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Rezensionen von Alais:

Ein bärenstarker Roman mit überraschenden Wendungen, ernsten Themen und herzergreifenden Momenten

Kleine Stadt der großen Träume|Roman. Gebunden. von Backman Fredrik

In dem kleinen, von Dunkelheit, Kälte und Arbeitslosigkeit geprägten Ort Björnstadt (von schwedisch „björn“ = der Bär) spielt Eishockey eine zentrale Rolle. So richten viele Björnstädter ihre Hoffnung auf die Eishockey-Juniorenmannschaft, deren Erfolg ihnen die Auswahl ihrer kleinen Stadt als Standort für ein neues Leistungszentrum und somit die Schaffung von Arbeitsplätzen sichern könnte.

Doch ist es wirklich das, was ein Eishockeyklub hervorbringen sollte: bärenstarke „Jungs, die nie verlieren“ (S. 37)? Nicht nur der ältere Eishockeytrainer Sune stellt sich diese Frage, denn bald geschieht etwas Schreckliches, das den Zusammenhalt der Björnstädter auf die Probe stellen wird …
Was auf den ersten Blick wie ein Eishockeyroman wirkt, ist eher das vielschichtige Portrait einer kleinen Stadt und ihrer Einwohner in einer Krise, die zum Teil das Beste, zum Teil aber auch das Schlechteste in den Menschen hervorbringt. Mich hat in diesem ersten Buch, das ich von diesem Autor lese, besonders beeindruckt, dass es Backman gelungen ist, dem Leser durch seine Schilderung eine Vielzahl von Romanfiguren nahezubringen und gleichzeitig vermeidet er Klischees und steckt er seine Figuren selten in Schubladen. Die Menschen in diesem Roman entwickeln sich weiter und es kommt zu wunderbaren Szenen, in denen Einzelne über sich hinauswachsen. Auch wenn der Autor realistisch bleibt, sehr ernste, bedrückende Themen auf glaubwürdige und sensible Weise behandelt und kein Heile-Welt-Blümchenland zeichnet, enthält dieses Buch auch viele wunderbare Momente voller Hoffnung. Dabei verpackt Backman diese ergreifenden Momente manchmal in ganz kleine Textabschnitte – das fand ich sehr beeindruckend.
Trotzdem spielt Eishockey in diesem Roman natürlich eine gewisse Rolle. Wer jedoch wie ich kein Sportfan ist, sollte sich davon nicht abschrecken lassen! Auch wenn Eishockey als äußerst brutale Sportart dargestellt wird und ich nach dem Lesen dieses Romans mit Sicherheit kein Eishockeyfan geworden bin, sind die mitreißenden Spielbeschreibungen Backmans sehr lesenswert.
Aber ich habe den Eindruck, dass es Backman eigentlich eher darum geht, wie wir Menschen miteinander umgehen. Und da er ein Autor zu sein scheint, der sich besonders gut in andere Menschen einfühlen kann und viel über die Mechanismen des menschlichen Zusammenlebens nachgedacht hat, empfand ich seinen Roman als bereichernd – manchmal nachdenklich leise, manchmal eher aktionsbetont, vor allem aber sehr vielschichtig und fesselnd.

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Herzergreifend und erschreckend aktuell - nichts für Schubladendenker

Als die Träume in den Himmel stiegen von Laura McVeigh

In der Transsibirischen Eisenbahn, auf der längsten Bahnstrecke der Welt, die zwei Kontinente miteinander verbindet, sitzt Samar, ein junges Mädchen, das mit seiner Familie aus Kabul flüchten musste. In Rückblicken erfahren wir ihre Geschichte ?
Von Anfang für sich eingenommen hat mich der ansprechende Schreibstil der Autorin.

Wie eine geschickte Dichterin findet Laura McVeigh die richtigen Worte, um die Bilder aus den mir völlig fremden Erlebniswelten für mich lebendig werden zu lassen. Dabei bleiben ihre schönen, geschliffenen Sätze schlicht, ihr Schreibstil überfordert nicht, sie nimmt jeden mit ? und der Übersetzerin Susanne Goga-Klinkenberg, der diese hervorragende Übertragung ins Deutsche gelungen ist, gebührt ein ganz großes Lob!
In erzählerischer Hinsicht jedoch führt Laura McVeigh ihre Leser aus ihrer Komfortzone, in der sie sich gemütlich zurücklehnen und mit angemessener Betroffenheit vom Leid anderer lesen, heraus und gibt ihnen das Gefühl, selbst betroffen zu sein. Das ist brutal und sehr mutig, da es sicherlich nicht jedem gefällt, stellt aber einen genialen Schachzug dar ? ich kann mich nicht erinnern, jemals beim Lesen eines Buches so viel geweint zu haben ?
Dies und die authentisch wirkenden Schilderungen, die sicherlich darauf zurückzuführen sind, dass Laura McVeigh die Thematik gut kennt, da sie als Menschenrechtsaktivistin in viele Länder gereist ist, sorgen dafür, dass das Buch sehr lange nachwirkt. Der Wirklichkeitsbezug ist schließlich auch beängstigend ? die Zustände in Flüchtlingslagern, die Verwundbarkeit der Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihr Zuhause verloren haben, und die vielen verschiedenen Gefahren, mit denen sie konfrontiert sind, werden beklemmend realistisch dargestellt.
Gleichzeitig hat mich die Autorin doch auch immer wieder mit wunderschönen Textstellen verzaubert, beispielsweise als die Mutter in einem Bergdorf, das zunehmend unter die Schreckensherrschaft der Taliban gerät, ihre Familie mit Gedichten und Geschichten zu trösten versucht ? ?und unsere Phantasie flog mit ihr hoch in den Himmel. Dies war etwas, das sie uns nicht nehmen konnten [?]? (S. 138)
Ein wunderbares Buch für alle, die sich beim Lesen gerne etwas herausfordern lassen ? herzergreifend erzählt und erschreckend aktuell.

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