Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gute_Laune:
Naivität in Reinkultur
The Woman in Suite 11 von Ruth Ware
Nach ihrem traumatischen Erlebnis auf der AURORA hat Lo Blacklock ihr Leben mit Mann und Kindern aufgebaut. Sie möchte wieder Fuß in ihrem Job als Reisejournalistin fassen. Da erhält sie die Einladung zur Neueröffnung eines Luxushotels. Lo wird schon am ersten Tag unangenehm mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, doch das ist erst der Anfang.
Da ich The Woman in Cabin 10 echt klasse fand, hab ich mich sehr gefreut, dass die Autorin ihre Heldin so viele Jahre später erneut auftreten lässt. Allerdings habe ich das Gefühl, sie fand selbst nicht so richtig gut in die eigene Story hinein. Beim Lesen war es wirklich erschreckend, wie wenig ich Anschluss an die Geschichte und die Figuren fand. Noch erschreckender ist jedoch, dass ich meine mühsam aufgebaute Verbindung auch immer wieder verloren habe.
Laura Blacklock, genannt Lo, ist unfassbar naiv. Wo bei mir die Alarmglocken laut schrillen, tapert sie fröhlich weiter mitten in die laufende Kreissäge. Das hat bei mir leider dazu geführt, dass ich das Buch immer wieder ein paar Tage liegen lassen musste, um ohne eine Art Wut auf Lo weiterlesen zu können. Wie kann Lo nach ihren Erlebnissen auf dem Schiff so schrecklich einfältig sein?
Etwas unangenehm sind auch die ständigen Anspielungen auf die Ereignisse auf dem Luxuskreuzfahrtschiff. Ich habe das Buch gelesen, mochte es sehr, doch nach neun Jahren waren nur noch Fragmente der Erinnerung da. Also hätte ich theoretisch das Buch noch mal lesen müssen, um wieder alles präsent zu haben. Wie muss es dann sein, wenn man den Vorgänger gar nicht kennt?
So sehr sich die Story zieht, hat sie auch immer eine gewisse Spannung. Leider baut die irgendwann tatsächlich fast hauptsächlich darauf auf, welche Dummheit Lo nun schon wieder anstellt. Es gibt einige nette Twists und Wendungen, die aber nicht ganz so überraschend sind, als dass sie alle Schwächen ausgleichen könnten. Ständig dachte ich an das Sprichwort Fool me once, shame on you, fool me twice, shame on me.
Es ist so schade. Ich mag die Autorin, finde die Grundidee des Buches gar nicht so übel, aber es fehlt einfach so viel, um mich zu begeistern. Schlecht finde ich die Story nicht. Aber mehr als drei Sterne mag ich einfach nicht geben. Und das, nachdem Woman in Cabin 10 die vollen fünf Sterne von mir bekam. Das macht mich traurig.
Nicht nur für Partylöwen!
Partyrezepte von A-Z von Dr. Oetker Verlag
Die Idee ist vielleicht nicht neu, aber die Rezepte finde ich super schön in diesem Buch. Alles geeignet, um die Gäste auf einer Party oder einem kleinen Fest zu verwöhnen und ein mehr oder weniger großes Buffet aufzubauen.
Die Darstellung der Rezepte ist klar strukturiert. Durch Linien sind die einzelnen Bereiche klar voneinander abgegrenzt, selbst die Zubereitungsschritte.
Name des Gerichtes, Angabe zu Zubereitungszeiten, ggf. Angabe ob vegetarisch/vegan, Angabe der Menge Portionen, Zutaten aufgeteilt in die einzelnen Komponenten, wenn erforderlich, Nährwerte; Zubereitungsschritte, Tipps und Anmerkungen sowie ein aussagekräftiges Foto bilden eine gekonnte Einheit.
Die Zutaten empfinde ich durchweg als alltagstauglich und gut zu bekommen. Auch die Zubereitung ist selten wirklich anspruchsvoll und zeitraubend. Alles ist gut machbar und das in einem angemessenen Zeitrahmen, um auch mehrere der Rezepte für einen Anlass zuzubereiten. Für jeden Geschmack sollte sich genug finden lassen und gerade auf einer Feier sind ja viele unterschiedliche Geschmäcker gefordert. Auch für kleinere Gesellschaften kann man die Rezepte nutzen. Sie lassen sich gut auch herunterrechnen auf weniger Portionen.
Als schöne Idee empfinde ich auch, dass die Rezepte alphabetisch geordnet sind, eben von A-Z, nicht nach Zutat oder Gang. Dafür sind sie dann im Register sortiert in die Kapitel Alkoholhaltig; Backofengerichte; Desserts & Kuchen; Dips & Saucen; Fingerfood & Häppchen; Fisch & Meeresfrüchte; Fleisch & Wurst; Gebäck (herzhaft); Nudelgerichte; Salate; Spieße; Suppen & Eintöpfe; Vegane Gerichte; Vegetarische Gerichte. Entsprechend sind die Rezepte dann teilweise in mehreren Kategorien zu finden.
Ein wenig schade, gerade für Kochbuch-Sammler und Dr.-Oetker-Fans, finde ich, dass einige Rezepte dieses Buches auch im Buch Desserts von A-Z zu finden sind. Ansonsten ist dieses Buch eine echt tolle Sache, für Anfänger, für Fortgeschrittene, für Partyfans und Kochbuchsammler gleichermaßen. Daher trotz Wermutstropfen die vollen fünf Sterne von mir!
Braucht einen sehr langen Anlauf
Minnesota von Jo Nesbø
Bob Oz kämpft mit seinen Dämonen. Der Tod der dreijährigen Tochter, das Scheitern seiner Ehe, der Rückzug seiner Freunde, all das kann er nur durch Ermittlerarbeit etwas verdrängen. Der Mörder, der offenbar einen Rachefeldzug gegen Waffenhändler und Drogenbosse führt, hält ihn ordentlich auf Trab.
Er scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein.
Mich konnten die Bücher von Jo Nesbø bisher nicht so sehr begeistern. Eine Ausnahme machte Das Nachthaus. Keine Frage, dass ich es einfach noch einmal mit diesem Autor versuchen musste, auch wenn Der König mich wieder unzufrieden zurückgelassen hatte. Ein neuer Serienstart macht eben neugierig.
Der Protagonist Bob Oz erinnert mich an einige andere Figuren aus der langen Reihe von Ermittlern. Verkrachte Existenz, von sich selbst überzeugt, von Dämonen getrieben. Trotzdem hat er etwas, das mich dazu bewegt hat, ihn zu mögen.
Beim Hörbuch verwirren die Perspektivwechsel und Zeitenwechsel von 2016 und 2022 ein wenig. Oder anders ausgedrückt, sie strengen ein wenig an, man muss sehr aufpassen. Daher zieht sich die Story auch etwas in die Länge. Die Nebenschauplätze dürften für weitere Bände wichtig sein, haben mich hier aber leider nur mäßig interessiert. Erst im letzten Fünftel wurde ich wirklich gefesselt und konnte mich für die Wendungen begeistern. Mir ist das zwar dann alles doch zu brutal und blutig, dennoch finde ich die Idee schon neuartig. Grausen kommt definitiv auf.
Es ist schwierig. Schlecht finde ich das Buch diesmal nicht. Aber es hallt eben nach dem langen Anlauf dann auch nicht lange nach. Die Ideen sind gut, erreichen mich aber nicht so sehr, wie ich das gerne hätte. Selbst der geniale Sprecher David Nathan kann keinen Extra-Stern drauflegen. Daher bleiben drei Sterne. Und die Erkenntnis, dass Das Nachthaus wohl doch einfach nur eine Ausnahme war.
Mit Zahlen Spaß haben im Comic-Stil
Rechnen NERVT! – Mathe? Ohne mich! (Rechnen NERVT! 1) von Jens Schumacher
Die Idee mit NERVT funktioniert offensichtlich prima. Nach bisher bereits vier Büchern ums Lesen ist nun hier das erste Buch ums Rechnen. Die Namen der Tierchen und Personen für Erwachsene schon lustig, für Kinder dürften die Wortwitze ein bisschen schwerer zu erkennen sein.
Die Zeichnungen sind witzig, die Aufgaben abwechslungsreich und in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, sodass das Kind immer wieder mal ein Erfolgserlebnis hat und nicht nur drückend schwere Aufgaben lösen muss.
Dabei werden auch unterschiedliche Fähigkeiten geschult. Beispielsweise beim Zählen der Geräusche, die unterschiedlichen Dingen zugeordnet werden müssen. Hier ist Konzentration wichtiger, als Rechenkunst. Oder die Frage zu den Öffnungszeiten. Hier ist das Verstehen der Frage und der Angaben im Mittelpunkt. Alle einzelnen Aufgaben sind dem Rechnen insgesamt förderlich und sehr bunt gemischt. Das kommt der kindlichen Spielfreude sehr entgegen.
Die Aufgaben mit einer durchgehenden Geschichte zu verbinden, finde ich sehr schön. Das fördert automatisch den Drang des Kindes, weiter dran zu bleiben und zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht. Für Fans der Vorgänger-Bücher zum Thema Lesen findet sich ein ganz besonderer kleiner Leckerbissen, denn unsere Karoline Kneberwecht ist Kundin im ALLES-MARKT.
Ich finde das Buch sehr gelungen und hoffe, die Kinder merken wie Konstantin, dass Zahlen immer und überall um uns herum sind und richtig Spaß machen können. Wer weiß, vielleicht folgen ebenfalls noch weitere Bände, wie bei Karoline? Fände ich gut! Fünf Sterne von mir!
Entspricht nicht dem, was ich erwartet hatte
Gemüsepower von Lucia Schauerhammer
Erwartet hatte ich mir bei diesem Buch eine Art Unterstützung, den Anbau im eigenen Gärtchen zu maximieren. Bekommen habe ich etwas völlig anderes.
Die Kapitel Los geht’s Von Februar bis Mai; Pflegen & Ernten Von Juni bis August; Ernten & Neue Beete Von September bis Oktober; Wintergemüse & Planung Von November bis Januar teilen das Gartenjahr in vier Teile ein.
Natürlich ist es ein Unterschied, ob man wie Lucia Schauerhammer insgesamt 4.500m² oder ein paar Gartenbeete bewirtschaftet.
Bei manchen gewählten Worten oder Ausdrücken musste ich echt schmunzeln. Ganzheitlichkeit bei Gartengeräten? Okay. Gemeint ist jedoch, dass man checken soll, ob alle Gartengeräte funktionstüchtig sind. Die Tipps zielen auf echte Selbstversorgung, teils sogar auf die Versorgung der halben Nachbarschaft ab. Dazu muss man aber nicht nur den großen Garten, sondern auch mindestens ein möglichst beheizbares Gewächshaus und jede Menge Zeit haben. So neben Haushalt, Job und Familie ist das kaum bis gar nicht umsetzbar, schon gar nicht ohne Hilfe. Für die aufgezählte Ausstattung muss man übrigens auch ordentlich in die Tasche greifen!
Als eine Art To-Do-Kalender kann man das Buch leider ebenfalls nur bedingt einsetzen. Als Beispiel möchte ich hier anführen, dass die Autorin die Kartoffeln ab Anfang April in den Boden stecken will, aber erst da erwähnt, dass diese vorgetrieben sein müssen. Wann und wie? Wird nicht erwähnt. Solche Dinge ärgern mich dann doch schon arg. Die To-Do-Listen sind somit unvollständig. Auch werden die einzelnen Punkte nicht intensiver erklärt oder behandelt. Ganz klar, wer so richtig einsteigen will, wird nicht allein mit diesem Buch auskommen und sich weitere Lektüre zum Thema besorgen müssen, die tiefer auf die einzelnen Bereiche eingeht. Dennoch hätte ich mehr echte Information erwartet.
Die vielen Fotos sind gelungen, aber wäre Lucia weniger oft darauf zu sehen und würde sie beispielsweise den Rasen nicht ausgerechnet mit einem Aufsitzmäher mähen, wäre sie wesentlich glaubwürdiger und sympathischer. Auch wiederholen sich einige Bilder. Immer wieder wird in Klammern auf eine andere Seite hingewiesen, sodass man ständig am Hin- und Herblättern ist. Die wenigen Rezepte an den Kapitel-Enden sind lieb gemeint, retten meine Stimmung dann aber doch nicht mehr. Beim Thema Geflügel war ich dann ganz raus. Das ist erstens nicht überall erlaubt und zweitens definitiv nur für ganz wenige Gartenfans möglich. Mir werden zudem zu wenige Pflanzen vorgestellt und die wenigen sind dann doch eher exotisch. Auch fällt die Information, welche Pflanzen sich gegenseitig unterstützen und welche sich nicht vertragen, erschreckend kurz aus. Am Ende empfinde ich das Buch einfach nur als Vorstellung des Gartens und des Projektes der Familie Schauerhammer. Für Otto Normalverbraucher ist da wenig Spielraum, ähnliches auf die Beine zu stellen. Schönes Buch, aber der Nutzen für die breite Masse ist mager. Anfänger können mit einem so großen Garten gar nichts anfangen, Fortgeschrittene wissen schon alles, was hier beschrieben wird. Schöne Bilder allein lösen bei mir keine Jubelstürme aus. Daher leider nur zwei Sterne von mir.
Etwas überfrachtet und zäh
Wem du traust von Petra Johann
Sofia, die Tochter von Evas bester Freundin Susanne, springt immer wieder als Babysitter für den kleinen Linus ein. Eines Nachts bringt Daniel sie nach Hause, doch am nächsten Tag ruft Susanne aufgelöst an und fragt, wo Sofia ist. Trotz intensiver Suche bleibt Sofia verschwunden. Nach und nach gerät Eva ins Zweifeln.
Was hat Daniel mit Sofias Verschwinden zu tun?
Die Kurzfassung des Inhalts erinnerte mich sofort stark an Happy New Year von Malin Stehn. Dennoch wollte ich mich überzeugen lassen, dass der Plot hier besser umgesetzt wurde. Da mir sämtliche Figuren nicht sonderlich sympathisch waren, blieb mein Abstand emotional leider sehr groß. Selbst Eva, die in einer Perspektive als Erzählerin auftritt und die Geschehnisse im Präsens erzählt, wodurch man als Hörer oder Leser eigentlich besonders stark mit einbezogen werden soll, gewinnt mich nicht komplett für sich. Das ist krass, denn so kann ich nur bedingt mit ihr fühlen. Ob das an der Sprecherin Sarah Dorsel liegt, kann ich nicht beurteilen. Deren Stimme mag ich eigentlich echt gern und ich habe auch nichts an der Art, wie sie die Story einliest, auszusetzen. Am meisten verbunden fühlte ich mich tatsächlich mit der Ermittlerin!
Die verschiedenen Perspektiven beleuchten das Verschwinden von Sofia von unterschiedlichen Seiten. Das versorgt Leser und Hörer mit einem Gesamtpaket von Informationen. Solange aber bei mir keine Emotionen geweckt werden, fühle ich mich nicht so sehr gut unterhalten. Die Entwicklung der Story tritt stellenweise arg auf dem Fleck, geht teilweise nur zäh voran. Über Sofia und ihr Sozialleben erfährt man nach und nach mehr und dieses Wissen macht ihre Mitmenschen arg unsympathisch. Man sieht also, viele mögliche Sympathien kann man auch hier nicht verteilen. Da hat man ganz oft das Gefühl, dass alle nur aneinander vorbei leben, nur an sich selbst denken und auf eigene Vorteile bedacht sind. Egal, was das andere kostet. Lügen, Intrigen, Geheimnisse, davon gibt es viele. So viele, dass es inflationär ist und ins Negative kippt. Diesen Effekt haben auch die erstaunlich vielen Themen, die angeschnitten werden.
Im letzten Viertel gibt es passend dazu enorm viele Wendungen, die für meinen Geschmack zu reißerisch und krass sind. Das macht die Story zu allem auch noch unglaubwürdig und realitätsfern. Ich erwarte von einem Thriller nicht, dass alles absolut realitätsnah ist, aber etwas als hier mehr darf es schon sein. Das Ende ist wirklich mal etwas anderes und für mich fast schon komisch im Sinne von humorvoll. Für zwischendurch oder nebenher ganz nett, aber nichts, das lang im Gedächtnis bleibt und beeindruckt. Daher von mir nur drei Sterne.
Sehr gut bebildert und erklärt!
Sallys Lieblingsrezepte - ganz easy backen von Saliha Özcan
Man muss Sally einfach mögen, denn sie ist unbeschreiblich sympathisch. Klar, dass sie wie ich aus dem Badischen kommt und ihr Sallycon Valley knappe 30km von mir weg ist, das bringt noch Zusatzpunkte. Aber ihre Rezepte überzeugen auch einfach!
In diesem Buch findet man optisch und geschmacklich überzeugende Backwerke.
Sie sind nicht ganz so kompliziert, wie sie auf den ersten Blick wirken, aber ganz klar, schnell mal nebenher gemacht sind sie dann doch nicht. Das hat aber auch niemand behauptet! Wer gerne backt und schlemmt, der wird hier schon beim Lesen kulinarische Paradiese erobern!
Schon der Aufbau des Buches ist klasse! Am Anfang steht das Inhaltsverzeichnis, komplett schnörkellos, nach den kürzeren Kapitel zu Lebende bis Backformen unterteilt in die Rubriken Einfache Kuchen; Lieblingstorten; Süßes zum Teilen; Blechkuchen; Herzhaftes. Ganz genial finde ich, dass dieser Inhalt noch einmal in Bildern vorgestellt wird, bevor es wirklich losgeht. Da ich Rezepte ohne Fotos nicht mag, begeistert mich ein Bildverzeichnis natürlich extrem!
Ein wenig Werbung für den Shop, also Eigenwerbung, bekommt man hier auch. Doch dies und selbst die Fotos von Saliha, die im ganzen Buch auftauchen, wirken nicht negativ. Zumindest für mich kommt das Gefühl auf, von einer Freundin begleitet zu werden. Der informative Theorieteil ist nicht zu lang, bietet aber eine tolle Zusammenfassung wichtiger Punkte, auch für geübte Backfans.
Für jedes Rezept ist viel Platz eingeräumt worden, nämlich vier ganze Seiten! Ein großes ganzseitiges Foto, ein Text rund um das Gebäck plus Informationen zu Zeitbedarf, Backzeit, Backofeneinstellung, Backform bzw. Zubehör und Haltbarkeit, eine ganze Seite für die Zutatenlisten, das Rührelement, die Zubereitungsschritte und Tipps & Tricks und auf der vierten Seite dann Fotos zu den Arbeitsschritten, sodass diese auch optisch das Verstehen unterstützen. Ganz klar, diese opulente Art, die Rezepte zu präsentieren, macht das Buch dicker und teurer, doch ich feiere es total.
Die Zutaten sind mehr oder weniger unspektakulär. Etwas ausgefallener ist die Traubenmelasse, die es dann doch nicht überall gibt und noch dazu recht teuer ist. Sumak bekommt man meiner Erfahrung nach leichter, zudem ist es auch vielseitiger einsetzbar in der Küche. Tonkabohnen gehören für mich inzwischen zum Standard. Sie sind ebenfalls gut im Handel zu finden, preislich jedoch wie gute Vanilleschoten etwas höher angesiedelt. Anstelle von Gelatine wird hier immer Agar-Agar verwendet.
Die Anweisungen sind gut verständlich beschrieben und je länger man dieses Buch in Gebrauch hat, desto klarer wird, dass man kaum eins der Rezepte nicht nachmachen möchte! Auch nicht so geübte Backfans können die Rezepte gut nacharbeiten. Wie bei allen Backbüchern musste ich auch hier bei einigen Rezepten die Temperatur und die Backzeit ein wenig an meinen Backofen anpassen. Doch diese Schwierigkeit ist, wie gesagt, bei allen Büchern. Daher gebe ich insgesamt vier Sterne.
Hier gerät man automatisch ins Schwärmen
LONELY PLANET Bildband Bücherschätze von LONELY PLANET Deutschland
Wie könnte man dieses Buch nicht lieben? Es zeigt die ungewöhnlichsten Bücherorte, die man als Bibliotheken bezeichnen kann. Mir fällt es schwer, meinen liebsten Ort davon zu nennen, denn auf jeder neuen Seite denke ich, das ist er! Nur, um auf der nächsten Seite wieder zu finden, dass dies nun alles übertrifft!
Bezaubert hat mich aber schon die zweite Bücherei im Buch, das Traveler Restaurant in Connecticut, USA.
Jeder Gast darf drei Bücher kostenlos mitnehmen! Wenn das nicht genial ist! Und noch dazu befindet sich im Untergeschoss noch zusätzlich ein Antiquariat.
Die Motivationen für die unterschiedlichen Arten von Bücherorten sind bunt und vielfältig. Es geht nicht nur um den Durchschnittsleser, sondern auch Kids, politische Demonstrationen, Obdachlose. Auch unveröffentlichte Manuskripte sind in einer Bibliothek zu finden. Esel, Pferde und Kamele befördern Bücher als mobile Bibliotheken. Und selbst die Maya und Azteken hatten Bibliotheken. Bücher verbinden einfach alle und alles und bewirken mehr, als man sich vorstellen kann.
Die Fotos sind geradezu verführerisch! Man möchte sofort losfahren und die Orte besuchen. Dazu die Texte, die mit so viel Liebe geschrieben sind und zeigen, dass sich mit den Büchereien wirklich auseinander gesetzt wurde. Man lernt enorm viel dazu.
Eine Bücherei muss nicht riesengroß sein, um glücklich zu machen. Von winzig bis unbeschreiblich groß findet sich hier alles. Ein Bücherschatz schöner als der andere! Fünf Sterne von mir!
So bereichernd!
50 Fragen, die das Leben leichter machen von Karin Kuschik
Dieses Hörbuch ist definitiv lebensverändernd! Ich kann mir im Leben nicht die Fragen merken, aber im Grunde ist das fast nicht nötig, denn wenn man sie alle mal gehört oder gelesen hat und die Erklärungen und Geschichten dazu, erkennt man das Prinzip und schon allein das macht tatsächlich das Leben leichter.
Dabei habe ich mich sehr spät dafür entschieden, dem Buch eine Chance zu geben. Ich dachte echt, och nö, was soll das schon werden? Tja, falsche Frage. Lesen! Hören! Und nicht nur ein einziges Mal! Es wird hier definitiv mehr als eine Frage geben, die einiges in einem selbst auslöst oder verschiebt. Vielleicht nicht jede der Fragen, aber erstaunlich viele.
Sicher gibt es viele solcher Ratgeber mit Unterhaltungsfaktor. Gar keine Frage! Da dies das erste für mich zum Thema ist und ich daher unbelastet an die Sache herangehe, finde ich es wirklich genial. Das ist wohl nicht viel anders, als mit Koch- und Backbüchern. Je mehr man davon hat, desto öfter wiederholen sich die Rezepte. Das macht die Rezepte jedoch nicht schlechter!
Für mich bleibt die Quintessenz daher, dass dieses Buch besonders als Hörbuch gute Laune, Mut und Spaß macht, positiv stimmt, zum Nachdenken anregt und bei mir bewirkt, dass ich mir immer erst mal selbst eine der Fragen stelle, bevor ich zu impulsiv reagiere. Hin und wieder stelle ich die Fragen sinnvoller Weise meinem Gegenüber. Danach kann ich noch immer in alte Gewohnheiten verfallen, wenn ich meine, das muss sein. Und ich habe gelernt, selbst Fragen zu bilden. Das finde ich noch viel interessanter.
Karin Kuschik kann prima schreiben und genauso gut einlesen. Ich mag ihre Art, ich mag das Buch, ich mag ihre Stimme. Darum gebe ich hier die vollen fünf Sterne.
Eine Zugreise und ihre Folgen
Herbstgeschichte von Sten Nadolny
Der Schriftsteller Michael und sein Freund, der Schauspieler Bruno, teilen auf einer Bahnreise bis Venedig ein Abteil mit der jungen Kunststudentin Marietta. Sie scheint vor etwas oder jemandem zu fliehen und verschwindet nach einigen Tagen spurlos. Nach vielen Jahren taucht sie bei einer Lesung von Michael auf.
Sie sitzt im Rollstuhl und Michael spürt, er will und muss sich um die traumatisierte Frau kümmern.
Diese Story ist herrlich verschachtelt und wenn man nicht gut aufpasst, kann man sich ein wenig verlaufen. Dennoch ist das Hören und sicher auch Lesen ein echter Genuss. Ein paar spitze Bemerkungen zum Zeitgeschehen, zur Politik, zum Lifestyle mögen etwas unpassend wirken, runden die Story dennoch gar nicht mal so übel ab. Zu den beiden Freunden gesellt sich ein Schulfreund, Titus, der in seiner Funktion als Drehbuchautor die Fäden der Story für den Leser und Hörer quasi zusammenknüpft.
Alles startet kurz vor dem Jahrtausendwechsel und zieht sich bis in die Gegenwart, ins Jahr 2024. Das gibt dem Autor natürlich sehr viel Spielraum für die Darstellung von all den Veränderungen, die in fast 30 Jahren doch bei jedem stattfinden, ob man das nun möchte oder nicht. Dazu nutzt er prägende, zumeist politische, Ereignisse und auch Filme. Eine gelungene und auch fordernde Strategie.
Obwohl sehr viel Humor in dieser Geschichte steckt, auch ganz viel Gefühl, Liebe, ist auch Schmerz, Melancholie, Fassungslosigkeit zu finden. Somit spiegelt sie erschreckend gut das wahre Leben wider. Noch dazu ist alles so herrlich undramatisch erzählt, dass die eigentliche Wirkung, der Effekt der harten Realität, mit Verspätung einsetzt und so noch heftiger einschlägt.
Die Wendungen machen nicht immer glücklich, doch genau so ist ja auch das Leben. Die Story ist nicht locker-flockig-leicht, aber bereichernd. Daher finde ich auch die Stellen, die weniger angenehm sind, genau richtig. Eine tolle Lektüre, besonders als Hörbuch, von Peter Kaempfe genial eingelesen. Fünf Sterne!











