Kunden em pfehlungen
Rezensionen von liesmal:
Aus der Hoffnungslosigkeit über den Weg der Sehnsucht in eine helle Zukunft
„Spuren der Vergangenheit, …Gegenwart und Zukunft“ von Walter Maria Wintzen ist erschienen im Verlag Treeangel.
Das Buch hat einen festen Einband, dessen Hintergrundfarbe genau wie die der Innenseiten in Dunkelblau gehalten ist. Jede Doppelseite bildet eine Einheit aus einem kurzen Text auf der linken und einem dazu passenden Foto auf der rechten Seite.
Die gezeigten Illuminationen sind Teil ders „Lichtfestival Schloss Dyck“ in Jüchen und lassen die Natur durch eine gekonnte Mischung aus Licht und Dunkelheit wie Kunstwerke erscheinen. Auch das Cover ziert eines dieser Fotos. Es zeigt einen wunderschönen Schmetterling, ebenfalls in Blautönen, der an Zartheit und Zerbrechlichkeit denken lässt. Und an seine Vergangenheit, an die jetzt nicht mehr viel erinnert, doch jeder Schmetterling hat ja bereits eine Verwandlung erfahren. Darum ist das Bild des Schmetterlings gerade für dieses Buch eine sehr gute Wahl, denn:
Auch Walter Maria Wintzen beschreibt mit seinen Gedanken den Weg, den er selbst in Zeiten tiefer Trauer gegangen ist. Es ist ein Weg, der in kleinen Schritten aus der Hoffnungslosigkeit herausführt, irgendwann die Sehnsucht und mit ihr die Abzweigung erkennen lässt, die zurück ins Leben führen kann. Dann können neue Lichter auftauchen – Spuren neuer Zuversicht.
Walter Maria Wintzen – sein Weg der Verwandlung kann den Menschen Trost und Hoffnung schenken, die verzweifelt sind und nicht mehr an eine lebenswerte Zukunft für sich glauben mögen.
Un-Zertrennlich
Schatten der Welt Roman. Kartoniert. von Izquierdo Andreas
Mit „Schatten der Welt“ führt Andreas Izquierdo den Leser nach Thorn in Westpreußen – zurück in das Jahr 1910. Das Cover zeigt einen Jungen, der völlig unbeschwert auf einer Mauer balancierend in der Weite der Landschaft seine glückliche Kindheit genießt. Für mich ist dieser Junge Carl, einer der drei jungen Menschen, von dem die Geschichte erzählt, neben Carl sind das Artur und Isi.
Carl ist ein stiller, zurückhaltender Junge, der allein mit seinem Vater in dessen Schneiderei lebt. Das liebevolle Verhältnis zwischen Vater und Sohn macht der Autor durch seinen einfühlsamen Schreibstil sehr deutlich. So hört sich Carl die Geschichten seines Vaters aus der Zeit vor Carls Geburt geduldig an, egal, wie oft der sie wiederholt – und er hilft dem Vater auch gern bei der Arbeit in der Schneiderei.
Im Gegenteil zu Carl ist sein Freund Artur, mit 14 Jahren ein Jahr älter als Carl, ein ziemlich rauer Geselle. Er ist nicht nur groß und kräftig, sondern er weiß recht früh, dass er sein Dasein nicht als Wagner in der Werkstatt seines Vaters fristen will, der übrigens nicht so liebevoll ist wie der Vater von Carl, sondern zu Hause ein strenges Regiment führt. Artur will mehr aus seinem Leben machen und nicht in den ärmlichen Verhältnissen leben wie seine Familie.
Isi ist ein intelligentes Mädchen, hat allerdings bei ihrem strengen Vater im Gegensatz zu ihren Geschwistern nichts zu lachen. Vielleicht ist sie deswegen vorlaut und frech. Sie lässt sich nämlich nicht einschüchtern und lernt bald, dass man sich wehren muss, wenn man nicht untergehen will. Isi verfügt außerdem über eine gehörige Portion schauspielerisches Talent. Das erfährt Carl auf unliebsame Weise, als sie ihm ein Kleid abluchst, das für eine „Dame der besseren Gesellschaft“ bestimmt war. Nachdem sie sich allerdings in einer anderen Situation noch einmal begegnen, sind die drei jungen Leute nach kurzer Zeit beste Freunde.
Carls Herz schlägt bald für den Beruf des Fotografen, Arturs Herz für Isi.
Es macht unglaublichen Spaß, die Jugendlichen auf dem Weg ins Erwachsenenleben zu begleiten. Artur und Isi haben aufgrund der Nachricht, der Komet Halley könne die Menschheit vernichten, ihre erste Geschäftsidee, die sie mit Raffinesse vertreten. Auch wenn das Ganze nicht ganz lupenrein war, ist zu erkennen, dass ein kluger Geschäftsmann in Artur steckt.
Ich mag sehr gern Bücher, die in Ich-Form geschrieben sind. Da gefällt es mir in diesem Buch natürlich besonders gut, dass mein Lieblingsprotagonist Carl der Erzähler ist. Aber auch Isi und Artur sind mir ans Herz gewachsen und ich freue mich nicht nur über ihren Übermut, ihre Schlitzohrigkeit, den unglaublichen Zusammenhalt und ihre anhaltende Freundschaft, sondern auch darauf, wie das Trio auch weiter gemeinsam das Leben gestaltet…
Leider kommt es anders als erwartet, denn der Erste Weltkrieg macht auch vor den Toren Thorns nicht halt. Damit beginnt ein Teil deutscher Geschichte, bei dem ich auf eindrückliche Weise mein Wissen um das Geschehen in dieser Zeit erweitern konnte. Das erlebe ich gern bei so gut recherchierten historischen Romanen wie diesem und anhand von beispielhaften Einzelschicksalen.
Carl und Artur werden eingezogen, müssen getrennte Wege gehen und ihre eigenen Erfahrungen machen mit den Ungerechtigkeiten, dem Machtmissbrauch und den Gräueltaten des Krieges. Isi kann zwar in Thorn bleiben, hat aber hier ihre eigenen Kämpfe zu bestehen. Stark wie immer setzt sie ihre vollen Kräfte für die Rechte der Frauen ein.
Andreas Izquierdo hat mich auch in diesem Teil der Geschichte voll überzeugt, indem er mich mitgenommen hat auf die unterschiedlichen Wege, die die Freunde jeweils allein gehen mussten. Wechselweise und hautnah habe ich spüren können, was Carl, Artur und Isi erlebt haben - und nicht selten fühlte ich mich hilflos, verletzt und entsetzt, denn durch den eindringlichen, emotionalen Schreibstil war ich einfach immer ganz nah dabei. Ganz besonders berührend war für mich die Verbundenheit ihrer Herzen, die die Freunde niemals haben abbrechen lassen – bis zum Schluss!
Ein großartiges emotionsgeladenes Buch, das ich uneingeschränkt und liebend gern empfehle!
Zweifel, Hoffnung, Glauben
Gott suchen in der Krise von Ulrich Eggers
Der Titel „Gott suchen in der Krise“ und dazu der Teaser „Glaube und Corona“ haben mich neugierig gemacht darauf zu erfahren, was andere Menschen in Zeiten von Corona erlebt haben.
Verschiedene Autorinnen und Autoren berichten in ganz persönlichen Beiträgen, wie sie mit den Glaubensfragen, die in der „Zeit mit Corona“ entstehen, umgehen und wie ihre Beziehung zu Gott in Krisenzeiten belastbar und offen bleibt.
Das Buch hat großen Eindruck auf mich gemacht. Die Geschichten konnte ich nicht einfach hintereinander weg lesen, sondern einige haben mich nicht nur zum Nachdenken angeregt, sondern auch inspiriert, sie mit anderen Menschen zu teilen und - wenn es die Zeit wieder erlaubt - in einem kleinen Kreis zu besprechen und mich auszutauschen.
Bereits das Vorwort des Herausgebers, Ulrich Eggers, hat mich stark beeindruckt. Es heißt dort, dass Corona gar nicht die Krise ist, sondern dass die Krise doch immer präsent ist, in Form von Leid, Schmerz Verlust immer da – nur eben nicht hier…
…und jetzt mit Corona doch hier – so wie überall. Alle sind gleich betroffen.
Mich hat es fasziniert, wie die ganze Situation mit wenigen Worten genau auf den Punkt gebracht werden kann.
Ich bin froh und dankbar, dass ich dieses Buch gefunden habe. Es ist wunderbar, wie offen in den Geschichten über den Glauben, aber auch über die Ängste und Hoffnungen gesprochen wird. Vielen Dank dafür.
Jede der einzelnen Erzählungen hat mir etwas (mit-)gegeben, ganz viele Markierungen „schmücken“ jetzt mein Buch – Zettel an Stellen, die mir wichtig sind, mit denen ich mich noch lange weiter beschäftigen möchte.
Geschichten, die Mut machen und mich spüren lassen, dass niemand ganz allein ist. Sehr gern gebe ich meine Empfehlung für das krisenfeste Buch.
Feiere das Leben - mal laut und mal ganz leise
Gott suchen in der Krise von Ulrich Eggers
„Auf das Leben! – Die großen und kleinen Meilensteine des Lebens feiern“ so Titel und Untertitel des Buches von Tina Tschage aus dem Verlag adeo.
Das Buch bietet viele Ideen, die verschiedenen Stationen auf dem Lebensweg zu feiern. Feiern – das hört sich zunächst mal fröhlich an, doch es gibt auch Feiern zu traurigen Anlässen, die hier ihren Raum finden.
Direkt nach dem Vorwort wird das Leben mit einer Achterbahnfahrt verglichen und am Beispiel eines EKG sieht man, dass die Kurve im Leben eines Menschen nicht immer nur hoch hinaus geht und von Glücksgefühlen bestimmt ist, sondern es gibt Schwankungen und manchmal geht es auch tief runter und die Traurigkeit hat ihre Zeit. Zu all den Anlässen gibt es Angebote, wie man die Tage feiern kann.
Es ist inhaltlich nicht das Buch, das ich erwartet hatte, denn es ist weit mehr und ich wurde mit vielen positiven Überraschungen belohnt.
Was mir gut gefallen hat:
das Buch selbst, Hardcover, quadratisch, tolles Layout mit vielen Illustrationen liebevoll gestaltet,
Zitate bekannter Persönlichkeiten und wunderbare Tipps sowie Buchempfehlungen, passend zu den Anlässen,
Erzählende mit persönlichen Geschichten „Aus der Erfahrungsschatzkiste“,
die Übersicht der Gedenk- und Jahrestage mit der Möglichkeit, auf einer Extraseite die eigenen besonderen Gedenk- und Feiertage einzutragen,
die religiösen Feste im Jahresverlauf mit vielen interessanten Informationen.
Nina Tschage ist Theologin, die sich mit diesem Buch an Menschen aller Glaubensrichtungen, aber auch an nicht religiöse Menschen richtet. Die Herzenswärme, mit der es geschrieben wurde, ist spürbar.
„Umarme das Leben mit allem, was es dir bietet“, empfiehlt Nina Tschage aus eigener Überzeugung.
Das Buch, das wie eine kleine Schatzkiste ist, empfehle ich aus vollem Herzen sehr gern weiter. Bei mir wird es einen Platz in greifbarer Nähe bekommen, denn es ist ein Buch nicht nur zum Einmallesen.
Große Gefühle mit Tiefengrund
Jeden Tag ein neuer Himmel von Thomas Violet
„Jeden Tag ein neuer Himmel“ heißt das Buch von Violet Thomas aus dem Verlag Lübbe, in dem Charlotte und Sam abwechselnd aus ihrer Sicht erzählen. Dabei scheinen es zwei ganz unterschiedliche Menschen zu sein. Charlotte ist eine junge Krankenschwester, die im Begriff ist, ihre neue Stelle in einem Londoner Kinderhospiz anzutreten.
Fast ein Jahr ist es her, dass ihre Tochter Daisy verstorben ist. In ihrer Trauer hat sie kaum jemanden an sich herangelassen und blieb am liebsten ganz allein. Sam ist ein Straßenmusikant, der seine ganze Liebe zur Musik in seine Lieder legt. Wichtiger als vor einem Riesenpublikum zu spielen ist ihm, die Menschen mit seiner Musik zu berühren. Das gelingt ihm bei Charlotte mit seinem Song „Daisy“, der sie an ganz intensiv und gefühlvoll an ihre Tochter denken lässt.
Der Schreibstil von Violet Thomas ist anrührend, emotional – ihre Geschichte neben der Frage, ob Charlotte und Sam eine Beziehung eingehen und die Liebe ihres Lebens finden, äußerst vielseitig und tiefgründig.
Charlotte betreut im Kinderhospiz den kleinen Hamish, einen liebenswerten Jungen, der kein leichtes, aber ein aufregendes Leben hinter sich hat, und weiß, dass er bald sterben muss. Spannend finde ich den Umgang mit Fragen nach dem Tod – was sagt man einem todkranken Menschen, was behält man lieber für sich? Hamish, dieser tapfere kleine Junge mit einem großen Herzen, wird von Charlotte liebevoll in seiner letzten Zeit begleitet und ist auch Charlotte in ihrer Trauer eine große Hilfe. Er ist eine große Bereicherung für dieses Buch.
Neben Hamish gibt es noch viele Figuren, die durch ihr ganz eigenes Wesen dem Buch eine besondere Note geben, zum Beispiel:
Charlottes Freundin Emily, die eine tolle Familie hat, und mich beeindruckt mit ihrer
Auffassung, dass man Emotionen auch in der Öffentlichkeit einfach rauslassen darf.
Marc, der an seinen Bruder Sam und dessen Träume glaubt und ihn selbstlos unterstützt.
Stella – für mich ein ganz wertvoller Mensch mit großen Gefühlen, auch wenn es anders scheinen mag.
Es gibt in diesem Buch viele herzerwärmende Zitate. Einer meiner Lieblingssätze ist dieser Wunsch: „Reise mit den Sternen und finde jeden Tag einen neuen Himmel, tapferer Junge.“
Nur ab und zu lese ich mal einen Liebesroman. Dieser hat mich angesprochen durch das Cover mit dem vielversprechenden Titel und durch die Buchbeschreibung, die die Verbindung zum Kinderhospiz herstellt. Große Gefühle, die eine große Wirkung auf mich hatten. Sehr gern gebe ich eine Empfehlung für dieses Buch.
Abends der Mai
Mai von Karel Hynek Mácha
„Mai“ – von Karel Hynek Mácha, einem tschechischen Dichter der Romantik des 19. Jahrhunderts. Romantisches Liebesepos lautmalerisch übersetzt von Ondřej Cikán. Erschienen im Ketos Verlag. Tschechisch / Deutsch. Illustrationen von Antonín Šilar.
Buchbeschreibung: „Ein Räuberhauptmann wird hingerichtet, weil er die Verführung seiner Geliebten gerächt hat.
In eindrucksvollen Bildern verabschiedet er sich von der Erde…“
Wer jetzt glaubt, dass es sich um eine düstere, vielleicht sogar grausame Geschichte handelt, der hat sich geirrt. „Mai“ hält tatsächlich das, was das Cover verspricht, nämlich eine romantische Geschichte – zwar voller Enttäuschungen, Verletztheit, Trauer, aber auch voller Sehnsucht, Hoffnung und Schönheit.
„Es war spät Abend – erster Mai –
Abends der Mai war Liebeszeit.
Das Täubchen ruft zur Lieb herbei,
Der Föhrenhain duftete weit.“
Das sind die ersten Zeilen, und traurig-romantisch geht es weiter. Ich lese von der seufzenden, stillen Rose, von Bäumen, die sich umschlungen halten, von einem Mädchen, das bei rosenrotem Abendlicht weit über den See schaut. Es ist Jarmila, die vergeblich auf ihren geliebten Wilhelm wartet.
Die klangvollen Worte lassen mich die Natur in all ihrer Schönheit mit deutlichen Bildern vor Augen erkennen. Ich lese Teile des Gedichtes immer wieder, mal leise und mal laut – immer langsam, damit ich mich ganz hineinfallen lassen kann, zum Beispiel „in das Moos, das von Liebe flüstert“.
Ich weiß nicht, ob es an den unterschiedlichen Versmaßen liegt, aber wenn ich das Buch zur Seite lege, dann sind manchmal nur einzelne Worte hängen geblieben, aber ich spüre dem Gelesenen nach und habe eine Melodie im Kopf – als wäre es ein Gesang.
Interessant finde ich, dass „Mai“ zur Pflichtlektüre in Tschechiens Schulen gehört. Dass sich Verliebte am Denkmal Máchas treffen und dort den „Mai“ zitieren, stelle ich mir großartig vor.
Ich bin wirklich beeindruckt davon, wie es dem Autor Karel Hynek Mácha und dem großartigen Übersetzer Ondřej Cikán gelungen ist, mit diesem Werk meine Gefühle durcheinanderwirbeln zu lassen. Dafür verdienen beide meine ganze Hochachtung.
Bücher, die im Verlag KETOS erscheinen, verfügen über einen ausführlichen Anhang – so auch dieses. Neben dem Nachwort des Übersetzers gibt es umfangreiche Informationen zum Leben und Wirken Máchas, ganz speziell zu „Mai“ und vieles mehr.
Ich habe mich mit diesem Buch auf ein neues Terrain gewagt und möchte mit meiner Empfehlung von Herzen gern meine Begeisterung weitergeben.
Es bleibt spannend
Das Buch der gelöschten Wörter - Zwischen den Seiten von Mary E. Garner
„Das Buch der gelöschten Wörter – Zwischen den Seiten“ ist der zweite Teil einer Trilogie von Mary E. Garner. Erschienen ist das Buch im Lübbe Verlag.
Welche finstere Macht ist verantwortlich dafür, dass in böser Absicht online geschriebene und später gelöschte Wörter in DAS BUCH gelangen können und drohen, diese Welt zu vernichten? Das ist auch weiterhin die Frage, die es aufzuklären gilt.
„Der erste Federstrich“, mit dem Hope ihr seltenes Talent anwenden und DAS BUCH bereinigen konnte, war gelungen. Doch die Gefahr wird nicht geringer. Immer schneller füllen sich die Seiten. Hope hat beim Bereinigen ein eigenartiges Gefühl – irgendetwas stimmt nicht „Zwischen den Seiten“.
Der Prolog lässt zunächst viele Fragezeichen bei mir zurück. Die Menschen, von denen die Rede ist, sind vorher noch nicht aufgetaucht. Es beginnt mit einem freundlichen Gespräch, das allerdings ganz anders endet als erwartet. Erst sehr viel später wird klar, wie diese Szene in die Geschichte passt. Die Verbindung ist nicht leicht zu erkennen, aber dennoch gut gemacht.
Mit der Geschichte geht es nach dem Cliffhanger des ersten Teils spannend weiter. Hope muss feststellen, dass es verrückt ist, wie leicht man auf eine falsche Fährte gelangen oder auch gelenkt werden kann und dann mit seinen Schuldgefühlen klar kommen muss.
Das Eintauchen in die Bücherwelten versorgt mich weiterhin mit guter Unterhaltung. Hope gerät durch Leichtsinnigkeit oder vielleicht auch durch unüberlegtes Handeln so manches Mal in arge Bedrängnis, bekommt allerdings auch neue wichtige Erkenntnisse.
Mary E. Garner ist es auch mit dem zweiten Teil gelungen, mich mit ihrem leichten, aber mitreißenden Schreibstil in das Reich der Fantasy zu entführen und meine Begeisterung nicht zu schmälern, denn wieder bin ich nur so durch die Seiten geflogen. Dabei kamen weder Spannung, tolle Unterhaltung in den Bücherwelten noch der Humor zu kurz. Was den Humor angeht, haben mich zwei Personen zum Schmunzeln und zum Lachen gebracht. Das ist zum einen Oliver Wandler. Von Hope als kleine „Wanderkugel“ bezeichnet, ist er nicht nur liebenswert, witzig und cool, sondern auch äußerst hilfsbereit. Auch der Taxifahrer Ahmed ist ein Typ, der mir richtig gut gefällt, vor allem mit seinem Drang, endlich mal an einer Verfolgungsjagd beteiligt zu sein. Damit hat er erheblich zum Lesevergnügen beigetragen.
Natürlich gibt es auch am Ende dieses Teils einen gemeinen Cliffhanger!
Das Geheimnis „Zwischen den Seiten“ ist gelüftet, ein paar Fragen sind offen geblieben, einige Personen, die vorher schon mal in Erscheinung getreten sind, vermisse ich noch und eine ganz bestimmte Romanfigur habe ich auf meiner Liste der Verdächtigen an oberster Stelle, obwohl ich mir eigentlich nicht vorstellen kann…
Gespannt warte ich auf den letzten Teil. Ob sich meine Fragen alle klären und ob ich mit meiner Vermutung richtig liege oder nicht, bleibt abzuwarten. Bis hierher hat es mir jedenfalls gut gefallen.
Es bleibt nur noch ein Sommer
Kostbare Tage von Kent Haruf
Dad Lewis wohnt mit seiner Frau am Rande der kleinen Stadt Holt. Obwohl es ein fiktiver Ort ist – in dem übrigens alle Bücher des Autors Kent Haruf spielen – wirkt er durch die bildhafte Beschreibung sehr realistisch.
Nach einem Arztbesuch weiß Dad Lewis, dass dies sein letzter Sommer sein wird.
Er und seine Frau Mary sind seit mehr als fünfzig Jahren zusammen und sie will alles dafür tun, ihm in der letzten Lebensphase so gut wie möglich zur Seite zu stehen. Mary und Dad haben zwei Kinder, die beide außerhalb wohnen. Seine Tochter Lorraine kommt nach Hause, damit sie ihre Eltern in dieser schweren Zeit unterstützen kann. Mit seinem Sohn Frank hat er sich vor vielen Jahren entzweit und lange haben sie nichts mehr voneinander gehört.
Zu den Nachbarn haben die Lewis‘ ein gutes Verhältnis und der Zusammenhalt ist sehr stark, wie an kleinen Episoden zu spüren ist.
Wenn ich versuche, mich in Dads Lage hineinzuversetzen, dann stelle ich mir vor, in vielen Dingen ähnlich handeln zu wollen, wie er es getan hat. Es sind Erlebnisse aus der Vergangenheit, die jetzt wieder wichtig für ihn werden, berufliche Dinge, die er noch geregelt wissen will – und natürlich die Hoffnung darauf, Frank noch einmal zu sehen.
Der Schreibstil ist sehr eindrucksvoll, aufwühlend und herzbewegend. Haruf ist es gelungen, die ganzen Gefühle der Menschen in seine Worte zu legen – wie zum Beispiel Marys Liebe zu ihrem Mann mit diesem Satz: „Sie beugte sich vor, küsste ihn aufs Haar, legte einen Arm um seine Schultern und hielt seine altersfleckige Hand zärtlich an ihre Wange.“ Manchmal dachte ich, ich müsste „ganz vorsichtig“ lesen, um ja nichts zu zerbrechen und um die Gefühle nicht zu zerstören.
Ein großartiges Buch, das ich sehr gern weiterempfehle.
Gesucht und gefunden
Der Preis der Rache von Mathias Berg
„Der Preis der Rache“ ist erschienen im KNAUR Verlag und bildet den Auftakt einer Cold-Case-Serie von Mathias Berg.
Im Jahr 2003 trifft die junge forensische Psychologin Lupe Svensson beim LKA Düsseldorf auf den etwa 60-jährigen Ermittler Otto Hagedorn, der auf den ersten Blick ein komischer Kauz zu sein scheint, er wirkt kratzbürstig und unnahbar.
Dadurch bekomme ich den Eindruck, dass er Lupe, die als Praktikantin arbeitet, nur mit nebensächlichen Arbeiten betrauen will. Doch Lupe wird sofort von ihm mit einbezogen in die Ermittlungen in einem brisanten Mordfall. Bei Abrissarbeiten einer alten Tankstelle wird eine Leiche entdeckt, der ein Fuß fehlt. Ist die Tote das vierte Opfer einer Mordserie, die bereits vor 28 Jahren verübt und nie aufgeklärt wurde? Schon 1975 war Otto der zuständige Ermittler und ihm liegt natürlich daran, den Fall endlich geklärt zu den Akten legen zu können.
Mathias Berg ist es gelungen, mich von Anfang an zu packen. Mit dem Prolog sind Gänsehaut und stockender Atem zur Stelle. Überhaupt ist Langeweile in diesem Buch ein Fremdwort.
Mir haben die detaillierten Beschreibungen der Protagonisten sehr gut gefallen. Dadurch habe ich mich in Lupes neuem Kollegenkreis gleich heimisch gefühlt. Mir gefällt die Person Lupe sehr gut – obwohl sie sich so manches Mal etwas ungewöhnlich zeigt, doch dafür gibt es Gründe. Ich finde es toll, dass sie sich auch nicht scheut, sich in Dienstbesprechungen einzubringen und ihre Meinung zu sagen.
Schon bald habe ich das Gefühl, dass Lupe und Otto ein tolles Team werden und sich gesucht und gefunden haben. Das gefällt mir vor allem deswegen, weil ich es liebe, wenn Jung und Alt gut zusammenarbeiten.
Ein locker-leichter Schreibstil lässt mich nur so durch die Seiten fliegen. Dazu trägt nicht nur die fesselnde Spannung bei, sondern auch das Gefühl, der Lösung ganz nah zu sein, um dann doch feststellen zu müssen, auf die falsche Fährte geführt worden zu sein.
Beschreiben kann ich ihn nicht, aber ich liebe den besonderen Humor des Autors, der an vielen Stellen mitschwingt und mich mehr als einmal zum Lachen bringt.
Dieses Buch ist für mich der erste Kriminalroman, der neben Humor und Spannung teilweise so berührend ist, dass er mich wirklich auch zum Heulen gebracht hat.
Mögt Ihr das, was ich zu dem Buch geschrieben habe?
Dann holt Euch das Buch und fangt an zu lesen! Meine Empfehlung habt Ihr!
Grandiose Wortspielereien und politisches Geschehen
Der Preis der Rache von Mathias Berg
„Wassermann“ ist die Geschichte eines Mannes, der es in Deutschland nicht aushält. Zwanzig Jahre war er als Entwicklungshelfer in Afrika, aber auch in Brasilien mit dem Bau von Trinkwasseraufbereitungsanlagen beschäftigt. Dann zwingt ihn ein routinemäßiger Eignungstest zurück nach Deutschland, bei dem er die Psychologin Isabella kennenlernt, die ihm die Aufgabe stellt, hundert Wörter und „eine freie Assoziation“ dazu.
Zunächst scheint Wassermann gar nichts einzufallen, doch bald ist das erste Wort gefunden und das, was er damit verbindet, aufgeschrieben. Danach gibt es kein Halten mehr und Wörter und Gedanken sprudeln nur so hervor. Dieser Test nimmt den ersten Teil der Geschichte ein – und reißt mich einfach mit. Das ist es, was ich an den Büchern des Autors Franz Josef Brüseke so mag: seine „Wortspielereien“, wie ich sie nenne. Doch was mich so begeistert, bedeutet für Wassermann das Ende seiner bisherigen Arbeit.
Er bekommt dafür einen neuen Auftrag, der ihn zunächst nach Brasilien führt. Habe ich im ersten Teil einen Blick in seine „Seelenwelt“ werfen können, so lerne ich jetzt den Menschen „Wassermann“ kennen. Er kommt mir recht unbedarft vor und hat eigentlich gar keine Ahnung von dem, was er als „Beobachter“ des (politischen) Geschehens hier in Brasilien, aber auch in Kolumbien und Venezuela macht. Doch seine Auftraggeber scheinen zufrieden zu sein mit den Ergebnissen seiner Arbeit.
Ich mag Brüsekes Schreibstil, der oft recht trocken rüberkommt, aber auch mit einer guten Prise Humor gewürzt ist. Vielleicht ist er etwas gewöhnungsbedürftig, doch nachdem ich bereits mehrere seiner Bücher gelesen habe, gefällt mir die Art immer besser – vielleicht, weil sie einfach ganz anders ist – ungewöhnlich, aber gut.
Zitate:
„Die Zeit, die er sich nahm, war meine, die ich verlor…“
„Ich bin froh, dass ich mich nie langfristig gebunden hatte. Was man nicht hat, das kann man auch nicht verlieren.“
Das Buch empfehle ich sehr gern weiter, zum einen wegen der Worterklärungen und zum anderen, weil ich weitere Einblicke in die politischen Verhältnisse der betreffenden südamerikanischen Länder bekomme, die mich neugierig machen, mich näher damit zu beschäftigen.








