Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gabiliest:
Kultig und komisch: Die ganz geheimen (?) Tagebücher
Die ganze Wahrheit über die 5. Klasse von Kim Tomsic; Mark Parisi
Mit “Die ganze Wahrheit über die 5. Klasse” haben Kim Tomsic und Marc Parisi einen tollen und witzigen Comicroman vorgelegt. Das beginnt schon bei der Gestaltung des Hardcovers, zu diesem Buch würde man in der Buchhandlung sofort greifen, um mal hineinzulesen und sich dann zu sagen: “Wenn ich nur aufhören könnte!”.
Das Buch wird ab zehn Jahren empfohlen, aber hier können alle Altersgruppen noch jede Menge Spaß haben.
Zwei beste Freunde: Alex und Charli sind beste Freunde, beide fast elf Jahre alt und kommen in die fünfte Klasse. Sie kennen sich seit Ewigkeiten- also seit dem Kindergarten, sind Nachbarn und haben keine Geheimnisse voreinander- bis jetzt!
Zwei Tagebücher und zweimal erste Liebe: Jetzt vertrauen sie ihre Geheimnisse ihren Tagebüchern an. Charli ist von den Socken, sie hat Henry im Schwimmbad beobachtet, er hatte ein Faultierleibchen an und Charli liebt Faultiere. Also zeichnet sie in ihr Tagebuch viele Herzchen und Sternchen. Egal, was Henry sagt oder nicht sagt, er kann nur seine Beziehung zu Charli meinen.
Alex schreibt Tagebuch, weil seine Eltern das wollen, obwohl er viel lieber zeichnet. Aber gut, das kann man ja in einem Tagebuch auch machen. Auch Alex hat einen heimlichen Schwarm, Kiara. Die muss er noch beeindrucken und von sich überzeugen. Ob das gelingt?
Zweimal Zoff: Charli ist empört. Alex hat ihr ganz geheimes Geheimnis verraten, davon ist sie fest überzeugt. Alle wissen Bescheid, das kann doch nicht wahr sein! Nicht nur, dass sie mit Alex nicht mehr spricht, sie wird sich rächen, und sie weiß auch schon, wie.
Alex ist verwirrt. Wieso spricht Charli nicht mehr mit ihm? Er ist sich keiner Schuld bewusst, aber vielleicht steht ja etwas darüber in Charlis Tagebuch? Nur mal schnell reinschauen, wenn Charli nicht hinguckt! Da stehen ja tolle Sachen darüber, was Kiara gerne mag. Das muss Alex unbedingt machen!
Ein irre witziger Comicroman: In die fünfte Klasse zu kommen, ist toll, aber auch eigenartig. Angeblich verändert man sich da. In fröhlichen und fast wie aus dem wahren Leben gegriffenen Texten schildern die beiden bekannten Autoren, wie die Kinder, jedes aus seiner Perspektive, diese Zeit erleben. Der Stil der Tagebücher unterscheidet sich grundlegend. Charli versieht ihr Tagebuch mit vielen liebevollen Details und Kritzeleien, Alex zeichnet eher sachlich, aber deswegen nicht weniger komisch. Natürlich unterscheidet sich nicht nur der Schreibstil, sondern auch die Schriftart zeigt sofort, wessen Tagebucheintrag man gerade liest. Das Buch ist hochwertig ausgestattet, die Seiten sind aus dickem Papier, so dass man meint, tatsächlich ein Tagebuch vor sich zu haben.
Die Charaktere der Kinder sind liebevoll, aber manchmal echt schräg gezeichnet und beschrieben. Nicht nur junge Lesende, sondern auch Erwachsene, die gerne- oder mit Schaudern- an dieses Alter zurück denken, werden sich hier köstlich unterhalten. Lesemuffel freuen sich an der größeren Schrift und den vielen phantasievoll gezeichneten Details. “Die ganze Wahrheit über die 5. Klasse” ist ein chaotischer und witziger Comicroman, den man einfach mögen muss und den ich mit fünf Sternen bewerte.
Auge um Auge, Zahn um Zahn
Das Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri
“Töte die Reichen” Dieser Slogan findet sich nach Attentaten auf Milliardäre an den Tatorten und im Internet. Das erste Opfer ist ein ehemaliger, millardenschwerer Fußballspieler, Jesús Martínez. Seinem Tod folgen weitere prominente Opfer, alle ermordet auf eine Art und Weise, die Bezug zu ihrem bisherigen Leben hat.
Colomba Caselli, ehemalige Vizepolizeidirektorin und Dante Torre, ein genialer Amateurkriminalist, ermitteln. Colomba, die jetzt Privatdetektivin ist, wird von der Familie von Jesús zu dem Fall, an dem auch der Geheimdienst großes Interesse zeigt, hinzugezogen. Dante weicht nicht von ihrer Seite, denn die beiden verbinden schreckliche Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit.
Der bekannte Autor Sandrone Dazieri hat mit “Das Gesetz der Elite: Ihr Reichtum ist ihr Untergang” einen hoch aktuellen Thriller vorgelegt, der sich, oberflächlich betrachtet, auf die weltweiten Einkommens- und Vermögensunterschiede bezieht. Der Vergleich der Welt mit “Dollaronia”, in der wenige Superreiche alles bestimmen, ist durchaus der Realität entsprungen. Der Autor beschreibt die Welt des Geldes als Hochhaus, in den unteren Stockwerken bewohnt von den Durchschnittsverdienern und letztlich den bitter Armen. Und er legt nahe, den Wert des menschlichen Lebens in diesem Szenario zu überdenken, denn letztlich sind diese Menschen “entbehrlich”. Das deckt sich inhaltlich mit dem Eingangszitat des Buches von John Brunner aus “Schafe blicken auf“, das vorschlägt, zweihundert Millionen Menschen, die absonderlichsten und schädlichsten, zu eliminieren. Wie lautet wohl die Antwort der Elite auf die Frage, ob die gesamte Menschheit weiter bestehen solle?
Ebenso fasziniert der Traum vom ewigen Leben. Sandrone Dazieri lässt die Superreichen eine Organisation erschaffen, die es durch Kryokonservierung möglich machen soll, in der Zukunft durch verbesserte medizinische Möglichkeiten weiterzuleben. Doch führt vieles, das der Autor heranzieht, um den Spannungsbogen aufzubauen, die Lesenden gekonnt in die Irre. Denn als es letztlich gelingt, den Täter zu stellen, ergibt sich der Blick auf eine psychisch gestörte und narzisstische Persönlichkeit, die lange Zeit über jeden Verdacht erhaben war.
Besonders herauszustreichen sind die beiden Hauptfiguren Colomba Caselli und Dante Torre. Beide sind schwer traumatisiert. Das Buch wirft im Rückblick nur Schlaglichter auf das Schicksal der Protagonisten, die erahnen lassen, dass sie Furchtbares durchgemacht haben müssen. Colomba, die nicht mehr an vorderster Front ermitteln möchte, kann durch ihre Hartnäckigkeit nicht aufhören, nach dem wahren Täter zu suchen, auch als die Morde bereits geklärt erscheinen, doch immer wieder wird sie von Panikattacken gequält. Dante ist körperlich und psychisch schwer geschädigt und doch der Mastermind bei der Aufklärung der Verbrechen.
Bei aller Düsternis stellt der Autor die Beziehung von Dante und Colomba liebevoll dar, denn Colomba wird Dante, der eine sehr unorthodoxe Lebensweise pflegt, immer beschützen. Obwohl Colomba und Dante nicht zur Welt der Reichen und Schönen zählen, ergibt sich im Zuge der Aufklärungsarbeit für Colomba eine unerwartete und einfühlsam erzählte Liebesgeschichte.
Mein Fazit:
“Das Gesetz der Elite: Ihr Reichtum ist ihr Untergang” ist ein gut gelungener Thriller, der den Spannungsbogen bis zur letzten Seite aufrecht erhält. Die Unterschiede zwischen Fakten und Fiktion verschwimmen, souverän führt der Autor durch eine den meisten Menschen verschlossene Welt des Reichtums, ohne jedoch eine Verteilungsdebatte anzufachen. Die faszinierenden Charaktere der Protagonisten zeigen unerwartete und bizarre Persönlichkeitsstrukturen, zur besseren Einordnung finden die Lesenden am Beginn des Buches ein Personenverzeichnis. Ich hätte mir gewünscht, mehr über die Vorgeschichte von Colomba und Dante zu erfahren, die der Autor jedoch in seinen zwei bereits vor Jahren erschienen Romanen der Colomba Caselli- Reihe behandelt hat. Durch seine Realitätsnähe lohnt es sich, das Buch auch als Diskussionsgrundlage über die Einflussnahme der Superreichen auf Politik und Gesellschaft zu verstehen. So wirft der Autor, verpackt in einen fesselnden Spannungsroman, zeitgemäße und hochaktuelle Problemstellungen auf, über die es sich lohnt, nachzulesen und nachzudenken.
Cosy bis kriminell: Sektparty mit Mörderjagd
Mordseeparty von Emmi Johannsen
Mit “Mordseeparty” hat die bekannte Autorin Emmi Johanssen bereits den siebenten Band ihrer Borkum- Krimireihe vorgelegt. Das humorvolle Cover stimmt auf einen heiteren Küstenkrimi ein, wieder mit den bereits aus den Vorbänden bekannten Hobbyermittlern Caro Falk und Jan Akkermann. Dennoch kann dieser Band ohne Vorwissen gelesen werden, die Geschichte ist in sich abgeschlossen.
Caro bereitet die Party zu ihrem vierzigsten Geburtstag vor, Jan hilft ihr natürlich. Auch wenn es zwischen ihnen immer wieder knistert, näher gekommen sind die beiden einander noch nicht. Da muss erst Caros Schwester Conny kommen, zur Party angereist und gleich von Jan begeistert. Caro ist verwirrt, aber sie hat jetzt etwas anderes im Kopf: Auf der Seehundbank vor dem Nordstrand wurde eine nackte männliche Leiche gefunden. Der Tote ist Uwe Petersen, ehemals Milchbudenkönig, mittlerweile pleite. Wer hat nach seinem Leben getrachtet? Diese Person, die ihre Wut und ihren Hass in der Ich- Form beschreibt, weiß, dass Petersen schwere Schuld auf sich geladen hat. Noch ist nicht erkennbar, ob ein Mann oder eine Frau die Tat begangen haben könnten. Jan und Caro ermitteln in alle Richtungen, denn viele Menschen hätten ein Motiv gehabt, sich an Petersen zu rächen. Er hat Tiere wie Menschen gleichermaßen gequält und schlecht behandelt. Waren es Tierschützer oder eine Frau, an der er sich vergangen hat? Neben Partyvorbereitungen und Familienchaos versuchen Caro und Jan, diesen verzwickten Mordfall zu lösen.
Emmi Johannsen hat mit “Mordseeparty” einen spannenden und gut durchdachten Küstenkrimi geschrieben, der Jan und Caro, genau so wie die Lesenden, immer wieder in die Irre führt und unerwartete Twists bietet. Die Charaktere der Protagonisten sind alle sympathisch und zugewandt. Caro erinnert sehr an Miss Marple, auch wenn sie jünger ist, ist sie doch genau so neugierig und hartnäckig. Jan, ein bodenständiger und verlässlicher Mann, ist sichtbar in Caro verknallt, doch zu schüchtern, um auf sie zuzugehen. So ist dieser Roman ein unterhaltsamer Cosy-Krimi, denn er bietet auch eine schöne, sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte. Dazu gibt es jede Menge Familienleben, denn Caros Geschwister samt Nachwuchs, Eltern und Freunden wollen natürlich bei der Geburtstagsparty dabei sein. Auch hier hat die Autorin viele witzige Situationen eingebaut und die Lesenden würden Caro gerne einen kleinen Schubs geben, um ihre Beziehung mit Jan zu vertiefen.
Obwohl “Mordseeparty” heiter und fröhlich ist, zeigt das Buch doch auch Hintergründe eines Verbrechens auf. So war der Tote in der Kindheit selbst Opfer prekärer Familienverhältnisse, später dann manchmal großzügig der Gemeinde oder Menschen in Not gegenüber. Trotzdem wurde er in der Gemeinschaft nie akzeptiert und bekam als Kind keine Hilfe. So zeichnet das Buch ein differenziertes Bild des Mordopfers, der gleichzeitig Täter, aber in seiner Kindheit auch Opfer war.
Emmi Johannsen hat einen heiteren, gut lesbaren Kriminalroman geschrieben, der mit spektakulären Szenen genau so aufwartet wie mit unverhofften Wendungen. Die Protagonisten wirken lebendig, leichthändig erzählt die Autorin eine beschwingte und pointierte Geschichte. Sofort fühlt man sich auf die schöne Insel Borkum versetzt und würde an liebsten, dort am Strand liegend, dieses Buch lesen. So entsteht perfektes Urlaubsfeeling, daher empfehle ich diesen beschwingten und launigen Roman gerne weiter und bewerte ihn mit fünf Sternen.
Frag doch einfach mal Annie
Annie Knows Everything von Rachel Wood
Die bekannte Autorin Rachel Wood hat mit ihrer RomCom “Annie Knows Everything” einen sehr unterhaltenden Roman geschrieben. Das fröhliche Hardcover weist schon darauf hin, dass sowohl das Arbeits- wie das Privatleben von Annie richtig durchgerüttelt werden wird.
Annie ist eine toughe junge Frau, die in einer Tech- Firma arbeitet.
Als sie plötzlich entlassen wird- der Roman spielt in New York - ist Annie wie vor den Kopf gestoßen. Doch warum hat man eine Freundin in der Personalabteilung? Carrie vermittelt Annie einen In-House Job, für den sie überhaupt nicht qualifiziert ist. Das denkt auch ihr neuer Chef Connor, doch Annie will ihn überzeugen, dass er sie braucht. Soft skills sind bei Tech- Nerds nicht gerade ausgeprägt. Aber warum führt ein kleiner grüner Dinosaurier durch Annies Eignungstest und will mit ihr Schmetterlinge fangen? Und warum ist Conner so verdammt attraktiv?
Auch privat hat Annie Probleme. Zwischen ihrer Schwester Shannon und ihr herrscht Eiszeit, denn Annie hat vor Jahren Shannons Verlobungsparty gecrashed. Jetzt will Shannon sich wieder mit dem selben furchtbaren Mann verloben, das muss Annie unbedingt verhindern und Shannon vor ihrem Unglück bewahren!
Rachel Wood hat einen witzigen und angenehm leicht zu lesenden Roman geschrieben, in dem Annie, eine unverbesserliche Optimistin, sich immer in Sachen einmischt, die sie eigentlich nichts angehen. Sie ist davon überzeugt, selbst Probleme lösen zu können, von denen Profis sicher wissen, dass das nicht geht. Während dieser Job Story mit lockeren und frechen Unterhaltungen zwischen Annie und Connor finden beide Gefallen an dem Geplänkel und am anderen. Doch Annies Selbstvertrauen wird erschüttert, als sie Connor enttäuscht. Hat ihre Liebe noch eine Chance?
“Annie Knows Everything” zeichnet liebevoll die Charaktere der Protagonisten, vor allem der scheinbare Gegensatz zwischen dem hochintelligenten und technikaffinen Connor und der lebenslustigen und fröhlichen Annie wird humorvoll beschrieben. Auch die anderen Protagonisten runden mit ihren auch einmal ausgefallenen und skurrilen Lebensgeschichten und Vorlieben das Bild von der Atmosphäre in der Tech- Welt gut ab. Geheimnisse, Intrigen, Befindlichkeiten und kleine Gemeinheiten sind an der Tagesordnung. Daneben läuft eine Liebesgeschichte, die ihre Zeit braucht, bis Annie und Connor einander näher kommen. Die Autorin hat hier ein gutes Gleichgewicht geschaffen zwischen Romantik und Humor, ein bisschen Spice darf natürlich auch nicht fehlen. Verena Ludorff trägt mit ihrer gelungenen Übersetzung aus dem Englischen wesentlich dazu bei, den Charme dieses Buches zu bewahren.
So ist “Annie Knows Everything” ein warmherziger Sommerroman, der sich hervorragend als Urlaubslektüre eignet. Annies umfassende Neugier und Zuversicht wirken ansteckend, so dass ein vergnügliches Leseerlebnis garantiert ist. Wer gut unterhalten sein will, hat hier sicher zum richtigen Buch gegriffen, das ich gerne weiterempfehle und mit fünf Sternen bewerte.
Socke macht Quatschi- Mist
Der kleine Rabe Socke: Alles wieder beste Freunde! von Nele Moost
Viele kennen den kleinen Raben Socke und seine Freunde schon aus Büchern, aus Filmen und vom Fernsehen. Doch jetzt gibt es das allererste Comic- Abenteuer dieser liebenswerten Truppe. Wer Socke und Freunde vielleicht doch nicht kennt, findet gleich zu Beginn des Buches alle Tiere mit ihren Namen und natürlich auch abgebildet, denn in diesem Vorlesebuch gibt es wenig und leicht lesbaren Text von Nele Moost mit tollen Illustrationen von Annet Rudolph.
Auf dem fröhlichen und bunten Hardcover sieht man die Hauptfiguren der Geschichte, Rabe Socke und Hase Löffel, die zeigen, dass sie beste Freunde sind. Aber das war nicht immer so. Was war da los?
Diesmal macht der kleine Rabe Socke wirklich Quatsch. Seine Freundschaft mit Hase Löffel wird auf eine harte Probe gestellt, denn manchmal sagt oder macht man Dinge, die man später bereut und die man wieder gut machen muss.
Wieder einmal braucht Socke die Hilfe seiner Freunde, denn auf seinem Heimweg findet er so viele Dinge, die er brauchen kann. Aber sein Nest ist schon voll. Da müssen die Freunde helfen, aufräumen, denn Socke weiß selbst, dass er ist ein Kuddelmuddel ist. Aber man muss doch nicht immer ordentlich sein! Doch, mahnt Frau Dachs und Hase Löffel weiß sowieso immer alles besser. Jetzt ist für Löffel klar: Socke ist ein Müllpups. Das ist nicht nett und Socke sinnt auf Rache. Als Löffel am nächsten Morgen aufwacht, traut er seinen Augen nicht. Überall hängen Zettel mit gemeinen Aussagen über ihn, wer macht denn so was? Socke weiß das ganz genau, aber die anderen dürfen es nicht wissen! Ob das gut geht? Und ob es Socke schafft, den traurigen Löffel wieder zum Lachen zu bringen? Denn am Ende ist doch nichts wichtiger als die Freundschaft!
Nele Moost und Annet Rudolph haben mit “Der kleine Rabe Socke- Alles wieder beste Freunde!” ein tolles Vorlesebuch für Vorschulkinder geschrieben. Leseanfänger können gut damit beginnen, die Geschichten selbst zu lesen, doch auch ältere Kinder werden an diesem Buch Freude haben. Es ist für Kinder von fünf bis zehn Jahren empfohlen. Die kurzen, in Fibelschrift gedruckten Texte lassen der Phantasie viel Raum und werden großartig ergänzt durch die detailreichen und lebendigen Illustrationen von Annet Rudoph. Die Kinder können anhand der Geschichte lernen, wie traurig es macht, wenn man wie Löffel plötzlich zum Außenseiter wird und wie schwierig es ist, die erlittenen Kränkungen wieder gut zu machen. Damit bietet das Buch einen guten Einstieg, diese Thematik mit den Kindern zu besprechen.
Altersgerecht, humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger wird für die Kinder gut nachvollziehbar geschildert, dass Freundschaft das Beste im Leben ist und dass sie leicht zerbrechen kann. Auch wenn sich der kleine Rabe Socke noch so bemüht, seinen Fehler wieder gut zu machen, letztendlich wird Löffel erst wieder fröhlich, als alle Tiere zusammen helfen. Für den kleinen Raben ist klar: So einen Quatschi- Mist wird er nie wieder anstellen- Ehrenwort!
Ich habe dieses tolle Kinderbuch mit meinem Enkel gelesen, wir hatten viel Spaß und finden, dass dieses fröhliche Buch in keinem Kinderzimmer fehlen sollte.
Furioses Finale: Der Kampf um das magische Schwert
Smaragour - Das ewige Feuer von Anja Habschick
Mit “Smaragour- Das ewige Feuer” schließt die bekannte Autorin Anja Habschick ihre spannende Drachenreitertrilogie ab. Das einprägsame und magisch wirkende Hardcover zeigt den Helden der Geschichte, Jamie, und seinen Drachen Big Blue. Jamie ist der “Eine der Einen”, der die Welt der Drachen und Menschen zusammenbringen und die Drachen befreien kann.
Smaragour ist eine Insel im Nordmeer, auf der sich drei berühmte Drachenreiterschulen befinden. In der Eldurskóla ist Jamie als Docker tätig, er pflegt die Drachen. Doch mit Big Blue, der Anführerin der Drachenherde, verbindet ihn ein besonderes Band, er kann ihre Gefühle spüren. Nur Jamie und Big Blue können “die Zeiten wenden”, dafür sorgen, dass die Drachen endlich in Freiheit leben können. So bleibt ein letzter Kampf gegen Rönrök, einen ehemaligen Drachenreiter, der die Drachen unterjochen und Smaragour beherrschen will. Denn Rönrök ist nicht tot, wie alle geglaubt haben. Jetzt baut er an einem Techno- Drachen, den er mit dem Ei eines schwarzen und bösartigen Drachenweibchens zum Leben erweckt. Plötzlich sind auch die Drachen in den drei magischen Schulen von Zecken befallen, hat auch hier Rönrök ein Mittel gefunden, die Drachen seinem Willen zu unterwerfen?
Jamie und seine Freunde Tex und Noah sind entschlossen, den Drachen die Freiheit zu bringen. Dazu benötigen sie die Spitze eines magischen Schwertes, das in den tiefsten Tiefen eines Berges von den Drachen versteckt wurde. Doch auch Rönrök und seine Tochter Emine suchen das Schwert. Der Kampf um die Freiheit der Drachen beginnt.
Mit “Smaragour- Das ewige Feuer” schließt Anja Habschick auf beeindruckende und phantasievolle Weise die Geschichte über das Schicksal der wunderbaren Drachen und der Drachenreiterschulen ab. Doch diesmal trachtet nicht nur Rönrök Jamie und Big Blue nach dem Leben, sondern auch Emine, Rönröks Tochter, hat sich plötzlich auf die Seite ihres grausamen Vaters geschlagen. Jamie ist enttäuscht und kann gar nicht glauben, dass Emine bereit ist, die Drachen zu verraten. Mit seinen mutigen und treuen Freunden Tex und Noah macht sich Jamie auf die Suche nach der Schwertspitze, ein ungeheuer gefährlicher Weg. Auch muss er die Drachen von Rönröks Einfluss befreien. Doch Big Blue ist eine ruhige und überlegte Begleiterin und Führerin der Drachenherde. Werden die Drachen später noch bereit sein, mit den Menschen zusammenzuarbeiten, die sie so oft schlecht behandelt haben?
In diesem furiosen Finale zeichnet die Autorin ein Bild des Kampfes um die Freiheit der einzigartigen Drachen. Doch nicht nur Action zählt, besonders betont werden Freundschaft und der dafür unersetzliche Wert, gegenseitiges Vertrauen. Auch dieser Band besticht durch seinen ungeheuren Ideenreichtum, viele magische Wesen tragen zum glücklichen Ausgang der Geschichte bei. Im Mittelpunkt steht jedoch der Wert der Freiheit, denn niemals sollte ein Schwert dazu dienen, über andere zu herrschen.
Das Buch ist angenehm und leicht zu lesen, Spannung bis zum Schluss ist garantiert. Anja Habschick schreibt bildhaft und entwirft magische Welten, die die Lesenden in ihren Bann ziehen, man fiebert, lebt und leidet mit den Protagonisten mit. Drachenfreunde ab zehn Jahren erwarten unzählige aufwühlende Abenteuer. Empfehlenswert wäre es, auch die Vorgängerbände der Drachenreitertrilogie zu kennen, um besser in diese aufregende Geschichte einzutauchen.
Ich habe das Buch mit meinem Enkel gelesen, uns hat die actiongeladene Drachenreiter- Fantasy um Jamie und die Drachen sehr gut gefallen. Wir empfehlen das Buch daher gerne weiter und bewerten es mit fünf Sternen.
Ein Opfer sucht seinen Mörder
Noch fünf Tage von Helena Falke
Dieses Opfer ist Liz, Sterneköchin und angestellt bei Familie Harman, Milliardäre, mit diversen Wohnsitzen und zu Sylvester in ihrem Chalet in Davos, das die Lesenden schon auf dem gelungenen und düster-einprägsamen Cover kennen lernen. Liz wird ein besonderes Sylvesterdinner vorbereiten, das sie natürlich abschmecken muss.
Dazu taucht sie immer einen Zahnstocher in die Speisen und leckt ihn ab. Doch das Dinner läuft anders als erwartet: Die Harmans sind tot, die Eltern John und Reeta, die Kinder Calliope und Percy. Und Liz weiß, sie hat nur noch fünf Tage zu leben.
Unausweichlich zeigt die Digitaluhr ihres Krankenzimmers die verrinnende Zeit. Liz möchte nur eines, ihre Tochter Cosima bei sich haben. Doch das erlaubt die Polizei nicht, Liz ist verdächtig. Um sich zu entlasten muss Liz schnellstens ihren Mörder finden.
Helena Falke hat ihren Roman “Noch fünf Tage” eingeteilt in die verbleibenden Tage, Stunden, Minuten und Sekunden. Die Lesenden fühlen mit Liz, wie ihr die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt und sie versucht, im Geist ihre Anstellung im Milliardärshaushalt und das Sylvesterdinner zu rekonstruieren. So überprüft sie alle Familienmitglieder und findet kein Motiv, wiewohl John entschlossen war, gesellschaftlich und politisch weiter aufzusteigen. Auch ist er überzeugt, dass Reichtum dazu benutzt werden sollte, die Welt nach seinen Vorstellungen umzuformen- hat er sich dadurch Feinde gemacht?
Reeta gehört eigentlich nicht in diese Kreise und braucht Tipps von Liz, um ihren Platz zu finden. Allerdings ist sie arrogant und rücksichtslos. Zudem stellt sich heraus, dass die Familie durch ein ungewöhnliches, schwer zu beschaffendes und teures Gift getötet wurde. Auch an ihre frühere Anstellung in einem Nobelrestaurant denkt Liz. Da gab es einmal einen Vorfall, an dem Liz keine Schuld traf, trotzdem verlor sie ihren Arbeitsplatz. Ist dieser Vorfall mittlerweile vergessen? Auf Empfehlung ihres damaligen Chefs kam sie zu den Harmans.
In beklemmender Weise fühlen die Lesenden in diesem Thriller die Unausweichlichkeit des Geschehens und den verzweifelten Versuch von Liz, ihre Tochter auch nach ihrem Tod versorgt zu wissen. Der unaufhaltsame Verfall ist spürbar und immer wieder erinnern sie die sich verändernden Digits daran, wie wenig Zeit ihr bleibt. Soll sie das Angebot von Esme, ihrer Pflegerin, annehmen, und sich sedieren lassen? Nein, Liz muss klar denken können und Esme muss ihr bei ihrer atemlosen Suche nach dem Mörder helfen. Hier beschreibt der Roman weitläufig, welche Essen Liz zubereitet hat und wie sich ihr Leben im Nobelhaushalt gestaltete. Dazu auch alle Macken dieser reichen Familie und die Demütigungen, die Liz hinzunehmen hatte. Dabei gab sie sich wirklich Mühe, auf alle Vorlieben und Neurosen einzugehen, immer im Bestreben, das Leben der Familie zu verbessern.
Wenig schreibt die Autorin über Cosima, die geliebte Tochter von Liz, in den Schilderungen über das Leben bei den Harmans kommt sie kaum vor. Umso berührender ist die Szene, als Cosima von Liz erfährt, dass sie sterben werde. Doch Liz hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden, seit sie weiß, dass Cosima versorgt sein wird. Allerdings hätte ich mir hier gewünscht, mehr über das Verhältnis von Cosima und Liz zu erfahren.
Mein Fazit:
“Noch fünf Tage” beschreibt in beklemmender Weise, wie es sich anfühlt, in kurzer Zeit dem sicheren Tod entgegen zu gehen. Der Roman ist ebenso traurig wie spannend geschrieben, durch die genauen Zeitangaben fühlt man mit der sterbenden Protagonistin und ist wie sie lange nicht bereit, das Schicksal zu akzeptieren und entschlossen, den Mörder zu stellen. Mit großer Empathie wird das entsetzliche Geschehen erzählt, das extravagante Leben der Milliardärsfamilie spiegelt gesellschaftliche Vorgänge. Helena Falke wird somit zu einer sprachsensiblen Chronistin des letzten Weges, ohne je pathetisch zu werden. Auch wenn dieser Roman kein positives Ende zulässt, lohnt es sich, die Protagonistin bei ihrem Abschiednehmen zu begleiten.
Ans Meer, da ist der Weg so weit
Mirabellentage von Martina Bogdahn
Was passiert, wenn ein Pfarrer plötzlich stirbt? Und was braucht eine Gemeinde, um angemessen zu trauern? Natürlich ein Grab! Das weiß auch Anna, seit dreißig Jahren Haushälterin von Pfarrer Josef in der fiktiven Gemeinde Blumfeld. Aber sie weiß auch: Josef wollte nicht begraben werden; also steht eine Kakaodose mit ungewöhnlichem Inhalt auf ihrem Küchenbüffet.
Anna muss ans Meer, Pfarrer Josef wollte es so.
Mit “Mirabellentage” hat die SPIEGEL Bestseller-Autorin Martina Bogdahn ein Buch voll Herzenswärme geschrieben. Anna steht vor einem neuen Lebensabschnitt, sie trauert noch um ihren Jugendfreund Josef, doch der neue Pfarrer, Fridtjof, kommt schneller als gedacht. Leider versteht ihn keiner- Fridtjof spricht nur Platt. Aber früher wurde ja auf Latein gepredigt. Und wenn man das auch nicht kann, muss eben Annas italienisches Kochbuch herhalten- Rezepte inklusive.
Martina Bogdahn hat mit Anna eine Frauenfigur geschaffen, die in sich selbst zu ruhen scheint, zufrieden mit ihrem bisherigen Leben ist sie die gute Seele der Gemeinde Blumfeld. Aber wird man Anna jetzt noch brauchen? Lebensklug und freundlich tritt Anna dem neuen Pfarrer entgegen, der ohne sie in Bayern verloren wäre. Manches Gerücht kommt ihr ganz gelegen, denn kommt er nicht direkt aus Rom- vom heiligen Vater, wie die Gemeinde vermutet? Und da ist das Geheimnis in der Blechdose, die Anna dringend ans Meer bringen soll. Doch wie dort hinkommen? Außerdem hat Anna gerade so viel zu tun, sie muss die Mirabellen einkochen, im Garten steht ein Mirabellenbaum voll mit Früchten. Es ist Tradition, dass jeder, der im Pfarrhaus vorbeikommt, ein kleines Glas Marmelade bekommt.
Anna erkennt, dass es Zeit ist, für sich neue Perspektiven zu suchen. Mit ihrem Jugendschwarm, dem pensionierten Fahrlehrer Tanner, übt sie Auto fahren. Vielleicht sollte sie die Gemeinde ein paar Tage sich selbst überlassen, vielleicht ans Meer fahren, vielleicht mit der Blechdose im Gepäck?
“Mirabellentage” ist ein großartig geschriebener Roman, der sofort ein heimeliges Gefühl hervorruft und mit viel Witz und skurrilen Szenen die Vielfalt des Lebens beschreibt. Die Charaktere sind sympathisch und liebenswert, jeder auf seine Weise. Anna, die für alle Probleme eine Lösung weiß, ist liebevoll und zugewandt, ihr Leben als Pfarrersköchin war für sie genug. Doch kann sie jetzt einen neuen Lebensweg gehen? Pfarrer Josef, obwohl bereits verblichen, wird als eher ängstlich beschrieben, mit einer schweren Jugend und manchmal mit seiner Berufung als Priester hadernd. Doch hinterlässt er Anna nicht nur eine Blechdose, sondern auch einen Mercedes. Hier kommt Fahrlehrer Tanner ins Spiel, der von Anna beeindruckt ist, von ihren Fahrkünsten anfangs weniger. Fridtjof, der neue Pfarrer, wirkt hilflos und verloren, hat aber durchaus Qualitäten, mit denen Anna nicht gerechnet hat. So entsteht ein buntes Bild einer bayrischen Gemeinde und ein vergnüglich zu lesendes Buch.
Mein Fazit:
“Mirabellentage” ist ein gelungener Roman, der mit leichter Hand geschrieben ist und viel Witz und abstrus- komische Situationen bietet. Beschwingt folgt man den Protagonisten in eine heil erscheinende Welt, die doch manche persönlichen Tragödien birgt. Einfühlsam und empathisch stellt die Autorin die Frage, ob es mit Mitte Fünfzig noch möglich ist, dem Leben eine neue Wendung zu geben. Genau wie Anna gehen die Lesenden beschwingt dieser Frage nach. Schon das schön gestaltete Hardcover macht Appetit auf Mirabellen, zu denen man nur zurück kehren kann, wenn man den Mut hatte, sich auf den Weg in die Fremde zu machen. So ist “Mirabellentage” ein einfach schöner, menschlich berührender Roman mit viel Sinn für Humor im Alltäglichen.
Schach den Verbrechern
Die Großstadtdetektive - Wo ist Annabelle? von Eva Lezzi
Mit “Die Großstadtdetektive- Wo ist Annabelle” hat die bekannte Autorin Eva Lezzi den zweiten Band über die Abenteuer der Großstadtdetektive vorgelegt. Das gelungene und fröhliche Hardcover zeigt, dass das Schachspiel in dieser Geschichte eine wichtige Rolle einnehmen wird.
Es sind Ferien, alle Kinder sind auf Urlaub, nur Irina ist zu Hause geblieben.
Da könnte sie im Park mit Leihhund Gloria spazieren gehen. Und vielleicht Schach spielen- das hat Irina von ihrem Vater gelernt. Dabei trifft sie Annabelle, eine ältere Dame, mit der sie sich für den nächsten Tag zum Schachspiel verabredet. Doch plötzlich ist Annabelle verschwunden. Glücklicherweise sind alle Großstadtdetektive wieder zurück und helfen bei der Aufklärung dieses verzwickten Falles. Die Kinder finden ein Gedicht in Jiddischer Sprache, aber ist das wirklich eine Spur zu Annabelle? Warum sollte jemand eine alte Dame entführen? Und was hat die fehlende Schachfigur mit Annabelles Verschwinden zu tun?
Eva Lezzi hat mit ihrem Buch nicht nur eine spannende, warmherzige und menschliche Geschichte mit sehr originellem Inhalt verfasst, sondern der Text betont Freundschaft, Mut und die Zusammenarbeit der Großstadtdetektive. Die Kinder stammen aus unterschiedlichen Kulturen und haben unterschiedliche Religionen, doch das ist für den Zusammenhalt der Gruppe belanglos. Mit Köpfchen und Durchhaltevermögen gelingt es, Gefahren gemeinsam zu begegnen, wobei jedes Kind nach seinen Talenten tätig werden kann. Nicht nur die Detektive, auch die Lesenden versuchen bestimmt, dieses verzwickte Rätsel um Annabelle zu lösen, denn das Buch bietet viele unerwartete Wendungen und Überraschungen.
Eva Lezzi hat in kindgerechter Sprache einen genau auf die Zielgruppe der Kinder ab acht Jahren zugeschnittenen Krimi geschrieben, der durch die phantasievollen Illustrationen von Daniela Kohl hervorragend unterstützt wird. Kurze Kapitel erhalten die Lesefreunde, die lebendig erzählte Story zieht die Kinder sicher in ihren Bann. Liebevoll bindet die Autorin fremdsprachige Ausdrücke und das schöne Jiddische Gedicht “Im Westen”, das natürlich auch auf Deutsch vorliegt, in die Handlung ein. Am Ende des Textes findet sich ein Glossar, mit dessen Hilfe fremdsprachige Wörter übersetzt werden können.
Für mich liegt die Stärke dieses Buches in der Beschreibung des friedlichen Zusammenlebens, jeder ist akzeptiert, ohne dass Herkunft, sozialer Stand oder Religion eine Rolle spielen. Jeder gehört dazu und jeder findet ohne Vorurteile seinen Platz in dieser abenteuerlichen Geschichte. Durch das Schachspiel kommt ein neuer, interessanter Aspekt in das Buch, vielleicht werden Kinder sogar angeregt, das Spiel selbst zu lernen.
Ich denke, dass sich dieses Kinderbuch gut als Klassenlektüre eignen würde, auch sollte es in jeder Schulbibliothek stehen. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, zu betonen, dass nur Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung dazu beitragen, auch knifflige Situationen im Leben zu meistern. Was könnte das den Kindern besser näher bringen als eine spannende Detektivgeschichte? Daher kann ich “Die Großstadtdetektive- Wo ist Annabelle” ganz besonders weiterempfehlen und bewerte das Buch mit fünf Sternen.
So wie du bist, so bist du richtig
Ferri von Gertraud Mesner; Beate Welsch
Die bekannten Autorinnen Gertraud Mesner und Beate Welsch haben mit “Ferri: Mutig ist, wer Hilfe holt” ein kluges und unterhaltsames Kinderbuch für Kinder ab vier Jahren vorgelegt. Das schöne Hardcover dieses großformatigen Bilderbuchs zeigt schon die Hauptfigur der Geschichte, den Fisch Ferri, der mit den anderen Meerestieren fröhlich herumschwimmt.
Aber plötzlich ist alles anders. Der fröhliche Ferri singt ein Lied, als der Rochen Rocho beginnt, ihn zu ärgern. Auch andere Meerestiere fangen an, Ferri zu verspotten, keine Hilfe ist in Sicht. Aus Spott werden Drohungen, je mehr Tiere bei diesem bösen Spiel mitmachen, desto lustiger finden sie es. Qualli, der der verzweifelte Ferri leid tut, versucht, ihm zu helfen, verschwindet aber schnell, als Rocho kommt und mit Gewalt droht. Ferri weiß nicht, was er falsch gemacht hat, aber er muss doch schuld sein, dass die anderen Tiere so garstig zu ihm sind. Zu Hause erzählt der traurige Ferri nichts, seine Eltern bemerken nichts von seinem Kummer. Das kann Wali, der kluge Wal, nicht mehr mit ansehen. Glücklicherweise weiß er Rat und kann helfen…
Mit diesem Kinderbuch haben Gertrud Mesner und Beate Welsch in kindgerechter Weise beschrieben, wie Mobbing beginnt und wie sich die Spirale der verbalen und körperlichen Gewalt immer weiter dreht. Das Opfer fühlt sich hilflos, zieht sich zurück und verändert seine Wesensart, aus dem fröhlichen Ferri wird der traurige Ferri. Oftmals übersieht das Umfeld, wie sich das Mobbingopfer fühlt und der Betroffene selbst will nicht über seine Situation sprechen.
Genau dieses Geschehen beschreibt auf gut verständliche Weise die Geschichte von Ferri. Unterstützt wird die Erzählung durch die ganzseitigen farbenfrohen, phantasievollen und ansprechenden Illustrationen von Antje Bohnstedt. Da bereits im Kindergarten, im Alter von ungefähr vier Jahren, die Kinder beginnen, Schimpfwörter lustig zu finden, aber oft nicht daran denken, dass dadurch andere Kinder, aber auch Erwachsene gekränkt werden, ist das Vorlesen dieses Buches die richtige Methode, schon mit jungen Kindern über Mobbing zu sprechen, seien sie Betroffene oder Mitläufer, die Spaß an Beleidigungen und Drohungen haben. Da die Situation von Erwachsenen oft nicht bemerkt wird, weil das Kind zu Hause nicht über seine hässlichen Erfahrungen spricht, ist es gut, wenn alle Personen, die sich um Kinder kümmern, achtsam sind, ob sich ein Kind verändert oder Kummer hat. Als Hilfestellung bieten die Autorinnen im Anschluss an die Geschichte einen Überblick darüber, was Mobbing bedeutet, seine Ausprägungen und Ursachen. Auch das weitere Vorgehen, wenn ein Kind zum Mobbingopfer wird, wird thematisiert.
So bietet “Ferri: Mutig ist, wer Hilfe holt” eine überzeugende Geschichte über Freundschaft und Mut, die Kinder dazu anregen soll, nicht zu schweigen, wenn sie von Mobbing betroffen sind. Auch das Selbstvertrauen der Kinder soll gestärkt werden, damit sie erkennen, dass es keine Schwäche ist, sich Hilfe zu holen. Andererseits ist es wichtig, dass auch schon kleine Kinder verstehen, dass es Grenzen im Umgang mit anderen Menschen gibt. Das Buch nimmt in eine phantastische Unterwasserwelt mit und besticht durch seine hochwertige Ausstattung und das dicke Papier, sodass auch noch Geschwisterkinder mit Ferri Freude haben werden.
Ich habe die Geschichte mit meinem vier Jahre alten Enkel gelesen, der Ferri mochte und von den bunten Bildern begeistert war. Für uns war es das richtige Buch zur richtigen Zeit, denn mein Enkel bringt aus dem Kindergarten gerade Schimpfworte nach Hause, auch auf dem Spielplatz in der Gruppe neigen die Kinder zu Spott. Mit Hilfe des Buches konnten wir gut darüber sprechen, was andere Kinder empfinden, wenn sie gekränkt und zum Außenseiter werden. Wir werden das Buch noch oft zur Hand nehmen, denn um ein grundlegendes Verständnis dafür zu schaffen, wie sich ein Mobbingopfer fühlt, braucht es Zeit und Geduld. Aber die Mühe lohnt sich, Ferri kann dabei sicher helfen. Daher können wir dieses gelungene Buch gerne weiterempfehlen und bewerten es mit fünf Sternen.











