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Rezensionen von dorli:

Kein schlechter Tausch

Kein schlechter Tausch von Karen Witemeyer

Texas, Oktober 1890. Die junge Witwe Ruth Fulbright hat sich den Kurort Hope Springs ausgesucht, um hier gemeinsam mit ihrer 7-jährigen Tochter Naomi einen Neuanfang zu wagen. Dafür hat sie einen Job als Köchin im Homespun Café angenommen. Ruths größtes Problem ist es, eine Unterkunft zu finden, denn sie ist nach der Zwangsversteigerung ihres bisherigen Zuhauses mittellos und kann sich die teuren Mieten in Hope Springs nicht leisten.

In ihrer Verzweiflung bittet sie den reichen Vermieter Beauregard „Bo“ Azlin um einen besonderen Tauschhandel …

Bo ist reich aber einsam. Seit einem Unfall in seiner Kindheit hat er mit einer Lähmung von rechtem Unterarm und Handgelenk zu kämpfen und lebt deshalb sehr zurückgezogen. Es wird höchste Zeit, dass ihn jemand aus seinem Schneckenhaus befreit…

„Kein schlechter Tausch“ ist in der Reihe „Kleine Auszeit“ des Verlags der Francke-Buchhandlung erschienen und liest sich locker und angenehm zügig. Schon nach wenigen Seiten ist man mittendrin im Geschehen und kann ausgezeichnet mit den Akteuren mitfiebern und mitfühlen.

Karen Witemeyer hat einen frischen, lebendigen Schreibstil. Die Autorin erzählt die Geschichte im lockeren Wechsel mal aus Ruths, mal aus Bos Sicht, so dass man als Leser beide sehr gut kennenlernt und bestens verfolgen kann, was sie über den jeweils anderen denken.

„Kein schlechter Tausch“ hat mir sehr gut gefallen. Der unterhaltsame Kurzroman eignet sich hervorragend für einen gemütlichen Lesenachmittag.

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Tage des Lichts

Tage des Lichts von Ulrike Renk

In ihrer auf wahren Begebenheiten beruhenden Seidenstadt-Saga erzählt Ulrike Renk von den dramatischen Erlebnissen der jüdischen Familie Meyer während der NS-Zeit.

„Tage des Lichts“ ist der dritte Band der Saga und knüpft direkt an die Geschehnisse des zweiten Teils an. Ich halte es für ratsam, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da man so das Leben und das Schicksal der Meyers besser nachempfinden kann.

Die Handlung dieses Bandes beginnt im August 1939. Die 18-jährige Ruth ist seit einigen Monaten in England und arbeitet als Dienstmädchen auf dem Bauernhof der Familie Sanderson. Gerade noch rechtzeitig hat Ruth die nötigen Papiere eingereicht, die ihren Eltern und ihrer Schwester Ilse die Einreise nach England ermöglichen. Die Erleichterung nach Tagen der Ungewissheit währt allerdings nur kurz, denn der Krieg bricht aus und die Bedrohung durch die Nazis rückt wieder näher. Die Meyers wollen nach Amerika fliehen, doch das ist aufgrund der politischen Lage kaum noch möglich…

Ulrike Renk lässt den Leser intensiv an Ruths Schicksal teilhaben. Sehr mitreißend schildert die Autorin die Ängste und Sorgen der jungen Frau. Ruth hat sich zwar recht schnell an die überaus harte Arbeit auf dem Hof gewöhnt und erträgt die damit einhergehenden Unannehmlichkeiten ohne zu murren, jedoch belastet sie die Furcht, doch noch in die Fänge der Nazis zu geraten, mit jedem Tag mehr – man kann durchweg sehr gut nachvollziehen, wie die Angst an Ruth nagt und leidet Seite um Seite mit ihr mit.

Als besonders gut dargestellt habe ich Ruths Entwicklung in den Monaten bei den Sandersons empfunden. Nach und nach gewinnt sie ihr - durch die massiven Anfeindungen und Diskriminierungen der Nazis in den letzten Jahren geschrumpftes - Selbstvertrauen wieder zurück, indem sie beginnt, ihre Interessen gegenüber ihrer herrischen Arbeitgeberin durchzusetzen.

Gut gefallen hat mir auch, dass man neben dem Leben und den alltäglich anfallenden Arbeiten auf einem Bauernhof auch einiges über den Umgang der englischen Bevölkerung mit dem herannahenden Kriegsgeschehen und den damit verbundenen Herausforderungen und Einschränkungen erfährt.

„Tage des Lichts“ hat mir sehr gut gefallen – eine eindringlich erzählte Mischung aus realer Familiengeschichte und fiktiver Handlung, die den Leser intensiv am Leben einer jüdischen Familie zur Zeit des Nationalsozialismus teilhaben lässt.

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Long Bright River

Long Bright River von Liz Moore

In ihrem Roman „Long Bright River“ nimmt Liz Moore den Leser mit nach Kensington, einem Stadtteil der US-Metropole Philadelphia. Kensington ist ein Problembezirk. Die Kriminalitätsrate ist hoch, Drogenhandel und Prostitution sind hier Alltag und prägen das Stadtbild.

Hintergrund für diesen genauso bewegenden wie spannenden Roman ist die Opioidkrise in den USA – eine gesellschaftliche Tragödie, die mittlerweile ein solches Ausmaß angenommen hat, dass sie als medizinischer Notstand gilt.

Die 33-jährige Streifenpolizistin Mickey ist in Kensington aufgewachsen. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Kacey wurde sie von ihrer Großmutter aufgezogen, einer verbitterten Frau, die nie über den Drogentod ihrer Tochter hinweggekommen ist und deshalb weder die Kraft noch den Willen hatte, ihren Enkelinnen die Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken, die sie gebraucht hätten. Während die stille, fast schüchterne Mickey die Kurve kriegt, gerät die wilde, unternehmungslustige Kacey auf die schiefe Bahn. Sie nimmt Drogen, dealt und prostituiert sich.

Als Kinder und Jugendliche haben die Schwestern sich gegenseitig beschützt. Obwohl der Lebensweg der beiden so gänzlich unterschiedliche Richtungen eingeschlagen hat und sie seit Jahren nicht mehr miteinander reden, hat Mickey auch heute noch immer ein Auge auf Kacey, wenn sie auf Streife durch den Bezirk fährt. Als ein Serienmörder, der es auf Prostituierte abgesehen hat, in den Straßen Kensingtons sein Unwesen treibt und Kacey zeitgleich spurlos verschwindet, macht Mickey sich auf eine nicht ungefährliche Suche nach ihrer Schwester…

Liz Moore gewährt dem Leser durch die Augen der Streifenpolizistin und alleinerziehenden Mutter Mickey Einblick in eine Welt, die mit den verheerenden Auswirkungen von Drogenhandel und -konsum zu kämpfen hat und die Probleme nicht in den Griff kriegt. Die Autorin schildert dabei nicht nur die Trostlosigkeit des Viertels und die Perspektivlosigkeit und Resignation der Bevölkerung, sie vermittelt auch, woher die Probleme kommen und warum es für den Einzelnen so schwer ist, die ständige Abwärtsspirale zu stoppen und dem Elend zu entkommen.

Der Roman ist aber nicht nur ein mitreißendes Gesellschaftsporträt, sondern wird durch die verzweifelte Suche nach Kacey, den aufschlussreichen Rückblenden in die Kindheit und Jugend der Schwestern sowie Mickeys Spagat zwischen Berufsleben und dem Wunsch, ihrem kleinen Sohn ein liebevolles Zuhause zu bieten, gleichzeitig zu einer dramatischen Familiengeschichte.

Obwohl es sich bei diesem Roman nicht um einen Krimi handelt und die Ermittlungen in den Mordfällen nur eine untergeordnete Rolle spielen, ist für reichlich Spannung gesorgt, weil es Liz Moore gelingt, beim Leser den Eindruck zu erwecken, dass der Täter aus Mickeys Umfeld stammt und sie sich deshalb in ständiger Gefahr befindet.

„Long Bright River“ hat mir sehr gut gefallen – ein fesselnder, sehr tiefgründiger Roman, der mich auch nach dem Lesen noch lange beschäftigt hat. Absolute Leseempfehlung.

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Reliquiae – Die Konstantinopel-Mission

Reliquiae von Christoph Görg

Burg Dürnstein im Sommer 1193. Niki Wolff wurde vor einigen Monaten durch den Sturz von einer Mauer der Burgruine Dürnstein aus dem Jahr 2017 ins Mittelalter katapultiert und fühlt sich mittlerweile in seinem neuen Leben als Troubadour sehr wohl.

Als Herzog Leopold und Ritter Hadmar von Kuenring von Papst Coelestin exkommuniziert werden, weil sie gegen den Befehl des Papstes Richard Löwenherz auf dessen Rückweg vom Kreuzzug aus dem Heiligen Land gefangen gehalten hatten, macht Niki den Vorschlag, den Papst mit einer besonders seltenen Reliquie gnädig zu stimmen, so dass er den Bann gegen Hadmar und Leopold wieder aufhebt.

Nikis Idee findet Anklang und ehe der junge Mann sich’s versieht, befindet er sich mit neun Gefährten auf dem gefahrenvollen Weg nach Konstantinopel…

„Reliquiae – Die Konstantinopel-Mission“ ist der zweite Band rund um die Erlebnisse des Zeitreisenden Nikolaus „Niki“ Wolff. Obwohl ich den ersten Teil nicht gelesen habe, war ich ruckzuck mittendrin im Geschehen und hatte schon nach wenigen Seiten das Gefühl, mit den Akteuren gut vertraut zu sein.

Christoph Görg erzählt sehr unterhaltsam. Die Beschreibungen und Schilderungen sind detailreich und farbenfroh, jede Szene wirkt lebendig und ist fesselnd - ich konnte mir die Schauplätze bestens vorstellen und zudem prima mit den Gefährten mitfiebern.

Der Autor hat zahlreiche historische Fakten und Gegebenheiten mit einer spannenden fiktiven Handlung verwoben. Er geizt nicht mit Humor und lässt seine Protagonisten auch mal an ihre physischen und psychischen Grenzen kommen. Die Figuren wirken dabei allesamt echt und glaubwürdig, sie haben Ausstrahlung, zeigen Emotionen und handeln entsprechend ihren Eigenarten – es hat großen Spaß gemacht, Niki und seine Weggefährten auf dieser abenteuerlichen Mission zu begleiten und ihr Miteinander und Gegeneinander zu beobachten. Besonders gut gefallen hat mir, dass aus einen bunt zusammengewürfelten Haufen nach und nach eine eingeschworene Gemeinschaft wird.

„Reliquiae – Die Konstantinopel-Mission“ hat mir sehr gut gefallen - ein unterhaltsamer Zeitreiseroman, der mit faszinierender Historie, Abenteuer und Humor punkten kann und mir ein paar kurzweilige Lesestunden beschert hat.

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Tod in der Speicherstadt

Tod in der Speicherstadt von Anja Marschall

Hamburg 1896. Der Kieler Kommissar Hauke Sötje ermittelt gegen eine Schmugglerbande und hat seit einiger Zeit den Ewer „Wilhelmine“ im Visier. Als das mit Kaffee beladene Frachtschiff auf der Elbe verunfallt und weder ein Eigner noch der Besitzer der Fracht ermittelt werden kann, bittet Hauke einen Hamburger Kollegen um Unterstützung.

Polizeirat Roscher zeigt sich zunächst wenig interessiert, erst als Hauke ihm den Siegelring zeigt, den ein bei dem Unfall getöteter Matrose trug, wird er hellhörig, denn der Ring trägt das Wappen des reichen Kaffeehändlers Bellingrodt…

Auch Haukes Verlobte Sophie hat alle Hände voll zu tun. Nicht nur, dass die Lehrerin für Clara, der ältesten Tochter ihres Arbeitgebers, einen Abschiedsball vorbereiten soll, Claras Großtante Amalie Bellingrodt tritt auch mit der Bitte an sie heran, eine vermisste junge Frau zu finden, von der Amalie jedoch weder Namen noch Wohnort kennt…

„Tod in der Speicherstadt“ ist bereits der vierte Fall für Hauke Sötje, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

Anja Marschall wartet in diesem Krimi mit einer großen Portion Zeit- und Lokalkolorit auf – den Leser erwartet eine fesselnde Zeitreise in das Hamburg zur Kaiserzeit.

Es hat großen Spaß gemacht, das alte Hamburg gemeinsam mit Hauke und Sophie zu erkunden - man begibt sich zum Beispiel mit Hauke in die Speicherstadt, um den Schmugglern auf die Spur zukommen, wandert auf der Suche nach Hinweisen durch die verwinkelten Wege und Höfe des Gängeviertels oder genießt mit Sophie das Ambiente des Alsterpavillon am Jungfernstieg. Neben unzähligen spannenden Details zum Kaffeehandel und den damit einhergehenden Aufgaben und Herausforderungen lernt man ebenfalls die Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Gepflogenheiten zu damaliger Zeit kennen.

Auch der Kriminalfall hat es in sich. Hauke und Sophie ermitteln eigentlich in ganz unterschiedlichen Angelegenheiten, müssen aber nach und nach erkennen, dass ihre Fälle mehr gemeinsam haben, als anfangs vermutet. Die Ermittlungen gestalten sich für beide äußerst schwierig, da es nur wenige Anhaltspunkte gibt und sie es darüber hinaus mit einem Gegenspieler zu tun haben, der vor keiner Schandtat zurückschreckt.

Plattdeutsche Einsprengsel in den Dialogen und die jedem Kapitel vorangestellten Originalauszüge aus den Hamburger Nachrichten des Jahres 1896 runden diesen historischen Krimi perfekt ab.

„Tod in der Speicherstadt“ hat mir sehr gut gefallen – die gut ausbalancierte Mischung aus Historie und Spannung wird anschaulich und lebendig erzählt und hat mir ein paar kurzweilige Lesestunden beschert.

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Bodden-Nebel

Bodden-Nebel von Corinna Kastner

Wustrow/ Fischland. Im Nachlass der überraschend verstorbenen Gertrud Minde befinden sich neben einer rätselhaften Kette auch einige alte Briefe, die das Interesse der Schriftstellerin Greta Röwer wecken, da diese von ihrem verstorbenen Schwiegervater Carl stammen. Greta forscht nach und stößt nicht nur auf eine Geschichte mit einem brutalen Nazi-Polizisten und seinen Helfern, die 1943 mehrere Männer der Royal Air Force ermordet haben, Greta und ihr Mann Matthias entdecken in ihrem Garten auch einen verborgenen Keller, in dem sich eine skelettierte Leiche befindet…

„Bodden-Nebel“ ist bereits der zweite Fall für die Schriftstellerin Greta Röwer, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis des vorherigen Bandes gut verständlich.

Der Fall, in den Greta und Matthias diesmal ganz unversehens hineinstolpern, ist genauso undurchsichtig wie der über den Bodden ziehende Nebel – schon nach wenigen Seiten hat mich die Welt auf dem Fischland wieder gefangen genommen und ich habe gespannt das Geschehen rund um ein weiteres Röwersches Familiengeheimnis verfolgt.

Corinna Kastner erzählt diese Geschichte mit einer unglaublichen Intensität. Neben den Beschreibungen der faszinierenden Bodden-Landschaft sind es vor allen Dingen die Lebens- und Hintergrundgeschichten der Akteure, die mich gefesselt haben. Man versinkt regelrecht in der Handlung, während man gemeinsam mit Greta und Matthias recherchiert, spekuliert und kombiniert, um die längst vergangenen Begebenheiten aufzudecken.

„Bodden-Nebel“ hat mich durchweg begeistert – den Leser erwartet ein vielschichtiger Krimi aus spannendem Familiengeheimnis, einer guten Portion fesselnder Historie sowie vielen Verwicklungen und Verstrickungen zwischen den Akteuren.

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Tanz mit mir, Aurelia

Tanz mit mir, Aurelia von Titus Müller

London 1647. John wohnt im Haus seines Onkels Nehemiah, einem tiefgläubigen Puritaner. Puritaner lebten nach strengen Regeln. Ein einfaches, von Arbeit und Fleiß geprägtes, gottgefälliges Leben war Pflicht; weltliche Vergnügungen wie Musik, Tanz und Schauspiel wurden strikt abgelehnt. Sogar das Feiern von Weihnachten war gesetzlich verboten, weil es ein Fest heidnischen Ursprungs ist.

Als John im Zuge seiner Arbeit als Wasserträger auf die lebenslustige Aurelia trifft, ist er von ihr fasziniert. Obwohl er eigentlich von seinem Glauben und seiner Lebensweise überzeugt ist, gerät seine Weltanschauung ins Wanken, denn Aurelia ist der Meinung, dass Gott auch in Tanz, Freude und schönen Liedern zu finden ist. John ist bereit, sich mit Aurelias Ansichten auseinanderzusetzen und auch Aurelia - deren Mutter für sie, wie es in ihren Kreisen üblich ist, eine vorteilhafte Ehe arrangieren möchte – muss im Verlauf der Handlung erkennen, dass ihr Bild von den engstirnigen Puritanern nicht vollständig ist und beschäftigt sich deshalb mit Johns Auffassungen vom Glauben.

Schließlich beginnen die beiden, Aurelias Plan einer gemeinsamen Weihnachtsfeier zu verwirklichen - ein nicht ungefährliches Vorhaben…

Titus Müller hat einen fesselnden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, die unterschiedlichen Welten, in denen Aurelia und John leben, mit wenigen Worten anschaulich und eindringlich zu schildern.

Der Autor gibt seinen beiden Protagonisten die Möglichkeit, sich sowohl intensiv mit den Idealen des jeweils anderen zu befassen, wie auch die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen und lässt sie dabei begreifen, dass beide Welten ihre Vorteile haben. Da Aurelia und John im stetigen Wechsel zu Wort kommen, kann man als Leser prima an Gedanken und Gefühlen der beiden teilhaben und den Wandel, den sie nach und nach durchmachen, sehr gut mitverfolgen.

„Tanz mit mir, Aurelia“ hat mir sehr gut gefallen – eine warmherzige Geschichte, die in einem wunderschön gestalteten kleinen Büchlein daherkommt und eine große Botschaft im Gepäck hat, die immer und überall Anwendung finden kann – Menschen können trotz aller Unterschiede in Herkunft, Glaube und Lebensweise einen Weg finden, gemeinsam und friedvoll miteinander zu leben, wenn sie nur offen und ohne Scheu und Vorurteile aufeinander zugehen.

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Ein reines Wesen

Ein reines Wesen von Isabella Archan

In einem Kölner Krankenhaus, in dem auch Willa Stark nach ihrem letzten Fall mit einem Schädelbruch im Koma liegt, wird eine Krankenschwester ermordet. Der Täter, der sich selbst als Schmetterling sieht, kann ungesehen entkommen.

Zeitsprung. Willa ist aus dem Koma erwacht, aber noch lange nicht beschwerdefrei.

Besonders die Hüfte macht ihr zu schaffen. Auf Anraten ihres Kollegen und guten Freundes Harro deNärtens begibt sich Willa nach Saarbrücken in die exklusive Saar-Vital-Klinik. Hier wird sie von Nicole Seidl angesprochen. Die geschwätzige Krankenschwester glaubt, dass ein Todesengel in der Klinik sein Unwesen treibt und weckt damit Willas Ermittlerinstinkte…

„Ein reines Wesen“ ist bereits der vierte Fall der für die Kölner und diesmal auch Saarbrücker Mordkommission ermittelnden Grazer Inspektorin Willa Stark – für mich war dieser Einsatz im Saarland der erste, bei dem ich der sympathischen Ermittlerin über die Schulter geschaut habe. Auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände war ich schnell mittendrin im Geschehen und hatte schon nach kurzer Zeit das Gefühl, mit den Akteuren gut vertraut zu sein.

Willa ist eine Protagonistin, der man gerne folgt. Sie geht beherzt zu Werke und lässt sich durch nichts – auch nicht durch eine ständig schmerzhaft pochende Hüfte – von den Ermittlungen abhalten. Falsche Fährten, mehrere Verdächtige sowie immer neue Hinweise und Ereignisse halten das Geschehen lebendig und haben mir dabei genauso wie die im Handlungsverlauf auftauchenden Fragen viel Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über die Identität des Täters gegeben.

„Ein reines Wesen“ hat mir sehr gut gefallen – ein kurzweiliger Krimi, der neben einer spannenden Handlung ganz besonders mit einer sympathischen Ermittlerin punkten kann.

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Die Schuld jenes Sommers

Die Schuld jenes Sommers von Webb Katherine

Bath im Südwesten Englands, 25. April 1942. Wie so oft passt Frances Parry auf den 6-jährigen Davy auf. Da dieser Tag der Geburtstag ihrer vor 24 Jahren verschwundenen Freundin Wyn Hughes ist, lässt Frances Davy am Abend bei dem befreundeten Ehepaar Landy zurück, um für ein paar Stunden allein mit ihren Erinnerungen zu sein.

Als sie auf dem Beechen Cliff hoch über der Stadt zur Ruhe kommen will, bricht das Chaos in Form eines deutschen Luftangriffs über Bath herein. Am nächsten Tag muss Frances erfahren, dass die Landys ums Leben gekommen sind und von Davy jede Spur fehlt. Während der verzweifelten Suche nach dem Jungen trifft Frances der nächste Hieb – der Einschlag einer Bombe hat im Garten der Hughes Wyns Skelett zu Tage gefördert…

Schon nach wenigen Seiten zeigt sich, dass die Erlebnisse in ihrer Kindheit Frances’ Lebensweg umfassend geprägt haben und sie eine ungeheure Last mit sich herumschleppt, die sich einfach nicht abschütteln lässt. Die aktuellen Ereignisse lassen die alten Wunden aufbrechen - die Sorge um Davy und die damit einhergehenden Selbstvorwürfe, für sein Verschwinden verantwortlich zu sein, geben jahrelang schwelenden Schuldgefühlen neue Nahrung: Frances fühlt sich nicht nur mitschuldig an Wyns Tod, sie ist sich jetzt auch sicher, dass ein Unschuldiger für die Tat büßen musste, weil sie damals nicht in der Lage war, über ihre Beobachtungen zu sprechen. Sie will den wahren Mörder zur Strecke bringen, doch das ist leichter gesagt als getan, denn die tief in ihrem Gedächtnis vergrabenen Erinnerungen an die Geschehnisse im Sommer 1918 weigern sich hartnäckig, wieder zum Vorschein zu kommen.

Katherine Webb gelingt es ausgezeichnet, Frances innere Zerrissenheit darzustellen - dem Drang, die tatsächlichen Ereignisse von vor 24 Jahren endlich ans Licht zu zerren und damit den damals verurteilten Kriegsgefangenen zu rehabilitieren, steht die fast übermächtige Angst gegenüber, der Wahrheit ins Gesicht sehen zu müssen.

Die Geschichte wird im Verlauf der Handlung immer dramatischer; sich ständig wiederholende Erinnerungsfetzen und das Entdecken kleiner Hinweise bringen nicht nur Frances immer näher an die Wahrheit, sie treiben die Spannung auch mehr und mehr in die Höhe und haben mich durchweg mit Frances mitfiebern lassen. Dass man als Leser schon recht bald eine Ahnung hat, um wen es sich bei dem wahren Täter handelt, nimmt der Geschichte dabei zu keiner Zeit die Intensität.

In die laufende Handlung sind mehrere Rückblenden in die 1910er Jahre eingeflochten, in denen man die gemeinsame Zeit der Mädchen von ihrem Kennenlernen bis hin zu Wyns plötzlichem Verschwinden mitverfolgen kann. Diese Einschübe runden Frances Spurensuchen ab und liefern darüber hinaus auch die Begründung dafür, warum die damals 8-jährige Frances nicht in der Lage war, ihr Wissen preiszugeben, sondern dieses hinter hohen Mauern in den Tiefen ihres Gedächtnisses vergraben hat.

„Die Schuld jenes Sommers“ hat mir sehr gut gefallen - ein mitreißender Roman, der anschaulich und eindringlich erzählt wird und den Leser intensiv an dem Schicksal der Akteure teilhaben lässt.

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Das weiße Gold der Hanse

Die Schuld jenes Sommers von Webb Katherine

In seinem historischen Roman „Das weiße Gold der Hanse“ erzählt Ruben Laurin aus dem Leben des Kaufmanns und Ratsherrn Bertram Morneweg, der zu den Stiftern des Heiligen-Geist-Hospitals von Lübeck gehört.

Ruben Laurin erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen – das Leben und Wirken Mornewegs in den 1270er Jahren dient als Rahmenhandlung.

Hier versucht Bertram, den von Liebeskummer geplagten jungen Maler Johannes von Köln aufzumuntern und ihn davon abzuhalten, Lübeck zu verlassen, indem er ihm von den Höhen und Tiefen in seiner eigenen Lebensgeschichte berichtet. Diese Lebensgeschichte mit der Kindheit und dem Werdegang Bertrams zu einem erfolgreichen Kaufmann beginnt im Jahr 1231 und bildet die Haupthandlung.

Nach einem Piratenüberfall auf das väterliche Schiff treibt der 8-jährige Bertram mehr tot als lebendig auf einer Planke in der Ostsee und wird in letzter Minute gerettet. Da er sein Gedächtnis verloren hat und daher nicht weiß, wie er heißt und woher er kommt, bekommt er den Namen Moses. Moses landet zunächst in Wismar, wo er als Sklave für seinen Retter Kapitän Conrad Jacobi arbeiten muss und reist nach dessen Tod gemeinsam mit seiner Nennschwester Rebecca nach Lübeck. Hier bekommt er bei dem Kaufmann Martinus Bardewik die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen und geht schließlich auf große Fahrt nach Visby, Riga und Nowgorod.

Ruben Laurin hat die historischen Ereignisse der Region und die wenigen Fakten, die über das Leben Bertram Mornewegs bekannt sind, mit einer spannenden fiktiven Handlung verknüpft und diesen Roman damit zu einer interessanten, kurzweiligen Zeitreise werden lassen. Der Autor versteht es ganz ausgezeichnet, die Straßen und Häuser des alten Lübecks mit Leben zu füllen und diese genauso wie die anderen mittelalterlichen Handelsmetropolen rings der Ostsee vor den Augen des Lesers aufblühen zu lassen.

Die Figuren wirken allesamt echt und glaubwürdig, sie haben Ausstrahlung, zeigen Emotionen und handeln entsprechend ihren Eigenarten – es hat großen Spaß gemacht, Moses und seine Weggefährten durch die für sie sehr aufregenden Zeiten zu begleiten und ihr Miteinander und Gegeneinander zu beobachten.

„Das weiße Gold der Hanse“ hat mir sehr gut gefallen – die gut ausbalancierte Mischung aus historischen Fakten, Spannung und Abenteuer wird anschaulich und lebendig erzählt und hat mir nicht nur kurzweilige Lesestunden beschert, sondern mir auch interessante Einblicke in die Blütezeit der Hanse ermöglicht.

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