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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Alais:

Ein spannender Roman über ein geheimnisvolles Verschwinden

Mrs Agatha Christie von Marie Benedict

Unglaublich, aber wahr: Es ist nun schon über 100 Jahre her, dass der erste Roman von Agatha Christie veröffentlicht wurde. Doch meine Lieblingsautorin gab den Menschen nicht nur in ihren Büchern Rätsel auf, sondern auch durch ihr geheimnisvolles elftägiges Verschwinden 1926 ... Eine Episode, die bereits zu einem, wie ich finde, eher blassen Film mit Vanessa Redgrave und Dustin Hoffman, zu einer einfach wunderbaren Folge der britischen Doctor-Who-TV-Serie und nun die Autorin Marie Benedict zu diesem spannenden Roman mit einer so erstaunlichen wie plausiblen These inspirierte .

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Marie Benedict blickt dabei auf die junge Agatha von der Zeit des Kennenlernens ihres Mannes Archie (dem sie den Nachnamen Christie zu verdanken hatte) 1912 bis zu ihrem mysteriösen Verschwinden 1926. Erzählt wird in zwei Zeitsträngen, die sich allmählich einander annähern, und aus zwei verschiedenen Perspektiven – aus Archies und aus Agathas Sicht, deren Unterschiedlichkeit der Erzählung eine gewissen Würze verleiht.
Faszinierend war für mich unter anderem die unterschiedliche Wahrnehmung des Kindermädchens Charlotte durch Archie (der sie völlig unterschätzt) und Agatha (von der sie hochgeschätzt wird) - und wie diese dann jeweils auch auf mich abfärbte. Und dies selbst bei Archie, der in diesem Roman als ziemlich borniert dargestellt wird. Es erscheint unglaublich, dass sich die wegen ihrer tiefen Menschenkenntnis so berühmte Autorin ausgerechnet in so einen Mann verliebt haben soll. In ihrer Autobiographie zeichnete Agatha Christie allerdings auch ein gnädigeres Bild von ihm – und doch lässt sich erkennen, dass Marie Benedict genau diese für ihren Roman eifrig studiert hat. Viele Details, ob Kleidung oder ein Satz, den ihre Tochter Rosalind zu Agatha sagte, fand ich in der Autobiographie, die ich parallel zur Lektüre durchblätterte, wieder. Das hatte ich ehrlich gesagt gar nicht erwartet, sondern reine Fiktion. Umso plausibler erscheint dann natürlich die (wenn auch zwangsläufig fiktive und fantastische) Erklärung, die die Autorin in diesem Werk für die fehlenden Tage in der Biographie ihrer berühmten Kollegin vorlegt ...
Ein Buch mit vielen Facetten - in einer sehr ansprechenden, wohlklingenden deutschen Fassung von Marieke Heimburger, spannend, bewegend, empfehlenswert für alle Freunde und Freundinnen der Kunst des Erzählens ...

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Eine Schatztruhe voller nachahmenswerter Projekte und Ansätze, die neuen Mut und Hoffnung schenkt

Stell dir vor ... von Rob Hopkins

Dieses liebevoll gestaltete Buch mit seinem praktischen sonnengelben Lesebändchen kam für mich genau zur richtigen Zeit, da ich schon kurz davorstand, unter anderem in puncto Klimawandel die Hoffnung für die Menschheit komplett aufzugeben und mich in das Schneckenhaus des Zynismus zurückzuziehen.

Rob Hopkins verleugnet den Ernst der Lage nicht, wedelt aber auch nicht mit dem Zeigefinger. Statt anzuklagen oder zu resignieren hat er viele erstaunliche Ideen, Projekte und Ansätze aus aller Welt zusammengetragen, wie Menschen auf angenehmere, farbenfrohere, freundlichere und vor allem eben oft umweltfreundlichere und klimaschonende Weise ihr Zusammenleben und ihre Städte gestalten. Inspirierende Beispiele, die neuen Mut schenken, bei denen ich mich aber auch oft fragte, warum ich erst jetzt davon höre, und warum ihnen generell so wenig Platz in der Medienberichterstattung eingeräumt wird. Eine bessere Gestaltung unserer Gesellschaften kann doch eigentlich, das beweist dieses Buch, ein mitreißendes Thema sein.
Als wichtige Kraftquelle, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich uns in einem immer bedrohlicheren Ausmaß stellen, sieht er die Fantasie. Dabei benutzt er bewusst den zu Unrecht oft verachteten Begriff "Fantasie" statt "Kreativität" und zeigt, wie hilfreich nicht nur eine größere Rolle der Fantasie in den Bildungssystemen der Kinder, sondern auch Kunstprojekte für Erwachsene sein können, um Probleme zu bewältigen.
Diese analytischen Betrachtungen und auch Meinungen und Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft, die Hopkins in seinen Text einfließen lässt, vor allem aber die Kraft, die diese unterschiedlichen Projekte entfalten, waren für mich sehr spannend.
Es ist einfach ein tolles Buch, das ermutigt, die eigene Fantasie mehr wertzuschätzen und vielleicht selbst solche Projekte anzustoßen oder sich bestehenden Projekten anzuschließen.

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Ein berührendes Buch, das entsetzt, aber auch Mut macht und Hoffnung schenkt

Schwarzes Herz von Jasmina Kuhnke

„Ich schreibe, um anderen Frauen Hoffnung zu geben, damit sie sich nicht schämen und sich ihrem Schicksal ergeben. Ich will, dass du weißt: Du bist nicht allein. Du kannst es schaffen.“ S. 7
Dieses Buch lässt nicht unberührt. Belastende Themen wie Frauenhass, Mobbing und Rassismus in der Gesellschaft stehen im Zentrum dieses Romans, der auf brillante Weise den Lebensweg einer jungen Mutter nachzeichnet – von frühen Rassismuserfahrungen über eine toxische, von Gewalt geprägte Beziehung bis hin zur Suche nach einem neuen Weg im Leben.

Dabei legt die Erzählung zielsicher den Finger auf Wunden in der Gesellschaft.
Die Sprache ist unverblümt, drastisch, manchmal vulgär und sollte daher eigentlich so gar nicht meinen Geschmack treffen – und doch ist das Gegenteil der Fall, denn die Autorin setzt sie mit großem Geschick und stets treffsicher so ein, dass mich die sprachliche Gestaltung noch tiefer in die Geschichte eintauchen ließ. Worüber auch immer Kuhnke gerade schreibt, immer spiegelt sich die jeweilige Gefühlswelt mit großer Wucht in ihren Worten wider. Man spürt förmlich die Energie des Laufsports, die lähmende Wirkung von Angst, die Spuren, die Gewalt bei Menschen hinterlässt, aber auch die tiefe Liebe der Protagonistin zu ihren beiden Kindern.
Und gleichzeitig wuchsen in mir immer mehr Respekt und Bewunderung für die Hauptfigur, die taff und verwundbar zugleich erscheint, die über die seltene Fähigkeit der Selbstreflexion und Selbstkritik verfügt, die mir in mancherlei Hinsicht so unähnlich ist und der ich mich doch das ganze Buch hindurch so nahe fühlte.
Es ist ein Buch, das aufwühlt und dadurch natürlich auch alte Wunden aufreißen kann – die Inhaltswarnung, die verantwortungsbewusst diesem Roman vorangestellt ist, hat auf jeden Fall ihre Berechtigung. Vor allem aber ist es auch ein Buch, das Hoffnung schenkt und Mut macht, niemals aufzugeben.

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Eine unfassbar spannende Geschichte und leider beängstigend realistisch

Shelter von Ursula Poznanski

Schwer verärgert durch die Begeisterung eines befreundeten Paares für abenteuerliche Theorien beschließt nach einer feucht-fröhlichen Feier eine Gruppe von Studenten und Studentinnen, den Fans von Verschwörungstheorien eine Lektion zu erteilen: Sie möchten selbst eine Verschwörungstheorie erfinden, diese verbreiten und später die Menschen aufklären.

Wie sich sicherlich der eine oder andere Mensch mit Erfahrung mit den sozialen Netzwerken denken kann, bekommen sie jedoch sehr bald ein ziemlich übles „Die-Geister-die-ich-rief“-Problem – das sich noch verschärft, als ein mysteriöser Octavio die Bühne betritt und ihre Theorie zu kapern beginnt …
Poznanskis Sätze fliegen nur so dahin. Die Erzählung zog mich so schnell in ihren Bann, dass ich kaum auf den Schreibstil achten konnte – „flüssig“ ist er somit jedenfalls ganz sicher! Darüber hinaus hat die Autorin einen wunderbar bissigen Humor, der ab und zu den beklemmenden Charakter, den die Geschichte aufgrund ihres Realitätsbezugs für mich hatte, etwas auflockerte.
Die Idee der Verbreitung einer Verschwörungstheorie zu späteren Aufklärungszwecken mag nüchtern betrachtet fürchterlich naiv und – leider im wahrsten Sinne des Wortes – brandgefährlich wirken, aber der Autorin gelingt es sehr gut, die besondere Stimmung zwischen Feierlaune und Verärgerung, aus der dieses gewagte Projekt entstand, zu vermitteln. Ich war sehr gespannt, wie sich dieses Experiment weiterentwickeln würde, und es erfüllt mich mit Entsetzen, wie schnell es außer Kontrolle geriet und Menschen in Gefahr brachte … Besonders beunruhigend, weil eine solche Entwicklung und das Gefährdungspotenzial eben ganz und gar nicht unrealistisch wirken …
So entsteht aus der Erzählung über ein faszinierendes Experiment schnell ein packender Thriller, der mich mit den Handlungsfiguren mitfiebern ließ. Diese Figuren baut die Autorin lebensnah und facettenreich auf und zugleich ist sie sehr gut darin, Misstrauen zu säen – bald waren mir tatsächlich alle Figuren suspekt.
Zum Schluss bietet die Autorin noch einen besonders gruseligen neuen Handlungsort und eine weitere Wendung, die mich ziemlich überraschte. Wenn mir auch dieses Ende nicht hundertprozentig schlüssig erschien, hat mich dieses Buch schlicht und ergreifend begeistert – eine beeindruckende Erzählung, die spannende Unterhaltung bietet und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.

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Fantastisch (und völlig verrückt)!

The Stranger Times von C. K. McDonnell

"Denn auf einer tiefen Ebene, auch wenn keiner es zugibt, glauben wir doch alle, dass es reine Magie ist – und auf einer noch tieferen Ebene wissen wir, dass man der Magie nicht mit Logik kommen darf, sonst kriegt die Magie nämlich schlechte Laune und hört auf zu funktionieren." (S. 332)
Was für ein Buch! Völlig verrückt, ziemlich schräg, dabei aber auch ziemlich klug, immer wieder irrsinnig komisch und doch eine zusammenhängende, packende Erzählung, die Bekanntes aus dem Fantasybereich neu interpretiert und eine Reihe eigentümlicher Gestalten in einem spannenden Krimiabenteuer zusammenkommen lässt.

Dabei beginnt alles fast schon normal:
Hannah bricht, tief verletzt von den Affairen ihres Mannes, aus einem behüteten Leben aus und sieht sich plötzlich und wohl zum ersten Mal in ihrem Leben mit schweren Geldsorgen konfrontiert. In großer Verzweiflung, mit hungrigem Magen und wenig Hoffnung bewirbt sie sich auf eine Stelle bei einer kleinen Zeitung. Doch schon der Weg zum Vorstellungsgespräch in der Kirche der Alten Seelen, wo die Zeitung ihren Sitz hat, ist mit Merkwürdigkeiten gepflastert ... Der Beginn eines skurrilen Abenteuers, in dem Hannah ihren Platz in einem überaus merkwürdigen Zeitungsteam findet, das mit einer Reihe ebenso seltsamer, schauriger Verbrechen konfrontiert wird ...
Von Hannah hatte ich, ehrlich gesagt, anfangs nicht viel erwartet. Ich war voller Vorurteile: Der Ausbruch aus ihrer Ehe wirkte auf mich wie die erste eigenständige Tat in ihrem Leben, Hannah selbst kam mir zunächst fürchterlich angepasst und konservativ vor. Aber erstaunlicherweise blühte sie in dem merkwürdigen Umfeld der Zeitung regelrecht auf, zeigte Empathie, Lebensklugheit und Stärke und bot ihrem polternden neuen Chef, der im Umgang alles andere als einfach ist (was noch eine maßlose Untertreibung ist), gerne auch schon mal die Stirn. So wie sie mir immer mehr ans Herz wuchs, verliebte ich mich aber auch noch gleich in eine ganze Reihe der anderen vom Autor geschaffenen Figuren.
Neben diesen teils ziemlich skurrilen und doch überzeugenden Figuren zählten die schlagfertigen Dialoge und die Situationskomik für mich zu den großen Stärken dieses Romans. Ich fühlte mich wunderbar unterhalten, ziehe meinen Hut vor dem Übersetzer André Mumot, der diesen Text in eine so lockere wie elegante deutsche Form übertragen hat, und freue mich auf den nächsten Band, denn dieser Roman stellt erst den ersten Teil einer Trilogie dar ... Dabei ist es dem Autor zum Glück gelungen, genau die richtige Balance zu finden, um die Geschichte dieses ersten Bandes abzurunden und doch Neugier auf den nächsten Band zu wecken.
Kurzum: Ich bin begeistert, werde sicher noch viele Bücher von diesem mir zuvor unbekannten Autor lesen und möchte den Lesern und Leserinnen dieses Bandes zum Schluss noch die Empfehlung mit auf den Weg geben, unbedingt auch die Danksagung am Ende zu lesen - es lohnt sich!

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Atmosphärischer Husum-Krimi

Einfach schön hier von Chris Jacobsen

Dieser Roman ist mit so viel Liebe zu Husum geschrieben, dass ich viel Freude hatte, ihn zu lesen (und jetzt unbedingt nach Husum reisen möchte). Eigentlich handelt es sich ja um einen Kriminalroman: Ein Hamburger Hauptkommissar macht (leicht unwillig) Urlaub in seiner Heimatstadt Husum und wird dabei mit einem Mordfall konfrontiert .

.. Die Kriminalhandlung tritt jedoch etwas in den Hintergrund, wichtiger erschien mir die Entwicklung verschiedener Charaktere, die angesichts der Kürze des Buches erstaunlich tiefgründig beschrieben werden.
Mein einziger Kritikpunkt: Das Korrektorat hätte an einigen Stellen etwas sorgfältiger arbeiten können, wobei mich einer der Fehler (eine Wortverwechslung von „Milch“ und „mich“ auf S. 41) zum Schmunzeln brachte, weil er kurz das Genre auf Horrorroman umstellte („man brauchte mich nur zu erhitzen, abzukochen“ ... hehe).
Dabei geht der Autor ansonsten auf ganz wunderbare Weise mit Sprache um und ist ein Meister darin, die Landschaft und verschiedenen Handlungsfiguren (nicht nur Menschen, ganz wunderbare Charaktere sind in diesem Buch auch ein Hund und ein Stier!) so zu beschreiben, dass sie lebendig wirken. Sein Schreibstil hat für mich etwas Künstlerisches und wirkt gleichzeitig locker und sympathisch. Der Roman bietet viel Atmosphäre und einen angenehmen, leisen Humor, der manchmal in wunderbarer Situationskomik mündet.
Einfach schön und lesenswert!

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Ein herrlich schräges Buch

Instagrammatik von Herr Schröder

Mit sympathischem Humor und einer unterhaltsamen Erzählung geben die beiden Comedians Herr Schröder, der im „ echten Leben“ auch studierter Deutschlehrer ist, und sein Mitautor Simon Slomma Einblick in einen Schulalltag, der in Zeiten von Corona und Digitalisierung alles andere als alltäglich ist .

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Für mich war es einfach schön, auf diese humorvolle Weise (ohne erneut in die undankbare Rolle einer Schülerin schlüpfen zu müssen) in die Welt der Schule eintauchen zu können, die so ganz eigen ist und dennoch „aufs Leben“ vorbereiten soll. Einiges erkannte ich wieder – nicht nur aus meiner Schulzeit, sondern auch ganz allgemein den Schrecken einer Tätigkeit im fürchterlich hierarchisch geordneten öffentlichen Dienst und ebenso fürchterlich nervige moderne Managementtrends. Aber natürlich stellt die Pandemie den Schulalltag vor neue Herausforderungen … Corona steht jedoch nicht im Mittelpunkt, Herr Schröder und seine Klasse haben in diesem Buch mit Herausforderungen ganz anderer Art zu kämpfen ...
Herr Schröder als leidtragende Romanfigur ist einfach herrlich - etwas frotzelig, aber auch ein Meister der Selbstironie. Bei den Erwachsenen werden ganz allgemein munter Klischees bedient und gnadenlos auf die Spitze getrieben, während die Schülerinnen und Schüler wesentlich behutsamer, respektvoller beschrieben werden – das fand ich sehr sympathisch.
Aus irgendeinem Grund hatte ich ein anekdotenhaftes Buch erwartet, aber schnell kristallisiert sich eine zusammenhängende Geschichte zum Lachen und Mitfiebern heraus, die ich überraschenderweise ziemlich spannend fand. Dabei werden auch in Romanen ungewohnte Textarten wie WhatsApp-Unterhaltungen, E-Mails oder Bekanntmachungen eingesetzt, was den ohnehin schon leicht schrägen Text zusätzlich auflockert. Es gibt Slapstick-Einlagen, erhebende Momente und spannende Szenen. So liest sich das Buch leicht und mit Genuss!

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Ein Wohlfühl-Pageturner mit vielen Büchern, einer kleinen Liebesgeschichte und der Geschichte eines Aufstands

Die letzte Bibliothek der Welt von Freya Sampson

Dieses Buch beginnt bescheiden, still und leise mit June, einer Bibliothekarin, die in ihrer Bücherei vor sich hinträumt, und entwickelte sich im weiteren Verlauf für mich zu einem fesselnden Wohlfühl-Pageturner, den ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte: Angesichts einer drohenden Schließung der Bibliothek beginnt eine bunte Mischung ihrer Stammbesucher:innen, sich zu mobilisieren, die schüchterne June wird vor große Herausforderungen gestellt .

.. und, nein: Dieser Roman mit seinem feinen Humor ist keineswegs so vorhersehbar, wie es nun den Anschein hat, zumindest nicht in allen Punkten ...
Die Erzählung ist eine schöne Liebeserklärung an Büchereien und die Rolle, die sie innerhalb einer Gemeinschaft spielen können – als Stütze und Zufluchtsort für einsame Menschen, Menschen in Not oder einfach nur auf der Suche nach einem ruhigen Ort zum Lernen ...
Die Autorin lässt in ihrer Geschichte viele faszinierende, starke und zuweilen auch etwas kauzige Charaktere verschiedener Altersklassen auftreten. Sie miteinander agieren zu sehen ist eine helle Freude. So hatte ich viele Lieblingsfiguren - die resolute Mrs B, die schroffe Vera oder auch Stanley, ein älterer Herr und typisch britischer Gentleman, der mehr als ein Geheimnis hat. Ausgerechnet June selbst ist mir nicht hundertprozentig sympathisch, da es ihr nicht gelingt, einen Zugang zu Alan Bennett, dem Kater ihrer verstorbenen Mutter zu finden. Das missmutige Gesicht des Katers, wenn ihn wieder einmal eine Nachbarin nach Hause zurückträgt, entwickelte sich zwar fast schon zu einem gelungenen kleinen Running Gag, aber er tat mir auch, auch wenn sich June durchaus Mühe gab, fürchterlich leid. Was ich aber bei June als Romanfigur gut fand, war die Thematisierung von Schüchternheit bei Erwachsenen und die Probleme, die diese für die Betroffenen bewirkt.
Ein besonders wichtiges Thema in diesem Roman ist auch Trauer, der Umgang mit Verlust. Dieser eher schweren Thematik werden aber auch manchmal eine sanfte Heiterkeit und natürlich die für Wohlfühlromane typische Liebesgeschichte entgegengesetzt. Letztere hat mir tatsächlich gefallen, obwohl ich kein Liebesgeschichtenfan bin, viel erhebender war es für mich allerdings, von den Wundern zu lesen, die ein Zusammenhalt unter völlig verschiedenen Menschen bewirkt. Es ist immer wieder schön, wenn Menschen über sich hinauswachsen ...
Ein Mutmachbuch, das nichts beschönigt, aber zeigt, wie sich manchmal trotz Dunkelheit ein Licht erkennen lässt.

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Eine bunt schillernde Erzählung am Kreuzungspunkt verschiedener Zeiten und Kulturen

Piccola Sicilia von Daniel Speck

Die Rahmenhandlung in diesem Roman bildet eine Suche nach einem im Zweiten Weltkrieg verschollenen Flugzeug. Dies ist schon spannend genug, doch die eigentliche Faszination übt die Erzählung Joëlles aus, einer geheimnisvollen Fremden, die behauptet, dass einer der damals vermissten Deutschen noch leben könnte – und ihr Vater ist …
Eine zentrale Frage dieses wunderbaren Buches ist für mich, wer und was wir sind und wie wandelbar dieses Ich je nach den äußeren Umständen sein kann, weil wir nicht immer alle Facetten unseres Ichs entwickeln und zeigen können.

In dieser Hinsicht bot der Handlungsort Tunis vor der Besatzung durch die Nazis durch seine Sprachen- und Kulturvielfalt seinen Bewohnern den perfekten Raum, um möglichst viele Seiten ihres Ichs hervorzubringen und so Zufriedenheit und gegenseitigen Respekt zu erlangen. So gleicht dieses literarische Eintauchen in das Tunis vergangener Tage einem verführerischen Potpourri aus verschiedenen Sprachen, Religionen, Bräuchen und Farben, das meine Sehnsucht weckt und am liebsten würde ich gleich dorthin reisen. Aber leider ist es auch, wie der Autor eindrucksvoll zeigt, eine Welt, die durch die Zeit der deutschen Besatzung schweren Schaden nahm …
Von den Romanfiguren stellt sich unter anderem Moritz, Wehrmachtssoldat und Kameramann, der Frage nach dem, was für ein Mensch er ist oder sein möchte, als er im besetzten Tunis plötzlich aus seiner Rolle des Beobachters und Mitmachers heraustritt und eine Entscheidung fällt. Eine Entscheidung, die ihm sein Leben kosten kann …
Die Stärken dieses Buches liegen für mich darin, dass es viele inspirierende Denkansätze bietet, ohne im Geringsten belehrend zu wirken, dass es die Geschichte des Zweiten Weltkriegs aus einem anderen Blickwinkel zeigt und gleichzeitig eine spannende, facettenreiche Geschichte erzählt, in der es um die Liebe, aber nicht nur um die Liebe, sondern auch um die Suche nach dem richtigen Weg im Leben geht, um Menschlichkeit, Zusammenhalt unter den Menschen, zu schnelle Urteile und das Liebenswerte der Menschen mit all ihren Schwächen ... und um eine Frage, die angesichts des Sterbens so vieler Menschen im Mittelmeer und der so absurden wie erschreckenden Klagen gegen engagierte Seenotretter von beklemmender Aktualität ist ...
Ein wunderbares Buch zum Immer-wieder-lesen, mit einem poetisch schlichten und zugleich bildhaften, eleganten Schreibstil und bemerkenswerten Stellen, die immer wieder zum Innezuhalten und Nachdenken einladen!

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Über die finstere Seite der Magie

Dark Palace - Zehn Jahre musst du opfern.Bd.1 von Vic James

Vic James hat für ihren Roman eine düstere Welt geschaffen, die nah genug an unserer eigenen Erfahrungswelt liegt, um Identifizierungsmöglichkeiten zu bieten, und doch völlig anders ist. Sie ist bestimmt durch das „Geschick“, eine Form von Magie, die jedoch nur wenige, die sogenannten Ebenbürtigen, besitzen.

Dieses Geschick ist von Ebenbürtigen zu Ebenbürtigen unterschiedlich ausgeprägt und verleiht diesen eine gefährliche Macht. So muss in dieser Welt jeder Geschicklose eine zehnjährige Sklavenzeit im Dienste der Ebenbürtigen absolvieren …
Die Autorin überzeugte mich bereits im Prolog, der Erzählung einer Flucht, durch ihre mitreißende Erzählweise. Ganz schnell fieberte ich mit den Figuren mit, obwohl mir diese in diesen Zeilen zum ersten Mal begegneten. Diese Faszination für die Handlungspersonen zog sich für mich durch das ganze Buch und dennoch hatte ich, bedingt durch die Wahl der Erzählung in der dritten Person, das Gefühl, dass mir die wahren Gefühle und Beweggründe der Personen oft verborgen blieben. Gerade das fand ich sehr spannend, denn die Autorin ist eine wahre Meisterin darin, vielschichtige Charaktere zu schaffen, die betörend und rätselhaft wirken, denen man einfach alles zutraut und die sich glücklicherweise auch nicht stupide in „die Guten“ und „die Bösen“ einteilen lassen …
Besonders geheimnisumwittert und dadurch herrlich unheimlich sind die ebenbürtigen Brüder Gavar, Silyen und Jenner Jardine. Noch mehr gefiel mir jedoch die Darstellung der geschicklosen Renie, ein junges Mädchen, fast noch ein Kind, das ganz allein in einer Sklavenstadt lebt und dort nach Kräften versucht, die Welt weniger trostlos zu gestalten - ein bisschen erinnerte sie mich mit ihrer Energie trotz aller widrigen Umstände an Pippi Langstrumpf, nur dass Renies Welt sehr viel grauer aussieht ... Noch viele weitere interessante Charaktere wären erwähnenswert, denn die Handlung in diesem Roman ruht nicht nur auf den Schultern einiger weniger Figuren.
Die Romanwelt, zu der auch ganz nebenbei Informationen über ihre Geschichte und die Entwicklung in anderen Ländern eingeflochten werden, wird meines Erachtens sehr stimmig und leider sehr realistisch dargestellt. Wenn man bedenkt, wie lange sich auch ohne das „Geschick“ mit seinen grauenvollen Möglichkeiten, anderen Menschen Schaden zuzufügen, in Europa beispielsweise die Leibeigenschaft hielt, ist es leider nicht verwunderlich und ich finde es auch verständlich, dass die meisten Geschicklosen nicht den Mut finden, sich gegen die Sklavenzeit auflehnen ... Umso mehr hat es mich gefreut, dass im Zentrum der Handlung unter anderem eine kleine Gruppe von Menschen steht, die dennoch keineswegs gewillt sind, dieses Gesellschaftssystem einfach hinzunehmen, denn „keine Magie ist mächtiger als der Geist des Menschen“ (S. 269) …
Diese Zweiteilung der Welt in Geschicklose und Ebenbürtige wird auch durch die beiden Handlungsorte Millmoor und Kyneston, zwei im Übrigen jeder auf seine Art sehr beeindruckende Kulissen, widergespiegelt. Während Kyneston das schillernde Anwesen der Jardines, einer vermögenden, leicht gruseligen Familie Ebenbürtiger, darstellt, bildet Millmoor eine düstere Fabriklandschaft, in der die Sklaven schwere körperliche Arbeit leisten müssen.
Die Situation der Sklaven hat mich überrascht – angesichts der Macht der Ebenbürtigen, der Rechtlosigkeit der Geschicklosen und meiner eigenen Erfahrungen in der Arbeitswelt hätte ich noch deutlich mehr Machtmissbrauch erwartet. Zwar kommt es in der Tat immer wieder zu schrecklichen Misshandlungen, doch ähnelt die Situation der Sklaven erschreckenderweise oft auch einfach der Situation einiger unterdrückter Arbeitnehmer in unserer Welt – ich könnte mir vorstellen, dass das durchaus so gewollt ist …
Die Erzählweise war für mich als Fan alter Klassiker mit zahlreichen Beschreibungen anfangs ein bisschen gewöhnungsbedürftig – die Autorin konzentriert sich auf Highlights und lässt manches im Unklaren und im Geheimnisvollen. Dies regt natürlich dazu an, in Lesepausen immer wieder über das Buch nachzudenken und die wildesten Theorien zu entwickeln – und dieser Effekt gefiel mir schließlich sogar richtig gut. Auch hat es mich sehr beeindruckt, wie es Vic James gelingt, in wenigen Sätzen beispielsweise die ganze Tragödie eines schädigenden Vater-Sohn-Verhältnisse darzustellen, das fand ich einfach brillant!
Für das Ende hatte ich mir zwar etwas anderes erhofft, aber ich muss der Autorin zugestehen, dass sie auch hier ihre Erzählkunst unter Beweis und gute Weichen für die Folgebände stellt, die ich nun mit Spannung erwarte …

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