Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Geborgenheit in der Welt der Bücher
Ich treffe dich zwischen den Zeilen von Stephanie Butland
Ein sehr emotionales Buch mit einer starken, widerspenstigen Protagonistin, die aber auch sehr verletzlich ist. Der Grund dafür liegt in ihrer Vergangenheit.
Loveday ist eine junge Frau, die in einer Buchhandlung, einem Antiquariat arbeitet und sich größtenteils abschottet. Bücher sind ihre Leidenschaft.
Sie ergänzt sich gut mit ihrem Chef Archie, dem Besitzer des Antiquariats, der ihr ein väterlicher Freund ist.
Loveday trifft den Dichter Nathan. Eine Beziehung bahnt sich an, aber es gibt auch noch ihren labilen Exfreund Rob.
Zwischendurch möchte ich noch kurz das Cover erwähnen, weil es mir nicht besonders gut gefällt, einerseits weil es gelb ist, andererseits strahlt es durch das Motiv eine Harmlosigkeit aus, die der Roman nicht verdient hat.
Es ist ein Buch, in das man versinken kann. Das liegt neben dem geschmeidigen Schreibstil auch daran, das einem die Figuren schnell sehr am Herzen liegen.
Was ich besonders an dem Buch mochte ist das Sujet. Das Antiquariat als eine Welt der Bücher, ein Ort des Schutzes. Hier fühlt sich Loveday geborgen. Und dann noch die Poetry Slams als ein Ausflug in die richtige Welt. Hier muss sie den Ausgleich finden.
Dadurch ist der Roman mehr als nur eine Liebesgeschichte, obwohl die Beziehung zu Nathan natürlich auch zu dem inneren Befreiungskampf dazu gehört.
mehr als ein Durchschnittskrimi
In tiefen Schluchten von Anne Chaplet
Unter dem Namen Cora Stephan hat die Autorin mit „Ab heute heiße ich Margo“ einen großartigen Roman geschrieben, an dem sie sich bei künftigen messen lassen muss.
In tiefen Schluchten ist ein ganz anderer Stoff und wird zudem als Kriminalroman vermarktet, aber ich finde, auch dieser geschmeidig geschriebene Roman bietet wesentlich mehr als der Durchschnittskrimi und ist alles andere als eine Enttäuschung.
Mit großer Zuneigung zu der Gegend in Südfrankreich beschreibt Anne Chaplet die bizarre und überwältigende Landschaft. Auch ihre Protagonistin Tori Godon teilt diese Begeisterung, aber ihr Gemüt ist verdüstert aus Trauer um ihren Mann Carl, der vor ca. einem Jahr verstarb. Aber sie ist eine Person die sich nicht unterkriegen lässt. Ich mochte sie schon, als sie sich um den eingesperrten Hund gekümmert hat. Dieser Hund wird später noch eine große Rolle spielen, als sich die impulsive Tori in Gefahr bringt. Es gibt auch einen Mann, ein ehemaliger Polizist, der bei der Rettung mitwirkt.
Der Kriminalanteil bleibt relativ gering, doch spannende Momente gibt es dennoch.
Ich habe den Roman sehr gerne gelesen.
Feinfühliger Stil
Drei Tage und ein Leben von Pierre Lemaître
Drei Tage und ein Leben ist ein sehr interessanter und lesenswerter Roman, aber auch nicht ganz einfach zu verdauen. Pierre Lemaitre hat einen stark psychologischen Ansatz. Schon das Cover deutet an, dass es hier um die seelischen Qualen eines Kindes geht. Der Junge hat einen anderen getötet, aber eigentlich war es mehr ein Unfall.
Aus Angst vertuschte Antoine die Tat. Das wird ihn ein Leben lang belasten.
Die Geschichte spielt sich in der französischen Provinz ab.
Da das Buch schmal und handlungsarm ist, möchte ich hier lieber nicht zu viel verraten.
Eine traurige Geschichte, nicht einfach zu ertragen, aber es ist doch gut, dass dieses schwierige Thema so ausgefeilt vorliegt.
Als reißerischer Thriller hätte das nicht funktioniert.
Der Roman wurde dank des feinfühligen Stils des Autors ebenso intensiv und interessant.
Empfehlenswert
Beobachtungen aus der letzten Reihe von Gaiman Neil
Neil Gaiman ist ein sehr beliebter britischer Schriftsteller aus dem Bereich zeitgenössischer Fantasy & Science Fiction. Sehr bekannt dürften American Gods sein oder der Comicserie Sandman. Er hat mit „Beobachtungen aus der letzten Reihe“ ein Band mit Artikeln und Essays teils journalistischer Form vorgelegt.
Die Texte haben erst einmal nicht viel miteinander zu tun, sind aber doch in einer gewissen Form geordnet, z.B. Vorwörter, Comics
In der Summe geben sie einen Eindruck davon, was Neil Gaiman und sein Schreiben geprägt hat. Dazu gehört auch die Geisteshaltung, die aus diesem Genre kommt und die auch Neil Gaiman verinnerlicht hat und in seiner Prosa zeigt. Das sind eine sozialkritische Haltung und Toleranz sowie enorme Vorstellungskraft.
Ein Schlüsseltext in diesem Buch ist für mich, der über den Bücherbus, den er in seiner Jugend oft aufsuchte, und der seine Leidenschaft für Science Fiction-Romane und das Sammeln weckte.
Neil Gaiman hat ein großes Werk bestehend aus verschiedensten Formen vorgelegt, daher sind seine Artikel auch breit gestreut. Es macht wenig Sinn jetzt einzelne hervorzuheben. Manche Essays interessieren einen mehr, manche weniger, das hängt davon ab, ob einen das Thema anspricht. Mich persönlich haben besonders die Interviews fasziniert, z.B. mit Stephen King oder mit Lou Reed, wobei auch die Vorgeschichten dazu mit erzählt werden. Auch die Autoren-Portraits überzeugen mich durchgängig, z.B. über Fritz Leiber, Gene Wolf oder Douglas Adams.
Dabei wird immer wieder deutlich, wie gut der Untertitel „Über die Kunst, das Erzählen und wieso wir Geschichten brauchen“ gewählt ist.
Das Ganze ist unverkrampft erzählt und oft mit Humor. Für Fans ist dieses Buch auf jeden Fall ein Muss und für Interessierte sicher keine Enttäuschung.
Intensives Zeitportrait
Beobachtungen aus der letzten Reihe von Gaiman Neil
Max Kruse, der Sohn der bekannten Puppenmacherin Käthe Kruse und bekannter Kinderbuchautor (Urmel etc.) konnte noch als nur für die Jugend schreiben. Das beweist diese Novelle über eine erste Liebe. Das könnte banal sein, aber die Zeit, in der sich die Handlung abspielt, bestimmt die Stimmung beim Lesen stark mit.
Es ist Anfang der vierziger Jahre und schlimme deutsche Zeit voll in Gange. Das ist mit der Grund, warum die Jugendlichen ohne Eltern in einem alpinen Heim verbringen. Hier sind die Menschen, auch die Lehrer noch gemäßigt und sogar Juden leben ohne Zwänge bei ihnen.
Als der 14jährige Peter die selbstbewusste Christl trifft, die zu ihnen ins Heim stößt, ist er sogleich fasziniert und verliebt in sie. Doch es gibt mit Günther auch noch einen Konkurrenten.
Das ist kein gutes Alter, wenn der Krieg naht, der so vielen das Leben nehmen soll.
Der Autor gleicht diese ahnungsvolle Düsterheit durch Leichtigkeit im Erzählen aus. Es entstehen mit geringen Aufwand ein paar gute Charakterportraits mehrere Figuren. Von einigen hätte ich gerne mehr erfahren.
Die Novelle ist in ihrer Form samt Epilog nahezu perfekt, aber ein wenig Schade finde ich es doch, dass Max Kruse das Buch nicht weiter ausgebaut hat. Es hätte auch das Potential für einen wichtigen Roman gehabt.
Effektreicher Thriller
Durst,9 Audio-CDs von Jo Nesbø
Jo Nesboe ist neben Don Winslow zur Zeit wohl der König des modernen Thrillers.
Er arbeitet in den Romane der Harry Hole-Reihe sehr stark mit Effekten, die an Brutalität nichts zu wünschen lassen. Das spricht die unterbewusste Seite der Leser an und ist eins der Mittel zum Erfolg. Immerhin ist es schon der elfte Teil der Reihe.
Harry Hole als Hauptfigur trägt die Romane, daher war Durst anfangs langweilig, bis er endlich auftauchte. Harry Hole hatte sich eigentlich vom Ermittlerdienst zurückgezogen und lehrt an einer Universität, doch es braucht nicht viel, ihn für einen Fall wieder zurück zu holen.
Auch Harrys private Situation spielt eine Rolle, als seine Frau Rakel schwer erkrankt. Eine Prüfung für Harry, die seine Teilnahme am Fall einschränkt.
Mich stören einige Klischees, die eingesetzt werden. So richtig weiß man nicht, was das Ganze soll. Letztlich ist es in erster Linie nur (aber immerhin) eine Variante, denn der psychopathische Killer ist diesmal nicht der normale Serienmörder sondern ein Vampirist, der mit einem Stahlgebiss die Frauen, die er überfällt, in den Hals beißt und ihr Blut trinkt.
Harry Hole und seine Kollegin Katrine Bratt erkennen schließlich schon früh im Roman, dass der Serientäter kein Unbekannter ist. Eigentlich ist es sogar der Mörder selbst, der sich zu erkennen gibt, da er ein Opfer überleben lässt. Das es noch zusätzliche Überraschungen geben wird, muss man den Leser von Thrillern nicht extra erklären.
Anfangs tat ich mich schwer mit dem Roman, bis er mich in der zweiten Hälfte doch noch packte. Was man den Autor lassen muss, ist der Drive und die Intensität, die er immer mehr aufbaut. Darin ist Jo Nesboe ungeschlagen, er hat seine bewährten Methoden. In kurzen Kapiteln wird zwischen verschiedenen Handlungssträngen hin und her geschwenkt. Auch das trägt dazu bei, dass Spannung aufgebaut und dann nicht so schnell wieder gelegt wird.
Aber es fehlt doch eindeutig an Konsistenz in der Handlung und viele Passagen sind zu konstruiert, zum Beispiel die in denen Harry und der Psychopath Valentin sich persönlich gegenüberstehen und vollkommen unglaubwürdige Dialoge führen.. Deswegen halte ich „Durst“ für einen relativ schwachen Roman, der auch bis auf das Finale nicht das Tempo von z.B. „Leopard“ (der 9.Teil) hat..
Was mich am Roman bleiben hat lassen war der Umstand, dass ich das Hörbuch gewählt hatte und Uve Teschner mit seiner einmaligen Stimme einfach nur großartig und mit Intensität liest.
Reise mit Geheimnissen
D-Zug dritter Klasse von Irmgard Keun
Irmgard Keun hat ein paar wichtige Romane und einige weniger bedeutende geschrieben. D-Zug dritter Klasse gehört wegen dem geringen Umfang und dem fehlen politischer Elemente in die zweite Kategorie, aber auch hier gilt, dass die Autorin das Talent hatte, allen ihrer Texte Originalität und Wortwitz zu verleihen.
Deswegen ist der Roman keine Enttäuschung und man sollte ihn weder inhaltlich noch von der Form her unterschätzen.
Gezeigt wird eine Zugfahrt nach Paris bzw. die Reisenden in einem Abteil. Man denkt an Kreuzersonate von Tolstoi, doch hier geht es auf den ersten Blick harmloser zu. Erst mit der Zeit merkt man, das einige ungewöhnliche Dinge vor sich gehen und jeder der Reisenden sein Geheimnis hat.
Es werden die Reisenden nicht gleichberechtigt geschildert. Die 23jährige Lenchen und ihre Erinnerungen, die im großen Umfang eingeblendet werden, spielen die größte Rolle und lassen anfangs wenig Raum für die anderen Figuren. Das ist in meinen Augen die große Schwäche des Romans. Aber immerhin ist Lenchen doch eine tragende Figur. Sie denkt an ihre schwierigen Beziehungen zu 3 Männern, von denen keine richtig abgeschlossen und auch keine viel Potenzial bietet. Ihr aktueller Freund Karl ist mit dabei, aber er ist besonders unsympathisch. Man hofft auf Leser auf den jungen Mann, der ebenfalls zu den Mitreisenden gehört und der besser zu Lenchen passen würde.
Der Roman ist 1937 im Exil geschrieben, doch weder das Alter noch die Situation spürt man dem Buch besonders an. Es gibt einige humorvolle Beschreibungen, aber eine Komödie wird das Buch nicht, da auch tragische Momente die Handlung prägen.
Ich mag Irmgard Keuns Romane sehr und war daher froh, diesen als Neuveröffentlichung lesen zu können. Es steckt eine Menge in dem Buch, ein zweites Lesen dürfte sich lohnen.
Aus Liebe zur Dichtung
D-Zug dritter Klasse von Irmgard Keun
In Gewahrsam ist eine Wiederveröffentlichung eines 1987 schon einmal unter anderen Titel erschienen Romans der indischen Schriftstellerin Anita Desai. Damals hieß das Buch „Die Hüter der wahren Freundschaft“. Der Roman wurde im Original 1984 geschrieben und gilt als einer der besten der Autorin.
Zu Recht, wie ich finde, obwohl auch andere Bücher von ihr sehr gelungen sind.
Kurz zur Handlung: Der Lehrer Deven wird von seinem alten Freund, dem Herausgeber Murad angesprochen, eine Artikel für seine Zeitschrift zu schreiben. Es soll ein Beitrag über den alten, sehr bekannten Lyriker mit dem ungewöhnlichen Namen „Nur“ gehen. Nur ist einer der bedeutendsten Autoren der Urdu-Dichtung, doch er befindet sich in einer Schaffenskrise und hat lange nichts veröffentlicht. Zwischen den Sprachen Hindi und Urdu herrscht Konkurrenz, Urdu gilt vielen als zu gehoben und politisch anders motiviert. Die Gegensätze der doch sehr ähnlichen Dialekte werden von Desai in geschickter Art thematisiert.
Deven ist anfangs sehr zögerlich, schließlich aber bereit den Meister in Delhi aufzusuchen, da er ihn und seine Gedichte bewundert. Bei der ersten Begegnung ist Deven schockiert vom Zustand des alten Mannes, der im Streit mit der Familie lebt und dem Alkohol zu sehr zugetan ist. Hinzu kommt die Schreibblockade, doch Nur spürt Devens Bewunderung und will ihn schließlich als Sekretär, dem er seine Biographie erzählen will. Aber da gibt es noch einige Hindernisse zu überwinden.
Die Art, wie das Buch geschrieben ist, zeigt eine Parodie auf den Literaturbetrieb, es ist aber keine Satire im eigentlich Sinne, den Anita Desai gestaltet ihre Figuren realistisch, als am Leben leidende und zaudernde. Dazu überzeugt das Buch als Literatur über Literatur und Sprache. Diese Form ist sehr überzeugend.
Sprachlich ist der Roman fein ausgestaltet, ein Genuß. Schade, dass das Buch damals nicht den renommierten Booker-Preis gewann, obwohl es auf der Short-List stand. Den gewann dann ca. 20 Jahre später Anita Desais Tochter, Kiran, die ebenfalls Schriftstellerin wurde.
Anita Desai war in Deutschland nie so bekannt, aber doch erschienen einige Bücher von ihr. Die letzten Jahre wurde es aber still um ihre Werke in Deutschland. Sehr löblich, dass der vergriffene Roman jetzt wieder verfügbar ist. Hoffentlich erscheinen noch weitere.
Eigenwillig und Klug
Stille von Kagge Erling
Wer denkt, dieses Buch würde einen sofort zur Stille führen, die ja auch innerlich gemeint sein kann, im Sinne von Ruhe und Ausgeglichenheit, sollte sich bewusst sein, dass das Eigeninitiative benötigt und der norwegische Autor einem lediglich Möglichkeiten zeigen kann, die er selbst erlebt hat. Nicht jeder Leser wird sich gleich zum Südpol aufmachen können, New York hingegen habe ich schon besucht und die New York-Brücken-Passagen kann ich mir gedanklich vorstellen.
Auch habe ich selbst die Stadt zu großen Teilen zu Fuß abgelaufen. So ergibt sich manchmal Nähe zum Autor, mehrfach natürlich auch Distanz.
Erling Kagge schreibt viel kluges, zum Beispiel über Langeweile oder Luxus, über Musik und Kunst sowie Lyrik.
Es erstaunt mich, dass Kagge sich öfter auf den deutschen Philosophen Martin Heidegger bezieht, zu dessen Werk er anscheinend eine Nähe hat. Er nennt noch ein paar andere, ganz unterschiedliche Denker, die Einfluss hatten, wie Oliver Sacks, Jon Fosse, Kierkegaard und Wittgenstein. Auch das macht Sinn.
Das Buch ist eigenwillig, vielleicht anders als erwartet. Der interessierte Leser sollte sich offen und neugierig zeigen.
Tanz der Emotionen
Stille von Kagge Erling
Man kann problemlos in diese Krimireihe einsteigen.
Am Anfang des Romans spürt man den Blues, den Eva Sturm nach einer Trennung und weitgehender Isoliertheit in der Langenooger-Inselgemeinschaft hat. Aber als ein Fall mit einer abgetrennten Hand in einem Hotelbett auf sie zukommt, ist sie bei der Ermittlung voll dabei.
Doch der Fall ist rätselhaft, das es zu der abgetrennten Hand keinen zugehörigen Mann zu geben scheint.
Hinzu kommt der Umstand, dass auch noch ein alleinerziehender Vater mit seinem kleinen Sohn aus dem Hotel spurlos verschwunden sind.
Moa Graven gelingt es, in kurzen Szenen die Gemütsverfassung, meist eine nicht besonders gute, ihrer Figuren zu portraitieren, und zwar so, dass man sie als Leser nachvollziehen kann. Etwa die von Annika, die arbeitslos und alleinerziehend ist, oder die von dem jung verwitweten Sebastian.
Moa Graven arbeit viel mit Atmosphäre, ohne sich dabei in lange Beschreibungen zu verlieren. Auch die Inselmotive werden nicht überbetont. Das finde ich gut, aber manche Leser würden sich hier vielleicht mehr wünschen.
Mit Eva Sturm hat die Autorin eine Protagonistin, die den Roman trägt. Eva versteht es zu genießen, hat aber aufgrund früherer Erlebnisse auch eine Hang zur Düsterheit und Misstrauen.
Der Kriminalfall überzeugt mich nicht ganz, aber in seiner Gesamtheit funktioniert der Roman.








