Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Interessantes Sachbuch
Kalaschnikow. Wie eine Waffe unser Zeitalter der Konflikte prägt von Domenico Quirico
Die drei Wörter Taxi, Cola und Kalaschnikow kennt man, laut Kriegsberichterstatter Domenico Quirico, auf der ganzen Welt. Was liegt daher näher, sich mit der AK-47, wie die militärische Abkürzung der Kalaschnikow heißt, zu beschäftigen? Doch der Autor sieht sein Buch als Manifest gegen die Kalaschnikow.
„Um eines gleich zu Beginn klarzustellen: Dieses Buch handelt nicht von einer Waffe. Wer etwas über die Benutzung der Kalaschnikow, ihre technischen Parameter oder die Gefechtstaktiken erfahren will, bei denen sie seit siebzig Jahren in Dschungel-, Wüsten- oder Straßenkämpfen von regulären Truppen, Guerillas und Kriminellen eingesetzt wird, braucht gar nicht weiterzulesen. Dieses Buch ist eine Abhandlung über das Böse. Und dieses Böse hat einen Zeitrahmen, der sich genau eingrenzen lässt. Er reicht von den 1950er-Jahren, dem Beginn des Kalten Krieges bis in die heutige Zeit, in das dritte Jahrtausend. Vor allem in das dritte Jahrtausend.“
Zwischen den Stationen seiner Karriere als Kriegsberichterstatter, die ihn von Mosambik über Gaza und Somalia bis Syrien, Tschetschenien und der Ukraine geführt haben, flicht Quirico die Autobiografie von Michail Kalaschnikow ein, erzählt in mehreren Abschnitten wie aus dem Sohn einer enteigneten und nach Sibirien verschleppten Kulakenfamilie, der Erfinder einer der bekanntesten Waffe geworden ist. Mit einem Preis von nur rund 40 US-Dollar ist die Waffe für jedermann (und jederfrau) erschwinglich. Damit wird die AK-47 zum Symbol der Revolte und der Massaker.
Egal welche Ziele die sich gegenüberstehenden Konfliktparteien haben, eines eint sie:
„Denn es gibt einen stets präsenten Gegenstand, dessen verlässlicher Mechanismus Das Geschehen bestimmt und auf zeitlose Weise alles miteinander verbindet: die Kalaschnikow.“
Fazit:
Gerne gebe ich diesem interessanten Sachbuch über die zahlreichen Konflikte der letzten sieben Jahrzehnte, in denen die AK-47 eine bedeutende Rolle spielt, 4 Sterne.
Rezensionen von Jenny:
Viel Sex und trotzdem eine Geschichte dahinter
Our darkest Lies von Sara Rivers
In Our Darkest Lies von Sara Rivers geht es um Cheryl Baker, die ihren Lebensunterhalt irgendwie bestreiten muss und daher für eine Untergrundorganisation arbeitet. Sie wird von einer anderen Organisation, der Bruderschaft der Styx, regelrecht gezwungen für sie einen Auftrag zu erledigen. Cheryl trifft dabei ihren alten Freund Colson wieder, die Gefühle zwischen den beiden kochen wieder auf und auch Kyrill, der Sohn des Anführers der Bruderschaft der Styx lässt sie nicht kalt.
Ich gebe ehrlich zu, ich mag Dark Romance eigentlich nicht wirklich. Gefühlt sind diese Bücher immer das gleiche. Mehrere Männer, meistens Mafia, sie ist entweder eine unscheinbare Frau oder hat eine dunkle Vergangenheit. Das ist auch hier der Fall. Also alles in allem ein Klischee, wie es leider auch bei vielen anderen Genres momentan der Fall ist.
Da ich aber schon lange keins mehr gelesen hatte, wollte ich schauen ob sich meine Interessen geändert haben und ich muss sagen: Nein, aber ich bin nicht mehr so dagegen wie vorher, denn die Geschichte ist trotzdem gut geschrieben und lässt es einen schnell durchlesen.
Die Kapitel sind meistens aus Cheryls Sicht, aber zwischendurch auch aus der von Corlson und Kyrill, was einen in die Gefühlswelten aller drei eintauchen lässt. Cheryls ist eine vielschichtige Person, unnahbar, aber kümmert sich um ihre Liebsten. Colson ist mir tatsächlich ein Rätsel, das ich gerne klären würde, da sich mir einfach nicht erschließt, warum er der Bruderschaft beigetreten ist. Über Kyrill erfährt man ein wenig Hintergrundgeschichte, aber auch da würde ich gerne mehr wissen. Dafür muss man dann wohl die nächsten Bücher lesen. An sich ist die Geschichte wie gesagt, relativ vorhersehbar: Sie springt mit beiden ins 'Bett', einzeln oder gleichzeitig, und erfährt ihre traurige Hintergrundgeschichte, die in den nächsten Bänden weitererzählt werden wird.
Das Buch an sich hat ein wunderschönes Cover. Der Farbschnitt ist schlicht einfarbig, sieht dadurch einfach elegant und passend zum Buch aus. Vorne auf dem Buch ist ein Sticker, der das Buch erst für Leser ab 18 empfiehlt. Ich stehe da vollkommen hinter. Nicht wegen den Spice-Szenen, sondern wegen der Aufnahmeprüfung der Bruderschaft. Das zu lesen kann auch für Erwachsene zur Herausforderung werden und ich war froh, keine bildlichen Vorstellungen beim Lesen zu haben.
Fazit: Wer ein typisches Dark Romance Buch mit einem Dreier lesen möchte, ist hier wundervoll aufgehoben.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine gelungene Fortsetzung
Herrliche Zeiten - Dem Himmel so nah von Peter Prange
In diesem zweiten Teil der Dilogie stehen neben den Protagonisten des ersten Bandes, Vicky, Paul und Auguste, deren Kinder im Mittelpunkt. Sie sind durch freundschaftliche bzw. verwandtschaftliche Beziehungen ebenso verbunden wie die Länder Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Nicht alle Erwartungen der Eltern und Kinder erfüllen sich.
Statt in das Familienunternehmen einzutreten, wird einer Soldat, ein anderer liebäugelt mit dem Sozialismus. Von den Töchtern wird erwartet, sich den üblichen Konventionen zu unterwerfen, also hübsch und pflegeleicht zu sein, sowie eine vorteilhafte Ehe zu schließen. Die Konflikte in den Familien sind daher vorprogrammiert.
Wenig von den Träumen gelingt im ersten Anlauf. Es müssen persönliche Schicksalsschläge hingenommen werden, bis sich letzten Endes doch einige erfüllen.
Meine Meinung:
Peter Prange hat mit diesem historischen Roman, der wie es für ihn üblich ist, wortgewaltig und opulent daherkommt, ein Weltbild geschaffen, in dem es gärt. Letztlich wird der gesamte Kontinent wie Schlafwandler (© Christopher Clark) in den Ersten Weltkrieg taumeln. Geschickt verquickt er historische Fakten mit seinen fiktiven Charakteren. So werden den deutschnationalen, antisemitischen und kolonialistischen Ansichten von Alfred Hugenberg (1865-1951) und dessen Freunde vom Alldeutschen Verband mehrmals großen Raum eingeräumt. Die Gegner des Engagements in Afrika („Was haben wir in Afrika verloren?“) bleiben ungehört.
Gut gelungen ist Peter Prange, dass er die zahlreichen Handlungsstränge, die zwischenzeitlich ein wenig aus dem Ruder laufen, wieder einfängt und zu den ursprünglichen Charakteren Vicky, Paul und Auguste zurückkehrt.
Eine Kritik muss ich allerdings anbringen: Die Art und Weise wie Claire ihr Medizinstudium absolviert, ist wenig glaubwürdig.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Fortsetzung 5 Sterne.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Wunderbarer Debütroman
Das Geschenk des Meeres von Julia R. Kelly
Der Mare Verlag hat den Debütroman "Das Geschenk des Meeres" der englischen Autorin Julia R. Kelly veröffentlicht. Das Buch war auf der Longlist für den Mslexia Novel Prize, den Exeter Novel Prize, PenguinWriteNow und den Bath Novel Award, wurde mit dem Blue Pencil First Novel Award ausgezeichnet und in zehn Sprachen übersetzt.
Wir schreiben das Jahr 1900, als nach einem Sturm im kleinen Fischerdorf Skerry in Schottland ein kleiner Junge an Land gespült wird. Joseph, ein Einheimischer, trägt das leblos wirkende Kind in den Ort. Es weist eine frappierende Ähnlichkeit mit Moses auf, dem kleinen Sohn der Dorfschullehrerin Dorothy, der vor vielen Jahren im gleichen Alter am Meer verschwand und dessen Leiche nie gefunden wurde. Als der Pfarrer Dorothy bittet, den Jungen in ihr Haus aufzunehmen, bis seine Identität geklärt ist und er seiner Familie wieder zugeführt werden kann, zögert Dorothy zunächst, willigt dann aber ein. Sie kümmert sich um den stillen Jungen, entwickelt immer stärkere Gefühle für ihn und ist schließlich davon überzeugt, dass Moses zu ihr zurückgekehrt ist.
Auf einer zweiten Zeitebene erleben wir die Ankunft der jungen Lehrerin Dorothy in Skerry. Sie ist zurückhaltend und findet keinen Anschluss an die verschworene Dorfgemeinschaft, deren Zentrum der Laden von Mrs. Brown ist. Die Frauen halten sie für unnahbar und meiden sie. Der Fischer Joseph interessiert sich für die junge Frau, und die beiden nähern sich behutsam einander an. Dorothy wagt es nicht, ihren Gefühlen zu folgen, sie bricht den Kontakt ab, als ihr geraten wird, auf ihren Ruf zu achten.
Die Geschichte wechselt immer wieder zwischen Gegenwart ("Jetzt") und Vergangenheit ("Damals") und wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Neben Dorothy und Joseph spielt auch die Dorfbewohnerin Agnes, die seit langem in Joseph verliebt ist und sich nichts sehnlicher wünscht, als mit ihm eine Familie zu gründen, eine wesentliche Rolle.
Das melancholische Buch ist in wunderschöner, zarter Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Die Charaktere sind authentisch und mit viel Wärme und Empathie gezeichnet. Ich mochte die zurückhaltende und stille Dorothy, die geprägt ist durch die Kränkungen ihrer verbitterten Mutter. Auch den freundlichen und willensstarken Joseph, der wie Dorothy zum Opfer einer Intrige wird, habe ich sofort in mein Herz geschlossen.
Ich habe den fesselnden Roman sehr gern gelesen, es gibt einige Wendungen, Geheimnisse werden enthüllt, das Ende ist hoffnungsvoll. Es geht neben Liebe, Verlust und häuslicher Gewalt auch um das Festhalten und Loslassen. Die Geschichte kommt vollkommen ohne Kitsch aus, sie hat mich zutiefst bewegt und berührt. Sehr gut gefallen haben mir auch die poetischen Beschreibungen des Meeres, der Felsen und der Klippen. Das dörfliche Leben ist authentisch dargestellt, ebenso das Rollenbild der Frau, das so vollkommen anders war als heute.
Absolute Leseempfehlung für diese großartige Geschichte der leisen Töne, die mich begeistert hat und bereits jetzt zu meinen diesjährigen Lesehighlights gehört!
Rezensionen von evaki:
Nur wer sich traut, gewinnt!
Das glückliche Leben von David Foenkinos
"Das Glückliche Leben" vom französischem Erfolgsautor David Foenkinos fängt eigentlich ganz amüsant und menschlich an. Da sind unsere Protagonisten Eric Kherson, ein erfolgreicher Manager eines Sportartikelunternehmens mit Flugangst und Amélie Mortiers, eine ehrgeizige neue Staatssekretärin im französischen Außenhandelsministerium, eine Schulkameradin von Eric, die ihn abwerben will.
Beide sind Workaholic, was u.a. ein Grund dafür ist, dass sich die Ehen der Beiden etwas kompliziert gestalten. Als sie nun gemeinsam für die franz. Regierung nach Seoul reisen, erleidet Eric beim Kundentreff einen Ohnmachtsanfall, bzw. Burn-out. Trotz des verständnisvollen Kunden, ist dieser Vorfall ein Schlüsselerlebnis für Eric und durch Zufall stößt er, im Land mit den größten Selbstmordraten, auf einen Laden mit dem Namen Happy Life. Ein Besuch dort wird sein künftiges Leben total verändern. Lassen Sie sich überraschen und bleiben Sie offen für Veränderungen. Sie werden es nicht bereuen! Viel Spaß mit der Lektüre!
Rezensionen von Nicole (Abby1810):
Sehr einnehmend und abenteuerreich
Der unbekannte Junge und das Vermächtnis der Ehrlichkeit von Alexander Lombardi; Sandra Binder
Auch Band 9 ist den Autoren sehr gut gelungen. Die 4 vom See sind Antonia, Emma, Franky und Jaron. Antonia und Jaron sind gläubig, und wohnen in der Seeburg am Starnberger See. Emma ist sensibel, und Franky ein Computerexperte, der schnell wichtige Sachen herausfinden kann. Zusammen sind sie die vier vom See und kämpfen gemeinsam um den Erhalt der Seeburg und um Gerechtigkeit.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1917 in einem Bauernhaus am Starnberg. Bei einer Bauernsfamilie entscheidet der Vater einen in seine Obhut genommenen Jungen auszusetzen. Nachdem der kleine Theodor am Markt in der Kälte gefunden wird, sagt er kein Wort und wirkt sehr bedürftig und eingeschüchtert. Schnell wird er mit Kaspar Hauser verglichen, und die Zeitungen haben großes Interesse an der Geschichte rund um das Kind.
Auf der anderen Zeitebene bekommen die vier Jugendlichen eine neue Klassenkameradin namens Laura. Franky wird ihr Pate und soll sich in der Anfangsphase um sie kümmern. Als er Laura eines Tages von zu Hause abholt, erkennt er ihre prekäre Lage. Ihre kleine Schwester sitzt im Rollstuhl, und die Familie muss auch noch ganz plötzlich ihre Wohnung verlassen. Sie soll in eine kleinere, nicht barrierefreie Wohnung einziehen. Doch ist das gerecht?
Außerdem droht Antonia und ihrer Familie der Verlust der Seeburg. Nicht nur die Familie Beilstein behauptet einen Anspruch auf die Burg zu haben, auch deren Anwalt, Dr. Stefan Trenner hat heimlich große Pläne für die Jugendherberge.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Diese harmonieren wunderbar miteinander. Der Glaube ist immer wieder ein Thema und wurde sehr authentisch eingearbeitet. Somit ist das Buch auch ein ideales Geschenk für alle Kinder ab ungefähr 10 Jahren. Meine 12 jährige Tochter liebt die Serie rund um "Die 4 vom See", und kann es jedes Mal kaum erwarten, dass ein neues Buch erscheint. Die Autoren schreiben sehr altersgerecht, einerseits mit viel Spannung und andererseits wunderbar historisch auf einer Zeitebene. Somit lernen die Leser auch ein wenig Geschichte.
Meiner Tochter und mir gefällt das Buch wieder einmal ausgesprochen gut, deshalb unbedingt eine Leseempfehlung unsererseits.
Rezensionen von Netti:
Faniliengeheimnisse
Das Flüstern der Marsch von Katja Keweritsch
Ich würde dem Buch gerne 4,5 Sterne geben, aber das geht leider nicht.
Das Buch hat mir gut gefallen, besonders das letzte 1/3 des Buchs hat 5 Sterne verdient, da es mich sehr gefesselt hat und ich unbedingt wissen wollte wie es weiter geht.
Das Buch ist eine Familiengeschichte. Enkelin Mona kommt paar Tage vor dem runden Geburtstag ihres Opas zu ihm in die Marsch und muss feststellen, dass Oma spurlos verschwunden ist.
Die ganze Familie wird zusammen getrommelt und kommt, alle Bekannten von Oma werden angerufen, die Polizei eingeschaltet, aber Oma bleibt verschwunden. Mona versucht selbst nachzuforschen und so kommen nach und nach einige Familiengeheimnisse zu Tage, mit denen man nicht gerechnet hat.
Die einzelnen Kapitel im Buch spielen zu verschiedenen Zeiten und handeln von verschiedenen, sich aber immer wiederholenden Personen wie Enkelin Mona, Oma Annemie, Schwägerin Janne, Tochter Sabine usw.
Man bekommt schnell einen Überblick, wer wer ist und wie das verwandtschaftliche Verhältnis ist. Man wird durch die mitspielende Personenmenge nicht erschlagen.
Das Buch war für mich nicht vorhersehbar. Immer wieder kamen Wendungen und Dinge auf, die mich überrascht haben. Natürlich rätselt man mit und versucht seine eigenen Theorien zu spinnen, aber doch war alles anders als ich dachte.
Zu den Personen im Buch bekommt man eine gute Bindung. Am meisten sind mir Enkelin Mona und Oma Annemie ans Herz gewachsen.
Das Buch regt zum nachdenken an, obwohl es ein Roman ist. Was können Geheimnisse in der Familie auslösen, wie ist es mit nicht erfüllten Hoffnungen und Erwartungen und wie hätte sich das Leben verändert, wenn man manchmal anders entschieden oder gehandelt hätte ?
Ein schöner, turbulenter Familienroman, der aber auch die Schattenseiten einer Familie aufweist , wo nicht alles rosarot ist. Viele haben ein Päckchen zu tragen. Die Geschichte hat mir gut gefallen und war durch die Suche nach Oma Annemie gut und interessant umgesetzt. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, gebe dem Buch 4,5 Sterne und empfehle es gerne weiter.
Rezensionen von gabiliest:
Risikofaktor Geopolitik
Die Stunde der Nashörner. Wie Unternehmen die neuen geopolitischen Risiken managen. von Ansgar Baums; Thomas Ramge
“Die Stunde der Nashörner” ist ein von zwei renommierten Fachleuten geschriebenes Sachbuch, das graue Nashörner identifiziert, also Probleme, die in Unternehmen sichtbar sein sollten und diese nachhaltig beeinflussen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei der Geopolitik zu.
Ansgar Baums hat Management Funktionen bei erfolgreichen Unternehmen inne und verfügt im Bereich Government Relations über langfristige Erfahrung aus der Praxis, Spiegel- Bestseller- Autor Thomas Ramge ist ein vielfach preisgekrönter Wirtschaftsjournalist und Buchautor.
Der erste Abschnitt das Buches -betitelt Wandel- beschäftigt sich mit den veränderten geopolitischen Verhältnissen, geprägt von den Hauptakteuren USA und China. Globalisierte Lieferketten und Exportzuwächse zu Beginn des Jahrtausends wurden zunehmend abgelöst durch Unternehmenspatriotismus und Protektionismus in beiden Staaten. Damit verbunden sind diverse Markteintrittsbarrieren, Regularien und Handelshemmnisse, die die Unternehmen zwingen, vertikale Wertschöpfungsketten in den jeweiligen Märkten aufzubauen und ihre geopolitische Resilienz für jede Produktkomponente kritisch zu hinterfragen. Damit verbunden muss das Risiko bis zum n-ten Subunternehmer analysiert werden. Zudem gehen die beiden Staaten auch im Bereich der IT-Stacks getrennte Wege und zwingen damit Unternehmen, sich für ein One-Stack oder Two-Stack Szenario zu entscheiden. Zudem verfolgen die USA und China neben strategischen Sicherheitskonzepten extrem unterschiedliche weltanschauliche Modelle, gemeinsam ist ihnen aber, möglichst alle Vorteile für das eigene Land zu generieren und sich auf der Weltbühne nachhaltig Einfluss zu verschaffen. Dazu kommt vor allem bei den USA die veränderte Einstellung zu Europa, das durch die Struktur der EU wesentlich schwerfälliger auf geopolitische Risiken reagieren kann als Amerika. Besonders die erratische Zollpolitik des Präsidenten bringt Unsicherheit in Unternehmen und Märkte. Polykrisen wie Corona, die Finanzkrise, der Krieg in der Ukraine wie der Streit um Taiwan haben dazu beigetragen die Lieferkettenproblematik extrem zu verschärfen.
Im zweiten Abschnitt des Buches werden Unternehmen auf geopolitische Risikofaktoren hingewiesen. Das können unter anderen “schwarze Listen” sein, die den Unternehmen den Marktzugang erschweren oder unmöglich machen, unterschiedliche Industriestandards und Inkompatibilität der IT-Stacks. Damit sind Unternehmen zur Anpassung gezwungen, wenn sie weiterhin am Markt präsent sein wollen. Selbstverständlich ist das eine Kostenfrage, aber auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. Gerade sehen wir bei den USA und schon länger bei China, dass EU- Unternehmen in den jeweiligen Ländern nicht nur produzieren müssen, sondern auch die Verlagerung vor allem der F&E Abteilungen verlangt wird. Die Krise in der Industrie und der Verlust von europäischen Arbeitsplätzen ist jeden Tag Thema in den Wirtschaftsnachrichten.
Der dritte Teil des Buches schlägt Unternehmen vor, was sie unternehmen können, um die geopolitische Resilienz zu stärken. Dabei wird klar, dass die jeweiligen Entscheidungen zwar Top-Down fallen müssen, jedoch jedes Unternehmensdepartment betroffen ist. HR-Abteilungen müssen überlegen, in welcher Form sie ausländische Mitarbeiter beschäftigen, das Finanzmanagement ist betroffen, da es oft nur möglich ist, im Land erwirtschaftete Gewinne auch nur dort zu reinvestieren. Ebenso muss sich das Marketing und die Markenpolitik an die Wirtschaftsräume anpassen. Letztlich geht es im Buch um das Risikomanagement für Hardware- Lieferketten, das nicht nur die jeweiligen Firmen, sondern die Gesamtwirtschaft eines Wirtschaftsraumes betreffen kann.
Mein Fazit:
Zu Beginn möchte ich anmerken, dass mir zwar die Lieferkettenproblematik bewusst war, ich mich jedoch nie mit dem Thema über seine Grundzüge hinaus beschäftigt habe. Beim ersten Lesen des Buches war ich verwundert, dass makroökonomischen Parametern wenig Beachtung geschenkt wird. Allerdings hat mich eine Risikomanagerin darauf hingewiesen, dass das die Komplexität der Prognosemodelle über Gebühr erhöhen würde. Das Buch fokussiert sich stark auf die Halbleiterindustrie, jedoch sind die Risiken branchenweise ganz unterschiedlich. Zudem meine ich, dass es bei der Modellierung darauf ankommt, dynamische Zugänge zu denken.
Die Stunde der Nashörner ist ein äußert empfehlenswertes Fachbuch für Entscheider, im Unternehmen Betroffene und Interessierte, die jedoch etwas wirtschaftliche Vorbildung haben sollten. Das Buch ist sehr aktuell und hervorragend recherchiert, am Ende das Buches findet sich ein ausführliches Quellenverzeichnis. Wer die Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema der Geopolitik und ihrer Verwerfungen nicht scheut, findet hier eine interessante, von Experten geschriebene Zusammenschau.
Rezensionen von clematis:
Leena Victor
Mord in eiskalter Nacht von Lisa Sarah Brandstäter
Leena Victor, Kriminalkommissarin in Helsinki, befindet sich eigentlich im Urlaub. Als aber die bekannte Fernsehmoderatorin Kira Westerlund nach der jährlichen Vorweihnachtsparty in ihrem schicken Haus ermordet vorgefunden wird, ersuchen die Kollegen Leena um Hilfe, obwohl sie selbst auf der Feier dabei war und daher als befangen gilt, sie hat allerdings einfach die beste Aufklärungsquote bei Gewaltdelikten gegen Frauen.
Ein großartiger Schauplatz und interessante, weil sehr realistisch dargestellte Charaktere stehen im Mittelpunkt dieses rasanten Krimis. Die klirrende Kälte im finnischen Winter, der Duft von Glögi und süßem Weihnachtsgebäck, eine Schwester, die gerne im Rampenlicht steht, die andere, die sich gar nicht so weit zurückziehen kann, wie sie möchte, eine Promi-Party mit Alkohol und Drogen neben dem tiefen dunklen Wald – es sind die Gegensätze, welche die Autorin einsetzt, um eine knisternde anhaltende Spannung zu erzeugen. Viele kurze Kapitel ziehen das Tempo an, die einzelnen Szenen bringen eine hohe Anzahl an unterschiedlichen Figuren ins Spiel, die Richtung, wohin das alles führen wird, ist noch längst nicht klar. Zwischendurch lässt uns die Autorin immer wieder in die Vergangenheit blicken, sodass nach und nach Licht ins Dunkel kommt. Die zahlreichen Handlungsstränge führt Lisa Sarah Brandstäter schlussendlich gekonnt zusammen, klärt das Gewaltverbrechen geschickt auf und lässt nur wenige Fragen offen. Genau der passende Ausklang für den ersten Band einer virtuos begonnenen Krimireihe.
Temporeich und schlüssig, empathisch und konsequent, die Reihe an positiven Adjektiven für die Handlung und jede einzelne Figur in diesem Krimi ließe sich noch lange fortsetzen. Leider ist Band eins zu Ende, aber die Gewissheit, dass wir Leena Victor bald wieder begegnen werden, ist ein Grund zur Freude. Ich hatte packende Lesestunden beim nordisch kalten Jahreswechsel und den aufregenden Ermittlungen. Uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die Dynamik lieben und eine Kriminalkommissarin verstehen, die entschlossen, wenn auch nicht immer besonnen handelt.
Rezensionen von peedee:
Ein Weihnachtswunder in Starwood
Schneeflockenfunkeln von Veronika Weiß
Lynn hat gekündigt und reist zu ihrer Tante Rebecca nach Starwood, wo sie ihr im Laden aushelfen will. Dabei hofft sie, die Vergangenheit endlich hinter sich lassen zu können. Beim Aussuchen des Weihnachtsbaumes trifft sie auf Miles, dessen Familie die Weihnachtsbaumfarm besitzt. Er lässt ihr Herz schneller schlagen; wenn er in ihrer Nähe ist, fühlt sie sich geborgen.
Er hat Verständnis, wenn sie nicht über ihre jüngsten Erlebnisse sprechen kann, denn auch er konnte lange nicht über seine Vergangenheit reden. Als Lynn beginnt, wieder an das Gute im Leben zu glauben, wirft ein unerwarteter Besuch sie aus der Bahn…
Erster Eindruck: Ein eher zurückhaltendes Cover, das hoffentlich glitzert (ich habe das E-Book gelesen, daher ist dies nicht ersichtlich) – gefällt mir.
Lynn kam all die Jahre immer wieder gerne nach Starwood, wo ihre Mutter aufgewachsen ist und Rebecca, deren Schwester, nach wie vor lebt. Sie hat ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Tante, die sie und ihre Entscheidungen immer vorbehaltlos akzeptiert, wohingegen ihre Eltern meinen, es immer besser als Lynn zu wissen. Hm…
Als Lynn für Rebecca einen Baum auswählen soll, musste ich schmunzeln, denn sie sollte unbedingt einen kaufen, der nicht perfekt ist. Also einen Baum mit Charakter. Als ich vor vielen Jahren noch Weihnachtsbäume gekauft habe, war es mir auch wichtig, einen etwas schrägen Baum zu kaufen, denn dieser musste auch geliebt werden!
Als Miles feststellt, dass Lynn gar keinen Adventskalender hat, kennt er sie erst wenige Tage. Dennoch kann er das so nicht stehen lassen: Er schenkt ihr etwas zum 1. Dezember, wovon weitere 23 gleiche Artikel (in unterschiedlicher Ausführung) bis zum 24. Dezember folgen – das mag romantisch sein, aber preislich übertrieben und auch unrealistisch. Aber ein Weihnachtsroman darf romantisch-kitschig-übertrieben sein. In diesem Buch geht es nicht nur um Romantik, sondern auch um Panik, alte Verletzungen und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Und um ein Weihnachtswunder!
Ich mag Kleinstadtromane wie „Gilmore Girls“ oder „Virgin River“ sehr gerne, denn mir gefällt der Zusammenhalt der Menschen. Auch wenn alle ihre Ecken und Kanten haben und stets über alles im Bilde sind, stehen sie füreinander ein. Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Die Autorin ist Mitte zwanzig und ihre Protagonisten sind im ähnlichen Alter. Sie hat eine junge Sprache: Fangirlen, Ghosten, Fandoms, creepy, Crush. Und offensichtlich eine grosse Leidenschaft für Taylor Swift; sie und ihre Songs werden zigfach erwähnt – für mich ein bisschen zu viel; 4 Sterne.











