Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Christina P.:
Emotionsgeladene Botanical Horror-Romance
Hazelthorn von CG Drews
Ihr wollt mal was anderes lesen? Ein Buch mit regelrechter Sogwirkung? Mit mysteriösen Charakteren, einem geheimnisvollen Anwesen voller verwilderter Pflanzen und einem Hauch Boys-Love? Ein Buch, das euch emotional auf mehreren Ebenen mitreißt wie ein nicht zu stoppender Erdrutsch? Dann herzlich willkommen auf Hazelthorn Manor.
In diesem Anwesen ist Evander eingesperrt, solange er denken kann. Unter Drogen gesetzt vom Hausdiener, hat er nur gelegentlichen Kontakt zu seinem Vormund, dem alten Byron. In seinen Träumen trifft er sich mit Laurie, Byrons Enkel, zu dem er sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt. Und noch andere Fantasien begleiten Evander, die er nicht zu deuten weiß.
Dynamik kommt ins Spiel, als Evander plötzlich sein Zimmer verlassen kann. Von hier an nimmt die Handlung gewaltig an Fahrt auf: Verschiedene Personen kreuzen sein Leben, seine Fantasien verändern sich und er nimmt Kontakt zu Laurie auf. Alles Situationen, mit welchen Evander erstmal emotional zurechtkommen muss. Doch das gewaltige Geheimnis des Anwesens Hazelthorn, welches sich im Laufe des Romans offenbart, ist nichts, womit Evander je gerechnet hat. Und der Weg dahin, jedes weitere freigelegte Detail, ist so genial geschrieben und mit latentem Grauen durchsetzt, dass ich das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Das Buch punktet defintiv auf mehreren Ebenen. Allein Evander als Perspektive ist aussergewöhnlich, da seine Sicht der Dinge komplett anders ist als gewohnt. Seine Wahrnehmung und seine Versuche, die Wahrheit herauszufinden, schlagen ungewohnte Pfade ein, landen in Sackgassen und schlagen sich durch Dornenranken, wenn es sein muss. Ebenfalls ist seine Beziehung zu Laurie schwer zu beschreiben, so eine Mischung aus Anziehung und überbordender Gewaltfantasie. Macht euch selbst ein Bild, zum Schluss ergibt alles einen Sinn, doch der Weg dahin ist nervenzerreißend.
Schräge Geisterjagd mit Frenemy und Bad-Boy
The Girls Ghostbusting Agency - Kooky Spooky Love von Josie Silver
Diesmal hält ein Schloss mit von den Menschen arg angenervten Geistern Melody Bittersweet ebenso auf Trab wie Frenemy Leo (ihr Ex) sowie der hotte Pseudo-Bad Guy und Journalist Fletch.
Der Auftrag: Die neuen Besitzer eines alten Schlosses wollen dies kommerziell nutzen. Dafür sollen bitte die darin spukenden Geister schnellstmöglich vertrieben werden, Geld spielt keine Rolle.
Bereits im ersten Band hat mir die Dynamik innerhalb der Girls Ghostbusting Agency sehr gefallen, diesmal können Melody, Marina und Azubi Art samt vierbeinigem Sidekick Lestat nochmal so richtig auftrumpfen. Natürlich will auch Melodys Ex-Freund Leo sich den Auftrag nicht entgehen lassen, der gemeinsam mit seinen dreisten Assistentinnen nicht unbedingt alles einfacher macht. Und was wäre die Story ohne Reporter Fletch, der diese ganze Geistergeschichte für ausgemachten Schwindel hält und trotzdem weiterhin versucht, bei Mel zu landen?
Die Geister und ihr Schicksal gestalten sich als ziemlich tricky Fall, da sie zu einer früheren Artistengruppe gehören, welche in dem Schloss Station gemacht hat. Warum sie dort als Geister festsitzen und wie sich das Ganze lösen lässt sorgt für interessante Spannung sowie einige Reibereien zwischen Mel und Leo. Doch auch Leo und Fletch konnten diesmal für so einige Überraschungen sorgen, mit denen ich nicht gerechnet hatte.
Band 2 toppt den ersten Band definitiv, dass es diesmal sofort mit dem Auftrag im Schloss losgeht. Und es bleibt bis zum Schluss unterhaltsam.
Überzeugende Wohlfühl-Fantasy
The House Witch 1 von Delemhach Emilie Nikota
Das Königshaus von Daxaria bekommt einen neuen Koch. Was niemand weiß (und zunächst auch niemand wissen soll, wenn es nach ihm geht): Koch Finlay ist eine Haushexe. Dafür fällt er sofort durch diverse Umstrukturierungen in der Hofküche negativ auf. Und eckt bei einigen Leuten gewaltig an. Nicht nur der Hofmagier versucht, ihm auf die Schliche zu kommen.
Auch andere Leute zeigen Interesse an ihm, aus verschiedensten Gründen.
Das Buch geht gemütlich los mit Finlays Einzug in die Hofküche. Seine Fähigkeiten sowie Hintergründe sind zunächst unklar. Zwar versucht er, sein Geheimnis auf etwas unwirsche Weise zu verbergen, doch wird beim Lesen schnell klar, dass er einen großen Gerechtigkeitssinn hat und sich für andere einsetzt.
Mit der Zeit kristallisieren sich neue Freundschaften heraus, sowohl Fin als auch die Leute in seiner Umgebung machen einige Charakterentwicklungen durch.
Pep bekommt die cozy Fantasy durch verschiedene Zwistigkeiten, magische Hintergründe zu Hexen und Magiern, politische Intrigen sowie eine sich anbahnende Romanze. Nicht zu vergessen Kater Kraken, der ebenfalls seine Sichtweise beizutragen hat. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, da nicht nur Fin so manches Mal der Schalk im Nacken sitzt. Ebenso wurden ein paar Gesellschaftsthemen gekonnt in die Handlung eingewoben.
So gemütlich, wie das Cover gestaltet ist, habe ich mich auch beim Lesen des Romans gefühlt. Cozy bedeutet hier keineswegs Langeweile, denn die Autorin hat es geschafft, dass immer etwas geschieht oder besprochen wird, was die Handlung voranbringt. Das Buch ist definitiv eine Reise nach Daxaria wert!
Grandioses Finale voller Gefahren, Lügen und anderer Geheimnisse
Sepia 3: Sepia und der Fluch des Tintendrachen von Theresa Bell
Im letzten Band der Trilogie um Sepia und ihre Tintenmagie steht nicht weniger als das Schicksal Flohalls auf dem Spiel. Die laut der Legende einst von der mutigen Flo gegründete Stadt droht, von einem alles verschlingenden Nebel regelrecht verspeist zu werden. Einige Gebäude sind bereits verschwunden.
Natürlich versuchen die Alchemisten der Stadt, wie Sepias Meister Silbersilbe, dem Nebel auf magische Weise Einhalt zu gebieten. Hierfür erhoffen sie sich die Hilfe von einer ganz besonderen Person. Doch Sepia und ihre Freunde wollen das Problem lieber auf ihre Weise lösen. Und geraten diesmal in ein Abenteuer, welches für so manche Überraschungen und Gefahren sorgt. Drachen inklusive.
Der dritte Band ist ein wahres Feuerwerk an fantastischen Ideen und Überraschungen. Neben der Handlung wird auch die Legende um Flo und ihrem Sieg über den Tintendrachen erzählt, bevor diese später eine wichtige Rolle einnimmt. Durch verschiedene Gefahren steigt die Spannung immer mehr, bis es zu einer Art finalem Kampf kommt. Auch im Anschluss wird die Leserschaft nicht allein gelassen, sämtliche losen Enden werden zu einem gemeinsamen Band verknüpft.
Besonders hervorgehoben wird auch diesmal wieder der Zusammenhalt der drei Freunde Sepia, Niki und Sanzio, deren Charaktere und Fähigkeiten sich gekonnt ergänzen. Ein gewisser Sidekick hat bei mir zudem für einige Schmunzler gesorgt. Das Geheimnis um die Tintenmagie und Sepias besondere Fähigkeiten wird recht eindrucksvoll gelöst. Ebenfalls kommen mehrere Charaktere der ersten beiden Bände wieder vor.
Ein gelungener Abschluss einer fantastischen Trilogie für alle, die auf magische Abenteuer stehen.
Fantastische gezeichnete, zeitlose Sozialkritik mit hohem Unterhaltungswert
Die Verwandlungen der Füchsin von Yangzhi
Lange hat mich ein Webtoon (bzw. Manhua) nicht mehr so bewegt wie Die Verwandlungen der Füchsin. Die Künstlerin hat ein unglaubliches Talent, gesellschaftliche Beobachtungen und Interpretationen in ihren Zeichnungen wiederzugeben und deren Atmosphäre farblich zu unterstreichen (das Buch ist komplett durchcoloriert!).
Inhaltlich geht es um zwei Füchsinnen, die als Fuchsgeister versuchen, durch Herzensgedanken der Menschen genügend Magie anzusammeln, bis sie zum neunschwänzigen Fuchsgeist aufgestiegen sind. Dabei wählt die ältere Füchsin den altbewährten Weg, welcher ihr damals beigebracht wurde, indem sie versucht, Männern als dienende Frau deren Wünsche zu erfüllen. Der jüngeren Füchsin widerstrebt diese Art der Selbstverleugnung und sie wählt einen anderen Weg.
Aufgebaut ist das Buch als ineinander übergehende Episoden und behandelt viele gesellschaftliche und soziale Themen. Die Füchsinnen erscheinen hierbei mal als mehr oder minder anthropomorphe Füchse oder als Menschen, sammeln Erfahrungen und tauschen ihre Gedanken aus. Es gibt ernste Themen, kritische Sichtweisen sowie humorvolle Details, optisch wunderschön gezeichnet und stimmungsvoll coloriert. Zwar spielt das Ganze in früheren Zeiten und beinhaltet einige Traditionen, die Themen selbst können jedoch als zeitlos und auch auf die Gegenwart anwendbar interpretiert werden. Als Beispiel wären da z. B. Themen zu nennen wie, inwiefern man sich selbst aufgeben soll/darf, um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Oder wie Frau und Mann in der Gesellschaft wahrgenommen werden.
Empfehlen kann ich das Buch Jugendlichen und Erwachsenen, die Interesse haben, einen wunderschön gezeichneten Webtoon/Manhua mit sowohl Humor als auch ernsten Anklängen zu lesen.
Magie im heutigen Edinburgh
Die Hexe vom Distelschloss 1 von John Tarachine
Dies ist einer der Mangas, bei denen mich Cover/Zeichenstil sowie die Beschreibung neugierig auf mehr gemacht haben. Das Format der Printausgabe entspricht denen der Print-Webtoons, der Manga ist nur nicht durchcoloriert. Ansonsten setzt sich der Stil des Covers im Inneren fort mit klaren Linien, ausreichend Details und hier und da angenehm erwachsen mit ein paar Andeutungen expliziter Natur.
Die Story beginnt im heutigen Edinburgh, wo die ziemlich begabte Hexe Mary Blackwood von der Kirche den 13-jährigen Theo als Lehrling aufgenötigt bekommt. So unkonventionell Mary ist, so sozial unerfahren ist Theo. Gemein haben sie die Fähigkeit, Naturgeister wahrzunehmen, die ihnen zu magischen Fähigkeiten verhelfen können. Das Magiesystem ist schnell und verständlich erklärt und die fünf wichtigsten Naturgeister, die hier vorkommen, sind in den Buchdeckeln abgebildet.
Der Einstieg ist zunächst eher episodenhaft aufgebaut, um in die Story reinzufinden. Anschließend geht es auch schon mit einem größeren Thema weiter, welches sich in den Folgeband ziehen wird. Hierbei wird auch eine berühmte historische Person geschickt in die Welt der Magie mit eingebaut und es kommen weitere magisch Begabte mit etwas anderen Ansichten und Zielen vor.
Der erste Band schafft es recht schnell, das grundlegende Magieprinzip verständlich zu erklären und schafft die Grundlage für eine größere Handlung. Mary und Theo sind als Charaktere ziemlich gut gelungen, insbesondere Mary ist erfrischend eigenwillig und nicht unterzukriegen. Mich hat Band 1 inhaltlich sowie optisch gut unterhalten, den Folgeband werde ich ebenfalls lesen.
Lustige Romantasy mit Geistern und anderen Nervensägen
The Girls Ghostbusting Agency - Crazy Spooky Love von Josie Silver
Hier ist der Buchtitel Programm: Melody hat keine Lust, wie Mum und Granny die Geister Verstorbener zu therapieren. Sie bricht stattdessen mit der Familientradition und gründet ihre eigene Geisterjägerinnen-Firma. Ihre beste Freundin Marina ist sofort dabei, auch wenn sie das Glück hat, nicht ständig irgendwelche Geister zu sehen.
Ihr erster Auftrag ist es, ein altes Herrenhaus von den Geistern der früheren Bewohner zu säubern. In weiteren Nebenrollen: Praktikant Artie und Mops Lestat.
Somit wären Crazy und Spooky abgehakt, bliebe jetzt noch Love. Melodys letzte Datingversuche waren leider nicht so erfolgreich (zu Beginn erfährt man auf lustige Weise, warum). Macht aber nichts, denn im Laufe des Romans kommen drei potentielle Love Interests vor. Dass alle drei unverschämt gut aussehen und Melody davon wiederholt wuschig im Kopf wird wirkte auf mich dann doch etwas zu überzogen. Und genaugenommen fallen von den drei Kandidaten auch zwei relativ schnell aus der Wahl, der eine wegen seines Charakters und der andere, nunja, aus gewissen Gründen. Nachdem Melody das selbst gemerkt hat wird der Romance-Anteil ganz unterhaltsam. Nicht zu vergessen der Auftrag mit diesem Herrenhaus, welcher die Crew rund um Melody zu detektivischen Aktionen anspornt. Improvisation inklusive. Die unterhaltsame Spannung kommt also auch nicht zu kurz.
Lasst euch übrigens von dem Cover nicht täuschen, Mel ist nicht so bieder, wie sie auf dem Bild dargestellt wird. Sympathisch und pfiffig ist sie auf jeden Fall. Freue mich schon auf den nächsten Auftrag für die Girls Ghostbusting Agency.
Freiheit mit Dachschaden
Statt aus dem Fenster zu schauen von Anna Katharina Scheidemantel
Dieses Buch war ein Experiment für mich. Normalerweise bevorzuge ich Romane, in denen ich mich in die Protagonist/innen hineinversetzen kann. Die mir von der Denkweise entweder ähnlich sind oder deren Entscheidungen ich zumindest nachvollziehen kann. In diesem Roman kauft die Studentin Sophie spontan ein Haus zu einem Spottpreis, über eine Online-Anzeige und am anderen Ende der Republik, mitten im Nirgendwo.
Etwas, was ich nie gemacht hätte, da bin ich ehrlich. Da bin ich doch eher der auf-Nummer-sicher-gehen-Typ. Andererseits liebe ich es, andere Länder und Kulturen über Bücher kennen zu lernen. Also warum nicht mal eine Person mit völlig anderem Denk- und Handlungsmuster? Challenge accepted.
Ja, der Anfang war dann auch erstmal eine Herausforderung, wenn auch im positiven Sinne. Sophies Kann-man-mal-so-machen-Abenteuer hat mich zwar zunächst gefühlt auf jeder Seite denken lassen, das ist völlig schräg und unbedarft. Und dennoch auf gewisse Weise mutig. Mit der Zeit fand ich es sogar immer interessanter, sie bei ihren Erlebnissen und Gedanken zu begleiten. Was ich als äusserst positiv betonen möchte: Es gibt kein Mimimi, kein Ertrinken in Selbstmitleid oder Selbstvorwürfen. Vielmehr verbirgt sich in Sophie eine bodenständige Person, die eine gewisse Freude daran findet, selbst anzupacken, dazuzulernen und ihre kleinen Erfolge zu genießen. Und der Hintergrund, warum sie das Ganze überhaupt gemacht hat, wird mit der Zeit immer überzeugender: Der Wunsch nach Freiheit, nach einem Sprung aus dem Hamsterrad der viereckigen Häuser und Bildschirme.
Ein wirklich gelungenes Buch über den Gedanken, mal auszubrechen. Und wenn man sich das nicht selbst zutraut, kann man zumindest Sophie bei diesem Schritt begleiten. Lohnt sich, hätte ich nicht gedacht.
Von Zeitreisen und magischen Tentakeln
Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell
Ich mag Bücher, die ein wenig anders sind. Zeitreisen? Klar, oft genug gelesen. Magische Gegenstände und Artefakte? In der Fantasy bereits Standard-Requisite. Was also macht dieses Buch so anders? Ich fang mal bei der Protagonistin an: Nicht allein die Tatsache, dass Eve emotional verschlossen und stets schwarz gekleidet auftritt, macht sie so besonders.
Introvertierte Einzelgänger gibt es zuhauf. Entscheidend ist das WARUM: Unter ihrer Haut lebt ein Oktopus aus Tinte (wie der dort hingekommen ist erfahrt ihr beim Lesen). Nunja, und der wandert eben auch mal hin und her und hinterlässt Tintenflecken. Allein die Vorstellung ist doch total abgefahren, oder? Das jedenfalls schränkt die Kleiderwahl stark ein, wenn Eve nicht sämtliche Mitmenschen in Panik versetzen will. So weit, so verständlich. Hinzu kommt dann noch ein Ereignis in ihrer Kindheit, an dem sie selbst jetzt noch zu knabbern hat (da gebe ich zu, das war das einzige, womit ich wegen der Intensität nach all der Zeit etwas haderte) Trost sucht sie in der Musik eines Komponisten, welcher in den 1930ern spurlos verschwand. Und plötzlich bei ihr im Büro als alter Mann auftaucht. Was natürlich nicht sein kann, der Name ist bestimmt rein zufällig derselbe. Und sein achtarmiges Geschenk an sie kann auch nur Zufall sein, oder? Über einige Umwege gelangt sie ins Octopus Hotel, einst Grand Hotel der Reichen, heute ein Lost Place. Doch war da nicht was mit Zeitreisen? Genau, und hier geht der Spaß erst richtig los. Oder das Verwirrspiel, Komponist inklusive.
Bis zum Schluss habe ich gerätselt, wie die Zeitebenen und gewisse Charaktere im Hotel miteinander in Verbindung stehen könnten. Die Kausalkette ist einerseits nicht zwingend chronologisch, im Nachhinein betrachtet ergibt alles einen Sinn, aus dem Zeitlabyrinth wird eine erkennbare Zeitsprung-Linie. Bis dahin gibt es allerdings so viel Schräges zu erleben, auch aus der Perspektive des Komponisten Max.
Bis zum Schluss hat die Autorin es geschafft, die Spannung hoch zu halten, bis mit dem letzten Oktopus das Puzzle endlich ein Gesamtbild ergibt. Von mir erhält das Buch wohlverdiente 4,5 / 5 Seesterne.
Die Fehler der Generationen, leider nur angerissen
Real Americans von Rachel Khong
Die Idee, gemeinsam mit vielen anderen zugleich dieses Buch lesen und sich online darüber austauschen zu können (Aktion: Deutschland liest ein Buch), ist einer von zwei Gründen, weswegen ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Der zweite Grund ergab sich nach Lesen der Buchbeschreibung, in der es um eine chinesisch-stämmige junge Frau in den USA und die Privilegien ihres weißen amerikanischen Partners geht.
Das ließ auf eine kritische Betrachtung der Diskriminierung von Menschen mit asiatischen Wurzeln in den Vereinigten Staaten hoffen, wie ich sie von Autorinnen wie Celeste Ng und Rebecca F. Kuang (Yellowface) kenne. Und tatsächlich wird die 22-jährige Lilly Chen zu Beginn des Romans von ihrem Chef entsprechend herablassend behandelt. Bis sie auf dessen Neffen Matthew trifft, der vom Verhalten seines Onkels wenig begeistert ist.
Womit ich nicht gerechnet habe ist, wie die Autorin den weiteren Verlauf sowohl inhaltlich wie auch stilistisch gestaltet hat. Eine Entscheidung, mit der ich mich leider ziemlich schwer tat. Da werden irgendwelche Geschehnisse oder Personen in die Handlung geworfen, nur um als völlig irrelevant nie wieder im Roman aufzutauchen. Es gibt keinen wirklichen Fokus oder ein Ziel, dafür eine Andeutung, auf der lange Zeit ohne konkrete Hinweise herumgeritten wird. Und statt des berühmten Roten Fadens kämpfte ich mich durch einen bunten Haufen Wollflusen, nur um plötzlich in einer völlig anderen Zeit eine ganz andere Geschichte aus neuer Perspektive erzählt zu bekommen. Zu den Hauptcharakteren konnte ich keinerlei Bindung aufbauen, vielmehr waren mir alle durch ihrjeweils fragwürdiges Verhalten unsympathisch.
Nicht nur während des Lesens, auch zum Ende hin ließ mich das Buch einfach ratlos zurück. Ich kann bis heute nicht sagen, was mir die Autorin mit dem Buch sagen wollte. Vielmehr empfand ich es als ein Sammelsurium an Geschehnissen und Schicksalen, ohne etwas wirklich emotional tiefergehend zu behandeln. Zwar gibt es einige sehr bewegende Szenen, über die Hintergründe wird man jedoch zu sehr im Unklaren gelassen. Mir persönlich ist es jeweils zuwenig von zu vielen Themen, sei es die Geschichte Chinas, Ethik in der Forschung, Freundschaft, Erziehung, Vorurteile, Diskriminierung, Verantwortung, Identität, Tradition oder Familie. Für meinen Geschmack enthielt das Buch zuviel irrelevantes Füllmaterial, eine gewisse Zähigkeit mit sich bringend. Statt über die Kernthemen hinwegzufliegen, hätten diese stärker ausgearbeitet werden müssen, um mich überzeugen zu können. So ist es ein Sammelsurium an Familiendrama, Gesellschaftskritik, Forschungsethik und Polithistorie, ohne den Finger entscheidend auf eines dieser Themen zu halten.











