Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Christina P.:
Weniger Rupert, mehr Ostfriesenkrimi
Rupert undercover - Ostfriesisches Finale von Klaus-Peter Wolf
So langsam wird es Zeit für Rupert, sich von seiner Rolle als Frederico Müller-Gonzáles zu verabschieden. Seine Onlinebank gerät in den Fokus der Behörden, zwei Ehefrauen sind eine zuviel, diverse Feinde der Unterwelt gravieren gedanklich seinen Namen auf ihre Patronen - und dann meldet sich plötzlich der totgeglaubte Drogenboss höchstpersönlich am Telefon.
Auch im letzten Band der Spin-off-Trilogie um Rupert lässt der Autor wieder so einige Leute ins Gras bzw. den Ostfriesischen Nordseestrand beißen und diverse Killerinnen und Killer mit gezückten Waffen herumlaufen. Dadurch gerät Rupert für meinen Geschmack etwas zu sehr aus dem Fokus, er wird im letzten Band mehr zur reagierenden statt zur agierenden Person, während seine Polizeikollegen vermehrt ins Spiel kommen. Hilfe gegen die Bedrohung von mehreren Seiten erhält Rupert zudem von Prof. Dr. S., dem aussergewöhnlichen Leiter von Fredericos Privatklinik am Meer.
Spannung und Unterhaltung sind natürlich auch diesmal wieder gegeben, der erwartete Humoranteil von Rupert ist im Vergleich zu den ersten beiden Bänden jedoch geringer. Wunderbar sind auch wieder die kleinen Details, welche der Autor an den Menschen bemerkt und sie somit auf seine Art realistischer gestaltet - da ordert eine Unterweltgröße eben auch mal ein rustikales Mettbrötchen statt Kaviarhäppchen.
Ein solider Abschluss der Spin-off-Trilogie, diesmal mit weniger Rupert-Humor und mehr Ostfriesenkrimi-Anteil.
Wunderschönes Buch über Vorurteile und Freunde
Ich bin doch gar nicht gruselig! von Raahat Kaduji
Ein liebenswert und detailreich gestaltetes Buch über Fredo Fledermaus, der aufgrund eines blöden Vorurteils keine Freunde findet - bis ein mutiges Bärenmädchen die Wahrheit herausfindet und dem mutmaßlichen Monster des Waldes den Schrecken nimmt.
Besonders bewegend ist, wie die kleine Fledermaus voller Liebe Kuchen und Törtchen backt für seine Gäste, die leider nie kommen.
Aber sein Hobby lässt er sich nicht nehmen, so wie er die Hoffnung auf Freunde nicht aufgibt. Entsprechend lässt es sich wunderbar mit Fredo gemeinsam freuen, wenn am Schluss alle Tiere des Waldes zusammen backen, lachen und naschen. Die verschieden Tiere wie Fledermaus, Fuchs, Hase und Maus sind alle liebevoll gezeichnet und machen das Buch auch optisch zu einem Lesevergnügen.
Chiles Vergangenheit, stellenweise nicht lebensnah genug
Violeta von Isabel Allende
Vor 100 Jahren während der Pandemie der Spanischen Grippe geboren, nutzt die Chilenin Violeta die Ruhe der aktuellen Pandemie, um ihrem Enkel Camilo die Zeit ihres Lebens in Briefen wiederzugeben. Zwischen Erlebnissen und Schicksalen von Familien und Freunden zieht sie hierbei auch Bezüge zur Geschichte Chiles.
Historische Zeiträume mittels eines fiktiven Charakters kennenzulernen bietet die Chance, auch Einblick in das Wirken der Geschehnisse auf die Bevölkerung zu erlangen, welche in den reinen Datenangaben der Geschichtsbücher meist völlig unbeachtet bleibt. Mit Violeta wird zudem ein Blick aus Frauensicht und auf die Frauen der vergangenen rund 100 Jahre Chiles geboten, wo ansonsten meist Männer im Mittelpunkt stehen. Wobei die Autorin Violeta ihr Heimatland leider wie ein fiktives Land beschreiben lässt, in denen Orte und Namen meist ebenso fiktiv sind wie Violeta selbst.
Tatsächlich liest sich das Buch größtenteils recht unterhaltsam, insbesondere durch die - wenn auch leicht verfälschten - Details über die Chilenische Geschichte. Die Sorgen und Probleme der Bevölkerung sowie die Gefahren verschiedenster Regierungsformen ließen mich emotional nicht unberührt. Da Violeta die Briefe retrospektiv schreibt, fallen entsprechend auch mal wertende Kommentare über Personen oder Ereignisse. Allerdings beinhalten die Briefe viele Details, welche sie gar nicht selbst erlebt, sondern über Verwandte oder Bekannte erfahren hat wie z. B. zu Beginn über ihre Eltern und ihre Geburt sowie die ersten Jahre ihrer Kindheit, in der sie sich zunächst zu einem verzogenen Nesthäkchen entwickelte, bevor ein Kindermädchen dies änderte. Zwischen all den Personen und deren Leben, über welche Violeta berichtet, bleibt das eigene Leben der fiktiven Erzählerin leider ziemlich unspektakultär. Als junge Frau tappt sie in die rosarot bebrillte Hormonfalle und verwickelt sich in eine toxische Beziehung, dessen Werdegang ich leider überhaupt nicht nachvollziehen konnte und vielmehr dazu beitrug, sie mir charakterlich zu entfremden. Desweiteren betont sie in ihren Briefen wiederholt, wie wenig sie sich ihr Leben lang für die politischen Entwicklungen des Landes interessierte, entsprechend sind die erwähnten Details meist den Schicksalen und Gedanken anderer Personen geschuldet.
Tatsächlich fußt das Buch überwiegend auf den Leben anderer Charaktere, während die Erzählerin selbst über lange Strecken uninteressant bleibt. Ihr Talent, Geld zu verdienen, wird durch die fehlenden Gleichstellungsgesetze der damaligen Zeit unnötig erschwert, wie so manch anderes auch - dafür kämpfen werden aber später andere. Dies ist einer der wenigen Pluspunkte des Romans: Die Darstellung starker Frauen, welche in Violetas Leben traten und für das kämpften, was Violeta selbst einfach so hinnahm, von häuslicher Gewalt bis hin zu mangelnden Rechten in Familie und Wirtschaft. Streckenweise hatte ich wirklich das Gefühl, die erwachsene Protagonistin lebte in ihrer eigenen komfortablen Blase, ließ es sich gutgehen und verschloss die Augen vor dem Elend in der Welt. Entsprechend distanziert schildert sie so manch historische Zustände, unter welchen die Bevölkerung grausam leiden musste und wird dem Ganzen auf diese Weise meines Erachtens nicht gerecht. Obwohl doch genau dies die Punkte wären, welche die Leser am meisten emotional berühren würden. Gleichzeitig nimmt sie sich in ihren Briefen das Recht heraus, über andere zu urteilen, wovon selbst der Enkel, an den die Briefe gerichtet sind, nicht verschont bleibt. Das verlieh den Briefen mit der Zeit einen etwas faden Beigeschmack. Ebenso zieht sich das Buch zum Ende hin, es kommt zu unnötigen Längen und Wiederholungen.
Im Ansatz sowie grundsätzlich ein interessantes Buch, welches die Sorgen und Nöte der chilenischen Bevölkerung, insbesondere der Frauen, während der verganenen 100 Jahre leider nicht ausdrucksstark genug darstellt. Zudem beschreibt die fiktive Erzählerin meist die aufregenden Leben anderer, während ihr eigenes Leben über Längen unspektakulär bleibt. Entsprechend gebe ich 3,5/5 Punkten.
Ein frecher Schädel und des Pudels Kern
Die Schattensammlerin - Dichter und Dämonen von T. S. Orgel
Frankfurt am Main, 1830 A.D.: Die junge Museumsangestelle Millicent Wohl wird Zeugin eines Raubüberfalls auf einen befreundeten Museumsangestellten. Trotz sofortiger und äußerst wagemutiger Verfolgung verliert sie den Täter aus den Augen. Das Diebesgut entpuppt sich als Leihgabe des Geheimrats Johann Wolfgang von Goethe an das Senckenberg-Museum und sein Gehilfe bittet Milli kurz darauf um Mithilfe bei der Wiederbeschaffung des Stücks.
Die Schattensammlerin konnte bei mir auf voller Länge punkten. Angefangen beim herrlich unterhaltsamen Stil: Wortwitz und Situationskomik gehen Hand in Hand mit versteckten Anspielungen und so manchen Anlehnungen an Goethes Werk Faust, Pudel inklusive. Keine Sorge, Action und Spannung kommen hierbei keinesfalls zu kurz. Die Frauen in der Erzählung zeichnen sich durch starke Charaktere aus, allen voran die wagemutige Milli, die sich eine aktive Teilnahme an der Suche nach dem Dieb einfach nicht ausreden lässt. Geheimrat Goethe erlebt man hier als grummeligen alten Mann, der aber noch so einiges auf dem Kasten hat. Für Action sorgen gemeinsam mit Milli jedoch seine beiden Gehilfen, der geheimnisvolle Abaris sowie der Kutscher Heinrich, welche beide für so manche Überraschung sorgen.
Tatsächlich begibt man sich in diesem historischen Roman auch in den Bereich des Magischen, angefangen bei einem magischen Schädel mit großer Klappe bis hin zu diversen Figuren, welche die Autoren so manchen Sagen und Legenden entnommen haben. Doch auch Unmagisches bereichert das Abenteuer wie diverse historische Details und Begebenheiten.
Mit diesem Buch haben die Autoren eine hervorragend unterhaltsame und stellenweise auch amüsante Kombination aus Fantasy und historischem Roman geschaffen, dessen Grenzen gekonnt ineinander übergehen. Ein aussergewöhnliches, magisch-gefährliches Abenteuer.
Alice im Wunderhotel
Das Hotel - ein Mysterythriller von Katharina V. Haderer
Endlich Urlaub - so beginnt das Abenteuer von Alice, als sie ihren Koffer öffnet und durch das Hotelfenster das Meer erblickt. Die all-inclusive-Anlage entpuppt sich dabei schnell als ein Hotel, welches nicht nur alle Wünsche erfüllt, sondern seine Gäste fast schon zur Wunscherfüllung zwingt. Entsprechend spooky entwickelt sich die Atmosphäre rund im Alice sehr bald und sie beginnt, einige Dinge zu hinterfragen - sehr zum Missfallen der Hotelmitarbeiter.
Endlich Urlaub - so spooky, wie sich das Hotel anfangs entwickelt, kam mir leider zunächst auch Ich-Erzählerin Alice selbst vor. Ihre ignorante Arroganz sowie manche ihrer Gedanken wirkten auf mich sehr befremdlich, so dass ich hauptsächlich wegen ihres Charakters zunächst nicht so recht in die Handlung reinfand. Dass sich ihr eigenwilliger Charakter später als auschlaggebend für die Handlung entpuppte entschädigte ihr anfangs so anstrengendes Verhalten.
Meine Sorge, es könne sich hierbei um einen Mystery-Roman handeln, war zum Glück unberechtigt. Alles, was zunächst mehr oder minder surreal erscheint, kann die Autorin mit einer realistischen Kulisse erklären. Wer im Hinterkopf behält, dass Magie nur Technologie ist, welche man sich noch nicht erklären kann, könnte während des Lesens auf die richtige Spur kommen. Dank einiger unvorhersehbarer Wendungen schaffte die Autorin es dennoch, mich mit der Auflösung noch zu überraschen.
Wer mit Alice in Katharina V. Haderers Hotel reist, muss sich nicht nur auf ein paar unerklärlich wirkende Phänomene einstellen, sondern wird nach einem evtl. etwas holprigen Urlaubsstart sowohl mit einem unerwarteten Romanaufbau sowie einer ausgefallenen Hintergrundstory belohnt.
Das All-you-can-eat-Buffet wehrt sich - kurzweiliger SF-Trash
Do not eat! von Kevin Hearne
Kevin Hearne hat sich den Spaß erlaubt, Aliens auf der Suche nach einem neuen Heimatplaneten die Erde in Betracht ziehen zu lassen. Entsprechend wird das Mutterschiff für den Rückflug mit Menschen nur so vollgestopft - sechs Wissenschaftler, um den Planeten besser kennenzulernen, der Rest als Reiseproviant.
Damit die Gruppe der sechs nicht versehentlich verspeist wird, wird ihnen der Einfachheit halber ein Shirt mit der Aufschrift „Do not eat!“ angezogen. Zudem geben sich die Aliens alle Mühe, den Vorurteilen der Menschen gegenüber Aliens gerecht zu werden, damit sie sich wohl fühlen. Dass die Gruppe sich das nicht lange gefallen lässt wird ebenso schnell klar wie die Tatsache, dass sich der Autor schon bald genüsslich in Kraftausdrücken und Kampfszenen austobt.
Ein nicht ganz ernstzunehmender, kurzweiliger Lesespaß, schräg und blutig, bei welchem es auch schon mal etwas derber wird. Schade, dass ca. das letzte Viertel im Buch aus einer Leseprobe eines anderen Romans besteht.
Abenteuer zwischen Riesenmücken und Knallfröschen
Victor Flec - Auf der Spur der Geistertiere von Angela Kirchner
In der Welt von Victor Flec geht es spannend weiter. Durch das Abenteuer im ersten Band sind unzählige Geistertiere in unsere Welt gelangt, aus den verschiedensten Epochen und von der Riesenmücke bis zum Dinosaurier ist alles dabei. Einige dieser Geistertiere wurden sogar magisch mit Gegenständen verbunden, ähnlich den Wandlingen, und haben nun besondere Eigenschaften wie z.
B. die Lupenkuh, durch deren Bauch man alles vergrößert sieht. Zunächst werden die Tiere im ehemaligen Zoo von Ghostend, der Stadt der Geister, untergebracht. Victor Flec und seine beste Freundin Ciel Moon können es kaum glauben, als sie dank Ciels Großmutter und Geist Albert, für den Victor nebenbei jobbt, Zutritt zum streng bewachten Zoogelände erhalten. Natürlich bleibt den Kindern nicht verborgen, dass dort irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht, und sie beginnen gemeinsam mit ihrem neuen Geisterfreund Nemo heimlich zu ermitteln. Eine alles andere als ungefährliche Entscheidung.
Der zweite Band steht dem ersten in puncto Unterhaltung in nichts nach. Besonders einige der Wandeltiere haben hier für so manchen Humor gesorgt, ebenso Victors kleiner Gecko sowie eine besonders anhängliche Geisterkatze, die Nemo schon bald auf Schritt und Tritt verfolgt. Victors Tollpatschigkeit wurde diesmal stark aus dem Fokus genommen, dafür wird Nemos Unsicherheit, ob er nach all der Zeit mit seinem Mafiaboss-Vater wirklich echte Freunde haben kann, recht gut dargestellt.
Auch der zweite Band gestaltet sich schnell zu einem fantastischen Pageturner voller Action, Spannung und Humor, den man einfach nicht mehr aus der Hand legen möchte.
Einblick in die Welt der Traumproduktion
Das Kaufhaus der Träume von Miye Lee
Was wäre, wenn es einen Ort gäbe, an dem unsere Träume von kreativen Künstlern liebevoll erstellt und im Tausch gegen Emotionen erworben werden könnten? Abenteuerträume, romantische Träume, Erinnerungsträume, ja selbst Albträume gäbe es dort im Sortiment, manche sogar nach Kundenwunsch erstellt und zum vorher festgelegten Zeitpunkt ausgeliefert.
Autorin Lee Mi-ye hat sich für uns an die Fersen von Penny geheftet, einer jungen Bewohnerin des Ortes, und diese besondere Welt der Träume durch Pennys Augen für uns ausgekundschaftet.
„Meiner Meinung nach ... gleichen Schlaf und Traum ... in diesem sich hektisch fortsetzenden linearen Leben einem Komma, das vom Gott der Zeit gesetzt wurde.“ (Zitat Penny, S. 32)
Penny beginnt ihre Anstellung im Kaufhaus Dallergut, der ersten Adresse für Träume nebst vielen kleinen Traum-Manufakturen im Ort. Neben der Legende, auf welcher dieser Ort basiert, lernt man nach und nach verschiedene Traumproduzenten sowie Traumarten beispielhaft kennen. Dabei ist das Buch episodenhaft aufgebaut, Penny bleibt als eine Art Bindeglied gemeinsam neben den anderen Bewohnern des Ortes eher im Hintergrund. Entsprechend gibt es auch keinen eindeutigen roten Faden, anhand dessen sich der Roman bis zu einem Finale entlang hangelt, sondern man erlebt eher auf fantastische Weise die Welt hinter den Träumen sowie einige Träumende und was ihre Träume ausmachen und bewirken.
Das Worldbuildung bleibt ebenfalls sehr dezent, da es weniger um das Erkunden der Welt geht als vielmehr um das Wirken der Träume. Hier sind es die kleinen Details, wie dass die Träumenden barfuß und im Pyjama in den Ort kommen, welche das Buch bereichern.
Neben der fantastischen Idee gefielen mir auch die eingewobenen Bezüge zu realen Problemen, Begebenheiten und gesellschaftlichem Verhalten. Auch wenn Penny in erster Linie eine Art Stilmittel ist, um die Welt auszukundschaften, empfand ich sie als ein wenig zu desinteressiert und naiv, um Interesse für ihren Charakter zu entwickeln, schade. Zudem wunderte ich mich, dass ein für alle Zeitzonen geöffnetes Traumkaufhaus ausverkauft sein konnte - an dem Punkt, wie an einigen anderen, war die Geschichte noch nicht so ganz stimmig. Was den Lesegenuss aber nur geringfügig minderte.
Das Kaufhaus der Träume ist eine liebevolle Idee einer Welt mit Traum-Manufakturen und Traumkünstlern, welche statt des gewohnten, westlichen Superlativs einen episodenhaften Einblick in diesen besonderen Ort bietet.
Spannend und emotional
Das Kaufhaus der Träume von Miye Lee
Das Finale der spannenden Urban Fantasy Serie rund um die Londoner Totenbändiger gibt nochmal alles. Die vierte Unheilige Nacht steht bevor und somit auch das letzte Ritual, um die verborgenen Zwillinge ihren Trägern Cam und Blaine zu entreißen. Zwar ist Cam gegenüber Blaine wissentlich im Vorteil und weiß, was das Ende des Rituals noch für ihn bereithalten würde, doch ist fraglich, ob seine Freunde und Familie ihn rechtzeitig aus Cornelius Carltons Gefangenschaft befreien können.
Jeder Menge Action, Spannung und tragischen Momenten folgen im Anschluss noch Szenen aus dem Leben der Hunts und ihrer Freunde, welche die Serie angenehm ausklingen lassen. Mit diesem finalen Band schafft die Autorin es, am Ende ein wohliges Gefühl zu hinterlassen und dass keine weiteren Fragen offen bleiben. Ein wunderschönes Ende einer sehr gelungenen Serie!
Gute Idee völlig unrealistisch umgesetzt
Die versteckte Apotheke von Sarah Penner
London, Ende des 18. Jahrhunderts: Für die Probleme der Frauen gibt es einen Geheimtipp, eine versteckte Apotheke, in welcher Nella die passenden Mittelchen unter der Hand an ihre Kundinnen verkauft. Egal, ob es sich um Migräne, Menstruationsbeschwerden oder den untreuen Ehemann handelt, für alles weiß Nella eine Lösung, welche den Frauen Linderung verschafft.
Manchmal auf radikale Weise. Auch die 12-jährige Eliza benötigt ein Mittel für ihre Hausherrin, deren Gatte immer mehr zum Problem wird. Fasziniert von der Möglichkeit der vielen Reagenzien steht Eliza schon bald erneut bei Nella im Raum.
London, Gegenwart: Die Amerikanerin Caroline reist allein nach London, um den Kopf frei zu bekommen. Sie steht vor einem Umbruch im Leben, an welchem nicht nur ihr untreuer Ehemann Schuld trägt. Doch erst ein Zufallsfund beim Mudlarking in der Themse weckt ihr über die Jahre eingeschlafenes Interesse, historische Details zu recherchieren. Hierbei stößt sie schon bald auf Nellas Vermächtnis.
Ich freue mich über Bücher, in denen starke Frauen Geschichte schreiben, gern auch im Wechsel mit Szenen in der Gegenwart. Die Beschreibung deutete darauf hin und der Einstieg hatte auch zunächst einen gewissen Sogeffekt auf mich. Was dann folgte war leider enttäuschend. Die vermeintlich intelligenten Frauen wurden mal wieder unnötig dämlich präsentiert. Da wär z. B. Nella, die aus persönlichen Gründen anderen Frauen eine giftige Revanche gegenüber der Männerwelt ermöglichen will und verständlicherweise im Geheimen arbeitet. Dann aber notiert sie sich detailliert, welcher Frau sie welches Gift für welches Opfer mitgegeben hat - bei einer Entdeckung das Todesurteil für die halbe Londoner Damenwelt! Warum macht sie solch einen Blödsinn, aus romantischer Verklärtheit? Mir völlig unverständlich. Ebensowenig wie Caroline, die in die Hausfrauenfalle getappt ist und für ihren Ehemann und dessen Karriere sämtliche eigenen Zukunftspläne auf Eis legte, bis dieser andere Frauen interessanter fand. Und nun versinkt sie in Selbstmitleid und findet einen geheimen Raum mitten in London gelegen, welchen die letzten 200 Jahre niemand entdeckt haben soll? Zu blöd, bei nächtlichen Erkundungen eine Taschenlampe mitzunehmen oder wenigstens ihr Smartphone vorher aufzuladen ist sie zudem, was die Frauenwelt selbst in der Gegenwart mal wieder unnötig dämlich wirken lässt. Als sie dann auch noch auf die primitive Mitleidstour ihres Ehemanns hereinfiel wär mir fast der Kragen geplatzt, ebenso dass sie Bestätigung von anderen benötigte, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Sind Frauen in den Augen der Autorin so? Ich hoffe nicht!
Stilistisch wird die Handlung aus den Perspektiven von Nella, Eliza und Caroline erzählt, was eine angenehme Abwechslung mit sich bringt. Dass alle drei Frauen unnötig naiv und theatralisch präsentiert werden in verschiedenerlei Hinsicht zeichnet enttäuschenderweise ein veraltetes Frauenbild, nach welchem das weibliche Geschlecht zu blöd ist, um vorrausschauend zu planen oder logisch zu denken und am Ende sowieso auf die Männerwelt hereinfällt. Diverse weitere unlogische Details unterstreichen das Ganze noch zusätzlich. Positiv zu erwähnen wär lediglich noch der Anhang mit ein paar von Nellas Rezepten, die sind ganz unterhaltsam zu lesen.
Naive Klischeecharaktere und eine unrealistische Handlung werden hier leider dem Versuch, ein starkes Frauenbild zu präsentieren, in keinster Weise gerecht.










