Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Christina P.:
Düster-amüsanter Einstieg, unterwegs mit einigen Längen
The Dark Lord's Guide to Dating (and Other War Crimes) von Tiffany Hunt
Lord Kazimir Blackrose, vielen auch bekannt als Dark Lord, steht kurz vor der Weltherrschaft. Einzig die Magie des Allmacht-Artefakts fehlt ihm noch. Dumm nur, dass dieses seine Kraft erst rausrückt, wenn er mit einem Nachfahren (m/w/d) des Ersten Helden eine eheliche Verbindung eingeht. Doch woher so einen Nachfahren nehmen, wenn nicht stehlen? Moment, stehlen? STEHLEN!
Das Universum hat einen grausamen Sinn für Humor.
(...) Das Potential apokalyptischer Macht... fein säuberlich verknüpft mit der größten Schwachstelle, die ich seit Jahren gehabt habe. (Zitat S. 52)
Nach intensivem Brainstorming entscheidet Kazimir sich, Lady Arabella Evenfall zu entführen, die gerade mit der Kutsche in die Sommerresidenz unterwegs ist. Gesagt, getan, auch wenn Arabella ihm ordentlich Contra bietet. Dass Kaz ihr dabei zugleich den Gefallen getan hat, sie aus den Fängen ihres Vaters zu befreien, der sie wie eine Trophäe weggesperrt hat, ahnt er nicht. Arabella hingegen sieht schnell ihre Chancen, die sich ihr in der Schwebenden Festung des Dunklen Lords bieten, und handelt einige Bedingungen zu ihren Gunsten aus, bevor sie die offizielle Dark Lady wird. Win-Win für beide. Anfassen ist natürlich verboten! Vorerst...
Ich habe schon zuvor Menschen verführt. - Ja. Um an Geheimnisse zu kommen oder sie abzulenken, bevor du ihnen die Kehle durchschneidest. (Zitat S. 148)
Das war meine erste Dark Fantasy, die in der RomCom-Variante überraschend amüsant an den Start ging. Jedenfalls hab ich gleich zu Beginn so einige Male vor mich hin schmunzeln müssen. Mit Arabella wird Kaz im Roman eine Gegnerin auf Augenhöhe präsentiert, die sich nichts gefallen lässt und somit dem passiven Blödchen- oder Mistress-in-Distress-Klischee die kalte Schulter zeigt. Regelrecht gefeiert habe ich, wie sie immer mehr Gefallen an den magischen Kräften findet, welche sich ihr in ihrer neugewonnenen Fast-Freiheit bieten.
Der Dark Lord ist übrigens in erster Linie nach außen hin düster und gnadenlos, man(n) muss schließlich an seinem Image arbeiten. Im Kreise seiner engsten Vertrauten ist er eher der strenge, aber (im Rahmen seiner Möglichkeiten) faire Chef. Bella gegenüber maximal provokant frech, ohne übergriffig zu werden.
Mit der Zeit kommen zur Handlung ein paar politische Intrigen dazu und das Artefakt zickt auch ein wenig rum. Und was wäre Fantasy ohne Drachen? Genau, unvollständig.
Einzig ermüdend waren die x Wiederholungen irgendwelcher Trainingsstunden für Bella, die haben mir für die Handlung gar nichts gebracht ausser ein paar wiederholter Flirtereien zwischen Kaz und Bella. Was jetzt nicht sooo spannend war, da sie ihre expliziten Szenen im Buch längst hatten. Die waren wiederum recht abwechslungsreich, wenn auch etwas platzeinnehmend. Ebenso hätte ich das Klischee nicht gebraucht, dass man(n) direkt nach einem erschöpfenden Endkampf doch noch genügend Energie für eine Runde Rambazamba direkt vor Ort hat (ist wohl so ein Dark Lord/Lady Ding).
Mit deutlich weniger Trainingseinheiten und etwas weniger Rambazamba hätte die Handlung die Straffheit eines Knackpos gehabt und mich vollends überzeugen können, so hing mir die Spannung in der zweiten Hälfte wiederholt einige Male zu sehr durch.
Dies ist der erste Band einer Trilogie. Ich werde auf jeden Fall weiterlesen, denn ich glaube, da braut sich noch irgendwas Böses zusammen, was es zu bekämpfen gilt. Warten wir es ab.
Nicht ernstgemeinte, amüsante Anleitung zur Verteidigung
BuHonDo von Markus Heitz
Da heutzutage kaum noch jemand mit Steintafeln rumläuft, sondern zum gedruckten Buch greift (oder einer digitalen Variante), musste sich auch die Kunst der Verteidigung entsprechend anpassen. Als Sensei (Meister) des BuHonDo, der Kunst der Selbstverteidigung mit Büchern, weiht uns Markus Heitz mit diesem Buch in die Geheimnisse dieser Verteidigungskunst ein.
Das nicht ganz ernstgemeinte Lehrbuch gibt Tipps zur richtigen Buchauswahl und Fingerhaltung, zur Wahl der Buch-Extras wie Lesebändchen und besonderen Buchcovern sowie Ausweichmöglichkeiten bei Nutzung von e-Readern. Als Geheimtipp sei der berüchtigte Papercut zu nennen, welcher einer vorherigen Übung bedarf.
Beispielhafte Illustrationen ergänzen dieses kurzweilige Lehrbuch.
Keine Erfolgsgarantie, für Schäden haftet der jeweilige Anwender selbst.
Historische Dark Academia Romance
Society of Death. Von Rache verführt von Regina Meissner
Die Studentenvervindung Skull&Bones der Universität Yale bietet sich aufgrund der vielen Theorien und Geheimnisse, welche um sie ranken, ausreichend Potential für Dark Academia. Passenderweise hat die Autorin sich dazu entschieden, die Handlung vor rund 150 Jahren zu platzieren. Entsprechend fand ich Emerys naive Faszination, als er zu den Auserwählten zählt, äusserst glaubhaft beschrieben.
Wer will nicht einer Gruppe von Best Buddies angehören, die einem Tür und Tor öffnet? Dass sich die kleinen Mutproben und Gefälligkeiten, welche hierfür notwendig sind, auch mal als Mord an einem unbequemen Politiker herausstellen können, kann ja niemand ahnen. Vor allem nicht, dass das anvisierte Opfer ausgerechnet Victorias Bruder ist.
Während die Autorin mit Emery den ahnungslosen Mitläufer perfekt darstellt, konnte mich Victoria allein schon durch ihren Charakter überzeugen. Sie ist eine der Frauen, deren wißbegieriges Potential zur damaligen Zeit leider unnötig kleinzuhalten versucht wurde. Dass Emery in sie verliebt ist verdeutlicht nur sein Dilemma: Die hilfreichen Buddies auf der einen Seite, die Liebe seines Lebens auf der anderen.
Die Zeit ist gut gewählt und ich empfand die (fiktiven) Details als wirklich gut beschrieben. Ebenso mochte ich Victorias Szenen sehr, während mir bei Emery manches Mal der charakterliche Biss fehlte. Das Tempo verbleibt im Schnitt eher gemächlich.
Starke Charaktere, altbekanntes Muster
Where Colors Die von Saskia Louis
Yara kann Magie aus Farben ziehen. Eine Magie, die sehr mächtig, im Zweifelsfall sogar tödlich ist. Als Prinzessin der Regenbogenfae soll sie ein Bündnis mit Jareth, dem König des verfeindeten Sturmvolkes, eingehen, als Symbol des Friedens nach langen Jahren des Krieges. Ihr zukünftiger Ehemann ist nicht nur deutlich älter als sie, sondern hat auch den Ruf, ein gnadenloser Kriegsherr zu sein.
Der wird sich noch wundern, er wäre nicht der erste Ehemann, mit dem Yara kurzen Prozess gemacht hätte. Doch auch Jareth hat seine Pläne.
In weiteren Rollen dieser Welt voller Machtspielchen und politischer Intrigen finden sich neben den Regenbogenfae und den Sturmherrschern: Eisengel, Sanddrachen, das Volk der Luna sowie das niedere Volk der Menschen (ohne irgendwelche besonderen Fähigkeiten).
Normalerweise liebe ich die Romane von Saskia Louis, egal ob Fantasy oder nicht. Vor allem das Feuer zwischen den Protagonisten, die sich bei ihr stets auf Augenhöhe begegnen, kann sie sehr gut hervorkitzeln. Umso enttäuschter war ich, als ich feststellen musste, dass dieses Buch nicht zu mir passt. Das kam völlig unerwartet.
An Yara liegt es nicht, sie ist ein klasse Charakter, nicht auf den Mund gefallen und auch sonst lässt sie sich nicht herumkommandieren. So habe ich es von Saskia auch erwartet. In Jareths Burg findet sie schnell Anschluss an die anderen Bewohnenden, ebenso mag ich, wie vertraut sie mit ihrer Halbschwester ist. Ihre einzigen Schwachpunkte: Ihr fehlen die politischen Hintergründe (was als Angetraute eines Königs ungünstig ist und weswegen sie keinen wirklich durchdachten Plan für irgendwas vorweisen kann) und sie findet Jareth unerwartet hothothot.
Auch die bereits erwähnten Mitbewohner in Jareths Burg sind auf ihre Art klasse dargestellt und waren nicht nur eine gelungene Überraschung, sondern vor allem eine echte Bereicherung.
Woran es bei mir hakt wäre in zwei Stichworten gesagt: Worldbuilding und Jareth.
Das Worldbuildung: Die benachbarten Völker sind hier so verschieden in Aussehen und Fähigkeiten wie sonst die Bewohner benachbarter Planeten bei Star Trek; und die Fähigkeiten sind teilweise wirklich extrem. Und das, obwohl deren Länder alle nebeneinander auf einem Kontinent liegen (im Buch ist übrigens eine Landkarte des Kontinents Pentharos, hierfür ein Pluspunkt).
Jareth: Es geht schon mit dem immensen AgeGap los, was ich so gar nicht mag (sie ist Anfang 20, er ist im dreistelligen Bereich älter als sie, was man ihm natürlich nicht ansieht). Okay, als alleinigen Kritikpunkt hätte ich drüberwegsehen können. Hinzu kommt leider das Standard-BadBoy-Klischee, welches ich hier vermehrt vorfand: er rückt ihr gegenüber nicht mit Infos raus, ist künstlich abweisend (Teenager-Verhalten eines mehrere Jahrhunderte alten Mannes wohlgemerkt!), steht natürlich insgeheim auf sie und hält toxisches Verhalten für ungemein sexy (liest er heimlich Dark Romance?). Während Yara denkt, seine verletzte Seele mit ihrer Zuneigung heilen zu können, damit er nicht mehr so grumpy sein muss. Echt jetzt?! Und auch das Vertrauen zwischen Yara und Jareth ist ein einziger Tanz: Kaum geht es ein, zwei Schritte voran, kommt irgendwas ans Licht oder verhält sich irgendwer ungünstig, so dass das Vertrauen wieder ein bis zwei Schritte rückwärts wandert. Das passiert wiederholt und wird dadurch vorhersehbar und langweilig.
Ohne diese künstliche Geheimniskrämerei, dieses Pseudo-Grumpy und das vorhersehbare Vertrauens-Auf-und-Ab hätte mir das Buch trotz des dezent übertriebenen Worldbuildings wohl noch gefallen. So waren mir das jedoch zuviel Kritikpunkte. Und bevor ich den Hinweis vergesse: Ein paar explizite Szenen hat Saskia diesmal ebenfalls mit eingebaut. Von mir 3/5 Sternglocken (Yaras Lieblingsblumen).
Workshop der menschlichen Abgründe
When We Were Monsters von Jennifer Niven
Effy ist eine der Glücklichen, die einen streng limitierten Platz im Januar-Workshop ihrer Eliteschule ergattern konnte. Über sechzehn Tage wird eine preisgekrönte Schriftstellerin acht Jugendlichen in einem abseitig gelegenen Herrenhaus der Akademie alles über Immersives Storytelling beibringen.
Ein exklusiver Workshop, der die Teenager an ihre Grenzen treibt.
So wenig, wie die Teenager wussten, was sie erwartet, war ich auf das Buch vorbereitet. Entsprechend packte mich die Handlung auch mit voller Wucht. Die Schriftstellerin fordert die Jugendlichen zu immer kreativeren wie gefährlicheren Mutproben heraus mit der Begründung, man müsse schließlich fühlen, worüber man schreibe, um sein Publikum überzeugen zu können. Ansonsten werde man gnadenlos von ihr aussortiert. Neben diesem Druck, vor den anderen nicht als Versager dazustehen bzw. eine einmalige Chance wegen Feigheit zu versäumen, kommt die Lage des Herrenhauses, welche die Teenager komplett von der Außenwelt abtrennt, auch digital. Eine perfekte Kulisse für Psychospielchen von einer Person, die abgründige Geheimnisse verbirgt.
Die Erzählperspektive wechselt ab zwischen Effy und ihrem Exfreund Arlo, der ebenfalls an dem Workshop teilnimmt. Die Atmosphäre ist beklemmend, das Haus ein einziges Labyrinth und bis die Schüler sich vor lauter Rivalität zu einem Team zusammenfinden, kann die Schriftstellerin ihre manipulativen Pläne verfolgen und sie subtil gegeneinander ausspielen. Vor allem die Mutproben, zu welchen die Schüler angestachelt werden, sind emotional ziemlich packend geschrieben und verdeutlichen den Machtmissbrauch. Ansonsten lebt das Buch weniger von Spannung als vielmehr von dieser latenten Bedrohung, welche beim Lesen spürbar ist.
Leistungsdruck, Machtmissbrauch und tödliche Geheimnisse, inszeniert vor einer bedrückenden Kulisse eines einsamen Herrenhauses. Dieser Jugendthriller reißt einen emotional mit.
SMILE - wir übernehmen Ihren Job!
Die talentierte Frau Shim von Kang Jiyoung
Name: Shim Eunok
Alter: über 50
Familienstand: Witwe, 2 Kinder
Beruf: arbeitslos
Besondere Fähigkeiten: Erfahrung als Metzgerin, kann gut mit Messern umgehen, kocht gern
Auf diese koreanische Thrillerkomödie war ich richtig neugierig. Eher aus Zufall bewirbt Frau Shim sich auf eine Stelle bei der Smile Detective Agency und wird dort als Freelancerin unter Vertrag genommen.
Nach einem kurzen Crashkurs übernimmt sie die Mordaufträge, denn wer würde sie als Auftragskillerin verdächtigen? Nur ihre Kinder dürfen davon nichts mitbekommen.
Vom Verlag wird dieser koreanische Bestseller mit einem Kaleidoskop verglichen. Tatsächlich passt dieser Vergleich hier sehr gut, denn die Handlung ist ein wenig wie ein Episodenroman aufgebaut, bei dem jedes Kapitel sich um eine Person im näheren Umfeld von Frau Shim bzw. der Detektei SMILE dreht. Neben den Aufträgen gibt es da Kollegen, Nachbarn, Familie, das Konkurrenzunternehmen HAPPY PLANNING und noch ein paar mehr, deren Hintergründe nach und nach beleuchtet werden. Und mit der Zeit greifen diese einzelnen Episoden immer mehr ineinander über. Es ist also kein langweiliges Aneinanderreihen von Aufträgen, welche Frau Shim nun abarbeitet, sondern ein aufeinander aufbauendes Muster.
Zu Beginn des Buches findet sich eine Kurzübersicht der Personen, um die es sich im Roman dreht. Einige Szenen sind wirklich ganz amüsant, während manche Schicksale wiederum durch brutale Nüchternheit überzeugen. Frau Shim bleibt durch den Roman hinweg eine sympathische wie bodenständige Person und wie es sich für eine Komödie gehört gibt es natürlich auch ein Happy End.
Asian Healing Fantastik mit kleiner Überraschung am Ende
In der Bibliothek der magischen Katze von Sanaka Hiiragi
Ist dies der schlimmste Tag deines Lebens? Dies wird Chisa von eine schwarzen Katze gefragt, nachdem ihr Verlobter sie für ihre beste Freundin sitzengelassen hat, sie bestohlen wurde und jetzt auch noch verletzt in einer Seitengasse liegt. Kurz darauf findet sie sich in einer riesigen Bibliothek wieder mit der Aufgabe, das Buch ihres Lebens zu verfassen.
Die Autorin schafft es, die zunächst ausweglose Situation der Protagonistin darzustellen, bevor diese in der Bibliothek auf andere Menschen trifft, die ebenfalls vor dem schlimmsten Tag ihres Lebens geflüchtet sind. Auf einfühlsame Weise gewährt die Autorin uns Einblick in die Schicksale der jeweiligen Personen, deren Sorgen und Ängste völlig unterschiedlich wiegen mögen, deswegen jedoch nicht weniger belastend für die jeweils Betroffenen sind. Auf verschiedenen Wegen tauschen die Personen sich aus, reden sich die Sorgen von der Seele, lernen andere Sichtweisen kennen und können gestärkt in ihre Leben zurückkehren. Ein magischer Twist verbindet einige der Menschen zum Schluss auf besondere Weise, was man nur als Lesende/r erkennt.
Mir ist die Autorin bereits seit ihrem Roman Die Erinnerungsfotografen ein Begriff und ihre Art, geschickt die Perspektiven zu verschieben, ohne den Zeigefinger dabei lehrend zu erheben, passt perfekt zur Kategorie Asian Healing Fiction (Asiatische Romane für das emotionale Wohlbefinden).
Wenn die Maus die Katze jagt
Du kriegst mich nicht von Chris Carter
Samantha hat ihre Ehemann erfolgreich wegen seiner Gewalttaten hinter Gitter gebracht. Unter neuem Namen reist die frisch Geschiedene nun durch die US-Bundesstaaten, um ihre Spuren möglichst zu verwischen. Immerhin hat sie ihren Ex um einige Millionen erleichtert. Und der sinnt auf Rache.
In der ersten Hälfte des Romans lässt Chris Carter uns nach einem kurzen Einblick in die Gerichtsverhandlung an Samanthas Leben auf der Flucht teilhaben.
Als Mary Smith lebt sie in der ständigen Angst, jemand könnte sie ausfindig machen und im Namen ihres Ex Rache an ihr verüben. Etwaige Verfolger weiß sie entsprechend abzuschütteln. Bis sie den Mann kennenlernt, für den sie ihre Vorsicht aufgibt.
Ab der zweiten Hälfte nimmt die Handlung dann eine unerwartete Wendung. Gern hätte dies bereits früher geschehen können, da ich von Marys Leben auf der Flucht zu lesen auf Dauer etwas eintönig empfand. Tatsächlich hat Chris Carter eine besondere Wendung eingebaut, welche ich zumindest im Groben bereits von ihm erwartet hatte. Dennoch entwickelt sich die Handlung plötzlich mit zunehmender Geschwindigkeit in eine Richtung, mit der selbst ich nicht mehr gerechnet hatte. Für meinen Geschmack war mir der Schluss zu überzogen, die Intention dahinter, welche zugleich als überraschende Auflösung fungiert, fand ich wiederum sehr gut ausgedacht und in sich stimmig.
Ein Standalone-Thriller, dessen Anfang zunächst trügerisch ist. Besonders ab der zweiten Hälfte zieht der Spannungsbogen stark an und der Roman überschlägt sich zum Ende hin fast schon vor Überraschungen.
Die ist Idee ist gut, doch die Handlung zu zäh und redundant gestaltet
The Remarried Empress 1 von Alphatart
Erfolgreich herrschen Kaiserin Navier und Kaiser Sovieshu über das Östliche Imperium. Bereits seit Kindertagen verbindet die beiden eine innige Freundschaft. Diese gerät in starke Schieflage, als Sovieshu eine junge Frau mit an den Hof bringt, welche er in einer seiner Jagdfallen fand. Von diesem Moment an ist der Kaiser nicht mehr er selbst, wirkt der entlaufenen Sklavin Rashta regelrecht wie verfallen und macht sie zu seiner Konkubine, während Navier souverän den Palastalltag aufrecht zu erhalten versucht.
Was in Webtoons und Mangas funktioniert mit lauter kleinen Nebenhandlungen und Andeutungen, welche zunächst nicht weiter verfolgt werden, wirkt in der Lightnovel leider auf Dauer zäh und redundant. Der Kaiser zeigt wiederholt das Verhalten eines trotzigen Vorschulkindes, das die Wahrheit verleugnet. Die Konkubine ist, je nachdem, wie es gerade passt, entweder clever genug für Ränkespiele oder bar jedweder Sozialkompetenz, als wäre sie ein menschgewordenes Schoßhündchen, dem man sämtliche Tollpatschigkeit durchgehen lässt. Und die Kaiserin geht zu oft gedankliche Retourkutschen durch, ohne davon etwas auszusprechen (obwohl diese wirklich gut sind), weswegen ihr der Kaiser und seine Konkubine weiterhin fröhlich auf der Nase herumtanzen können. Auf diese Weise mutiert die anfangs so starke Kaiserin schnell zum passiven Opfer, das von ihrem cleveren Helden gerettet werden muss. Der veraltete Klassiker. Interessant ist auch, dass es in dieser Welt Magie gibt, wovon auch alle wissen, doch wird diese nie als Ursache für irgendwas in Erwägung gezogen wie z. B. das sonderbare Verhalten des Kaisers. Und das, obwohl sogar eindeutige Anspielungen im Buch gemacht werden. Das empfand ich als enttäuschend.
Einzig die Entwicklung der Freundschaft zwischen der Kaiserin Navier und Kronprinz Heinrey des Westlichen Königreichs bzw. (dessen) Vogel Queen war ganz unterhaltsam und spannend zu verfolgen. Das Geheimnis hinter dem Vogel Queen wird gleich zu Beginn gelüftet, was der Handlung hier und da eine angenehme Komik verleiht. Doch auch hier wieder meine Kritik, dass die sonst so schlaue Kaiserin trotz des Wissens um Magie sowie eindeutiger Hinweise auf die einfachste Lösung nicht kommt.
Der Kreis zur Anfangsszene, in welcher Navier eine Scheidung zustimmt und sich zugleich mit Heinrey vermählen will, wird leider aufgrund des zähen Voranschreitens der Handlung längst nicht geschlossen. Illustrationen sind im Buch nicht vorhanden.
Ethisch höchst fragwürdiger Humor
Das habe ich wegen dir getan von John Lanchester
Kate und Jack sind ein wohlhabendes Londoner Ehepaar in ihren 50ern. In der neuen Fernsehserie Betrug rechnet die junge Drehbuchautorin Phoebe scheinbar mit den beiden ab, da die Serie pikante Details ihrer Ehe preisgibt, ohne Kate und Jack hierbei namentlich zu benennen.
Das Buch wird als Rachekomödie vermarktet; was der Autor an seinem Roman als Komödie versteht kann ich jedoch nicht nachempfinden.
Kates Perspektive wird aus ihrer subjektiven, für sie geschönten Sicht erzählt. Wer jedoch wiederholt betont, wie ach so sozial das Ehepaar doch sei, ist dies in der Regel nicht. Und so wird nach und nach der Leserschaft offenbart, welcher Typ Mensch Kate und ihr Ehemann in Wirklichkeit sind, die sich uns gegenüber zunächst als erfolgreich und beliebt darzustellen versucht. Dem gegenüber steht Phoebe, die hinter der Serie steht, deren Erfolg sie etwas überrumpelt hat. Sie ist clever und kreativ, hatte es jedoch nie leicht in ihrem Leben und wirkt dadurch charakterlich vom Leben gezeichnet.
Nachdem beide Frauen ihre jeweiligen Perspektiven bekommen haben fokussiert sich der Autor im Anschluss stark auf Kate um zu verdeutlichen, warum Phoebe die Serie geschrieben haben könnte. Kates (und Jacks) positive Fassade bekommt hierbei immer mehr Risse, sie verliert an Sympathie. Und holt letztendlich zu einem fiesen Gegenschlag aus, dessen Auswirkungen in meinen Augen völlig überzogen sind. Damit dies funktioniert, wendet der Autor das an, was viele Männer in der Medienbranche seit Jahrzehnten gerne tun, damit die Handlung die gewünschte Richtung einschlägt: Er macht Phoebe künstlich dumm. Eine Drehbuchautorin, die davon lebt, kreativ um die Ecke zu denken, soll plötzlich die einfachsten Hinweise nicht erkennen können?! Welch beschämender Betrug an der Leserschaft! Zudem wird Phoebe nur oberflächlich beschrieben, ihr Leid emotional kaum greifbar dargestellt, so dass sie zur stereotypen Kratzbürste verkommt. Und das soziopathische Verhalten, welches sich durch den Roman schlängelt wie eine giftige Ranke, wird vom Autor in keinster Weise moralisch hinterfragt oder bewertet sondern eher wie als Jux für die Endszene gefeiert.
Aufgebaut auf subjektiven Eindrücken einiger beispielhafter Szenen lebt das Buch von unreflektiertem, soziopathischen Fehlverhalten und ich-bezogenen Rachegedanken nebst unlogischer Charakterdarstellung. Eine Komödie mag das Buch höchstens für Menschen sein, die sich an Gehässigkeit und Schadenfreude bereichern.











