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Rezensionen von dorli:
Küstenstill
Küstenstill von Elias Haller
Greifswald/Anklam. KHK Hardy Finkel ist nach 20 Jahren beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden in seine Heimat zurückgekehrt. Der Start auf seinem neuen Posten bei der Kriminalpolizeiinspektion Anklam wird ihm allerdings nicht gerade leicht gemacht – nicht nur, dass die neuen Kollegen ihm als ehemaligen BKA-Mann äußerst skeptisch gegenüberstehen und seine Vorgesetzte eine Mail erhalten hat, die Hardy in einem schlechten Licht erscheinen lässt, er wird auch direkt in seinen ersten Mordfall katapultiert.
Und der hat es in sich: Zwei furchtbar zugerichtete Frauenleichen geben Hardy und seiner Partnerin Greta Silber Rätsel auf. Damit nicht genug, während der Ermittlungen wird immer offensichtlicher, dass Hardys Vergangenheit in diesem Fall eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen scheint…
Was für ein raffiniert gestrickter Thriller! Elias Haller wartet in „Küstenstill“ mit einem Kriminalfall auf, der von Anfang an fesselnd ist und Seite um Seite immer dramatischer wird. Die Ermittler sammeln Hinweise und decken Puzzleteile auf, kommen dem Täter aber dennoch keinen Schritt näher - im Gegenteil, jede weitere Spur scheint den ganzen Fall noch verworrener zu machen.
Geschickt lenkt der Autor den Blick des Lesers in unterschiedliche Richtungen – falsche Fährten, viele Verdächtige, überraschende Wendungen sowie immer neue Anhaltspunkte und Ereignisse halten das Geschehen lebendig und haben mir genauso wie die zahlreichen im Handlungsverlauf auftauchenden Fragen viel Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Motiv, Hintergründe und Identität des Täters gegeben.
„Küstenstill“ hat mich durchweg begeistert – ein temporeicher, gut durchdachter Thriller, der mit einer fesselnden Handlung und ausdrucksstarken Figuren punkten kann und mich von der ersten bis zur letzen Seite fest im Griff gehabt hat.
Manche mögen's tot
Manche mögen's tot - Die K&K-Schwestern ermitteln (Die Schnüffelschwestern 3) von Tatjana Kruse
In der Krimikomödie „Manche mögen's tot“ - dem dritten Fall für die ungleichen 60plus-Zwillingsschwestern Konny und Kriemhild - erwartet den Leser neben turbulenten Mordermittlungen wieder eine geballte Ladung Kruse-Humor.
Kriemhild verlässt im Morgengrauen die kleine Frühstückspension der Schwestern, um in der nahe gelegenen Schleifbachklinge nach Pilzen zu suchen.
Plötzlich durchbrechen Schüsse und der Schrei einer Frau die morgendliche Stille. Neugierig schleicht Kriemhild in Richtung Lärmursprung und beobachtet, wie ein Mann sich bemüht, die Leiche einer Frau in den Kofferraum seiner Limousine zu bugsieren. Ein ungeschickter Tritt auf einen trockenen Zweig entlarvt die heimliche Beobachterin, weitere Schüsse krachen und strecken Kriemhild nieder…
Kriemhild überlebt dieses fiese Attentat nicht nur, sie hat auch erkannt, wer da am frühen Morgen sein Unwesen getrieben hat: Kurt Giesing, eine lokale Berühmtheit. Da die Polizei sich dem Fall nur zögerlich annimmt, beschließt Kriemhild, ihren Tod vorzutäuschen, um den Killer in Sicherheit zu wiegen, während sie auf eigene Faust Ermittlungen anstellt – und damit nimmt das Drama seinen Lauf…
Tatjana Kruse zeigt auch in diesem Schnüffelschwestern-Abenteuer wieder, dass sie ein Händchen für spaßige Krimiunterhaltung hat. Auch wenn der Kriminalfall nicht mit atemloser Höchstspannung daherkommt, sorgen eine riesige Portion Wortwitz und ganz viel Situationskomik für eine schwungvolle Handlung und lassen die chaotischen Mordermittlungen damit zu einem großartigen Lesevergnügen werden.
Der Clou in diesem Krimi sind ganz eindeutig die herrlichen und zum Teil recht skurrilen Figuren. Neben der hageren Kriemhild und der drallen Konny begegnet man nicht nur vielen alten Bekannten, sondern trifft auch auf ein paar Neuzugänge, die mit ihren Eigenarten und Macken die Welt der K & K-Schwestern bereichern: den patenten Concierge Lambert habe ich ebenso schnell ins Herz geschlossen wie das jüngste Mitglied der illustren Pensionsgästeschar– über den 5-jährigen Wilmer und seinen grenzenlosen Forscherdrang kann man sich prächtig amüsieren. Auch Graupapagei Chuck Norris und Nacktkater Amenhotep sind auch wieder mit von der Partie und tragen mit frechen Sprüchen bzw. eigensinnigen Gehabe ihren Teil zur Unterhaltung bei.
„Manche mögen's tot“ hat mich rundum begeistert – der einzigartige Kruse-Humor garantiert ein effektives Training der Lachmuskulatur.
Die Maske der Gewalt
Die Maske der Gewalt von Jennifer B. Wind
Jennifer B. Wind beginnt den ersten Band ihrer neuen Thrillerserie mit einem Prolog, der traurig und wütend macht – ein schwer verletzter Junge muss mitansehen, wie seine Mutter von einem Freier getötet wird.
Zeitsprung. Nach den schrecklichen Erlebnissen ist Richard als Pflegekind in einer Zirkusfamilie aufgewachsen und hat seine Bestimmung gefunden.
Als geheimnisvoller Mister Domino begeistert er auch heute noch ab und an die Fans; um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet Richard allerdings als Abteilungsinspektor beim LKA Wien.
Richard ist wieder einmal in München und hilft im Zirkus seiner Ziehschwester Sarah aus, als ihn ein Anruf nach Wien zurückbeordert – ein neuer Mordfall erfordert dringend seine Anwesenheit. Gerichtspsychiaterin Theres Lend hat aus der Zeitung von dem Mordfall erfahren und glaubt zu wissen, wer der Mörder ist. Diese Vermutung will sie Richard mitteilen, doch der hat plötzlich ganz andere Sorgen: Während seiner Ermittlungen in Wien hat er ein Video erhalten, dass seine gefesselte, verletzte Schwester zeigt – Sarah wurde entführt! Richard alarmiert einen Kollegen in München und eilt dann aus Sorge um Sarah und ihre Familie zurück nach Deutschland…
Jennifer B. Wind versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser ruckzuck in den Bann ihres Thrillers zu ziehen. Neben dem fesselnden Schreibstil hat mir der vielschichtige Handlungsaufbau besonders gut gefallen. Mehrere Handlungsstränge, unterschiedliche Schauplätze und häufige Perspektivewechsel sorgen für ein lebhaftes und abwechslungsreiches Geschehen. Zusätzlich zur Ermittlungsarbeit gibt es mehrere Intermezzi, in denen der Täter zu Wort kommt und auch die entführte Sarah berichtet in einigen Abschnitten, was sie erdulden muss. Außerdem werden die persönlichen Hintergründe der Akteure beleuchtet und es gibt ein paar Rückblenden, die dem Leser Einblick in Richards Vergangenheit gewähren.
Die Kriminalfälle sind sehr spannend. Themen wie Computerspielsucht, häusliche Gewalt und Drogenmissbrauch spielen darin eine Rolle. Die Morde in Wien und Sarahs Entführung in München werfen im Handlungsverlauf immer neue Fragen auf, die nicht nur reichlich Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Motive, mögliche Zusammenhänge und die Identität der Täter bieten, sondern zudem dafür sorgen, dass die Sogwirkung der Geschichte bis zur letzten Seite nicht abreißt.
Obwohl die aktuellen Fälle am Ende des Buches gelöst sind, gibt es einige Hinweise, die die Spekulation anheizen, dass es im Hintergrund doch noch ein paar lose Fäden gibt. Außerdem hat Richard sein Ziel, den Mörder seiner Mutter zu finden, noch nicht erreicht. Zwei Aspekte, die mich mit Spannung die weiteren Bände der Richard-Schwarz-Serie erwarten lassen.
„Die Maske der Gewalt“ hat mir sehr gut gefallen - ein Thriller, der mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.
Zwei Handvoll Leben
Zwei Handvoll Leben von Fuchs Katharina
In ihrem Roman „Zwei Handvoll Leben“ erzählt Katharina Fuchs aus den Leben ihrer Großmütter Anna Tannenberg und Charlotte Feltin, beide geboren im Oktober 1899. Anna und Charlotte wachsen in ganz unterschiedlichen Verhältnissen auf - Anna mit fünf Geschwistern in einem ärmlichen Haushalt inmitten des Spreewalds; Charlotte als einziges Kind eines Gutbesitzers auf einem Gut in der Nähe von Chemnitz.
Schon nach wenigen Seiten zeigt sich, dass Katharina Fuchs nicht nur intensiv in ihrer Familiengeschichte recherchiert hat, sondern auch in der Lage ist, ihr gesammeltes Wissen mitreißend an den Leser weiterzugeben. Die Autorin schildert die Erlebnisse ihrer beiden Protagonistinnen so echt und wie aus dem Leben gegriffen, dass ich beim Lesen oft die Stimmen meiner eigenen Großmütter im Ohr hatte, die damals zwar andere, aber doch irgendwie ähnliche Dinge erlebt haben.
Im stetigen Wechsel begleitet man Anna und Charlotte zu den wichtigen Stationen in ihrem Leben und erfährt in den zahlreichen Episoden, wie sie ihren Alltag meistern. Anna, die zunächst eine Schneiderlehre macht und dann in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten das große Glück hat, eine Stelle als Verkäuferin im Berliner Kaufhaus KaDeWe zu ergattern; und Charlotte, die sich darauf vorbereitet, einmal das väterliche Gut zu übernehmen und in die Leipziger Gesellschaft eingeführt wird. Unzählige Details sorgen nicht nur für Authentizität, sondern vor allen Dingen für eine lebhafte Handlung und lassen damit ein sehr vielschichtiges Bild der damaligen Zeit vor den Augen des Lesers entstehen.
Im Verlauf der Handlung erfährt man, wie die beiden Frauen Weltkriege, Wirtschaftskrise und Inflation überstanden haben. Was sie erreicht haben. Welche Fehler sie gemacht haben. Welches Leid sie erdulden mussten. Wie sie mit Veränderungen umgegangen und an Herausforderungen gewachsen sind. Und wie sie ihre große Liebe verloren und dennoch ihr persönliches Glück gefunden haben.
Anna und Charlotte begegnen sich am Ende des Buches im Nachkriegs-Berlin anlässlich der Hochzeit ihrer Kinder zum ersten Mal – zwei ungleiche Frauen, die so viel Unterschiedliches erlebt haben und doch durch ein ähnliches Schicksal miteinander verbunden sind.
„Zwei Handvoll Leben“ hat mich durchweg begeistert. Es war interessant und mitreißend, Anna und Charlotte kennenzulernen, sie auf ihren Wegen durch eine ereignisreiche, aufwühlende Zeit zu begleiten und Kummer und Furcht, aber auch Glück und Freude mit ihnen zu teilen.
Area 3
Zwei Handvoll Leben von Fuchs Katharina
In seinem Jugendthriller „Area 3“ entführt Thomas Franke den Leser ungefähr 30 Jahre in die Zukunft. Die Welt, wie wir sie heute kennen, hat sich im technischen Bereich auf eine realistische Weise kontinuierlich weiterentwickelt. Mitte des 21. Jahrhunderts ist jeder mit jedem vernetzt, digitale Assistenten regeln persönliche Belange und den Haushalt, der Straßenverkehr wurde automatisiert.
Berlin. Der 16-jährige Tad ist begeisterter VR-Gamer. Ausgerüstet mit einem Cyberhelm und einem Anzug, der virtuelle Welten auch fühlbar macht, ist er mit seinen Freunden Thor, JB und der geheimnisvollen Ms Violet in dem Onlinegame „Area 3“ unterwegs. Eines Tages führt eine Aufgabe im Spiel Tad durch ein Tor in eine Welt, die nicht nur um ein Vielfaches realer wirkt, als alle virtuellen Welten, die Tad bisher kennengelernt hat, sondern die auch auf eine erschreckende Art und Weise mit der realen Welt verknüpft zu sein scheint. Gleichzeitig kommt es auch in Tads realem Leben zu merkwürdigen Ereignissen – Menschen sind plötzlich nicht mehr erreichbar und die intelligente Haustechnik spielt verrückt. Tad und seine Freunde wollen herausfinden, was hinter allem steckt und bekommen es dabei mit einem mächtigen Gegner zu tun…
Thomas Franke hat einen flüssig zu lesenden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann seiner Geschichte zu ziehen. Schon nach wenigen Seiten war ich mittendrin in einer Welt, in der intelligente Software in vielen Bereichen des Lebens die Regie übernommen hat und habe gespannt das Geschehen verfolgt und mit den Akteuren mitgefiebert.
Besonders gut gefallen hat mir, dass Tad und seine Freunde nicht nur actionreiche Abenteuer und rasante Verfolgungsjagden erleben und dabei mit den Gefahren und Problemen, die mit der Digitalisierung des Alltags einhergehen, konfrontiert werden, sondern dass sie darüber hinaus im Verlauf der Handlung auch interessante Gespräche über Unrecht, Schuld und Gerechtigkeit führen und erkennen, wie wichtig es ist, Menschlichkeit und Nächstenliebe nicht aus den Augen zu verlieren.
Auch der Humor kommt in diesem Buch nicht zu kurz. Besonders amüsiert habe ich mich über Tinkerbell. Tinkerbell ist Tads Assistenzsoftware, die als kleines Elfen-Hologramm aufpoppt und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Sie hat einen etwas eigenwilligen Charakter und sorgt mit frechen Sprüchen und ihrer manchmal etwas schnippischen Art für gute Unterhaltung.
Unvorhersehbare Ereignisse und Wendungen sorgen zudem dafür, dass die Spannung in diesem so realitätsnahen Zukunftsszenario auf einem hohen Niveau bleibt und die Sogwirkung bis zur letzten Seite nicht abreißt.
„Area 3“ hat mir sehr gut gefallen. Ein großartiges Leseerlebnis – spannend, unterhaltsam und mit einem Thema, über das man aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung unseres Alltags unbedingt nachdenken sollte.
Die Zarin und der Philosoph
Die Zarin und der Philosoph von Martina Sahler
In ihrem historischen Roman „Die Zarin und der Philosoph“ nimmt Martina Sahler den Leser mit auf eine spannende Reise in das 18. Jahrhundert nach St. Petersburg und erzählt aus dem Leben von Katharina der Großen.
Für diesen zweiten Teil ihrer St. Petersburg-Reihe - der auch ohne Kenntnis des ersten Bandes bestens verständlich ist - hat Martina Sahler die historischen Ereignisse zwischen 1762 und dem Jahr 1775 mit einer spannenden fiktiven Geschichte verknüpft und ein vielschichtiges und glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit gezeichnet.
Die ausführlichen Beschreibungen der Schauplätze und die detaillierten Schilderungen der Ereignisse haben mich eine Welt aus Lug und Trug, Intrigen und Verrat aber auch aus Liebe und Leidenschaft miterleben lassen.
Katharina II. ist eine intelligente, temperamentvolle Frau, die sich nach einem Staatsstreich im Juli 1762 zur Zarin ausrufen lässt. Sie will ihrem Land eine neue Struktur geben und das Reich nach Westen öffnen. Ihr fortschrittliches Denken setzt sie allerdings nicht in allen Bereichen konsequent um, die Leibeigenschaft bleibt Bestandteil der gesellschaftlichen Ordnung. Widerstand und Rebellion lassen nicht lange auf sich warten…
Der Philosoph Stephan Mervier reist gemeinsam mit seiner Frau Johanna im Auftrag Friedrich des Großen nach St. Petersburg. Er soll Katharinas Vertrauen gewinnen und dem preußischen König über ihre Pläne und Vorhaben berichten. In St. Petersburg lernt Stephan den Journalisten Lorenz Hermann kennen und lässt sich von dessen Absicht, für die Freiheit und Selbstbestimmung aller Menschen zu kämpfen, mitreißen…
Martina Sahler hat einen angenehm flott zu lesenden Schreibstil und erzählt sehr anschaulich von Katharinas Art zu leben und zu herrschen. Das St. Petersburg des 18. Jahrhunderts wird facettenreich und farbenprächtig dargestellt - alles, was die Menschen damals beschäftigt und bewegt hat, findet man in der Handlung wieder. Alltag, Politik und gesellschaftliche Gepflogenheiten fließen genauso in die Handlung ein, wie die Privilegien des Adels und das Elend der Armen.
„Die Zarin und der Philosoph“ hat mir sehr gut gefallen - eine spannende, mit vielen historischen Fakten verwobene Geschichte. Es war interessant, das vielfältige Miteinander und Gegeneinander der Akteure zu beobachten und damit einen Einblick in die Historie Russlands zu bekommen.
Die Alpen sehen und sterben
Die Alpen sehen und sterben von Isabella Archan
Maria „Mitzi“ Schlager macht ein paar Tage Urlaub in Kufstein. Während eines nächtlichen Spaziergangs wird sie Zeugin eines Mordes – ein Mann wird über ein Brückengeländer in den Inn geworfen. Der Täter bemerkt Mitzi und verschwindet. Doch schon am nächsten Tag begegnen die beiden sich wieder…
„Die Alpen sehen und sterben“ ist ein Kriminalroman der besonderen Art, denn der Mörder wird dem Leser bereits auf den ersten Seiten vorgestellt.
Über Täter und Motiv miträtseln und mitgrübeln - ein Detail, das mir bei Krimis eigentlich sehr wichtig ist - fällt hier also weg. Dennoch hat mich MörderMitzis erster Fall durchweg gefesselt. Grund dafür war zum einen die ungewöhnliche Hauptfigur und zum anderen das eigentümliche Zusammenspiel der Akteure.
Mitzi ist seit einem tragischen Ereignis in ihrer Kindheit traumatisiert und wirkt auf den ersten Blick naiv und verträumt. Wenn sie etwas erzählt, schweift sie oft ab und vermischt Realität und Fantasie. Mit ihrer Andersartigkeit hat sie nicht nur mich schnell in ihren Bann gezogen, auch der Auftragskiller Sam ist von ihrer Erscheinung hingerissen. Nach ihrer ersten Begegnung auf der Brücke provoziert er weitere Treffen und schon bald entwickelt sich zwischen den beiden eine seltsame Vertrautheit. Mitzi fühlt sich mehr und mehr zu Sam hingezogen, sie ist fasziniert von dem Mann, hat aber gleichzeitig Angst vor ihm und ist entsetzt, wie kaltblütig er seine Aufträge ausführt.
Während die ehrgeizige Agnes Kirschnagel von der Polizeiinspektion Kufstein und der vorübergehend dienstuntauglich geschriebene Frankfurter Hauptkommissar Heinz Baldur versuchen, den Mörder zur Strecke zu bringen, begreift Mitzi, dass Sam ein Serientäter ist und gestoppt werden muss. Dennoch kann sie sich nicht dazu durchringen, den polizeilichen Ermittlern den entscheidenden Hinweis zu geben. Ihre Gefühle fahren immer schneller Achterbahn – um die rasante Fahrt zu stoppen, entschließt sie sich zu einer dramatischen Aktion…
„Die Alpen sehen und sterben“ hat mir sehr gut gefallen – ein spannender, tiefgründiger Krimi, der mit einer originellen Protagonistin und einer guten Prise Humor punkten kann.
Voll aufs Maul
Die Alpen sehen und sterben von Isabella Archan
In seinem Erstlingswerk „Voll aufs Maul“ schickt Florian Göttler den Jung-Literaten Paul Schmerz hinaus in die weite Welt – Geschichtenerzähler Paul geht auf Lesereise und macht u. a. halt in Zwickau, Greifswald, Paderborn und Tuttlingen und hat mit seinen Texten tatsächlich so etwas wie Erfolg.
Neue Geschichten müssen her und auf der Suche nach Inspiration urlaubt Paul in Ägypten, reist nach Thailand und verbringt einige Zeit im indischen Goa. Göttler hat dabei wenig Mitleid mit seinem Protagonisten und lässt Paul von einer vertrackten Situation in die nächste stolpern…
Florian Göttler wartet in diesem Büchlein mit allerlei skurrilen Kurzgeschichten auf, die er in eine unterhaltsame Rahmenhandlung eingebettet hat. Die ganz unterschiedlichen Episoden lassen den Leser immer wieder Schmunzeln, ab und an den Kopf schütteln und manchmal auch nachdenklich werden, denn hinter derben Sprüchen, kuriosen Begebenheiten und reichlich Situationskomik versteckt sich eine große Portion Gesellschaftskritik.
Es hat Spaß gemacht, Paul auf seinen Reisen zu begleiten und die vielfältigen Erlebnisse und Erfahrungen mit ihm zu teilen – also, auf zu neuen Abenteuern Paul Schmerz! Auf nach Brooklyn! Es gibt sicherlich noch viele schräge Geschichten, die erzählt werden wollen.
Das Handelshaus
Das Handelshaus von Axel S. Meyer
In seinem historischen Roman „Das Handelshaus“ entführt Axel S. Meyer den Leser in die 1560er Jahre und erzählt die Geschichte vom Untergang des Handelshauses der Familie Loytz – eine im 15. und 16. Jahrhundert in Stettin ansässige Kaufmannsfamilie, deren Mitglieder es mit dem Herings-, Getreide- und Salzhandel und ihren Bankgeschäften zu großem Reichtum gebracht hatten und zeitweise sogar als „Fugger des Nordens“ bezeichnet wurden.
Axel S. Meyer hat die historischen Ereignisse der Region und die Fakten, die über das Leben der Loytz bekannt sind, mit einer spannenden fiktiven Handlung verknüpft und diesen Roman damit zu einer interessanten, kurzweiligen Zeitreise werden lassen.
Axel S. Meyer hat einen flüssig zu lesenden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann seiner Geschichte zu ziehen. Schon nach wenigen Seiten war ich mittendrin in einem Gerangel um Geld und Macht und habe gespannt das umtriebige Geschehen verfolgt.
Während Michael Loytz als ältester dreier Brüder nach dem Tod des Familienpatriarchen die Leitung des Handelshauses übernommen hat, hat Stephan einige Jahre in Italien studiert und strebt jetzt eine Beteiligung im Familienunternehmen an. Simon hat die tragischen Umstände rund um den Tod seines Vaters nie verarbeiten können und ist dem Alkohol verfallen. Zwischen Michael und Stephan kommt es zu einigen Zwistigkeiten – neben dem Kampf um die Führung des Handelshauses und dem Umgang mit Simons Schicksal entzweit auch die Liebe zu der Kaufmannstochter Leni die beiden Brüder.
Die Akteure wirken allesamt echt und glaubwürdig, sie haben Ausstrahlung, zeigen Emotionen und handeln entsprechend ihren Eigenarten. Besonders gut gefallen hat mir das Zusammenspiel von fiktiven und historischen Figuren. Das Leben und Wirken der historischen Persönlichkeiten wird einleuchtend mit der Romanhandlung verwoben, so dass ein sehr authentisches Bild der damaligen Zeit entsteht. Vor allem der für seine verschwenderische Hofhaltung bekannte Kurfürst Joachim II. von Brandenburg agiert überzeugend und bereichert mit seinen Machenschaften die Szenerie.
„Das Handelshaus“ hat mir sehr gut gefallen. Die lebendig erzählte Geschichte rund um den Niedergang einer Kaufmannsdynastie hat mir nicht nur kurzweilige Lesestunden beschert, sondern mir auch interessante Einblicke in ein Stückchen nordeuropäischer Historie ermöglicht.
Rache am Ammersee
Rache am Ammersee von Inga Persson
Dießen am Ammersee. Carola Witt – Mitarbeiterin im Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Johannes Ludwig - hat eine im Gasthaus Sailerwirt stattfindende Bürgerversammlung organisiert. Grund der Veranstaltung ist der Neubau einer Gastronomie in Seenähe. Wer Pächter der neuen Wirtschaft wird, soll durch einen Wettbewerb entschieden werden.
Die während der Zusammenkunft aufbrandende Diskussion über diese Neuigkeit findet ein jähes Ende, als bekannt wird, dass das Gemeinderatsmitglied Ruprecht Prestel mit seinem Gleitschirm abgestürzt ist…
„Rache am Ammersee“ ist bereits der zweite Fall für die aus Schleswig-Holstein stammende Carola Witt - dieser Krimi ist aber auch ohne Kenntnis des vorherigen Bandes verständlich.
Inga Persson hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil und wartet mit einer großen Portion Lokalkolorit auf. Neben intensiven Landschaftsbeschreibungen steht vor allen Dingen die lokale Politik im Mittelpunkt des Geschehens, denn das geplante Gastronomieprojekt schlägt hohe Wellen und sorgt für reichlich Unmut in der Bevölkerung.
Die eigentliche Krimihandlung will allerdings nicht in Schwung kommen. Dabei ist der Start noch recht vielversprechend, denn man ist als Leser dabei, als der Täter seinen mörderischen Plan umsetzt und Ruprecht Pretzel auf raffinierte Art und Weise den Garaus macht. Danach gibt es jedoch keine wirklichen Höhen und Tiefen mehr, keine Überraschungen oder unvorhersehbaren Wendungen und irgendwie auch keine Ermittlungen, da der stets übellaunige Kommissar Meisinger und sein Kollege Pollinger fast bis zum Schluss von einem tragischen Unglück ausgehen und Carola, die laut Klappentext das kriminalistische Tun des Mörders aufdecken will, meist mit anderen Dingen beschäftigt ist. Zu allem Überfluss ist dann auch die Identität des Mörders am Ende keine Überraschung mehr, da man sich schon früh zusammenreimen kann, wer hier der Bösewicht ist.
„Rache am Ammersee“ konnte meine Erwartungen nicht erfüllen. Zuviel Drumherum drängt das Krimigeschehen in den Hintergrund, so dass einfach keine Spannung aufkommen will.









