inhaliert und bin hin und weg vom fesselnden Schreibstil der Autorin!
Cassie Raven ist keine klassische 08/15-Protagonistin, sondern wirkte auf mich unheimlich authentisch, lebensnah und vielschichtig ausgearbeitet.
Besonders beeindruckt haben mich ihr Wissensdurst, ihr messerscharfer Verstand, ihre Loyalität und die Tatsache, dass sie sich nicht scheut, unbequeme Fragen zu stellen. Aufgrund ihres Gothik-Looks tendieren Cassies Mitmenschen dazu, die einstige Schulabbrecherin in eine Schublade mit dem Titel 'sonderbarer Gruftie' zu stecken. (Ihr Aussehen erinnerte mich übrigens sofort an die forensische Spezialistin Abigail Sciuto von "NCIS".) Mit ihren zahlreichen Tattoos, Piercings und dem frechen Undercut im schwarzen Haar mag Cassie zunächst etwas hart und unnahbar erscheinen bzw. einschüchternd wirken, hinzu kommen ihr verschrobenes Hobby (Taxidermie) und ihr Job als pathologische Assistentin. Doch schnell wird deutlich, dass mehr hinter dieser ungewöhnlichen Fassade steckt. Cassie eckt an, hat Charakterschwächen und Fehler, ist aber im Grunde eine kluge, enorm warmherzige junge Frau, was sich vor allem in ihrem respektvollen Umgang mit den Verstorbenen sowie ihrem bedachten, stets einfühlsamen Verhalten gegenüber den Verbliebenen zeigt. In ihrem eigenen Leben, das sich aktuell rein um ihre Arbeit in der Leichenhalle und Besuche bei ihrer Großmutter dreht, tut sie sich hingegen schwer mit zwischenmenschlichen Kontakten – von losen One-Night-Stands mal abgesehen. Seit dem Tod ihrer Eltern (als sie noch ein kleines Mädchen war), kann sie kaum Nähe zulassen. Lediglich ihrer Mentorin Mrs. E, einer Abendschullehrerin, war es gelungen, zu dem eigenwilligen Mädchen, das freiwillig auf der Straße lebte und mit Drogen experimentierte, durchzudringen. Und nun liegt ausgerechnet jene Frau, die Cassies Leben so nachhaltig geprägt und zum Positiven gewandelt hat, auf ihrem Seziertisch. In den letzten Wochen hatten sie wegen eines lächerlichen Streits nicht miteinander gesprochen. Das schlechte Gewissen nagt an Cassie und sie schwört sich, Mrs. E’s Tod – ein Mord, zweifelsohne, denn die angebliche Todesursache ergibt keinen Sinn – aufzuklären. Leider verschwindet ausgerechnet jetzt eine Leiche aus der Pathologie und Cassie muss sich zusätzlich noch mit der frostigen, distanzierten Ermittlerin Phyllida Flyte herumschlagen, die ihr nicht über den Weg zu trauen scheint…
Die Kapitel haben eine angenehme Länge und viel zu schnell war dieses in ein wunderschönes Hardcover verpackte Werk ausgelesen! Erzählt wird in der dritten Person, wobei wir neben Cassies Perspektive auch einen Einblick in Phyllidas Gedanken erhalten, die ich nach und nach immer mehr ins Herz geschlossen habe. Beide Figuren sind absolute Sympathieträgerinnen, ebenso Cassies polnische Oma, über deren selbstverständlich pragmatische Art ich mehrfach schmunzeln musste. Die Autorin hat hervorragende Recherchearbeit geleistet; faszinierend und fachlich interessant schildert sie den Arbeitsalltag in der Pathologie, lässt uns an Eviszerationen teilnehmen und führt uns vor Augen, wie vielseitig die Rechtsmedizin ist. Gekonnt steigert sie die Spannung, legt falsche Fährten, überrascht mit unvorhersehbaren Wendungen und schafft es, dass man das Buch vor lauter Mitfiebern partout nicht aus der Hand legen kann. Auch das düstere Setting im von Obdachlosen, Nachtschwärmern, Punks und Touristen bevölkerten Camden ist perfekt gewählt und in die Story integriert worden.
Fazit: Eines meiner Jahreshighlights! Ich bin restlos begeistert und freue mich schon jetzt auf den zweiten Band! Unbedingte Leseempfehlung für alle Krimi- und Thriller-Liebhaber sowie Fans der TV-Sendungen "Bones", "Forensic Files" und "The New Detectives".
"Kann man vom Tennisspielen je genug bekommen?"
Julius oder die Schönheit des Spiels von Tom Saller
Da ich eine Vorliebe für Romane hege, die vor einem historischen Setting angesiedelt sind und selbst eine Weile Tennis gespielt habe, war ich äußerst gespannt auf dieses Werk, dessen in Sepiatönen gehaltenes Cover bereits eine Anspielung auf besagte Sportart liefert und zugleich das Genre erkennen lässt.
Der poetisch dichte, fiktiv an das Leben des berühmten deutschen Tennisspielers Gottfried von Cramm angelehnte Roman von Autor Tom Saller umspannt die Jahre 1907-1984 und ist im August 2021 beim List Verlag erschienen.
Julius von Berg ist adliger Abstammung und wächst wohlbehütet, aber dennoch bodenständig erzogen auf einer Burg im Rheinland auf. Seine ganze Familie schwingt begeistert den Schläger auf dem privaten Tennisplatz, doch bei Julius, geht die Beziehung zum Sport tiefer; er lebt Tennis und schickt sich an, der beste Spieler der Welt zu werden.
"Sobald ich den Platz betrat, geschah etwas mit mir, erfasste mir eine mich selbst nicht erklärliche monomane Energie."
Mit den Eltern, die ihn (trotz allem Verständnis für seine Leidenschaft) lieber als Diplomat sehen würden, geht er einen Kompromiss ein – er zieht zum Jura-Studium nach Berlin, wird sich in der Freizeit allerdings weiter dem Spiel widmen. Aber einmal in der großen, aufregenden Stadt angekommen, wird er mit politischen Entwicklungen und zwischenmenschlichen Beziehungen konfrontiert, die den bisher vom Trubel der restlichen Welt relativ abgeschirmten jungen Mann herausfordern und in seiner weiteren Entwicklung formen werden. Über die Jahre, in denen er immer erfolgreicher wird, sich zum Vorzeigesportler mausert, seine Jugendliebe Julie heiratet - und dennoch sein Herz auch an einen anderen Mann, den Juden Moses, verschenkt – bleibt er seinen moralischen Prinzipien treu.
"»Ein Mensch ohne tief verankerte sportliche Werte ist ein Mensch ohne Moral. Auf und neben dem Platz«, hatte Julius gesagt und danach gehandelt." 'Fair play in jeglicher Hinsicht' lautet seine Devise.
Julius ist ein ehrlicher, loyaler Mann. In einer Welt (und vor allem zur Zeit des Nationalsozialismus), in der es den meisten Menschen hauptsächlich um Machtdemonstrationen und die Potenzierung der eigenen Macht geht, wirkt die Selbstverständlichkeit von Julius' Gutmütigkeit, seinem Anstand und seiner Aufrichtigkeit beinahe rührend naiv und macht ihn verletzlich. "»Manchmal denke ich, Tennis ist nicht nur eine eigene, sondern eine bessere Welt als die wirkliche. Eine Welt in der es gerecht zugeht.«"
Mit zunehmendem Erfolg kommt auch eine gewisse öffentliche Erwartungshaltung auf ihn zu, derer Julius, der sich selbst als unpolitischen Sportler sieht, sich zunächst nicht bewusst ist. Ausgerechnet durch einen unerwarteten Anruf direkt vor dem bedeutendsten Match seines Lebens wird ihm klar, dass er seine eigenen Überzeugungen nicht verraten kann – trotz aller Konsequenzen, die seine Entscheidung nach sich ziehen könnte.
"»Sobald du dich für ein Turnier meldest, bist du in den Augen der Öffentlichkeit nicht nur Sportler, sondern auch Deutscher und damit automatisch Vertreter deines Heimatlandes. Ob du willst oder nicht.«"
Zwischenzeitlich erschien mir der Schreibstil etwas nüchtern, was mir eine engere Bindung an die männliche Hauptfigur erschwert hat, und ich hätte mir gewünscht, dass die Passagen bezogen auf das alles entscheidende, im Klappentext angekündigte Spiel etwas intensiver ausgearbeitet (und nicht erst gegen Ende des Werkes eingeschoben) worden wären. Zudem dauerte es eine Weile, bis ich mich zeitlich in der Geschichte zurechtgefunden hatte, da insbesondere zu Beginn des Romans und auch im Laufe der Handlung immer wieder Zeitsprünge erfolgen; so beginnt die Story im Jahre 1984, schwenkt zurück zum Zeitraum 1907-1926, es folgt ein Kapitel des Jahres 1938, ehe man – ohne jeglichen Hinweis auf das Jahr im nächsten Abschnitt landet und zunächst nur vermuten kann, um welche Zeitspanne es sich handelt.
Fazit: Ein vielschichtiger, sprachlich anspruchsvoller Roman voller inspirierender Zitate (- "Auch eine vermeintliche Niederlage konnte sich als Sieg erweisen. Es kam schlicht auf die Haltung an." -), in welchem neben dem Hauptthema Tennis auch politische Handlungselemente eingebunden worden sind.
Stark angefangen und leider ebenso stark nachgelassen
Like Gravity von Julie Johnson
Wie neugierig war ich auf diesen im Juli 2021 bei LYX erschienenen Roman von Julie Johnson gewesen! Seit der Verlagsvorschau hatte das Werk auf meiner Wunschliste gestanden und nach der Leseprobe, die mich sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf Emotionalität und Schreibstil komplett abgeholt hatte, war ich überzeugt davon, dass dieses Buch eines meiner Jahreshighlights werden würde.
Leider lag ich mit dieser Einschätzung komplett falsch. Warum ich von der Geschichte eher enttäuscht als begeistert war, werde ich gleich erläutern – vorab aber der Hinweis: hierbei kann es zu ein, zwei SPOILERN kommen. Für die spoilerfreie Kurzversion verweise ich auf mein Fazit am Ende der Rezension.
Zunächst möchte ich mit einem kleinen Lobgesang das wunderschöne Cover feiern. Vom LYX-Verlag bin ich diesbezüglich bereits enorm verwöhnt und dennoch ist diese Covergestaltung in meinen Augen eine der gelungensten, die ich je gesehen habe. Die hübsche Farbkombination, die glitzernden Elemente, der elegante, geschwungene Schriftzug – all das lässt das Cover enorm hochwertig und edel wirken.
Einst musste Brooke als kleines Mädchen den Mord an ihrer Mutter miterleben – ein traumatisches Erlebnis, das ihr auch als junge Collegestudentin noch Albträume beschert und das sie nie wirklich aufarbeiten konnte, weshalb sie (bis auf ihre beste Freundin Lexi) andere Menschen gekonnt auf Abstand hält. Was romantische Beziehungen angeht: daran glaubt die toughe und oftmals zynisch wirkende Brooklyn nicht; ihr reichen gelegentliche, unverbindliche One-Night-Stands. Ihr vermeintlich gut organisiertes Leben gerät allerdings ziemlich durcheinander, als sie dem lokalen Frauenschwarm Finn vor die Füße stolpert und dieser fortan zunehmend ihre Nähe zu suchen scheint. Und dann sind da auch noch eine Vielzahl unheimlicher Ereignisse, die darauf hindeuten, dass ein Stalker es auf Brooke abgesehen hat…
Während des Einstiegs in die Handlung erleben wir eine Rückblende zu jenem tragischen Ereignis, das Brooklyns Leben nachhaltig prägen wird. Die Beschreibung der Ermordung ihrer Mutter habe ich aufgrund der kindlichen Perspektive als besonders intensiv empfunden. Diese Intensität, das Gefühl, mittendrin in der Handlung zu sein, erlebte ich im Laufe des Romans anschließend nur noch zweimal. Ironischerweise waren es stets actionreiche, von Gewalt und angstvollen Emotionen geprägte Szenen, welche die Autorin meiner Meinung nach am besten umsetzen konnte. Allen anderen Elementen, vorrangig hinsichtlich der Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen, fehlte diese Tiefgründigkeit.
Zu Beginn waren mir sowohl die verschlossene Brooklyn als auch die extrovertierte Lexi sympathisch, aber bald zeigten sich bei beiden Mädchen Verhaltensweisen, die ich nicht gutheißen konnte. Insbesondere von Lexi war ich sehr enttäuscht – nachdem Brooke sich eine Verletzung zugezogen hat, hat ihre beste Freundin nichts Besseres zu tun, als sie – trotz der Einnahme von Schmerztabletten – zu einem alkoholgeschwängerten Club-Abend zu überreden und sie stehenzulassen, kaum das der erstbeste Typ Interesse an ihr zeigt. Ihre anschließende Erklärung, nicht nur für diesen Abend, sondern generell für ihren häufig gleichgültigen Umgang mit Brooke – nach dem Motto: 'ansonsten hätte ihre Freundschaft erst gar keine Chance gehabt' – überzeugte mich nicht.
Brooke selbst wird einerseits als übervorsichtig und als eine auf ihr Umfeld bedachte Person dargestellt und stört sich andererseits keineswegs an sämtlichen Sicherheitslücken in ihrem Leben, sei es ihre Wohnsituation oder unheimliche Anrufe und Verfolgungsmomente. Wie ignorant kann man sein, fragte ich mich nur – vor allem, da ein simpler Anruf, zu dem sie sich wohl nicht aufraffen konnte, sämtliche Zweifel aus der Welt geräumt hätte. Im Umgang mit Finn verhält sie sich ebenso widersprüchlich – macht ein großes Drama daraus, ihm aus dem Weg zu gehen, kaum dass sie feststellt, dass er nicht ausschließlich arrogant ist, und ist dann verletzt bzw. beleidigt, wenn er es ihr gleichtut, etc. - Kindergarten. Als sie sich dann in einer bestimmten Szene auch anderen Frauen, die ihr nichts getan haben, grundlos gehässig gegenüber verhält, war für mich sympathiemäßig der Ofen aus. Sowohl sie als auch Lexi sind ziemlich klischeehaft gezeichnet worden – zwei Starbucks-Liebhaberinnen, die sich gegenseitig "Kleine" und "Süße" nennen.
Über die anschließende Triggerwarnung musste ich trotz der durchaus ernsten Thematik beinahe schmunzeln – so wird erwähnt, dass man u.A. "übergriffiges […] Verhalten gegen Frauen" zu erwarten habe. – Dass auch eine der Hauptfiguren sich so verhält, darüber aufgrund seines guten Aussehens und allgemeinen Hottie-Status komplett hinweggesehen wird, scheint hingegen völlig okay zu sein. Ob Schönling oder nicht, solch ein Verhalten finde ich in jeder Situation fragwürdig und grenzwertig.
Was den Schreibstil betrifft, schwanke ich. Gewisse Situationen wurden herrlich ausdrucksstark hervorgehoben, aber die Nähe zu den Figuren und die allgemeine Glaubwürdigkeit gingen im Laufe der Handlung für mich komplett verloren. Außerdem erschienen mir manche Formulierungen und Dialoge absolut unrealistisch, Stichwort: Lumpenpuppe, Sittenstrolch und smaragdgrüne Augen.
Leider waren die Hinweise auf den restlichen Story-Verlauf bereits im ersten Drittel dermaßen deutlich und unübersehbar eingestreut, dass der Rest der Geschichte komplett vorhersehbar war – und zwar auf einem Level, bei dem ich mir dachte: Das kann unmöglich ihr Ernst sein, da MUSS noch ein Twist kommen. Besagte Überraschung trat allerdings nicht ein und so ließ mich die Lektüre ob der gänzlich lieblosen, fantasielosen Auflösung komplett ernüchtert zurück.
Fazit: Unheimlich starker Start einer Geschichte, die aufgrund der kreativen Story-Idee so viel Potential gehabt hätte, deren Umsetzung jedoch maximal mittelmäßig war. Leider plätscherte der Großteil der Handlung schon bald nach dem Einstieg nur noch vor sich hin; insgesamt sorgten lediglich 3 Actionszenen zwischenzeitlich kurz für Spannung. Die Charaktere, die mir anfangs sympathisch waren, wirkten aufgrund ihres nicht nachvollziehbaren Verhaltens und der zum Teil hölzernen, unauthentischen Dialoge zunehmend befremdlich auf mich, sodass ich kaum mehr mit ihnen mitfiebern konnte. Der größte Störfaktor für mich war die komplette Vorhersehbarkeit sämtlicher bedeutender Entwicklungen – das fand ich enorm unkreativ und langweilig gelöst. Dies war eine der wenigen Ausnahmen, bei denen ein LYX-Roman mich echt enttäuscht hat. Meine 2 ½, auf 3 aufgerundeten Sterne vergebe ich für das traumhaft schöne Cover, die Grundidee und die gut umgesetzten Actionszenen.
Herzensbuch!
Herzensbrecher am Horizont von Cornelia Engel
Manchmal gibt es Momente im Leben, in denen man merkt: So geht es nicht mehr weiter, eine Veränderung muss her. Viele Jahre lang hat Flugbegleiterin Wanda ihren Job hoch über den Wolken genossen, liebte es, exotische Ziele zu entdecken und überall auf der Welt zu Hause zu sein. Bis sie eines Tages feststellt, dass ihr Körper streikt: Panikattacken, Angst, Selbstzweifel.
Statt bunter Abwechslung sehnt sie sich mittlerweile nach Stabilität und Routine, nach einem Zuhause, das sich nicht alle paar Stunden ändert. Dank ihrem besten Freund Tom erfährt sie von einer freien Stelle auf dessen Heimatinsel Borkum und bricht kurzerhand auf zum Tierarzt Dr. Harksen, der noch nichts von seinem Glück ahnt – hatte doch seine extrovertierte und gänzlich unkonventionelle Mutter in die Stellenanzeige geschrieben, dass für den Job keine veterinärmedizinische Erfahrung nötig sei. Nun soll er also einer Stewardess den Tierklinik-Alltag näherbringen?! Tatsächlich erweist sich die bildhübsche, zierliche Wanda jedoch in jeglicher Hinsicht als absoluter Glücksgriff; rasch lernt sie, mit den Tieren und deren teilweise skurrilen Besitzern umzugehen, kämpft sich mit ihrer offenen, aufrichtigen Art in das Herz gewisser mürrischer Inselbewohner und verdreht dem schüchternen Morten gehörig den Kopf. Doch gerade als sie meint, endlich angekommen zu sein, erreicht sie ein Hilferuf vom Festland – und Morten enttäuscht sie obendrein mit seinem Verhalten bitterlich…
Für mich ist der zauberhafte Auftakt ihrer Verliebt-auf-Borkum-Reihe bereits der dritte Roman dieser sympathischen Autorin, die auch unter dem Pseudonym Isabel Morland erfolgreich ist. Tatsächlich habe ich die Buchreihe versehentlich rückwärts begonnen, da alle Bände sich auch wunderbar als Einzelwerke lesen lassen. Da Cornelia Engels sommerfrischer, lebensnaher und schlichtweg traumhaft angenehmer Schreibstil mich allerdings restlos begeistert hatte, stand für mich sofort fest, dass ich auch alle weiteren Bände der Reihe lesen muss! Herrlich bildreiche Beschreibungen vom stimmungsvollen Nordsee-Setting, durch und durch liebenswerte Figuren, die dem wahren Leben entsprungen sein könnten und facettenreich ausgearbeitet worden sind, spannende Entwicklungen und überraschende Plottwists, authentische Dialoge, tiefe Emotionen und zahlreiche tierische Protagonisten, die mein Herz zum Schmelzen gebracht haben…mehr kann man von einer Feel-Good-Story wirklich nicht verlangen!
Fazit: Ich liebe diese Geschichte und kann es nicht erwarten, nach Borkum zurückzukehren – nicht nur literarisch, denn dank der atmosphärischen, einladenden Beschreibungen ist die malerische Insel direkt auf meine Reisewunschliste gewandert!
Liebe oder Karriere?
Man of the Year - Scandal Love von Lauren Layne
Die Bestsellerautorin Lauren Layne war mir bereits seit ihrer prickelnd-humorvollen Wolfes-of-Wall-Street-Reihe ein Begriff, die mich komplett begeistert hatte; folglich stand für mich außer Frage, dass ich jeden ihrer Folgeromane lesen würde. Erneut ist das Setting ihrer Wahl die wunderschöne Stadt New York City – the Big Apple eignet sich eben hervorragend als Background-Szenerie für schicke Business-Ladies und schmucke Anzugträger.
Man Of The Year – Scandal Love bildet den Auftakt der gleichnamigen Reihe und ist im August 2021 bei LYX digital erschienen.
Acht Jahre lang lebte der jüngste Bürgermeister New York Citys nur für seine Arbeit und verzichtete dafür herzlich gerne auf sein Privatleben. Skandale? – Fehlanzeige. Für Robert Davenport waren seine zwei Amtszeiten mehr als nur ein Job: Es war ihm ein persönliches Anliegen, das politische Erbe seines verfrüht verstorbenen Vaters zu ehren, indem er den Bürgern/innen der Stadt kompetent, zielstrebig, unbestechlich und charmant diente. Wehmütig sieht er dem Ende seiner Amtszeit entgegen, während sein Wahlkampfmanager bereits die Messer für die nächste Wahl wetzt: Robert soll als Gouverneur kandidieren. Dass die Presse ihn kürzlich zum Man of the Year gekrönt hat, bietet die ideale Ausgangslage – wäre da nicht die lästige Tatsache, dass Robert Single ist, die Wähler bevorzugen schließlich stereotypische Familienverhältnisse. Um diesen Nachteil gegenüber dem Konkurrenten und aktuellen Gouverneur auszubügeln, will Martin zu einer List greifen: Robert soll Gouverneur Brennans einst rebellische, mittlerweile aus dem Rampenlicht verschwundene Tochter Addie für sich gewinnen und dazu bringen, über ihren korrupten Vater, der nur vor den Kameras den Saubermann spielt, auspacken. Abgesehen davon, dass Robert solche Taktiken zuwider sind, muss er erschüttert feststellen, dass Addie, die sich mittlerweile Adeline Blake nennt, ihm auf gefährliche Weise unter die Haut geht…
Ich liebe den gleichermaßen witzigen, mitreißenden und tiefgründigen Schreibstil der Autorin, der sich hier voll entfaltet und uns die Figuren auf solch mühelose Weise näherbringt, dass man direkt meint, sie zu kennen. Robert Davenport ist ein absoluter Hottie: attraktiv und obendrein mit einem aufrichtigen Charakter gesegnet - obwohl er in der Politik tätig ist. (Im Grunde macht ihn das beinahe schon zum Heiligen, angesichts der skandalumwitterten Politiker unseres realen Lebens.) Man spürt, dass ihm 'seine' Stadt wirklich am Herzen liegt und er wahrlich das Wohl der Bürger im Sinn hat. Kein Wunder, dass ihm die Damenwelt – egal ob Singles, Ehefrauen oder geschiedene 'Silberfüchsinnen' – zu Füßen liegt. Dass Robert sich bezüglich seines zukünftigen politischen Karriereziels, der Kandidatur zum Gouverneur, keiner schmutzigen Tricks bedienen möchte, spricht ungemein für ihn und treibt seinen abgebrühten und oberambitionierten Wahlkampfmanager Martin in den Wahnsinn.
Adeline, die ihr früheres Party-Girl-Image als Addie Brennan ad acta gelegt hat, ist eine ehrgeizige und kluge junge Frau, die sich in der hart umkämpften Event-Branche aus eigener Kraft hochgearbeitet hat. Argwöhnisch beäugt sie das unerwartete Angebot des Bürgermeisters – vom politischen Leben möchte sie sich unbedingt fernhalten, denn sie kann es nicht riskieren, auf dem Radar ihres Mistkerls von Vater (und der Klatschpresse) zu landen. Gegenüber Robert verhält sie sich kompetent und selbstbewusst, selbst wenn sein jungenhafter Charme und sein gutes Aussehen ihr Schmetterlinge im Bauch bescheren. Ich konnte es kaum erwarten, die Annäherung der beiden mitzuverfolgen und bangte mit ihnen, als das herzzerreißende Dilemma sich abzeichnete: Robert wird sich zwischen dem eventuellen Liebesglück mit Adeline, wofür es keine Garantie gibt, und seiner politischen Karriere entscheiden müssen – und wiederum Adeline hat ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, was das Beste für Robert ist. Mein einziger Kritikpunkt sind die kleinen Längen, die sich kurz vor dem Finale eingeschlichen haben – vielleicht war ich allerdings auch einfach zu ungeduldig.
Das Cover finde ich sehr passend gestaltet: kühle Farben, ein attraktives männliches Profil, der obligatorische Anzug, die Skyline im Hintergrund... hier wurde der Inhalt des Romans gestaltungstechnisch spitzenmäßig umgesetzt.
Fazit: Eine Liebe, die zunächst komplett abwegig erscheint und anschließend nicht sein darf – wenn das mal keine tollen Voraussetzungen für eine emotionale Love Story sind, die obendrein gespickt ist mit humorvollen Dialogen, heißen Erotikszenen und einer ordentlichen Portion Spannung! Klare Leseempfehlung für alle Fans von Sexy-Romance-Werken!
Bezaubernder Wohlfühlroman in stimmungsvollem Südengland-Setting
Man of the Year - Scandal Love von Lauren Layne
Es kann kein Zufall sein, dass gleich mehrere Bücher aus der Feder dieser unheimlich talentierten Autorin (veröffentlicht unter ihren anderen Pseudonymen Mirjam Müntefering, Pippa Watson und Mary E. Garner) zu meinen absoluten Lieblingswerken gehören, völlig unabhängig vom Genre – manche Menschen sind einfach die geborenen Erzähler und Rosie Adams gehört definitiv dazu.
Alles, was sie angreift, verwandelt sich in einen exzellenten Roman! Auch ihr aktuelles Werk, erschienen im April 2021 bei Lübbe Belletristik, ist da keine Ausnahme; viel zu schnell war die wunderbare Geschichte um die sympathische Köchin Sara, ihre Tante Marjorie und ein entzückendes Rudel Corgi-Hunde ausgelesen!
Zur Story selbst möchte ich gar nicht viel ergänzen, was über den Klappentext hinausgehen würde, da dieser recht akkurat ist; what you see is what you get. Selbiges gilt auch für das niedliche Cover, das ganz klar hält, was es verspricht: eine Feel-Good-Story am Meer, in welcher putzige Fellnasen eine bedeutende Rolle spielen. Grandios finde ich, dass es sich bei den Figuren um gestandene, erwachsene Personen jenseits der 20 handelt, die also bereits eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen und auf allerlei prägende Ereignisse und Erinnerungen zurückblicken können. Im Hinblick auf Saras Tante und Rudel-Chefin Marjorie erhalten wir sogar kurz einen Einblick in die Vergangenheit, die über 30 Jahre zurückliegt. Überhaupt fand ich es höchst bewundernswert, wie spielerisch die Autorin zwischen verschiedenen Perspektiven wechselt, ohne dass man das Gefühl bekommt, den Überblick zu verlieren. Normalerweise sind Romane mit mehr als 2, 3 Perspektiven eher nicht mein Fall, weil dies manchmal zur Folge hat, dass ich mich mit den Hauptfiguren weniger intensiv auseinandersetzen kann; diese Sorge kann ich allen Lesern/innen des vorliegenden Werkes getrost nehmen – man verliert nie den Fokus von den Hauptfiguren und die gelegentlich eingestreuten, zusätzlichen Perspektiven sind eher als kleine Schmankerl zu betrachten, die die Geschichte noch intensivieren und versüßen. So gibt es beispielsweise auch Passagen, in denen der vorwitzige kleine Rüde Harry zu Wort kommt und mit Corgi-Scharfsinn und viel Humor auf den Punkt bringt, was die Menschen um ihn herum vielleicht nicht sofort erkennen.
Wer glaubt, die vermeintliche Love Story verlaufe nach Schema F, irrt gewaltig – tatsächlich gibt es einige Überraschungen und hinsichtlich Saras potentiellem Partner bleibt es bis zuletzt ziemlich spannend – wobei ich natürlich einen klaren Favoriten in dieser Angelegenheit hatte. Der Schreibstil, mit dem die Autorin uns ins reizvolle Südengland und speziell in die für Paläontologen (und Jane Austen Fans) interessante Kleinstadt Lyme Regis an Dorsets legendärer Jurassic Coast entführt, ist sowohl mitreißend als auch gefühlvoll, authentisch, schwungvoll und einnehmend. So macht Lesen Spaß! Sämtliche der liebenswerten Figuren sind facettenreich ausgearbeitet worden und wirken durchdacht und glaubwürdig in ihrem Handeln. Mein Herz hat natürlich Klein-Harry gestohlen!
Fazit: Ich bin begeistert von diesem traumhaften Wohlfühlroman, der mir herrlich unterhaltsame, selige Lesestunden beschert hat! Nicht nur für Hunde-Fans eine absolute Leseempfehlung!!










