Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Wenn schlimme Wörter Katastrophen verursachen
Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich von Mary E. Garner
Hope Walker hat den Job... sie hilft, Männern die Frau fürs Leben zu finden. Solange bis in ihrer Partneragentur die Perfekte gefunden wird, hält sie die Suchenden bei Laune und schlüpft dafür in verschiedene Rollen. Ausserdem liest sie gern. Bei einem Besuch in einer Buchhandlung wird bei ihr eine ungewöhnliche Gabe erkannt: sie kann in Buchwelten schlüpfen.
Nicht nur das, sie kann auch einstmals gelöschte böse Wörter eliminieren. Das ist wichtig, weil diese sich sonst in katastrophale, unerklärliche Ereignisse in der „echten“ Welt verwandeln. Als wunderbarer Nebeneffekt erweist sich, dass sie bei ihren Reisen literarische Figuren, die oft nicht so sind, wie man sie aus Ihren Geschichten kennt, trifft. Unglaubliche Dinge geschehen. Trotzdem: ein Verräter, der viel Unheil bringen kann, muss entlarvt werden. Und dann hat Hope ja auch noch im wirklichen Leben einige Dinge zu klären.
Mary E. Garner hat eine wunderbare, phantasievolle Nebenwelt erschaffen. Was für aufregende oder unterhaltsame Erlebnisse werden beschrieben, was für überraschende Begegnungen finden statt. Wer hätte gedacht, dass Bambis Vater gern einen kleinen Schwips hat und singt? Oder dass Lassie... soll sich jeder selbst ein Bild machen. Spannend, lustig, romantisch und kreativ ist „Das Buch der gelöschten Wörter“ auf jeden Fall. Es endet mit einem fiesem Cliffhänger. Auf die Fortsetzung warte ich mit Ungeduld.
Bestens zu Lesendes aus der Bastei-Lübbe AG.
11 Meter tief
Marianengraben von Jasmin Schreiber
11000 irgendwas, so tief ist Paula in den Abgrund ihrer Trauer gestürzt. Zwei Jahre ist es her, dass ihr kleiner Bruder tödlich verunglückte und nichts mehr so ist, wie es war. Eine extreme Depression beherrscht ihr Leben, sie gibt sich die Schuld und kann an nichts anderes als an ihren Bruder denken.
Auf ungewöhnliche Weise lernt sie Helmut, einen über Achtzigjährigen mit einer Mission, kennen. Auch er hat ein trauriges Schicksal, ist brubbelig und direkt. Beide schenken sich nichts, sind direkt bis an die Schmerzgrenze und helfen sich genau dadurch.
Jasmin Schreiber hat eine zutiefst emotionale Reise beschrieben, bewahrt mit diesem Roman ihrem Bruder ein liebevolles Gedenken und lässt den Leser teilhaben an einer wunderbaren Geschwisterliebe. Unglaublich, aber auch ein feiner Humor ist spürbar und ein Weg zurück in eine optimistische Einstellung wird sichtbar. Sehr angenehm, dass die Kapitelüberschriften die 11000, symbolisch für die Tiefe des titelgebenden Marianengrabens auf 0 abgebaut werden und so einen schweren Weg verdeutlichen.
Eine wunderbare und ergreifende Lektüre.
Es kann nur Eine/n geben
Vengeful - Die Rache ist mein von V. E. Schwab
Wenn der größte Feind unsterblich ist... wie kann man ihn besiegen? Egal, ob man ihn erschießt, das Herz herausschneidet, ihn Stromstößen aussetzt - sein Körper regeneriert sekundenschnell. Er ist ja auch ein EO. Davon gibt es einige, frühere Menschen die ihren Tod überlebt haben und nun über besondere Fähigkeiten verfügen.
Zum Beispiel können sie: alle Waffen abwehren, Tote wieder erwecken, andere Gestalten annehmen, alle Materialien zu Asche verbrennen oder Schmerzen zufügen. So wie Victor Vale, Erzfeind vom unsterblichen Eli Evers. Plan: es kann nur Einen geben!
V. E. Schwab schreibt wie schon im ersten Teil spannend. Die Unrast ihres Protagonisten überträgt sich sogar auf den Leser, viele EOs werden mit verschiedensten Fähigkeiten ausgestattet, eine neugegründete Regierungseinheit wird auf die Jagd nach ihnen angesetzt, sadistische Forscher sezieren Gefangene. Während viele EOs möglichst unauffällig bleiben möchten, gibt es auch rachedurstige und mysteriöse. Diese sind besonders interessant. Natürlich begegnet man auch wieder den sympathischeren Typen, eine gute Mischung.
Verwirrend: nicht chronologische Sprünge in die Vergangenheit.
Trotzdem mochte ich diesen Fantasy-Thiller aus dem S. Fischer Verlag sehr. Aus dem Amerikanischen ünersetzt von P. Huber und S. Riffel.
Auf Männersuche durch Amerika
Thirty von Bradley Christina
Bella hat bald Geburtstag, den 30. Was sie nicht hat: eine Karriere, einen Mann, ein Haus. Panik! Sie flieht vor im Stich gelassenen Freundinnen und vor einem ignoranten Chef zunächst zu einer Wahrsagerin, dann nach New York und bekommt von ihrer besten Freundin den Rat, in 30 Tagen 30 Dates zu absolvieren.
Da muss doch DER EINE dabei sein. Es folgt eine Odyssee quer durch die Staaten, interessante, lustige, skurrile und abenteuerliche Begegnungen finden statt. Quer durch die Männerwelt geht die Reise. Einige Typen würde man gern selber kennenlernen, einige mit der Kneifzange nicht anfassen. Manche Überraschung ist auch dabei. Über alle erstattet Bella bereitwillig und ausführlich Bericht.
Christina Bradley gelingt es, wirklich total unterschiedliche Dates zu beschreiben, Bella nimmt alles mit, was ihr begegnet. Macht sie nicht unbedingt sympathisch, liefert aber abwechslungsreichen Lesestoff.
Die ganze Zeit bleibt die Frage: wer von allen wird Mr. Right?
Unterhaltsames aus dem Ullstein Verlag.
Emilias Tortenträume
Kann Gelato Sünde sein? von Tessa Hennig
Gern wäre ich Emilias Gast, sie kann so wunderbar backen. Die Bewunderung ihrer Freundinnen ist toll, reicht ihr aber nicht. Also wird zum 60sten ein Überraschungsbesuch beim in Italien studierenden Töchterchen geplant. Nur: die studiert gar nicht, sondern plant verliebt eine Agritourismo- Herberge in Kalabrien.
So spartanisch öko wollen es die Urlauber nun auch wieder nicht...
Und Emilia? Bekommt die Idee, ein gemütliches Café zu eröffnen. Torte nicht nur wie sonst als Abendbrotdessert? Ob das hier was wird? Wenn es nach dem Bürgermeister geht, auf gar keinen Fall. Süßes ist ungesund! Lieber werden alle zu Zwangsaerobic verdonnert.
Tessa Hennig hat wieder einen humorvollen Roman geschrieben. Scheint ein Problem gelöst, taucht das Nächste auf. Langweilig wird es nie. Liebevoll wird das Leben in Italien mit seinen zumeist sympathischen Bewohnern gezeichnet. Bewundernswert, wie hartnäckig und clever Ziele angegangen werden. Natürlich nimmt auch die Liebe breiten Raum ein, so schön romantisch.
Die Titelfrage ist eindeutig mit „Nein“ zu beantworten!
Kleines Manko: es störte, dass im ersten Buchdrittel die üblichen Abstände zwischen Wörtern oft nicht vorhanden waren und Worte teilweise Lücken aufwiesen. Durchgängig kryptische Zeichen am Kapitelende, zeilenlang, verwunderten.
Ein unterhaltsames und schön zu lesendes Buch aus dem Ullstein Verlag.
Zwischen den Welten
Kann Gelato Sünde sein? von Tessa Hennig
Das muss man sich vorstellen: der eigene Körper ist irgendwo, aber das Bewusstsein macht sich selbständig und ist in unsichtbarer Gestalt unterwegs. Dieses Wesen denkt, erlebt seine Umwelt, friert, schläft, isst usw., wird aber von Niemandem bemerkt. Ungeahnte Freiheiten, keine Vorschriften - das ist doch toll, oder? Nur die Einsamkeit ist nicht so schön.
Aber: es gibt da ein Mädchen, dass den jungen Mann, Sick, sieht und auch nur von ihm wahrgenommen werden kann. Beide erzählen ihre Geschichte und versuchen, das Rätsel ihrer eigenartigen Daseinsform zu lösen.
Thorina Lepaks Idee ist großartig, was lässt sich daraus alles machen! Einige Abenteuer, besonders von Sick, sind spannend. Seine gedanklichen Ergüsse eher nicht. Lavender ist ganz anders, besucht eine Universität, ist mehr die Angepasste.
Alles ändert sich, als sie Josh kennenlernen. Auch seine Geschichte ist unglaublich. Und dann gibt es auch noch den hilfsbereiten Stan.
Viel passiert, Entscheidungen müssen getroffen werden. Der Weg dahin ist kompliziert und risikobehaftet.
Eine Wahnsinnsidee, viel Nachdenkenswertes. Josh und Stan sind sympathisch. Allerdings: was sie veranstalten, ist ziemlich unglaubwürdig.
Einige Längen hätten nicht sein müssen, auch am mitunter schlichten Stil könnte man arbeiten aber der Gedanke des Buches ist interessant. Kann man ja mal drüber nachdenken.
Verlegt von Shaker Media.
Panda, Stripperinnen und Co.
Pandatage von James Gould-Bourn
Danny steht am Grab seiner vor einem Jahr verstorbenen Frau. Nicht allein, sein Sohn Will ist bei ihm. Seit dem Unfall hat der nicht ein Wort gesprochen, Danny ist hilf- und ratlos. Zudem pleite, sein brutaler Vermieter droht mit Rausschmiss. Als noch die Kündigung des Arbeitsplatzes dazu kommt, hat der ungelernte Vater ein Riesenproblem.
Können ein abgeranztes Pandakostüm und sein nicht vorhandenes Tanztalent eine Lösung sein?
James Gould-Bourn greift ein schwieriges Thema auf. Wirtschaftliche Verhältnisse in England, Trauerbewältigung, Mobbing- all das wird thematisiert. Aber großartig: gefühlvoll und mit viel Humor wird eine Geschichte erzählt, die unwahrscheinlich, aber trotzdem glaubhaft, scheint.
Sympathische Menschen, einige Schurken, einige Klischees, mafiöse Strukturen, Willenskraft und Missverständnisse beleben die Handlung.
Super zu lesen, Optimismus hinterlassend macht das Buch aus dem Kiepenheuer & Witsch Verlag Lust auf mehr Lesestoff von diesem Autoren.
Aus dem Englischen von S. Kleiner.
Zeitreise zu Botticelli, den Medicis und anderen
Aquarius – Herz über Kopf durch die Zeit von Marina Neumeier
Rosalie ist eine Zeitreisende! Das weiß sie aber nicht und findet sich nach Berührung eines Gemäldes im 15. Jahrhundert wieder. Kurz danach ploppt sie zurück in ihre Zeit, ihr Ausflug jedoch hat schwerwiegende Folgen: sie soll im Auftrag einer Geheimgesellschaft verhindern, dass ein Bösewicht Meisterwerke des Mittelalters manipuliert und damit Geschichte verändert.
Also: ab mit ihr und einem italienischen Adelssproß 500 Jahre zurück nach Florenz. Dort müssen beide ein Attentat auf den historisch bedeutsamen Lorenzo de Medici verhindern. Einen Haken aber gibt es: Rosalies Begleiter Leopoldo Orlandi del Mazza ist unerträglich arrogant und selbstherrlich.
Marina Neumeier hat ein spannendes Abenteuer um Lorenzo de Medici, Boticelli und deren Zeitgenossen gewoben. Sie zeichnet ein buntes Bild des mittelalterlichen Florenz und seiner Bewohner. Wie lebt es sich in der Frührenaissance mit den Augen von heute? Wie geht es in Boticellis Werkstatt zu, wie wurden Frauen behandelt? Gewürzt wird das alles mit Kabbelleien zwischen Rosa und Leopoldo, dessen Name sich wunderbar verballhornen lässt.
Macht großen Spaß zu lesen!
Fantasievolle und unterhaltsame Lektüre aus dem Piper Verlag .
Jüdische Geschichte in Berlin
AHAWAH. Das vergessene Haus von Regina Scheer
AHAWA heißt Liebe. Was für ein Haus trägt diesen Namen? Nun, zum Beispiel befand sich die Schule der Autorin darin. Ein altes, verwinkeltes Haus mit ungewöhnlicher Raumaufteilung. Und mit ungewöhnlicher Geschichte.
Diese und die Schicksale vieler Menschen, die darin Zeit verbracht haben, möchte Regina Scheer aufarbeiten.
Was hat der Bau in der Berliner Auguststraße nicht alles hinter sich. Dort untergebracht waren eine Mädchenschule, ein Krankenhaus, eine Kinderkrippe, eine Kindervolksküche, eine Kleiderkammer, Obdachlose. Alles in jüdischem Glauben, mit selbstlosen Ideen gestaltet. Auch ein dunkles Kapitel wurde hier geschrieben: hier befand sich eine Sammelstelle für den Abtransport jüdischer Menschen.
Akribische Recherche in Archiven, Listen, Büchern und viele, sehr viele Gespräche mit Bewohnern dieser Gegend liegen zugrunde.
Sehr deutlich tritt der Wunsch der Autorin zutage, die Geschichte des vergessenen Hauses offen zu legen. Nicht nur dieses Hauses, auch umliegende Gebäude und Straßen werden mit historischen Fakten näher gebracht.
Fotos veranschaulichen ein wenig, wie das Leben in diesem Haus ablief.
Eine Aktualisierung bzw. Ergänzung vervollständigt das Geschriebene.
Verlegt vom Aufbau Verlag.
Schicksale in der Salpetriere
Die Tanzenden von Mas Victoria
Zitat aus Wikipedia: „Das Hôpital de la Salpêtrière in Paris war im 19. Jahrhundert die wohl bekannteste psychiatrische Anstalt Europas. ...
Für die öffentlich zur Schau gestellten Patientinnen und ihre behandelnden Ärzte war eigens ein Amphitheater auf dem Gelände der Salpêtrière gebaut worden.
“
Genau dort ist die Handlung des Romans „Die Tanzenden“ angelegt.
Ein erschütterndes Bild der Rechtlosigkeit der Frauen wird aufgezeigt. Egal ob Vater, Bruder, Ehemann oder Schwiegermutter - jeder von ihnen konnte eine Frau als geistesgestört bezeichnen und zwangseinweisen lassen. Jahre- oder lebenslang. Ärzte konnten an ihnen herumexperimentieren, über sie verfügen, sie bei einem sogenannten Ball reichen Leuten zur Schau stellen. Nervenkitzel für die Wohlhabenden, eventuell bekam so eine Verrückte sogar Krämpfe, wie aufregend! Für die Insassinnen dennoch ein herbeigesehntes Ereignis, nahm doch endlich Jemand von ihnen Notiz. Wie in einem Zoo.
Einige wenige fühlten sich sicher, andere verzweifelten.
Im Mittelpunkt steht Eugénie, Tochter eines angesehenen Notars. Sie kann Verstorbene „hören“. Das schickt sich nicht, ihr Vater schiebt sie in die sogenannte Heilanstalt für Geisteskranke ab. Oberschwester Geneviève erfasst ein ungutes Gefühl. Zwischen beiden entwickelt sich eine besondere Beziehung. Mit gravierenden Folgen.
Victoria Mas schildert die unfassbaren Zustände in der gefängnisartigen Anstalt.
Selbstverliebte, despotische Männer behandeln die Frauen als rechtlose Wesen. Das wird von der Gesellschaft nicht nur toleriert, sondern auch als selbstverständlich akzeptiert.
Historische Gegebenheiten werden zu einem phantasievollen Geschehen gegeben, ein beeindruckender Roman ist entstanden. Interessant zu lesen. Fazit: im Paris der 80-er Jahre des 19. Jahrhunderts möchte man als Frau keinesfalls gelebt haben.
Aus dem Französischen übersetzt von Julia Schoch, herausgegeben vom Piper Verlag.










