Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Christina P.:
Internatsclique besiegt magische Bedrohung
Ashfield Academy - Der Ruf des Wasserspeiers von Sophie Oldenstein
Ein Stipendium ist der Grund, warum Nicky an die Ashfield Academy kommt, ein Internat nahe eines urigen kleinen Ortes und voller reicher Schnösel. Sogar das Mittagessen besteht hier aus Schnösel-Gerichten! Bloß nicht negativ auffallen, den falschen Löffel benutzen oder so. Gemeinam mit ihren neugewonnenen (unschnöseligen) Freunden erfährt sie kurz darauf nicht nur, dass sie magische Fähigkeiten besitzt, sondern auch von einem uralten magischen Geheimnis, verschwundenen Kindern und einer Macht, die sie nur gemeinsam bekämpfen können.
Der Roman lebt stark von Erlebnissen und Interaktionen statt langer Beschreibungen und Grübeleien. Dadurch schreitet die Handlung schnell voran, ohne Langeweile auch nur den Hauch einer Chance zu bieten. Aussergewöhnlich ist die Freundesclique rund um Nicky, alle haben ihr Stärken, Schwächen, Macken oder Handycaps und müssen zunächst als Team zusammenwachsen. Die magischen Fähigkeiten der Magiebegabten sind ebenfalls vielfältig, wobei nur ein Bruchteil der Schülerinnen und Schüler Magie wirken kann. Und die Bedrohung, welche es zu besiegen gilt, fordert einiges an Mut, Vertrauen und Kreativität von den Jugendlichen. Die Gargoyles auf dem Cover bieten hier einen ersten Anhaltspunkt. Vor langweiligen Unterrichtsstunden wird mal beim Lesen verschont, dafür gibt es mit Norvilles Novitäten einen faszinierenden Laden der ganz besonderen Art, welchen die Kinder wiederholt im Ort aufsuchen.
Die Ashfield Academy ist für alle Magie- und Abenteuerfans einen Besuch wert und bietet ausreichend Material für eine ebenso gelungene Fortsetzung.
Fahrt mit dem Taxi ins Glück
Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche von Yasushi Kitagawa
Dieser Roman ist eines der Asian Healing Bücher, welche der Leserschaft geschickt einen Weg zu anderen Denkweisen und Perspektiven aufzeigen. Gemeinsam mit einem Versicherungsvertreter, der von sich überzeugt ist, vom Glück verlassen worden zu sein, steigt man in ein ganz besonderes Taxi. Der Fahrer steuert daraufhin einzelne Zielorte an, welche dem Mann zu mehr Glück verhelfen könnten.
Doch hierfür müssen Denk- und Sichtweise erst einmal neu ausgerichtet werden.
Anhand des zunächst mürrisch-frustrierten Shûichi Okada erfährt man hierbei auf unterhaltsame Weise, welche kleinen Details zu mehr Glück führen könnten. Wie gehe ich mit mir selbst und meinen Mitmenschen um? Wie mit Misserfolgen? Muss ich gar zunächst in späteres Glück investieren? Lauter Stellschrauben, die Shûichi Okada mit der Zeit lernt umzusetzen, bis er nicht nur mit sich selbst im Reinen und dadurch glücklicher ist, sondern auch seiner Familie eine Portion Glück beschert.
Der Taxifahrer bleibt angenehm besonnen, spricht nie mit fiktiv erhobenem Zeigefinger, sondern erklärt Zusammenhänge, die Gründe für Erfolge und Misserfolge und wie man selbst aus letzteren etwas Positives ziehen kann.
Ein hervorragend geschriebenes Buch mit einer sehr gut nachvollziehbaren Charakterentwicklung und vielen Denkanstößen, welche man für sich mitnehmen kann.
Emotionale Queer-Romance basierend auf einer chinesischen Legende
Legend of the White Snake von Sher Lee
In einer Welt, in welcher es Magie und Naturgeister gibt, sucht Prinz Xian verzweifelt nach einem Heilmittel für seine Mutter, welche vor Jahren durch den Biss einer weißen Schlange erkrankte. Das Orakel prophezeit ihm, in Changle eine weiße Schlange zu finden, welche seine Mutter heilen könnte. In offiziell politischer Mission macht sich Xian also mit seinem Gefolge auf an den Hof von Changle.
Ebenfalls auf dem Weg dorthin sind Zhen und seine Schwester, um sich am Hof etwas Geld zu verdienen. Was niemand weiß: die beiden sind Schlangengeister. Und Zhen ist eine weiße Schlange.
Natürlich laufen die beiden jungen Männer sich über den Weg, und natürlich kommt es zu einer gewissen Anziehung zwischen den beiden, welche auch eine besondere Bedeutung hat. Ein großer Pluspunkt des Romans an dieser Stelle ist der Perspektivenwechsel zwischen den beiden. Zhen hat seine Geheimnisse, und eines davon bereitet ihm ein so schlechtes Gewissen, dass er mehr darunter leidet, als er überhaupt müsste. Sein emotionaler Part ist sehr einfühlsam und bewegend. Prinz Xian ist hin und hergerissen zwischen der Sorge um seine Mutter, seinen Gefühlen zu Zhen und den Forderungen des Hofmagiers, die Suche nach der Schlange voranzutreiben. Hier ist Xians Charakterentwicklung sehr interessant, welche seine Entscheidungen stark beeinflusst, wenn auch nicht immer in bester Weise, wie er später feststellen muss.
Ein schönes Extra sind die magischen Hintergründe, welche einige Geschehnisse sowie das Handeln mancher Charaktere verdeutlichen. Der Fokus liegt auf den Charakteren, weniger auf dem Weltenbau. Und das ist hier auch völlig ausreichend, da das emotionale Auf und Ab mitsamt allen HIndernissen für ausreichend Spannung sorgt. Eine emotional mitreissende SlowBurn-Romantasy vor fernostasiatischer, historischer Kulisse für Jugendliche und alle Junggebliebenen.
Wenn ein Cold Case zum Hot Case wird
Ungelöst - Die erste Zeugin von Arno Strobel
Neuer Thriller, neue Spannung. Mit der Reihe UNGELÖST lernen wir Luisa Menkhoff kennen, der auf einem Vermisstenplakat die einstige Partnerin ihres damaligen Entführers Dr. Lichner entgegenblickt. Kurzentschlossen geht sie zunächst privat der Sache nach und meldet einen ersten Verdacht bei der Münchener Polizei.
Dort soll Ramin Brunner den Fall übernehmen. Ramin hat gerade die Zusage erhalten, eine neue Cold Case Abteilung aufbauen und leiten zu dürfen, dieser Fall soll sein letzter in seiner bisherigen Abteilung sein. Dabei staunt er nicht schlecht, als er erfährt, dass Medizinstudentin Luisa ein eidetisches Gedächtnis besitzt und sich an jedes Detail der einstigen Entführung in ihrer Kindheit erinnern kann. Und die simple Vermisstenmeldung entpuppt sich zudem schnell zu ein perfiden Verbrechen.
Mich konnten sowohl die Hauptcharaktere wie auch der Fall selbst überzeugen. Luisa beeindruckt mit ihrer Zielstrebigkeit ebenso wie mit ihrer Gedächtnisleistung, welche sie zugleich auch als Belastung beschreibt. Diese Differenzierung empfand ich als sehr wichtig für ihren Charakter. Wer Arno Strobels weitere Romane gelesen hat, dem wird der Name Menkhoff bestimmt ein Begriff sein, der u.a. auch in der Reihe Mörderfinder vorkommt. Ermittler Ramin Brunner ist nicht nur äusserst fokussiert, sondern kann auch sehr gut mit Menschen umgehen. So bekommt er einen Kollegen zur Seite gestellt, den alle als Problemkollege bezeichnen, während Ramin die Empathie und Toleranz aufweist, um mit ebendiesem Kollegen recht schnell ein gutes Team abzugeben. Zudem eiert Ramin gedanklich nicht so rum wie andere Ermittelnde sondern ist sehr zielgerichtet. Und der Fall selbst bietet ausreichend Spannung mit ein paar Verschnaufpausen und samt einigen gut platzierten Wendungen.
In meinen Augen ein gelungener Auftakt in eine neue Thriller-Reihe mit überzeugenden Charakteren und einer straffen und spanennd gestalteten Handlung.
Gewalt, die Wellen schlägt wie ein Stein im Wasser
Eine zu viel von Samantha Hayes
Der Patriarch ist tot. Im Ferienhaus der Familie plant die Witwe Connie bei einem gemeinsamen Treffen mit ihren Töchtern mitsamt Partnern und Enkelkindern, diese über das Testament ihres Mannes zu informieren. Ein letzter Wille, der sie dazu zwingt, ein fürchterliches Geheimnis zu offenbaren. Nur ist Connie nicht die einzige, die ein schwerwiegendes Geheimnis mit zum Familientreffen bringt.
Und manche Geheimnisse enden tödlich.
Die Autorin spielt zunächst mit mehreren Andeutungen, die zwar subtil, dennoch erkennbar auf Connies Geheimnis hinweisen. Eine später eingeschobene Rückblende, gekonnt platziert, schildert die Hintergründe des Geheimnisses aus Connies Perspektive, ohne jedoch zu früh zuviel zu verraten. Insgesamt werden die Personen so dargestellt, dass der erste Eindruck nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen muss, sich Gewalt hinter Charme verbirgt, Unsicherheit hinter Härte, Leid hinter Stärke. Positiv ist zudem, dass die Perspektiven sich abwechseln, das macht das Miträtseln etwas angenehmer.
Die Andeutungen und Wendungen sind für meinen Geschmack gut gewählt, so dass einige Vermutungen sich bewahrheiten, während andere sich als Irrtum herausstellen können. Bei manchen Personen fand ich die Charakterentwicklung recht gut gelungen, einige konnten mich sogar überraschen, während andere Personen leider etwas blass blieben. Ja okay, und gewisse Probleme hätten in dem Ausmaß vermieden werden können, hätten die Personen rechtzeitig miteinander kommuniziert. Am bewegendsten ist allerdings, wie männliche Gewalt hier seine Wellen schlagen kann bis in die Folgegeneration und wie das Ganze mit dem Treffen im Ferienhaus in einem tödlichen Höhepunkt mündet.
Ein Roman voller bewegender Details und Momente
The Artist von Lucy Steeds
Voller Erwartungen reist der britische Journalist Joseph Adelaide 1920 in die französische Provence, in der Tasche eine Einladung des zurückgezogen lebenden Malers Édouard Tartuffe. Dieser behauptet, keine Ahnung von einer Einladung zu haben, doch seine Nichte Ettie gibt Joseph kurzerhand als neues Modell für ein geplantes Bild aus.
Joseph darf bleiben. Doch dem misanthropen wie exzentrischen Künstler ist kaum ein interessantes Detail zu entlocken. Hätte Joseph doch nur von Beginn an sein Augenmerk auch auf Ettie gerichtet, denn mit ihrem Geheimnis hätte er nie im Leben gerechnet.
Das Buch lebt von so vielen Aspekten. Überzeugen konnte mich die lebendige Beschreibung der Umgebung, der Natur, des Nachbarortes sowie des abgelegenen Gehöfts, auf das der Maler sich damals aus der Großstadt zurückgezogen hat. So konnte ich mir beim Lesen jede Szene nicht nur bildhaft vorstellen, sondern in einem gewissen Rahmen auch miterleben. Fasziniert haben mich die Einblicke in die Malvorgänge des Künstlers sowie aller aufwendigen Vor- und Nacharbeiten durch die Nichte. Joseph ist natürlich auf alles neugierig und benötigt Details, um seine Leserschaft bei Laune halten zu können. Nicht nur das viele Material und Werkzeug, sondern auch das Arrangieren der Motive, der Einfluss von Licht und Zeit sowie die Wahrnehmung eines Künstlers seiner Umwelt waren ein spannender Input. Und zu guter Letzt ein Thema von aktuell hoher Brisanz: Misogynie und das bewusste Kleinhalten einer Frau durch den Mann, damit dieser sich groß fühlen kann, in Kombination mit strategischer Inkompetenz.
Man erlebt und interpretiert die Situation vor Ort quasi durch Joseph, der zunächst völlig unbedarft und mit großer Ehrfurcht an den Künstler heran tritt und den Blick für die Wahrheit erst mit der Zeit und fast nur durch Zufall gewinnt. Als heutige Frau hatte ich vieles davon schnell in Verdacht, während Joseph als Mann der damaligen Zeit mit einer völlig anderen Perspektive und Erwartungshaltung startet. Und dennoch kann ich sagen, insbesondere eine gewisse Überraschung hat mir sogar angenehme Schadenfreude bereiten können.
Die Handlung an sich zieht sich stellenweise ein wenig, dennoch bin ich der Meinung, das ist notwendig, damit Joseph glaubhaft seinen Blickwinkel neu ausrichten kann. Das etwas langsame Voranschreiten ist das Einzige, was mir beim Lesen des Romans Durchhaltevermögen abverlangte. Ansonsten konnte mich das Buch durch die oben genannten positiven Aspekte überzeugen. Entsprechend von mir 4,5 von 5 Pinseln (wobei ein zerbrochener Pinsel sogar im Buch eine nicht unwichtige Rolle für Ettie gespielt hat).
Adaption der Geschichte eines einst grausamen Tyrannen
Ein Kranich unter Wölfen von June Hur
Der Roman basiert auf den Chroniken, die vom tyrannischen König Yeonsangun der Joseon-Dynastie zu Beginn des 16. Jh berichten. Eine ähnliche Adaption mit anderen Schwerpunkten kannte ich bereits von der Serie Bon Appétit, Your Majesty, wodurch ich überhaupt erst von diesem Tyrannen erfahren habe.
In dieser Adaption lässt der König Yeonsan Unmengen junger Frauen entführen, damit er sich mit ihnen umgeben, sich an ihnen erfreuen und sie nach Lust und Laune misshandeln kann. Eine dieser Frauen ist Suyeon, die ältere Schwester der 17-jährigen Iseul. Und Iseul hat sich auf den Weg gemacht, um Suyeon zu befreien, auch wenn sie überhaupt keinen Plan hat, wie. Doch auch die Männer im Umfeld des Königs leiden unter dessen brutalen Tendenzen, werden zu tödlichen Spielen und Misshandlungen gezwungen und so einiges mehr. Dessen Halbbruder Prinz Daehyeon plant, den König zu stürzen, doch hierfür sind starke Verbündete nötig. Durch Zufall kreuzen sich die Wege von Iseul und Daehyeon und aus Feinden werden langsam Verbündete.
Der Roman ist definitiv keine Romance mit Geflirte am Königshof und schönen Gewändern, sondern eine Kombination von Charakteren, die mit einem harten Schicksal zu kämpfen haben. Es gibt noch einige weitere Charaktere und Nebenhandlungen, die alles zu einer angenehm komplexen Story erweitern. Eine Story, die ich als ziemlich bewegend und spannend zugleich empfunden habe. Hier wird definitiv nichts romantisiert, die schönen Momente müssen hart erkämpft werden. Und gerade deswegen konnte mich die Erzählung auf voller Länge überzeugen.
Neue schwarzhumorige Trilogie um den Arzt, den Frauen wollen
Sommerfeldt Solo - Der Auftrag von Klaus-Peter Wolf
Nie hätte ich gedacht, dass die Sidestory um Dr. Sommerfeldt bereits in die dritte Trilogie-Runde gehen könnte. Wie gewohnt startet auch diese Side-Story zu Klaus-Peter Wolfs Ostfriesenkrimis deutlich schwarzhumoriger als die eigentliche Krimireihe.
In der Unterwelt wurden die Karten neu gemischt und der Brasilianer Luis Berreta hat als neues Oberhaupt so einiges vor im Norden.
Das hat Bernhard Sommerfeldt auch, doch niemand weiß, wo er wirklich steckt, sowohl Berretas Schergen als auch das BKA und deren Ninjas tappen im Dunkeln der Unwissenheit. Mit einer auf den ersten Blick raffinierten Falle soll Sommerfeldt den Behörden ins Netz gehen. Doch Sommerfeldt räumt das Feld von hinten auf, zur Not mit Ka-Wumms. Und mit Berreta hat er noch eine ganz besondere Rechnung offen, seitdem Frauke nicht mehr an seiner Seite ist.
Der Roman lebt auch diesmal wieder von K-P Wolfs Einblicken in die Psyche und Gedanken der Beteiligten, von Action, Humor, und Ruperts manchmal etwas zweifelhaften Loyalität. Die Handlung ist verständlich aufgebaut und bietet ein paar unerwartete Überraschungen. Inhaltlich schließt die Handlung an die Mörderisches-Paar-Trilogie an. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen.
Überzeugend gezeichnete Umsetzung einer packenden Story
Cryptos - Die Graphic Novel von Ursula Poznanski; Christopher Tauber; Timo Grubing
Cryptos ist eines meiner Lieblingsbücher von Ursula Poznanski, welches ich als Hörbuch bereits rauf und runter gehört habe. Ich liebe die vielen virtuellen Welten, die sich zuspitzende Spannung, wer oder was Jana Pasco bedroht, und die Handlung nach dem großen Wendepunkt mit dem Ziel, erfolgreich für etwas Wichtiges zu kämpfen.
Entsprechend neugierig war ich natürlich auf die zugehörige Graphic Novel: Kann mich der Stil überzeugen? Wie nah am Original ist diese Version? Und wie sehen die vielen Welten und Wesen denn nun aus?
Zur in meinen Augen phänomenalen Story selbst muss ich nichts sagen, stattdessen stürze ich mich mal auf die Umsetzung als Graphic Novel. Timo Grubing als Illustrator ist mir bereits ein Begriff, seine Liebe zum Detail ist hier ein klarer Vorteil. Nicht zur hat er die Panels dynamisch und detailreich gestaltet, sondern auch jeder Welt einen eigenen Farbcode bzw. Stil verpasst. Was z. B. zur Folge hat, dass Jana in jeder Welt stilistisch verändert aussieht, jedoch noch immer als Jana erkennbar ist. Dadurch fühlt sich jeder Sprung durch die Welten gleich viel lebendiger an. Auch sind Emotionen und Stimmungen sehr gut erkennbar. Inhaltlich wurde das Original an einigen Stellen notwendigerweise gekürzt, um die Handlung straff und spannend zu halten. Hätte ich die herausgekürzten Sidestories oder zusätzlichen Ausschmückungen einiger Szenen nicht gekannt, ich hätte sie hier nicht vermisst.
Am Ende der Graphic Novel gibt es noch einen kurzen Einblick zur Entstehungsgeschichte basierend auf dem Roman, also ein wenig zu Skript und Skizzenentwürfen. Ein interessantes kleines Extra. Ich kann die Graphic Novel allen empfehlen, egal, ob die Story bereits bekannt ist oder nicht. Die graphische Umsetzung ist definitiv jede einzelne Seite wert!
Eine Art Episodenroman über mehrere Fälle einer Strafverteidigerin
Feine Risse von Elisa Hoven
Eva Herbergen ist eine Strafverteidigerin des älteren Semesters. Einige kennen sie bereits aus Elisa Hovens Roman Dunkle Momente, ich durfte sie mit diesem Buch neu kennenlernen. Das funktionierte auch ohne Vorkenntnis der ersten Bandes recht gut.
Obwohl Eva in ihrer Karriere bereits viel gesehen und erlebt hat, dem Einfallsreichtum der Straftäter/innen sind keine Grenzen gesetzt.
Gegliedert ist der Roman in mehrere Einzelfälle, welche Eva Herbergen betreut, der Aufbau erinnert hierbei an einen Episodenroman. Der Stil der Autorin ist angenehm fokussiert, ohne sich in Fachvokabular oder endlosen Gerichtsszenen zu verlieren. Ihr Hauptaugenmerk liegt weniger darauf, den Lesenden ein Mitermitteln zu ermöglichen wie bei einem Krimi. Vielmehr darf man die Fälle aus Evas Perspektive erleben, also mitsamt ihren Gedanken, Emotionen und Zweifeln. Dabei hat sie Eva als Ich-Erzählerin so gut platziert, dass ich mich wiederholt daran erinnern musste, dass nicht Eva die Autorin ist, sondern nur ein fiktiver Charakter. Begleitend durch das ganze Buch gibt es eine Gegebenheit in Evas Privatleben, welche ebenfalls eine gewisse kriminalistische sowie ethische Relevanz hat.
Die genannten Fälle erinnern an TrueCrime-Fälle in abgeänderter Form und mögen dadurch versierten TrueCrime-Fans bekannt vorkommen, was der ethischen Sichtweise keinen Abbruch tut. Bei einigen Fällen war ich von der Arroganz und Abgebrühtheit, mit welcher die Täter davonzukommen glaubten oder gar tatsächlich davon kamen, regelrecht schockiert, während andere Fälle sich in moralische Grauzonen verschieben, über die sich gut in Lesegruppen diskutieren ließe.
Für mich ist Feine Risse eine gelungene Entdeckung einer interessanten Autorin, deren Schweibweise angenehm strukturiert ist, ohne die Menschen an sich aus den Augen zu verlieren oder sich auf Effekthascherei zu stürzen. Ein Buch, dass es zu lesen lohnt!











