Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Alais:
Ein mitreißender, sehr emotionaler Roman
Denk ich an Kiew von Erin Litteken
In zwei Handlungssträngen (der eine beginnt 2004 in den USA, der andere 1929 in der Ukraine) erzählt die Autorin eine packende Familiengeschichte, in der es um die ganz großen Themen im Leben wie Liebe und Verlust, Gewalt, Trauer, Neuanfang, Elternschaft, Resilienz und Hoffnung, vor allem aber um ein besonders düsteres Kapitel in der Geschichte Europas geht: den Holodomor, eine Massenhungersnot, die mit voller und in schlimmster Absicht von Stalin in der Ukraine ausgelöst wurde .
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Dieses Buch mit seinen zwei sehr unterschiedlichen und doch miteinander verflochtenen Handlungssträngen hat mich von der ersten Zeile an mitgerissen und es immer wieder geschafft, mich mitten ins Herz zu treffen.
Dabei war es vor allem der Handlungsstrang in der Vergangenheit, der mich tief berührte und einen (wenn auch bitteren) Erkenntnisgewinn bot. Von der Darstellung einer ersten Liebe bis zur Mutterschaft gelingen der Autorin immer wieder packende Schilderungen, die sehr authentisch und lebensnah wirken. Ich muss leider zugeben, dass ich zuvor nichts über den Holodomor (eine absichtlich ausgelöste Massenhungersnot) wusste, so traf mich das volle Ausmaß des Grauens der weiteren Entwicklung der Ereignisse vollkommen unvorbereitet. Und da die Autorin nicht nur Schriftstellerin ist, sondern auch Historikerin, ist wohl davon auszugehen, dass sie den historischen Hintergrund gut recherchiert hat ... Dabei wirft sie keinen kühlen, geschichtswissenschaftlichen Blick auf die Geschichte, sondern verarbeitet die Thematik in einer sehr emotionalen und oft sehr persönlich wirkenden Erzählung – auch wenn es sich um eine fiktive Erzählung und keineswegs um ihre Familiengeschichte handelt, hat sich die Autorin doch unter anderem von den Erzählungen und Erlebnissen ihrer aus der Ukraine stammenden Großmutter inspirieren lassen.
Der drastischen, einprägsamen Schilderung des Holodomors stellt die Autorin den helleren Handlungsstrang der "Gegenwart" (2004) entgegen, der unter anderem eine fürchterlich kitschige, sich munter Klischees bedienende Liebesgeschichte enthält, auf die ich gut hätte verzichten können, die mich aber auch nicht weiter störte. Auch die Themen Traumatisierung und Neuanfang finden hier wieder ihren Platz, besonders spannend aber war für mich die Zusammenführung beider Handlungsstränge ...
Ein Buch, das mich tief berührt und vieles gelehrt hat.
Ein freundlicher Begleiter durch eine kritische Lebensphase
Mein Kompass durch die Wechseljahre von Heide Fischer
Das sympathische Cover passt perfekt zum Inhalt dieses freundlichen Begleiters durch eine Zeit im Leben, die sicherlich für die meisten Frauen mit starken Emotionen, vielfältigen Problemen und manchmal auch Ängsten verbunden ist. Die Autorin schreibt sachlich und warmherzig zugleich, sodass ich mich von ihr kompetent begleitet und sanft an die Hand genommen fühlte.
Besonders beeindruckte mich an dem Schreibstil, dass sich das Buch so leicht liest, obwohl es prallgefüllt mit Informationen ist und oft sehr in die Tiefe geht. Man merkt einfach, dass es Heide Fischer als Ärztin gewohnt ist, Informationen laiengerecht zu verpacken und sich dabei auf die für die Betroffenen besonders wichtigen und somit besonders interessanten Punkte zu konzentrieren.
Die Themenvielfalt von Osteoporose über neue Gefühlswelten bis hin zum Beckenboden und vielem mehr spiegelt die Komplexität der Wechseljahre gut wider und, auch wenn am Anfang dieser Phase (bzw. eigentlich ja: Phasen) noch nicht alle Themen für mich relevant sind, war das Buch für mich sehr spannend zu lesen. Präsentiert werden verschiedenste Behandlungsmethoden (und dabei durchaus nicht nur Heilmittel der Natur, wie das Cover suggeriert), vor allem aber auch viele wertvolle Tipps von Frau zu Frau, was man jenseits der Arztpraxen tun kann, um sich diese Zeit zu erleichtern und Problemen gegenzusteuern.
Ein tolles Buch!
Zeichenschule mit Witz und Fantasie
Kreaturenkritzelbuch - Wilde Waldwesen von Thomas Hussung
An der Seite Gretels aus dem Märchen von Hänsel und Gretel kann man sich mit dieser fantasievollen Zeichenschule in ein spannendes Abenteuer stürzen, das von seinen kleinen und großen Leserinnen und Lesern fordert, selbst aktiv zu werden. Ein Punkt, der mir besonders gut gefiel: Es geht nicht nur darum, sich im Zeichnen fantasievoller Wesen zu üben (wobei das allein auch schon toll gewesen wäre), sondern auch darum, aktiv mitzuhelfen, etwas Gutes zu bewirken, positiv auf den Verlauf der Geschichte einzuwirken.
Die Rahmengeschichte dazu ist mit einem Augenzwinkern geschrieben und einige lustige Einfälle machen aus den Zeichenübungen manchmal regelrechte Events. Mir machte das einen Riesenspaß und ich kann mir vorstellen, dass viele Kinder dabei nicht nicht nur viel lachen und Zeichnen üben, sondern auch an Selbstvertrauen gewinnen können.
Die Übungen können allein gelöst werden, eignen sich aber auch dazu, sie im Freundeskreis durchzuführen, und können natürlich eine gute Ausgangsbasis für eigene Kreationen sein. Zur Unterstützung werden für die einzelnen Wesen Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit hilfreichen Linien geboten. Unter den fantastischen Waldwesen befinden sich vertrautere und weniger vertraute Wesen, einfacher und weniger einfach zu zeichnende Figuren. Raum für eigene Ideen wird ebenfalls immer wieder gegeben.
Ein geniales, liebevoll gestaltetes Buch, das mir viel Freude bereitet hat!
Erstklassiger Pageturner
Das Haus der stummen Toten von Camilla Sten
Als Eleanor ihre Großmutter besuchen möchte, begegnet sie der Person, die gerade ihre Großmutter getötet hat - doch sie kann die Person nicht beschreiben, denn sie leidet unter Prosopagnosie. Dass Eleanor Gesichter nicht voneinander unterscheiden kann, ist natürlich ein besonders interessantes Element in einer Kriminalerzählung, in der ein Mörder oder ein Mörderin frei herumläuft.
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Auch den Ort, der bald zum Haupthandlungsort wird, fand ich gut gewählt – ein altes Gutshaus mit einer geheimnisvollen Vergangenheit. Eleanor begibt sich dorthin zusammen mit ihrem Freund und einem Notar, auf der Spur des geheimnisvollen Vermächtnisses ihrer Großmutter und unheilvoller Familiengeheimnisse... So erhält die Erzählung einen gruseligen Touch - man kann förmlich spüren, wie die Geister der Vergangenheit durch das Haus spuken - ohne dass sie in einen anderen Genrebereich abgleitet. Dafür wird durch einen Schneesturm, der die Personen von der Außenwelt abschirmt, ein klassisches, aber immer wieder gut funktionierendes Krimielement eingeführt.
Ich war von diesem Thriller begeistert, nur das Ende hätte ich mir noch etwas ausgeschmückter gewünscht. Auch wenn die wesentlichen Fragen beantwortet werden, hätte ich mir gewünscht, zu erfahren, wie es für die eine oder andere Person weitergeht.
Ein erstaunlich versöhnliches, für Thriller ungewöhnlich tiefblickendes Buch, das daran erinnert, dass ein Mensch viele verschiedene Facetten hat...
Ein außergewöhnliches Leseerlebnis in bibliophiler Gestaltung, das in die Welten der Psychologie und Horrorklassiker entführt
Monster auf der Couch von Mats Strandberg; Jenny Jägerfeld
Wenn sich ein Buch nicht in eine Schublade packen lässt, dann dieses! Lange rätselte ich, was ich da überhaupt vor mir habe, und war doch bzw. gerade deshalb gleich fasziniert. Worum es geht: Monster (oder drücken wir es freundlicher aus: therapiebedürftige Gestalten) aus alten Klassikern wie Stevensons „Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde“, Oscar Wildes „The Picture of Dorian Grey“ oder auch der Vampirgeschichte „Carmilla“ aus „In a Glass Darkly“ von Sheridan Le Fanu landen auf der Couch einer Psychologin aus unserer Zeit.
Die Therapiegespräche sind erstaunlich. Die Erzählungen der Patienten und Patientinnen folgen in Erzählweise und Inhalt eng den literarischen Vorlagen aus den klassischen Werken und passen doch hervorragend in die hier neugeschaffene Situation „auf der Couch“. Teilweise entsteht ein interessanter Kontrast zu den modernen Einstellungen der Psychologin, teilweise wird aber auch eine Brücke geschlagen und die Gemeinsamkeiten der Menschen der verschiedenen Zeiten treten zutage.
Gerade auch die moderne Rahmenhandlung mit der Psychologin gibt jede Menge Rätsel auf, die durch spannende Details der Buchgestaltung untermalt werden. Da finden sich von Hand geschriebene Briefe der Patienten und Patientinnen an die Psychologin, Zeichnungen, rätselhafte Flecken … Ich liebe diesen „authentischen“ Touch, der mir hilft, mich beim Lesen wie ein Teil der Welt des Romans zu fühlen. Ein wenig erscheint mir das auch eine Hommage an den irischen Klassiker „In a Glass Darkly“ von Sheridan Le Fanu zu sein, dessen Erzählungen als posthume Dokumente eines Arztes dargestellt werden. Auch die Psychologin ist zu dem Zeitpunkt, da wir uns durch die von ihr hinterlassenen aufgezeichneten Therapiegespräche lesen, nicht mehr da …
Letztendlich ließ mich „Monster auf der Couch“ ein wenig ratlos zurück. Einerseits hatte es mich begeistert und ich fand es ganz wunderbar, weil es ausgetretene Pfade verlässt und seinen ganz eigenen Weg geht. Es kam meiner Liebe zu Klassikern der (Horror-)Literatur, zur Psychologie, zur Geschichte und zu außergewöhnlichen Erzählungen, die mit einem Augenzwinkern erzählt werden, sehr entgegen.
Andererseits schwächelte es für mich im letzten Teil ein wenig, was vor allem an dem Patienten Dorian Grey lag, dessen fürchterlich flacher Charakter mich langweilte, sodass ich die Therapiegespräche mit ihm nicht so genoss wie mit den anderen Gestalten. Auch hätte ich mir das im Übrigen erfreulich überraschende Ende noch etwas ausgeschmückter gewünscht. Zumindest Letzteres ist aber Jammern auf hohem Niveau: unterm Strich ist „Monster auf der Couch“ für mich vor allem ein außergewöhnliches, humorvoll-skurriles Buch, das mich auf vielerlei Weisen fasziniert und ganz wunderbar unterhalten hat.
Leicht verrücktes Fantasyabenteuer, mit cleverem Humor und grandioser Lässigkeit erzählt
Papier & Blut von Kevin Hearne
Dies ist bereits der zweite Band der Chronik des Siegelmagiers, aber wer (wie ich) den ersten Band nicht gelesen hat, kann ganz beruhigt sein: Am Anfang steht eine ausführliche Zusammenfassung der Ereignisse aus dem ersten Band. Ich fühlte mich dadurch ausreichend informiert und hatte keinerlei Mühe, in die Geschichte einzutauchen.
Kevin Hearne erzählt aber auch auf eine unnachahmlich lässige Weise, die mich gleich begeisterte. Sie wirkt auf positive Art wunderbar amerikanisch und umfasst herrlich lustige Dialoge (großes Lob an das Übersetzerteam für die gelungene Übertragung ins Deutsche!). Worum es eigentlich geht: Der schottische Siegelmagier Al MacBharrais ist beunruhigt – zwei befreundete Siegelagentinnen sind in Australien verschwunden. Zusammen mit dem Hobgoblin Buck, der in seinem Dienst steht, bricht er auf eine gefahrvolle Reise auf, um sie zu suchen …
Buck war für mich ganz eindeutig der Star dieses Fantasyromans. Der Hobgoblin sorgt mit seiner gnadenlosen Geschwätzigkeit und Respektlosigkeit für gute Laune und bildet einen guten Gegenpol zum ernsteren Siegelmagier Al, der aufgrund eines Fluches (alle, die sich länger mit ihm unterhalten, beginnen, ihn zu hassen) für die Kommunikation mit anderen auf eine Sprach-App angewiesen ist. Wer Fan des Eisernen Druiden aus Kevin Hearnes anderen Romanen ist, kann sich außerdem auf ihn und seine beiden Hunde Oberon und Starbuck freuen. Und dann gibt es noch einige weitere schillernde Figuren mit leicht schräger Persönlichkeit ...
Die Handlung erschien mir wild, skurril und ereignisreich – leider auch oft sehr blutig, wenn auch nicht mit der voyeuristischen Detailgenauigkeit beschrieben, die man von schlechteren Thrillern kennt. Die Monster, von denen es reichlich gibt, werden allerdings als ziemlich plump und primitiv dargestellt. Das fand ich ein bisschen schade. Sie ähneln völlig emotionslosen Tötungsmaschinen, sodass es innerhalb der Erzählung akzeptabel erscheint, sie mit der gleichen Emotionslosigkeit niederzumetzeln – ich weiß nicht ganz, was ich davon halten soll … Undifferenziertes Denken würde ich dem Autor nämlich dennoch nicht unterstellen, dafür stellt er die meisten Handlungsfiguren zu vielschichtig dar und auch Empathie kommt in der Erzählung immer wieder zum Tragen.
Ausgestattet ist das Buch im Übrigen im hinteren Teil mit einem kurzen Glossar mit Hinweisen zur Aussprache (insbesondere für die vorkommenden gälischen Namen von Sagenwesen und der einen oder anderen Gottheit sehr nützlich).
Eine schöne Lektüre für Fantasyfans, souverän und mit cleverem Humor erzählt!
Ein brillanter Pageturner, der mit magischem Realismus und Tiefgründigkeit aufwartet
Ancora von Colin Hadler
Tiefe, urwüchsige Wälder, inmitten dieser Wildnis Ancora, eine Dorfgemeinschaft, die sich sorgfältig von der übrigen Welt entfernt hält, und ganz in der Nähe geheimnisvolle, verlassene Ruinen … Vor diesem Hintergrund entfaltet der Autor eine spannende Geschichte rund um Romy, die zusammen mit ihren Freunden Aurel und Jannis in Ancora einen Urlaub der besonderen Art, ohne Smartphone oder jegliche andere moderne Technik, erleben möchte und keine Ahnung hat, auf was für ein gefährliches Spiel sie sich dabei einlässt …
Ganz kurz hatte ich zu Beginn aufgrund der Naturverbundenheit der Dorfbewohner, die geradezu religiöse Züge zu tragen scheint, die Befürchtung, diese Geschichte könnte sich in Richtung des furchtbar blutigen Horrorfilms Midsommar entwickeln, aber da habe ich den Autor Colin Hadler zum Glück unterschätzt.
Auch wenn es ab und zu schön gruselig wird – er schlägt einen anderen, seinen ganz eigenen Weg ein und fesselte mich mit einer Erzählung, die mich immer wieder überraschte, mit magischem Realismus verzauberte und mit ihrer Tiefgründigkeit begeisterte.
Die Ancora umgebende Wildnis beschwört natürlich die Erinnerung an alte Legenden, aber auch die Handlungsfiguren wirken jede auf ihre Art besonders. Sie sind vielschichtig aufgebaut und werden so lebendig geschildert, dass es mir als Leserin leichtfiel, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Gleichzeitig hatte ich immer den Eindruck, dass sie etwas zu verbergen haben … Romy selbst ist mutig, warmherzig, zu Selbstkritik in der Lage und anderen Menschen offen begegnend – wie man es leider nur selten antrifft. Und auch in einem anderen Punkt ist sie alles andere als normal … aber ich will nicht zu viel verraten!
Ein Buch, das sich schnell und leicht liest, mich ganz in die besondere Atmosphäre des Dorfes und der umgebenden Wildnis eintauchen ließ und dabei immer wieder faszinierte und tief berührte.
Ein spannender Roman über ein geheimnisvolles Verschwinden
Mrs Agatha Christie von Marie Benedict
Unglaublich, aber wahr: Es ist nun schon über 100 Jahre her, dass der erste Roman von Agatha Christie veröffentlicht wurde. Doch meine Lieblingsautorin gab den Menschen nicht nur in ihren Büchern Rätsel auf, sondern auch durch ihr geheimnisvolles elftägiges Verschwinden 1926 ... Eine Episode, die bereits zu einem, wie ich finde, eher blassen Film mit Vanessa Redgrave und Dustin Hoffman, zu einer einfach wunderbaren Folge der britischen Doctor-Who-TV-Serie und nun die Autorin Marie Benedict zu diesem spannenden Roman mit einer so erstaunlichen wie plausiblen These inspirierte .
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Marie Benedict blickt dabei auf die junge Agatha von der Zeit des Kennenlernens ihres Mannes Archie (dem sie den Nachnamen Christie zu verdanken hatte) 1912 bis zu ihrem mysteriösen Verschwinden 1926. Erzählt wird in zwei Zeitsträngen, die sich allmählich einander annähern, und aus zwei verschiedenen Perspektiven – aus Archies und aus Agathas Sicht, deren Unterschiedlichkeit der Erzählung eine gewissen Würze verleiht.
Faszinierend war für mich unter anderem die unterschiedliche Wahrnehmung des Kindermädchens Charlotte durch Archie (der sie völlig unterschätzt) und Agatha (von der sie hochgeschätzt wird) - und wie diese dann jeweils auch auf mich abfärbte. Und dies selbst bei Archie, der in diesem Roman als ziemlich borniert dargestellt wird. Es erscheint unglaublich, dass sich die wegen ihrer tiefen Menschenkenntnis so berühmte Autorin ausgerechnet in so einen Mann verliebt haben soll. In ihrer Autobiographie zeichnete Agatha Christie allerdings auch ein gnädigeres Bild von ihm – und doch lässt sich erkennen, dass Marie Benedict genau diese für ihren Roman eifrig studiert hat. Viele Details, ob Kleidung oder ein Satz, den ihre Tochter Rosalind zu Agatha sagte, fand ich in der Autobiographie, die ich parallel zur Lektüre durchblätterte, wieder. Das hatte ich ehrlich gesagt gar nicht erwartet, sondern reine Fiktion. Umso plausibler erscheint dann natürlich die (wenn auch zwangsläufig fiktive und fantastische) Erklärung, die die Autorin in diesem Werk für die fehlenden Tage in der Biographie ihrer berühmten Kollegin vorlegt ...
Ein Buch mit vielen Facetten - in einer sehr ansprechenden, wohlklingenden deutschen Fassung von Marieke Heimburger, spannend, bewegend, empfehlenswert für alle Freunde und Freundinnen der Kunst des Erzählens ...
Eine Schatztruhe voller nachahmenswerter Projekte und Ansätze, die neuen Mut und Hoffnung schenkt
Stell dir vor ... von Rob Hopkins
Dieses liebevoll gestaltete Buch mit seinem praktischen sonnengelben Lesebändchen kam für mich genau zur richtigen Zeit, da ich schon kurz davorstand, unter anderem in puncto Klimawandel die Hoffnung für die Menschheit komplett aufzugeben und mich in das Schneckenhaus des Zynismus zurückzuziehen.
Rob Hopkins verleugnet den Ernst der Lage nicht, wedelt aber auch nicht mit dem Zeigefinger. Statt anzuklagen oder zu resignieren hat er viele erstaunliche Ideen, Projekte und Ansätze aus aller Welt zusammengetragen, wie Menschen auf angenehmere, farbenfrohere, freundlichere und vor allem eben oft umweltfreundlichere und klimaschonende Weise ihr Zusammenleben und ihre Städte gestalten. Inspirierende Beispiele, die neuen Mut schenken, bei denen ich mich aber auch oft fragte, warum ich erst jetzt davon höre, und warum ihnen generell so wenig Platz in der Medienberichterstattung eingeräumt wird. Eine bessere Gestaltung unserer Gesellschaften kann doch eigentlich, das beweist dieses Buch, ein mitreißendes Thema sein.
Als wichtige Kraftquelle, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich uns in einem immer bedrohlicheren Ausmaß stellen, sieht er die Fantasie. Dabei benutzt er bewusst den zu Unrecht oft verachteten Begriff "Fantasie" statt "Kreativität" und zeigt, wie hilfreich nicht nur eine größere Rolle der Fantasie in den Bildungssystemen der Kinder, sondern auch Kunstprojekte für Erwachsene sein können, um Probleme zu bewältigen.
Diese analytischen Betrachtungen und auch Meinungen und Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft, die Hopkins in seinen Text einfließen lässt, vor allem aber die Kraft, die diese unterschiedlichen Projekte entfalten, waren für mich sehr spannend.
Es ist einfach ein tolles Buch, das ermutigt, die eigene Fantasie mehr wertzuschätzen und vielleicht selbst solche Projekte anzustoßen oder sich bestehenden Projekten anzuschließen.
Ein berührendes Buch, das entsetzt, aber auch Mut macht und Hoffnung schenkt
Schwarzes Herz von Jasmina Kuhnke
„Ich schreibe, um anderen Frauen Hoffnung zu geben, damit sie sich nicht schämen und sich ihrem Schicksal ergeben. Ich will, dass du weißt: Du bist nicht allein. Du kannst es schaffen.“ S. 7
Dieses Buch lässt nicht unberührt. Belastende Themen wie Frauenhass, Mobbing und Rassismus in der Gesellschaft stehen im Zentrum dieses Romans, der auf brillante Weise den Lebensweg einer jungen Mutter nachzeichnet – von frühen Rassismuserfahrungen über eine toxische, von Gewalt geprägte Beziehung bis hin zur Suche nach einem neuen Weg im Leben.
Dabei legt die Erzählung zielsicher den Finger auf Wunden in der Gesellschaft.
Die Sprache ist unverblümt, drastisch, manchmal vulgär und sollte daher eigentlich so gar nicht meinen Geschmack treffen – und doch ist das Gegenteil der Fall, denn die Autorin setzt sie mit großem Geschick und stets treffsicher so ein, dass mich die sprachliche Gestaltung noch tiefer in die Geschichte eintauchen ließ. Worüber auch immer Kuhnke gerade schreibt, immer spiegelt sich die jeweilige Gefühlswelt mit großer Wucht in ihren Worten wider. Man spürt förmlich die Energie des Laufsports, die lähmende Wirkung von Angst, die Spuren, die Gewalt bei Menschen hinterlässt, aber auch die tiefe Liebe der Protagonistin zu ihren beiden Kindern.
Und gleichzeitig wuchsen in mir immer mehr Respekt und Bewunderung für die Hauptfigur, die taff und verwundbar zugleich erscheint, die über die seltene Fähigkeit der Selbstreflexion und Selbstkritik verfügt, die mir in mancherlei Hinsicht so unähnlich ist und der ich mich doch das ganze Buch hindurch so nahe fühlte.
Es ist ein Buch, das aufwühlt und dadurch natürlich auch alte Wunden aufreißen kann – die Inhaltswarnung, die verantwortungsbewusst diesem Roman vorangestellt ist, hat auf jeden Fall ihre Berechtigung. Vor allem aber ist es auch ein Buch, das Hoffnung schenkt und Mut macht, niemals aufzugeben.











