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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von CanYouSeeMe:

Prager für Polina

Für Polina von Takis Würger

Wie üblich beim Diogenes-Verlag finde ich die Covergestaltung wunderbar. Das Gemälde von Jan Sluijters »Portrait of a Girl« passt hervorragend zum Klappentext und bringt damit eine gewisse Harmonie in den Gesamteindruck.
Was mich dann aber doch überrascht hat, ist die Großartigkeit von Takis Würgers Geschichte.

Ich habe mir eine nette Geschichte erhofft und habe so viel mehr bekommen. Dabei erzählt Würger in einem fesselnden und beschreibenden Sprachstil, der die Seiten nur so dahin fliegen lässt. Alle Personen in diesem Buch sind für sich spannende Charaktere, die Mischung und Entwicklung dieser macht es spannend und ließ mich alle in mein Herz schließen. Allem voran Hannes Prager, der in seiner speziellen Art durch das Leben zu gehen ein besonders interessanter Protagonist ist. Einzig Polinas Beschreibung "tu nicht so autistisch" hat mich an den Charakterdarstellungen etwas gestört, das wirkte wie ein Label, das es in diesem Buch zu keiner Stelle gebraucht hat.
Die Handlung als solche ist durchaus zügig, jedoch sehr unaufaufgeregt erzählt, so dass ich immer gut im Tempo mitgekommen bin.
Insgesamt konnte mich "Für Polina" auf ganzer Linie überraschen, berühren und begeistern - ein Highlight zum Jahresbeginn!

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Der König von Os

Der König,2 Audio-CD, 2 MP3 von Jo Nesbø

"Der König" von Jo Nesbø ist in der Hörbuchfassung von Sascha Rotermund gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. Mir sind Hörbücher meist zu langsam eingesprochen. Die Stimme des Sprechers kann ich daher nur bedingt einschätzen, aber auch bei höherer Geschwindigkeit war diese noch sehr angenehm zu hören.

Betonungen kamen gut heraus und haben den Inhalt unterstützt.
Dieses Buch ist der nachfolgende Band zu Nesbøs "Ihr Königreich" und es ist notwendig diese Story zu kennen, um im aktuellen Buch inhaltlich mitkommen zu können. Das voranstehende Buch habe ich sehr gern gelesen und mich vollkommen in dieser Erzählung verlieren können - mit "Der König" gelang mir dies nicht so gut. Hauptprotagonist ist Roy, die Handlung setzt an die Geschehnisse des vorigen Buches an. Die Charakterdarstellung ist dem Autor sehr gut gelungen, selten habe ich so vielschichtige und undurchschaubare Charaktere erlebebt wie die Brüder Opgard. Auch die Nebencharaktere sind anschaulich und gleichsam düster dargestellt - ich konnte mir von allen ein gutes und detailliertes inneres Bild machen. Weiterentwicklungen oder Wendungen konnte ich zumeist nicht in Gänze vorahnen. Diese düstere Stimmung innerhalb der Charakterdarstellung zieht sich auf den gesamten Plot.
Das Erzähltempo war zügig, die Handlungen für mich nicht immer nachvollziehbar und vor allem auch sehr gewaltvoll. Das hat mir in der Masse nicht ganz so gut gefallen.
Zwischenzeitlich habe ich für mich auch den roten Faden und damit das Interesse an der Geschichte verloren, der Spannungsaufbau war für mich nicht stringent.
Insgesamt hat mir das Buch durchaus gefallen, von einigen Dämpfern abgesehen.

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atmosphärisch

Unmöglicher Abschied von Han Kang

Nachdem ich über "Die Vegetarierin" auf Autorin Han Kang aufmerksam geworden bin, war ich sehr gespannt auf ihr aktuellstes Werk. Dabei wird schon im Klappentext deutlich, dass hier reale koreanische Geshichte mit einer fiktiven Geschichte verknüpft wird.
Die Sprache in Übersetzung durch Ki-Hyang Lee liest sich flüssig, ist jedoch auch durchaus umschreibend und poetisch.

Der Storyaufbau gliedert sich in drei Teile, wobei mich die Konstruktion um die beiden Freundinnen Inseon und Gyeongha doch teils verwirrt hat. Unklare Handlungsverläufe und Zwischentöne kannte ich bereits von Autorin Han Kang, dennoch bin ich hier an meine persönlichen Grenzen gestoßen: Wer lebt und wer ist tot? Die Erzählung bewegt sich fließend auf der Grenze zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit. Diese Frage (Was ist real?) hat mich mitunter mehr beschäftigt als die eigentlich zugrundeliegende Story: die Aufarbeitung der Massaker auf Jeju.
Trotz der Schilderung brutaler Morde legt Kang den Fokus auf die zwischenmenschlichen Ebenen, auf persönliches Leid, Wachstum und Entwicklung. Das hat mir gefallen. Ich hatte zwischenzeitlich das Bedürfnis mich zu den historischen Kontexten belesen zu mmüssen, um besser zu verstehen. Andererseits sind Kriegsverbrechen oft unverständlich, egal wie viele Fakten man kennt.
Insgesamt hat mir das Buch gefallen, es hat mir aber auch Fragezeichen hinterlassen und wirkt mehr durch die besondere Atmosphäre, die es zu schaffen vermag.

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Hades

The Games Gods Play - Schattenverführt (Schattenverführt-Reihe 1) Schattenverführt-Reihe von Abigail Owen

"The Games Gods Play – Schattenverführt" von Abigail Owen ist in der Hörbuchfassung von Franziska Trunte gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. Mir sind Hörbücher meist zu langsam eingesprochen.

Die Stimme der Sprecherin kann ich daher nur bedingt einschätzen, aber auch bei höherer Geschwindigkeit war diese noch sehr angenehm zu hören. Betonungen kamen gut heraus und haben den Inhalt unterstützt. Auch in erhöhter Geschwindigkeit hat mir Truntes Stimme hervorragend gefallen und die Sprecherin hat es geschafft eine ganz eigene Spannung in die Handlung zu übertragen.
Dieses Buch wird als "Eine epische Romantasy mit knisterndem Spice, dramatischem Plot und einer faszinierenden Welt der griechischen Mythologie, aus der man nicht mehr auftauchen mag." beworben und was soll ich sagen - genau so ist es!
Das Wolrdbuilding hat mir gefallen, eine scheinbar moderne Welt, in der die griechischen Gottheiten eine zentrale Rolle spielen und eine gewisse Magie dadurch Teil ist hat mir gut gefallen. Die Crucible-Spiele erinnern etwas an "Die Tribute von Panem", was einen spannenden Twist in die handlung bringt. und ausreichend neue Details hat um nicht wie ein Abklatsch zu wirken.
Lyra als Protagonistin war mir auch sehr sympathisch - und Hades... ach Hades. Den Gott der Unterwelt als Love-Interest zu platzieren finde ich sehr gelungen. Dabei ist das Maß an Spice moderat, was für mich in diesem Buch absolut ausreichend und gut platziert ist. Die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen den beiden gefiel mir sehr gut und tatsächlich habe ich die Story nicht aus den Händen legen wollen - ein echter Pageturner für mich.
Dieses Buch ist Band 1 und dank der Endung warte ich nun sehr gespannt auf den kommenden Teil.
Für mich ein absolutes Highlight dieses Jahres - uneingeschränkte Leseempfehlung!

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Calder Academy

Sweet Nightmare von Tracy Wolff

Nachdem ich die Katmere-Academy Reihe der Autorin Tracy Wolff sehr gern gelesen habe, war ich sehr gespannt auf den Auftakt zur neuen Reihe, die in der Calder Academy spielt. Wer in der vorangegangenen Serie aufgepasst hat, hat auch schon einmal von ihr gehört - und wird einige bekannte Gesichter wiedersehen.

Erzählt wird die Handlung aus der Sicht von Protagonistin Clementine, Schülerin und Tochter der Rektorin der Academy. Dabei befinden wir uns in der gleichen paranormalen Welt, in der auch die Katmere-Academy Reihe spielte - nur sind hier viel mehr und bisher undbekannte Paranormale vertreten. Es hat mir gefallen, dass die Welt ein wenig facettenreicher wurde, allerdings sind hiermit auch viele Fragen, die für mich noch offen und ungeklärt sind, aufgekommen. Hier hoffe ich auf die weiteren Bücher der Reihe, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Clementine ist eine interessante Protagonistin, die mir auf Anhieb sympathisch war. Auch Jude, der eine größere Rolle einnimmt und im Epilog Erzählstimme ist, war mir sympathisch. Die Protagonist:innen waren nicht zu eindimensional und platt dargestellt, auch die Nebencharaktere waren ausreichend gut porträtiert.
Die Handlung als solche hat mir gut gefallen, wirkte an der ein oder anderen Stelle jedoch auch etwas zu sehr in die Länge gezogen. Insgesamt habe ich immer wissen wollen, wie es weiter geht und das Buch innerhalb kurzer Zeit ausgelesen gehabt. Sprache und Schreibstil in Übersetzung durch Michelle Gyo lasen sich gut und zügig. Die Autorin arbeitet hier viel mit englischen Wortwitzen, die gut in die Übersetzung eingearbeitet wurden - so blieb vieles sehr authentisch.
Ich freue mich auf den kommenden Band, um noch mehr über diese paranormale Welt zu erfahren.

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Freiheit

Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O’Mahony

Nach dem Lesen des Klappentextes war ich mir immer noch nicht so recht sicher, was mich bei der Lektüre von Jacqueline O’Mahonys "Sing, wilder Vogel, sing" erwartet. Im Endeffekt habe ich dieses Buch als sehr packenden, mitreißenden Roman mit einer interessanten und eigensinnigen Protagonistin erlebt.

Hintergrund der Handlung bildet die Doolough-Tragödie, die mir tatsächlich kein Begriff war und welche ich zunächst nebenher recherchieren musste. Die Einbettung in einen realen geschichtlichen Kontext hat mir gut gefallen und hat der Handlung noch etwas mehr Tiefe gegeben. Dabei ist die Handlung in verschiedene Teile eingeteilt, die mit leichten Zeitsprüngen Protagonistin Honora durch Etappen ihres Lebens begleiten. Dabei erlebt sie viele einschneidende und belastende, sicherlich auch traumatisierende Dinge, die sich teils immer wieder in ihr Bewusstsein schieben, von Honora aber stark in den Hintergrund ihrer Gedankenwelt geschoben werden. Immer voran steht ihr unbändiger Wille nach Freiheit, dem sie mit jeder Faser ihres Seins nachhängt.
Den Schreibstil in Übersetzung durch pociao und Roberto de Hollanda habe ich als sehr angenehm und flüssig zu lesen erlebt.
Letztendlich wollte ich dieses Buch gar nicht aus der Hand legen und habe es innerhalb eines Wochenendes ausgelesen.

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Brüder und Schmerz

Intermezzo von Sally Rooney

Bücher der Bestseller-Autorin Sally Rooney gefallen mir nicht immer gut. Daher war ich gespannt, wie mir ihr neustes Werk "Intermezzo" in Übersetzung durch Zoë Beck gefallen wird. Und hier bin ich wirklich positiv überrascht worden.
Die Handlung wird aus der Perspektive der beiden Brüder Peter und Ivan berichtet, die sich mehr oder minder in der Erzählung abwechseln.

Dabei gefällt mir besonders gut, dass die beiden Perspektiven stilistisch sehr klar voneinander abgrenzbar sind und jeder Bruder somit einen sehr eigenen und sofort erkennbaren Stil und Charakter inne hat.
Die Kapitel aus Peters Sicht sind deutlich abgehackter, stakkatoartig zu lesen, die Sätze sind kürzer, brechen mitten drin ab, wirken mitunter sehr wirr und ztusammenhanglos. Das liest sich für mich deutlich weniger flüssig und anstrengender, ist stilistisch jedoch gut gelungen. Daher wurde ich auch mit Peters Charakter nicht wirklich warum und ich konnte ihn bis zum Ende de sbuches kaum greifen - auch dies kann ein gewolltes Stilmittel sein...
Ivan hingegen war mir aber der ersten Seite sympathisch.
Die Handlung des Buches ist insbesondere in der Beziehungsarbeit zwischen den Brüdern und auch in der individuellen Bewältigung der Trauer über den Tod des Vaters zu sehen. Dabei spielt das Buch vor allem über die Atmosphäre und der Entwicklung der beiden Protagonisten. Spannungsgeladene Turning-Points finden sich in diesem Buch nicht.
Was meinen Lesefluss etwas gehindert hat war die fehlende Kennzeichnung der Dialoge.
Insgesamt ist "Intermezzo" ein Buch, das ich sehr gern gelesen habe, das mich mit seiner Atmosphäre und zwei besonderen Protagonisten für sich gewinnen konnte.

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verhinderte Queen

Wallis Simpson von Michaela Lindinger

Da ich mich für die britische Monarchie und vor allem auch für streitbare Charakere interessiere, war schnell klar, dass ich dieses Buch lesen werde. Wallis Simpson, Ehefrau des abgedankten Königs von England war mir bisher ein Begriff, viel intensiver habe ich mich jedoch nicht mit ihr beschäftigt.

Zuerst ist die wirklich wunderschöne Aufmachung des Buches zu betonen: Die Gestaltung gefällt mir wirklich sehr, das Buch liegt gut in der Hand und wirkt durch das feste Papier sehr wertig. Das knallige Rot springt auf jeden Fall sofort ins Auge, zieht Aufmerksamkeit auf sich und stellt einen guten Kontrast zu den schwarz-weiß Fotografien dar.
Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die verschiedene Stadien im Leben von Wallis wiedergeben. Zu Beginn des Buches fand ich die Schilderungen sehr um Edward zentriert, im Laufe des Buches hat sich dies jedoch gegeben.
Der Schreibstil von Autorin Michaela Lindinger war für mich zu Beginn sehr schwer zu lesen, die Formulierungen lasen sich umständlich, die Sätze teils sehr abgehackt. Zudem hatte ich oft den Eindruck, dass viel persönliche Bewertung eingeflossen ist, was mir in einer Biografie meist nicht so gut gefällt.
Insgesamt hätte ich mir vor allem in den einzelnen Kapiteln und spezifischen Aussagen einen klaren Hinweis auf die Belege gewünscht, denn so wirkte es, trotz des Quellenverzeichnisses zum Ende des Buches, teilweise wie die Wiedergabe von Klatsch und Tratsch. Insbesondere die Aussagen zur vermuteten Intersexualität von Wallis und der Homosexualität von Edward schienen nur geringfügig belegbar, haben hier jedoch einen elementaren Grundstein für die Charakterisierung der Beiden gelegt. Das ist schade, denn für mich hat das nachweislich an der Glaubwürdigkeit des kompletten Buches gerüttelt.
Insgesamt wird Wallis in dieser Biografie als sehr berechnende, machthungrige und intrigante Person beschrieben, ihr dritter Ehemann als dumm, kindisch und irrelevant. Nichts, was mich emotional an dieses Buch gebunden hat.
Im Endeffekt wird dies sicherlich ein fachlich korrekt recherchiertes Buch sein, mir haben jedoch teils die entsprechenden Verweise gefehlt und auch eine grundlegende Sympathie der Autorin ggü. der charakterisierten Personen. Der für mich sehr umständlich und voreingenommen lesende Schreibstil der Autorin hat nicht dazu beigetragen, dass ich diese Biografie gern gelesen habe.

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Freiheit?

The Freedom Clause von Hannah Sloane

Die grundlegende Idee dieses Buches finde ich sehr spannend: die etwas eingeschlafene Ehe durch eine "Freiheitsklausel" aufpeppen - aber klappt das wirklich? In diesem Buch begleiten die Leser:innen das Ehepaar Dominic und Daphne. Beide haben sich jung gefunden und früh geheiratet, die Idee dem Sexleben mit einer Freiheitsklausel auf die Sprünge zu helfen kam von Dominic (dass dieser Daphne dazu überredet hat und diese das zunächst so gar nicht toll fand, wird im weiteren Buch nicht weitre thematisiert).

In den folgenden fünf Jahren werden immer wieder bruchstückenhaft einige Kernmomente aus beiden Perspektiven geschrieben. Dabei liegt der Fokus in der Erzählung gar nicht so sehr in ausschweifenden sexuellen Abendteuern, sondern eher in der damit einhergehenden Charakterentwicklung - insbesondere bei Daphne. Dabei geht es schon schnell nicht mehr um die sexuelle Ebene.
Schnell wird deutlich, dass Daphne sich selbst kennen lernt, selbstbewusster wird und für sich einsteht. Und Ehemann Dominic bei dieser Entwicklung nicht hinterher kommt. Die Entwicklung fand ich nachvollziehbar und authentisch dargestellt, wobei ein deutlicher (feministischer) Fokus auf Protagonistin Daphne liegt. Dominic wurde von Jahr zu Jahr blasser, bis er nur noch eine Randfigur darstellte. Das kann stilistisches Mittel sein, um die Entwicklung von Daphne noch mehr zu betonen - mir pserönlich hat es jedoch nicht so gut gefallen. Ich glaube es hätte viel Potenzial mit der Auseinandersetzung dieser unterschiedlichen Entwicklung gegeben... Stattdessen entwickelt er sich scheinbar zum kompletten Arsch, der nicht gut auf seine Gefühle zugreifen kann und sich nicht sonderlich mit diesen auseinander setzt. Das war mir etwas zu klischeehaft und platt.
Insgesamt hat mir das Buch jedoch gut gefallen - es hat mich an einigen Stellen überraschen können, an anderen (sehr wenigen) Stellen hätte ich mir etwas mehr Tiefe und Ausführlichkeit gewünscht. Ein solides Debut, dass mich neugierig auf weitere Bücher der Autorin macht.

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schonungslos

Strong Female Character von Fern Brady

Fern Brady war mir als Stand-Up Comedienne bereits ein vager Begriff, dass sie Autismus hat wusste ich jedoch noch nicht. Da ich mich (auch beruflich) viel mit Autismus beschäftige, war klar, dass ich dieses Buch lesen muss.
Es fällt schwer autobiografische Texte zu bewerten, da der Inhalt nun einmal der ist, den die verfassende Person 1) bereit ist zu teilen und 2) in ihrem Leben erlebt hat.

Das kann und möchte ich auch gar nicht bewerten. Dabei ist Fern Brady in diesem Buch sehr offen und ehrlich, zum Teil für mein Gefühl zu sehr. Andererseits gibt sie damit einen schonungslosen und tiefen Einblick in ihr persönliches Erleben als Kind und junge Erwachsene ohne diagnostizierte Autismus-Diagnose. Sie beschreibt Schwierigkeiten, Fehldiagnosen und eine ganz persönliche Vulnerabilität, sich selbst nicht richtig zu verstehen.
Den Schreibstil, in Übersetzung durch Doreen Reeck, habe ich als angenehm zu lesen empfunden. Brady verzichtet auf ausschweifendes Drum-Herum-Erzählen, sondern kommt direkt zum Punkt. Einige wenige Punkte wiederholen sich durch die verschiedenen Kapitel hindurch, was jedoch nicht sonderlich störend ist oder repetitiv wirkt. Das Buch liest sich sehr locker und flüssig, wobei der angenehme und lockere Schreibstil durchaus im Kontrast zu den mitunter traumatischen geschilderten Erlebnissen steht. Ein Kontrast, der für viele Menschen im autistischen Spektrum typisch ist. Ein Punkt, der mir aus fachlicher Sicht nicht so gut gefallen hat, ist die Verallgemeinerung persönlicher Erfahrungen auf alle anderen Menschen im autistischen Spektrum, denn auch hier gibt es Menschen, die andere Erfahrungen / Verhaltrensweisen haben.
Im Großen und Ganzen habe ich dieses Buch jedoch sehr gern gelesen. Ich habe es als sehr autentischen und schonungslos ehrlichen Erlebnisbericht einer autistischen Person wahrgenommen, der im besten Fall etwas mehr Verständnis bei neurotypischen/allistischen Personen hervorrufen kann.

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