Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Marie aus E.:
Witziges und turbulentes Beste-Freundinnen-Abenteuer
Pfeffer & Minze - Zusammen sind wir unschlagbar! (Pfeffer & Minze 1) von Sarah Welk
Sarah Welk mögen wir sehr, ob "Ziemlich beste Schwestern" oder "Sommer mit Opa" - wir haben bislang alle Bücher verschlungen.
Klar, dass wir uns über ein neues Buch sehr gefreut haben und auch hier wurden unsere Erwartungen wieder voll und ganz erfüllt.
Millie und Juna sind beste Freundinnen.
Am liebsten hängen die beiden nach der Schule im Imbiss von Rosi ab. Da gibt es voll leckere Currywurst und Pommes! Yummi! Wenn es da nur nicht so viele Probleme gäbe: zum Beispiel Mathe und Mietschulden. Beherzt stellen sich die Mädels den Herausforderungen...
Das ist sehr, sehr lustig! Millie verwendet die Mathehefte als Tagebücher und schreibt aus der Ich-Perspektive - das ist super, das mag das Kind nämlich am liebsten.
Besonders gut gefällt uns, dass Millie und Juna so denken und fühlen, wie "echte" Zehnjährige. Millie liebt ein bestimmtes Computerspiel, findet Vollkornbrot grässlich und zusammen kommen die beiden auf richtig blöde Ideen. Dass es quasi für eine dieser Ideen gleich noch die Anleitung gibt, findet das Kind sehr lustig, ich nicht ganz so...Außerdem haben die Zwei ein großes Herz, das ist sehr schön.
Ein echtes gute-Laune-Buch, perfekt für das empfohlene Lesealter ab zehn Jahren. Über Freundinnen, bei denen man auch mal verschiedener Meinung sein darf...und Currywurst...und vegane Pancakes...und gebrechliche Kampfhündchen.
Unbedingt Lesen!
Keine Miss Marple, aber gute Unterhaltung
Tod im Trödelladen von Anna Grue
Die Werbung für das Buch hat mit "die dänische Miss Marple" den Mund ganz schön voll genommen.
Das ist sie sicherlich nicht, die Rentnerin Anne-Maj, die ehrenamtlich in einem Trödelladen hilft.
Auch der Spannungsbogen im Buch ist weit entfernt von dem der Meisterin.
Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen.
Es lebt von den Beziehungen seiner Charaktere untereinander. Es menschelt sehr im Trödelladen. Obwohl es ja um nichts geht, ist der Konkurrenzkampf hoch, das war sehr amüsant zu lesen und ist auch gar nicht weit hergeholt.
Auch die Familiensituation der drei Generationen Frauen und Mädchen um Anne-Maj ist nicht ganz unproblematisch und hat noch Potential für evtl. Fortsetzungen.
Was mich bei meiner Print-Ausgabe gestört hat, war der Buchdruck. Die Seiten waren mit unterschiedlicher Intensität von Schwarz gedruckt, das hat beim Lesen irritiert, zumal der blasse Schwarzton auch schwer zu lesen war.
Mein Fazit: man darf sich nicht von der Buchwerbung täuschen lassen und einen ausgefeilten Krimiplot erwarten. Wenn man aber leichte Kost mit gutem Unterhaltungswert sucht, dann ist man hier genau richtig.
Schön und zäh zugleich
Das Fundbüro der verlorenen Träume von Helen Frances Paris
Dot arbeitet in einem Fundbüro in London. Privat kümmert sie sich um ihre demente Mutter und träumt sich mit nicht abgeholten Reiseführern aus dem Fundbüro in andere Länder. Das beschreibt ihre aktuelle Lebenssituation (die schon Jahre so ist) ziemlich abschließend.
Das Buch entblättert langsam, wie es zu der Abschottung Dots kam.
Sehr langsam, wenn ich ehrlich bin, mir hat hier die Dynamik gefehlt, es hat sich schon etwas zäh gelesen.
Dazu kam, dass ich mir Dot in ihrer Lodenuniform und aufgrund ihres Verhaltens als 50+ Jahre alte Frau vorgestellt habe (eher plus plus...) und völlig überrascht war, als irgendwann von um die dreißig die Rede war. Das passte für mich nicht ganz zusammen.
Weiterer Kritikpunkt: Nebensächlichkeiten wie etwa eine bestimmte Unterkunft wurden in epischer Breite beschrieben, haben aber (für mich) so gar nichts handlungsrelevantes gehabt.
Aber: nichtsdestotrotz hat mir das Buch gefallen, man braucht Geduld, die Story an sich hat aber etwas!
Schöne neue Social-Media-World?
Die Kinder sind Könige von Delphine Vigan
Mélanie fühlte sich in ihrer Familie im Vergleich zur Schwester immer ungeliebt.
Als Erwachsene liegt ihr die Social-Media-Welt zu Füßen, sie fühlt sich nun endlich geliebt und angekommen. Ihre Videos auf YouTube und ihre Instagram-Posts haben sie zur Nummer 1 der Family-Influencer in Frankreich gemacht und sichern ein sehr komfortables Familieneinkommen.
Die Stars sind ihre Kinder, Sammy und Kimmy - bis Kimmy entführt wird.
Das Buch spielt zum überwiegenden Teil 2019 und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Man erkennt die Beweggründe der Mutter und sieht ihre Sichtweise, die alles ausblendet, was nicht in ihre Schein-Lebenswirklichkeit passt.
Die Transkription der YouTube-Videos, die auf der Polizeistation nach der Entführung gefertigt wurden, sind dagegen neutral und zeigen eine andere Sicht auf die Dinge.
Das hat mir sehr gut. gefallen. Stück für Stück wird immer deutlicher, welche Auswirkungen die allgegenwärtige Medienpräsenz auf die Kinder hat.
Der Teil ist wie ein Thriller geschrieben - und so erschreckend real.
Der zweite Teil des Buches switcht in die heutige Zukunft, als die Kinder junge Erwachsene sind. Hier wird es fast noch krasser, denn die Kindheit in der Öffentlichkeit prägt die damaligen Kinderstars in einem Ausmaß, dass es Gänsehaut verursacht.
Ein erschreckender Spiegel der heutigen Online-Präsenz des Privaten, hier mit dem Fokus auf Persönlichkeitsrechten von Kindern.
Hallt nach und lässt mich fragen, wie hier in Deutschlang auf das Schutzbedürfnis von Kindern rechtlich eingegangen wird - eine Frage, die ich mir bislang gar nicht gestellt habe.
Dazu spannend und fesselnd geschrieben - ein Buch, das ich jeder Familie nur weiterempfehlen kann.
Vielversprechender Reihenauftakt
Gezeitenmord von Dennis Jürgensen
Zwei Länder, zwei Ermittelnde = Freundschaft
Ein kleines Dorf in Dänemark, an der Grenze zu Deutschland.
Bei einem Wattspaziergang entdeckt ein Junge ein Leiche. Kurz darauf wird seine Begleitung brutal niedergeschlagen und der Junge verschwindet...
Nachdem in dem Ort schon ein Kind verschwand und die Ermittlungen damals dilettantisch geführt wurden, wurden nun gleich zwei Externe hinzugezogen.
Lykke Seit für die dänische Seite - sie darf hier ihren ersten Mordfall leiten.
Und für die deutsche Seite der erfahrene Rudi Lehmann aus Flensburg.
Die beiden sind sich von Anfang an sympathisch und können gut miteinander.
Mir hat das Buch gut gefallen. Ich mochte die Beschreibung der Küstengegend und auch Lykke und Rudi.
Der Spannungsbogen blieb hoch und man hat mitgefiebert und gehofft, dass es ein Happy End für die verschwundenen Kinder gibt.
Was mich ein klein wenig genervt hat, waren die persönlichen Schicksale von Lykke und Rudi. Eine Nummer kleiner oder einfach ein wenig normales Leben wäre mir lieber gewesen, auch die umgehende Vertrautheit von bis dato völlig Fremden, die zum Herzausschüttten geführt hat, fand ich ein wenig arg. Und Rudis ständige Deutschenwitze mit Kriegsbezug, naja.
Davon abgesehen aber eine spannende Story und ein gelungener Reihenauftakt. Ich werde Lykke und Rudi bestimmt bei weiteren Fällen weiterbegleiten.
Nicht vorhersehbar
Kaltherz von Henri Faber
Henri Faber hat es geschafft, mich mit seinem Thriller zu fesseln.
Für Eltern das Schlimmste, was passieren kann: ihr Kind wird entführt, die Mutter hat Marie nur ganz kurz alleine gelassen und als sie zurückkam, fehlte jede Spur von Marie. Ein Albtraum, der nicht endet!
Kim Landsky hat alles andere als eine Bilderbuchkarriere bei der Polizei hingelegt und nun ihre aller-allerletzte Chance, sich zu beweisen.
Sie landet in der Vermisstenabteilung und die Akte zu Maries Verschwinden auf ihrem Tisch.
Was mir hier so gut gefallen hat, war zum einen die für mich authentische Beschreibung der Akteuere. Ganz besonders aber die Szenen, die aus Sicht der kleinen Marie geschrieben wurden, das kam sehr realistisch bei mir an und hat mich auch emotional berührt.
Dann natürlich der Plot an sich. Als oberschlaue Thrillerleserin war ich mir ja ziemlich sicher, wer hier "Dreck am Stecken" hat. Aber mit den Wendungen Fabers habe ich so nicht gerechnet. Von wegen oberschlau! Das war richtig gut gemacht und hat mich ebenfalls begeistert.
Gegen Ende waren dann die Fäden schon relativ entwirrt, trotzdem auch hier nochmal eine Kehrtwende, WOW!
Großes Thrillerkino ohne großes Brutalität, definitiv fünf Sterne wert.
Unverhofftes Glück
Leo und Dora von Agnes Krup
Leopold Perlstein hat noch rechtzeitig die Flucht vor den Nazis nach Palästina geschafft, doch zur Heimat wurde es nicht. Ehemals ein Schriftsteller hat er nun ein bescheidenes Auskommen als Versicherungsvertreter, bis ihn Alma, seine Freundin und Agentin in ihr Landhaus nach Amerika einlädt. Dort soll er endlich wieder ein Buch schreiben.
Es kommt anders als gedacht. Das Landhaus ist abgebrannt und Leo landet in einem bescheidenen Hotel, mit lauter Sommerfrischlern...
Das Buch hat für mich seinen Zauber langsam, aber stetig entfaltet. Es kommt nicht mit lautem Getöse, sondern eher ruhig daher. Und doch ist es für mich zu einem besonderen Buch inmitten der gerade so zahlreichen Sommerfrische-Bücher geworden.
Das Schicksal der Charaktere wird quasi nebenbei erzählt. Leo, der fliehen konnte, aber sich doch so oft an seine alte Heimat zurücksehnt. Seine Familie, von der er getrennt lebt und insbesondere die Tochter, die zurück nach Europa will, ausgerechnet zurück zu den Nazis. Und auch die neuen Bekannten haben alle ihre tragische Geschichte.
Dazu die bescheidene Sommerfrische, einen Einblick, wie das damals war, in einem einfachen Hotel. Die Väter, die am Wochenende zu Besuch kamen und für die Allermeisten ein Leben, das fast ausschließlich aus Arbeit bestand. Im krassen Gegensatz zum zwar nicht ausschweifenden, aber dennoch subventionierten und komfortableren Künstlerleben
Aber es gab sie, die kleinen Glücksmomente. Für alle im Buch Vorkommenden.
Ein besonderer Sommer, der Griesgrämige und Arbeitsbienen wieder nach Vorne schauen lässt.
Ein Buch für die Sommerfrische, ideal mit den Füßen in einem See zu lesen. Ein Stück Mohnkuchen dazu kann auch nichts schaden. Richtig, richtig schön!
Sympathische Interpretation von Selbstversorgung
Selbstversorgung von Marie Diederich
Aktuell ist angesichts ständig steigender Kosten und der krass vor Augen geführten Abhängigkeit auch im Lebensmittelbereich die Sehnsucht nach Selbstversorgung größer denn je. Nachdem ich den Löwenzahn-Verlag auch so gern mag, musste ich das Buch einfach lesen.
Die Autorin hat einen sehr sympathischen Ansatz diesbezüglich.
Eine 100%-ige Selbstversorgung wird schwer, aber es muss ja auch nicht jede*r alles machen.
Sie sagt so wahr "So schön es auch ist, größer zu träumen, so wichtig finde ich auch, sich nicht unter Druck zu setzen. (...) Wenn du deine Tomaten komplett selbst anbaust, bist du Selbstversorger*in: Tomaten-Selbstversorger*in, und das ist absolut großartig!"
Auch sie kauft Kraftfutter für Hühner und Ziegen zu - das finde ich entlasten zu lesen. Kein Zwang nach Perfektionismus, man sucht sich im Buch das aus, was passt.
Und dafür gibt es im Buch eine richtig schöne Bandbreite. Ob Fruchtfolge, Komposthaufen, Standortcheck oder Fehlervermeidung beim Pflanzenziehen (sehr erkenntnisreich für mich die Tipps zu den Tomaten; jetzt weiß ich, warum meine Erne da so spartanisch ist).
Dazu ganz viele Gemüsevorstellungen, alles zu mulchen und düngen und für das Fortgeschrittenen-Level dann auch Tierhaltung. Und noch viel mehr!
Das alles so sympathisch und authentisch geschrieben.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, auch wenn für mich nur ein winziger Teil in Frage kommt (Wolle werde ich wohl eher nie spinnen...).
Ein richtig gelungenes Werk, vor allem für Einsteiger*innen, die noch so gar keinen Plan haben.
Und ich finde das konsequente Gendern super!
Sommermelancholie
Ein unendlich kurzer Sommer von Kristina Pfister
Lale muss weg. Weg aus ihrem Leben, weg vom Vertrauten. Sie fährt planlos bis zur Endstation und landet auf einem etwas heruntergekommenen Campingplatz.
Dort hilft sie dem Besitzer Gustav und lernt Chris kennen.
Die drei sind die Hauptpersonen, um die sich die die Haupthandlung dreht.
Alle drei tragen ihr Päckchen, bei Lale weiß man lange nicht, was geschehen ist, Chris sucht nach dem Tod seiner Mutter seine Wurzeln und Gustav? Gustav spricht nicht besonders viel und verdrängt dafür umso mehr.
Es ist ein leiser Sommerroman, ohne großes Tamtam, tragisch und auch traurig, aber auch mit vielen schönen Sommermomenten. Vor allem aber auch mit der Hoffnung auf einen Neustart und das Hinter-sich-lassen der Vergangenheit.
Besonders gut haben mir hier die Nebenfiguren gefallen, auch drei an der Zahl. Sogar besser als die Hauptfiguren, sie wirkten auf mich so lebendig und ich hatte einen besseren Zugang zu ihnen. Mit Lale, Gustav und Chris habe ich mich stellenweise etwas schwer getan, so richtig nah wurden sie mir nicht, deshalb hat es auch nicht ganz zu fünf Sternen gereicht.
Ein schöner Sommerroman - nicht freibadlaut, sondern eher waldseeruhig.
Sehr abgefahren
Florentine Blix (1). Tatort der Kuscheltiere von Alice Pantermüller
Wir haben hier eine Kuscheltierexpertin im Haus, die außerdem sehr gerne Kinderkrimis liest. Völlig klar, dass wir Florentine Blix kennenlernen wollte, denn mit der Unterschrift "Tatort der Kuscheltiere" hatte sie uns sofort. Dann noch Spannung, Humor und Abenteuer - auf jeden Fall sind wir dabei!
Tja, das mit dem Tatort der Kuscheltiere war eine geniale Marketingidee, mit der wohl alle Kuscheltierfans geködert werden sollten.
Sie kommen schon vor, sind aber genau genommen nicht wirklich von Bedeutung. Da hatten wir uns ehrlich gesagt schon etwas mehr erhofft.
Überhaupt war das Buch völlig anders als erwartet. Wir dachten, es wäre ein witziger Kinderkrimi. Irgendwie war es das ja auch, aber irgendwie eben auch nicht.
Florentine braucht Ordnung, kommt mit anderen Menschen nicht so gut klar (außer ihrer besten Freundin Maja) und mag auch keine Berührungen. Sie ist klug, nimmt aber alles wörtlich.
Es wird nicht weiter thematisiert, aber für Erwachsene ist bald klar, dass Florentine eine Form von Autismus hat. Interessanterweise ist das aber für das Lese-Kind völlig unerheblich - Florentine nimmt halt alles wörtlich, na und? Das ist manchmal lustig, aber mehr auch nicht.
Super gemacht, Florentines Besonderheit wird gar nicht groß in den Vordergrund gerückt.
Zum Krimi: der ist in der Tat sehr (!) abgefahren, wenn man klassische Kinderkrimis mag, wird man hier erstmal überrascht. Florentine ist eben eine Kommissarin für außergewöhnliche Fälle. Für mich war das nichts, das war mir zu wild, ich bin da zu sehr Realistin.
Aber auch hier sagte das Kind auf meine mangelnde Begeisterung: "Ich mag abgefahren, ich fand es super."
Deshalb auch volle Punktzahl.
Auch für die Gestaltung, die Ringbuchoptik und die Illustrationen von Daniela Kohl sind ganz große Klasse.
Gut hat uns auch gefallen, dass es hier deutlich mehr Text gibt als bei "Mein-Lotta-Leben.
Empfohlen wird das Buch ab zehn Jahren, das passt gut, sollte aber m. E. auch nicht unterschritten werden.











