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Rezensionen von Furbaby_Mom:
Weihnachtlicher Wohlfühlroman für Katzen-Fans
Schneeflocke und das große Weihnachtsglück von Kristen McKanagh
Wenn zwei meiner liebsten Romanfeatures aufeinandertreffen – tierische Protagonisten und Weihnachten –, gibt es für mich kein Halten mehr. Folglich freute ich mich riesig, die bezaubernde Feel-Good-Story "Schneeflocke und das große Weihnachtsglück" (FISCHER Taschenbuch, Sept. 2021) aus der Feder von Kristen McKanagh lesen zu dürfen, die zudem in einem meiner Lieblingsorte spielt, Estes Park in Colorado.
Bereits das in winterlichem Blau gehaltene, mit Glitzerpartikeln verzierte Cover versetzte mich in die richtige Lesestimmung und begeistert registrierte ich direkt zu Beginn der Lektüre, dass jenes im Buchtitel erwähnte Kätzchen nicht lediglich zum niedlichen Plüschknäuel degradiert wurde, das hier und da am Rande in Erscheinung treten darf, sondern aktiv in die Geschichte eingebunden worden ist. Tatsächlich ist die kleine Fellnase mit den blauen Augen das zentrale Element der Geschichte und bereichert den Roman nicht nur mit ulkigen Episoden, sondern treibt auch die Story entscheidend voran in ihrer Entwicklung. Von diesen Erlebnissen lesen wir regelmäßig in der Ich-Perspektive Schneeflöckchens (im Präsens); die Sichtweisen der beiden menschlichen Hauptfiguren, Köchin Emily und Fotograf Lukas, sind in der 3. Person (im Präteritum) geschrieben. Natürlich ahnt man von Anfang an, wie die Geschichte um ein in die Jahre gekommenes B&B und die zunächst frostige Bekanntschaft zweier Personen enden wird, aber gerade bei Wohlfühlromanen mit Happy-End-Garantie ist schließlich der Weg das Ziel.
Mit Emily wurde ich leider überhaupt nicht warm. Sie wirkte auf mich in ihrer Art oft von oben herab und war mir schlichtweg unsympathisch. Ich kann verstehen, dass sie sich der B&B-Besitzerin Tilly sehr verbunden fühlt, da diese für sie so viel mehr als nur ihre Chefin ist, nämlich Vertraute, gute Freundin und eine Art Oma-Ersatz. Mit ihrer eigenen Familie steht Emily aktuell eher auf Kriegsfuß. Ihr Wunsch, sich mit einer eigenen Bäckerei selbstständig zu machen, ist in den Augen ihrer Eltern ein zu riskantes Unterfangen, zumal Emily in der Vergangenheit bereits damit auf die Nase gefallen war, weil sie den falschen Menschen vertraut hatte. Tilly hingegen ermutigt sie, ihren Traum nicht aufzugeben. Kurz vor Weihnachten taucht Tillys Neffe Lukas auf, ein erfolgreicher Fotograf, den Emily bisher nur vom Hörensagen kennt und der sich – ihrer Meinung nach – viel zu wenig um Tilly kümmert. "»Wie schwer kann es sein, sich ein paar Tage für die Frau freizunehmen, die einen großgezogen hat?«", fragt sie sich, und in diesem Punkt stimme ich ihr zu. Allerdings ist Emily generell etwas vorschnell mit ihrem Urteil. Ahnt Lukas überhaupt, wie ernst es um Tillys Gesundheit und das renovierungsbedürftige B&B steht? Während Lukas' Gedanken auf mich durchaus nachvollziehbar wirkten (und ich seine Engelsgeduld und Höflichkeit gegenüber Emily bewunderte), konnte ich über die weibliche Hauptfigur nur den Kopf schütteln. Kaum dass sie Lukas zum ersten Mal trifft, begegnet sie ihm übertrieben kühl, ist beleidigt, dass er lieber das Kätzchen fotografieren möchte als sie und bildet sich sehr viel auf ihre eigene Unterstützung von Miss Tilly ein. "Schließlich war sie diejenige, die mit Tilly alles durchrechnete, die die lecken Wasserhähne reparierte und im Frühjahr und Sommer das riesige Grundstück mähte. Emily war diejenige, die sich um alles kümmerte. […] Und wo war er? Reiste durch die Gegend und ließ es sich gut gehen." Ja, es ist nett, dass sie Tilly mit allem hilft, aber erstens zwingt sie niemand dazu und zweitens hat Emily kein Recht, sich in Familienangelegenheiten einzumischen (vor allem, da sie selbst ganz allergisch darauf reagiert). Der arme Lukas muss wie auf Eierschalen um sie herumlaufen. Erst macht sie ihm heftige Vorwürfe, anschließend ist sie genervt von seiner Hilfsbereitschaft. "Wie oft sollte er ihr […] noch versichern und sich dafür entschuldigen, dass seine Tante von ihm unbemerkt derart in finanzielle Schwierigkeiten geraten und das Haus so verfallen war?"
Ich komme nicht gut klar mit Sarkasmus und Emily war mir mit ihrer feindseligen Gereiztheit einfach zu oft zu pampig, bissig und anstrengend. Die Art, mit der ihre Gesten beschrieben worden sind, sei es ein "hämisches Grinsen", ein "verschlagenes" Lächeln, ein schnaubendes Lachen, ein gehobenes Kinn oder ihre mal gespitzten, mal zusammengekniffenen Lippen, hat diesen Eindruck von ihr nur verstärkt.
Zum Glück haben mich die putzigen Passagen aus der Sicht von Schneeflocke immer wieder erheitert und die Story gut aufgelockert. Das Kätzchen hat sich fest vorgenommen, ihren Lieblingsmenschen zum Glück zu verhelfen. "Zwei Menschen, die ich mag, sollten sich auch gegenseitig mögen, finde ich. Vielleicht muss ich ihnen ein bisschen auf die Sprünge helfen, damit sie es selbst merken."
Schade fand ich, dass es von Estes Park kaum atmosphärische Beschreibungen gab, wo der idyllische kleine Ort und die wunderschöne umliegende Natur doch wie geschaffen dafür sind, als Backgroundkulisse eines solchen Romans zu diesen.
Fazit: Eine angenehme, eher ruhige weihnachtliche Romanze, deren Highlight ganz klar die Szenen des süßen Kätzchens sind. Ideal für Katzenliebhaber und Fans von gemütlich-leichter Lektüre.
Ein Muss für alle Janeites und Regency-Fans
Von ganzem Herzen ... von Austen Jane
Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass Jane Austen zu Recht zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der Literaturgeschichte gehört. Als bekennende Janeite ich habe ihre Romane schon unzählige Male gelesen und verliebe mich doch jedes Mal aufs Neue in ihren einzigartigen, von Schalk, Ironie, trockenem Humor und scharfsinniger Beobachtungsgabe geprägten Schreibstil, der bis heute unübertroffen bleibt.
Selbstverständlich war dieses von Penelope Hughes-Hallett liebevoll und in gebührender Ehrfurcht gegenüber der in meinen Augen besten Autorin aller Zeiten zusammengestelltes Werk ein absolutes Must-Read für mich!
Bereits der edel gestaltete Einband des hochwertigen Hardcovers gibt einen Vorgeschmack auf die durch und durch stimmige Aufmachung dieses Schmuckstücks. Ich hatte mich darauf eingestellt, dass wahrscheinlich nur wenige jener Briefe, die Jane einst an ihre liebsten Vertrauten verfasst hatte, erhalten geblieben waren und die dazu passenden Romanausschnitte sowie biographischen Erläuterungen den Großteil der 160 großformatigen Seiten einnehmen würden. Weit gefehlt! – Glücklicherweise sind eine beachtliche Anzahl an Briefen und Briefauszügen inkludiert, die – chronologisch orientiert an den Meilensteinen ihres Lebens – in sechs große Abschnitte eingeteilt sind und uns einen einzigartigen, intimen Blick in die Gemütswelt jener Frau ermöglichen, deren grandiose Romane sie unsterblich gemacht haben. "Sie mehren unser Wissen über Jane Austen, ihre Einstellungen, ihren Charakter und ihre äußeren Lebensumstände, den erweiterten Familienkreis, die Häuser, in denen sie ihr Leben verbrachte, die Lebensführung selbst."
Die meisten dieser Briefe sind an Janes geliebte Schwester Cassandra gerichtet und jede Zeile, ob geschwisterlich neckend, informierend, gratulierend oder tröstend ist ein Zeugnis ihrer überaus innigen Bindung zueinander. Cassandra bezeichnete Jane als die Sonne ihres Lebens; ich kann mir nur zu gut vorstellen, dass Jane tatsächlich über solch eine bemerkenswerte Präsenz verfügte. Sie war eine unglaublich kluge, warmherzige und empathische Frau. Wie gerne hätte ich sie einmal kennengelernt! Dank dieser mit stimmungsvollen Illustrationen ihrer Zeit ausgeschmückten Biografie habe ich nun Gelegenheit dazu, begleite Jane auf ihrem Reifeprozess bis hin zu ihren schriftstellerischen Erfolgen, erfahre interessante Details über ihre Familie und staune über die Fülle an detaillierten Beschreibungen, welche die Regency-Ära vor meinem inneren Auge lebendig werden lassen; ob Berichte von vergnüglichen Bällen, Teegesellschaften und Ausflügen, die Diskussion aktueller Modetrends oder der neueste Klatsch und Tratsch ihres Umfelds – Jane beherrscht die Kunst der Worte und lässt selbst alltägliche Kleinigkeiten wie ein Meisterwerk klingen.
Mein einziger Kritikpunkt ist die zu klein geratene Schrift, die den Lesefluss etwas erschwerte.
Fazit: Ich bin hingerissen von dieser außergewöhnlichen Briefsammlung und lege sie jedem Austen-Fan wärmstens ans Herz!
Der bisher beste Band der ohnehin schon großartigen Buchreihe
Highland Hope - Eine Destillerie für Kirkby von Charlotte McGregor
Charlotte McGregor hat es mal wieder geschafft, meine Sehnsucht nach Schottland zu schüren, kaum dass ich den Vorgängerband begeistert ausgelesen hatte. "Eine Destillerie für Kirkby" spielt in jenem fiktiven kleinen Örtchen Kirkby, von dem ich nach wie vor irgendwie hoffe, dass es tatsächlich existiert und lediglich darauf wartet, eines Tages von mir entdeckt zu werden.
Die in sich geschlossene Geschichte lässt sich auch ohne Vorkenntnisse lesen, allerdings kann ich euch jetzt schon sagen: Ihr werdet die Story dermaßen lieben, dass ihr euch anschließend sowieso auch die Vorgängerbände holen werdet – wieso also nicht gleich alle Bücher in der richtigen Reihenfolge lesen? Dann freut man sich umso mehr, vertraute Gesichter wiederzusehen und zu entdecken, was sich im Leben der liebenswerten Figuren alles getan hat.
Sowohl Alpaka-Mama Shona als auch sexy Tierarzt Kendrick habe ich direkt ins Herz geschlossen. Tierliebe Protagonisten muss man einfach mögen, hihi! Beide durchleben im Laufe der Handlung eine wichtige Entwicklung. Shona ist das jüngste Mitglied der Fraser-Familie und Papas Lieblingskind. Ich sage jetzt nicht, dass sie verzogen ist, aber ein wenig weltfremd und hilflos ist die hübsche, spaßliebende junge Frau schon für ihr Alter. Wenn man als Erwachsene noch nicht weiß, wie man Reis kocht…oder nie auf die Idee kommt, in der WG (wo sie mit ihren Cousinen lebt) auch mal mitzuhelfen im Haushalt, dann ist man doch ziemlich bequem. Doch es stehen große Veränderungen an, nicht nur aufgrund der mit der Eröffnung ihrer Whisky-Destillerie verbundenen neuen Selbstständigkeit Shonas. Gott sei Dank, würden Hailey und Kristie sagen, die es mittlerweile leid sind, dem flauschig süßen, aber eben auch pflegebedürftigen Alpaka Nessie hinterherzuputzen, das Shona sich als Haustier hält. Es wird höchste Zeit, dass ihr verwöhntes Cousinchen endlich lernt, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das findet auch der neueste Einwohner Kirkbys, der frisch getrennte und von seiner Familie genervte Kendrick McIntosh: Kaum angekommen, muss er einem beschwipsten Alpaka ausweichen, dessen Besitzerin ihre Aufsichtspflicht sträflichst vernachlässigt hat. Unerhört! Dumm nur, dass er der temperamentvollen Schönheit weder aus dem Weg gehen noch lange böse sein kann. Und auch Shona, die eigentlich unverfängliche One-Night-Stands bevorzugt, ist wider Willen fasziniert von Kendrick. Als sie sich plötzlich unverhofft auf der Tanzfläche gegenüberstehen, lässt sich das Knistern zwischen ihnen nicht länger leugnen.
Was haben wir in der Leserunde eifrig diskutiert über Kendricks Ex-Freundin und seine Familie (sowie über die ungewöhnliche Forderung, die sie an ihn stellen werden)! Kein Wunder, dass er Hals über Kopf aufs Land geflüchtet ist und sich nach Abgeschiedenheit sehnt. Hier wartet die Autorin mit einem wahrlich kreativen Plot auf, in welchem Kendrick nicht nur mit unglaublich authentischem Verhalten bei mir punktet, sondern wir als Leser/innen auch ins Grübeln kommen darüber, wie wir uns wohl in seiner Situation verhalten würden. Sehr tiefgründig werden zudem Shonas Gefühle bezüglich ihrer verstorbenen Mutter sowie das Thema artgerechte Tierhaltung behandelt – ich sage nur: große Pferdeliebe!
Dank des angenehm lockeren, humorvollen, emotionalen Schreibstils bin ich nur so durch die Seiten geflogen! Einerseits kann ich es nicht erwarten, endlich Band 4 in den Händen zu halten und mehr über Lennox zu erfahren, andererseits fürchte ich mich ein wenig davor, danach von all den liebgewonnenen Figuren Abschied nehmen zu müssen.
Fazit: Ich liebe alle bisher erschienenen Romane der Highland-Hope-Reihe, aber dieser hier hat es mir besonders angetan. Klare Empfehlung für alle Fans von romantischen Feel-Good-Stories!
Ich sag Sie das, wie es ist – der Günter ist ein Unikat!
Wo kommen wir denn da hin von Günter Habicht
Als großer Fan von Renate Bergmann kam ich an diesem Werk selbstverständlich nicht vorbei. Sowohl Covergestaltung als auch Buchtitel sind an die legendäre Bergmann-Buchreihe von Torsten Rohde angelehnt.
Günter Habicht macht seinem Namen alle Ehre – zunächst einmal schreibt er sich ohne h, denn bereits seine Mutter war "pragmatisch veranlagt und entschieden gegen jedes überflüssige Getüddel"; eine Eigenschaft, die der pflichtbewusste und überkorrekte Zwangsruheständler gewiss von klein auf übernommen hat.
Weiterhin hat er tatsächlich so scharfe Augen wie, nun ja, ein Habicht eben; nichts entgeht seinem wachsamen Kontrollblick. Er hat das Herz am rechten Fleck, aber fragen Sie mal seine Nachbarn, die er regelmäßig beim Mülltrennen beobachtet, ob sich da auch ja kein Artikel in die falsche Tonne verirrt! Oder die, die er beim Falschparken anschwärzt. Die könnten Ihnen Geschichten erzählen, höhö! Er und seine Frau Brigitte kennen sich bereits aus der Schule, sind seit über 40 Jahren verheiratet und gehen sich nun, da plötzlich beide dauerhaft zu Hause sind, gehörig auf den Keks. – "Da muss man sich erst mal dran gewöhnen, dass […] der andere dann auch da ist und vor allem, dass er bleibt." Schon bald bemerkt Günter, dass seine Frau "wirklich anstrengend sein" kann, wobei das natürlich alles eine Frage der Perspektive ist, denn eigentlich ist es der selbsterklärte passionierte Ordnungsliebhaber, der seine Gattin (wenn auch nicht wissentlich) in den Wahnsinn treibt. Ist es da verwunderlich, dass sie in ihrer Not zum Eheratgeber greift und den Günter am liebsten für ein paar Stunden am Tag aus dem Haus schicken würde? (Egal wohin, Hauptsache, er steht ihr nicht im Weg herum!) Pah, aber nicht mit ihm, denn die Nachbarn hatten sich mittlerweile "Marotten angewöhnt, die es […] zu ahnden galt." Und wenn der Günter sich nicht darum kümmert, wer denn dann, bitte? Da zieht doch ansonsten der Schlendrian ein! Brigitte schämt sich jedenfalls in Grund und Boden und wird mittlerweile von den Nachbarn geschnitten. So kann es nicht weitergehen!
"Ich sag Sie das, wie es ist", das im Plauderton verfasste Werk voller umgangssprachlicher Formulierungen ist zwar humorvoll geschrieben, kann in meinen Augen allerdings nicht ganz mit den Bergmann-Büchern mithalten, da mir schlichtweg die Leichtigkeit fehlte. Es ist eine nette Geschichte, doch ich konnte mich nicht so entspannt zurücklehnen wie bei der sympathischen Online-Oma. Nach einer Weile wurde mir der gute Günter, so gern ich ihn ja hab‘, ein wenig zu anstrengend mit seiner Pedanterie und seinem Kontrollwahn. Die ersten paar Kapitel lasen sich noch recht angenehm, dann aber dauerte es zu lange, bis mal etwas Nennenswertes passierte und viele Gedankengänge wiederholten sich.
Der Schreibstil des Autors Torsten Rohde ist großartig, einzig der Protagonist und die etwas langatmige Erzählung waren dieses Mal nicht so genial wie gewohnt. Aber psst, das bleibt unter uns, ja? Verraten Sie das bloß nicht dem Günter, sonst kann ich mir was anhören von dem, das fehlte noch!
Fazit: Kurzweilige Unterhaltung. Meiner Meinung nach hätte es diese Erweiterung des Bergmann'schen Universums nicht zwingend gebraucht, da Renate für sich allein ein Erfolgsgarant ist. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf ihren nächsten Roman!
Home is where the heart is
My Wish - Breite deine Flügel aus von Audrey Carlan
Der erste Band der Wish-Reihe war für mich gleichzeitig auch das erste Buch der Autorin Audrey Carlan, obwohl ich natürlich bereits von ihrer Calendar-Girl-Reihe gehört hatte. Aufgrund des Klappentextes freute ich mich auf einen sündig heißen Liebesroman vor der atemberaubend schönen Kulisse Colorados, und war besonders gespannt darauf, wie die indigenen Wurzeln der weiblichen Hauptfigur in die Geschichte eingeflochten werden würden.
Vorab kann ich festhalten, dass mich das im November 2021 beim HEYNE Verlag erschienene Buch zwar sehr gut unterhalten hat und ja, stellenweise auch begeistern konnte, es jedoch einige Punkte gab, die mich gewaltig mit den Augen rollen ließen, weshalb ich (trotz der interessanten Grundidee) keine 5 Sterne vergeben konnte.
Bezüglich des Inhalts verweise ich an dieser Stelle direkt auf den Klappentext, da dieser (– im Vergleich zu vielen anderen Werken heutzutage, deren Klappentexte leider irreführend sind –) die Story wunderbar zusammenfasst, möchte allerdings nachfolgend auf einige Aspekte eingehen, die mir aus unterschiedlichen Gründen in Erinnerung geblieben sind und die Grundlage für meine Bewertung bilden.
Klappentext:
Suda Kaye Ross genießt ihr Leben in vollen Zügen. Seit zehn Jahren reist sie um die Welt – sie ist frei. Genau das hat sich ihre verstorbene Mutter Catori für sie gewünscht. Doch an ihrem 28. Geburtstag erhält Suda Kaye einen Brief, der sie zurück in ihren Heimatort Pueblo führt, zurück zu ihrer Schwester Evie. Und zurück zu Camden. Nie hat Suda Kaye die Nacht mit ihm vergessen. Nun flammen die Gefühle für ihn wieder auf. Doch Camden scheint über sie hinweg zu sein und ist mittlerweile verlobt. Suda Kaye muss herausfinden, was sie sich für ihr Leben wünscht, und stellt dabei fest, dass die aufregendste Reise ihres Lebens noch vor ihr liegt.
Zu Suda Kaye fallen mir viele Begriffe ein: Freigeist, Neuzeit-Hippie, Nomadin, Weltenbummlerin. Aber vor allem: rastlos. Die junge Frau ist in den vergangenen Jahren rundum den Globus getingelt, hatte hier und dort lose Techtelmechtel, war jedoch nie mit dem Herzen dabei und ständig auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer, amourös sowie reisetechnisch. Ihr flatterhafter Lebensstil wurde bisher vom Erbe ihrer Mutter finanziert, welches sich nun langsam dem Ende neigt. Es war mir schleierhaft, wie sie ihr Leben mit einem wundervollen Mann wie Camden, der sie über alles liebte, einfach so hinter sich lassen konnte, nur weil sie lieber herumreisen wollte als verheiratet zu sein. Sicherlich hätte man Kompromisse finden können zwecks ihrer Träume, zumal Camden ein sehr einfühlsamer, verständnisvoller Mann ist, der sie gewiss nicht zum Leben als Heimchen am Herd verdonnert hätte. Doch kaum hält Suda Kaye den Brief ihrer Mutter in den Händen, in dem ihr geraten wird, hinaus in die Welt zu ziehen (und der, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Freibrief für sie wird, um mal eben alle Zelte daheim abzubrechen) ist sie auf und davon. Sie wertet das geschriebene Wort ihrer verstorbenen Mutter als bedeutsames Zeichen, zumal sie die Sehnsucht nach fremden Orten in sich selbst zu spüren scheint. Ich habe mit Suda Kaye wahrlich gehadert. Sie ist kein böser Mensch, aber trotz ihrer lockeren Art und ihres Sinns für Humor wirkte sie unterm Strich naiv, rücksichtslos, verloren und weltfremd auf mich. Wieso? – Sie hat nie Konsequenzen für ihr Handeln getragen, hatte kein Interesse an Verpflichtungen, verließ sich stets darauf, dass ihr Konto gut gefüllt war und dass ihre vernünftige Schwester Evie, die immer daheim in Colorado auf sie warten würde, schon irgendwie eine Lösung parat hätte, falls mal der Schuh drückt. Gegenüber ihrer großen Liebe (und seiner reizenden Familie, die nach Catoris Tod wie selbstverständlich für sie und Evie da gewesen war) hatte sie nicht einmal den Anstand, sich angemessen zu verabschieden, sondern speiste ihn vor ihrer heimlichen Abreise noch mit Halbwahrheiten ab, um sich eine Liebesnacht mit ihm als eigenes Abschiedsgeschenk zu sichern. Für mich lag ihr Verhalten darin begründet, dass ihre Mutter ihr vorgelebt hatte, dass man geliebte Menschen problemlos zurücklassen kann, wenn einen das Reisefieber packt.
Natürlich kann man sich selbst für seine ach-so-tolle Unabhängigkeit auf die Schulter klopfen und sich einreden, dass das eigene Verhalten schlichtweg auf Freiheitsliebe und Fernweh beruht, dass man nur wirklich lebendig ist, wenn man unterwegs ist. …anstatt der Tatsache ins Auge zu sehen, dass man einfach ein egoistischer Mensch ist. Catori "war nie richtig sesshaft geworden. Sie war immer mit einem Fuß schon wieder zur Tür hinaus, ständig offen für neue Erfahrungen. […] Fernweh strömte aus jeder einzelnen Pore. Nichts konnte sie zurückhalten. Weder ihr Ehemann […] noch ihre beiden Töchter." …und Suda Kaye eifert ihr nach. Bei poetisch anmutenden Formulierungen wie dieser, wirkt der Gedanke in der Theorie gar nicht schlimm. In der Realität ist das eine andere Sache. Sorry, aber ich sehe keinen Sinn darin, Kinder (jawohl, mehrere!) in die Welt zu setzen, wenn man keine Lust auf ein gemeinsames Leben mit ihnen hat, ihnen keine Stabilität bieten kann, die so wichtig ist für die Bildung ihres Selbstwertgefühls, und allenfalls hin und wieder auf Stippvisite mit ein paar Geschenken im Gepäck vorbeischaut. Das ist für mich weder fair noch das Verhalten einer Mutter; da retten auch ein paar lieb gemeinte Briefchen nichts. Dass Suda Kaye blind alle Anweisungen Catoris befolgt (ob sie nun anhand deren Adressbuches durch die Welt bummelt oder heimkehrt – Mama sagt und Suda Kaye folgt), machte mich wütend. Null eigenständiges Denken. Da war mir Evie mit ihrer besonnenen, vernünftigen Art tausendmal lieber. Sie war für mich die angenehmste Figur des Romans, ich mochte sie total gerne.
*ACHTUNG, SPOILER*
Mich störte es, dass Suda Kaye nach ihrer Rückkehr alles in den Schoß fiel. Finanzielle Mittel für ihr Karriereprojekt - ohne sonderliche Anstrengung oder Erfahrung? Check. Der Ex ist noch immer verrückt nach ihr, obwohl sie ihn wie den letzten Dreck behandelt hat? Check. Ein weiterer Hottie macht ihr den Hof? Check. Von allen Leuten bekommt sie immer wieder gesagt, wie wunderschön und einzigartig sie doch sei? Check. Die Neue vom Ex ist ein verlogenes Biest und rein zufällig gelingt es Suda Kaye und Evie, sie zu überführen? Check.
Der Schreibstil war zwar bildreich und flüssig, aber leider auch ohne Tiefgang und furchtbar over the top, zum Teil beinahe schon kindisch. Ganz schrecklich fand ich die extrem flache, übertrieben stereotypische Beschreibung der bösen, bösen "Barbie Brittney". Camdens Verlobte ist eine durchgestylte, blonde Beautyqueen in Pink, die ständig mit ihrer schrillen "Quengelstimme" "kreischt", vorzugsweise nach "Schatzi", und im Gegenzug "Mausi" genannt werden möchte. Als Camden einen allergischen Schock erleidet, bei dem er fast stirbt (- "»Du bist allergisch gegen Ananas? Ich liebe Ananas. Sie sind so gesund.«" -), ist ihre größte Sorge, dass zwei ihrer "zuckerwattefarbigen" Nägel "verschmiert" sind. "Sie zieht einen Schmollmund, indem sie ihre riesige, silikongefüllte Unterlippe vorschiebt und Cam eine ihrer Hände zeigt." - Oh, und natürlich stammt sie aus reichem Elternhause. Ich dachte nur: Ernsthaft? Selbst als Parodie wäre das nicht mehr witzig zu lesen gewesen. Dann die ganzen Spitznamen ("Süße" hier, "Baby" da – und wenn ich noch einmal irgendwo "Rehauge" lese..! –) oder die Tatsache, dass permanent jemand einen Schmollmund zieht…es war zu viel des Guten und schlicht unglaubwürdig. Selbst die ihr bis dato unbekannte Bürgermeisterin plaudert mit Suda Kaye spontan über die sexuellen Vibes, die angeblich zwischen ihr und Camden herrschen. Einfach nur cringeworthy. Der Dirty Talk des Paares selbst hat mich nicht gestört, ich habe nichts gegen heiße Szenen in einem Liebesroman. Hier waren sie stimmungsvoll ausgearbeitet, wild und leidenschaftlich. Feinfühlige Leser/innen könnten die betreffenden Passagen aufgrund der recht derben Wortwahl eventuell als too much empfinden.
Großartig gefallen hat mir das Setting. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst mal in Colorado gelebt habe und eine Schwäche für diesen U.S. Bundesstaat habe, aber ich spürte die flirrende, trockene Hitze beim Lesen, die man aufgrund des wunderschönen, in warmen Farben gehaltenen Covers erahnen kann, und genoss ebenfalls die Eindrücke vom Ausflug ins Reservat. Insgesamt hätte ich mir einen größeren Anteil an Reservatsszenen erhofft, gerne mit dem sympathischen, in sich ruhenden Tahsuda (Toko). Der Aspekt des indigenen Erbes kam mir einen Tick zu kurz.
Fazit: Auch wenn der Roman mich nicht 100%ig überzeugen konnte, werde ich wohl Band 2 lesen, denn ich bin gespannt auf Evies Geschichte.
Mir gefiel nur die erste Geschichte
Wo Weihnachtsträume wahr werden von Nora Roberts
"Wo Weihnachtsträume wahr werden" (Mira Taschenbuch/HarperCollins, September 2021) umfasst gleich zwei weihnachtlich angehauchte Romane von Bestsellerautorin Nora Roberts in einem Band: "Wünsche werden wahr" und "Zauber einer Winternacht".
Das hübsche (für meinen Geschmack einen Touch zu dunkel gestaltete) Cover erinnert entfernt an die zweite der beiden Kurzgeschichten, welche im verschneiten Colorado spielt – im April wohlgemerkt, weshalb ich den deutschen Titel sehr irreführend fand.
Der englische Originaltitel "Gabriel’s Angel" hingegen hätte perfekt zur Story gepasst, da der männliche Protagonist Gabriel seine neue Bekanntschaft, die hochschwangere Laura, tatsächlich recht bald mit dem Kosenamen 'Engel' anspricht. Apropos Name: Bei der Covergestaltung wird ganz deutlich, dass hier hauptsächlich der große Name der berühmten Autorin im Mittelpunkt steht; in anderen Worten: Es handelt sich um ein klassisches Nora-Roberts-Werk.
Ich hatte vor vielen Jahren mal ein Buch der Autorin gelesen, erinnerte mich allerdings nur noch vage daran, dass ich es nicht schlecht gefunden hatte – und da ich Weihnachtsgeschichten sowieso liebe, dachte ich mir: Why not? Normalerweise stehe ich nicht so auf Short Stories, aber hier hat es tatsächlich ganz gut gepasst, auch wenn die erste Geschichte mir so gut gefallen hat, dass ich gerne mehr gelesen (und dafür auf die nur mittelmäßig unterhaltsame zweite Geschichte verzichtet) hätte.
Der Schreibstil der Autorin ist recht einfach, gespickt mit kurzen, sehr direkten Sätzen ohne viel Firlefanz, dafür gelingt es ihr jedoch – zumindest in "Wünsche werden wahr" hervorragend, die Figuren dermaßen lebendig und liebenswert zu gestalten, dass man sich sofort in sie (und in die Story) hineinversetzen kann. Das Small-Town-Feeling hat mir ausgesprochen gut gefallen. Zach und Zeke sind absolut entzückende Kinder und die Annäherung zwischen ihrem Dad Mac und Nell, der neuen Musiklehrerin der idyllischen Kleinstadt, ist gewürzt mit frechen Wortgefechten. Natürlich basiert das gegenseitige Interesse zunächst hauptsächlich auf dem attraktiven Aussehen, ehe sich wahre Gefühle entwickeln, und der Plot ist von Anfang an vorhersehbar, aber mal ehrlich – bei einer Weihnachtsromanze erwarte ich schließlich nicht, dass das Rad neu erfunden wird, sondern freue mich von Anfang an auf das Happy End. Und in Anbetracht der nur knapp 100 Seiten würde eine tiefergehende Charakterstudie auch zu lange dauern. Ich habe Nell direkt ins Herz geschlossen und später sogar hier und da ein paar Tränchen der Rührung verdrückt. Kurzum: Mit Geschichte Nummer 1 war ich sehr happy. Eine kleine Anmerkung für spätere Ausgaben – im Klappentext wird einer der Zwillingsjungs Zack geschrieben, doch im Buch heißt er Zach.
Einen Stern habe ich abgezogen, weil der "Zauber einer Winternacht" mich so gar nicht verzaubern konnte – blasse Charaktere, eine unrealistisch wirkende, mäßig spannende Handlung und null Weihnachtsfeeling.
Fazit: Klare Empfehlung für Fans der Autorin, die sie für ihren unverschnörkelten Schreibstil lieben und ein Faible für kürzere Romane haben.
Interessanter Urban-Fantasy-Roman mit kleinen Schwächen
Der Schwur der Göttin, Band 1: Beyond Eternity von Greta Milán
Römische und griechische Mythologie, übernatürliche Fähigkeiten und ein tödlicher Fluch um eine Liebe, die nicht sein darf - der von Greta Milán erschaffene Jugendroman "Der Schwur der Göttin: Beyond Eternity" (Ravensburger Verlag, September 2021) erfüllt alle Voraussetzungen für ein mitreißendes Leseerlebnis, zumindest in der Theorie.
In der Umsetzung gab es ein, zwei Punkte, die mir weniger gut gefallen haben. Das mit goldenen Elementen verzierte Cover hat jedoch auf voller Länge gepunktet – was für ein Hingucker im Bücherregal!
Vom Setting war ich ehrlich gesagt enttäuscht. Die Geschichte spielt im U.S. Bundesstaat Tennessee und abgesehen von eingestreuten Ortsnamen hätte sich die Handlung an jedem x-beliebigen Ort zutragen können - null Südstaaten-Flair.
Mit den Figuren wurde ich nicht 100%ig warm – irgendetwas hat einfach gefehlt, um ihnen mehr Tiefe zu verleihen bzw. meine Bindung zu ihnen zu stärken. Die weibliche Hauptprotagonistin hat viele lobenswerte Eigenschaften, speziell ihre Tierliebe hat mich begeistert, ebenso ihre Hilfsbereitschaft. Doch ihren Eltern gegenüber verhält sie sich zeitweise bockig, und um ihre Gunst zu erlangen, reichen ein attraktives Aussehen in Kombination mit unberechenbarem Verhalten. Abgesehen davon waren die Figuren zu Beginn allesamt enorm klischeehaft ausgearbeitet. Nayla ist die "sexy" Schönheit, die sich selbst aber nicht sonderlich hübsch findet und nicht viel auf Make-up und Kleidung gibt. Ihre aufgedrehte beste Freundin Dee ist ein Quell stetiger Fröhlichkeit, zumindest bis sie Naylas Verhalten nicht nachvollziehen kann, dann wird es ziemlich anstrengend mit ihr und man würde die betreffenden Szenen am liebsten skippen – was natürlich nicht geht, für den Fall, dass man ansonsten womöglich eine wichtige Entwicklung verpasst. Dann gibt es da noch die beiden Austauschschüler alias Hotties, die sämtlichen Mädels den Kopf verdrehen: Cyrian (der stille, mysteriöse, verschlossene, düstere Typ = Bad Boy) und Philemon (aufgeschlossener, kommunikativer Spaßvogel, der nie um einen frechen Spruch verlegen ist = Good Guy). Und keine High-School-Story wäre vollständig ohne die Oberzicke, die auch hier nicht fehlt: Shelby ist die Tochter des Bürgermeisters, Cheerleaderin, optisch wunderschön und charakterlich ein hinterhältiges, oberflächliches Biest.
Der lockere Schreibstil eignet sich prima für ein Jugendbuch, auch aufgrund der oft von Humor geprägten Dialoge. Die Geschichte startet rasant, doch gerade im Mittelteil ebbt die Spannung über längere Passagen ab und es passiert (zumindest gefühlt) relativ wenig, was die Story vorantreibt. Insbesondere die Szenen, in denen die Hintergründe gewisser Gottheiten erklärt werden, empfand ich als trocken und auch als unnötig kompliziert beschrieben (speziell für jene Leser/innen, die sich noch nicht mit der entsprechenden Mythologie befasst haben), zumal die potentielle Love Story sowie ein großes Freundschafts-Drama dem Fantasy-Anteil ohnehin ganz klar den Rang ablaufen. Gegen Ende geht es dann Schlag auf Schlag, viel Action wird auf wenige Seite gequetscht. Wer keine Cliffhanger mag, sollte mit der Lektüre eventuell bis zum Erscheinungstermin von Band 2 warten und dann gleich doppelt zuschlagen. ;-)
Fazit: Nicht ganz so fesselnd wie erhofft, hauptsächlich aufgrund der eindimensionalen Charaktere, aber prinzipiell kein schlechtes Buch. Für meinen Geschmack wurden bei dieser vielversprechenden Grundidee die falschen Story-Elemente priorisiert, daher vergebe ich 3 Sterne.
Tolle reale Story, die leider nur mittelmäßig umgesetzt wurde
Die Übersetzerin von Jenny Lecoat
Ich lese unheimlich gerne historische Romane, speziell jene, die handlungstechnisch in den Jahren der Weltkriege angesiedelt sind. Am Beispiel von Einzelschicksalen lässt sich so viel über die damalige Zeit lernen, und ich finde es wichtig, sich zu erinnern – man darf niemals vergessen, was damals geschehen ist.
Die Tatsache, dass die Autorin aufgrund ihrer eigenen Familienhistorie und Herkunft einen engen Bezug zu den geschilderten Ereignissen hat, machte den Roman noch faszinierender für mich. Er basiert auf der "ungewöhnlichen, wahren Geschichte" von Hedwig (Hedy) Bercu, Kurt Rümmele (im Roman Kurt Neumann) sowie Dorothea und Anton Weber.
Erzählt wird in der dritten Person aus Hedys und Kurts Perspektive. Ich hätte mir die Einflechtung von mehr zeitgenössischen Begriffen gewünscht als "jerrybag" oder "schoyte" (deren Bedeutung man übrigens zwar erahnen kann, im Buch allerdings nicht angesprochen wird). Der Schreibstil ist atmosphärisch, eindringlich und bildreich, insbesondere im Hinblick auf die Landschaftsbeschreibungen. "Das hier war eine Fläche aus glitzerndem Saphir, die an einen Strand aus hellgelbem Sand und wogendem schwarzem Seetang plätscherte." Man fühlt sich direkt in die Szenerie hineinversetzt.
Mit der weiblichen Hauptfigur tat ich mich schwer. Zu Beginn der Handlung fühlte ich zwar ihre Angst vor dem Einrücken der Deutschen und den für sie drohenden Konsequenzen, und auch ihre generelle Abscheu ihnen gegenüber konnte ich vollends nachvollziehen, doch auf menschlicher Ebene, gerade in Bezug auf ihr Verhalten gegenüber ihrem besten Freund Anton, seiner neuen Partnerin Dorothea sowie auch gegenüber Kurt, den sie mit der Zeit lieben lernen wird, war sie mir nicht gerade sympathisch. Zickig, teilweise taktlos und selbstsüchtig wirkte sie auf mich, weshalb ich nur bedingt mit ihr mitfiebern konnte. Aus diesem Grund konzentrierte ich mich auf Kurt und die Nebenfiguren. Vor allem Dorothea, die während der ersten Kapitel aus Hedys Sicht recht oberflächlich und naiv dargestellt wird, hatte es mir angetan. Welch eine starke, bewundernswerte Persönlichkeit! In meinen Augen hatte die Roman-Hedy solch eine tolle Freundin, die später sogar ihr Leben für sie riskieren wird, gar nicht verdient, zumal Anton Hedy erst hatte überreden müssen, überhaupt Zeit mit Dory zu verbringen – und selbst zu diesem Freundschaftsdienst, den sie als lästige Pflicht betrachtete, ließ Hedy sich nur herab, weil sie bei ihren Besuchen gerne Dorotheas Radio lauschte (sie selbst besaß kein eigenes).
Aufgrund des Klappentextes von Jenny Lecoats Werk (Bastei Lübbe, September 2021) erwartete ich eine mitreißend-emotionale Geschichte über eine junge Jüdin, die auf der von den Nazis besetzten britischen Kanalinsel Jersey in einem deutschen Lager einen Job als Übersetzerin antritt, sich ausgerechnet in einen deutschen Wehrmachtssoldaten verliebt und heimlich gegen die Nazis agiert, ehe ihre Tarnung auffliegt. Diese Punkte treffen auch tatsächlich auf die Story zu, allerdings sind sie nicht so spannend ausgearbeitet worden, wie ich mir erhofft hatte; hier wurde ziemlich viel Potential verschenkt.
***ACHTUNG, SPOILER***
Wie auch im echten Leben bestand Hedys 'Akt des Widerstandes' gegen die Nazis aus dem Diebstahl von Benzingutscheinen. Sicher war dies ein gefährliches Unterfangen, aber hier hatte ich von der immerhin auch mit Fiktion angereicherten Story deutlich mehr erwartet, z.B. dass Hedy wichtige Akten verschwinden lässt, sich selbst für andere Juden einsetzt, etc. Ihr 'mutiger Plan' bestand schlichtweg darin, sich zu verstecken (nach einem vorgetäuschten Selbstmord) und zwar bei jener Frau, für die sie bis dahin kaum einen freundlichen Gedanken hatte aufbringen können. Ihrer Situation im Versteck wird verschwindend wenig Bedeutung geschenkt, dabei sollte dies doch eigentlich ein zentrales Element der Handlung darstellen; Spannung kommt kaum auf.
Entgegen den vom Buchtitel geschürten Erwartungen nimmt Hedys Arbeit als Übersetzerin kaum Raum ein, läuft eher zufällig nebenher. Und ihre Romanze zu Kurt war im realen Leben garantiert tiefgründiger als hier beschrieben, das Paar heiratete schließlich sogar nach dem Krieg. Die Zeitungsberichte zur Recherchearbeit von Dr. Gilly Car, Dozentin an der Cambridge University, lesen sich diesbezüglich deutlich interessanter; im Roman hingegen scheint die Anziehungskraft zwischen Kurt und Hedy hauptsächlich auf Äußerlichkeiten zu beruhen, was ich wahnsinnig schade fand.
Fazit: Kann man mal gelesen haben, muss man aber nicht. Mir fehlten die Emotionen und Hedy blieb mir leider unsympathisch. Es war an sich kein schlechtes Buch, doch gerade im Genre der historischen Romane gibt es so viele weitaus bewegendere, tiefgründigere Werke, die noch lange nach der Lektüre nachhallen.
Emotionaler New-Adult-Roman in wundervollem Setting
Like Snow We Fall von Ayla Dade
Können wir bitte zunächst mal über diesen Traum von einem Cover sprechen?! Dieses glitzernde Schmuckstück gehört definitiv zu den schönsten Buchcovern, die ich je in den Händen halten durfte, wow! Die funkelnden silberfarbenen Elemente verleihen dem Einband einen edlen Touch, das gewisse Extra eben, und schüren die Vorfreude auf einen winterlichen Roman.
Die Gestaltung passt nicht nur perfekt in die Vorweihnachtszeit, sondern erinnerte mich im Nachhinein auch an eine meiner liebsten Szenen des Werkes.
"Erst denke ich, Lichterketten verstecken sich in den umliegenden Tannen. Bei jedem ausgestoßenen Atemzug bildet sich eine weiße Wolke vor meinem Gesicht, während ich mich den Bäumen nähere. […] Inmitten dieser Wand aus schneeverhangenen Tannen liegt ein von Eis überzogener See. Der Mond spiegelt sich in seiner Oberfläche und lässt ihn glitzern."
Damit komme ich zu meinem Highlight des Romans: die absolut umwerfenden Beschreibungen des Settings. - So bildreich und atmosphärisch, dass man sich sofort in die verschneite Winterwunderwelt Colorados hineinversetzt fühlt. Ich habe es geliebt! Aspen, reichste Stadt der USA und Luxus-Skigebiet, ist ein malerisches Kleinstadt-Juwel und besticht durch ein heimelig-charmantes Flair. Obwohl jährlich Horden von wohlbetuchten Touristen die von Nobel-Boutiquen und exquisiten Restaurants gesäumten Straßen entlangströmen und die umliegenden Pisten der Rocky Mountains stürmen, ist der spezielle, unverfälschte Zauber Aspens ungebrochen. "Vielleicht ist diese Stadt dafür geschaffen, jede Seele auf unterschiedliche Art zu berühren".
Paisley, ein junges Eiskunstlauftalent, möchte hier an der iSkate-Schule durchstarten, um sich eines Tages für Olympia zu qualifizieren. Sie ist Hals über Kopf quer durchs Land geflüchtet und hofft auf einen Neustart. Doch im Gepäck hat sie neben ein paar wenigen Kleidungsstücken und ihren Schlittschuhen auch jede Menge traumatische Erinnerungen, die sie nachhaltig geprägt haben. Mit jedem Tag, den sie in Colorado verbringt, wird ihr Herz leichter und sie wagt sich immer weiter aus ihrem Schneckenhaus heraus. "Aspens Berge sind zu schön. Sie lassen keinen Raum für negative Gefühle. Vielleicht sind es die schneeverhangenen Gipfel, in denen ich meinen Kopf verlieren und meine Seele finden werde." Doch als sie endlich wirklich angekommen zu sein scheint, sich eingelebt und Freunde – vielleicht sogar die Liebe – gefunden hat, droht ihre Vergangenheit sie einzuholen und brutal aus ihrem neuen Glück herauszureißen, wie ein Monster, das in der Dunkelheit lauernd nur auf die richtige Gelegenheit gewartet hat. Auch Knox, der gefeierte Snowboard-Star der Region, hat mit seinen Dämonen zu kämpfen und ist ein gebrochener Charakter, der zu früh im Leben mit Verlust und Schuldgefühlen konfrontiert worden ist. Können er und Paisley zusammen endlich frei sein?
Für mich war es der erste Roman von Ayla Dade und ihr gleichermaßen humorvoller, tiefgründiger wie auch verträumt-melancholischer Schreibstil hat mir, abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, ausnehmend gut gefallen. An manchen Stellen waren mir die Formulierungen einen Tick zu poetisch, was in krassem Gegensatz zu den heftigen Themen stand, die in die Story eingewoben worden sind. (Hier hätte ich übrigens eine Triggerwarnung sinnvoll gefunden.) Die Wortwahl der Dialoge ist sehr jugendlich und ich habe einige neue Begriffe, wie z.B. "Dummtorte", dazugelernt. Die Fixierung auf Muttermale fand ich eher ungewöhnlich, aber da sind die Geschmäcker eben verschieden. Einige Wortwiederholungen gab es (z.B. "schneeverhangen" taucht ziemlich oft auf, doch gerade die Beschreibungen der majestätischen Natur sind so fesselnd, dass man darüber hinwegsehen kann) und die dramatische Entwicklung am Ende erschien mir zu simpel aufgelöst. Nach dem großen Aufbau hätte ich mir mehr als ein paar Sätze à la 'Mein Dad hat ein paar Anrufe getätigt und schwuppdiwupp ist alles gut' gewünscht. Nun ja, all das tut der ansonsten schönen und hochemotionalen Geschichte, die mir vor allem im ersten und im letzten Drittel gefallen hat, kaum einen Abbruch. Zudem wird deutlich, dass die Autorin sich ausführlich mit den in die Story integrierten Wintersportarten auseinandergesetzt hat. Die musikalische Playlist bildet die perfekte Ergänzung zum Buch; die Titel wurden mit Bedacht ausgewählt und sorgen beim Lesen für wunderbare Gänsehaut-Momente.
Fazit: Diese winterliche New-Adult-Romance liest sich so leicht wie weicher Pulverschnee und regt dennoch zum Nachdenken an, da durchaus ernste Themen eine Rolle spielen. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Band der Reihe! Klare Leseempfehlung!
Süßer weihnachtlicher Liebesroman mit kleinen Längen
Plätzchen gesucht, Liebe gefunden von Petra Schier
Alle Jahre wieder versüßen mir Petra Schiers weihnachtliche Liebesromane die Adventszeit. Stets fester Bestandteil der Story: ein entzückendes Hündchen, Santa Claus und seine Elfen, und eine sympathische Familie samt Freunden. Der bereits 15. (!) Band dieser zu Recht erfolgreichen Buchreihe eignet sich für Einsteiger ebenso wie für eingefleischte Fans, da die Handlung auch ohne Vorkenntnisse nachvollziehbar ist.
Dieses Mal stehen Frank und Ricarda im Fokus – von klein auf befreundet, dann aufgrund Franks internationaler Karriere entzweit und nun, nach seiner Rückkehr in die Heimat, vielleicht sogar mehr als nur gute Freunde? Ricarda möchte ihr gerade wieder aufgebautes inniges Verhältnis eigentlich nicht riskieren, zu groß ist ihre Angst vor einem erneuten Verlust - sollte die romantische Beziehung zwischen ihnen scheitern, wäre schließlich auch die Freundschaft im Eimer. Doch Frank, dem endlich klargeworden ist, dass er seine Gefühle für sie all die Jahre nur verdrängt hatte, lässt sich nicht so leicht entmutigen. Von seinem verstorbenen Großvater hat er die kleine Pudeldame Naila geerbt, die sein Leben gehörig aufmischt – und auch sie wünscht sich Ricarda als Frauchen. Und wenn dann noch Santa und seine Elfen mithelfen, dann steht einem rundum glücklichen Weihnachtsfest nichts mehr im Wege!
Neben Franks und Ricardas Perspektiven (jeweils in der 3. Person geschrieben) erhalten wir auch Passagen aus der Sicht von Santa Claus sowie Einblicke in Nailas Gedanken, was die Bücher dieser Reihe zu etwas ganz Besonderem macht. Mein Highlight war natürlich die niedliche Fellnase, die sich anfangs wie eine kleine Diva aufgeführt und sich ruck, zuck in mein Herz gewuselt hat. Die Charaktere sind liebenswert gestaltet; ihre Romanze liest sich angenehm und enthält auch ein, zwei Momente knisternder Erotik, allerdings hat sie mich nicht emotional überwältigt. Das fand ich nicht tragisch, es war insgesamt eher ein ruhigeres Werk, trotz des verspielten, lockeren Schreibstils. Vielleicht entstand dieser Eindruck bei mir auch nur aufgrund der Länge des Romans, rund 450 Seiten empfand ich für diese Art von Geschichte einfach als zu viel, 150 Seiten weniger und das Ganze hätte perfekt gepasst.
Weiterhin lobenswert zu erwähnen sind - neben dem goldigen Cover -, die Playlist zum Buch sowie die umfangreiche Rezeptsammlung im Anhang, die eine wunderbare Ergänzung darstellen.
Fazit: Zwischenzeitlich etwas langatmig, aber ansonsten eine süße Weihnachtsstory mit witzigen Fantasy-Elementen und tierischer Perspektive.











