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Rezensionen von liesmal:

Schaurig-schön

Der blutige Roman von Josef Váchal

Vor knapp einhundert Jahren hat der Tscheche Josef Váchal das Buch „Der blutige Roman“ verfasst und veröffentlicht. Der Grafiker und Buchdrucker hat selbst den Text gesetzt – damals natürlich noch von Hand – und in einer Auflage von 17 Exemplaren gedruckt. Illustriert wurde das Buch mit zahlreichen Holzschnitten, ebenfalls aus der Hand Váchals.

„Ein gefälschtes Testament, ein Schatz auf Honolulu, ein Werwolf in den Fängen der spanischen Inquisition, und in Prag toben Anarchisten und Gespenster. Das sind nur ein paar der vielen Handlungsstränge dieses auf unzähligen Ebenen spannenden Romans…“, so verspricht es die Buchbeschreibung. Und sie hat nicht zu viel versprochen. Auch macht sie dem als „Schundroman“ angekündigten Buch alle Ehre.
Neben der Hochsprache wird überwiegend in der Volkssprache erzählt. Das war für mich recht gewöhnungsbedürftig und ich habe feststellen müssen, dass dies kein Buch für „nebenbei“ ist. Mit der nötigen Ruhe hatte ich mich in kurzer Zeit daran gewöhnt und bald Gefallen daran gefunden – gerade in Bezug auf die Sprache.
„Was geschieht hier gerade?“ Wird noch wenige Sätze zuvor von Ermordeten geredet, folgt dieser Satz: „Durch die Geäste des Waldes beobachtete die Leichen voll Neugier die Morgensonne.“ - Ein Satz voller Poesie – nur die Leichen sprechen dagegen. Gelacht habe ich über den raffinierten Grafen, der später als Geldfälscher entlarvt wurde, gestaunt über den „gepanschten“ Wein, der so viel Äthanol enthielt, „daß nach seinem Entfachen das Schiff wie ein Strohwisch brannte.“ Und die Jesuiten waren ja wohl mit allen Wassern gewaschen!
Nicht zuletzt durch die Holzschnitte fühlte ich mich in eine andere Zeit versetzt. Besonders gefallen hat mir das Bild von der Flucht mit den Ballonen – bis ich gelesen hatte, woraus sie hergestellt wurden.
Kann man einen „Schundroman“ als Kunst bezeichnen? Ich sage ganz laut „JA“!

Vor allem aber gilt meine Bewunderung Ondrej Cikán, der den Roman ins Deutsche übersetzt, kommentiert und mit einem Nachwort versehen hat – eine großartige Leistung! Ich kann mir vorstellen, dass das eine große Menge an Zeit und Arbeit erfordert hat, und ich spüre die besondere Liebe, die bei einer solchen Aufgabe nicht fehlen darf.
Erschienen ist „Der blutige Roman“ im Verlag Ketos. Das Buch hat einen tollen Einband in passender Farbe ;-). Es liegt gut in der Hand, ist mit zwei Lesebändchen versehen und das Layout ist einfach gelungen.

Komisch: Ich mag keine Krimis oder Thriller, die sehr blutrünstig sind. – Genau das, was ich nicht mag, bietet „Der blutige Roman“, und: Mir gefällt’s!
Gern empfehle ich das Buch weiter.

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So liebe ich Fantasy

Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich von Mary E. Garner

„Das Buch der gelöschten Wörter“ – Der erste Federstrich“ ist der erste Teil einer Trilogie von Mary E. Garner, erschienen im Lübbe Verlag. Die Autorin empfiehlt das Buch aus dem Genre Fantasy „Für Abende im Baumhaus und für alle, die gewiss sind, dass Bücher mehr sind als gedruckte Wörter“.

Ausgerechnet MRS. GATEWAY’S FINE BOOKS ist der Laden, in dem Hope Turner Schutz vor Regen sucht. Dabei hat sie keine gute Erinnerung an diese Buchhandlung, deren Inhaberin verschroben und genauso verstaubt scheint wie ihre Bücher. Aber genau diese Buchhandlung ist es, die das einzige Portal in die Welt der Bücher ist. Allerdings dürfen und können nur Menschen mit einer besonderen Fähigkeit dieses Portal auch betreten. Das Cover passt ausgezeichnet zu dieser Vorstellung!
Hope führte bisher ein ganz unspektakuläres Leben. Sie ist nach der Trennung von ihrem Freund seit zwei Jahren Single, besucht täglich ihre an Demenz erkrankte Mutter und arbeitet online für eine Partnervermittlungsagentur. Ihr eintöniges Leben ändert sich, als sie Rufus Walker kennenlernt, denn er ist derjenige, der bei Hope ein spezielles Talent entdeckt und sie durch das Portal in eine andere Welt führt: die Welt der Bücher.
Hope liebt die Romane von Jane Austen und darum ist es für sie natürlich wie ein Traum, direkt in der Geschichte „Stolz und Vorurteil“ auf Longbourn, dem Familiengut der Bennetts in der Nähe von London, zu landen. Nach der ersten Verwirrung kommt Hope aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Romanfiguren entwickeln ein Eigenleben! Doch so faszinierend hier alles scheint – es gibt nicht nur Schönes in dieser Welt, denn auch hier lauert das Böse, und zwar in Form gelöschter Wörter. Irgendjemand ist verantwortlich dafür, dass in böser Absicht online geschriebene und später gelöschte Wörter in einem Buch gesammelt werden und drohen, diese Welt zu vernichten. Nur Menschen mit einer besonderen Gabe können helfen, diese Bedrohung aufzuhalten. Zu ihnen gehört auch Hope. Sie erweist sich als großartige Verwandlerin und wird zu einer wertvollen Hilfe.
Mary E. Garner hat es geschafft, mich von der ersten Seite an mit ihrer Geschichte einzufangen. Der Schreibstil ist leicht, fantasie- und humorvoll. Ich habe mich wohl gefühlt in den Bücherwelten. Besonders die beiden Gehilfen von Rufus, Gwen und Lance, haben mir richtig gut gefallen und Romanfiguren wie Bambi und Lassie haben ein Eigenleben entwickelt, das mich begeistert und zum Lachen gebracht hat. Doch auch die Spannung kommt in diesem Buch nicht zu kurz. Zum Beispiel wird zum Portieren immer ein sogenannter Wanderer benötigt, allein schafft Hope es als Verwandlerin nicht. Dabei kann es gefährlich werden, wenn man wie sie zu spontan in ein Buch eintaucht…
Ich bewundere die vielen fantasievollen Ideen, die die Autorin in das Buch hat einfließen lassen. Auch wenn es an manchen Stellen sehr verwirrend wurde, hatte ich nie das Bedürfnis, das Merkwürdige oder Unglaubwürdige zu hinterfragen. Es war mir auch nicht wichtig, zu allem eine logische Erklärung zu finden. All das gehört für mich zu einem Fantasy-Roman dazu.
Fragen und Ängste gab es sehr viele, die allerdings zu einem großen Teil beantwortet wurden, obwohl ich befürchtet hatte, dass sie unbeantwortet mit in den zweiten Teil der Geschichte übergehen würden. Dennoch schließt dieser erste Teil mit einem ganz fiesen Cliffhanger!

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Schmecke den Regenbogen

Die Weisheit des Regenbogens Wegweiser des Herzens. 15.05.2020. Hardback. von Jando

Ein wunderschönes Cover mit einem bunt leuchtenden Regenbogen, der sich im Wasser spiegelt, hat mich eingeladen, das Buch „Die Weisheit des Regenbogens“ von Jando zu lesen, der die Geschichte erzählt von Malin und ihrer besten Freundin, der treuen Hündin Ava, deren Freundschaft allerdings auf eine harte Probe gestellt wird.

Malin macht sich Vorwürfe, weil Ava ihr Leben für sie riskiert und sich bei einem Unfall sehr schwer verletzt hat – und Ava ist traurig, weil Malin sich wegen ihres schlechten Gewissens von ihr zurückzieht.

Malins Mutter, alleinerziehend, ist in großer Sorge und fährt mit ihr und mit Ava zur Erholung an die Nordsee. Das erweist sich als glückliche Fügung, denn dadurch lernen sie Bent kennen, den Hundeflüsterer, der auch Malin und Ava helfen will, wieder zueinanderzufinden.

Die Erzählung ist wie ein Märchen, voller Poesie und Herzenswärme. Viele wunderschöne Zitate verleiten mich zum Träumen und lassen dabei meinen Gedanken freien Lauf. Die Geschichte erzählt sehr empfindsam von den Momenten im Leben eines Menschen, die das ganze bisherige Leben auf den Kopf stellen und es unmöglich machen, an Liebe und Freundschaft noch glauben zu können. Doch sie ist auch der Beweis dafür, dass man niemals die Hoffnung aufgeben darf, und dass Trauer, Hoffnung und Liebe ganz eng zusammengehören.

Das Buch ist erschienen im Verlag KoRos Nord. Es hat ein handliches Format und einen festen Einband, dessen Innenseiten illustriert sind mit Muscheln und Seesternen in zarter Farbe. Die Seitenzahlen am unteren Rand sind eingebettet in Wellen. Sehr liebevolle Illustrationen von Antje Arning verleihen dem Buch eine weitere Besonderheit.

Von Jando habe ich bereits „Im Himmel gibt es einen Bahnhof“ gelesen. Darum bin ich nicht überrascht, dass mich auch dieses Buch begeistern konnte.

Von mir eine absolute Leseempfehlung !

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Kampf gegen alle Widerstände

Tribut der Sünde von Silvia Stolzenburg

Der Auftakt zur historischen Tribute-Reihe von Silvia Stolzenburg beginnt im Jahr 1513 in Stuttgart. „Tribut der Sünde“ aus dem Verlag Tinte und Feder erzählt die Geschichte der Franziska Hochperger, Tochter eines wohlhabenden Weinhändlers, kurz vor Beginn der Bauernaufstände. Grund dafür ist das ausschweifende Leben des Herzogs von Württemberg, unter dem das einfache Volk zu leiden hat.

Franziska will es nicht wahr haben, dass ihr Verlobter und ihr Vater verurteilt wurden. Sie ist überzeugt davon, dass ein mörderisches Komplott Schuld ist daran, dass sie nicht nur die beiden liebsten Menschen, sondern alles Hab und Gut verloren hat. Doch sie gibt sich nicht geschlagen, sondern ist bereit, gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen. Dass das kein leichtes Unterfangen wird in Zeiten, in denen die Frau keinerlei Rechte hatte, das weiß Silvia Stolzenburg mit ihrem außerordentlich spannenden Schreibstil großartig in Szene zu setzen.

Alles, was Franziska unternommen hat, um die Gerechtigkeit ans Licht zu bringen, sich dabei aber immer wieder in große Gefahr gebracht hat, hat mich unglaublich an das Buch gefesselt. Dadurch ist es mir schwergefallen, das Buch zwischendurch mal zur Seite zu legen, weil ich Angst hatte, dadurch den Spannungsbogen, der sich einfach nie gelockert hat, zu unterbrechen. Auch die kurzen Kapitel haben eingeladen, immer noch ein Stück weiterzulesen.

Ein wenig Angst um Franziska wurde mir genommen, nachdem sie Jakobs Hilfe angenommen hatte. Doch diese Erleichterung war nicht von Dauer, denn weniger gefährlich wurde es dadurch nicht.

Die Informationen im Nachwort zu Fakten und Fiktion möchte ich nicht unerwähnt lassen, weil ich sie für gut und wichtig halte. Nun warte ich voller Spannung auf die Fortsetzung und lade gern alle , die spannende historische Romane mögen, dazu ein, sich auf „Tribut der Sünde“ einzulassen.

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Fesselnd und inspirierend

Weltengeher von David Candeago

„Weltengeher“, erschienen im Verlag Geovis, geschrieben von David Candeago, beschäftigt sich – wie es bereits der Untertitel ankündigt – mit der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Ich bin froh, dass sich die Hauptprotagonisten Caroline und Josh mehr oder weniger zufällig gefunden haben, denn durch deren Erlebnisse und Reisen finde ich viele Möglichkeiten, mich mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens zu beschäftigen – nachzudenken darüber, welche Rollen Karma, Schicksal und Glück spielen – und zu entdecken, inwieweit ich selber Einfluss auf mein Leben nehmen und Entscheidungen treffen kann.

Caroline ist sehr verängstigt und weder bereit noch in der Lage, über die Probleme zu sprechen, die sie als Journalistin nach ihrer zweijährigen Reise um die Welt mit sich herumschleppt. In dieser Situation trifft sie Josh, der auf mich sehr geheimnisvoll wirkt, aber mit seiner ruhigen Art schnell meine Sympathien hat. Bei Josh findet Caroline die Ruhe, die sie braucht, und die beiden verbindet etwas wie ein unsichtbares Band. Ganz behutsam und empathisch nimmt Josh sie mit auf eine Reise in verschiedene Welten um gemeinsam Antworten auf viele Fragen des Lebens zu finden. Dabei geht es allerdings nicht immer ruhig zu, sondern es gibt auch so manches gefährliche Abenteuer zu bestehen.

Ein zweiter Erzählstrang wirkt ganz bedrohlich und ich frage mich, ob es zwei Geschichten sind, die unabhängig voneinander erzählt werden oder ob es einen Zusammenhang gibt!?! Was könnte eine zarte Liebesgeschichte und eine philosophische Reise mit einem Thriller verbinden? Diese Frage war nicht die einzige, die mich beschäftigt hat. An vielen Stellen habe ich mich gefragt, was das Buch mit mir macht. Immer wieder hatte ich Aha!-Effekte, aber immer wieder auch neue Fragezeichen im Kopf.

Einfühlsam, sensibel, behutsam, dann knallhart, spannend, Gänsehaut produzierend oder auch einfach, locker, Fröhlichkeit erzeugend – so für mich der ganz eigene und besondere Schreibstil von David Candeago.

Auf der Innenseite der vorderen Umschlagklappe sind die Orte des Geschehens vor dem Hintergrund der Weltkarte und dem Blau der Meere aufgeführt, in der hinteren die Themen, um die es geht. „Polarität, Schicksal, Illusion, Gott, Reinkarnation“ sind nur einige davon. Sehr gekonnte und interessante Darstellung.

Das Cover bietet eines von vielen beeindruckenden Bildern, die beim Lesen in meinem Kopf entstanden und mich davon überzeugt haben, dass diese Geschichte reif ist für einen Film.

Dies ist mein erstes Buch aus dem Verlag Geovis und ich möchte nicht vergessen zu erwähnen, dass es für mich qualitativ sehr hochwertig ist. Auch nach dem Lesen zeigt der Buchrücken keine Leserillen, das ist bei über 700 Seiten! nicht selbstverständlich.

Mir hat das Buch nicht nur sehr gut gefallen, sondern es hat mich auch Vieles gelehrt und abwechslungsreiche, fesselnde Lesestunden geschenkt, die viel zu schnell vergangen sind. Aber ich bin überzeugt, dass das Buch noch lange nachwirkt.

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Es gehört zur deutschen Geschichte

Weltengeher von David Candeago

„Zeus und Goldenberg“ Mit diesen zwei unterschiedlichen Menschen, die sich 1936 in Hamm begegnen, ist es dem Autor Franz Josef Brüseke gelungen, ein spannendes Stück deutscher Geschichte lebendig werden und erkennen zu lassen, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Wer Brüsekes Bücher kennt, weiß, dass er einen ganz eigenen Schreibstil hat, der gut in die damalige Zeit passt.

Ohne große Gefühlsduselei, ohne Schnörkel, aber dennoch nicht gefühllos, lässt er Raum zum Mit- und zum Nachdenken. Es liest sich auch nicht wie ein fiktiver Roman, sondern klingt eher realitätsnah.

Der junge Kommunist Zeus und der Jude Goldenberg werden beide vom Pfarrer aufgenommen und in der Gemeinde versteckt. Zeus arbeitet dort als Küster und Goldenberg in der Bibliothek. Das geht so lange gut, bis der Pfarrer von den Nazis verhaftet wird. Damit ist klar, dass Zeus und auch Goldenberg schnell verschwinden und Deutschland verlassen müssen.

Ich bin immer sehr froh, wenn ich anhand von Büchern etwas aus der Vorkriegszeit und auch aus den Kriegsjahren erfahre, weil ich zu der Generation gehöre, in der diese Zeit im Geschichtsunterricht in der Schule einfach fehlte – totgeschwiegen wurde. Darum hat es mir gefallen, die Wege, die Zeus und Goldenberg gegangen sind, mitgehen zu können; die Menschen, die sie getroffen haben zu verstehen, mich mit ihnen zu ängstigen, zu freuen, um ihr Leben zu bangen und zu trauern.

Mich hat der Rückblick in eine unschöne Zeit der deutschen Geschichte bereichert.

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Urlaubsflair - Klimawandel - Mord

Mitten im August von Luca Ventura

Enrico Rizzi hat bei der Polizei einen ziemlich ruhigen Job. Kleine Gaunereien sind an der Tagesordnung, die großen Verbrechen werden eher an anderen Orten als hier auf Capri verübt. Bis „Mitten im August“ ein Mord geschieht, von dem Luca Ventura erzählt. Ein junger Mann wird wird tot und in einem Ruderboot liegend an die Küste getrieben und Rizzi, der bisher neben seiner Arbeit auch noch Zeit gefunden hat, seine Eltern in deren Obst- und Gemüsegärten zu unterstützen, wird plötzlich mit seinem ersten Mordfall konfrontiert, den es zu klären gilt.

Doch nicht nur die Mordermittlungen sind neu für Rizzi, sondern auch seine Kollegin Antonia Cirillo, die erst seit kurzem auf der Insel ist und zu seiner Dienststelle gehört. So richtig gut klappt es mit der Zusammenarbeit noch nicht und über Cirillos Privatleben erfährt man nur bruchstückhaft ein paar Einzelheiten.
Rizzi und Cirillo „wurschteln“ sich so zurecht, haben ihre Meinungsverschiedenheiten, einige Dinge hätten vielleicht etwas besser laufen können, Vieles aber war gut durchdacht und gemacht, und – und damit verrate ich sicherlich kein Geheimnis – am Ende konnte doch ein Erfolg verbucht werden.
Die Lösung des Falles war allerdings alles andere als einfach. Es gab Spuren, die in verschiedene Richtungen führten. Vor allem die Konfrontation mit dem aktuellen Thema Umweltschutz, Klimawandel und Versauerung der Meere brachte eine besondere Brisanz in die Ermittlungsarbeit.
Mir gefällt die Art, in der der unbekannte Schriftsteller, der unter dem Pseudonym Luca Ventura mit diesem Krimi-Debüt den Auftakt zu einer Serie geschrieben hat. Vor allem mag ich, dass es ein eher „seichter“ Krimi ist – obwohl ein Mord geschehen ist. Ventura bringt für mich den Beweis, dass ein Krimi auch gut sein kann, wenn das Blut nicht in Strömen fließt und wenn nicht in allen Details über Aussehen von Opfer und Tatort berichtet wird.
Capri verbinde ich in erster Linie natürlich mit Urlaub. Darum liebe ich die Szenen, in denen ich die Obstgärten mit den Pfirsichen förmlich riechen, aber auch die beschriebene Landschaft genießen und das Lebensgefühl der Menschen spüren kann. Toll, dass auch diese Beschreibungen Platz in einem Krimi finden können.
Das Cover ist gut gewählt und passt zur Geschichte. Wunderschön anzusehen ist das türkisfarbene Wasser mit den bekannten Felsen - nur die Brandung zeugt davon, dass nicht alles so idyllisch ist, wie es scheint.
Besonders gut gefallen mir die Karten auf den Umschlaginnenseiten. Sie fallen optisch positiv ins Auge und helfen bei der Orientierung.
Mir hat dieses Buch so gut gefallen, dass ich mit Spannung den nächsten Fall erwarte.

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Von Freundschaft und Vertrauen

Wir holen alles nach von Martina Borger

Das Buch von Martina Borger „Wir holen alles nach“ aus dem Diogenes Verlag erzählt die Geschichte der alleinerziehenden berufstätigen Mutter Sina, die zwar seit kurzer Zeit mit einem neuen Partner zusammenlebt, aber dennoch eine Person sucht, die sich zeitweise um ihren Sohn kümmert. So lernen sich Ellen, Ende sechzig, und der neunjährige Elvis kennen.

Sie sind sich sofort sympathisch und da Ellen außer Zeit und Geduld auch noch einen Hund hat, entsteht bald eine tolle Freundschaft zwischen den Beiden. Ellen gibt Nachhilfe in Mathe und Deutsch, gemeinsam machen sie große Spaziergänge mit dem Hund und haben einfach Freude daran, Zeit miteinander zu verbringen. Ellen weiß Elvis mit dem Thema Umweltschutz zu begeistern, und überhaupt ist er interessiert an vielen Dingen. Es macht mir unglaublich viel Spaß, die Beiden zu begleiten und der wunderbar einfühlsame Schreibstil lässt mich nur so durch die Seiten fliegen und die herzerwärmende Geschichte genießen. Doch schon bald spürt Ellen, dass irgendetwas mit Elvis nicht stimmt. Welches Geheimnis umgibt ihn?
Ich habe große Hochachtung vor der Autorin, der es gelingt, meine Gedanken in völlig falsche Richtungen zu lenken, die mir aber gleichzeitig vor Augen führt, dass man sich besser nicht so leicht beeinflussen lassen und vorschnell urteilen sollte. Bis zum Schluss hat mich die Geschichte begeistert, die viele aktuelle Probleme thematisiert, ohne dass es langweilig wird.
Martina Borger – ein Name, den ich mir merken werde!

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Eine schwere Entscheidung

Wo Wellen niemals enden von Heike Fröhling

Katharina hat einen wunderbaren Beruf, ist mit Leib und Seele Mutter und liebt ihre beiden Mädchen über alles. Doch dann bekommt sie plötzlich eine schlimme Nachricht, die sie vor eine schwere Entscheidung stellt, die sie ganz allein treffen muss. Um ihre Familie zu schützen, geht sie – in eine ungewisse Zukunft.

Doch auch wenn ihr Leben jetzt schwer ist, lässt sie sich nicht unterkriegen. Alles ist besser als der Gedanke daran, was sie ihren Kindern antun würde, wenn sie zurückginge.

„Wo Wellen niemals enden“ heißt der Roman von Heike Fröhling, erschienen ist er bei Tinte & Feder. Es ist ein leichter Schreibstil, aber auf keinen Fall eine leichte Kost. Fesselnd und gefühlvoll nimmt die Autorin mich mit in das Leben von Katharina, lässt mich mit ihr weinen und lachen, hoffen und bangen. Immer wieder stellt Katharina sich die Frage, ob ihre Entscheidung die richtige war oder nicht.

Durch eine schicksalhafte Begegnung mit dem Tierarzt Odhran führt ihr Weg sie nach Irland. Dort fühlt sie sich wohl und erfährt ein wenig Glück. Trotzdem ist sie mit ihren Gedanken sehr häufig zu Hause bei ihren Töchtern.

Heike Fröhling erzählt eine Geschichte voller Überraschungen, es geht um Menschen, denen es wichtig ist, ihre Pflichten mit Liebe zu erfüllen, die aber auch zu spüren bekommen, wie es ist, an die eigenen Grenzen zu stoßen. Sie zeigt aber auch, dass es Menschen gibt, die nur an sich selber denken und die Augen verschließen vor dem, was andere belastet und bewegt. Und es ist eine Geschichte mit vielen Fragen.

Für mich war dies der erste Roman von Heike Fröhling – und er hat mich restlos begeistert. Nicht zuletzt hat mir auch das Ende sehr gefallen, denn das ist so, dass sehr gern eine Fortsetzung folgen darf – zumindest wünsche ich mir das.

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Spannung gepaart mit Humor

Der Franken-Bulle von Harry Luck

„Der Franken-Bulle“ von Harry Luck ist erschienen im Verlag emons. Bei Dreharbeiten zu einer neuen Folge des „Franken-Bullen“ geschieht ein Unglück. Eigentlich kann man mit der Waffe des Fernsehkommissars nicht schießen, aber dennoch ist ein Schuss gefallen und das Opfer ist tot. War es ein Unfall oder Mord?
Normalerweise lautet meine Antwort: „Ein Regional-Krimi? – Nein, danke!“ Trotzdem habe ich mich auf diesen eingelassen.

Das liegt daran, dass ich mich in das Cover „verguckt“ habe: Es zeigt die Altstadt von Bamberg und im Hintergrund den Michaelsberg. Ich liebe Bamberg, es ist wie eine zweite Heimat für mich. So habe ich durch diesen Zufall das Ermittler-Duo Horst Müller und Paulina Kowalska kennen gelernt. Paulina ist jung, dynamisch, und technisch interessiert. Horst ist anders, etwas kauzig, nicht mehr ganz so jung, modisch nicht interessiert, er liebt den alten Derrick und auch seine Lieblingsmusik ist schon lange nicht mehr in den Charts zu finden. Trotz aller Unterschiede bilden die beiden Kommissare ein gutes Gespann. Sie lassen zwar keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig aufzuziehen. Aber auf der Jagd nach einem Mörder sind sie unschlagbar.
Mich hat der Krimi richtig gut unterhalten, er ist spannend, aber auch mit einer gehörigen Portion Witz versehen. Außerdem findet man in diesem Krimi einen zweiten Krimi. Das ist – zumindest für mich – erstmal etwas Neues und zu Beginn auch etwas ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, aber im Nachhinein hat mir auch das gefallen.
Unter den vielen Regionalkrimis einen richtig guten zu finden, ist sicherlich harte Ermittlungsarbeit. Ich habe mit dem Franken-Bullen wohl die Stecknadel im Heuhaufen gefunden. Und weil dies bereits der 5. Fall des Ermittler-Duos ist, werde ich sehr gern auch die ersten Krimis lesen.

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