Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Atmosphärisch und komplex
Das Buch der gefallenen Blätter von A. S. Tamaki
Vor Jahren stellte sich der Gensei-Clan gegen das Kaiserhaus und verlor. Kai, die Tochter des Clanführers wurde von einer dem Kaiser nahestehenden Familie großgezogen, sein Bruder Yora, genannt der Poet, schwor dem Kaiserhaus die Treue. Sen, damals noch ein Baby wurde heimlich in Sicherheit gebracht, wuchs im Norden als Adoptivsohn eines anderen Clans auf, und gilt als tot.
Nun, 17 Jahre später, scheint das Kaiserhaus wieder vor der Entmachtung zu stehen, der Kanzler des Reiches hat dafür gesorgt, dass das jüngste Mitglied auch mit ihm verwandt ist, und greift nach der Macht. Wieder kommt es zur Rebellion.
Über weite Teile mutet die Geschichte wie ein historischer Roman an, nur dass das Setting phantastisch ist, auch wenn es anscheinend japanisch inspiriert ist, und es phantastische Wesen wie Gottheiten und Dämonen gibt. Diese sind im Roman rar gesät, kommen aber vor.
Erzählt wird sehr bildreich, poetisch und atmosphärisch. Die Geschichte ist nicht immer leicht zu lesen und erfordert Aufmerksamkeit. Gerade in der ersten Hälfte wird viel über die politische Situation und die Verstrickungen der einzelnen Clans beziehungsweise Charaktere erzählt. Hier wäre ein Glossar im Anhang sinnvoll gewesen, auch, weil man nicht jeden Begriff kennt, obwohl die meisten aus dem Kontext Sinn ergeben. Immerhin gibt es ein Personenverzeichnis und eine Karte.
Wirkt die erste Hälfte manchmal etwas langatmig, zieht die Spannung in der zweiten Hälfte deutlich an. Während die ersten 300 Seiten die Charaktere, die Welt und die politische Lage näher bringen, wird es nun ernst, und die gegnerischen Seiten prallen zunehmend ernster aufeinander. Am Ende wird es Tote geben.
Erzählt wird aus mehreren Perspektiven. Neben den schon erwähnten Kai, Yora und Sen, gibt es noch das Mädchen Rui, das am geheimnisvollsten ist, und Yaeko, eine ehemalige Schülerin Yoras, die sich später gegen ihn stellen muss. Außerdem gibt es Einblicke in dämonisches Handeln. Außerdem gibt es weitere interessante Charaktere, wie zum Beispiel den Mönch Jobo, der sowohl der Lehrer Jens als auch der Ruis wird. Nach und nach lernt man die Charaktere besser kennen, mir sie nahe und ich habe mit ihnen mitfühlen können.
Wieder einmal hat sich gezeigt, dass es Sinn machen kann, am Ball zu bleiben, auch wenn sich ein Roman zunächst nicht wirklich zu erschließen scheint. Vielleicht hätte es Sinn gemacht, die erste Hälfte etwas zu kürzen, letztlich ist es aber schon wichtig, die verschiedenen Verknüpfungen deutlich zu machen.
A. S. Tamakis Debütroman ist besonders. Bildreich, atmosphärisch und poetisch erzählt, hat er mir interessante und spannende Lesestunden beschert. Er verlangt aufmerksames Lesen, man sollte sich auf ihn einlassen. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
Hallo Mister Martin, ich wäre jetzt bereit für den nächsten Band!
Das Lied von Eis und Feuer 10 von George R.R. Martin
Jon Schnee muss an der Mauer den Weg gehen, den er für richtig hält, auch wenn das weder Königin Selyse noch allen seinen geschworenen Brüdern gefällt. Tyrion Lennister hat es ebenfalls nicht leicht, er gerät sogar in Sklaverei, was ihn das Leben kosten könnte. Doch Tyrion wäre nicht Tyrion, wenn er nicht Ideen hätte.
Theon Graufreud darf wieder unter diesem Namen leben, weiß aber, dass er jederzeit wieder zu Stinker mutieren könnte. Trotzdem gelingt es ihm, all seinen Mut zusammen zu nehmen. Daenerys Targaryen musste ihrem neuen Gemahl zuliebe die Kampfarenen wieder öffnen, wodurch der flüchtige Drache Drogon angelockt wird und ein Blutbad anrichtet. Victarion Graufreud weiß nichts von Daenerys neuer Ehe und macht sich auf den Weg, um ihre Hand anzuhalten. Jaime Lennister trifft wieder auf Brienne von Tarth, während seine Schwester Cersei im Kerker schmort.
Diese Sieben erhalten jeweils Kapitel unter ihrem Namen. Weitere Kapitel sind auch dieses Mal mit Beschreibungen betitelt wie zum Beispiel „Das blinde Mädchen“, „Ein Geist in Winterfell“ oder „Der eiserne Freier“, hier stehen jeweils andere Personen im Mittelpunkt, die eine größere Rolle in der Gesamtgeschichte spielen, wie etwa Arya Stark, die sich in Braavos beweisen muss.
Nach wie vor ist die Geschichte sehr spannend, und es ist mehr als schade, dass sie nun hier zu enden scheint, denn George R. R. Martin lässt uns Leser:innen auflaufen und schreibt alles mögliche andere, nur nicht diese Geschichte weiter. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man, und so hoffe ich noch ein bisschen weiter. Es wäre schon schade, nicht mehr zu erfahren wie es mit Tyrion, der mein Lieblingscharakter ist, und all den anderen weitergeht, zumal dieser Band mit mehreren Cliffhangern endet.
Aber auch wenn es nicht weitergehen sollte, war ich gerne in Westeros und habe Tyrion, Jon, Jaime, Daenerys und die anderen begleitet. Wie gehabt gibt es auch hier wieder Karten und einen sehr umfangreichen Anhang.
Hallo Mister Martin, ich wäre jetzt bereit für den nächsten Band! Bis hierher hatte ich wirklich unterhaltsame und spannende Lesestunden, und würde gerne noch erfahren, wie die Geschichte hier in der Romanreihe endet.
Lachen oder Weinen - das ist hier die Frage
Memories of Heidelberg von Heinz Strunk
Isolde und Bertram, seit 17 Jahren verheiratet, sind von Oldenburg nach Heidelberg gefahren, um den 80. Geburtstag von Isoldes Mutter zu feiern. Leider erkrankt diese lebensgefährlich und muss ins Krankenhaus. Bedauerlicherweise ist das nicht das einzige, was schief läuft. Das sehr teure und für eine Woche gebuchte Hotel bietet weder Komfort noch Service, im Restaurantschiff gegenüber werden die beiden zunächst freundlich empfangen, doch mit jedem Besuch wird es unerfreulicher, und die beiden erleben ihre Heidelbergreise eher nebeneinander als miteinander.
Erzählt wird der recht kurze Roman, er hat weniger als 200 Seiten, aus Bertrams Perspektive, so kommt er einem auch um einiges näher als Isolde. Beim Lesen habe ich mehr als einmal gedacht, ich würde ganz gerne auch Isoldes Sicht erfahren, aber dann wäre die Geschichte wohl eine andere geworden, und sie sollte eben so erzählt werden, wie man sie hier liest.
Bertram hat es nicht leicht, die Ehe der beiden ist schon länger ein Trauerspiel, Isolde verweigert körperliche Nähe, was Bertram mit Essen kompensiert, zum großen Teil heimlich. In Gegenwart von Isolde ist er sehr vorsichtig mit dem, was er sagt und tut, er scheint sogar Angst vor ihr beziehungsweise ihren Reaktionen zu haben.
Dass die beiden fast jeden Tag das Restaurantschiff aufsuchen, kann man als Leser:in nicht so ganz nachvollziehen, die Szenen dort werden immer absurder, und aus den Lautsprechern hört man jedes Mal das titelgebende Lied von 1968, gesungen von Peggy March.
Manchmal wusste ich wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, man könnte den Roman vielleicht als voyeuristisches Vergnügen bezeichnen, der Humor hat peinliche Züge, man kann nicht wegsehen und leidet mit Bertram mit. Das Ende hätte ich mir anders gewünscht, aber das sollte wohl nicht sein.
Ich tippe mal, dass dieser Roman nicht für jede:n etwas ist, mich hat er allerdings erreicht, obwohl ich die beiden Hauptcharaktere am liebsten geschüttelt hätte. Ich wusste meistens nicht, ob ich lachen oder weinen soll, habe mit Bertram mitgelitten und bin froh, dass ich, mittlerweile leider verwitwet, keine solche Ehe führen musste, vielleicht ist das sogar die Moral von der Geschichte.
Zweiter Band, der die Geschichte gut voran bringt
Dinghai Fusheng Records. Buch 2 von Fei Tian Ye Xiang
China im vierten Jahrhundert nach Christus: Xiang Shu ist nicht nur Chen Xings auserkorener Schutzpatron sondern auch der Große Chanyu, der Anführer der Stämme, die im Norden jenseits der Mauer leben, daher machen sich die beiden zunächst auf den Weg in Xiang Shus Heimat, danach gilt es die Dinghai-Perle zu finden, die, so hofft Chen Xing, ihm helfen kann, die Magie wieder herzustellen, die vor Jahrhunderten verschwand.
Bald stehen sie wieder großer Gefahr gegenüber.
Der Roman führt die Geschichte des ersten Buches nahtlos weiter, sogar die Kapitelnummerierung wird fortgesetzt, so dass man hier mit Kaptitel 27 startet. Die Erzählung startet zunächst recht geruhsam, man lernt mit Chen Xing die Region Chi-Le-Chuan und die Menschen, denen Xiang Shu vorsteht, kennen. Es gibt entspannte Szenen, eine Schnellballschlacht, es wird gerodelt und gefeiert, und einiges ist sehr humorvoll, wie schon im letzten Band steht Chen Xian dabei meist im Mittelpunkt. Dramatische Szenen werden noch genug folgen.
Denn dann geht es sehr schnell, die Gefahr ist da, die Spannung zieht an und man ist mittendrin im nächsten Abenteuer der beiden, oder besser gesagt geht deren Abenteuer weiter, denn der Feind ist immer noch derselbe, man erhält nun neue Informationen über ihn und diejenigen, die ihm folgen. Gleichzeitig erfährt man auch mehr über die Geschichte und Mythologie Chinas, denn das Geschehen basiert auf der realen Geschichte des Landes. Auch über die Protagonisten, vor allem über Xiang Shu erfährt man in diesem Band mehr. Fand ich im letzten Band die Geschichte noch hin und wieder etwas verwirrend, war das dieses Mal nicht der Fall.
Auch in diesem Band gibt nicht nur eine Karte und vielfältiges zusätzliches Material im Anhang, sondern auch mehrere im selben Stil wie das Cover gezeichnete Illustrationen im Roman, die die Charaktere in Romanszenen zeigen.
Die Geschichte geht spannend weiter, es gibt neue Erkenntnisse und Charaktere. Ich bin gespannt auf Band 3.
Wichtig
Meinungsfreiheit von Ronen Steinke
Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht in Demokratien und daher auch in Artikel 5 unseres Grundgesetzes garantiert. Aber Grundrechte habe auch Grenzen, für Artikel 5 des Grundgesetzes werden sie in dessen Absatz 2 genannt, und gehen sowieso immer nur so weit wie sie Gesetze oder Rechte anderer nicht verletzen.
Derzeit gibt es um die Meinungsfreiheit und ihre Grenzen viele Diskussionen, im Internet blüht die sogenannte Hassrede, manch eine:r meint nicht mehr alles sagen zu dürfen. Jede:r von uns hat wahrscheinlich eine eigene Vorstellung, was genau das Wort Meinungsfreiheit meint. Ronen Steinke, Jurist und Journalist, nimmt sich in diesem Buch des Themas an.
Was ist überhaupt eine Meinung? Der Begriff ist weit zu fassen, Meinung ist subjektiv und muss nicht beweisbar sein. Nicht geschützt kann eine Meinung sein, wenn sie geäußert wird und unter bestimmte Bedingungen fällt, zum Beispiel wenn man damit jemanden persönlich beleidigt.
„Niemand hat das Recht, nicht kritisiert zu werden“ heißt es im Untertitel des ersten Kapitel des Buches, das die Überschrift „Streitkultur“ trägt. Ich finde, das sagt schon ziemlich viel aus. Oft heißt es heutzutage ja „man dürfe nichts mehr sagen“, weil man für seine Worte kritisiert wird. Aber nicht nur man selbst, sondern auch andere haben das Recht auf eine eigene Meinung, und damit auch darauf, die Meinung anderer kritisieren zu dürfen. Das ist keine Zensur und auch kein Angriff auf den Artikel 5 des Grundgesetzes, der sowieso „nur“ ein Abwehrrecht gegenüber dem Staat ist. Es ist im Gegenteil wichtig für eine lebendige Gesellschaft und auch für die Individuen, die sich mit verschiedenen, auch gegenteiligen Meinungen auseinandersetzen müssen.
Im Buch werden nach dem ersten Kapitel fünf Themen, die die Meinungsfreiheit einschränken könnten, in weiteren Kapiteln beleuchtet: Aufstachelung, Blasphemie, Nazivergleiche, Beleidigung und Desinformation. Jedes Kapitel beginnt mit einer Art Quiz, in dem der Autor den Leser:innen verschiedene Beispiele vorstellt und sie bittet, zu überlegen, ob die Aussagen im jeweiligen Beispiel erlaubt, also von der Meinungsfreiheit gedeckt, oder nicht erlaubt sind. Danach gibt es jeweils einen Essay zum Thema. Für mich war manche Entscheidung tatsächlich überraschend und nicht immer wirklich zu verstehen.
Ronen Steinke zeigt auch auf, dass sich die Gesetze und die Urteile der Gerichte über die Jahre verändert haben, schärfer geworden sind. Manchmal ist es für die Bürger:innen gar nicht so einfach zu wissen, was tatsächlich erlaubt ist, für was sie durch Gerichte bestraft werden können – und das ist tatsächlich fatal. Denn das könnte letztlich die Meinungsfreiheit bedrohen, hier gilt es aufzupassen.
Das Buch ist fundiert und für jeden zugänglich geschrieben, außerdem gut gegliedert. Die Anmerkungen im Anhang bieten zusätzliche Informationen.
Eigentlich war ich ziemlich sicher, dass meine Meinung (!) zur Meinungsfreiheit ziemlich genau wäre, aber ganz so ist es nicht, ich hatte einiges zum Nachdenken, habe dazu gelernt, konnte meine Meinung schärfen. Auch deshalb finde ich dieses Buch sehr wichtig und möchte es jede:m empfehlen.
Hätte wirklich gut sein können
Weil sie lügt von Caroline Seibt
Seit über einem Jahr ist Juliane Brunner spurlos verschwunden, die Polizei hat schließlich ihren Vater in Untersuchungshaft genommen, ohne aber wirklich etwas gegen ihn in der Hand zu haben. Jetzt meldet sich ein Mithäftling und behauptet, Stefan Brunner hätte ihm gegenüber die Tat gestanden.
Anna Brunner, Julianes jüngere Schwester, hat nie geglaubt, dass ihr Vater etwas mit Julianes Verschwinden zu tun hat, sie stellt selbst Theorien auf und ermittelt auf eigene Faust.
Ohne den Vater ist die Familie in finanzielle Schwierigkeiten geraten, die psychisch kranke Mutter wird zunehmend instabiler, Leon, das Nesthäkchen der Familie leidet und Anna versucht so gut es geht alles zusammenzuhalten.
Erzählt wird der Thriller aus zwei Perspektiven in Ich-Form. Eine davon ist Anna Brunner, die andere Katharina Engels, die die Ermittlungen leitet. Sie fühlt sich dabei nicht ganz wohl, denn zunächst war ihr Kollege Mark Faber der Ermittlungsleiter, der nun in ihrem Team ist. Über Katharina erfährt man mehr über die Ermittlungen und deren Ergebnisse, während man Anna im familiären Bereich begleitet, aber auch an ihren Überlegungen und Handlungen teilhat, die dem Auffinden ihrer Schwester und des Schuldigen an ihrem Verschwinden dienen sollen. Der Polizei gegenüber ist sie stark misstrauisch.
Nach und nach erfährt man was vorher passiert ist, dabei gibt es auch Überraschungen. Aber auch die aktuellen Ermittlungen enthüllen Unerwartetes. Die Auflösung kommt für mich dann doch etwas zu abrupt und wirkt auf mich ein wenig zu sehr wie aus dem Hut gezaubert. Das hätte ich mir anders gewünscht, aber auch schon vorher fand ich nicht alles eindeutig und gänzlich nachvollziehbar. Das hat mir am Ende den bis dahin als sehr spannend empfundenen Roman doch noch ein Stück weit verleidet.
Katharina und Anna waren für mich beide keine wirklichen Sympathieträger. Natürlich konnte ich mir Anna mitfühlen, sie hat es wahrlich nicht leicht. Ihr Leben war schon vor dem Verschwinden der Schwester schwierig durch die Mutter mit ihren „Gewittern“ im Kopf, wie es hier beschrieben wird. Wie sich das auswirken kann, erfährt man in einer Szene mit dem kleinen Bruder. Da Anna aber schon länger kein Kind mehr ist, habe ich mich schon gefragt, warum sie, oder in früheren Zeiten ihr Vater oder ihre Schwester, keine zweckmäßigen Maßnahmen dagegen in die Weg leiteten.
„Weil sie lügt“ ist in weiten Teilen ein spannender Thriller, der stellenweise fast Pageturnerqualität hat. Leider konnte mich vor allem die Auflösung nicht überzeugen, was mir den Roman dann doch ein Stück weit verleidet hat. Gerade in diesem Genre ist ein überzeugendes Ende wichtig, so dass ich nicht mehr als 3 Sterne vergeben möchte.
Hatte mir mehr erhofft
Katabasis von Rebecca F. Kuang
Alice Law hat versehentlich den Tod ihres Doktorvaters Jacob Grimes mitverursacht, weswegen sie ihn nun aus der Hölle befreien möchte, immerhin braucht sie ihn auch noch für ihre Dissertation. Der Titel des Romans, Katabasis, ist daher folgerichtig der altgriechische Begriff für einen Helden, der in die Unterwelt hinabsteigt.
Der Roman spielt in unserer Welt, nur, dass es Magie gibt, und man daher auch Magie studieren kann. Schauplatz ist neben der Hölle die britische Universitätsstadt Cambridge. Magie wird mittels von Kreide gezeichneten Pentagrammen und passenden Worten gewirkt, in der Regel basierend auf Logik und entstehenden Paradoxen. Die Autorin hat dazu eine umfassenden Background geschaffen, Philosophie, Mathematik, Logik sind unter anderem Basis der verschiedenen Theorien, und eine ganze Reihe realer Wissenschaftler sowohl aus antiken als auch aus neueren Zeiten werden dazu herangezogen.
Auch das hier gewählte Konzept Hölle ist kein unbekanntes, es basiert unter anderem auf Dante Alighieri und einige Mythologien, nur dass hier als wahr anerkannt wird, dass Dante oder zum Beispiel Orpheus tatsächlich in der Hölle waren. Die Hölle ist dabei nicht das Gegenteil von Himmel, sondern alle Toten beziehungsweise Seelen, kommen dort hin, müssen gegebenenfalls verschiedene Höfe durchlaufen und können sich, wenn oder auch falls sie es geschafft haben, auf ihre Reinkarnation freuen. Alice muss es also nur heil in und durch die Hölle und ihre verschiedenen Höfe schaffen, Professor Grimes finden, und ihn schließlich irgendwie aus der Hölle schaffen.
Für mich klang das ziemlich spannend. R. F. Kuangs „Babel“ war ein Highlight für mich, „Yellowface“ allerdings für mich nicht mehr ganz so gut, „Katabasis“ schien mir aber wieder näher an „Babel“ zu kommen. Leider wurde ich enttäuscht, bald hatte ich das Gefühl, dass der Geschichte etwas der Sinn fehlt, ein echter roter Faden, es gibt für mich zu viele Längen, wo sich der Roman in Theorien verfängt. Vielleicht habe ich auch nicht den Zugang zur erwarteten Interpretation gefunden. Manchmal hatte ich schon keine Lust mehr, weiterzulesen, aber irgendetwas hielt mich dann doch.
Alice Law und Jacob Grimes sind mir beide unglaublich unsympathisch gewesen, was schon Alices Motivation in Frage stellte, warum sie ihn unbedingt aus der Hölle befreien wollte immerhin gab es einen sehr hohen Preis, der auf jeden Fall zu zahlen war, zusätzlich zu möglichen Gefahren in der Hölle. Ihre Doktorarbeit hätte sie sicher auch ohne ihn zu Ende bringen können, es gab schließlich noch weitere Magielehrende. Alice selbst ist hyperehrgeizig, nicht sehr moralisch, dafür sehr von sich selbst eingenommen.
Ungebeten begleitet wird Alice von Peter Murdoch, auch ein Protegé Grimes‘ und damit Alices Konkurrent. Einmal in der Hölle müssen sich die beiden zusammenraufen. Peter ist auf jeden Fall der sympathischere Part der beiden, seine Lebensgeschichte erfährt man im Laufe des Romans, was ihn mir noch ein Stück näherbrachte. Auch Grimes‘ Lebensgeschichte wird erzählt, am wenigsten erfährt man eigentlich von Alice, obwohl die Geschichte zum sehr großen Teil aus ihrer Perspektive erzählt wird. Es gibt zudem immer wieder Rückblenden zum Geschehen vor der Höllenreise.
Interessant ist auch die Zeit, in der der Roman spielt, er ist wohl in den1980er Jahren anzusiedeln. Das bietet einiges an Gesellschaftskritik, vor allem, was den Universitätsbetrieb angeht, aber auch bezüglich der Rolle der Frau. Unter anderem könnte man es mit Me too-Geschehen bezeichnen. Alice lässt sich darauf ein und kritisiert sogar feministische Bestrebungen.
Die Geschichte ist, wie schon ausgeführt, teilweise sehr langatmig, es gibt aber auch spannende Passagen, manchmal wird es aber auch fast grotesk, besonders bezogen auf eine Familie, die gemeinsam die Hölle unsicher macht. Diese Familie war es unter anderem, die für mich der Geschichte Sinn nahm.
Ich war sehr gespannt auf „Katabasis“, am Ende wurde ich leider enttäuscht. Das Meisterwerk, das ich erhofft hatte, habe ich nicht bekommen, sondern eine Geschichte, die für mich nicht immer Sinn machte und sich zu viel in theoretischem Background verlor. Dennoch wollte ich sie unbedingt zu Ende lesen, immerhin gibt es auch interessantere und spannende Passagen, so dass ich noch ganz knapp 3 Sterne vergebe.
Trotz bisher fehlendem Ende lese ich die Reihe nach wie vor sehr gerne
Das Lied von Eis und Feuer 09 von George R.R. Martin
Tyrion Lennister ist nach dem Mord an seinem Vater auf der Flucht, und schließt sich einer Gruppe an, die auf dem Weg zu Daenerys Targaryen ist. Diese hat Meeren erst kürzlich erobert und will vorerst dort bleiben, hat jedoch große Probleme mit der Bevölkerung, vor allem die Söhne der Harpyie machen ihr das Leben schwer, aber auch ihre Drachen lassen sich immer schwerer lenken.
Jon Schnee ist der neue Kommandant an der Mauer, aber auch er hat es nicht leicht. Nicht alle Brüder erkennen ihn an, zudem muss er nicht nur mit Stannis Baratheon und dessen Roter Priesterin Melisandre klarkommen, sondern auch mit Mengen an Wildlingen, die sich jenseits der Mauer nicht mehr sicher fühlen, da dort die Weißen Wanderer unterwegs sind. Bran Stark dagegen ist weiterhin mit seiner kleinen Truppe jenseits der Mauer auf der Suche nach der dreiäugigen Krähe unterwegs. Der Mann, den man Stinker nennt, muss wahrenddessen immer noch unter den Misshandlungen und Demütigungen durch Ramsay Bolton leiden. Auch Davos Seewert ist unterwegs, im Namen Stannis Baratheons soll er um Verbündete werben.
Diese Sechs erhalten jeweils mehrere Kapitel unter ihrem Namen, ein weiteres Namenkapitel gibt es für Melisandre, die man hier einmal aus einer anderen Perspektive kennenlernt, was durchaus überraschen kann. Weitere Kapitel sind mit Beschreibungen betitelt wie zum Beispiel „Der Diener des Kaufmanns“, „Der verlorene Lord“ oder „Die widerspenstige Braut“, hier stehen jeweils andere Personen im Mittelpunkt, die eine größere Rolle in der Gesamtgeschichte spielen, wie etwa Asha Graufreud.
Der neunte und bisher vorletzte Band der deutschen Ausgabe der Reihe hat nicht mehr sehr viel mit der Verfilmung gemein. Es macht zwar weiterhin Freude, die spannende und komplexe Geschichte zu lesen, mittlerweile frage ich mich aber doch, wie sie enden würde, denn das Ende der Serie würde hier nicht passen, zumal man außerdem auf wichtige Personen trifft, wie etwa den titelgebenden Sohn des Greifen, die in der Serie fehlen.
Neben verschiedenen Karten gibt es wieder einen ausführlichen Anhang in dem man mehr über die Hintergründe erfährt.
Mittlerweile haben sich Serie und Buchreihe doch sehr unterschiedlich entwickelt. Ob man weiterhin hoffen kann, dass die Reihe noch ein abschließendes Ende findet? Trotz dieser Unwissenheit habe ich den Roman gespannt gelesen, es macht mir einfach Freude, in die Geschichte einzutauchen und die verschiedenen Charaktere auf ihrem Weg zu begleiten. Der Autor hat ein großes Erzähltalent.
Ein wunderbarer Roman
Die Mitternachtsreise von Matt Haig
1974 sind Wilbur und Maggie auf Hochzeitsreise in Venedig und sicher, das ganze Leben zusammen glücklich zu sein. 52 Jahre später stirbt Wilbur, seine Ehe ist schon lange gescheitert. Nach seinem Tod wird er vom Mitternachtszug abgeholt, der ihn durch sein Leben fährt, an besonders prägenden Stellen kann er aussteigen, darf aber nur zusehen.
Wilbur weiß schon lange, dass er Fehler gemacht hat, und während der Zugfahrt überlegt er, ob er nicht die Möglichkeit hat, sein Leben nachträglich zu ändern, indem er Kontakt mit seinem früheren Ich aufnimmt. Allerdings könnte ihn das die Ewigkeit kosten.
Mich hat schon die Idee der Geschichte berührt, auch, weil ich seit eineinhalb Jahren verwitwet bin, man denkt dann öfter und anders über den Tod nach. Während des Lesens habe ich mir die Frage gestellt, ob ich etwas in meinem Leben ändern wollen würde. Ich hoffe zwar, noch länger zu leben, aber eine Rückschau ist wahrscheinlich nie verkehrt.
Als Leser:in erlebt man Wilburs Leben mit, auch die Gedanken, die er sich nach seinem Tod darüber macht, erst jetzt erkennt er, was er hätte anders machen können, vielleicht sogar müssen, wo er anders mit Menschen hätte umgehen sollen, wie er sich selbst hätte glücklicher machen können. Wilburs Leben ist schon von Beginn an nicht leicht, er wurde 1945 geboren, sein Vater ist gegen Ende des Krieges noch gefallen, seine Mutter musste ihn und seinen älteren Bruder alleine großziehen, was für sie sehr schwer war. Schon das hat sein Leben geprägt, und macht manches verständlicher. Nach seinem Tod kann er als Betrachter manches zudem aus einer anderen Perspektive sehen als damals, als er mittendrin war. Man kann gut nachvollziehen, dass er versuchen möchte, Einfluss zu nehmen.
Wilbur und seine Geschichte berührt emotional. Vielleicht bedient sie das eine oder andere Klischee, aber Wilburs Leben ist wahrscheinlich eines von vielen, die so oder so ähnlich stattgefunden haben. Man muss den zeitlichen und sozialen Kontext mitberücksichtigen. Vielleicht könnte man eine solche Geschichte auch als kitschig empfinden, aber mein Kitschbarometer hat tatsächlich selten ausgeschlagen.
Matt Haigs Roman hat mich auf mehreren Ebenen angesprochen, auch auf einer persönlichen. Ich wurde emotional sehr berührt und habe über mein eigenes Leben nachgedacht. Ich empfehle den Roman sehr gerne jenen, die sich auf solch ein Gedankenexperiment einlassen können.
Mutet leider sehr realistisch an
Wenn die Bienen schweigen von Caryl Lewis
Der Roman erzählt von einer Welt, in der die letzte Biene gestorben ist. Das führt zu Lebensmittelknappheit und Unruhen, und letztlich zu einer diktatorischen Regierung. Mit elf Jahren werden die Kinder aus ihren Familien genommen, die Mädchen dazu verpflichtet, Bäume von Hand zu bestäuben, während Jungen zur Kampfausbildung geschickt werden.
Jess und ihr Bruder hatten das Glück, dass ihre Mutter alles daran setzte, sie länger bei sich zu behalten, außerdem haben sie durch die Nachbarin Ruth vom Davor erfahren. Ruth ist schon sehr alt und hat nach selbst erleben dürfen, was es nun nicht mehr gibt. So wird zu einem sehr prägenden Menschen in Jess‘ Leben. Letztlich mussten beide dennoch ihre Mutter verlassen.
Der Roman wird komplett aus Jess‘ Perspektive in Ich-Form erzählt. Ihre erste Zeit im Camp ist nicht einfach, doch nach und nach schließt sie Freundschaften. Von der Mutter zu eigenem Denken erzogen, erkennt sie schnell, was man ihr und den anderen Mädchen antut. Sie erkennt aber auch, dass sie nicht ganz hilflos ist.
Der Roman ist für ein Lesealter ab 14 Jahren gedacht, hat mich als Erwachsene aber auch sehr berührt. Die Autorin schreibt bildhaft und sehr atmosphärisch. Teilweise malt sie regelrecht Bilder zum Beispiel wenn sie Ruth Jess zu erklären lässt, wie Honig schmeckt.
Die Geschichte ist spannend, denn Jess‘ begibt sich mehrmals in Gefahr, da sie hofft, Dinge ändern zu können. Der Roman hat nur etwas über 300 Seiten, doch kann man sich die Welt, wie sie nun ist, gut vorstellen, auch wenn man größtenteils nur das Camp, in dem die Mädchen leben, kennen lernt. Für mich war das durchaus ausreichend, um mir mehr vorstellen zu können. Auch das Ende ist für mich so wie es ist sehr passend. Offenbar plant die Autorin aber, wie sie in einem englischsprachigen interview offenbarte, ein Sequel, ich könnte mir vorstellen, dann vielleicht eine andere Perspektive zu erfahren. Offiziell angekündigt ist aber noch nichts.
Jess ist für mich eine perfekte Protagonistin, schon wegen der besonderen Erziehung durch ihre Mutter und das Wissen, das Ruth an sie weitergibt. Neben ihr lernt man noch verschiedene andere Mädchen kennen. Eliot, einer der Wächter im Camp, zeigt, dass das Leben auch für den männlichen Nachwuchs nicht unbedingt einfach ist, und sich auch dort Widerstand bilden kann. Wie unschön das Leben im Camp ist, kann man gut sehen, für mich hätte es das mobbende Mädchen, das anderen, vor allem auch Jess, das Leben schwer macht, gar nicht gebraucht, auch nach Beendigung der Lektüre hat sich meine Meinung dahingehend nicht wesentlich geändert.
Dass es immer weniger Insekten gibt, kann jeder für sich selbst feststellen, und dass das gerade bezüglich der bestäubenden Insekten auch für uns Menschen dramatisch ist, sollte bekannt sein. Der Roman übertreibt da nicht, auch heute schon gibt es Gegenden auf der Erde, wo von Hand bestäubt werden muss. Wir sollten alles dafür tun, dass wir nicht eine solche Situation wie im Roman erleben müssen, der leider viel zu realistisch anmutet. Ich empfehle, unbedingt auch das Nachwort der Autorin zu lesen, das mich wie auch der Roman berührt hat.
Der Roman ist dystopisch, allerdings erzählt er von einer Welt, die schon sehr nahe sein könnte. Schon deswegen halte ich es für wichtig, dass er viele Leser:innen bekommt. Er ist zudem spannend und atmosphärisch erzählt, berührt emotional und wirkt nach. Von mir gibt es daher eine große Leseempfehlung nicht nur für Jugendliche sondern auch für Erwachsene.











