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Rezensionen von Furbaby_Mom:

Mitreißender Roman über eine gleichermaßen faszinierende wie polarisierende Persönlichkeit

Josephine Baker und der Tanz des Lebens (Ikonen ihrer Zeit 3) von Juliana Weinberg

Nach ihrem sensationellen Roman "Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne" war ich enorm gespannt auf das nächste Werk aus der Feder von Juliana Weinberg und wurde nicht enttäuscht. Der angenehme Schreibstil der Autorin ist einfach wundervoll - so einnehmend, selbstverständlich und emotional, dass es ihr erneut mühelos gelingt, die porträtierte Hauptperson dermaßen greifbar und realistisch darzustellen, dass man nach der Lektüre das Gefühl hat, den Weltstar Josephine Baker persönlich gekannt zu haben.

Der Name dieser schillernden Persönlichkeit rief bei mir stets das Bild einer leicht bekleideten Tänzerin hervor, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit ihrer unkonventionellen, erotisch angehauchten Show die Bühnen der Welt im Sturm eroberte, dabei war Josie so viel mehr als ein kesses Revue-Girl, wie ich nun weiß. Tatsächlich glich ihr gesamtes Leben dem Tanz auf einem Vulkan – trotz internationalem Ruhm war sie in ihrer Heimat, den USA, nicht vor Rassenhass und der Grausamkeit der Segregation gefeit; dort gilt sie als Mensch zweiter Klasse, als "Abschaum der Gesellschaft", wird angefeindet und beschimpft, in Lokalen nicht bedient und aus noblen Hotels verwiesen. Der unermüdliche Kampf für Gleichberechtigung wird zu einem der wichtigsten Pfeiler in ihrem Leben; bei seiner legendären I-have-a-dream-Rede steht sie Seite an Seite mit Martin Luther King. In Frankreich, das sie mit offenen Armen willkommen heißt, erlebt Josephine zum ersten Mal wahre Freiheit. Sie wird diesem Land, dessen Staatsbürgerschaft sie schließlich annimmt, ein Leben lang in inniger Liebe und Dankbarkeit verbunden bleiben. Mutig und selbstlos engagiert sie sich im Zweiten Weltkrieg als Spionin für die Résistance und stärkt durch ihre Shows die Moral der in Nordafrika stationierten Truppen. Oftmals steht sie ihrem privaten Glück selbst im Weg, erfüllt sich jedoch letztlich den Traum einer Regenbogenfamilie und adoptiert 12 Kinder unterschiedlichster Herkunft.

Wir begleiten die junge Josie aus den Armenslums von St. Louis über ihre Zeit am Broadway bis hin nach Paris, wo sie mit der legendären Revue Nègre zum Star wird und ihren Erfolgszug um die Welt antritt. Als der Zweite Weltkrieg anbricht, zögert sie nicht, für die Unterdrückten einzutreten, selbst wenn sie sich dadurch in Lebensgefahr begibt – schließlich war sie schon immer eine Kämpferin. Die bildreichen, stimmungsvollen Beschreibungen der Autorin fangen gekonnt die energiegeladene, aufgeheizte Atmosphäre jener Zeit ein und haben mich restlos begeistert. Ich bin komplett in der Handlung versunken und habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen.

Josephine polarisiert nicht nur in beruflicher Hinsicht, wo viele Menschen ihre Showeinlagen als obszön abtun; auch im privaten Bereich ist sie eine exzentrische Person, die Risiken liebt, eine scharfe Zunge hat, zu Egoismus neigt und gleichzeitig mit einer berührenden Naivität und Gutmütigkeit durchs Leben geht. Am liebsten würde sie die ganze Welt retten, ist empfänglich für Bittsteller jeglicher Art und wird oft ausgenutzt. Zwar weiß sie zu Beginn ihrer Karriere noch jeden Cent zu schätzen, verliert mit der Zeit allerdings den Bezug zur Realität, wenn es um ihre Finanzen geht. Besonders nahe ging mir ihre stark ausgeprägte Tierliebe – ob Hausschwein, Papagei oder Äffchen, Josie hat ein Herz für alle Tiere, "weil sie einen nie enttäuschen. Nicht, wie Menschen es tun. […] Sie sind liebevolle und dankbare Geschöpfe. Ihnen ist egal, wie ich aussehe. Tiere machen keine Unterschiede zwischen den Menschen".

Auch die amourösen Abenteuer der berühmten Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin können sich sehen lassen – sie war mehrfach verheiratet, hatte diverse Liebschaften sowie eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Wohl wissend, dass sie (ebenso wie ihre gute Freundin Frida Kahlo) aus gesundheitlichen Gründen niemals Kinder bekommen kann, entschließt sie sich zur Adoption und dieser Wunsch wird zur ernsthaften Bedrohung ihres Eheglücks…

Im ausführlichen Nachwort der Autorin erhält man viele zusätzliche spannende Informationen zum verbleibenden Lebensabschnitt Josephines sowie zu den Personen, die ihr Leben geprägt haben.

Fazit: Ein hervorragend recherchiertes, tiefgründiges und lebhaft geschriebenes biographisches Werk, das ich allen Fans von starken Frauenromanen wärmstens empfehle!

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Schöner Nordseeroman mit niedlichem Vierbeiner!

Vier Pfoten im Sommerwind von Petra Schier

Sonne, Strand und ein entzückendes Hündchen auf dem Cover – dazu ein Klappentext, der eine romantische Story verspricht…das kling nach einem zauberhaften Wohlfühlroman! Im Nachhinein habe ich zufällig entdeckt, dass es sich bei dem Werk mit dem niedlichen Titel "Vier Pfoten im Sommerwind" (HarperCollins, März 2021), bei dem die Herzen aller Hundehalter/innen höher schlagen dürften, bereits um den 5.

Band einer Reihe handelt, was beim Lesen allerdings überhaupt kein Problem darstellt. Die Geschichte verfügt über eine in sich geschlossene Handlung und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass mir wichtige Hintergrundinformationen zu den Figuren fehlen würden. Wem die "Lichterhaven"-Reihe aus der Feder von Petra Schier noch kein Begriff ist, dem sei gesagt: Dieser Roman eignet sich sehr gut für den Einstieg.

Der kleine Bearded Collie Barnabas hat es nicht leicht – sein geliebtes Frauchen ist im hohen Alter verstorben und fortan kümmert sich deren Enkelin Ella um ihn. Jene Ella, die stets auf Zack ist, wenig Geduld hat und in dem kleinen, idyllischen Örtchen an der Nordsee als wilde Partyqueen gilt, die nichts anbrennen lässt. Bei all ihren Liebschaften hat Ella stets eine eigens aufgestellte Regel berücksichtigt: Geflirtet wird nur mit Urlaubsgästen – eine Romanze mit einem Lichterhavener hingegen ist tabu. Schließlich möchte sie besagtem Mann nach einem Liebesaus nicht täglich über den Weg laufen. Mit ihren Freundinnen Hannah und Caroline betreibt Ella ein erfolgreiches Cateringunternehmen, welches kürzlich eine Ausschreibung gewonnen hat: Die Foodsisters wurden engagiert für die Jubiläumsfeier der lokalen Feuerwehr. Trotz ihrer Trauer stürzt Ella sich in die Vorbereitungen für das Fest und in die Erziehung des kleinen Hundes, den ihre Oma ihr überraschend vererbt hat. Unerwartete Hilfestellung erhält Ella dabei ausgerechnet von Jörn, mit dem sie in der Vergangenheit schon öfter zusammengerasselt ist – der Mann treibt sie mit seiner ruhigen, unerschütterlichen Art in den Wahnsinn. Aber Barnabas scheint ihn zu mögen…und Hunde haben ja bekanntlich immer den richtigen Riecher, oder?!

Der Fokus der Handlung liegt auf der Liebesgeschichte, die sich wunderbar realistisch und nachvollziehbar aufbaut. Sowohl Ella als auch Jörn sind unheimlich sympathische Figuren, charakterlich wie Feuer und Wasser, aber so offensichtlich füreinander bestimmt, dass es richtig Spaß gemacht hat, ihrem Happy End entgegenzufiebern. Besonders gut gefiel mir, dass es zwischendurch auch immer wieder Passagen aus der Sicht von Barnabas gab und man erfahren hat, wie der kleine Vierbeiner die Geschehnisse und Personen einschätzt. Der angenehme, humorvolle Schreibstil der Autorin ließ die Seiten nur so dahinfliegen. Ein weiteres Highlight waren das einladende Flair des Küstenortes und die liebenswerten Nebenfiguren (- mit der Mädelstruppe hätte ich gerne eine Runde getanzt, bei all den bekannten Hits hatte ich beim Lesen so einige Ohrwürmer im Kopf).

Fazit: Tierisch gut – nicht nur für Hunde-Fans! Wer auf der Suche nach einer unterhaltsamen, sommerlichen Alltagsflucht ist, wird mit diesem Roman viel Freude haben!

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Nette Gedankensammlung zum Thema Geburt und Schwangerschaft

Hey Mama von Tami Donath

Als werdende Mama fühlt man sich angesichts wohlgemeinter Tipps aus dem Bekanntenkreis, Horrorgeschichten aus dem Internet und einer Flut an Ratgebern zum Thema Geburt und Schwangerschaft oftmals erschlagen. Im besten Fall ist man leicht verunsichert, im Schlimmstfall bekommt man die blanke Panik. Dieses Buch – von Müttern für Mütter – soll Frauen jene Angst nehmen und einfach ein Begleiter durch diese besondere, lebensverändernde Zeit sein.

Es ist kein regulärer Ratgeber, sondern eher eine Sammlung persönlicher Eindrücke und Erfahrungen, von der Zeit vor der Geburt bis hin zur Zeit danach. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts überdramatisiert.

Das Cover wirkt aufgrund der gedeckten Farben, der gut lesbaren Überschrift und des niedlichen Fotos einer Babyhand gleichzeitig optisch ansprechend und seriös, und gefällt mir ausgesprochen gut. Die innere Gestaltung des Werkes hätte für meinen Geschmack gerne farbenfroher sein können. Es dominieren wenige kühle, blasse Farben; gepaart mit ausschließlich Schwarz-Weiß-Fotos wirkte das Ganze etwas trist auf mich.

Die übersichtliche Einteilung in vor – während – und nach der Geburt war sinnvoll. Ein wenig genervt haben mich die ständigen Wechsel der Position der (Kapitel-)Überschriften: mal hochkant, an den Rand gequetscht, frontal mittig oder am Fuß der Seite; das ständige Kopfverdrehen, nur um die Überschrift gescheit lesen zu können, empfand ich als störend.

Die Haupt-Message des Werkes lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen: 'Egal, ob Schwangerschaft und Geburt so ablaufen, wie du es dir wünschst oder ob alles ganz anders kommt: letztlich wird alles gut. Du hast jedes Recht, dich auch mal nicht okay zu fühlen, zu zweifeln und um Hilfe zu bitten. Vertrau auf deine Intuition die Bedürfnisse deines Körpers.' Oder noch kürzer: 'Alles ist okay, alles ist erlaubt.'

Die Passagen zum Niederschreiben eigener Gedanken waren sehr wenige – ein Brief an das Baby und eine Art Übersicht, in die man Meilensteine ("erstes Lächeln", "erster Zahn" etc.) einträgt. Diese Dinge würde ich, ehrlich gesagt, lieber in ein dafür erdachtes Album schreiben, wo man auch Bilder dazukleben kann; stattdessen hätte ich hier die Checklisten bzw. Must-Have-Listen deutlich erweitert – von diesen hatte ich mir mehr Informationen erhofft. Zum Schmunzeln fand ich das Sprüche-Bingo, wobei es – ebenso wie die Fakten zu Beginn – recht allgemein gehalten war. Den kreativen Wortwitz aus dem Vorwort der Autorin hätte ich gerne auch zwischendurch im Buch wiedergefunden. Dennoch waren viele Texte, insbesondere die Gedanken "Wenn Liebe weh tut" oder "Ich sehe dich", nahezu poetisch schön formuliert. Dass das wichtige und oft übergangene Thema Wochenbett ausführlich angesprochen wird, fand ich super. Oftmals denkt man ja nur bis zur Geburt und sieht sich anschließend selig mit einem kleinen Wonneproppen im Still-Sessel kuscheln – ganz so easy läuft das in der Realität natürlich nicht ab. Mein persönliches Highlight waren die detaillierten Berichte zu den verschiedenen Geburtserfahrungen.

Fazit: Wenig Neues, aber insgesamt ein nettes Geschenk für werdende Mamas. Wichtig: Dies ist KEIN klassischer Ratgeber, sondern eher ein Mutmach-Buch, das beruhigen und inspirieren soll.

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Jahreshighlight!!

Matching Night, Band 1: Küsst du den Feind? (Gewinner des Lovelybooks-Leserpreises 2021) von Stefanie Hasse

Schon seitdem ich vor geraumer Zeit die Matching-Night-Dilogie in der Ravensburger-Verlagsvorschau entdeckt hatte, fieberte ich dieser Geschichte entgegen und ich kann nur sagen: WOW!! Was bin ich froh, dass ich mir vorsorglich bereits den zweiten Band gekauft habe, um gleich im Anschluss weiterlesen zu können! Dieses Buch gehört schon jetzt zu meinen Jahreshighlights.

Hier hat Stefanie Hasse wirklich eine mitreißende New-Adult-Story um Geheimnisse, Intrigen und große Gefühle erschaffen – vor dem faszinierenden Hintergrund einer renommierten Universität, an der zwei elitäre Studentenverbindungen, die Ravens und die Lions, ihren Einfluss geltend machen und das Leben ihrer Mitglieder/innen erheblich beeinflussen. Wer die Anwärterphase übersteht, dem winkt eine glänzende Zukunft – ein allumfassendes Stipendium, Unterkunft und Logis in der noblen Verbindungsvilla, die besten Lehrmaterialien und Förderprogramme, ausgezeichnete Karriereaussichten dank einem Netzwerk, dem die mächtigsten und erfolgreichsten Persönlichkeiten angehören…und dann sind da noch die sagenumwobenen, rauschenden Glamour-Parties. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Dieser Meinung ist auch Cara anfangs, die sich aufgrund einer wohlwollenden Empfehlung als Anwärterin bei den Ravens wiederfindet. Bisher hatte sie nur Pech, seitdem sie an der Uni angekommen war – die geplante Unterkunft war unbewohnbar, das Zimmer bei ihrer besten Freundin Hannah spontan belegt, und ihr von den Verwandten mühsam zusammengesparter Wagen kaum für die tägliche längere Anreise ausgelegt. Am schlimmsten ist für Cara jedoch die Tatsache, dass ihre Familie sich für ihr Studium hoch verschuldet hat – ein Stipendium bei den Ravens wäre also ein Geschenk des Himmels. Aber wieso möchte Hannah ihr diese Idee unbedingt ausreden? Was hat sie gegen den charismatischen Tyler, dessen Gegenwart Cara Herzklopfen beschert? Warum verbeißt Hannah sich in das mysteriöse Verschwinden einer Studentin? Cara hat kaum Zeit, all diesen Fragen auf den Grund zu gehen, denn die Anwärterphase der Ravens hat es in sich: Sie bekommt ein Match zugeteilt, einen potentiellen Partner aus dem Hause der Lions, mit dem es eine Reihe an Aufgaben zu bewältigen gilt…unter anderem, ein Paar zu spielen. Nicht nur, dass Caras Match ausgerechnet Joshua Prentiss ist - selbstverliebt, arrogant, attraktiv und Sohn der Präsidentin der USA -, es kommt noch schlimmer: Bald weiß sie nicht mehr, wer Freund und wer Feind ist, wem sie vertrauen kann und vor wem sie unbedingt die Flucht ergreifen sollte...

Der packende Schreibstil der Autorin hat mich umgehauen – von der facettenreichen Figurenzeichnung über den Aufbau des Spannungsbogens bis hin zu den bildreichen Beschreibungen, die beim Lesen direkt einen Film im Kopf entstehen lassen…hier stimmt einfach alles. Zudem ist der außergewöhnliche Plot mal was ganz Neues in diesem Genre. Besonders lobenswert: Endlich mal eine weibliche Hauptfigur, die in brenzligen Situationen nicht übertrieben naiv reagiert. Ich habe Caras Gefühle, Gedanken und Entscheidungen jederzeit nachvollziehen können und konnte vor lauter Mitfiebern das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Beim Cliffhanger am Schluss habe ich die Luft angehalten und musste mich richtig zusammenreißen, nicht direkt zum Folgeband zu greifen, sondern erst diese Rezension zu schreiben!

Das traumhaft schöne Cover ist DER Eyecatcher schlechthin im Bücherregal – zusammen mit Band 2 ergibt die Frontabbildung die Silhouette eines Rabens; diese kreative Gestaltung passt also perfekt zur Studentenverbindung der Ravens.

Fazit: Mir gehen die Superlative aus für dieses geniale Werk – absolut fesselnd, mega spannend und sensationell geschrieben! Ein Muss für alle New-Adult-Fans!!

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Einfach nur genial!

Fertig ist die Laube von Renate Bergmann

Ich habe eine neue Lieblingsreihe gefunden! Der im März 2021 bei Ullstein Taschenbuch erschienene, sommerlich-heitere Roman "Fertig ist die Laube", den ich - passend zum Thema - an einem sonnigen Nachmittag im Garten verschlungen habe, hat mich immer wieder laut auflachen lassen. Ich bin dermaßen begeistert, dass ich nun unbedingt sämtliche Bände der Reihe lesen möchte!

Der locker-herzliche Schreibstil im Plauderton, gespickt mit allerlei Lebensweisheiten und direkter Anrede der Leser/innen, ist ein wahrer Genuss! Nie im Leben wäre ich darauf gekommen, dass hier nicht tatsächlich eine reale 82-jährige Rentnerin hinter dem Werk steckt; ich kann wirklich nur staunen darüber, wie authentisch der Autor Torsten Rhode den Charakter der entzückenden Berliner Online-Omi Renate Bergmann erschaffen hat und wie mühelos und überzeugend er sich in das Denken einer gänzlich anderen Generation hineinversetzt.

Ganz große Schreibkunst! Erzählt wird nämlich in der Ich-Form aus der Perspektive von Oma Renate, "wissen Se", und zwar im sympathischen Berliner Dialekt. Während der Lektüre fühlte ich mich wie in einem persönlichen Gespräch bei Kaffee und Kuchen mit der knuffigen, durchaus patenten und geistig fitten Omi, der niemand etwas vormacht. Jawoll, die Renate geht mit der Zeit und kennt sich bestens aus mit 'Jutjup', 'Fäßbock' und Co.!

Überhaupt kommt sie gerne ins Plaudern, die gute Seele, und berichtet in diesem Roman in munterer Manier von ihrem Sommer in der Gartenkolonie 'Abendfrieden'. Ich habe mich königlich amüsiert und wie gebannt die Abenteuer verfolgt, die sie und ihre beste Freundin Gertrud in dieser nur vermeintlich idyllischen Schrebergarten-Gemeinde erlebt haben. Denn der Gunter Herbst, Gertruds Lebensgefährte, hatte es an den Bandscheiben und musste operiert werden – und danach gleich weiter zur Reha. Sein verwildertes Gärtchen hatte er ohnehin sträflich vernachlässigt, sehr zum Leidwesen von Gertrud und Renate, die sich prompt der traurigen Parzelle annahmen. Ihre Mission: Grundsanierung! Ob Gunter mit dem Resultat einverstanden sein wird? Leicht haben sie es nicht, die Omis, denn in so einer Kolonie gibt es die schrägsten Gartennachbarn! Und dann wuselt ihnen auch noch der pingelige Günter Habicht samt seiner nervigen Kontroll-Drohne in den Angelegenheiten herum – "eine Art Obergärtner mit Hausmeisterfunktion", der seine Pflichten übergenau nimmt und stets dann auftaucht, wenn man ihn gerade so gar nicht gebrauchen kann. Was habe ich gelacht, vor allem über die Passage zur Maulwurfsbekämpfung! Aus diesem Werk nimmt man tatsächlich jede Menge Ideen und praktische Tipps und Tricks rund ums Thema Gärtnern mit, ebenso wie Denkanstöße und Erinnerungen, an denen uns Renate teilhaben lässt.

Fazit: Dieser rundum empfehlenswerte Roman ist ein Garant für gute Laune! Die perfekte Einstimmung auf den Sommer, ideal zum Zurücklehnen und Wohlfühlen! Eine klare Empfehlung für alle Fans von herrlich amüsanter Lektüre mit Protagonisten, die man einfach knuddeln möchte. Ich bin rundum begeistert und mega happy, diese tolle Reihe für mich entdeckt zu haben!

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Jane Austen lässt grüßen!

Bridgerton - Der Duke und ich von Julia Quinn

Da ich ein riesiger Fan von Regency-Romanen bin und schon viel Positives über die gleichnamige NETFLIX-Serie gehört hatte, kam ich an diesem Werk, welches den Auftakt zur Bridgerton-Reihe von Julia Quinn bildet, nicht vorbei. Entgegen dem allgemeinen Hype um die TV-Serie kannte ich lediglich den Trailer und wollte zuerst das Buch lesen.

Im Nachhinein war ich sehr froh über diese Entscheidung, da ich festgestellt habe, dass doch einige Unterschiede zwischen den Formaten bestehen und ich dem Buch – auch wenn die Geschichte sehr ansprechend verfilmt worden ist – ganz klar den Vorzug gebe.

Die junge Daphne Bridgerton, eines der 8 Kinder von Lady Violet Bridgerton, muss - zumindest nach Ansicht der lieben Frau Mama - dringend unter die Haube. Immerhin sind schon zwei Jahre vergangen, seitdem Daphne in die Gesellschaft eingeführt worden ist und obgleich sie schon einige Heiratsanträge erhalten hat, waren die betreffenden Gentlemen keine geeignete Partie. Und jene, die Daphne gefallen würden, sehen hingegen in ihr keine potentielle Partnerin. "Sie galt überall als amüsant, freundlich und schlagfertig, und keiner fand sie auch nur im Mindesten unattraktiv. Allerdings war auch keiner geblendet von ihrer Schönheit oder überwältigt von ihrer Gegenwart." Dabei besteht Daphne - wohlerzogen, klug und herzlich - im Grunde nicht einmal auf einer Liebesheirat, aber ein wenig gegenseitige Sympathie, das wäre schon schön. Sie erträgt die Kuppelversuche ihrer Mutter mit der Gelassenheit einer liebenden Tochter, die weiß, dass dahinter keine böse Absicht steckt; anstrengend ist das andauernde Schaulaufen auf den prunkvollen Bällen dennoch.

Als der ebenso charismatische wie attraktive Duke of Hastings, Simon Basset, Daphne einen verlockenden Deal vorschlägt, zögert sie nicht lange: Sie beide werden fortan ein verliebtes Paar spielen. Auf diesem Wege steigert die plötzlich 'vergebene' Daphne ihren Beliebtheitswert bei den bisher zurückhaltenden Herren und Simon entgeht der Horde wild entschlossener Mütter, die dem begehrtesten Junggesellen Londons rigoros ihre Töchter zur Heirat aufdrängen. Theoretisch ein genialer Plan - bis Daphne sich ausgerechnet in Simon verliebt…der seine Gefühle für sie schließlich nur vortäuscht und von Anfang an klargestellt hat, dass er niemals heiraten möchte…

Sowohl der angenehme, dem Vokabular der damaligen Zeit angepasste Schreibstil als auch die bildhaften Beschreibungen der Szenerie haben mich begeistert und wie selbstverständlich in das Leben der feinen Londoner Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts eintauchen lassen. Die erotischen Szenen sind sehr geschmackvoll gestaltet und fügen sich perfekt in die Handlung ein. Viele humorvolle Dialoge und Szenen haben mich zudem an den witzigen, kreativen und von Cleverness geprägten Stil meiner Lieblingsautorin Jane Austen erinnert.

Daphne und Simon, aus deren Perspektive jeweils in der dritten Person erzählt wird, wuchsen mir beide schnell ans Herz, und ich freute mich, ihre jeweilige Weiterentwicklung zu verfolgen; jeder der sympathischen Hauptcharaktere durchlebt einen intensiven, äußerst positiven Wesenswandel. Ich bewunderte insbesondere Simons enorme Willensstärke, aufgrund derer er seine einstigen Sprachprobleme in der Kindheit überwunden hatte. Meine heimliche Favoritin war jedoch Daphnes Mutter Violet, die auf den ersten Blick zwar sehr festgefahren in der vorherrschenden typischen Rolle der Frau zu sein scheint, ihre Kinder allerdings über alles liebt und viel geschickter agiert, als diese es ihr zutrauen. Die große Frage, wer denn die ominöse Lady Whistledown ist, die alle Geheimnisse der noblen Gesellschaft zu kennen scheint und diese in ihrem Klatsch-Journal erbarmungslos offenlegt, bleibt auch am Ende des Romans bestehen – ich bin gespannt wie ein Flitzebogen auf die Folgewerke und kann es nicht abwarten, der Sache auf den Grund zu gehen!

Die Cover-Abbildung entspricht der TV-Serie, was mich persönlich zwar nicht stört, da es mir natürlich hauptsächlich um den Inhalt des Werkes geht, aber die Beschreibung des männlichen Hauptprotagonisten hat optisch nichts mit dem Seriendarsteller gemeinsam, was anfangs etwas verwirrend für mich war. Für das Buch hätte ich z.B. die Abbildung einer typisch englischen Landschaft der damaligen Zeit mit schemenhaft angedeuteten Figuren passender gefunden.

Fazit: Ein wundervoller, emotionaler, herrlich atmosphärischer Regency-Roman, den ich allen Austen-Fans wärmstens empfehle!

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Kindermund tut Wahrheit kund

Das Faultier bewegt sich wie Opa von Eva Dignös; Katja Schnitzler

Diese im März 2021 bei Ullstein erschienene Sammlung drolliger Kindersprüche ist ein Garant für gute Laune und herzhaftes Lachmuskel-Training.

Die Sprüchesammlung ist in 15 amüsant-interessante Themenbereiche unterteilt, die neben den gnadenlos ehrlichen Weisheiten der lieben Kleinen stets auch eine Einleitung und kurze Zwischentexte der Autorinnen enthalten, welche die betreffende Aussage in den entsprechenden Kontext setzen.

Meine Lieblingsrubrik war übrigens "Komplimente, die weh tun": Kinder beobachten ihr Umfeld sehr genau – und ehe man sich’s versieht, werden Theorien über die eigene Vergänglichkeit angestellt (immerhin ist man erwachsen, also 'uralt') und Vergleiche gezogen, die einem die (Lach-)Tränen in die Augen treiben können. Im Dialog mit Kindern kann man es sich eben nicht aussuchen, "ob man eine oft unbequeme, manchmal am Selbstbild kratzende Wahrheit gerade hören möchte. Oder verkraftet." Aber welche Mama freut sich denn nicht über die wichtige Information, welcher ihrer Oberarme mehr schwabbelt? Und wer kann sich schon ernsthaft grämen über ein aufrichtiges Kompliment zum 'kuscheligen Schwabbelbauch'?!

Zahlreiche Kapitel sind zudem gespickt mit kleinen Extras - wie Interviews zum Thema Geschwisterstreit oder allgemeinen Tipps zum Familienleben (Haustierhaltung, Umgang mit kleinen Wutmonstern, Aufräum-Taktiken, Taschengeld-Ratgeber, etc.).

Eva Dignös und Katja Schnitzler haben hier aus den Einsendungen der Leser/innen der Süddeutschen Zeitung ein wunderbares Werk gezaubert, das mich herrlich unterhalten hat. Auch im Hinblick auf die Covergestaltung passte für mich alles, vom witzigen Buchtitel bis hin zur lustigen Abbildung in knalligen Farben. Zugegeben, bei einigen Sprüchen, insbesondere zu politischen Persönlichkeiten oder Entwicklungen, habe ich mich kurz gefragt, ob diese tatsächlich von den Kindern oder vielmehr von ihren Eltern stammten; manches wirkte ein wenig sehr gewollt, um nicht zu sagen 'aufgesetzt', dies waren allerdings Ausnahmen.

Fazit: Ein kurzweiliges Gute-Laune-Werk und sicherlich ein tolles Geschenk für werdende Eltern.

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Angenehmer Nordseeroman über Trauerbewältigung und Neuanfänge

Leuchtturmträume von Tanja Janz

Für mich war "Leuchtturmträume" das erste Werk aus der Feder von Tanja Janz, tatsächlich handelt es sich bei dem im März 2021 bei HarperCollins erschienenen Roman sogar um ein 'Jubiläum': Es ist bereits der 10. St.-Peter-Ording-Roman der Autorin, deren Ortskenntnis und Liebe für diese Region in jeder Zeile spürbar ist.

Nach einem traumatischen Erlebnis hat Hoteltesterin Anneke sich von fast allen Menschen zurückgezogen, die ihr wichtig waren: die Nähe ihres Partners Raik ertrug sie nicht mehr, zu ihrer Freundin aus Kindergartenzeiten brach sie jeglichen Kontakt ab. Lediglich mit ihren Eltern ist sie noch in Verbindung und auch das eher sporadisch. Ihr Job führt Anneke rund um den Globus und sie genießt das Gefühl der Rastlosigkeit – ist dies doch ihre ganz persönliche Art der Trauerbewältigung. Für ihren aktuellen Auftrag soll sie romantische Hot Spots im Seebad St. Peter-Ording erkunden und ist gar nicht mal so unglücklich darüber, in der Suite eines schicken Spa-Hotels ein wenig entspannen zu können. Aber dann steht ihr ausgerechnet jener Mann gegenüber, den sie für den schlimmsten Tag ihres Lebens verantwortlich macht…

Das Nordsee-Flair hat die Autorin ganz wunderbar eingefangen, hierin liegt für mich die Stärke des Romans. Allein die stimmungsvollen Beschreibungen der einzelnen Orte und Aktivitäten haben mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert und ich habe Fernweh bekommen. Man lernt quasi zusammen mit Anneke St. Peter-Ording kennen und lieben. Auch die Zeichnung der Figuren ist gut gelungen.

Anneke ist eine sympathische junge Frau, deren anfangs distanziertes Verhalten gegenüber ihren Eltern ich zwar unheimlich traurig fand, ihre Beweggründe jedoch voll und ganz nachvollziehen konnte. Lange Zeit hat sie versucht, der Vergangenheit davonzulaufen. Jeder Mensch geht anders mit Trauer um und in Annekes Fall äußerte sich dies eben in der Vermeidung von Situationen, die den Schmerz wieder heraufbeschworen hätten. Außerdem war es ein wichtiger emotionaler Heilprozess für sie, die Schuldfrage neu zu überdenken. Manchmal helfen hierbei neue Impulse oder neue Bekanntschaften – wie beispielsweise ein Traumurlaub an der Nordsee und eine neue Freundschaft zu der herzensguten Wenke und deren Cousin Bas.

Natürlich wird schnell deutlich, welche Entwicklung sich abzeichnet und das ist auch gut so – alles andere als ein wohlverdientes Happy End hätte dieser tollen Feel-Good-Story einen Teil ihres Zaubers geraubt. Für die Annäherung zwischen Anneke und Raik hätte ich mir noch tiefgründigere Gespräche gewünscht, gerade in Bezug auf die Vergangenheit, und das Ende erschien mir ein wenig übereilt, aber abgesehen davon war ich rundum zufrieden. Ein besonderes Schmankerl waren die Ortskarte sowie die Besuchertipps für St. Peter-Ording und das leckere Champagnertorten-Rezept im Anhang.

Fazit: Eine angenehme Geschichte fürs Herz, die uns in kalten Zeiten auf den Sommer einstimmt.

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Wundervolle Auszeit vom Alltag

Die kleine Bücherei in der Church Lane von Rachael Lucas

Dieser bezaubernde Wohlfühlroman von Autorin Rachael Lucas ist wie gemacht für literarische Fluchten aus dem Alltag, wenn man sich zurücklehnen und einfach der Seele etwas Gutes tun möchte. Ich habe mich mit dieser Geschichte rundum wohl gefühlt, bin dem Charme des traumhaften Settings und der freundlichen Dorfbewohner erlegen und würde am liebsten selbst nach Little Maudley ziehen!

Das Buchcover, dessen leuchtend rote Telefonzelle übrigens ein wichtiges Element der Handlung ist, passt perfekt zur idyllischen Atmosphäre des kleinen Örtchens in den englischen Cotswolds, wohin es die junge Lehrerin Lucy nach einem stressbedingten Zusammenbruch verschlagen hat.

Sie sehnt sich nach Ruhe und kann ihr Glück kaum fassen, dass sie fortan eines der entzückenden kleinen Cottages ihr Zuhause nennen darf. Einzige Bedingung der Vermieterin: Lucy möge hin und wieder nach ihrer Schwiegermutter schauen und ihr unter die Arme greifen. Der 96-jährigen Bunty passt diese Bevormundung überhaupt nicht und sie wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die ihr aufgezwungene Gesellschaft. Doch schon bald haben Lucy und ihr kleiner Hund Hamish sich in das Herz der robusten Seniorin geschlichen, die stets einen frechen Spruch auf den Lippen hat, sich eine Schlange als Haustier hält und so einige Geheimnisse über die Kriegszeit hütet, in der sie an einer Top-Secret-Mission beteiligt gewesen war, wie man im Dorf munkelt. Lucys Interesse ist geweckt - sie hatte im Rahmen eines Forschungsprojektes ohnehin geplant, im nahegelegenen Bletchley Park über das Leben an der Heimatfront zu recherchieren und nun stellt sich heraus, dass bereits in Little Maudley großartige Geschichten darauf warten, von ihr entdeckt und für die Nachwelt niedergeschrieben zu werden. Schnell hat sie Anschluss in der kleinen Gemeinde gefunden, freundet sich mit der sympathischen Hundetrainerin Mel an, lernt den neugierigen Fragen der tratschsüchtigen Dorfladenleiterin Beth auszuweichen und genießt die Gesellschaft von Sam, einem alleinerziehenden Vater, dessen Teenagertochter Freya eine Art Ersatz-Oma in Bunty gefunden hat.

Es ist keine actionreiche, spannungsgeladene Geschichte und natürlich ahnt man schnell, wie die Dinge sich entwickeln werden; trotzdem ist es der Autorin gelungen, dass sich nie Langeweile einschleicht. Man spürt richtig die Entschleunigung, die Erholung, die Lucy in Little Maudley erlebt - sie färbte auf mich ab und ich fühlte mich herrlich entspannt. All die bildreichen, detaillierten Beschreibungen ließen mich komplett in das Setting eintauchen und auch die wie aus dem Leben gegriffenen Figuren wirkten mit ihren Ecken und Kanten einfach authentisch und liebenswert. Erzählt wird in der dritten Person (hauptsächlich aus der Perspektive von Lucy und Sam, aber auch Bunty).

Hinsichtlich Bletchley Park hätte ich zu gerne noch viel mehr über die damalige Rolle der Frauen erfahren, verstehe aber, dass diese Details eher in einen Geschichtsroman gehören würden und werde mich auf jeden Fall näher zu diesem interessanten Thema informieren.

Fazit: Eine reizende, mit Humor und Romantik gespickte Feel-Good-Story über den Zusammenhalt einer Gemeinde, Neuanfänge und Freundschaft! Ideal für Englandbegeisterte, Hunde-Liebhaber und Geschichtsinteressierte.

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Ruhiger, tiefgründiger Roman mit schwermütigem Unterton und kleinen Längen

Die Farbe des Nordwinds Roman. 08.03.2021. Hardback. von Jahn Klara

Der Name der Autorin Klara Jahn war mir zunächst unbekannt; umso mehr freute ich mich, als ich entdeckte, dass es sich hierbei um das Pseudonym einer Autorin handelt, deren äußerst poetischer Schreibstil mir von anderen Werken positiv in Erinnerung geblieben war.

Nach vielen Jahren kehrt Ellen zurück auf jene Hallig, wo sie sich als Jugendliche - geplagt mit einer rastlosen Mutter – das erste Mal heimisch gefühlt hatte.

Ihre einstige Stiefschwester Liske ist alles andere als angetan von Ellens Rückkehr, immerhin hatte deren Weggang sie einst unheimlich verletzt. Dass Ellen nun als Lehrerin dort arbeiten und leben möchte ist für sie undenkbar. Sie hat jedoch nicht mit Ellens Beharrlichkeit gerechnet.

Ich erwartete keinen fluffig-leichten Wohlfühlroman, sondern eine Geschichte mit sehr viel Tiefe und die habe ich auch bekommen. Statt zweit Zeitebenen wird anfangs allerdings gleich auf drei erzählt, neben der Gegenwart unterteilt in ein "damals" (ca. um 1800) und in eine Zeitspanne von vor rund 20 Jahren.

Die Vergangenheitserzählung bietet unheimlich informative Einblicke in das Alltagsleben auf dem Marschland. Dabei wird die intensive Recherche der Autorin offensichtlich. Die Bedingungen waren mehr als hart, die Sitten rau und wirklich beständig war nur die Unbeständigkeit des Meeres, das sich noch nie von den Menschen hat zähmen lassen. So interessant diese Informationen auch waren, hat mich die aktuelle Zeitebene in Sachen Lesegenuss mehr angesprochen. Im Hier und Jetzt war ich mittendrin in der Handlung, abgesehen vom letzten Abschnitt des Werkes, in welchem Vergangenheit und Gegenwart um den Titel der meisten Dramatik konkurrierten und die bis dahin recht ruhige Geschichte endlich an Fahrt aufnahm. Ein weiterer Vorteil der Gegenwartsebene war, dass hier – im Gegensatz zur Vergangenheitsgeschichte - nicht auf die wörtliche Rede verzichtet worden ist, was das Lesen ganz klar angenehmer gestaltete.

Mit den Figuren, allen voran der weiblichen Hauptprotagonistin Ellen, wurde ich leider nicht warm, so sehr ich es auch versuchte. Es war, als würde ich ein Geschichtsbuch lesen, doch obwohl ihre Gedankengänge logisch dargelegt worden waren, ihre Emotionen waren für mich nicht richtig greifbar. Je atmosphärischer und wunderbarer die Beschreibungen der Natur, desto nüchterner präsentiert erschienen mir die Charaktere. Abgesehen von Liske, deren uneinsichtiges, störrisches und schlichtweg unsympathisches Verhalten mich regelmäßig auf die Palme brachte - was ja immerhin bedeutet, dass diese Figur etwas in mir auslöste -, blieben die Protagonisten blass und ich fieberte nur mäßig mit ihnen mit. Diese Distanz blieb über die Dauer des Werkes bestehen.

Den Schreibstil der Autorin habe ich als sehr künstlerisch und bildlich wahrgenommen, wenn auch an einigen Stellen - wie etwa den detaillierten Beschreibungen mancher Vogelarten – ein wenig zu ausschweifend und von einer gewissen Schwermütigkeit durchwoben, die den ganzen Roman über angehalten hat. Hin und wieder etwas Leichtigkeit wäre toll gewesen.

Absolut herausragend ausgearbeitet waren hingegen die Schilderungen vom Leben auf den Halligen, der Einfluss des Meeres auf die Einwohner/innen der Region sowie die Naturbeschreibungen der kargen, schroffen Landschaft. - Das Setting ist für mich das Highlight des Romans. Zudem greift die Autorin das wichtige Thema Klimaschutz auf.

Fazit: Ein größtenteils ruhiges, sehr tiefgründiges Werk über Freundschaft, Selbstfindung, Vergebung, Neuanfänge und das Leben im Einklang mit der Natur. Eher nicht geeignet für Fans von klassischen Feel-Good-Stories oder Liebesgeschichten, aber eine Empfehlung für Liebhaber der Nordsee.

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