Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Ich liebe diesen Humor!
Wir jagen Schatten (Wir finden Mörder-Serie 2) von Richard Osman
Vern Blackwood macht sich Sorgen, einer seiner Leibwächter wurde ermordet und ein Zettel mit einer Drohung bei ihm gefunden. Zufällig sieht er die Krimiautorin Rosie D‘Antonio in einer Talkshow, die dort auch von ihrer Detektei mit Namen „Wir finden Mörder“ erzählt. Kurz entschlossen ruft er sie an und bittet um Hilfe.
Zusammen mit dem ehemaligen Polizisten Steve Wheeler und dessen Schwiegertochter, der erfahrenen Bodyguard Amy Wheeler, reist Rosie zu Verns Villa in die Toskana. Bald stecken die Drei wieder mitten in einem verzwickten Fall, der sie zwar nicht rund um den Globus, aber doch in einige Länder führt, und alles andere als ungefährlich ist.
Beim Start in den zweiten Band machten sich Rosie, Amy und Steve noch Gedanken darum, ob die Gründung der Detektei eine gute Idee war, denn nach den Ereignissen im Vorgängerband blieben die Fälle aus. Steve überlegte schon, ob er vielleicht nicht nur auf Morde warten, sondern auch Fälle von verschwundenen Haustieren und ähnlichem annehmen solle.
Neben den schon erwähnten trifft man auch andere Charaktere aus dem Vorgängerband wieder, alle ein bisschen skurril aber größtenteils auch liebenswert. Ein neuer Charakter ist der Spanier Ernesto Manuelo Santiago de Sousa de Cuéllar, der für Interpol arbeitet; ein alter Freund Rosies ist und gut zum Trio zu passen scheint.
Wer die Donnerstagsmordclub-Reihe des Autors kennt, weiß, dass man bei ihm auf Humor hoffen darf, und zwar auch auf schönen schwarzen britischen Humor. Die Wir suchen Mörder-Reihe legt sogar noch ein bisschen oben drauf, wie man auch hier wieder sehen kann. Es geht sehr turbulent und nicht immer gesetzestreu zu, man kann nicht immer erkennen, wer zu den Guten oder zu den Bösen gehört und geschossen wird auch.
Natürlich hat der Fall am Ende einige Überraschungen zu bieten, wird aber nachvollziehbar gelöst. Im Nachwort verspricht Richard Osman einen weiteren Fall, zunächst soll es aber einen neuen Fall für den Donnerstagsmordclub geben, gegen Ende dieses Romans gibt es sogar eine kleine Verknüpfung zwischen den beiden Reihen – ich liebe so etwas ja.
Band 2 der Reihe bietet wie erhofft sehr gute Unterhaltung mit viel britischem Humor. Man trifft einige bekannte Charaktere wieder, reist mit den Protagonist:innen durch mehrere Länder und erlebt eine spannende Geschichte. Ich würde sagen: Zugreifen!
Frauen der römischen Antike erhalten eine Stimme
Eine Geschichte des Römischen Reiches in 21 Frauen von Emma Southon
Frauen hatten im antiken Rom einen eher sehr nachgeordneten Stand, vor allem auch in Regierungs- und Adelskreisen. Emma Southon hat es sich mit diesem Buch der Aufgabe gestellt, auch ihnen eine Stimme zu geben, und die ist gar nicht so leise.
Wie Rom beginnt die Autorin mit dessen Gründung, also dem Jahr 753 vor Christus, als es, den Spruch kennen wahrscheinlich die meisten, aus dem Ei kroch.
Der Legende nach wurde Rom von Romulus gegründet. Um seine neue Stadt zu füllen, sammelte er alle möglichen Männer ein, die sonst nirgends einen Platz hatten. Was dann noch fehlte, waren Frauen, und da bediente man sich am besten auch aus der Umgebung, nämlich bei den Sabinern, und da die Sabinerinnen, oder deren Eltern, offenbar nicht so recht wollten, raubte man sie eben.
Wer sich nun wundert, in welchem flapsigen Ton ich diese Rezension schreibe, dem kann ich sagen, dass ich mich da ein wenig nach dem Erzählton der Autorin richte. Ehrlich gesagt hat mich deren flapsiger Ton zunächst sehr gestört, von einem guten wissenschaftlich fundierten Sachbuch hatte ich andere Erwartungen. Dann habe ich mich aber doch ziemlich schnell daran gewöhnt, und musste schließlich öfter schmunzeln über das, was ich da gelesen habe.
Römische Frauen kommen in der Geschichtsschreibung nicht so oft vor wie die römischen Männer, sie sollten sich auch eher zurückhalten, heiraten, den Haushalt führen und Kinder bekommen, auch hier ist das natürlich vor allem auf die oberen Kreise bezogen. Dennoch erfährt man aus verschiedenen Dokumenten doch einiges aus dem Leben römischer Frauen, und die eine oder andere wird auch namentlich erwähnt. Vielleicht gab es nicht alle in diesem Buch vertretenen Frauen wirklich, vielleicht hieß die eine oder andere auch anders, wie zum Beispiel jene, deren Ehemann sie in der Inschrift ihres großen marmornen Grabmals überschwänglich lobte. Andere Frauen sind historisch verbürgt, wie zum Beispiel Iulia, einziges leibliches Kind des Kaisers Augustus.
Besonders interessant wird es, jedenfalls für mich, etwas weiter hinten im Buch, besonders angetan hat es mir Iulia Felix, die in Pompeji eine Art Wellnesscenter für die einfacheren Bürger:innen unterhielt und recht wohlhabend gewesen sein muss. Der Ausbruch des Vesuvs 79 nach Christus hat es möglich gemacht, dass einiges davon erhalten blieb und wir heute davon wissen.
Emma Southon bleibt auch nicht in Rom oder Italien sondern erschließt uns das gesamte römische Reich, wir lernen unter anderem auch Frauen aus dem heutigen Großbritannien kennen, den Namen Boudicca haben wahrscheinlich die meisten schon einmal gehört. Beendet wird die Frauenriege mit Gallia Placidia, die von 390 bis 450 nach Christus lebte, und die die Autorin die letzte Römerin nennt. Rom selbst spielte da schon eine eher ungeordnete Rolle. 476 nach Christus stürzte dann der letzte weströmische Kaiser. Am Ende wird also eine Zeit von um die 1.200 Jahren abgedeckt, in der sich viel verändert hat.
Denn mit dem Leben der aufgeführten Frauen erfährt man natürlich auch viel über die Geschichte Roms, dafür hat die Autorin schon mit ihrer Auswahl gesorgt. Manches wusste ich bereits, einiges aber auch nicht, vor allem waren mir viele der Frauen nicht bekannt, und sie nicht kennen gelernt zu haben, wäre schade gewesen. Manche der Frauen haben tatsächlich auf ihre Weise in die Geschichte Einfluss genommen, wenn es vielleicht auch oft „nur“ der Einfluss über Mann, Sohn oder andere Verwandte war. Manche haben sich untergeordnet, andere leiden müssen. Ein paar haben rebelliert oder sich geopfert. Über einige von ihnen könnte man Romane schreiben. Am Ende habe ich interessante Frauen kennen gelernt und einiges über die römische Geschichte erfahren.
Im Anhang gibt es Anmerkungen, Erläuterungen, Quellen und ein Sach- und Personenregister. Emma Southon ist studierte Historikerin, und ich werde nach weiteren Büchern von ihr Ausschau halten, den schließlich habe ich dasBuch sehr gerne gelesen und möchte es allen Interessierten ans Herz legen.
Wer hat die Glühbirne erfunden?
Die letzten Tage der Nacht von Graham Moore
1888: Der erste Mandant des jungen Anwalts Paul Cravath wird George Westinghouse, den er ausgerechnet gegen Thomas Edison verteidigen soll, der diesen mit Anklagen vor Gericht überzieht. Edison ist mit allen Wassern gewaschen und macht es Westinghouse und seinem Anwalt nicht leicht.
Graham Moore, 2015 Oscargewinner für das beste adaptierte Drehbuch, nimmt sich hier den als Stromkrieg in die Geschichten eingegangenen Streit an, erzählt diesen aber komprimiert auf zwei Jahre.
Neben den bereits erwähnten drei Charakteren trifft man hier auf eine ganze Reihe historischer Persönlichkeiten, allen voran Nikola Tesla. Zu vielen der erwähnten Personen habe ich zusätzlich recherchiert, die meisten davon haben mehr oder weniger große Spuren hinterlassen.
Wie schon erwähnt nimmt sich der Autor dichterische Freiheiten, immerhin ist dies kein Sachbuch sondern ein Roman. Graham Moore erzählt dazu einiges in seiner Nachbemerkung, die man auf jeden Fall lesen sollte.
Ich will nicht behaupten, dass ich die ganzen mathematischen und physikalischen Hintergründe kenne und verstehe, die hier erwähnt werden, das macht aber gar nichts, denn auch Paul ist in der Beziehung Laie und so wird manches erklärt und anderes eben als gegeben angenommen. Die wissenschaftlichen Hintergründe sind zwar auch wichtig, aber im Zentrum der Geschichte stehen vor allem auch Cravaths Überlegungen, wie Westinghouse gegenüber Edison bestehen könnte und all die Tricks und Kniffe, mit denen auf beiden Seiten gearbeitet wird.
Der Roman ist erstaunlich unterhaltsam, und stellenweise richtig spannend, ich habe ihn sehr gerne gelesen. Erzählt wird aus Sicht Cravaths, man erlebt ihn auch in privatem Kontext und erfährt seine Gedanken und Überlegungen in all seinen Lebenslagen. Er ist schlau, aber auch noch jung und unerfahren, macht Fehler, ist verzweifelt, hat aber auch immer wieder Ideen. Erzählt wird eindringlich und oft sehr humorvoll. Letzteres ist vielleicht etwas überraschend, aber der Humor passt sehr gut und macht den Roman erst so richtig unterhaltsam.
Dieser Roman hat mich angenehm überrascht, er ist spannend, eindringlich erzählt, bei allem Drama auch voller Humor und bringt nicht nur einen bemerkenswerten Protagonisten sondern auch noch weitere ebenso spannende Charaktere mit, die der Welt ihren Stempel aufgedrückt haben.
Empfehlenswert
Airfryer Balance - Gesund essen bei Arthrose von Peter Heilmeyer; Agnieszka Peralta Martin
Der Gräfer und Unze Verlag (GU), hat eine Reihe herausgegeben, die sich nicht nur mit gesundheitlichen Themen sondern auch mit passenden Airfryer-Rezepten beschäftigt. Ich habe mich zunächst für dasjenige mit dem Thema „Arthrose“ entschieden, aber auch Interesse für einige weitere.
Zunächst erhält man eine Einführung in die Essenszubereitung im Airfryer sowie umfangreiche Hintergrundinformationen zum Thema Arthrose.
Was ist das überhaupt, wie entsteht sie, wie kann man vorbeugen, wie versuchen, sie zu verlangsamen und schließlich auch, wie man sie mit Hilfe der Ernährung in den Griff bekommen kann. Man muss sich dabei zwar vor Augen führen, dass wohl keine komplette Heilung möglich ist, man aber zumindest an den Symptomen arbeiten und den Vorgang, zum Beispiel durch Bewegung und passende Ernährung verlangsamen und sich Erleichterung verschaffen kann.
Nach der Theorie kommt dann die Praxis, hier vor allem bezogen auf die Ernährung. Dieser Teil enthält ein Kochbuch, jedes der 60 Gerichte ist im Airfryer zubereitbar. Zu allen Gerichten gibt es Fotos, eine Liste der benötigten Zutaten für in der Regel zwei Portionen, sowie eine gut nachvollziehbare Anleitung mit Nährwertangaben und Zubereitungszeiten.
Aufgeteilt wird der Kochbuchpart in „Frühstück & Snacks“, „Suppen, Salate & Bowls“, Veggie & Beilagen“, „Geflügel, Fleisch & Fisch“ sowie „Desserts & Kuchen“. Es erwarten einen dort zum Beispiel Rezepte für Sesam-Leinsamen-Bagels, Würzige Gulaschsuppe mit Paprika, Überbackene Champignons mit Käse-Füllung, Hähnchenschenkel mit mediterranem Gemüse und Tiramisu-Dessert.
Mich haben in jedem der Unterpunkte mehrere Gerichte direkt angesprochen, auch, aber nicht nur, weil sie einige meiner Lieblingsnahrungsmittel enthalten. So bekam ich sofort Lust, sie nachzukochen, was auch problemlos gelungen ist.
Wer mit Arthrose zu tun hat, und wahrscheinlich jede:r erlebt das eines Tages, findet hier interessante Informationen und ansprechende Rezepte, die helfen, wenn auch nicht heilen können. Von mir gibt es eine große Empfehlung.
Wunderbare Fortsetzung
Hummerjahre von Beatrix Gerstberger
Luca, Minas Tochter ist mittlerweile 17 Jahre alt und möchte vorerst auf Eagle Island bei ihrem Großvater leben, Hummerfischerin werden, und ihren Vater Sam besser kennenlernen. Auch Minas Vater, Richard, möchte, schwer erkrankt, die Insel noch einmal wiedersehen. In Stone Harbor muss Julie den Tod ihres Ehemanns und ihrer besten Freundin verkraften, und nimmt sich schließlich vor, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben.
„Die Hummerfrauen“ habe ich sehr gemocht, in meiner Rezension dazu schrieb ich, dass zwar manches noch offen sei, ich aber damit leben, und die Geschichten für mich selbst zu Ende denken könne. Dass es tatsächlich eine Fortsetzung geben würde, hatte ich nicht erwartet, doch hier ist sie, und hat mich wieder genauso emotional berührt, wie der erste Band.
Erzählt wird erneut aus verschiedenen Perspektiven, Mina und Julie bekommen natürlich eigene Kapitel, aber auch Judith, Minas Mutter, die noch etwas aufzuarbeiten hat, sowie Ellis, Lucas Inselopa. Auch Ann bekommt eigene Kapitel, da ihr Tod zu Beginn der Geschichte aber bereits sechs Monate zurückliegt, sind dies Rückblenden ins Jahr 2004, als Luca noch sehr klein war und Mina vor der Entscheidung stand, wegzugehen.
Es war für mich ein bisschen wie nach Hause kommen. Beatrix Gerstbergers Charaktere wachsen einem schnell ans Herz, oder lösen andere Emotionen aus, sie wirken auf mich wie echte Menschen, und ich freute mich, ihnen wieder zu begegnen. Emotional war ich sehr schnell wieder involviert, habe mehr als eine Träne verdrückt, aber mich auch freuen können. Nicht nur die Charaktere werden lebendig, auch die Orte, Stone Harbor an der Küste Maines und die vorgelagerte Insel Eagle Island konnte ich vor mir sehen. Eine Rolle spielt natürlich auch wieder Mr. Darcy, der blaue Hummer, und natürlich auch andere Charaktere, die man im Vorgängerband kennengelernt hatte.
Was mir an diesen beiden Bänden auch so gut gefällt ist, dass auch einmal ältere Protagonist:innen zu Wort kommen, Julie ist hier 73 Jahre alt, auch Judith, Richard und Ellis haben die 70 überschritten. Trotzdem werden sie nicht als „alt“ gezeichnet, sondern als durchaus agile Senior:innen, die noch Freude am Leben und Träume haben können. Durch Mina und Luca sind aber auch die jüngeren Generationen am Start, so dass es vielfältige Identifikationsmöglichkeiten gibt, falls überhaupt benötigt.
Am Ende sind viele offene Fragen auch des Vorgängerbandes geklärt, aber vielleicht noch ein oder zwei offen. Mr Darcys Entschluss gegen Ende lässt mich aber vermuten, dass es keinen weiteren Band geben wird, aber, wer weiß?
Ich habe mich sehr gefreut, die liebgewonnenen Charaktere aus „Die Hummerfrauen“ wiederzutreffen, bin wieder emotional sehr berührt worden und hätte durchaus immer weiter lesen können. Eine ganz große Leseempfehlung, allerdings sollte man meiner Meinung nach den Vorgängerband unbedingt zuerst lesen.
Urban Fantasy mit zu viel Romantik
The Prague Chronicles von B.E. Pfeiffer
Ophelia will ihren Kurzurlaub in Prag nicht nur nutzen, möglichst viel der interessanten Stadt zu sehen, sie will auch nach der kürzlichen Trennung wieder zu sich kommen. Doch daraus wird erst einmal nichts, denn auf ihrer Erkundung durch die Prager Burg trifft sie auf einen Golem und erweckt diesen zum Leben.
Kurz darauf ist sie von einer geheimnisvollen Gruppe, die sich Agency nennt, gefangen genommen worden und soll erklären, wie ihr das gelingen konnte. Zu allem Übel ist der Golem verschwunden und Ophelia scheint die einzige zu sein, die ihn wieder außer Gefecht setzen kann.
Prag und der Golem, das gehört seit dem 16. Jahrhundert fest zusammen. Beides im Klappentext hat mich sofort angesprochen, denn ich mag Prag sehr und der Golem ist eine faszinierende mythische Gestalt. Der Roman ließ sich auch, bis auf die Kritikpunkte, die ich weiter unten anführe, zunächst wirklich spannend lesen. Die Agency, die sich um Ereignisse mit magischem beziehungsweise mystischem Hintergrund kümmert, existiert, wenn auch nicht unter diesem Namen, schon sehr lange, besteht in den letzten Jahrhunderten aber nur noch aus Formwandlern. Die Menschen haben sich von der Magie abgewandt, glauben nicht mehr an sie, und sollen daher vor ihr geschützt werden. Allen Menschen, die magische Ereignisse mitbekommen, werden daher von diesen Erinnerungen befreit.
Ophelia wird einem Team zugeordnet, dessen Teamleiter, Einar, zunächst nicht sehr glücklich darüber ist, er mag Menschen nämlich nicht besonders gerne. Den Grund dafür erfährt man im Laufe des Romans. Erzählt wird ich-Form aus den Perspektiven Ophelias und Einars. Erzählerisch passt das gut, so ist man mit Ophelia hautnah dabei, wenn sie nach und nach erfährt, was hinter der Agency steckt und wer die einzelnen Teammitglieder sind, während man mit Einar das Geschehen aus Sicht eines Agenten wahrnimmt.
Leider kam mir Ophelia während des ganzen Romans nicht wirklich nahe, im Gegensatz zu Einar und seinem Team. Die einzelnen Teammitglieder mochte ich schnell, und ich finde sowohl das Setting, Prag nimmt seinen Platz im Roman ein, sowie die Prämisse des Romans interessant. Die Auflösung allerdings gefällt mir nicht ganz so gut, nicht nur, weil am Ende vieles offen bleibt und wohl im nächsten Band wieder aufgenommen wird. Ich persönlich hätte ein knackiges und abgeschlossenes Einzelabenteuer pro Band bevorzugt.
Gar nicht überzeugt hat mich die Liebesgeschichte. Dass man es mit einer zu tun haben würde, sagt ja bereits der Untertitel des Romans. Leider hat die Autorin darauf verzichtet, die Gefühle nach und nach entstehen zu lassen, sondern direkt von Anfang an darauf hingewiesen, dass da mehr ist, sowohl Ophelia und Einar haben es aber natürlich erst einmal nicht wahrhaben wollen. Für mich fühlte sich das sehr aufgesetzt an und hat mich auch schnell genervt. Wenn ich zum Bespiel lesen muss, dass Einar an Ophelias Lippen als „reife Kirschen“ denkt – echt jetzt? Hat die Autorin schon einmal reife Kirschen gesehen? Gefühlt habe ich die Beziehung bis zum Ende des Romans nicht. Schade, da habe ich, die auf Liebesgeschichten in der Regel sowieso verzichten kann, schon deutlich besseres gelesen. Für mich ist diese Liebesgeschichte absolut unnötig und nicht authentisch. Leider nimmt sie mehr und mehr Raum ein, im späteren Roman habe ich diese Szenen nur noch überflogen.
Der Roman ist der Start in eine Reihe, die offenbar mit einander verknüpfte Fälle im magischen und mystischen Bereich bietet. Mich persönlich konnte die immer mehr ins Zentrum rückende Liebesgeschichte nicht abholen, sie hat mir im Gegenteil den Roman eher vermiest. Offenbar wird auch der nächste Band von einer Liebesgeschichte beherrscht. Obwohl ich mir vorstellen könnte,, die Charaktere noch einmal wiederzutreffen, bin ich deshalb noch nicht sicher, ob ich der Reihe noch eine Chance geben sollte. Wer Urban Fantasy mit viel Romantik mag, könnte sich hier wohlfühlen.
Atmosphärisch und komplex
Das Buch der gefallenen Blätter von A. S. Tamaki
Vor Jahren stellte sich der Gensei-Clan gegen das Kaiserhaus und verlor. Kai, die Tochter des Clanführers wurde von einer dem Kaiser nahestehenden Familie großgezogen, sein Bruder Yora, genannt der Poet, schwor dem Kaiserhaus die Treue. Sen, damals noch ein Baby wurde heimlich in Sicherheit gebracht, wuchs im Norden als Adoptivsohn eines anderen Clans auf, und gilt als tot.
Nun, 17 Jahre später, scheint das Kaiserhaus wieder vor der Entmachtung zu stehen, der Kanzler des Reiches hat dafür gesorgt, dass das jüngste Mitglied auch mit ihm verwandt ist, und greift nach der Macht. Wieder kommt es zur Rebellion.
Über weite Teile mutet die Geschichte wie ein historischer Roman an, nur dass das Setting phantastisch ist, auch wenn es anscheinend japanisch inspiriert ist, und es phantastische Wesen wie Gottheiten und Dämonen gibt. Diese sind im Roman rar gesät, kommen aber vor.
Erzählt wird sehr bildreich, poetisch und atmosphärisch. Die Geschichte ist nicht immer leicht zu lesen und erfordert Aufmerksamkeit. Gerade in der ersten Hälfte wird viel über die politische Situation und die Verstrickungen der einzelnen Clans beziehungsweise Charaktere erzählt. Hier wäre ein Glossar im Anhang sinnvoll gewesen, auch, weil man nicht jeden Begriff kennt, obwohl die meisten aus dem Kontext Sinn ergeben. Immerhin gibt es ein Personenverzeichnis und eine Karte.
Wirkt die erste Hälfte manchmal etwas langatmig, zieht die Spannung in der zweiten Hälfte deutlich an. Während die ersten 300 Seiten die Charaktere, die Welt und die politische Lage näher bringen, wird es nun ernst, und die gegnerischen Seiten prallen zunehmend ernster aufeinander. Am Ende wird es Tote geben.
Erzählt wird aus mehreren Perspektiven. Neben den schon erwähnten Kai, Yora und Sen, gibt es noch das Mädchen Rui, das am geheimnisvollsten ist, und Yaeko, eine ehemalige Schülerin Yoras, die sich später gegen ihn stellen muss. Außerdem gibt es Einblicke in dämonisches Handeln. Außerdem gibt es weitere interessante Charaktere, wie zum Beispiel den Mönch Jobo, der sowohl der Lehrer Jens als auch der Ruis wird. Nach und nach lernt man die Charaktere besser kennen, mir sie nahe und ich habe mit ihnen mitfühlen können.
Wieder einmal hat sich gezeigt, dass es Sinn machen kann, am Ball zu bleiben, auch wenn sich ein Roman zunächst nicht wirklich zu erschließen scheint. Vielleicht hätte es Sinn gemacht, die erste Hälfte etwas zu kürzen, letztlich ist es aber schon wichtig, die verschiedenen Verknüpfungen deutlich zu machen.
A. S. Tamakis Debütroman ist besonders. Bildreich, atmosphärisch und poetisch erzählt, hat er mir interessante und spannende Lesestunden beschert. Er verlangt aufmerksames Lesen, man sollte sich auf ihn einlassen. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
Hallo Mister Martin, ich wäre jetzt bereit für den nächsten Band!
Das Lied von Eis und Feuer 10 von George R.R. Martin
Jon Schnee muss an der Mauer den Weg gehen, den er für richtig hält, auch wenn das weder Königin Selyse noch allen seinen geschworenen Brüdern gefällt. Tyrion Lennister hat es ebenfalls nicht leicht, er gerät sogar in Sklaverei, was ihn das Leben kosten könnte. Doch Tyrion wäre nicht Tyrion, wenn er nicht Ideen hätte.
Theon Graufreud darf wieder unter diesem Namen leben, weiß aber, dass er jederzeit wieder zu Stinker mutieren könnte. Trotzdem gelingt es ihm, all seinen Mut zusammen zu nehmen. Daenerys Targaryen musste ihrem neuen Gemahl zuliebe die Kampfarenen wieder öffnen, wodurch der flüchtige Drache Drogon angelockt wird und ein Blutbad anrichtet. Victarion Graufreud weiß nichts von Daenerys neuer Ehe und macht sich auf den Weg, um ihre Hand anzuhalten. Jaime Lennister trifft wieder auf Brienne von Tarth, während seine Schwester Cersei im Kerker schmort.
Diese Sieben erhalten jeweils Kapitel unter ihrem Namen. Weitere Kapitel sind auch dieses Mal mit Beschreibungen betitelt wie zum Beispiel „Das blinde Mädchen“, „Ein Geist in Winterfell“ oder „Der eiserne Freier“, hier stehen jeweils andere Personen im Mittelpunkt, die eine größere Rolle in der Gesamtgeschichte spielen, wie etwa Arya Stark, die sich in Braavos beweisen muss.
Nach wie vor ist die Geschichte sehr spannend, und es ist mehr als schade, dass sie nun hier zu enden scheint, denn George R. R. Martin lässt uns Leser:innen auflaufen und schreibt alles mögliche andere, nur nicht diese Geschichte weiter. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man, und so hoffe ich noch ein bisschen weiter. Es wäre schon schade, nicht mehr zu erfahren wie es mit Tyrion, der mein Lieblingscharakter ist, und all den anderen weitergeht, zumal dieser Band mit mehreren Cliffhangern endet.
Aber auch wenn es nicht weitergehen sollte, war ich gerne in Westeros und habe Tyrion, Jon, Jaime, Daenerys und die anderen begleitet. Wie gehabt gibt es auch hier wieder Karten und einen sehr umfangreichen Anhang.
Hallo Mister Martin, ich wäre jetzt bereit für den nächsten Band! Bis hierher hatte ich wirklich unterhaltsame und spannende Lesestunden, und würde gerne noch erfahren, wie die Geschichte hier in der Romanreihe endet.
Lachen oder Weinen - das ist hier die Frage
Memories of Heidelberg von Heinz Strunk
Isolde und Bertram, seit 17 Jahren verheiratet, sind von Oldenburg nach Heidelberg gefahren, um den 80. Geburtstag von Isoldes Mutter zu feiern. Leider erkrankt diese lebensgefährlich und muss ins Krankenhaus. Bedauerlicherweise ist das nicht das einzige, was schief läuft. Das sehr teure und für eine Woche gebuchte Hotel bietet weder Komfort noch Service, im Restaurantschiff gegenüber werden die beiden zunächst freundlich empfangen, doch mit jedem Besuch wird es unerfreulicher, und die beiden erleben ihre Heidelbergreise eher nebeneinander als miteinander.
Erzählt wird der recht kurze Roman, er hat weniger als 200 Seiten, aus Bertrams Perspektive, so kommt er einem auch um einiges näher als Isolde. Beim Lesen habe ich mehr als einmal gedacht, ich würde ganz gerne auch Isoldes Sicht erfahren, aber dann wäre die Geschichte wohl eine andere geworden, und sie sollte eben so erzählt werden, wie man sie hier liest.
Bertram hat es nicht leicht, die Ehe der beiden ist schon länger ein Trauerspiel, Isolde verweigert körperliche Nähe, was Bertram mit Essen kompensiert, zum großen Teil heimlich. In Gegenwart von Isolde ist er sehr vorsichtig mit dem, was er sagt und tut, er scheint sogar Angst vor ihr beziehungsweise ihren Reaktionen zu haben.
Dass die beiden fast jeden Tag das Restaurantschiff aufsuchen, kann man als Leser:in nicht so ganz nachvollziehen, die Szenen dort werden immer absurder, und aus den Lautsprechern hört man jedes Mal das titelgebende Lied von 1968, gesungen von Peggy March.
Manchmal wusste ich wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, man könnte den Roman vielleicht als voyeuristisches Vergnügen bezeichnen, der Humor hat peinliche Züge, man kann nicht wegsehen und leidet mit Bertram mit. Das Ende hätte ich mir anders gewünscht, aber das sollte wohl nicht sein.
Ich tippe mal, dass dieser Roman nicht für jede:n etwas ist, mich hat er allerdings erreicht, obwohl ich die beiden Hauptcharaktere am liebsten geschüttelt hätte. Ich wusste meistens nicht, ob ich lachen oder weinen soll, habe mit Bertram mitgelitten und bin froh, dass ich, mittlerweile leider verwitwet, keine solche Ehe führen musste, vielleicht ist das sogar die Moral von der Geschichte.
Zweiter Band, der die Geschichte gut voran bringt
Dinghai Fusheng Records. Buch 2 von Fei Tian Ye Xiang
China im vierten Jahrhundert nach Christus: Xiang Shu ist nicht nur Chen Xings auserkorener Schutzpatron sondern auch der Große Chanyu, der Anführer der Stämme, die im Norden jenseits der Mauer leben, daher machen sich die beiden zunächst auf den Weg in Xiang Shus Heimat, danach gilt es die Dinghai-Perle zu finden, die, so hofft Chen Xing, ihm helfen kann, die Magie wieder herzustellen, die vor Jahrhunderten verschwand.
Bald stehen sie wieder großer Gefahr gegenüber.
Der Roman führt die Geschichte des ersten Buches nahtlos weiter, sogar die Kapitelnummerierung wird fortgesetzt, so dass man hier mit Kaptitel 27 startet. Die Erzählung startet zunächst recht geruhsam, man lernt mit Chen Xing die Region Chi-Le-Chuan und die Menschen, denen Xiang Shu vorsteht, kennen. Es gibt entspannte Szenen, eine Schnellballschlacht, es wird gerodelt und gefeiert, und einiges ist sehr humorvoll, wie schon im letzten Band steht Chen Xian dabei meist im Mittelpunkt. Dramatische Szenen werden noch genug folgen.
Denn dann geht es sehr schnell, die Gefahr ist da, die Spannung zieht an und man ist mittendrin im nächsten Abenteuer der beiden, oder besser gesagt geht deren Abenteuer weiter, denn der Feind ist immer noch derselbe, man erhält nun neue Informationen über ihn und diejenigen, die ihm folgen. Gleichzeitig erfährt man auch mehr über die Geschichte und Mythologie Chinas, denn das Geschehen basiert auf der realen Geschichte des Landes. Auch über die Protagonisten, vor allem über Xiang Shu erfährt man in diesem Band mehr. Fand ich im letzten Band die Geschichte noch hin und wieder etwas verwirrend, war das dieses Mal nicht der Fall.
Auch in diesem Band gibt nicht nur eine Karte und vielfältiges zusätzliches Material im Anhang, sondern auch mehrere im selben Stil wie das Cover gezeichnete Illustrationen im Roman, die die Charaktere in Romanszenen zeigen.
Die Geschichte geht spannend weiter, es gibt neue Erkenntnisse und Charaktere. Ich bin gespannt auf Band 3.











