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Rezensionen von rewareni:
Schaurig schön
Creszentia (11 Schauergeschichten) von Alexander Lorenz Golling
Wer Kurzgeschichten und sich gerne gruseln mag, dem kann ich ,,Creszentia“ von Alexander Lorenz Golling mit gutem Gewissen ans Herz legen. 11 Schauergeschichten, die teils autobiografisch angehaucht sind vermischen sich mit Legenden, die sich rund um Augsburg, Neuburg und Ingoldstadt bewegen und man als Leser das eine oder andere Mal im geheimnisvollen Donaumoos landet.
Bereits in einem interessanten Vorwort, wo der Autor erzählt, wie er zum Schreiben gekommen ist und welche Gedanken er zu den einzelnen Geschichten hat, beginnt man sich schon auf das Lesen zu freuen. Sein Schreibstil passt sich wunderbar an die einzelnen Geschichten an. Egal ob ein kleiner Junge ,, Adele mit den großen Augen“ trifft und in kindlicher Naivität nicht merkt, dass das Unheil immer näher kommt, so verfasst er in einer Briefnovelle die Geschichte ,,Creszentia“ und man landet im 19. Jahrhundert, wo sich die Sprache und Ausdrucksart wunderbar dieser Epoche anpasst. Jede Geschichte ist für sich eine besondere, wo man nicht nur Zeuge von unheimlichen Begegnungen wird wie in ,,Lethargie“ , wo die Einsamkeit eines Menschen bis über den Tod hinaus reicht, sondern auch einen Gruselfaktor erzeugt wie beim ,,Blick in den Abgrund“ ,wo jeder Fan von Stephen King hierbei voll auf seine Kosten kommt. Der Autor schafft es mit jeder Geschichte, egal ob sie berührend, traurig, gruselig oder zu Nachdenken anregend ist, Stimmung zu erzeugen und so manches Ende ist nicht so, wie man es vielleicht erwarten würde.
Es passiert selten, dass mir in einem Kurzgeschichten Roman alle gefallen, aber hier haben mir alle 11 Stück gefallen was zeigt, dass der Autor sein Handwerk versteht.
Der Eisengott
Creszentia (11 Schauergeschichten) von Alexander Lorenz Golling
Der Eisenritter Judas und seine Partnerin Ebba sind ein eingespieltes Team, das so wie all die anderen Ritter treu ihrem Eisengott dienen. Doch bei einer Raumschlacht verliert er seine Ordensschwester und ein Gefühl der Trauer und der Hilflosigkeit befällt Judas. Obwohl er sich freuen sollte, dass Ebba nun an der Seite des Eisengottes weilt spürt er plötzlich, dass sein Glaube an ihn nicht so stark ist, wie er eigentlich sein sollte.
Gemeinsam mit seiner neuen Partnerin Dafrosa soll er nun den Aufstand der Minenarbeiter, die den wertvollen Energiekristall Hybonit abbauen sollen, unterbinden. Doch die Dinge entwickeln sich anders als geplant. Als er merkt, dass selbst Dafrosa die Anweisungen des Ordens hinterfragt und sie den Tod vieler Minenarbeiter nicht weiterverfolgen sollen, merkt er, dass er so nicht mehr weiter machen kann und selbst auf die Gefahr hin, dass ihm als Ketzer Verfolgung und Vernichtung droht ist er bereit alles aufs Spiel zu setzen um hinter das Geheimnis des Eisengottes zu kommen.
,, Die Eisenritter- Der Pilgerpfad“ ist der spannende und sehr bildhaft beschriebene Science – Fiction Roman von Lucian Caligo. Der Autor entführt dabei den Leser in die Weiten des Weltalls, mit all seinen technischen Raffinessen die seine Protagonisten, ihre Kampfausrüstungen und der sagenumwobene Eisengott aufweisen. Selbst wenn man vielleicht nicht unbedingt auf SF Geschichten steht, diese wird man bestimmt verschlingen. Von Beginn weg wird man gleich in einem kämpferischen Prolog in die Geschehnisse hineingezogen und man hat das Gefühl selbst in dem Klingenjäger drin zu sitzen und mit zu kämpfen. Seinen Protagonisten, allen voran Judas, steht eine Wandlung bevor, die sich im Laufe der Geschichte immer mehr manifestiert und zeigt, wie Menschen lange Zeit unterdrückt und geblendet worden sind. Dabei kann man durchaus Parallelen in die Wirklichkeit ziehen wenn Macht Ausübung um jeden Preis stattfindet und blinder Gehorsam ohne Hinterfragen der Sinnhaftigkeit, anderen schadet. Die Geschichte ist nicht nur spannend und mit Kampfszenen gespickt die originell sind, sondern auch emotional und berührend. Der Autor hat es geschafft in einem SF Roman viel an Gefühl hinein zu bringen ohne es kitschig wirken zu lassen. Er beschreibt alle Szenen in einem angenehmen und bildhaften Schreibstil, so dass man sich sogar wilde Kampfszenen gut vorstellen kann. Unerwartete Wendungen lassen dabei nie Langeweile aufkommen. Die Geschichte rund um den Eisengott hat er gut erzählt und ein schönes Ende schließt den Roman berührend ab, obwohl dabei die Hoffnung besteht, dass es vielleicht sogar eine Fortsetzung geben könnte.
Ein neues Leben
In der Fremde von Joseph Lemark
Der ehemalige Major Josef Vierziger genießt seinen Lebensabend im beschaulichen Apulien, wo er jeden Abend mit seiner toten Freundin Conny redet und mit seinem Begleiter, dem zugelaufene Hund Nero, seine Strandspaziergänge genießt. Doch damit ist Schluss als er einen schwer verletzten Afrikaner findet und ihn bei sich aufnimmt ohne zu ahnen, welchen Stein er damit ins Rollen bringt.
Eine Hetzjagd gegen das Flüchtlingslager beginnt, ein Jugendlicher als Mafia Killer und so manch eindringliche Drohung an ihn, sich aus allem raus zuhalten machen ihm von nun an das Leben schwer. Doch noch immer steckt der Polizeiinstinkt in ihm und er ist froh, dass ihm seine frühere Kollegin Franca, die jetzt bei der Antimafia tätig ist, Unterstützung anbietet. Selbst als es weitere Leichen gibt und er ebenfalls Opfer eines Überfalls wird gibt er nicht auf und kommt dabei so manchem Geheimnis auf die Spur.
,,In der Fremde“ ist bereits der vierte Fall rund um den sympathischen Josef Vierziger. Der Krimi von Joseph Lemark ist wieder einmal ein spannendes Eintauchen in die Welt der Verbrecher, die dieses Mal im scheinbar beschaulichen Süden angesiedelt ist. Auch wenn man die Vorgängerbände nicht kennt kann man problemlos die Geschichte genießen. Sein Protagonist ist ein gemütlicher Mensch, der sein Leben nun in Ruhe genießen möchte. Dabei lässt er den Leser immer wieder an besonderen Speisen und Getränken teilhaben, die er genussvoll zu sich nimmt. Am Ende des Romans findet man sogar drei Rezepte zum nach kochen. Die Geschichte ist von Beginn weg spannend und man taucht nicht nur in das beschauliche und sonnige Leben in Italien ein, sondern auch in die Schattenseite, wo Korruption, Mafia und Mord an der Tagesordnung stehen. Josef Vierziger steht dabei immer auf der Seite der Schwachen und selbst wenn ihm gedroht wird lässt er sich nicht davon aufhalten ,,weiter zu ermitteln“. Da die Geschichte in Italien spielt hat der Autor immer wieder Textpassagen in italienisch eingefügt, wo man am Ende ein Glossar für die Übersetzung finden konnte. Für mich war dadurch der Lesefluss immer wieder unterbrochen, wenn ich nach hinten blättern musste um nach zu lesen, was die Sätze bedeuten. Der Autor hat in seinem Roman nicht nur ruhige und schöne Szenen beschrieben, sondern durchaus auch brutale und gesellschaftskritische. Sei es die Hetzjagd gegen gestrandete Flüchtlinge, die in unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten müssen, oder junge ,,Mafia Soldaten“, die ohne zu zögern jemanden töten. Der Autor versteht es den Leser für sich zu gewinnen und man gerne wieder etwas von Josef Vierziger und seinen Abenteuern lesen kann.
Trau niemanden!
Das Medaillon der Engel Band I von S.A. However
Die Welt gehört den Magiern, nachdem eine unbekannte Krankheit die Menschen, die keine magischen Fähigkeiten besitzen, vernichtet hat. Die 17 jährige Lou und ihre vier Freunde bekommen eines Tages von ihrem ,,Lehrer“ und Vertrauten Johnathan den Auftrag das geheimnisvolle ,,Medaillon der Engel“ zu suchen, wo keiner wirklich weiß, wo es sich befindet.
Obwohl das Medaillon gefährlich ist, weil es einen eigenen Willen besitzt und den menschlichen Verstand kontrollieren kann, ist Lou trotzdem gewillt es unter allen Umständen zu finden. Die Suche gestaltet sich nicht einfach und dass es dabei immer wieder zu seltsamen Todesfällen kommt nimmt Lou dabei in Kauf. Bald weiß sie selbst nicht mehr, wem sie überhaupt trauen kann. Als sich schließlich ein unbekannter Maskenmann zum neuen König krönt ahnt Lou noch nicht in welcher Gefahr sie nun schwebt.
Der Debütroman der Autorin S.A. However ,, Das Medaillon der Engel Band 1“ ist ihr wirklich gut gelungen. Die Geschichte der jungen Lou und ihren Mitstreitern ist eine fantasiereiche und auch ein wenig skurrile Story wo man nie so genau weiß, was auf einen zukommt und wer nun wirklich gut oder böse ist. Ihre Protagonistin Lou ist mit ihren 17 Jahren eine relativ abgeklärte Person, die schon viel erlebt hat und eine Art ,,Anführerin“ ihrer Freundesgruppe ist. Es gibt zwielichtige Gestalten aber auch Freunde, die sich plötzlich seltsam verhalten. Lou ist immer wieder in einer Zwickmühle, wenn sie zwar auf der einen Seite ihren Auftrag erfüllen möchte, aber auf der anderen auch immer wieder hört, wie gefährlich dieses Medaillon ist. Die vier Freunde von Lou treten in dem Roman nicht viel in Erscheinung, da das Hauptaugenmerk auf Lou liegt. Die Geschichte ist spannend, auch vielleicht manchmal ein wenig verwirrend, aber das stört im Grunde gar nicht. Man ist als Leser genauso gespannt wie Lou, was es mit dem geheimnisvollen Medaillon auf sich hat und ich freuen mich schon auf den 2. Band.
Die Sansibar
Das Medaillon der Engel Band I von S.A. However
Die geplante Teilnahme des Traditionsschiffs Sansibar an der Hanse Sail beginnt gleich mit einem doppelten Unglück. Nicht nur,dass es im Hafen gesunken ist, findet man auch noch eine unbekannte Leiche darin. Hauptkommissarin Doro Weskamp wird mit der Mordermittlung beauftragt. Während sie zuerst vermutet, dass es vielleicht der verschwundene Bootsmann Clemens Kasten sein könnte, steht auch die Möglichkeit von Sabotage im Raum, da Windkraftgegner gegen die Teilnahme des Seglers sind.
Wer also hat ein Motiv das Schiff zu versenken und eine Leiche zu hinterlassen? Erst als Doro einen alten Koffer an Bord findet und Dinge darin sind, die an furchtbare Ereignisse aus dem Zweiten Weltkrieg hinweisen spürt sie, dass sie einer größeren Sache auf der Spur ist. Nicht immer handelt Doro konzentriert und es passiert ihr so manches Missgeschick, das sie von sich eigentlich gar nicht gewohnt ist und schon bald stellt sich auch für sie die Frage ob sie genauso wie Clemens Kasten ein ,,Kriegsenkel“ ist, wo die unsichtbaren Schatten der Vergangenheit auch über ihr liegen.
Der Roman ,,Der letzte Grund“ erzählt eine spannende Geschichte deren Ursprung in der Vergangenheit liegt und die nachfolgenden Ereignisse in der Gegenwart ihr Ende finden. Der Autor Volker Pesch hat dabei ein interessantes Thema angeschnitten, nämlich das der sogenannten ,,Kriegsenkel“. Sehr gut wird darin auch die Widersprüchlichkeit der Experten beschrieben, ob Gene oder die Erziehung und Erlebnisse der Eltern die Nachkommen möglicherweise beeinflussen. Die Protagonisten Clemens und Doro müssen sich damit immer wieder auseinander setzen und speziell bei der Kommissarin merkt man dabei, wie verletzlich sie manchmal ist, ohne wirklich den Grund dafür zu kennen. Sie ist eine sympathische und auch empathische Person, die stets versucht alles richtig zu machen, selbst wenn ihr dabei Fehler unterlaufen. Mit ihrer weiblichen Gegenspielerin Dr. Andres hat ihr der Autor eine interessante Frau gegenüber gestellt, wo beide immer wieder tiefgründige Gespräche führen. Aber auch der Polizeiseelsorger Tom Schroeder ist für sie ein besonderer Gesprächspartner, wo man spürt, dass sich beide auf eine gewisse Art und Weise verbunden fühlen. Die Geschichte rund um den Mord und dem versunkenen Schiff wird dabei einfühlsam erzählt. Es sind menschliche Schicksale, die nie ganz aufgearbeitet worden sind und somit auch jetzt noch viele Jahre später ihren Tribut verlangen.
Das Cover ist jetzt für mich nicht wirklich ansprechend, da es ein wenig altertümlich rüber kommt. Dafür ist dann die Geschichte gut erzählt und mit ein wenig Lokalkolorit hat der Autor das Leben und Handeln der Menschen gut nachempfunden. Es ist auch ein Eintauchen in die menschliche Seele, die zeigt, wie verletzlich diese sein kann. Das Ende ist jetzt nicht unbedingt das, was ich mir erwartet habe, aber darüber kann ich hinwegsehen, weil die Geschichte interessant und auch spannend war.
Wo ist der Mörder?
Der Stempelmörder von Torsten Schönberg
Was muss man wohl machen, damit man ein guter Österreicher wird? Diese Frage stellen sich tagtäglich Juri Sonnenburg und sein Freund Georg, die beide in einem Männerwohnheim leben und sich dem knallharten Integrationsprogramm ,, Piefke 5“ unterziehen müssen. Ihre Aufgaben sind zwar nicht immer von Erfolg gekrönt und bei ihrer Arbeit geht es nicht immer korrekt zu, trotzdem sind beide willens ihre Chance zu nützen um gute Österreicher zu werden.
Dass aber in ihrem Umfeld ständig Leichen den Weg pflastern und der sogenannte ,,Stempelmörder“ offenbar ganz in ihrer Nähe ist, ist natürlich nicht optimal. Und so passieren ständig ,,Unfälle“ und sonstige Missgeschicke, die sie durch viele Wiener Bezirke führt und ihre Verfolger sind dabei nicht immer gut auf sie zu sprechen.
,,Der Stempelmörder“ , ist ein mehr als skurriler Wien Krimi von Torsten Schönberg. Die Geschichte an sich, wie man ein guter Österreicher werden kann ist witzig und originell aufgearbeitet. Egal ob Juri und Georg im ,,Arbeitslosenstrandbad“ als Bademeister arbeiten sollen, wo eigentlich beide nicht schwimmen können, oder sie als ökologische Bedienstete mit ihrem Esel ausrücken und Müll einsammeln, stets hinterlassen sie ein Chaos. Dabei hat der Autor wirklich witzige Szenen beschrieben, wo man oft nur den Kopf schütteln konnte, was die beiden gerade anrichten. Auch wenn es ein Roman ist, den man nur mit einem oder sogar zwei Augenzwinkern lesen sollte, hat es doch auch Szenen gegeben die mir zu überdreht oder auch unpassend waren wie Frauen, die im Keller gefangen gehalten werden , wo sie fremden Männern zur Verfügung stehen müssen oder dass man mit einem Stilett auf Leichen einsticht um zu überprüfen, ob sie wirklich tot sind. Diese Handlungen hätte ich nicht gebraucht. Manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass der Autor zu viel in einer Szene unterbringen wollte und es so rasant zur Sache ging, dass ich ein wenig den Überblick dabei verloren habe, was gerade geschehen ist. Wer Wien nicht kennt, wird in dem Roman viele interessante Plätze und Orte kennen lernen und auch über manche skurrile geschichtliche Begebenheit etwas erfahren. Diejenigen, die Wien kennen, werden sich gut unterhalten über die verrückten Szenen von der MA 84, die eigentlich MA48 heißt oder das Arbeitslosenstrandbad, das eigentlich das Arbeiterstrandbad an der Alten Donau ist. Es ist somit auch eine kleine touristische Führung durch Wien. Wer also Juri und Georg auf ihrer abenteuerlichen Reise durch Wien begleiten möchte und sich gerne immer wieder überraschen lassen will, der ist bei dem Stempelmörder in besten Händen.
Trauer und Leid
Die Stille vor Lilou von Astrid Korten
Der Lehrer Jules Lefevre ist glücklich mit seiner Frau Malin und seiner kleinen Tochter Lilou. Doch ein Burn Out zwingt ihn in die Knie und die lange Zeit zu Hause macht ihm immer mehr zu schaffen. Als ihm Paul Moreau, der Rektor seiner Schule, einen Besuch abstattet gerät seine Gedanken- und Gefühlswelt völlig außer Kontrolle.
Plötzlich misstraut er jedem und in seiner Wahnvorstellung passieren Dinge, die ein normales Denken nicht mehr möglich machen. Da schlägt das Schicksal zweifach zu und Jules hat nur ein Ziel, er will den vernichten, der in seinen Augen sein Leben zerstört hat.
Die Autorin Astrid Korten, die bekannt ist für ihre spannenden Psychothriller ist, hat mit dem Roman ,, Die Stille vor Lilou“ einen Roman der stillen Art geschrieben, der den Leser aber sofort in seinen Bann zieht.
Ihr Protagonist, der an Burn Out erkrankt ist, wird in einen Strudel an Wahnvorstellungen hineingezogen, wo der Leser selbst Stück für Stück darin verwickelt wird, wo es scheinbar kein Entkommen gibt. Man findet sich in Szenen wieder, wo man selbst nicht mehr entscheiden kann, ob Jules sich alles nur einbildet, oder ob es sich wirklich so abspielt. Gekonnt lässt die Autorin seine Gedanken und Gefühle durcheinander wirbeln, wo man erkennt, dass diese Krankheit nicht zu unterschätzen ist. Aber, dass es auch schwer für die Familie ist, damit um zugehen. Fiktion und Wirklichkeit vermischen sich und es entstehen Gedanken, die sogar gefährlich werden können. Astrid Korten zeigt auf beängstigende Art und Weise auf, wie sich ein Mensch dabei verändern kann und dass richtige Hilfe dabei von Nöten ist. Ihr Protagonist hat diese nicht und so entsteht ein bedrückender und spannender Roman, wo man in diversen Zeitsprüngen mitverfolgen kann, wie das Leben von Jules immer mehr aus den Fugen gerät. Man leidet mit ihm mit, man spürt, dass in seinem Inneren ein Kampf statt findet, den er nicht gewinnen kann. Die Schicksalsschläge sind berührend und intensiv beschrieben. Die Autorin zeigt auch, wie wichtig es ist professionelle Hilfe an zu nehmen, wenn man sie braucht und dass im Grunde jeder ein Burn Out bekommen kann. Da unser Alltag, sowohl beruflich als auch privat, immer stressiger und anstrengender wird. Die Protagonisten schweigen, anstatt zu reden und somit wird die Stille immer lauter. Das Cover passt auch wunderbar zu der Geschichte, da sie die Verletzlichkeit der menschlichen Seele mit dem kleinen Vogel in den geöffneten Händen gut darstellt. Ein berührender Roman von Astrid Korten, wo sie menschliche Schicksale wieder einmal intensiv und zu Herzen gehend erzählt.
Menschen, wie du und ich
Über dem Cäcilienpark von Andreas van Hooven
In einer kleinen Großstadt im Nordwesten leben Menschen wie du und ich. Sie haben Ängste, Sorgen, aber auch Hoffnungen und Wünsche.
,,Über dem Cäcilienpark“ entführt der Andreas van Hooven den Leser in 12 Erzählungen in eine Welt von Protagonisten, die es überall geben könnte.
Es sind die kleinen Geschichten, die der Autor über diese Menschen berichtet.
Immer wieder greift er am Rande auch das Thema Corona auf und man ist als Leser hautnah dabei, wenn es um einen Musiker geht, der seine Kunst zwar ausleben möchte, es aber nicht darf. Und sich dabei die Frage stellt, ob man nicht auch etwas Verbotenes machen darf, wenn das Feuer der Leidenschaft zur Musik stärker ist, als die Vorschriften. Aber auch familiäre Probleme wie Arbeitslosigkeit können der Auslöser sein für eine Kettenreaktion die letztendlich zeigt, dass viele Menschen nur das sehen, was sie sehen wollen ohne zu hinterfragen nach dem warum. Der Autor lässt dabei seine Protagonisten leiden und lachen, hoffen und verzweifeln und so manche Geschichte bleibt offen, sodass der Leser selbst die Möglichkeit sein eigenes Ende zu finden. Es sind viele unterschiedliche Kurzgeschichten, wo der Autor seine eigenen Gedanken zu Papier bringt, wo ich aber nicht immer den richtigen Zugang gefunden habe.
Der Autor versucht immer wieder seinen Figuren, egal wie schlecht es ihnen ergeht, immer noch einen kleinen positiven Lichtblick zu schenken, was mir gut gefallen hat. Selbst der Protagonist, der weiß, dass er bald sterben wird, gestaltet sein restliches Leben mit Freude und Spaß.
Aber auch alltägliche Themen wie politische Debatten unter Freunden und deren Wichtigkeit stellt er in den Raum. Es sind auch immer Geschichten dabei, die zum Nachdenken anregen und man selbst entscheiden kann, wie man selbst handeln würde.
Dass er auch einen feinen Humor besitzt zeigt er auch immer wieder wenn z.B sein Paketzusteller eine abenteuerliche Fahrt bestehen muss, nicht nur mit seinen Paketen, sondern auch mit einem kleinen ,,Anhängsel“ der besonderen Art.
,,Über dem Cäcilienpark“ ist also eine kleine Sammlung an Geschichten aus dem Alltag vieler Menschen, die unter uns leben und vielleicht an uns selbst erinnern oder an den Nachbarn von neben an.
Hass und Vergeltung
Zorn der Lämmer von Daniel Wehnhardt
Die Juden, die 1945 den Holocaust überlebt haben, haben im Grunde alles verloren. Keine Heimat mehr, viele Familien einfach ausgelöscht und keine Hoffnung auf ein besseres und neues Leben. Da beginnt sich ein Trupp aus hasserfüllten Menschen sich zusammen zu setzen und unter der Leitung des ukrainischen jüdischen Partisanen Abba Kovner beginnt in Wilna ein bewaffneter Widerstand gegen die Deutschen.
Doch die erhoffte Unterstützung der Ghettobewohner bleibt aus und so ziehen sie sich in die Wälder der Umgebung zurück um dort weiter zu kämpfen. Einzig seine engen Freunde wie die Frauen Vitka oder Ruzka oder Josef, der selbst vor einfachen Bauernfamilien nicht halt macht und diese kaltblütig tötet, stehen treu zu ihm. Mit der Zeit wird aber Abbas Rache und Hass auf die Deutschen immer größer und die jüdische Untergrundorganisation Nakam entsteht. Während immer mehr europäische Juden versuchen nach Palästina zu fliehen und sich dort ein neues Leben erhoffen, verfolgt Abba einen grausamen Plan, nämlich die Tötung von Millionen von Menschen, egal ob schuldig oder nicht. Denn sein Hass auf die deutsche Bevölkerung ist so groß, dass er einfach nur noch Rache will dafür, was man den Juden im Krieg angetan hat.
In dem zeitgeschichtlichen Roman ,, Zorn der Lämmer“ lässt der Autor Daniel Wenhardt ein spannendes und ziemlich unbekanntes Kapitel der deutsch- jüdischen Nachkriegsgeschichte emotional, brutal und erschütternd aufleben. Da der Autor sehr viel und intensiv recherchiert hat, wird man als Leser sofort in die Geschehnisse rund um Abba Kovner und seinem Rachefeldzug hinein katapultiert. Man bekommt dabei in unterschiedlichen und stets abwechselnden Kapiteln immer wieder die Möglichkeit die Beweggründe und Handlungen von verschiedenen Personen hautnah mit zu erleben. Manchmal sind es recht viele Namen, die dabei vorkommen, wo es nicht immer leicht war den richtigen Überblick zu behalten. Egal, ob es gerade die Partisanen sind, die sich durch Schlamm und Dreck durch den Wald schlagen, oder ob die Jüdische Brigade Jagd auf untergetauchte Deutsche Offiziere macht, die Beschreibungen sind dabei sehr bildhaft und intensiv. Der Schreibstil passt sich sehr gut an den Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen der Menschen an und so manche Szene ist so bildhaft, dass man als Leser die Luft anhalten muss, weil man sich diese Grausamkeit gar nicht vorstellen mag. Ungeschönt und geschichtlich leider wahr werden Menschen Schicksale erzählt, die so vieles erleiden mussten. Dabei stellt sich dem Leser immer wieder die Frage, ob jemand wirklich das Recht hat Vergeltung zu üben an Menschen, die an den Kriegswirren gar nicht beteiligt waren. Abba Kovner ist von seinem Hass so zerfressen, dass es bei ihm nur Auge um Auge und Zahn um Zahn heißt. Es ist ein erschütternder Roman wo es der Autor geschafft hat nicht nur viele Protagonisten einzubauen, die es damals wirklich gegeben hat, sondern auch geschichtliche Ereignisse, die tatsächlich stattgefunden haben dem Leser anschaulich näher zu bringen.
Kampf ums Überleben
Countdown zum Untergang von Michael Hirtzy
Stephanie und ihr Team vom Technologiekonzern Fastlane können es noch immer nicht glauben, dass durch ihre Schuld tausende von Menschen am Flughafen Berlin gestorben sind. Alle waren sich sicher, dass sie ihr Nanotechnologie Produkt ,,Ancos“ unter Kontrolle haben, doch eine Fehlentscheidung hat gereicht, dass das Unglück seinen Lauf genommen hat und nun keiner weiß, was zu tun ist.
Nie hätten sie damit gerechnet, dass Ancos so lernfähig ist und er sich durch die Abschaltung des Rechenzentrums angegriffen fühlt und er schließlich selbst die Kontrolle über die Steuerung der Nanoroboter übernehmen würde. Für die Behörden gibt es scheinbar nur einen Ausweg aus dieser Katastrophe nämlich alle Computersysteme auszuschalten. Als ein Team in Wien damit beginnt, ihre Nano Service Netzwerke, das sie über Jahre aufgebaut haben abzuschalten, beginnt Ancos unerbittlich zurück zu schlagen.
,, Countdown zum Untergang“ ist der zweite Teil aus der spannenden Technothriller Reihe ,,Bilder der Apokalypse“ von Michael Hirtzy. Wer den ersten Teil nicht kennt wird sich schwer tun in die Geschichte und deren Protagonisten einzusteigen und ihnen zu folgen.
Wenn man mit dem Roman beginnt, fühlt man sich gleich wieder mitten im Geschehen, da er nahtlos an dem Ende aus Teil 1 anschließt. Man trifft alle Protagonisten wieder, die nach der Katastrophe seelisch mitgenommen sind. Dabei beschreibt der Autor gut ihre Gefühlslage die zumeist aus Verzweiflung und Selbstvorwürfen besteht. Die einzelnen Kapiteln wechseln immer wieder ab und man ist als stummer Beobachter an vorderster Front, wenn verschiedene Menschen versuchen das drohende Unheil ab zu wenden. Egal ob man bei dem Team in Wien ist, das versucht alle im Tunnel befindlichen Anlagen ab zu schalten oder ob Soldaten einem Feind gegenüber stehen, gegen den sie keine Chance haben, die Spannung steigert sich dabei von Minute zu Minute. Interessant in dem Roman sind dabei auch die ,,Randnotizen“ wo Politiker, Mitarbeiter von Fastlane oder andere Personen sich über das Unglück mit den vielen Toten ihre Gedanken gemacht haben. Aber auch die Kapitel in denen über Ancos berichtet wurde waren eine tolle Auflockerung. Da man hierbei Stück für Stück in die Gedankenwelt von ihm eintauchen konnte.
Die Geschichte wird spannend und interessant erzählt und die bildhaften Beschreibungen zeigen ein Szenario auf, das man lieber nicht miterleben möchte und so manche Szenen erzeugen dabei Gänsehaut Gefühl. Bis zum Schluss ist es ein bangen und hoffen und ein mieser Cliffhänger lässt den Leser auf eine baldige Fortsetzung hoffen.









