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Rezensionen von yellowdog:
lakonisch
Wie Frau Krause die DDR erfand von Kathrin Aehnlich
In Katrin Aehnlichs satirisch angehauchten Roman geht es um die andauernde Fremdheit zwischen Ost- und Westdeutschen. Mit der Protagonistin Isabella Krause gibt es eine sympathische Protagonistin. Eine optimistische Frau von 49 Jahre alt, eine unbedeutende Schauspielerin in kleinen Rollen, die jetzt doch mal eine entscheidende spielen kann.
Ihre Aufgabe, Leute für eine Fernsehserie auszuwählen, die über die damalige DDR erzählen. Doch auf Anhieb schmeckt den deutschen Produzenten nicht, was sie zu sehen bekommen. Wenn sich die erwartenden Klischees nicht erfüllen, ist das ein Grund zur Skepsis. Doch Isabella hat noch einen Einfall.
Ein feines Buch, bei dem mich aber auch nicht erstaunt, das es bei Antje Kunstmann bei einem unabhängigen Verlag erschienen ist.
Überzeugt mich nicht so ganz
Meine wunderbare Frau von Downing Samantha
Der Roman Meine wunderbare Frau ist das Debüt der US-amerikanischen Schriftstellerin Samantha Downing. Das Buch erschien im Original unter dem Titel My Lovely Wife und erhielt viele positive Rezensionen.
Der Roman stellt ein nur vorgeblich normales Paar in den Mittelpunkt. Der Icherzähler ist mit seiner Frau Millicent seit 15 Jahren verheiratet, sie leben in einem Vorort, haben zwei Kinder und wirken durchschnittlich.
Er ist Tennislehrer, sie verkauft Immobilien. Schön bürgerlich also. Aber sie haben auch gemordet.
Das man mit negativen Protagonisten gute Literatur erschaffen kann, hat schon Patricia Highsmith mit ihrem Ripley bewiesen. An den kommen Samantha Downings Helden nicht ran, dafür sind sie zu zweit.
Das könnte faszinieren, aber der Roman hat einige Schwachpunkte. Die Handlung kommt nur schwer in Fahrt und stilistisch ist es eher fad.
Ganz gut gemacht sind noch die Passagen, die beschreiben wie er Millicent kennengelernt hat und sie ein Paar wurden.
Es fehlt mir aber leider an der psychologischen Gestaltung der Figuren viel. Sie bleiben einfach zu flach und unausgelotet. Die Story wird konsequent aus der Sicht des namenlosen Mannes erzählt und dieser Typ ist eher leer, Seine Frau wird mehr oder weniger dämonisiert. Das verhindert, das man einen Einblick in ihre Psyche, die offensichtlich stark beschädigt ist, bekommt.
Letztlich scheitert der Thriller für mich an dieser Erzählart. Ich konnte nicht wirklich in die Geschichte abtauchen.
Richtig Spannung kommt nur bedingt auf. Erst als es in der zweiten Hälfte noch Wendungen gibt, wird es interessanter, aber nicht glaubwürdiger.
Es gab dieses Jahr schon einige sehr gelungene Thriller-Debüts. Dieser gehört aus meiner Sicht nicht unbedingt dazu.
Besondere Momente
Träume am Ende des Weges von Michael Böhm
Der Autor dieses Buches schreibt über Momente im Leben berühmter Persönlichkeiten und nicht selten erzählt er dabei auch ein ganzes Stück ihrer Biografie.
Es ist kein besonders wichtiges Buch, aber doch gut lesbar.
Wenn Michael Böhm die Gedanken oder Gespräche dieser Leute zeigt, sind sie ein Stück fiktiv.
Das muss man sich bewusst sein als Leser, ansonsten ist an dieser Vorgehensweise nichts auszusetzen. Ein wenig pathetisch geht es manchmal zu, aber das ist nicht schlimm.
Die Auswahl ist interessant. Mich überzeugen am meisten die Texte über Schriftsteller, z.B. Lawrence Durrell, das ist auch die titelgebende Geschichte.
Aber auch Maler oder Musiker, wie Verdi, kommen vor.
Der längste Text ist ein Essay über Heinrich der Seefahrer.
Sehr schön ist der informative Text über Fontane. Ich mag auch die Stimmung in der John Steinbeck sich befindet, als er Jenseits von Eden schreibt.
Meine absolut favorisierten Texte sind aber die, wo der Autor Begegnungen zweier Persönlichkeiten schildert: Monet und Maupassant sowie Die Spaziergänger von Montgnola. Das sind Hermann Hesse und Thomas Mann, gute Freunde seit langen. Im Mittelpunkt der Besuch Thomas Manns bei Hesse im Jahr 1934. eine schwierige Zeit, aber durch die gemeinsam verbrachten Stunden, entsteht eine Gelöstheit.
Das ist wirklich gut geschildert und ein wenig dieser Atmosphäre überträgt sich auf mich beim Lesen. Ich denke, das ich noch mehrmals zu diesem Buch greifen werde.
Durchschnitt
Kalte Schuld von Leo Born
Der Kurzthriller Kalte Schuld ist Teil der Reihe um die Polizistin Mara Billinsky von Leo Born. Schon lange wollte ich was davon lesen, doch die Befürchtung, es wären nur weitere 08/15-Krimis haben mich bisher abgehalten. Doch Kalte Schuld ist gerade mal 150 Seiten lang und schnell gelesen. Tatsächlich weicht die Handlung nicht viel vom Üblichen ab: übertrieben grausame Morde, sadistische Schurken, toughe Polizisten.
Was den Text zu etwas besonderen macht, ist die Hauptfigur Mara Billinsky, genannt die Krähe. So kaltschnäuzig und nervenstark ist nicht jede Ermittlerin, dabei bleibt sie bis z einem gewissen Grad unangepasst.
Immerhin ermittelt sie aber doch zusammen mit ihrem Kollegen Jan Rosen im Team. Das gibt Gelegenheit zu guten Dialogen bei den Verhören. Unterbrochen auch mal von einem Abschnitt aus der Sicht des Auftragskillers Chul Hong. Spannung ergibt sich aus der Frage, ist der Mörder ein Serientäter oder handelt es sich um eine Einzeltat? Aber auch nicht sehr viel. Ohne die überzeugende Hauptfigur ist der Plot nicht überzeugend.
Ich war zufrieden beim Lesen, aber es bleibt am Schluss zu wenig hängen und ich habe auch nicht das Gefühl, unbedingt die anderen Teile der Serie lesen zu müssen.
Ein Roman in Überlänge
Brüder von Jackie Thomae
Brüder ist ein Roman um zwei Brüder, Mick und Gabriel.
Jackie Thomaes Debütroman Momente der Klarheit von 2015 hatte mich damals nicht so ganz überzeugt, daher habe ich zu Brüder hauptsächlich deswegen gegriffen, weil es immerhin in der Shortlist für den Deutschen Bücherpreis ist. Leider wurde ich leicht enttäuscht.
Es gibt zwar viele sprachlich gut gemachte Passagen, aber die Themen werden nicht klar herausgebracht und eigentlich bleibt alles banal und oberflächlich. Den Gedanken des Protagonisten Mick, insbesondere in der ersten Hälfte, fehlt jegliche Tiefgründigkeit. Das ändert sich in der zweiten Hälfte mit Gabriel als Hauptfigur. Da gibt es auch ein paar außergewöhnliche Szenen und mehrere Erzählperspektiven.Trotzdem bleibt es leider so, dass mich die Ereignisse kaum berühren.
Dabei ist die Geschichte zweier Halbbrüder mit dunkler Hautfarbe nicht uninteressant. Teilweise handelt es in der DDR und der Nachwendezeit, mit Gabriel auch in den Nullerjahren in London bis in die Gegenwart. Man hätte aber wirklich mehr daraus machen können.
Lesegewohnheiten aufbrechen
Mutter brennt von Sophie Reyer
Schon das expressionistische Cover verrät, dass Mutter brennt kein allzu gemütliches Buch sein wird.
Die österreichische Schriftstellerin Sophie Reyer entwirft hier eine ungewöhnliche Familiengeschichte, bei der lange unklar ist, was real, was eingebildet ist.
Louise ist eine Frau mit 2 Kindern, Ina und Clemens.
Aber gibt es diese wirklich? Ihr Exmann bestreitet, das sie Kinder haben.
So ist man als Leser schon früh irritiert und aus gerade diese Unsicherheit ergibt sich eine Spannung. Die Geschichte bezieht auch Sophie Mutter Eva mit ein, die vor ein paar Jahren gestorben ist und dich noch so allgegenwärtig scheint. Vor ihrem Tod war sie schon nicht mehr zurechnungsfähig.
Auch Sophies magersüchtige Tochter Ina gerät irgendwann in einen katatonischen Zustand.
Manche Passagen vermögen zu faszinieren, andere sind aber fast abstoßend geschildert. Ein wohlfühlen beim Lesen sollte man nicht erwarten, aber dieses Unbehagen ist gewollt, um Lesegewohnheiten aufzubrechen.
Es ist ein Roman auf den man sich einlassen muss.
Das Buch ist für den österreichischen Buchpreis nominiert. Man darf gespannt sein, wie es von der Jury aufgenommen wird.
Morde in der Filmbranche
Tödlicher Schnitt von Oliver Schütte
Tödlicher Schnitt von Oliver Schütte ist ein Krimi, der teilweise im positiven Sinne fast altmodisch anmutet. Interessant ist der Ansatz, den Fall in Filmmilieu spielen zu lassen.
Ein erfolgreicher amerikanischer Schauspieler wurde in Deutschland ermordet. Also ermitteln die deutsche Kommissarin Eva Lenz und der amerikanische Polizist Nic Cassidy gemeinsam.
Die beiden werden ein gutes Team. Privat haben sie gemeinsam, dass sie beide in der nahen Vergangenheit einen Verlust hinnehmen mussten und darüber noch nicht wirklich hinweg sind.
Die Ermittlung konzentriert sich auf die Leute aus dem Filmgeschäft, von Filmemacher, Schauspieler, Drehbuchautor bis Fahrer. Es wird eigentlich ein relativ negatives Bild über die Branche gespiegelt. Filminhalte treiben anscheinend auch den Mörder an, denn manche Motive seiner Taten erinnern an Szenen bekannter Filme. Einige Filme werden genannt oder zitiert: Basic Instinct, Sieben, Sunset Boulevard, Arsen und Spitzenhäubchen, Vertigo.
Diese Filme kennt fast jeder und das Stilmittel setzt natürlich auch Bilder im Kopf des Lesers in Bewegung. das war gut gemacht, während mich Auflösung des Falls und Finale nicht sehr bewegten. Ich gebe daher 3,5 von 5 Sternen!
Der Himmel in Kobaltgrün
Tödlicher Schnitt von Oliver Schütte
Dieses Buch ist ein Versuch, der Neugier auf die Spur zu kommen. Die Autorin Susanne Niemeyer unterscheidet dabei zwischen Neugier und Voyeurismus. Das halte ich für wichtig, denn das eine zeugt von Anteilnahme, das andere ist purer Eigennutz und schädlich.
Die gesunde Neugier kann auch verloren gehen, zum Beispiel im Alltag.
Susanne Niemeyer ist daher dem Lebensgefühl auf der Spur, in der Neugier positiv besetzt ist und viele kurze Abschnitte sind mit richtungsweisenden Schlagwörtern besetzt. Ihr eigenes Leben nutzt sie als Pfad für die Suche und gelangt dann auch in die Lebensabschnitte der Vergangenheit, der Kindheit und der Familie.
Wieder ein sehr schönes Buch vom Herder-Verlag!
philosophisch
Tödlicher Schnitt von Oliver Schütte
Der italienische Lehrer Enrico Galiano erzählt in seinem Debütroman von einem sensiblen Teenager mit Problemen. Die sechzehnjährige Giola lebt mit ihrer kranken Großmutter und versoffenen Mutter alleine und ziemlich ärmlich. Der gewalttätige Vater ist nur manchmal da. In der Schule wird sie gemobbt, unter anderem auch, weil sie sich nicht anpasst.
Folglich ist sie sehr alleine. Sie hat sogar eine imaginäre Freundin erfunden, mit der sie sich unterhält. Dieser Aspekt wird später in der Handlung noch die Frage aufwerfen, was ist Realität, was stellt sie sich vielleicht nur vor.
Als sie den 18jährigen Lo kennen lernt und sich verliebt, scheint es eine Wende in ihrem Leben zu geben. Doch Lo ist auch rätselvoll und verrät nicht viel von sich selbst.
Als er eines Tages verschwindet, will Giola das nicht ohne weiteres hinnehmen und forscht in der Vergangenheit.
Der Roman geht den Weg zwischen Anspruch und Unterhaltung, was natürlich okay ist. In der ersten Hälfte ist der Roman meiner Meinung nach brillant, da er den Zustand eines isolierten Mädchens so eindringlich und originell darstellt. es wird auch klar, wie sensibel, fantasievoll und künstlerisch begabt Giola ist, zum Teil wird das durch die Gespräche mit Philosophie-Prof. Bove deutlich, die sich auf einem hohen Niveau bewegen. Was ist wichtig im Leben, was nicht.
In der zweiten Hälfte ist das Buch zwar tempovoller, aber nicht mehr ganz so zwingend.
Die Handlung um Lo wirkt doch zu konstruiert.
Es bleibt aber eine interessante Geschichte um die Weiterentwicklung der Protagonistin und es hat Spaß gemacht, das Buch zu lesen.
Lebhafter Krimi
Tod am Aphroditefelsen von Yanis Kostas
Yanis Kostas hat schon unter anderen Namen Romane geschrieben. Er ist also kein Anfänger sondern schreibt im Gegenteil sehr routiniert. Schauplatz ist das griechisch-zypriotische Dorf Kato Kontrafa. Lebensart und Stimmung hier ist sehr bestimmend für den Plot und die Atmosphäre.
Sofia Perikles ist engagiert, landet aber durch veränderte politische Verhältnisse in diesem griechisch-türkischen Grenzgebiet.
Über die Protagonistin habe ich mich anfangs gewundert. Ihre Gedanken ähneln denen typischer Hauptfiguren von Chicklit-Büchern. Der Humor ist auch vergleichbar damit. Aber gestört hat mich das kaum, da sich der Plot in gutem Tempo und auf originelle Art entwickelt.
Tod am Aphroditefelsen ist ein lockerer Roman. Lebhaft und freimütig erzählt, auch humorvoll, dabei durchaus sorgfältig geschrieben. Wahrscheinlich wird es Fortsetzungen geben und wenn ich dafür in Stimmung bin, würde ich Yanis Kostas wieder lesen.









