Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Emotionaler New-Adult-Roman in wundervollem Setting
Like Snow We Fall von Ayla Dade
Können wir bitte zunächst mal über diesen Traum von einem Cover sprechen?! Dieses glitzernde Schmuckstück gehört definitiv zu den schönsten Buchcovern, die ich je in den Händen halten durfte, wow! Die funkelnden silberfarbenen Elemente verleihen dem Einband einen edlen Touch, das gewisse Extra eben, und schüren die Vorfreude auf einen winterlichen Roman.
Die Gestaltung passt nicht nur perfekt in die Vorweihnachtszeit, sondern erinnerte mich im Nachhinein auch an eine meiner liebsten Szenen des Werkes.
"Erst denke ich, Lichterketten verstecken sich in den umliegenden Tannen. Bei jedem ausgestoßenen Atemzug bildet sich eine weiße Wolke vor meinem Gesicht, während ich mich den Bäumen nähere. […] Inmitten dieser Wand aus schneeverhangenen Tannen liegt ein von Eis überzogener See. Der Mond spiegelt sich in seiner Oberfläche und lässt ihn glitzern."
Damit komme ich zu meinem Highlight des Romans: die absolut umwerfenden Beschreibungen des Settings. - So bildreich und atmosphärisch, dass man sich sofort in die verschneite Winterwunderwelt Colorados hineinversetzt fühlt. Ich habe es geliebt! Aspen, reichste Stadt der USA und Luxus-Skigebiet, ist ein malerisches Kleinstadt-Juwel und besticht durch ein heimelig-charmantes Flair. Obwohl jährlich Horden von wohlbetuchten Touristen die von Nobel-Boutiquen und exquisiten Restaurants gesäumten Straßen entlangströmen und die umliegenden Pisten der Rocky Mountains stürmen, ist der spezielle, unverfälschte Zauber Aspens ungebrochen. "Vielleicht ist diese Stadt dafür geschaffen, jede Seele auf unterschiedliche Art zu berühren".
Paisley, ein junges Eiskunstlauftalent, möchte hier an der iSkate-Schule durchstarten, um sich eines Tages für Olympia zu qualifizieren. Sie ist Hals über Kopf quer durchs Land geflüchtet und hofft auf einen Neustart. Doch im Gepäck hat sie neben ein paar wenigen Kleidungsstücken und ihren Schlittschuhen auch jede Menge traumatische Erinnerungen, die sie nachhaltig geprägt haben. Mit jedem Tag, den sie in Colorado verbringt, wird ihr Herz leichter und sie wagt sich immer weiter aus ihrem Schneckenhaus heraus. "Aspens Berge sind zu schön. Sie lassen keinen Raum für negative Gefühle. Vielleicht sind es die schneeverhangenen Gipfel, in denen ich meinen Kopf verlieren und meine Seele finden werde." Doch als sie endlich wirklich angekommen zu sein scheint, sich eingelebt und Freunde – vielleicht sogar die Liebe – gefunden hat, droht ihre Vergangenheit sie einzuholen und brutal aus ihrem neuen Glück herauszureißen, wie ein Monster, das in der Dunkelheit lauernd nur auf die richtige Gelegenheit gewartet hat. Auch Knox, der gefeierte Snowboard-Star der Region, hat mit seinen Dämonen zu kämpfen und ist ein gebrochener Charakter, der zu früh im Leben mit Verlust und Schuldgefühlen konfrontiert worden ist. Können er und Paisley zusammen endlich frei sein?
Für mich war es der erste Roman von Ayla Dade und ihr gleichermaßen humorvoller, tiefgründiger wie auch verträumt-melancholischer Schreibstil hat mir, abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, ausnehmend gut gefallen. An manchen Stellen waren mir die Formulierungen einen Tick zu poetisch, was in krassem Gegensatz zu den heftigen Themen stand, die in die Story eingewoben worden sind. (Hier hätte ich übrigens eine Triggerwarnung sinnvoll gefunden.) Die Wortwahl der Dialoge ist sehr jugendlich und ich habe einige neue Begriffe, wie z.B. "Dummtorte", dazugelernt. Die Fixierung auf Muttermale fand ich eher ungewöhnlich, aber da sind die Geschmäcker eben verschieden. Einige Wortwiederholungen gab es (z.B. "schneeverhangen" taucht ziemlich oft auf, doch gerade die Beschreibungen der majestätischen Natur sind so fesselnd, dass man darüber hinwegsehen kann) und die dramatische Entwicklung am Ende erschien mir zu simpel aufgelöst. Nach dem großen Aufbau hätte ich mir mehr als ein paar Sätze à la 'Mein Dad hat ein paar Anrufe getätigt und schwuppdiwupp ist alles gut' gewünscht. Nun ja, all das tut der ansonsten schönen und hochemotionalen Geschichte, die mir vor allem im ersten und im letzten Drittel gefallen hat, kaum einen Abbruch. Zudem wird deutlich, dass die Autorin sich ausführlich mit den in die Story integrierten Wintersportarten auseinandergesetzt hat. Die musikalische Playlist bildet die perfekte Ergänzung zum Buch; die Titel wurden mit Bedacht ausgewählt und sorgen beim Lesen für wunderbare Gänsehaut-Momente.
Fazit: Diese winterliche New-Adult-Romance liest sich so leicht wie weicher Pulverschnee und regt dennoch zum Nachdenken an, da durchaus ernste Themen eine Rolle spielen. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band der Reihe! Klare Leseempfehlung!
Süßer weihnachtlicher Liebesroman mit kleinen Längen
Plätzchen gesucht, Liebe gefunden von Petra Schier
Alle Jahre wieder versüßen mir Petra Schiers weihnachtliche Liebesromane die Adventszeit. Stets fester Bestandteil der Story: ein entzückendes Hündchen, Santa Claus und seine Elfen, und eine sympathische Familie samt Freunden. Der bereits 15. (!) Band dieser zu Recht erfolgreichen Buchreihe eignet sich für Einsteiger ebenso wie für eingefleischte Fans, da die Handlung auch ohne Vorkenntnisse nachvollziehbar ist.
Dieses Mal stehen Frank und Ricarda im Fokus – von klein auf befreundet, dann aufgrund Franks internationaler Karriere entzweit und nun, nach seiner Rückkehr in die Heimat, vielleicht sogar mehr als nur gute Freunde? Ricarda möchte ihr gerade wieder aufgebautes inniges Verhältnis eigentlich nicht riskieren, zu groß ist ihre Angst vor einem erneuten Verlust - sollte die romantische Beziehung zwischen ihnen scheitern, wäre schließlich auch die Freundschaft im Eimer. Doch Frank, dem endlich klargeworden ist, dass er seine Gefühle für sie all die Jahre nur verdrängt hatte, lässt sich nicht so leicht entmutigen. Von seinem verstorbenen Großvater hat er die kleine Pudeldame Naila geerbt, die sein Leben gehörig aufmischt – und auch sie wünscht sich Ricarda als Frauchen. Und wenn dann noch Santa und seine Elfen mithelfen, dann steht einem rundum glücklichen Weihnachtsfest nichts mehr im Wege!
Neben Franks und Ricardas Perspektiven (jeweils in der 3. Person geschrieben) erhalten wir auch Passagen aus der Sicht von Santa Claus sowie Einblicke in Nailas Gedanken, was die Bücher dieser Reihe zu etwas ganz Besonderem macht. Mein Highlight war natürlich die niedliche Fellnase, die sich anfangs wie eine kleine Diva aufgeführt und sich ruck, zuck in mein Herz gewuselt hat. Die Charaktere sind liebenswert gestaltet; ihre Romanze liest sich angenehm und enthält auch ein, zwei Momente knisternder Erotik, allerdings hat sie mich nicht emotional überwältigt. Das fand ich nicht tragisch, es war insgesamt eher ein ruhigeres Werk, trotz des verspielten, lockeren Schreibstils. Vielleicht entstand dieser Eindruck bei mir auch nur aufgrund der Länge des Romans, rund 450 Seiten empfand ich für diese Art von Geschichte einfach als zu viel, 150 Seiten weniger und das Ganze hätte perfekt gepasst.
Weiterhin lobenswert zu erwähnen sind - neben dem goldigen Cover -, die Playlist zum Buch sowie die umfangreiche Rezeptsammlung im Anhang, die eine wunderbare Ergänzung darstellen.
Fazit: Zwischenzeitlich etwas langatmig, aber ansonsten eine süße Weihnachtsstory mit witzigen Fantasy-Elementen und tierischer Perspektive.
Potential wird nicht ausgeschöpft
Winterglück am Central Park von Katherine Garbera
Aufgrund des Klappentextes und des in warmen Farben gehaltenen, schlichten, aber doch Behaglichkeit ausstrahlenden Covers erwartete ich eine romantische Wohlfühlstory. Die Komponenten dafür waren auf jeden Fall gegeben: ein traumhaftes Setting (New York City zur Weihnachtszeit), ein gemütliches Café am legendären Central Park, drei Freundinnen und ein attraktiver Nachbar, den es aus der Reserve zu locken gilt.
Kurzum: Da hätte man sehr viel draus machen können. Leider blieb der Roman von Katherine Garbera weit hinter meinen Erwartungen zurück und hat mich ziemlich ernüchtert zurückgelassen.
Die ordentlich beschwipste Hayley wird nach einer Party beim Einbruchsversuch in ihr eigenes Zuhause erwischt, da sie ihren Schlüssel verloren hat – und zwar ausgerechnet von ihrem heißen Nachbarn Garrett Mulligan, einem Cop. Garrett erholt sich gerade von einer Verletzung; noch ist unklar, ob er sein Bein je wieder ganz belasten können wird. Viel schlimmer trifft ihn jedoch die Tatsache, dass er bei jenem Zwischenfall seinen Partner verloren hat. Sich zu verlieben steht nicht auf seiner Agenda, schon gar nicht, wenn die Frau von ihm erwartet, seinen Job aufzugeben. Er liebt seine Arbeit als Cop und möchte sich nicht dauerhaft hinter den Schreibtisch verbannen lassen. Hayley, deren Verlustängste auf dem Tod ihrer Mutter basieren, möchte sich verändern, mutiger werden, mehr im Leben wagen. Erster Schritt: eine optische Veränderung, zweiter Schritt: ihren attraktiven Nachbarn verführen.
Das selbsterklärte "ungezogene Mädchen" trifft auf "Officer Schnittchen" – bei Beschreibungen wie diesen dachte ich zunächst, der Einstieg in die Handlung sei als Witz gemeint, der bald aufgeklärt werden würde. Leider ging es direkt so weiter, weshalb ich von Beginn an keine Bindung zu den Figuren aufbauen konnte und angesichts der flachen Formulierungen mehrere Augenroll-Momente erlebte.
Der Schreibstil ist flüssig, wobei ich es jetzt nicht als herausragende Leistung betrachte, grammatikalisch richtige Sätze aneinanderzureihen, denn das allein garantiert leider keinen Lesegenuss. Die Charaktere wirkten trotz zig leidenschaftlicher Szenen blass auf mich, dadurch fieberte ich nicht mir ihnen mit. Das Knistern zwischen ihnen erreichte mich nicht und erschien unnatürlich, nicht authentisch. Weihnachtsfeeling und New York-Flair suchte ich vergeblich. Angesichts der Tatsache, dass dieser Band zu einer Buchreihe um drei Freundinnen gehört, wurde die Freundschaft der Frauen sehr oberflächlich behandelt und nahm kaum Raum in der Handlung ein; vor allem gegen Ende wird eine bedeutende, lebensverändernde Entwicklung bei Cici extrem schnell abgehandelt.
Ich bin ein großer Fan von Weihnachtsgeschichten und liebe zudem New York City, somit wäre der Grundrahmen dieses Romans theoretisch bereits die halbe Miete. Dennoch konnte mich die Geschichte leider nicht überzeugen – lieblos ausgearbeitete Figuren, zu wenig Tiefgang, mehr Erotikszenen als tatsächliches Gefühl. Daher kann ich lediglich 2 sehr wohlwollende Sterne vergeben.
Nicht nur für Hundefreunde ein (Weihnachts-)Hit!
Pine Hollow - Zwölf Körbchen unterm Weihnachtsbaum von Lizzie Shane
Diese bezaubernde Small-Town-Romance aus der Feder von Lizzie Shane, erschienen im September 2021 bei HarperCollins, hat mein Herz erwärmt wie eine heiße Schokolade an einem kalten Wintertag! – Liebenswerte, lebensnah gezeichnete Charaktere, eine malerische, verschneite Kleinstadt in Vermont als Setting und ein Dutzend entzückender Hunde! Kurzum: Ich war begeistert! Selbiges gilt für den durch und durch angenehmen Schreibstil, der vor humorvollen Formulierungen nur so strotzt und die Geschichte flockig leicht in den weihnachtlichen Rahmen einbettet, ohne seicht zu wirken – kein Wunder, dass die Autorin schon etliche Preise abgestaubt hat und bekannt ist für ihre feinfühligen Romance-Werke! Ich habe mir den Folgeband, "Pine Hollow – Vier Pfoten und ein Date", direkt vorgemerkt und auch schon Band 3, der zunächst in englischer Sprache erscheinen wird, auf meine Wunschliste gesetzt.
Diese Kleinstadt und ihre Einwohner/innen muss man einfach lieben – natürlich wird viel getratscht, aber alle halten zusammen und helfen einander. "»Es ist ein Geben und ein Nehmen, und die Leute kümmern sich umeinander.«" Ben West, der nach dem Tod seiner Schwester Katie und deren Mann Paul plötzlich über Nacht die Vaterrolle für deren kleine Tochter Astrid einnehmen musste, hangelt sich von Tag zu Tag, von einer Problemlösung zur nächsten. Er hat seinen gut bezahlten Job im Silicon Valley aufgegeben und ist in Astrids Elternhaus gezogen, damit das Mädchen nicht auch noch das gewohnte Umfeld verliert; zudem hat er Pauls Stelle im Rat der Stadt übernommen und zerreißt sich förmlich für die Gemeinde. "Wie toll es sich anfühlen musste, wenn der Tag tatsächlich genug Stunden für alles hatte. Nur sehr vage erinnerte er sich noch an dieses Gefühl."
Selten kommt es vor, dass ich mich in den männlichen Protagonisten noch besser hineinfühlen kann als in den weiblichen Part, aber hier war dies ganz klar der Fall, auch wenn ich die sympathische, aufrichtige Ally ebenfalls absolut reizend fand. Sie und ich teilen nicht nur die Liebe für Hunde und ein Interesse an Fotografie, sondern haben auch den gleichen Lieblings-Weihnachtssong: "I’ll be home for Christmas".
Manchmal kommt alles zusammen im Leben und man hat das Gefühl, kaum etwas auf die Reihe zu bekommen, obwohl man sich wie verrückt abstrampelt, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Genauso geht es Ben, als Ally in sein Leben hineinstolpert – im wahrsten Sinne des Wortes. Für zusätzliche Komplikationen fehlen ihm schlichtweg die Energie und die Zeit. Dennoch geht es nicht spurlos an ihm vorbei, dass dem lokalen Tierheim Furry Friends aufgrund seiner Entscheidung im Stadtrat die Subventionen gestrichen werden sollen. Selbstlos setzt er die Vermittlung der noch im Heim verbliebenen Hunde als weiteren Punkt auf seine ohnehin schon lange To-Do-Liste und ruft die Aktion 'Die zwölf Weihnachtshunde' ins Leben, damit alle Fellnasen bald ein liebevolles Zuhause finden. Leider befeuert dies den Wunsch seiner Nichte, selbst einen Hund als Haustier zu bekommen und die hübsche Ally wird ihm immer wichtiger, obwohl er sich mit Händen und Füßen gegen diese Gefühle zu wehren versucht.
Erzählt wird in der 3. Person, wobei die Übergänge zwischen Bens und Allys Perspektive fließend sind. Ich habe das wundervolle, kleinstädtische Weihnachtsflair genossen, das in diversen Veranstaltungen zelebriert wird, und fand es großartig, dass den niedlichen Hunden eigene Charaktereigenschaften zugeschrieben worden sind, anstatt sie auf Gassi-Gänge zu reduzieren.
Fazit: Der perfekte Roman für die Vorweihnachtszeit! Das putzige Cover hält, was es verspricht - klare Leseempfehlung für alle Tierliebhaber und Fans von Wohlfühlgeschichten.
Zuckersüßer Weihnachtsroman voller Gefühl
My Christmas Wish von Sarah Saxx
Was für eine herrliche Einstimmung auf die schönste Zeit des Jahres! Mit ihrem bezaubernden Roman "My Christmas Wish" hat die Erfolgsautorin Sarah Saxx ein Werk geschaffen, das sowohl Romantik als auch Nächstenliebe zelebriert und mir, insbesondere auch durch die der Geschichte zugrundeliegende wahre Begebenheit, wohl immer in Erinnerung bleiben wird.
Gerade heutzutage, wo das Formen neuer zwischenmenschlicher Kontakte durch eine Pandemie erschwert wird und tatsächlich viele Menschen unter Einsamkeit leiden, brauchen wird solche warmherzigen, aufmunternden Feel-Good-Stories mehr denn je.
Lydia und Shawn sind zwei außergewöhnliche junge Menschen – beide üben eine ehrenamtliche Tätigkeit aus und sind unheimlich empathisch. Wen wundert es also, dass sie aneinander Gefallen finden? Ihre potenzielle Romanze steht allerdings nicht im Vordergrund, vielmehr widmen sie sich mit Feuereifer ihrem spontan ins Leben gerufenen Charity-Projekt, um möglichst vielen alleinstehenden Menschen ein unvergessliches Weihnachtsfest zu bescheren. Ob es auch für sie ein Happy End geben wird?
Erzählt wird mal aus Lydias, mal aus Shawns Perspektive, wobei beide Hauptfiguren mir aufgrund ihrer bodenständigen, aufrichtigen und liebenswerten Art gleichermaßen sympathisch waren. Auch die Nebenfiguren, beispielsweise die jeweiligen Familien oder Lydias Freundin Ellen, konnten mich gleich für sich einnehmen. Die Wortwahl in den Dialogen ist wunderbar realistisch und ungekünstelt – alle Gespräche könnten sich tatsächlich im wahren Leben so zutragen. Dank des entspannten, lockeren Schreibstils, der jedoch nie oberflächlich wirkt und aufgrund der feinen Zwischentöne sehr viel Emotionen transportiert, bin ich nur so durch die Seiten geflogen. Abgesehen von der recht umfangreichen Projektplanung, die ich eventuell um ein, zwei Seiten gekürzt hätte, habe ich nichts zu bemängeln – und selbst das ist nur Jammern auf hohem Niveau. Wenig Drama, ohne dass es langweilig wird, das muss man erst einmal schaffen!
Weniger ist eben wahrlich mehr, das zeigt sich auch an dem in zarten Farben gehaltenen Cover, welches durch seine schlichte und doch edel wirkende Aufmachung besticht. Besonders hervorheben möchte ich zudem all die liebevollen gestalterischen Details, die dieses Buch zusätzlich aufwerten – wunderschöne Kapitelverzierungen, ein verführerisch köstliches Rezept im Innencover und eine Playlist, die mich direkt in Weihnachtsstimmung versetzt hat.
Fazit: Wer noch nicht den Christmas Spirit fühlt, wird es spätestens nach dieser Lektüre tun. Manchmal muss man sich einfach daran erinnern, dass Zeit das Wertvollste ist, was man einem anderen Menschen schenken kann. Herzlichen Dank für diese berührende Geschichte!
Die sympathischen Nebenfiguren retten den Roman
Weihnachten mit Zimt und Happy End von Debbie Johnson
Ich hatte mich ganz besonders auf den mittlerweile sechsten Band der von Debbie Johnson geschaffenen Comfort Food Café-Reihe gefreut, da der Klappentext nach einer herrlich emotionalen Geschichte, ganz im Stil der Autorin, klang und ich gespannt darauf war, wie all die liebgewonnenen Figuren aus den vorherigen Bänden sich inzwischen weiterentwickelt haben würden.
Zudem geriet ich regelrecht in Verzückung über das wunderschön weihnachtliche, mit Goldglanzprägung verzierte Cover, das kuschelige Wohlfühlatmosphäre verspricht.
Meine Rückkehr nach Budbury, dem leider fiktiven, malerischen Dörfchen an der Küste Dorsets, wo jeder jeden kennt und das heimelige, kunterbunte Comfort Food Café von Cherie Moon oben auf den Klippen thront, verlief nicht ganz so, wie ich es mir erhofft hatte. Während der gesamten Handlung ist so gut wie nichts passiert, der Spannungsbogen war quasi nicht existent und das ließ mich etwas ratlos zurück. Natürlich habe ich dennoch den grandiosen, von schlauen Wortkombinationen, witzigen Vergleichen und authentischen Dialogen geprägten Schreibstil genossen. Gerade im Hinblick auf das Setting hat die Autorin mich wieder total abgeholt.
"Das Comfort Food Café ist mit keinem anderen Ort auf dieser Welt vergleichbar. […] Auf der einen Seite sieht man in den Garten hinaus, auf der anderen auf das Meer und den Strand und die endlosen Felskuppen, die sich bis zum Horizont erstrecken. Es ist die Art von Ort, an dem man Stunden damit verbringen kann, einfach aufs Meer zu schauen."
Mein Highlight waren ganz klar die Nebenfiguren und die Entwicklungen in deren Leben – Edies und Lynnies Gesundheitszustand, Lauras Beziehung zu Matt, etc. Ich kann durchaus nachvollziehen, warum es der weiblichen Hauptprotagonistin Katie in Budbury so gut gefiel, dass sie bereit war, dem Ort und dessen Einwohnern eine Chance zu geben und sich nach und nach aus ihrem Schneckenhaus zu wagen. "[…] die Leute hier haben viel durchgemacht, haben ihr Schicksal in die Hand genommen und scheinen es jetzt als ihre Lebensaufgabe zu betrachten, andere Menschen glücklich zu machen, während sie sie mit Karottenkuchen füttern. […] irgendjemand ist immer mit einem Pflaster oder einem Löffel Medizin für die Seele zur Stelle."
Die alleinerziehende Mutter hatte keine schöne Kindheit und nach der Trennung von Jason, dem Vater ihres entzückenden kleinen Sohnes Saul, schwor sie sich, die Fehler ihrer sich noch immer permanent streitenden Eltern nicht zu wiederholen. Während sie einzig für ihr Kind lebt, fällt es ihr schwer, andere Menschen – geschweige denn Männer – an sich heranzulassen. Insbesondere mit ihrem Fluchtinstinkt hat sie zu kämpfen.
"Sobald du Kinder hast, neigst du dazu, deinen eigenen Geburtstag zu vergessen – du konzentrierst dich auf ihren und merkst gar nicht, wie die Zeit vergeht. Das ist natürlich und richtig und gut – es heißt aber nicht, dass du dich selbst ganz vergessen solltest."
Die in drei ungleichmäßig lange Abschnitte unterteilte Geschichte wird in der Ich-Form aus Katies Perspektive erzählt, was uns einen tiefen Einblick in ihre Gemütswelt ermöglicht. Ich kann verstehen, dass ihre unglückliche Kindheit sie geprägt hat – warum sie sich von ihren toxischen Eltern nicht längst gelöst hat, bis diese ihre Probleme miteinander geklärt haben, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Schon allein aus Rücksicht auf ihren Sohn hätte sie diesen Schritt längst wagen müssen, da all die negativen, in der Vergangenheit verwurzelten Emotionen ihr Verhalten bis in den heutigen Alltag beeinflussen und sie die Zeit mit ihrem Kind nicht so unbeschwert erleben lassen, wie es der Fall sein sollte. Diese über lange Passagen gedrückte Grundstimmung hat mich zeitweise eher deprimiert als festlich gestimmt. Zum Glück gibt es den verständnisvollen Van, der es sich zur Mission macht, Katie zu retten, als plötzlich ihre Eltern in Budbury auftauchen und Weihnachten ins Wasser zu fallen droht.
Meine Kritikpunkte sind der Mangel an tatsächlicher Handlung in Bezug auf die Hauptperson und die dadurch fehlende Spannung, was den doch über 400 Seiten starken Roman recht langatmig und (– es bricht mir das Herz, es zugeben zu müssen –) uninteressant erscheinen ließ. Auch in puncto Weihnachtsflair – welches nicht vorhanden war – hätte ich mir deutlich mehr erwartet; die vom Titel suggerierte Weihnachtsstimmung wollte sich bei mir partout nicht einstellen.
Fazit: Meine 3 Sterne basieren auf Debbies tollem Schreibstil, dem zauberhaften Cover sowie der Tatsache, dass ich aufgrund der Vorgängerromane einfach eine Schwäche für das Comfort Food Café habe. Für Budbury-Fans ist das Werk eine nette Ergänzung zu den bisherigen Büchern; mein Highlight der Reihe bleibt "Frühstück mit Meerblick".
Sonderbares Sachbuch
Beauty-Taping von Lumira; Anna Stadler
Als frisch gebackene Mama blickt mir derzeit morgens ein zwar glückseliges, aber auch recht zerknittertes Gesicht im Spiegel entgegen. Für mein übliches Beauty-Prozedere fehlt mir aktuell die Zeit (und ehrlich gesagt auch die Muße, wenn ich stattdessen doch mit meinem kleinen Schatz kuscheln kann), aber ein unkompliziertes, schnell anwendbares Anti-Aging-Programm, das über Nacht seine Wirkung – im wahrsten Sinne des Wortes – 'entfalten' kann, das sollte ich hinbekommen.
Folglich war ich total gespannt auf das im Oktober 2021 beim HEYNE Verlag erschienene Buch von Lumira und Anna Stadler, von welchem ich mir eine leicht verständliche sowie fundierte Einführung in die Welt des Beauty-Tapings erhoffte. Diese habe ich auch erhalten…gepaart mit ein paar Glückskeks-Mantras à la "das perfekte Outfit beginnt mit einem Lächeln" oder "du bist, was du isst".
Inhaltlich verweise ich auf den Klappentext:
Das natürliche Anti-Aging-Programm für ein strahlendes Aussehen: Nicht nur Sportverletzungen und Schmerzprobleme werden mithilfe der bewährten kinesiologischen Tapes effektiv behandelt – auch unliebsame Falten im Gesicht, auf dem Hals oder Dekolleté können schnell und wirksam »weggeklebt« werden! Einfach das Tape in die richtige Form schneiden und über Nacht an der gewünschten Stelle anbringen. Schon am nächsten Morgen zeigt sich der verblüffende Effekt: Lymphstaus sind beseitigt, verspannte Gesichtsmuskeln gelockert, und die Haut ist sichtbar geglättet. Und nicht nur das: Mit der richtigen Tape-Technik können auch viele lästige Beschwerden wie nächtliches Zähneknirschen, Spannungskopfschmerz oder ermüdete Augen spürbar gelindert werden. Das innovative Praxisprogramm für die nebenwirkungsfreie Behandlung von Nasolabial- und Stirnfalten, Doppelkinn, Tränensäcken, Mundfältchen u.v.m. Mit klarer Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Selbstanwendung, ganzheitlichen Beauty-Tipps zu Ernährung, Schlaf und Körperhaltung sowie zahlreichen farbigen Abbildungen.
Allerdings möchte ich nachfolgend noch einige Aspekte hervorheben. Die klare Aufteilung des Werkes (Einführung, Beauty-Taping für Gesicht, Hals und Dekolleté, Lymphdrainage, ergänzende Tipps) sowie die anschaulich formulierten und abgebildeten Übungsschritte bzw. Anwendungen haben mir gut gefallen. Die einführenden Kapitel zu den einzelnen Abschnitten sind unterhaltsam gestaltet worden, verweisen z.B. auf alte Schönheitsrituale aus der Antike oder auf unsere Alltagsgewohnheiten. Neben der Vorstellung der einzelnen Applikationen sind allerlei zusätzliche Informationen rund um den Themenbereich Beauty bzw. Gesundheit enthalten: die Risiken von Botox, Entspannungsübungen zum Stressabbau, Angewohnheiten, die schlecht für die Haut sind, Tipps für einen gesunden Lebensstil (Ernährung, Schlaf, Einfluss von Glückshormonen, Musik, Sex) sowie Rezepte für Masken, Peelings, gesundes Brot, etc. Vieles davon war mir bereits bekannt – so wird die Wichtigkeit von gutem Schlaf, einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, Bewegung an der frischen Luft und positivem Denken hervorgehoben. Dennoch konnte ich auch Neues mitnehmen, wie beispielsweise die 20-20-6-Regel, welche zur Entlastung der Augen dient.
Die Einführung in das Taping hätte gerne etwas ausführlicher ausfallen können; zwar weiß ich nun, wie man 'einen Anker setzt' und wie man eine Applikation 'aktiviert', doch welche Tapes geeignet sind (- immerhin gibt es unzählige verschiedene Hersteller, die wiederum verschiedene Klebstoffe verwenden -), wird nicht erwähnt. Es heißt lediglich "die besten kommen aus Japan und Korea"; man solle probieren, welche man am besten verträgt und sich für jene entscheiden, die keine Nebenwirkungen (wie Juckreiz oder Rötungen) herbeiführen. "Du willst wissen, welche Tapes wir benutzen? Dann schau einfach in unserem Online-Shop […] vorbei"… Okay, das klingt für mich eher nach Eigenwerbung. Auch im Vorwort wird direkt auf Live- und Online-Seminare an der von den Autorinnen gegründeten Beauty-Akademie hingewiesen.
Einerseits sollen die natürlichen, risiko- und nebenwirkungsfreien Anwendungen nachhaltig sein, gleichzeitig wird vor falscher Ausführung der Prozedur gewarnt (da dies einen gegenteiligen Effekt haben könnte) - wobei dies nicht tragisch sei, denn das Ergebnis halte ohnehin nur ein paar Stunden oder einen Tag an. Das klingt für mich irgendwie widersprüchlich.
Ich bin etwas unentschlossen, was ich von dem Werk halten soll. Zwar lassen die Anleitungen auf die fachliche Kompetenz der Autorinnen schließen. (- "Lumira wuchs in Kasachstan und der Ukraine auf, wo sie bereits als Kind russisch-schamanische Heilweisen kennenlernte. Auf dieser Basis entwickelte sie […] ein modernes System natürlicher Selbstbehandlung und ein umfassendes Programm zur Förderung der geistig-seelischen Entwicklung. Sie leitet Seminare im In- und Ausland und unterhält eine Beratungspraxis in Bayern. Anna Stadler ist russische Fachärztin für Zahnmedizin und Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie. Sie arbeitet in einer Zahnarztpraxis in Augsburg, die auf ganzheitliche Zahnmedizin spezialisiert ist." -) Dennoch besteht das Buch ebenso aus einer Ansammlung fröhlicher Binsenweisheiten, die ich in einem Ratgeber medizinischen Backgrounds als völlig fehl am Platz empfinde: "Wenn du draußen bist, singe und tanze, schreie einfach deinen Frohsinn hinaus. Klettere auf Bäume, küsse deine liebsten Menschen, grüße vorbeigehende Leute, und sei einfach glücklich." Mal abgesehen davon, dass es vielen Menschen aufgrund ihrer Alltagssorgen schwerfällt, 'einfach glücklich' zu sein, hätte es mir deutlich besser gefallen, wenn der Fokus klar auf das Taping (und nur darauf) gelegt worden wäre, maximal mit einem anfänglichen Hinweis auf weitere positive, die Anwendungen unterstützende Faktoren.
Fazit: Da der Schreibstil angenehm war und die Übungsanleitungen gut verständlich formuliert sowie anschaulich abgebildet waren, vergebe ich 3 Sterne. Zum Hineinschnuppern in die Welt des Beauty-Tapings ist das Buch bestimmt nicht schlecht, allerdings wurde mir die Werbetrommel für andere Projekte der Autorinnen etwas zu sehr gerührt.
Kleiner Ort, große Liebe
Auf und mehr davon von Lisa Keil
Egal an welchem Ort und in welcher Lebensphase man sich gerade befindet, dieser warmherzige Wohlfühlroman voller liebenswerter Figuren fühlt sich wie ein Nachhausekommen an. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr ich dieses Buch liebe…! Spontan fallen mir die Stichworte Herzensbuch, Balsam für die Seele und Jahreshighlight ein.
Die in sich geschlossene Geschichte um Cordula und ihre Tochter Milli, die abwechselnd aus beiden Perspektiven in der Ich-Form erzählt wird, bildet den dritten Band der im fiktiven Örtchen Neuberg angesiedelten Buchreihe und kann bedenkenlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden, wobei es natürlich generell immer schön ist, bereits mit einigen der Nebenfiguren vertraut zu sein. Allerdings eignet sich "Auf und mehr davon" auch hervorragend als Einstieg in die von Lisa Keil so liebevoll erschaffene Buchwelt: Jetzt, wo ich Cordulas Perspektive kennengelernt habe, bekam ich richtig Lust, Band 1 und 2 erneut zu lesen, denn nun sehe ich die junge Frau, die in den Vorgängerwerken als eher zugeknöpft und überkorrekt dargestellt worden war, mit ganz anderen Augen. Dachte ich einst, Cordula sei eine kleine Spaßbremse – gegenüber ihrer Tochter zu streng, im Vergleich mit ihrer lebenslustigen Schwester Kaya stocksteif und beinahe langweilig – erkenne ich inzwischen hinter der Fassade der scheinbar unnahbaren, ehrgeizigen Karrierefrau die liebende alleinerziehende Mutter, die verunsicherte Schwester, und eine verletzliche und doch so bewundernswert starke, verantwortungsbewusste Frau, die – als sie mit 16 Jahren schwanger geworden war -, alles daransetzte, ihrem Kind ein rundum glückliches, finanziell abgesichertes Leben bieten zu können. In ihrer Jugend hieß es Büffeln statt Partys mit Freunden, auch später blieb ihr keine Zeit zum Feiern - "weil es da ein kleines Mädchen gab, das nur einschlafen konnte, wenn ich neben ihm lag. Das tagsüber schon so wenig von mir hatte, dass wenigstens die Nächte ganz ihm gehören sollten".
Cordula ist die sympathischste weibliche Romanfigur, die mir je in einem Buch begegnet ist! Noch nie zuvor habe ich mich so intensiv mit einer Figur identifizieren können, ihre Ängste und Gedanken so gut nachvollziehen können und mit ihr mitgefiebert, als würde ich sie persönlich kennen. Ich liebe ihren trockenen Humor, ihre bodenständige, authentische Art, ihre bedingungslose Hingabe zu ihrem Kind – und mehr als einmal habe ich ein paar Tränchen während des Lesens verdrückt. Stichwort: "»Meine Königin ist Mama.«" Sie hatte es nicht leicht im Leben, aber anstatt zu jammern, krempelte sie die Ärmel hoch und legte los. Cordula findet stets deutliche Worte und erkennt ihre Fehler, arbeitet an sich und bemüht sich rührend darum, sich ihrer Tochter, die mittlerweile daheim ausgezogen ist und Tiermedizin studiert, wieder anzunähern. Auch Milli muss man übrigens einfach gernhaben – sie ist eine loyale Freundin, eine mustergültig fleißige Studentin und liebt Tiere über alles, insbesondere ihren zahmen Ochsen 'Mitternacht'.
Der Schreibstil der Autorin ist so angenehm und mitreißend, fröhlich, klug und rundum überzeugend, dass mir bei der näheren Beschreibung die Superlative ausgehen würden. Ob realistische Dialoge, stimmige Atmosphäre, passende Perspektivwechsel, unerwartete Wendungen, anhaltende Spannung, nachvollziehbare Gedanken oder überwältigende Gefühle – hier passte für mich einfach alles! Schwungvoll, berührend, optimistisch und voller Weisheit - dieses Werk ist so viel mehr als nur eine Feel-Good-Story! Es geht um Familienzusammenhalt, Vergebung und Weiterentwicklung, zartes Herzklopfen und Liebe, Träume und Neuanfänge, und so viel mehr! Besonders gefällt mir, dass man die Tierliebe der Autorin, die selbst Tierärztin ist, deutlich spürt.
Fazit: Wer unterhaltsame, feinfühlige und witzige Frauen- und Familiengeschichten mag, wird dieses Buch lieben - ich habe es binnen kürzester Zeit gleich zweimal verschlungen. Zudem bin ich überzeugt davon, dass auch Fans von New-Adult-Romanen begeistert sein werden - Millie und Noé sind so süß! Ich hoffe inständig, dass es noch weitere Neuberg-Romane geben wird, denn nach dieser Lektüre möchte man der Autorin wahrlich zurufen: "Auf!" und "Mehr davon!"
Emotionsneutral, aber gut recherchiert
Die Ingenieurin von Brooklyn von Tracey Enerson Wood
Ich bin ein großer Fan von historischen Romanen, in denen starke Frauenfiguren eine zentrale Rolle spielen. In Kombination mit der Tatsache, dass ich einst selbst über die berühmte Brooklyn Bridge spaziert bin und einen einzigartigen Ausblick auf die Skyline Manhattans genießen durfte, war mein Interesse natürlich geweckt für den im Mai 2021 bei HarperCollins erschienenen Debütroman von Tracey Enerson Wood.
Darin beleuchtet sie die Entstehungsgeschichte jener legendären Brücke, die zu den bedeutendsten Wahrzeichen der Welt zählt und deren Fertigstellung grundlegend von einer Frau beeinflusst worden ist, von der ich zuvor noch nie gehört hatte: Emily Warren Roebling. Ich erhoffte mir insbesondere Einblicke in die damalige Rolle der Frau, da viele unserer heutigen Freiheiten, wie das Frauenwahlrecht oder ein Universitätsstudium, zu jener Zeit ein Tabu waren.
Auf Wunsch ihres Bruders, dem Generalmajor Gouverneur Kemble Warren (kurz: G.K.), der nach dem Tod ihres Vaters dessen Rolle für sie eingenommen hatte, besucht Emily einen Militärball, um als Tanz- und Gesprächspartnerin die Moral der Soldaten zu heben. Für viele werden es die letzten unbeschwerten Stunden sein, denn um sie herum tobt der Amerikanische Bürgerkrieg. Emily ahnt nicht, dass dieser Abend, an dem sie sich zunächst völlig fehl am Platz fühlt, ihr Leben für immer verändern wird, denn die Begegnung mit G.K.s Adjutanten, Captain Washington Roebling, ist schicksalsträchtig.
Beginnend im Jahr 1864 wird der Roman aus Emilys Perspektive in Ich-Form erzählt. Gerade während des Einstiegs in die Handlung erschienen mir die zahleichen Zeitsprünge etwas unglücklich gewählt, da die erste Zeit zwischen Emily und Wash enorm zügig abgehandelt wurde und es mir durch die somit fehlende Tiefe schwerfiel, mich völlig auf ihre Romanze sowie auf Emily als Figur einlassen zu können. Sie blieb blass für mich. Diese Distanz konnte ich während des restlichen Verlaufs der Geschichte zwar nie ganz überwinden, doch ab dem zweiten Drittel wurde es besser. Und sobald ich mich damit arrangiert hatte, dass die meisten Passagen ohnehin rein dem bautechnischen Hintergrund der Brücke gewidmet waren, den zahlreichen nötigen Voraussetzungen sowie den mit ihrer Konstruktion einhergehenden Problemen (Reparaturen, menschliche Unglücke, die Caissonkrankheit, etc.) - also dass die Brooklyn Bridge selbst tatsächlich die tragende Rolle in dem Roman einnimmt und die Liebes- und Lebensgeschichte von Emily eher zweitrangig daherkommt -, konnte ich der Story fortan entspannter folgen. Ich konzentrierte mich eher auf die Randgeschehnisse, die privaten, familiären Momente (die durchaus liebenswert, manchmal gar humorvoll erzählt worden sind), wann immer mir das Brückenbau-Thema zu intensiv wurde.
Der Schreibstil ist teilweise recht detailliert und mit Fachbegriffen gespickt, insgesamt sehr ruhig und wenig mitreißend. Mir fehlten schlichtweg die Spannung und vor allem das Gefühl, folglich zog sich die Story für meinen Geschmack etwas in die Länge. Als sehr stimmig hingegen empfand ich die der Zeitepoche angepasste Wortwahl in den Dialogen.
Für zukünftige Auflagen fände ich ein vorangestelltes Personenverzeichnis sinnvoll. In der mir vorliegenden Ausgabe informiert uns die Autorin im umfangreichen und äußerst interessanten Nachwort über die für den Roman wichtigen Figuren, die größtenteils auf wahren Personen basieren, und erklärt, welche Aspekte der Handlung sie mit Fiktion angereichert hat.
Fazit: Auch wenn ich zur titelgebenden weiblichen Hauptfigur kaum Nähe aufbauen konnte, ist es kein schlechtes Buch – eben nur deutlich neutraler als die emotionsgewaltigen Werke, die ich ansonsten lese. Gerne empfehle ich den Roman geschichtsinteressierten New-York-Fans sowie Liebhabern von historischen Frauenromanen.
Tiefgründiger Weihnachtsroman
Die Schneeflockenmelodie von Anna Liebig
Anna Liebig hatte mich bereits letztes Jahr mit ihrem wundervollen Weihnachtsroman "Das Winterkarussell" verzaubert und auch ihre historische Roman-Reihe "Die Hebammen-Saga" (- veröffentlicht unter dem Pseudonym Linda Winterberg -) hatte mich begeistert. Die Autorin hat ein Händchen dafür, mitreißende, emotionale Erzählungen auf zwei Zeitebenen zu erschaffen, die mich jedes Mal aufs Neue total catchen.
Kurzum: Meine Erwartungen waren hoch und sie wurden nicht enttäuscht.
Nina lebt für den Tanz, ist Ballerina mit Leib und Seele. Dank harter Arbeit und eiserner Disziplin hat sie es zu internationalem Ruhm gebracht, auch durch den jahrelangen knallharten Drill ihrer geliebten Oma Maria, die einst selbst ein Ballett-Star gewesen war und im Alter an Demenz erkrankt ist. Als Nina für ein Engagement eine Weile in ihre Heimatstadt Wiesbaden zurückkehrt, erlebt sie gleich drei bittere Überraschungen – beim Besuch im Seniorenheim erkennt Maria sie nicht wieder, ihre flatterhafte Mutter Gabi (zu der sie nie ein inniges Verhältnis gehabt hat) möchte die gemütliche Wohnung der Oma schnellstmöglich verkaufen und ihre Kompanie ersetzt sie kurzerhand durch eine jüngere Tänzerin. "Zum ersten Mal im Leben ging es nicht die Karrieretreppe nach oben, sondern sie war gleich mehrere Stufen nach unten gerutscht und hart auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen."
In der Vergangenheitsebene, beginnend im Jahr 1938, versucht die ehrgeizige Maria den Spagat zwischen ihrer Liebe zum Ballett und ihren aufkeimenden Gefühlen für den jungen Spieluhrenhersteller Jakob, der eindeutig nicht in die Welt des Theaters gehört, es aber dennoch schafft, jene Perfektion im Ballett und an ihr zu erkennen, die sie zu erreichen anstrebt. Zudem muss sie den Tod ihrer Mentorin Katinka verkraften und ist bereits mit einem anderen Mann verlobt, als Jakob ihr begegnet.
Die Beschreibungen aus der Ballett-Welt waren äußerst authentisch (die Tanzaufführungen, der von rigoroser Selbstbeherrschung und kräftezehrendem Training dominierte Alltag der Tänzer und Tänzerinnen, das Konkurrenzdenken, …), ebenso die an die jeweilige Zeitebene angepasste Wortwahl in den Dialogen. Das winterliche Wiesbaden wird unheimlich stimmungsvoll und einfach nur wunderschön beschrieben; ich hatte beim Lesen das Gefühl, selbst durch die verschneiten Straßen und Parks zu spazieren. "Es schneite leicht. Wie kleine Wattebausche tanzten die Schneeflocken im Licht der Laternen vom Himmel und legten sich auf Parkbänke, Wege, Büsche und Bäume. […] Herrlich kalte Frostluft und tanzende Sterne, die vom Himmel wirbelten."
Mein persönliches Highlight der gesamten Story war die stets fröhlich plappernde Nachbarin Else aus der Gegenwartsebene. Ihr Optimismus und ihre frechen Sprüche waren der Knüller! Auch die weibliche Hauptfigur Nina konnte mich aufgrund ihrer empathischen Art für sich einnehmen; mit ihrer Oma Maria (in der Vergangenheitsebene, welche größtenteils im Jahr 1956 spielt) wurde ich hingegen überhaupt nicht warm. Sie erschien mir überaus egoistisch, was sich nicht nur daran zeigte, dass sie kaum Gewissensbisse bezüglich ihrer Affäre hatte, sondern auch daran, dass sie so versessen aufs Ballett war, dass sich alles und jeder andere ihrem Traum unterordnen musste. Folglich war sie ihrer Tochter Gabi keine liebevolle Mutter, da diese weder Interesse an Ballett hatte noch das nötige Talent dafür besaß. Das Happy End hat mich einigermaßen mit Maria versöhnt, aber Ninas Erzählstrang mochte ich deutlich mehr.
Fazit: Ein herzerwärmender, hoffnungsvoller Weihnachtsroman auf zwei Zeitebenen, der dank detaillierter, atmosphärischer Beschreibungen sofort Bilder im Kopf entstehen lässt und nicht nur Ballett-Fans und Weihnachtsliebhaber überzeugen wird!











