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Rezensionen von liesmal:
Kalmann - wunderbar anders
Kalmann von Schmidt Joachim B.
„Großvater hatte mir einmal gesagt, dass jeder in gewisser Weise anders sei, und darum sei ich ganz normal.“
Island – Felsen bis ins Wasser, schneebedeckte Berge, ein Haus in der Ebene von Melrakkaslétta: Das Cover macht Lust auf die Einsamkeit Islands mit seinen besonderen Menschen.
Die Geschichte führt ganz nach oben in den Nordosten. Dort liegt der kleine Ort Raufarhövn, die Heimat von „Kalmann“, der Titelfigur des Romans von Joachim B. Schmidt, erschienen bei Diogenes.
Von manchen Leuten wird er bezeichnet als „Dorftrottel“. Dabei ist er doch der selbsternannte Sheriff von Raufarhövn, lebte lange Jahre bei seinem Großvater, von dem er alles gelernt hat, was man braucht. So wurde Kalmann nicht nur ein guter Jäger, sondern auch ein Haifischfänger, der stolz ist, wenn er hört, dass sein Gammelhai fast so gut ist wie der seines Großvaters. Das Zusammenleben von Großvater und Enkel ist geprägt von Liebe und Respekt. Großartig finde ich zum Beispiel die Erklärung des Großvaters zu den Quotenspekulationen.
Als Kalmann eines Tages eine Blutache im Schnee entdeckt, lebt sein Großvater bereits in einem Heim. So muss er allein entscheiden, wie er mit seiner Entdeckung umgeht. Ihn dabei zu begleiten, an seinen Gedanken teilhaben zu können und festzustellen, dass er sein Herz am rechten Fleck hat, war für mich pure Leselust.
In der Buchbeschreibung heißt es: „…in Kalmanns Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts.“ Das ist eine wunderschöne Umschreibung und ich glaube, gerade das ist es, was mich an Kalmann so fasziniert. Dabei ist er auf keinen Fall so trottelig, wie er manchmal scheint oder wie er von einigen Leuten dargestellt wird. Er kann sogar recht pfiffig sein und ist überzeugt davon: „Kein Grund zur Sorge.“ Gerade wegen seiner fast kindlichen Naivität und seiner Ehrlichkeit hat es nicht lange gedauert, bis ich Kalmann richtig liebgewonnen hatte.
Ich bin begeistert von dem einzigartigen Schreibstil des Autors, von der Beschreibung der Landschaft und der Menschen, der Darstellung der Charaktere, von denen mir Noi, der einzige Freund Kalmanns, und Magga, die Kalmann jeden Samstag mit ihrem Auto und einem rasanten Fahrstil zu seinem Großvater gefahren hat, am besten gefallen haben. Toll war das Gespräch mit Joachim B. Schmidt am Ende des Buches, denn dadurch gab es noch interessante Informationen.
Der Autor muss Land und Leute lieben, ansonsten wäre es wohl kaum möglich gewesen, so viel Herzenswärme in diese Geschichte zu legen. Sehr empfehlenswert!
Kleines Buch mit großem Inhalt
Deine Seele will blühen von Dania König
„Deine Seele will blühen“ – Das ist nicht nur der Titel des kleinen Büchleins von Dania König, sondern die Autorin zeigt mit ihren kurzen Geschichten und poetischen Gedanken, dass es tatsächlich gelingen kann.
Dass es sich bei dem Buch um einen kleinen Schatz handelt, habe ich bereits beim ersten Durchblättern gespürt.
Auf dem Cover sind der Titel und die Unterzeile „Im Alltag Wundern begegnen“ eingebettet in einen Rahmen aus exotischen Blüten und grünen Zweigen, die mit der Hintergrundfarbe wunderbar harmonieren. Genau diese Hintergrundfarbe ist es auch, die für die Texte und die liebevoll gezeichneten Bilder verwendet wird. Das ist ungewöhnlich, aber ein echter Hingucker.
In ihrem Willkommensgruß stellt sich Dania König vor, dass Menschen wie Gärten sein könnten. Bereits bei diesem Vergleich hat mich der bildhafte Schreibstil gepackt und ich konnte mich hineinsinken lassen in die wunderschönen Gedanken und Beschreibungen. Nach dem Willkommen sind es die Jahres-, aber auch die Tageszeiten, die mit wachsenden Wundern – nicht nur zu Hause, sondern auch unterwegs – aufwarten und mich zum Staunen über „Gott und die Welt“ bringen. Die Begegnungen mit Gott und die zitierten Bibelstellen sind geeignet, immer wieder Wundern im Alltag zu begegnen. Es ist nur wichtig, Augen und Ohren offen zu halten.
Was mich total fasziniert ist die Tatsache, dass ich einfach in das Buch hineingreifen kann und immer etwas Schönes entdecke – jetzt gerade zum Beispiel dies: „Dafür hat Gott mich! Dafür, eine Vision von dieser Welt zu haben, wie sie besser sein könnte, und dann daran zu arbeiten, dass sie wahr wird.“
Mich hat das kleine Buch mit großem Inhalt total begeistert und verzaubert, und ich weiß schon jetzt, dass es zu den Büchern gehört, die mich noch lange begleiten werden. Darum wird es bei mir einen Platz finden in meinem "Immer-wieder-reinschauen-Regal".
So unterhaltsam kann Geschichte sein
Karl der Große und der Feldzug der Weisheit von Maria Regina Kaiser
Maria Regina Kaiser zeigt mit ihrem Buch „Karl der Große und der Feldzug der Weisheit“, dass man Gefallen finden kann am Lernen, dass es Spaß machen kann, sich (nochmal) mit historischen Ereignissen zu befassen. Dieses Buch ist übrigens nur eines von mehreren ähnlichen Büchern aus dem Verlag impian.
Siggilind, eine junge Sächsin, ist fest entschlossen, am Hof und vor dem Kaiser zu singen und musizieren. Was sie bereit ist dafür aufzugeben und welche kleinen Tricks sie anwendet, um ihr Ziel zu erreichen, das erzählt mit einfachen Worten eine Geschichte, die nicht nur sehr spannend und unterhaltsam ist, sondern auch mit vielen kleinen Illustrationen von Klaus Puth untermalt und dadurch zusätzlich aufgewertet wird.
Die Geschichte von Siggilind ist geschickt eingearbeitet in die Kapitel mit interessanten und lehrreichen Informationen zum Leben und Wirken von Karl dem Großen. Mir haben besonders die Kapitel „Das Leben Karls des Großen“ und „Wichtige Männer am Hofe Karls“ gefallen. Sein Leitsatz: „Kultur ist stärker als das Schwert“ hat mich stark beeindruckt.
Eine Karte mit der Übersicht über das Fränkische Reich, das umfangreiche Glossar und eine Zeittafel über Karls Leben waren mir eine große Hilfe.
Für mich war es das erste Buch einer Reihe, doch ich bin mir sicher, dass ich auch weitere lesen werde.
Wenn ich richtig gelesen habe, wird das Buch empfohlen für Leser von 10 bis 110 Jahren. Da bietet sich auch gemeinsames Lesen von Kindern und Erwachsenen an.
Sehr gern gebe ich eine Empfehlung für dieses großartige Buch.
Mach das, was sich gut anfühlt
Karl der Große und der Feldzug der Weisheit von Maria Regina Kaiser
„Zweite Chance verpasst“ von Alexander Wieser. Das Cover zieht meinen Blick an. Ein Mann in einer Gefängniszelle? Er sieht kräftig aus. Das zeigt seine starke Hand, die eine Gitterstange umklammert. Doch die Augen sprechen etwas anderes. Ich bin neugierig, lasse mich auf die Geschichte von Alexander Wieser ein und bin gespannt darauf, was er zu sagen hat.
Schonungslos offen erzählt Alexander, warum er hinter Gittern gelandet ist. Es beginnt in der Kindheit. Er berichtet von seinem Vater, aus der Schule, von Erlebnissen aus seiner Jugend, von falschen Freunden. Sein Leben war nicht einfach. Doch nach allem, was er erlebt hat, ist irgendwann der Zeitpunkt da, wo ihm etwas Wichtiges klar wird: Kein anderer Mensch ist verantwortlich für das, worauf man sich einlässt, wie man sein eigenes Leben gestaltet, was man tut und was man besser lässt.
Ich freue mich, dass es in Alexanders Leben auch Menschen gab, die ihm gut getan haben: sein Opa, die Psychologin – und Roland, der die Pellkartoffeln genossen hat.
Ein Satz in der Buchbeschreibung hat mich besonders berührt: „Im Leben kann man hinfallen, wichtig ist nur, einmal mehr aufzustehen.“
Alexander Wieser ist es gelungen – und er hat dafür meinen vollen Respekt. Sehr gern empfehle ich dieses Buch weiter und wünsche mir, dass es viele Leser findet, deren Leben ähnlich verlaufen ist wie das von Alexander.
„Lebe dein Leben heute, nicht morgen und nicht sonst irgendwann. Mach das, was sich gut anfühlt...“ Das sind die ersten Worte von dem, was Alexander seinem Leser mitgeben möchte. Ich hätte gern den ganzen Abschnitt hier wiedergegeben, aber: Lest selbst. Es lohnt sich!
Jesus Christus ist der Weg
Großstadtmond von Rüdiger Marmulla
In „Großstadtmond“ erzählt Rüdiger Marmulla die Geschichte zweier Pastoren, die lange Zeit ihren Dienst verrichtet haben, doch plötzlich an ihre Grenzen stoßen.
Andreas Metzler ist Pastor einer Nürnberger Kirchengemeinde. Er merkt selbst, dass sich etwas ändern muss, nachdem er nicht nur Glaubenszweifel, sondern auch das Gefühl hat, in ein tiefes Loch zu fallen.
Er sucht sich professionelle Hilfe bei einem Psychologen.
Gordon Baker ist ein bekannter Evangelist, der auf großen Bühnen unterwegs ist, um seine Mission zu erfüllen. Davon ist er wie berauscht und merkt nicht, wie er sich langsam in eine falsche Richtung bewegt.
Rüdiger Marmulla spricht sehr offen über die Wege der beiden Pastoren. Durch den Therapeuten, der Pastor Metzler in den Sitzungen die Geschichte von Gordon Baker erzählt, hören wir wechselweise, wie unterschiedlich die Wege sein können, die Menschen gehen, obwohl sie denselben Auftrag erfüllen wollen.
Was haben Ostern und Passah gemeinsam? Welche Bedeutung hat der Vollmond? Die Gedanken und Erklärungen zu diesen Fragen haben mich sehr beeindruckt.
In die Geschichte von Pastor Metzler konnte ich mich gut hineinversetzen. Doch in den Menschenmassen, die Gordon Baker gefolgt sind, habe ich mich zunächst unwohl und daher fehl am Platz gefühlt, denn mir kamen negative Gedanken zum Begriff Guru in den Sinn. Allerdings änderte sich das bald im weiteren Verlauf.
Mir hat das Buch gezeigt, dass Pastoren eben „auch nur Menschen“ sind. Und ich habe wieder einmal festgestellt, wie wichtig es ist, dass wir bei allem, was wir tun, Jesus Christus nicht aus den Augen verlieren dürfen.
Bezaubernde Comics
In tiefen Wäldern Träumen lauschen. Bd.4.Bd.4 von Jing Zhang
Bilder, die auch ohne Worte sprechen, begeistern mich auch im vierten Band der Geschichte von der Prinzessin und dem stummen Jüngling. Zeigten die Abbildungen der Cover der bisherigen Bände die Prinzessin oder den Jüngling, so sehen wir diesmal die Zuhörende und den Erzählenden der Geschichte, den Mann mit der Affenmaske, hier allerdings zum ersten mal ohne Maske – allerdings ist er nur von hinten zu sehen.
Eine schöne Zeichnung, aber auch die Rückseite ist mit den filigranen Blüten und dem Schmetterling ein wunderschöner Hingucker.
Die Geschichte selbst nimmt jetzt ordentlich an Fahrt auf. Sie lässt mich staunen und hoffen, macht mich aber auch traurig und lässt mich erschrecken.
Mir fällt es schwer, auf Einzelheiten einzugehen, weil ich einfach nichts verraten möchte. Nur so viel: Ich habe mich sehr gut unterhalten, war der Meinung, dass die Geschichte mit dem vierten Band ihr Ende findet, war zunächst enttäuscht und freue mich jetzt auf den nächsten Band.
Spaß und Spannung für die ganze Familie
Schnapp den Dieb! Spannende Rätselkrimis zum Mitraten von Steffen Gumpert
„Schnapp den Dieb! Spannende Rätselkrimis zum Mitraten“ – Diese Einladung habe ich gern angenommen und bin zusammen mit den vier Hobbydetektiven vom Knobelklub Kieselklein auf Spurensuche gegangen. Neben dem pensionierten Polizeiinspektor Kurt Kieselklein gehören seine Enkelkinder Lilo und Tilo dazu, und – nicht zu vergessen – Gurke, Lilos giftgrüner Gecko.
Insgesamt sind es fünf knifflige Fälle, die der Autor Steffen Gumpert, seines Zeichens Illustrator, Comiczeichner und Cartoonist, in diesem Rätselbuch aus dem Verlag Ravensburger in Szene gesetzt hat. Bereits auf dem Cover sieht man die aufmerksamen Detektive, wie sie einem Dieb auf den Fersen sind.
Aufmerksamkeit ist beim Lesen der Geschichten und beim Betrachten der Bilder ebenfalls gefragt, damit die gestellten Aufgaben, die manches Mal wirklich sehr knifflig sind, gelöst werden können. Es gibt Rätsel in vielen verschiedenen Variationen, die viel Abwechslung in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bieten. Ganz viele Wimmelbilder sorgen für großen Spaß beim Suchen oder einfach beim Betrachten und Entdecken vieler kleiner Besonderheiten und Details.
Das Buch hat ein handliches Format und findet auch Platz in einer kleinen Handtasche. Gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist, sorgen die Geschichten mit ihren lustigen Bildern und Rätseln dafür, dass niemals Langeweile aufkommt.
Sehr gern empfehle ich das Buch, das Unterhaltung bietet für Groß und Klein, für Jung und Alt!
Viele Erinnerungen werden geweckt
Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens von Barbash Tom
Die Geschichte „Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ von Tom Barbash führt zurück in das Jahr 1979 und spielt in New York City. Das Buch ist erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
Ein Nervenzusammenbruch des berühmten Late-Night-Show-Moderators Buddy Winter führt dazu, dass er fluchtartig die Bühne verlässt und für einige Zeit einfach verschwindet.
Sein Sohn Anton, zu dem er immer ein besonders gutes Verhältnis hatte, soll ihm helfen, den Weg zurück auf die Bühne zu finden.
„Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ – Das sagt Anton und Tom Barbash lässt ihn die Geschichte erzählen, in der Realität und Fiktion sehr gekonnt miteinander verwoben werden.
Mir hat die Reise in die Vergangenheit sehr gefallen, ich habe mich mitgenommen gefühlt in die Zeit vor vierzig Jahren, sehr viele Erinnerungen wurden geweckt. So habe ich es genossen, von vielen prominenten Persönlichkeiten – wie zum Beispiel Katherine Hepburn und „African Queen“ – zu lesen, mich an die Zeit der Discoroller erinnern zu lassen und an die Zeit, als Kassettenrecorder noch gefragt waren. Die Begegnung mit vielen Musikern und ihren Songs haben mich erkennen lassen, dass diese Zeit auch für mich besonders und gut war. Schön, dass John Lennon so stark eingebunden wird.
Allerdings waren die Rückblicke nicht nur positiv und schön, denn auch in der damaligen Zeit gab es politische und andere Ereignisse, die die Welt bewegten und die mich auch nach den vielen Jahren immer noch berühren.
Die Geschichte der Winters mit John Lennon in der Nachbarschaft war sehr abwechslungsreich und aufschlussreich. Ich habe es genossen, mit Anton „auf Tour“ zu gehen und dabei seine Freunde kennenzulernen, Kip beim Tennismatch zuzuschauen, Mrs Winter zu begleiten und immer wieder etwas aus Buddys Leben zu erfahren. Eine tolle Familie!
Eine einzigartige Geschichte, die Tom Barbash erzählt – besonders toll, spannend und dramatisch war für mich der Segeltörn.
Großartig und spannend im 3. Band
In tiefen Wäldern Träumen lauschen. Bd.3.Bd.3 von Jing Zhang
Die Begeisterung für die Bilder von Zhang Jing, Autorin und Malerin der Comic-Geschichte „In tiefen Wäldern Träumen lauschen“ – Die Geschichte von der Prinzessin und dem stummen Jüngling – lässt nicht nach. Bei diesem 3. Band hat mich die farbige Rückseite mit den herrlichen Blüten, Blättern und Libellen am meisten beeindruckt.
Die Libellen wirken sehr lebendig. Doch auch die Comic-Zeichnungen in der Geschichte in Schwarzweiß sind wunderschön.
Der stumme Prinz sieht immer noch sehr melancholisch aus und ich habe das Gefühl, dass es ihm nicht gut geht. Zhang Jing schreibt: „Äußerlich widersetzte sich A Jiu zwar nicht … aber seine immer trübsinnigere Miene verriet, dass er einer Blume glich, die man aus der Erde gerissen hat…“ Aber er sorgt auch für einige Überraschungen. Mein Empfinden ist es, dass die Geschichte ordentlich an Fahrt aufgenommen hat.
Mir gefallen auch Erzähler und Zuhörerin dieser Geschichte, der Mann mit der
Affenmaske und die junge Malerin. Ich bin gespannt, wer hinter der Maske steckt und freue mich auf den vierten und letzten Teil der Geschichte.
Welches ist das zweitbeste Leben?
Das zweitbeste Leben von Jones Tayari
„Das zweitbeste Leben“ von Tayari Jones ist erschienen im Verlag Arche und erzählt die Geschichte von James Witherspoon, der in Atlanta lebt und nicht nur mit zwei Frauen verheiratet ist, sondern mit beiden Frauen eine fast gleichaltrige Tochter hat. Zur „offiziellen“ Familie gehören Laverne und Tochter Chaurisse, die „geheime“ Familie sind Gwendolyn und Tochter Dana.
Als sie mit James eine Beziehung eingegangen ist, wusste Gwen, dass er bereits verheiratet ist, dennoch hat sie sich ganz auf ihn eingelassen. Dana hingegen konnte sich nicht frei entscheiden, sondern hat schon als kleines Mädchen erfahren müssen, dass sie ein „Geheimnis“ ist, und sie musste damit leben, auch damit, keinen wirklichen Vater zu haben. Jetzt, wo ich meine Rezension zu diesem Buch schreibe, spüre ich noch einmal ganz intensiv den seelischen Schmerz, den Dana ertragen musste.
Es ist das erste Buch, das ich zum Thema Bigamie gelesen habe. Tayari Jones hat darin sehr eindrücklich, berührend und ausdrucksstark geschildert, mit welchen Lügen, Ängsten, seelischen Grausamkeiten und auch Verzichten Kinder wie Dana klarkommen müssen. Man denke beispielsweise nur daran, dass sie nicht einmal ihre Großeltern kennenlernen durfte.
Im ersten Teil erzählt Dana von ihren Gefühlen und davon, wie es sich anfühlt, wenn man immer und bei jeder Gelegenheit nur die Nummer zwei ist, ein Geheimnis, minderwertig und weniger geliebt als die andere. Wie der Fußballspieler, der ein Spiel nur auf der Ersatzbank verbringen darf ... - nur schlimmer.
Dana weiß, dass ihr Vater James, den sie mit „Sir“ anspricht, eine „echte“ Familie hat, Chaurisse und ihre Mutter hingegen haben von seinem Zweitleben keine Ahnung. Wie der Alltag in ihrer Familie aussieht, erfahren wir im zweiten Teil des Buches von Chaurisse. Es ist interessant und spannend, dieselbe „Sache“ aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Dabei kommen sowohl im ersten als auch im zweiten Teil Hintergründe aus der Vergangenheit ans Licht, die mich manches besser verstehen lassen, so auch die Beweggründe, die zur „Zweitfamilie“ geführt haben. Dennoch kann ich James‘ Tun auf keinen Fall gutheißen.
Egal wie die Geschichte ausgeht: Ich bin mir nicht sicher, ob es am Ende jemanden gibt, der „Das zweitbeste Leben“ hat, sondern denke, dass keiner wirklich glücklich sein kann. Vielleicht ist es für alle dasselbe.










