Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gelesengelauschtgemacht:
Erwartungen nur teilweise erfüllt
All Better Now von Neal Shusterman
Ich bin ja ein großer Fan des Autors und habe sowohl die Skythe - Bände, wie auch Dry regelrecht verschlungen. Auf das neue Buch "All Better Now", das eine Viruspandemie zum Thema hat, habe ich mich daher sehr gefreut und mir das Hörbuch gekauft.
Die Leistung des Sprechers ist super, denn er schafft es, allen Charakteren die größtmögliche Tiefe zu verleihen und haucht der Geschichte Leben ein.
Nicht zuletzt wegen der großartigen Sprecherleistung habe ich die doch zahlreichen Längen im Buch gut aushalten können.
Die Handlung ist nach der Corona-Pandemie angesiedelt - ein neuer Virusstamm, der ebenfalls über die Luft verbreitet wird, breitet sich über die Welt aus. Über die Herkunft wird im Buch nicht spekuliert, was ich sehr schade gefunden habe. Als Naturwissenschaftlerin interessiert mich das schon.
Mariel lebt mit ihrer Mutter am Rande der Gesellschaft - meist im Auto, in den USA. Ron ist der reiche Sohn des Vermieters, der Mariel und ihre Mutter bei der Übernachtung in seiner Immobilie kennenlernt.
Neben der "Liebesgeschichte" der beiden Charaktere, die für mich leider nicht besonders glaubwürdig ist, da sie sehr an der Oberfläche kratzt und emotinal wenig in die Tiefe geht, werden noch wirtschaftliche und ethische Themen abgehandelt.
Einer jugen hochbegabten Sprachwissenschaftlerin wird ein Imperium anvertraut - mit dem Ziel, Crown Royal zu stoppen. Die genesene ursprügliche Inhaberin wird zur scharfen Konkurrenz.
Die wissenschaftliche Forschung kann ich mir in dieser Form leider schon vorstellen, wobei mich eben die mangelnde Suche nach der Herkunft bei einer Suche nach einem schnellen Gegenmittel oder Impfstoff sehr verwundert hat.
Viele ethische Themen werden im Buch aufgegriffen, auch, wie weit Selbstlosigkeit einer Gesellschaft nutzt und wann diese selbst zum Problem wird.
Die technischen Spielereien, unter anderem der neuen Maskengeneration, haben für mich einen interessanen Aspekt bei der Lektüre dargestellt.
Dass die Charaktere alle sehr flach bleiben ist deren Vielzahl geschuldet, was ich sehr schade gefunden habe. Der Fokus auf weniger wirklich gut ausgearbeitete Figuren würde mir besser gefallen.
Für das Ende des Buches ziehe ich den zweiten Stern ab - das war, meiner Meinung nach, zu viel des Guten. Mir wäre ein klareres Ende sehr recht gewesen.
Fazit: Wer bereits andere Bücher des Autors gelesen hat, erwartet vielleicht, wie ich, etwas zu viel von dem Buch. Ansonsten ein gut konstruierter Medical Thriller.
Viel Mysterie, wenig Tiefe
Glory of Broken Dreams von Ruby Braun
Glory of Broken Dreams von Ruby Braun wirkt atmosphärisch dicht und stilistisch gelungen, aber inhaltlich bleibt vieles diffus und unerklärt. Die Magie des Hotels Lichtenstein, zentral im Auftaktband, bleibt vollkommen ungreifbar – es wird nicht klar, wie sie funktioniert, was sie antreibt oder was ihr Preis ist.
Diese Unklarheit zieht sich durch das gesamte Buch und schwächt die Wirkung enorm.
Viele Figuren handeln für mich nicht schlüssig. Die Protagonistin wirkt orientierungslos in ihren Zielen: Mal strebt sie nach Ruhm, mal nach Tanzen, Magie, Liebe, familiärem Frieden oder einem Neuanfang – ihr Wechselspiel bleibt verwirrend und bruchstückhaft. Auch der männliche Hauptcharakter, Willem, bleibt unklar umrissen: Sein sogenannter Fluch und sein Aufenthalt im Hotel werden zwar angedeutet, aber nie wirklich erklärt oder mit seinen Handlungen verbunden. Das lässt ihn kaum greifbar wirken.
Die Handlung enthält einige Längen, wo ich mir stattdessen mehr Tiefe gewünscht hätte – insbesondere bei Figuren, die nur oberflächlich skizziert werden. Die Tänzerinnen im Hotel, die Schwester, die Großmutter und auch Willems Familie bleiben blass und hätten Potenzial für emotionale Resonanz gehabt.
Fazit: Der Cliffhanger am Ende macht Lust auf Band 2, und ich habe das Gefühl, jetzt erst im Hotel angekommen zu sein. Aber insgesamt war mir zu viel Mysteriöses und zu wenig Klarheit: Weniger Geheimnisse, mehr Auflösung, mehr Figurenzeichnung hätten dem Auftakt sehr gut getan.
Auch ohne Kenntnis der vorigen Bände toll
Wir sehen uns wieder am Meer Die Großmutter-Reihe von Trude Teige
"Wir sehen uns wieder am Meer“ von Trude Teige, übersetzt aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs, ist ein bewegender Roman über Freundschaft, Mut und das Weitertragen von Erinnerungen über Generationen hinweg. Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: 2024 erfährt Juni Bjerke durch einen überraschenden Anruf erstmals von der Vergangenheit ihrer Großmutter Tekla und deren engster Freundinnen.
In Rückblenden führt uns der Roman zurück ins Jahr 1944, in ein von den Deutschen besetztes Norwegen, wo sich die Krankenschwester Birgit, die zur Zwangsarbeit verschleppte Ukrainerin Nadia und das sogenannte „Deutschenmädchen“ Tekla begegnen und ein außergewöhnliches Band knüpfen.
Trude Teige gelingt es eindrucksvoll, den historischen Kontext mit persönlichem Schicksal zu verweben. Die Besatzung Norwegens und der Widerstand werden detailreich und glaubhaft geschildert, ohne dabei ins Dokumentarische abzugleiten. Besonders wertvoll ist der Blick auf Frauenschicksale in einer Zeit, die in der historischen Aufarbeitung oft männlich dominiert erzählt wird. Dass diese Perspektive in den Mittelpunkt rückt, macht das Buch zu einem wichtigen Beitrag gegen das Vergessen – auch wenn es sich um einen fiktionalen Roman handelt.
Die Hörbuchfassung, gesprochen von Yara Blümel, verleiht der Geschichte zusätzlich Leben. Blümel trifft den Ton der Figuren feinfühlig und lässt ihre Emotionen authentisch wirken, was besonders bei den dramatischen Szenen im Krieg und den leisen Momenten zwischen den Freundinnen berührt. Schade ist allerdings, dass es sich um eine gekürzte Fassung handelt – einige Handlungsstränge hätten in voller Länge noch stärker gewirkt.
Für mich war die Lektüre besonders eindrücklich, da mir die NS-Zeit in Norwegen bisher kaum bekannt war. Umso spannender war es, die Dynamiken der Besatzung und des Widerstands aus dieser Perspektive kennenzulernen. Auch ohne eigene Norwegen-Erfahrung konnte ich die Atmosphäre am Meer gut nachempfinden – sie erinnert mich an die langen Sommertage in Schweden, die ich sehr liebe.
Ein stilles, tiefgründiges Buch über weibliche Solidarität und die Kraft der Erinnerung. Fünf von fünf Sternen.
Die Tipps fehlen mir
Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt! von Sandra Hunke
Während der Titel "Ich zeig' euch, wo der Hammer hängt!" von Sandra Hunke noch ein gehaltenes Versprechen des Buches ist, so stimmt das für den Untertitel "Schluss mit alten Vorurteilen. Für mehr starke Frauen im Handwerk." leider nur sehr eingeschränkt.
Ich habe mir Orientierung und Beratung für Mädels zwischen 13 und 15 Jahren gewünscht oder junge Frauen von 16 bis 20, die doch einen anderen Weg einschlagen möchten.
Bei "gleichzeitig zu meiner Ausbildung wurde ich als Model entdeckt" habe ich schon befürchtet, dass das Buch ziemlich vom Handwerksthema abdriften wird. Was leider auch passiert ist.
Erwartet habe ich mir, neben der eigenen Biographie, Erfahrungsberichte von Frauen, die es im Gewerbe (alleine) geschafft haben. Zum Beispiel Geschäftsführerinnen, Vorarbeiterinnen, Firmengründerinnen als Interviewpartnerinnen oder zumindest deren biographische Details und Tipps.
Neben Allgemeinplätzen, dass man vor allem bei Selbstständigkeit gut verdienen kann, gibt es leider keine konkreten Tipps. Weder Hinweise für die Suche nach einer Ausbilungsstelle, noch Erwiederungen auf dumme Sprüche von Kollegen oder Kunden sind in diesem Buch zu finden.
Es geht einzig und alleine um den Lebensweg der Autorin, wobei Handwerk auch nicht den überwiegenden Teil ausmacht. Was die Modelkarriere jetzt mit dem Handwerk zu tun hat, bleibt mir schleierhaft. Natürlich "passt" Content Creator sehr gut zum Handwerk - nur möchte ich kein Buch über andere Jobs lesen.
Hier wurde leider etwas ganz anderes verkauft als tatsächlich geliefert - was für die Autorin natürlich sehr schade ist, da sie auf die Vermarktung durch den Verlag keinen Einfluss hat.
Wer also den Lebensweg einer coolen jungen Frau lesen möchte, die ihren eigenen und sehr erfolgreichen Weg mit einer Kombination aus verschiedenen Jobs beschreitet, ist bei diesem Buch völlig richtig.
Wer sich jedoch Infos rund ums Fußfassen im Handwerk als (junge) Frau wünscht, sollte lieber auf andere Quellen zurückgreifen. Weil ich mir gerade das erwartet habe, vergebe ich nur 2 von 5 Sternen.
Spannende erste Hälfte
Standing Ovations von Charlotte Runcie
„Standing Ovations“ von Charlotte Runice, übersetzt von Katharina Martl, beginnt als vielversprechender Roman, der eine Vielzahl gesellschaftlich relevanter Themen aufgreift. Der Roman beleuchtet Fragen rund um Feminismus, Machtmissbrauch, die ungleichen Anforderungen an Mütter und Väter in der Arbeitswelt, das Leben als Künstlerin sowie die Dynamiken in der Medienlandschaft.
Diese Themenvielfalt verleiht der ersten Hälfte des Buches große Tiefe und Relevanz und macht sie zu einem starken Einstieg.
Ein besonderer Moment war für mich die Erkenntnis über den Titel „Dame“ in Bezug auf Alex’ Mutter, den ich erst nach eigener Recherche in seiner Bedeutung erfassen konnte. Die Übersetzung von Katharina Martl ist insgesamt stimmig und trägt dazu bei, den Ton des Originals gut ins Deutsche zu übertragen.
Verstörend war jedoch die Erzählperspektive: Statt Haley, der Figur mit der größten inneren Spannung, steht Sophie im Zentrum der Erzählung. Sie bleibt über weite Strecken blass und wirkt eher wie eine Beobachterin als wie eine Hauptfigur, was dem Roman einiges an emotionaler Tiefe nimmt. Der Erzählfokus wirkt dadurch unentschlossen, was besonders im weiteren Verlauf an Klarheit kostet.
Ab der Mitte verliert das Buch spürbar an Tempo. Die Erzählung wird stellenweise langatmig und kann das Niveau der ersten Kapitel nicht halten. Das Ende hinterlässt den Eindruck von Eile, als sei die Geschichte abrupt abgeschlossen worden, ohne dass dafür eine inhaltliche oder strukturelle Begründung geliefert wird. Auch das Nachwort gibt keine Hinweise auf eine mögliche Fortsetzung oder ein bewusst offenes Ende, was das abrupte Finale zusätzlich unbefriedigend macht.
Insgesamt ein Roman mit starkem Anfang und wichtigen Themen, der jedoch erzählerisch nicht durchgehend überzeugt. Drei von fünf Sternen.
Aktuelles Sachbuch
Am Kipppunkt von Toralf Staud; Benjamin von Brackel
„Am Kipppunkt“ von Toralf Staud und Benjamin von Brackel ist ein hervorragend recherchiertes Sachbuch, das sich mit einem der drängendsten Themen unserer Zeit auseinandersetzt: den Kipppunkten im Klimasystem. Die Autoren schaffen es, diesen komplexen und oft abstrakt wirkenden Begriff verständlich zu erklären und seine weitreichenden Folgen für das globale Ökosystem nachvollziehbar darzustellen.
Das Buch beleuchtet nicht nur die wissenschaftlichen Grundlagen der Kipppunkte, sondern zeigt auch eindrucksvoll, welche Entwicklungen bereits im Gange sind und welche Kettenreaktionen drohen könnten. Dabei gelingt es den Autoren, ohne Alarmismus oder moralischen Zeigefinger zu schreiben. Stattdessen setzen sie auf eine faktenbasierte, nüchterne Darstellung, die dennoch eindringlich wirkt.
Besonders wertvoll sind die vielen internationalen Best-Practice-Beispiele, die zeigen, dass Handlungsspielräume bestehen und Lösungen möglich sind. Dadurch wirkt das Buch nicht nur warnend, sondern auch motivierend. Für Leserinnen und Leser mit Vorkenntnissen ist es zudem ein Gewinn, weil es aktuelle Forschungsergebnisse übersichtlich zusammenfasst und viele sorgfältig dokumentierte Quellen an einem Ort zugänglich macht. Gleichzeitig eignet es sich auch für Einsteiger, da jedes Kapitel mit einer Einführung beginnt und durch eine Übersichtskarte Orientierung bietet. Wer querliest, findet sich schnell zurecht.
„Am Kipppunkt“ ist ein informatives, gut strukturiertes und trotz des ernsten Themas hoffnungsvolles Buch, das sowohl aufklärt als auch zur Auseinandersetzung anregt. Eine klare Empfehlung.
Genremix
Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen von Judith Rossell
Midwatch- Schule der unerwünschten Mädchen von Judith Rossell erscheint am 30.07.2025 auf Deutsch. Wer nicht länger warten möchte, kann das Buch auch auf Englisch jetzt schon lesen.
Das Buch besticht durch großartige Illustrationen, die viele Leserinnen ab 10 Jahren (Altersempfehlung) oder auch schon ab 8 Jahren mit guten Lesekenntnissen sehr zu schätzen wissen.
Was es mir am meisten angetan hat waren die Tippseiten, die an passenden Stellen eingearbeitet wurden. Von (veganem) Kuchen backen bis Morsealphabet samt wunderbarer Eselsbrücke ist wirklich alles dabei. Ich bin gerade noch am Erlernen der Eselsbrücke für das Morsealphabet, weil mir die Idee dahinter gefällt und ich das gerne noch besser und schneller beherrschen möchte.
Maggie gefällt mir als Protagonistin sehr gut, dass es auch um Magie geht (hier hat sich ein Tippfehler beim Namen der Protagonistin auf ca. Seite 142 eingeschlichen) gefällt mir wesentlich weniger. Mir reichen die beiden Genre Steampunk und Krimi völlig aus. Fantasyromane, Spannungsromane im Fantasybereich gibt es für diese Zielgruppe wie Sand am Meer, daher hattte ich mich gefreut, endlich mal wieder eine andere Kombination zu lesen.
Vom moralischen Standpunkt her ist das Buch sehr einfach gehalten - es geht um "Gut" gegen "Böse" und die Rollen sind hier klar verteilt. Und natürlich dürfen die "Guten" auch ein bisschen flunkern, um sich gegen die "Bösen" durchzusetzen - zum Beispiel gegen den Inspektor des Waisenhauses.
Schön finde ich, dass einige der Heldinnen Diagnosen haben, weil sich dadurch Identifikationsfiguren für Mädchen finden, die mit der gleichen Diagnose leben und solche Figuren ganz dringend brauchen.
Der Fall selbst ist gut aufgebaut, das Fantasyelement hat mich leider nicht so sehr angesprochen, ich hätte mir da einen anderen Ausweg gewünscht.
Fazit: Wer mit Steampunk-Krimi-Fantasy als Kombination zufrieden ist und zwischen 8 und 11 Jahren alt ist (oder mit dieser Zielgruppe arbeitet) wird von diesem Buch begeistert sein.
Witzige Allgemein-Zitate
Born to perform – Sei das Rad, nicht der Hamster von Caspar Bendix
Das Cover mit dem Titel "Born to perform" und dem Post-it "Sei das Rad - nicht der Hamster" hat für mich auf den ersten Blick nach einem weiteren Selbsthilfebuch ausgesehen, weshalb ich, erstmal, einen Bogen darum gemacht habe.
Nach einer Lektüre des Klappentextes war klar: es handelt sich hierbei um einen humorvollen Roman, der die gesamte "Leistungsgesellschaft", und allen voran wirtschaftliche "Bullshitjobs" aufs Korn nimmt.
Und eine kleine aber feine Liebesgeschichte einbettet.
Bo(je) ist besonders und Protagonist dieses Romans. Er hat gerade sein Wirtschaftsstudium abgeschlossen - und beruflich neu in der Stadt. In der auch sein ehemaliger WG-Bewohner aus Studienzeiten wohnhaft ist.
Und natürlich ist der Jobeinstieg, wie er sein muss: das Team und die Teamleitung sind nett, aber die Aufgabe nicht zu schaffen. Bo nutzt daher die "Open-Door-Policy", um direkt mit dem Chef Rücksprache zu halten, so wie dieser das am Beginn des Onboardingprozesses angeboten hat. Und bekommt zwar nicht die Hilfe, die er gesucht hat, jedoch ungeahnte Karrierechancen und eine Zahnarztempfehlung für ein aktues Problem.
Beim Zahnarzt wird er von dessen Tochter behandelt - nicht nur sehr professionell und schmerzfrei, sie gefällt ihm auch ausgesprochen gut. Daher hat sein bester Freund die Idee, die Sprüche und Herangehensweise von Bojes erfolgreichem Chef auch für die Datingwelt zu verwenden.
Es wäre kein witziger Roman, wenn es nicht noch die eine oder andere Verkettung gibt, Schwierigkeiten auftreten und auf überraschende Weise überwunden werden- und immer wieder aufgezeigt wird, dass sie "Leistungsträger" sich häufig anders profilieren und in ihren Positionen halten.
Das größte Plus sind die witzigen und sehr treffenden Sprüche - wie auch am Cover genannt "Sei das Rad - nicht der Hamster", die auf keine Situation konkret angewendet werden können, sondern nur Eindruck beim Gegenüber schinden sollen.
Als Minuspunkt sind mir einige Charaktere zu flach geblieben und manchmal war es mir auch ein bisschen zu viel des Guten. Von mir gibt es jedoch eine Leseempfehlung für alle, die sich im Sommer nicht von einem Büro erholen müssen und in anderen Branchen arbeiten oder noch studieren.
Fazit: ein sehr kurzweiliger Unterhaltungsroman mit vielen witzigen Sprüchen, der mit vielen Ratgebern (leider) mithalten kann.
Solltejede Schule haben
Kinder von fern von Martine Letterie
Martine Letteries „Kinder von fern“, illustriert von Elena Cavion, erzählt bewegend das Schicksal von vier Kindern, die aus unterschiedlichen Ländern geflohen sind und am Ende in einer niederländischen Willkommensklasse aufeinandertreffen. Diese Rahmenhandlung erlaubt einen berührenden, persönlichen Zugang zu Flucht und Ankommen – ohne je zu überfordern, aber auch ohne die Themen ganz auszublenden.
Die Erlebnisse der Kinder sind in klarer, zugänglicher Sprache geschildert, sodass junge Leserinnen und Leser sich gut in die Figuren einfühlen können.
Auffällig ist dabei, dass vieles nur angedeutet bleibt: Die Gründe für die Flucht – Krieg, Gewalt, Verfolgung – werden oft weichgezeichnet, vermutlich um der jungen Zielgruppe gerecht zu werden. Damit wird einerseits Rücksicht genommen, andererseits bleiben zentrale Ursachen abstrakt. Gerade die Schlussszene in der Willkommensklasse wirkt deshalb doppeldeutig: Sie vermittelt zwar Hoffnung und Zusammenhalt, blendet aber die realen Herausforderungen solcher Klassen aus, wie sie auch in Österreich existieren. Dort wie hier stehen solche Klassen in der Kritik, weil es an psychologischer Betreuung, Sozialarbeit und langfristiger Begleitung fehlt – die Kinder sollen vor allem „beschulbar“ gemacht werden, unabhängig von ihren oft sehr traumatischen Erfahrungen. Diese Ebene bleibt im Buch ausgeklammert. Ebenso ist es nicht die Realität aller Kinder, in solche Klassen zu kommen. Manche werden in eine, ohnehin schon schwierige, Klasse dazugesetzt, ohne zusätzliche Betreuung.
Gleichwohl gelingt es Letterie und Cavion hervorragend, das Thema für Kinder verständlich, greifbar und emotional nachvollziehbar zu machen. Die Illustrationen sind detailreich und einfühlsam und tragen entscheidend dazu bei, die Figuren lebendig wirken zu lassen. „Kinder von fern“ ist ein wichtiges Buch, um Empathie zu fördern und erste Gespräche über Flucht und Ankommen anzustoßen – auch wenn es bewusst nicht alle Härten zeigt, die hinter diesen Geschichten stehen. Ich werde das Buch auf jeden Fall im Unterricht einsetzen.
Fesselnder Auftaktband
Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1 von Kristen Ciccarelli
"Heartless Hunter - Der rote Nachtfalter" von Kristen Ciccarelli hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen – mit einer Mischung aus Magie, Geheimnissen, gefährlichen Entscheidungen und ganz viel Gefühl. Selten habe ich so mit einer Protagonistin mitgefiebert, gezweifelt und gehofft wie in diesem Buch.
Besonders berührt hat mich die tiefe, innige Bindung der Hauptfigur zu ihrer Stiefoma. Die Beziehung ist so liebevoll und glaubwürdig gezeichnet, dass mir die Entscheidung, sie auszuliefern, fast körperlich wehgetan hat. Dieser moralische Konflikt wurde so eindringlich geschildert, dass ich selbst ins Grübeln gekommen bin – genau das macht für mich eine starke Geschichte aus.
Auch das Doppelleben der Protagonistin ist spannend erzählt. Der ständige Balanceakt zwischen Pflicht und Wahrheit, zwischen Selbstschutz und Selbstverrat, sorgt für eine durchgehend hohe Spannung und lässt einen kaum zur Ruhe kommen.
Und dann ist da natürlich Alex. Ganz anders als die Hauptfigur habe ich mich Hals über Kopf in ihn verliebt. Seine Widersprüche, seine Loyalität, sein Herz hinter der Fassade – all das hat mich sofort für ihn eingenommen. Vielleicht haben sich die beiden einfach zu früh kennengelernt.
Ich freue mich auf jeden Fall schon jetzt sehr auf den zweiten Band. Dieses Buch hat nicht nur mein Fantasy-Herz höher schlagen lassen, sondern auch zum Nachdenken angeregt. Eine starke Mischung aus Magie, Emotionen und innerer Zerrissenheit.
Fazit: Ein fesselnder Auftakt, der zeigt, wie spannend, zart und schmerzhaft Loyalität und Liebe zugleich sein können. Für alle, die Fantasy mit Tiefe und Gefühl lieben.











