Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gabiliest:
Rettet Stormi!
Mein Seepferdchenhof 1. Wilde Flosse, großes Herz von Kathrin Lena Orso
“Mein Seepferdchenhof- Wilde Flosse, großes Herz” ist das erste Kinderbuch, das meine Enkelin und ich an einem Nachmittag regelrecht verschlungen haben. Schon das liebevoll gestaltete Hardcover hat uns von Anfang an gefallen, meine Enkelin hat das Buch sofort beschlagnahmt und zu lesen begonnen- etwas, das sie üblicherweise nicht tun würde.
Die Illustrationen von Leonie Engel sind farbenfroh, phantasievoll gezeichnet, passen hervorragend zum Text und bieten vor allem Kindern, die nicht gerne lesen oder gerade mit dem Lesen beginnen, willkommene Ruhepunkte. Die Geschichte der Autorin Kathrin Lena Orso bietet alles, was Mädchen mögen: Eine phantastische Unterwasserwelt, in die man am Liebsten gleich selbst eintauchen würde; viel Spannung, eine tolle Heldin und natürlich richtig niedliche Seepferdchen. Zu Beginn werden die wichtigsten Figuren des Buches mit Bildern vorgestellt. So wird den Kindern ein guter Einstieg in das Leseerlebnis ermöglicht.
Heldin der Geschichte ist Elli, ein Meermädchen, das auf Grund einer Verletzung nicht an einem Wasserball- Turnier teilnehmen kann. Besonders schlimm für sie ist, dass sie den Eindruck hat, ihr Team brauche sie nicht mehr. Auch ihre beste Freundin Mona vernachlässigt sie. Doch Maris, ein Klassenkamerad, lädt Elli auf seinen Seepferdchenhof ein, die wunderschönen Seepferdchen begeistern Elli sofort. Mit Stormi, einem verstörten Rennseepferd, verbindet Elli eine besondere Beziehung, denn Stormi lässt eigentlich niemanden an sich heran. Als sein fieser Besitzer Stormi zurück will, ist für Elli klar: Stormi muss gerettet werden!
Kathrin Lena Orso und Leonie Engel haben mit “Mein Seepferdchenhof- Wilde Flosse, großes Herz” den ersten Band einer neuen Reihe vorgelegt, die sich besonders an Mädchen, die Reiten und Tiere mögen, richtet. Allerdings wird das Buch, das für Kinder ab sechs Jahren empfohlen wird, auch älteren Kindern gefallen. Es eignet sich sehr gut zum Vorlesen und zum selbst Lesen, die Sprache ist altersangepasst und leicht verständlich. Besonders gut hat uns gefallen, dass Begriffe, die die Kinder kennen, leicht abgewandelt auch in der Unterwasserwelt vorkommen und so auch Erwachsenen ein Schmunzeln entlocken können. Kurze Kapitel, die große Schrift und durchgehend farbige Illustrationen erhalten die Lesefreude. Der stabile Einband und das dicke Papier dieses hochwertig ausgestatteten Buches garantieren, dass auch Geschwisterkinder noch Freude daran haben werden.
Besonders begeistert hat uns die spannende und warmherzige Geschichte über Freundschaft, Tierliebe und den Wunsch, dazu zu gehören. Hier können Kinder sicher selbst einige Erlebnisse erzählen, denn es ist nicht immer einfach, befreundet zu sein. Natürlich haben wir das niedliche Rennseepferdchen Stormi sofort ins Herz geschlossen und die mutige Heldin Elli bewundert, die sich auch durch Rückschläge nicht unterkriegen lässt und den Mut hat, Neues zu wagen. Meine Enkelin war so begeistert von diesem Buch, dass wir auch gleich das im Anhang befindliche erste Kapitel des nächsten Bandes gelesen haben. Wir empfehlen kleinen und großen Leseratten die zauberhafte Geschichte von Stormi und freuen uns schon auf den zweiten Band.
Das ultimative Tagebuch für den Umgang mit finsteren Kreaturen und für ganz viel gute Laune
Willkommen in Gravity Falls - Dippers und Mabels Leitfaden zu Mysterien und endlosem Spaß von Disney; Alex Hirsch; Shane Houghton
Lust auf Monster, Übernatürliches und Geheimgesellschaften oder nur auf Spaß? Dann bist Du bei “Gravity Falls: Dippers & Mabels Leitfaden zu Mysterien und endlosem Spaß” genau richtig. Dieses Tagebuch im Comic-Stil nimmt dich mit nach Gravity Falls, einer Kleinstadt in Oregon/ USA. Dort verbringen die zwölf Jahre alten Zwillinge Dipper und Mabel ihre Ferien bei ihrem Großonkel (kurz einfach Gronkel) Sam.
Dieses übernatürlich nützliche, bunte und phantasievolle Tagebuch- hast du schon das Hardcover gesehen, mit Glitter, da möchte man direkt zugreifen- ist ein New York Times Bestseller und geht auf eine Disney Animationsserie zurück, die zwischen 2012 und 2016 gelaufen ist. Du kennst die Serie nicht? Du warst damals zu jung, zu alt oder noch gar nicht geboren? Kein Problem! Gleich zu Beginn des Buches gibt es einen kurzen Steckbrief zu den Serienfiguren. Und von Gravity Falls gibt es auf den Innenseiten des Buchumschlages einen Stadtplan- du sollst dich schließlich auskennen.
Dipper und Mabel schreiben gemeinsam ein Tagebuch, aber sind nicht immer einer Meinung. Dipper hat bereits viele Geheimnisse von Gravity Falls gelöst und möchte sein Wissen mit dir teilen. Sicher interessiert es dich, wie man Bestien bezwingt, was man macht, wenn man Geistern begegnet oder wie man sich mit einem Gespenst unterhält. Da hat Dipper viele Ratschläge und mit Fragebögen kannst du testen, ob du bereits allen Herausforderungen gewachsen bist. Möchtest du lernen, wie man einen Code knackt, dann bist du hier richtig. Übernatürliches und Mysterien fallen auf jeden Fall in Dippers Zuständigkeit.
Die erfindungsreiche und etwas durchgeknallte Mabel will einfach nur Spaß haben, mit Freundinnen oder ihrem geliebten Hausschwein Schwabbel. Brauchst du auf die Schnelle ein Haustier? Folge einfach Mabels Anleitungen. Aber verabschiede dich auch von deinem Vorsatz, nie, wirklich nie, eine Seite aus einem Buch herauszureißen. Mabel hat viele tolle Ideen für lustige Bastelarbeiten und ihre Pullover sind legendär. Allerdings hat sie eine Schwäche für süße Jungs, gerne Vampire oder Klone. Auch wenn Mabel manchmal die Tagebucheintragungen ihres Bruders korrigiert, die beiden sind beste Freunde.
“Dippers & Mabels Leitfaden zu Mysterien und endlosem Spaß” ist eine gelungene Mischung von Fantasie, Humor, Spannung und Mitmachbuch. Die Texte sind einfach lesbar, so dass auch Lesemuffel gerne zugreifen werden, die Illustrationen sind ideenreich und fröhlich. Das Buch wird für Kinder ab acht Jahren empfohlen, ist aber ebenfalls gut zum Vorlesen geeignet. Auch ältere Kinder werden ihren Spaß haben. Erwachsene werden sich über kleine Außergewöhnlichkeiten wie das Ektoplasma oder den Rorschach- Test freuen. Diese Begriffe muss man, wenn man als Eltern- oder Großelternteil mit dem Schmunzeln fertig ist, den Kindern wohl erklären. Eines hätten wir- meine Enkelkinder und ich- allerdings gerne gewusst: Auf fast jeder Seite gibt es Symbole, für die wir keine Auflösung im Buch gefunden haben. Da hätten wir gerne Näheres erfahren.
Mein Fazit:
Ein tolles, gelungenes Mitmachbuch für die ganze Familie, das auf Grund seiner hochwertigen Ausstattung, des dicken Papiers und des stabilen Hardcovers auch Geschwistern noch Freude machen wird. Bunt, freundlich und mit viel Witz werden hier wichtige Geheimnisse gelöst, Freundschaft und Verständnis gefördert sowie die Kinder direkt in das Geschehen einbezogen. Es gibt viele Rätsel, Fragebögen und am Schluss einige Seiten, die die Kinder selbständig gestalten können. Wir hatten beim Lesen, Vorlesen und Mitraten viel Spaß, empfehlen das Buch gerne weiter und bewerten es mit fünf Sternen.
Jennerwein und die Literatur
Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht von Jörg Maurer
Weimar im Jahr 1806. Bekannte Autoren aller Epochen flanieren durch die Straßen, alles ist lebensecht. Goethe und Kafka, Schiller und Bert Brecht unterhalten sich über Literatur. Virtual Reality macht es möglich.
Alle Beteiligten wollen etwas gegen den Niedergang der Lesekultur tun, daher sind sie Mitglieder von Salomes Lesekränzchen.
Doch wie Aufmerksamkeit generieren? Unter dem Motto “LESEN HILFT” stellen sie in der Literatur beschriebene Verbrechen nach. Besonders spektakulär agieren dabei drei Influencerinnen, Ene, Mene und Muh. Dass Autor Jörg Maurer den Dreien die Figur des Konfuzius zugeschrieben hat, zeugt von leiser Ironie. Aber auch von Verachtung, denn als die alltäglichen Klarnamen der Foristen, die über die ganze Welt verstreut leben, publik werden, bleiben die drei Frauen weiterhin Ene, Mene und Muh.
Jennerwein spielt in diesem sechzehnten Fall “Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht” eine völlig andere Rolle als in den bisherigen Bänden von Jörg Maurer. Diesmal reist er durch die Welt und hält Vorträge über den “besonderen Blick”, das sofortige Erkennen, was an einem Tatort ungewöhnlich ist. Doch Jennerwein greift ein, als ein Politiker ermordet wird, der die Sprache vereinfachen wollte. Können seine radikalen Ideen das Motiv für den Mord gewesen sein? Keine Groß- und Kleinschreibung mehr? Das geht gar nicht, findet der Autor und ich pflichte ihm bei, denn das kann den Sinn eines Satzes verändern. Zwischen “ich habe liebe Genossen” und “ich habe Liebe genossen” ist ein himmelweiter Unterschied! Und für einen zum Tode verurteilten Delinquenten kann ein Komma lebensrettend sein: “Wartet, nicht hängen!” ist etwas Anderes als “wartet nicht, hängen!”
Jörg Maurer betont in diesem Buch unter den Schlagwort “LESEN HILFT” die Wichtigkeit von Leseförderung und humanistischer Bildung. Der Erhalt der Schönheit der Sprache- wir sind ja das Land der Dichter- sowie ihrer Klarheit und Präzision- wir sind auch das Land der Denker- wird in zahlreichen Appellen betont. Allerdings meine ich, dass die Zielgruppe hier nicht erreicht wird, denn die in virtuellen Lesezirkeln Engagierten lesen sowieso mit Leidenschaft, Literaturverweigerer werden durch die Aufzählung vieler großer Namen, die den Betroffenen wenig sagen, eher abgeschreckt.
Und Jennerwein? Er hat seinen Auftritt vor allem im zweiten Teil des Buches, wo er Indizien sammelt, um den Politikermord aufzuklären. Leider wird sein Team nur in einer kurzen Sequenz erwähnt, die oft humorvollen gruppendynamischen Prozesse bleiben dabei auf der Strecke. Doch es gibt in der virtuellen Welt von Salomes Lesekränzchen humorvolle Szenen. So leidet die Figur des Shakespeare am Tourette-Syndrom und sondert ausschließlich Schimpfwörter ab. Eine künstliche Intelligenz wird ausgeknockt, indem man ihr Entscheidungsfragen stellt. Hinter phantasievollen Schilderungen verbergen sich jedoch ernste Überlegungen zum Zustand des Bildungssystems und zum Einfluss der Technik auf Sprache und Büchermarkt. Dennoch hätte ich mir von diesem Roman gewünscht, dass, wenn Jennerwein draufsteht, auch mehr Jennerwein drin ist.
Witzig ausgesucht sind die Schlussworte des Buches (da kommt sogar Uschi Obermaier zu Wort, die allerdings nur älteren Lesenden bekannt sein dürfte). Jörg Maurer zitiert Georg Christoph Lichtenberg, der Rezensionen als eine Art Kinderkrankheit bezeichnet, die neugeborene Bücher befällt. Der Büchergeburtstag dieses Romanes ist jetzt schon ein bisschen her, daher hoffe ich, dass diese Rezension nicht als Krankheitssymptom, sondern als Placebo verstanden wird, verabreicht von einem wohlwollenden Jennerwein- Fan. Wer Krimis, Literatur und virtuelle Welten mag, hat hier sicher zum richtigen Buch gegriffen.
Hochzeit auf italienisch
Lieber solo als allein von Tessa Hennig
“Dio mio” eine italienische Hochzeit! Genau darum dreht sich der Liebesroman der bekannten Autorin Tessa Hennig Schon das fröhliche Cover macht Lust, die Protagonisten nach Italien zu begleiten. Doch italienische Familienangelegenheiten haben so ihre Tücken und natürlich geht auch in diesem witzigen Liebesroman nicht alles glatt.
Leonie und Luca wollen heiraten. Leonie kommt aus Deutschland zu den zukünftigen Schwiegereltern nach Italien, die in Perugia ein in die Jahre gekommenes Hotel betreiben. Entspricht das Leonies Vorstellung von ihrer Zukunft? Luca, der aus Perugia stammt, ist ebenfalls hin und her gerissen zwischen der Möglichkeit, das Hotel seiner Eltern zu übernehmen oder mit Leonie noch die Welt zu sehen, denn beide sind Hotelfachleute. Und natürlich darf bei dieser Hochzeit die deutsche Familie nicht fehlen. So reisen Oma Gabriele, Mutter Katrin und Papa Oliver an, allerdings sind Oliver und Katrin bereits länger getrennt.
Tessa Hennig beschreibt die Charaktere der Protagonisten liebevoll und einfühlsam, ohne jedoch in Klischees abzugleiten. Für alle Generationen ist gesorgt: Oma Gabriele, die nach dem Tod ihres Mannes sehr zurückgezogen gelebt hat, blüht wieder auf. Das liegt unter anderem daran, dass ihre Kochkünste wieder gefragt sind, aber da gibt es auch noch Francesco. Katrin hinterfragt ihr Karrierefrau-Image und ist unschlüssig, ob sie Oliver noch liebt. Oliver, der eigentlich zurückhaltend ist, blüht in Italien richtig auf. Lucas italienische Familie hat auch ihre unerwarteten Geheimnisse. Und nicht zuletzt Leonie und Luca, das Brautpaar, dessen Lebensentwurf nicht so klar ist und das eine große Bewährungsprobe bestehen muss, bevor es- natürlich- ein Happy End gibt.
Dieses Buch hat alles, was man sich von einem gelungenen Liebesroman erwartet: Italienisches Temperament, grande amore, familiäre Wirrungen und Verstrickungen, porca miseria! (Das ist ein Schimpfwort und braucht nicht übersetzt zu werden.)
“Lieber solo als allein” ist ein fröhliches und entspannendes Buch, das sich gut lesen lässt. Der Schreibstil der Autorin ist realitätsnah, leichthändig und beschwingt entführt sie die Lesenden nach Perugia, in das sonnige Italien, nach dem die Sehnsucht in der Winterzeit besonders groß ist. Der Liebesroman bietet eine vergnügliche, unterhaltsame Geschichte, daher empfehle ich das Buch gerne weiter.
In den Falten der Zeit
Das Buch der verlorenen Stunden von Hayley Gelfuso
“Das Buch der verlorenen Stunden“, der Debütroman der Autorin Hayley Gelfuso, wirft zu Anfang eine philosophische Frage auf, die heute auch Wissenschaftler noch nicht beantworten können: Was geschieht mit unseren Erinnerungen, kann man sie verändern und manipulieren? Welche sind es wert, erhalten zu bleiben? Diesem interessanten Thema entspricht die hochwertige Ausstattung des Buches mit Goldprägung des Buchumschlages und der Abbildung des Zeitraums, einer Bibliothek, in der die Erinnerungen der Menschheit aufbewahrt werden.
Der Roman hat zwei sehr unterschiedliche Handlungsstränge und Zeitebenen.
Die Geschichte beginnt 1938 in der Reichskristallnacht, als ein jüdisches Mädchen, Lisavet, von ihrem Vater, einem Zeithüter, in den Zeitraum gebracht wird. Dort ist sie vor Verfolgung sicher. Doch dort ist sie auch gefangen, denn der Vater kommt nicht zurück. In dieser Falte der Zeit gelten keine realen Regeln und Bedürfnisse, doch Lisavet gelingt es, in die Erinnerungen anderer Menschen einzutauchen und dort mitzuleben. Nur Zeithüter, meistens Agenten der jeweiligen Regierungen, können den Zeitraum betreten. Sie vernichten unliebsame Erinnerungen, doch Lisavet setzt alles daran, diese Erinnerungen zu retten. Als sie eines Tages einem amerikanischen Zeithüter, Ernest, begegnet, ändert sich Lisavets Leben und sie überlegt erstmals, den Zeitraum zu verlassen.
Im zweiten, 1952 beginnenden Handlungsstrang versucht Moira, eine in Diensten des CIA stehende Agentin und skrupellose Mörderin, ein junges Mädchen, Amelia, zu schützen. Denn Amelia soll im Zeitraum Lisavets gerettete Erinnerungen finden.
Als sich beide Handlungsstränge vereinen, entsteht eine phantastische Geschichte, die jedoch starke Brüche in Sinn und Inhalt aufweist. Der Roman, am Anfang durch die junge Protagonistin durchaus für Jugendliche und junge Erwachsene geeignet, wird zu einem, allerdings nicht mit Bedacht ausgearbeiteten, Agententhriller. Die Wandlung in den Charakteren der Figuren ist schwer nachvollziehbar, eine eingebaute schwierige Liebesgeschichte bringt einen unerwarteten Plottwist. Das Buch nimmt sowohl oberflächlich auf den kalten Krieg Bezug als auch auf historische und wissenschaftliche Fakten, die jedoch zur Erklärung des Geschehens kaum etwas beitragen können.
Haley Gelfuso hat mit “ Das Buch der verlorenen Stunden” einen Roman geschrieben, der mit einer der großen Fragen der Menschheit beginnt, eine schön ausgearbeitete Geschichte, die auf ein jüdisches Schicksal hinweist, ohne jedoch näher auf die Gräueltaten der Nazis einzugehen. Hier zeigt sich die durchaus nachvollziehbare Entwicklung der Figur von Lisavet, die von moralischen und ethischen Grundsätzen in ihren Handlungen geleitet wird. Der Schreibstil der Autorin ist in diesem Abschnitt klug, empathisch und manchmal poetisch, denn Lyrik spielt eine bedeutende Rolle.
Kalte Sachlichkeit und Gewalt prägt den Wechsel des Genres zu einem Agententhriller und zu der Figur von Moira, die dem Charakter von Lisavet diametral entgegengesetzt agiert. Zu unstimmig entwickelt sich die Handlung, zu durchsichtig sind die Argumente, mit denen Moira ihre Taten rechtfertigt.
Auch wenn des Buch einen positiven, versöhnlichen Schluss bietet, der es den Lesenden überlässt, ihn der Fiktion oder der Realität zuzuschreiben, hält für mich dieser Roman in seiner Gesamtheit leider nicht, was der gelungene Anfang der Buches versprochen hat. Doch stimme ich aus vollem Herzen der Autorin zu, die in ihrem Nachwort betont, dieses Buch für all jene geschrieben zu haben, die so gut wie vergessen sind. Daher bewerte ich den Roman mit vier Sternen.
Menschenjagd
Wolfskälte von Laura McCluskey
Die australische Autorin Laura McCluskey hat mit “Wolfskälte” ihren ersten Roman, einen Krimi, vorgelegt. Das gelungene, stimmungsvolle Cover entführt die Lesenden nach Eilean Eadar, eine einsame Insel vor der Westküste Schottlands.
Ein Todesfall ist ungeklärt, Verbrechen oder Selbstmord? Der achtzehn Jahre alte Alan ist vom Leuchtturm der Insel gestürzt.
Die Detective Inspectors Georgina - genannt George- Lennox und Richard Steward, die aus Glasgow vom Festland kommen, sollen die Umstände aufklären. Auf dieser einsamen Insel toben Stürme, die Bewohner sind auf sich selbst und einander angewiesen, vom Festland kommt keine Unterstützung. Alles erscheint wie in alter Zeit.
George und Richard werden von den Inselbewohnern vordergründig höflich aufgenommen, dennoch ist eine starke Abneigung gegen sie spürbar; es kommt zu Verwünschungen und sogar Tätlichkeiten. Dabei hat George genug mit sich selbst zu tun: Bei einem Einsatz vor einigen Monaten wurde sie schwer verletzt und hat jetzt noch an den Folgen zu tragen. Doch sie verbirgt ihre Schmerzen, auch vor ihrem Kollegen, der ihre Dienstfähigkeit mehr und mehr in Zweifel zieht. Verdächtig und verschlossen sind die Inselbewohner, die den Priester, Pater Ross, zu fürchten scheinen. Er tritt als moralische Autorität auf, gibt sich sehr um seine Gemeindemitglieder bemüht, dennoch bleibt seine Rolle undurchsichtig.
Laura McClusky beschreibt eindringlich die düstere und unheilschwangere Atmosphäre auf der abgeschotteten Insel, die von Unwettern heimgesucht wird. Der dort ohne Schule, Arzt und gängige Technik lebende Menschenschlag ist argwöhnisch und hat seine eigenen, uralten Bräuche, die den Priester nicht zu stören scheinen. Als George und Richard versuchen, den Tod von Alan aufzuklären, stoßen sie neben vielen Sagen und Legenden, denen die Dorfbewohner anhängen, auch auf das weit zurück liegende Verschwinden von drei Leuchtturmwärtern. Was ist damals geschehen? Hängt dieses in der Vergangenheit liegende Geheimnis mit Alans Tod zusammen?
“Wolfskälte” ist geprägt von ausgezeichneten Charakterschilderungen der einzelnen Protagonisten. Sowohl die Inspektoren als auch die Dorfbewohner in ihrem mittelalterlichen Aberglauben, ihrer Furcht und ihrer zusammengeschweißten Gemeinschaft, die nach archaischen Regeln lebt, werden realitätsnah dargestellt. Die Lesenden werden schnell in das Geschehen involviert, dennoch erscheint es lange unmöglich, die begangenen Verbrechen aufzuklären.
Vor allem das Verhalten von George steht im Vordergrund, die verbissen darum kämpft, nach ihrer schweren Verletzung im Außendienst zu bestehen. Sie ist ungeheuer willensstark, neigt aber immer wieder zu Alleingängen und bringt sich dadurch oft in Gefahr. Erst spät erkennt George, was der Mensch mit der Wolfsmaske, der sie durch ein Fenster beobachtet, ihr zeigen will. Dann jedoch werden ihre schlimmsten Befürchtungen und Vorstellungen durch die Realität übertroffen. Was bleibt, ist Entsetzen!
Ihr Partner Richard ist als ihr Vorgesetzter älter und gelassener. Er hat die Gabe, Menschen ins Gespräch zu ziehen, doch er ahnt nicht, was wirklich hinter den mysteriösen Todesfällen steckt. Er versucht, Georges Alleingänge zu verhindern, was allerdings nicht gelingen will. So ist es letztlich doch George, die das furchtbare Geheimnis dieser entlegenen Insel und ihrer nach alten Traditionen und Wertesystemen lebenden Bewohner entschlüsselt.
Laura McClusky beschreibt in mitreißendem Erzählstil die Engstirnigkeit und Angst der Inselbewohner sehr plastisch, es gelingt ihr hervorragend, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Man wird von Kapitel zu Kapitel neugieriger auf die Auflösung dieser verworrenen Geschehnisse. Der Roman hält den Spannungsbogen bis zum Schluss und bietet eine unerwartete, jedoch glaubhafte Auflösung des Geschehens. Mir hat dieses Buch, das durchaus auch Thrillermomente zu bieten hat, sehr gut gefallen und ich empfehle es allen Krimi- und Thrillerfans gerne weiter.
Das Geheimnis des siebenarmigen Leuchters
Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit von Marc Rosenberg
Der bekannte Autor Marc Rosenberg erzählt mit “Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit” eine Geschichte, die phantasievoll und ungeheuer ideenreich ist. Das schöne Hardcover mit Goldrand sowie das Lesebändchen betonen die hochwertige Ausstattung des Buches. Am Beginn findet sich ein Personenverzeichnis, das hilfreich ist, denn in dem Jugendroman, der ab 10 Jahren empfohlen wird, wimmelt es von Personen, die sowohl in der realen Welt wie in einem Paralleluniversum beheimatet sind.
Eliot Holtby ist ein dreizehn Jahre alter Junge, der in einem Zirkus bei seinem Ziehvater Hilarius in den Niederlanden aufwächst. Doch dieser dreizehnte Geburtstag ist ein Schicksalstag, denn Hilarius verrät Eliot ein schlimmes Geheimnis: Er muss die Welt vor seiner bösen Tante Euphemia LaCroix, einer Hexe, retten. Eliot hat magische Kräfte, die er von seiner Mutter, einer guten Hexe, geerbt hat. Doch Eliot hofft, dass seine Eltern noch leben.
Eliot betritt in einer Parallelwelt die riesige Stadt Chilverse, die von Toten aller Epochen sowie lebenden Menschen bewohnt wird. Ihn empfängt nach einer etwas missglückten magischen Reise, die er gemeinsam mit seinem blinden Freund Florens und der uralten, weisen und sprechenden Schildkröte Mr. Touchdown gemacht hat, Abigail, ein sehr resolutes Mädchen. Ein blauer Saphir soll den Kindern helfen, die Landkarte des Lichts zu finden. Denn nur wenn Eliot die Lichter findet, die einen siebenarmigen Leuchter in der Kirche in Amsterdam zum Strahlen bringen, ist seine Mission gelungen.
“Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit” beschreibt die erste Prüfung, die Eliot bestehen muss. Bei seiner Aufgabe helfen ihm historische Persönlichkeiten wie Johann Sebastian Bach, der ihm die Vergangenheit zeigt oder Galileo Galilei, der ihn auf eine Sternenkonstellation hinweist. Eliot und seine Freunde treffen Henri de Toulouse-Lautrec in Paris zu Glanzzeiten des Moulin Rouge und besuchen den Louvre, um Antworten zu finden. Auch Jules Verne und ein Fesselballon spielen eine wichtige Rolle. Besonders aber ist die Aussage von Hilarius, dass Eliot in der Kirche in Amsterdam ein Kästchen finden wird, das alle Fragen der Menschheit beantwortet. Wird Eliot diese erste Prüfung bestehen können?
Marc Rosenberg hat mit diesem Roman eine spannende Geschichte geschrieben, die an verschiedenen historischen oder imaginären Schauplätzen spielt. Sowohl verstorbene Menschen wie sprechende, magische Tiere versuchen, Eliot bei seiner gefährlichen Mission zu unterstützen. Das Buch bindet historische Ereignisse ein und versucht auf diese Art, den jungen Lesenden geschichtliche Fakten näher zu bringen. Auch finden sich zahlreiche Anspielungen auf Entdeckungen, Bücher und Filme, die der Zielgruppe wahrscheinlich nicht bekannt sind.
Die Geschichte ist ungeheuer ideenreich und phantasievoll auch in einzelnen Details, was aber bedingt, dass der Fokus auf das eigentliche Thema des Buches- die Rettung der Welt- manchmal ins Hintertreffen gerät. So brauchen die Leser und Leserinnen eine Portion Geduld und Neugierde, wenn sie Eliot auf seiner schwierigen Reise begleiten, denn das Buch umfasst über 500 Seiten. Ich hätte mir hier eine stärkere Konzentration auf das Hauptthema gewünscht.
Das Buch lebt von gut gezeichneten Charakteren und zeigt, wie wichtig Freundschaft vor allem in schwierigen Lebenssituationen ist. Detailliert werden die Herausforderungen beschrieben, denen sich die Kinder zu stellen haben und die sie nur mit Mut, Köpfchen und Zusammenhalt bestehen können. In gut lesbarem und ungeheuer einfallsreichem Schreibstil werden Abenteuer geschildert, die zeigen, dass der Kampf gegen das Böse nicht vorbei ist. Für die leichte Lesbarkeit sorgt auch die angenehme Schriftgröße, die unterschiedliche Kapitellänge ist nicht wirklich störend.
Insgesamt kann ich das Buch für junge Lesende empfehlen, die magische Welten mögen und die mysteriöse Geschichten mit realen Elementen lieben. Denn der Kampf um die Rettung der Menschheit ist noch lange nicht vorbei!
Wenn der Mond am Himmel Ordnung machen will
Als der Mond die Sterne ordnen wollte von Lena Raubaum
Die bekannte und mit dem österreichischen Kinderbuchpreis ausgezeichnete Autorin Lena Raubaum hat mit “Als der Mond die Sterne ordnen wollte” den Text für ein einfühlsames und heiteres Bilderbuch geschrieben, das dazu anregen soll, auch einmal loszulassen und dem eigenen Instinkt zu vertrauen.
Die phantasievollen und liebevoll gezeichneten Illustrationen stammen von Zuzanna Kowalska.
Der Mond hat ein Problem, so viele Sterne!
Wie soll er sie am Himmel verteilen? Es soll doch alles schön aussehen!
Der Mond hat einige Ideen um die Sterne zu ordnen. Nach Gewicht- das passt nicht! Nach Helligkeit- schwierig zu sagen, welcher Stern heller leuchtet. Vielleicht nach einem geometrischen Muster? Aber das wollen die Sterne nicht. Als der Mond nicht mehr weiter weiß, geschieht plötzlich etwas Unerwartetes. Und jetzt hat jeder Stern seinen Platz gefunden. Jeder Stern? Nein, ein ganz kleiner Stern noch nicht, der bleibt ganz nah beim Mond. Kannst du ihn sehen?
Lena Raubaum erzählt in ihrem Buch “Als der Mond die Sterne ordnen wollte” eine phantastische und magische Geschichte, die dazu ermutigen soll, darauf zu vertrauen, dass sich für viele Probleme von selbst eine Lösung finden wird. Mit kindgerechten, einfachen Texten und unterstützt durch die freundlichen, farbenfrohen Illustrationen entführt das Buch in eine märchenhaft gestaltete Szenerie. Bildhaft und heiter lernen Kinder, dass es nicht immer laufen muss, wie man es geplant hat. Manchmal muss man nur gelassen abwarten! Besonders hervorzuheben ist die schöne Gestaltung des Hardcovers, die schon in der Buchhandlung dazu einlädt, in das Buch hineinzuschmökern. Die Seiten aus dickem Papier werden dazu beitragen, dass die Kinder das Buch oft zur Hand nehmen können und auch Geschwisterkinder daran noch Freude haben werden. Zusätzlich findet sich im Buch ein QR- Code, der zur von der Autorin gelesenen Hörfassung führt.
Dieses pädagogisch wertvolle Buch wird für Kinder ab vier Jahren empfohlen und soll sie dazu anregen, sich mit Farben, Formen, Größe und Gewicht auseinander zu setzen und schult so das mathematische Grundverständnis. Doch vor allem eignet sich diese Geschichte hervorragend, im Bett zum Einschlafen vorgelesen zu werden.
“Als der Mond die Sterne ordnen wollte” ist ein bezauberndes Bilderbuch, das es auch uns, den Vorlesenden, gestattet, wieder ein bisschen Kind zu werden und zusammen mit den Kindern neugierig den Himmel in dunklen Nächten zu betrachten, um zu sehen, wohin der Mond die Sterne gestellt hat. Vielleicht sehen wir sogar den kleinen Stern, der ganz nah beim Mond am Himmel steht.
Ich habe das Buch mit meinem vierjährigen Enkel gelesen, uns hat es sehr gut gefallen und wir empfehlen es allen kleinen und großen Sterneguckern gerne weiter.
Adventsaufruhr und Wichtelwahnsinn
Kathas Katastrophen - Mein Leben zwischen Weihnachts-Hype und Grusel-Vibe von Johanna Klement
Die bekannte Autorin Johanna Klement hat den vierten Band ihrer Comicroman-Reihe “Kathas Katastrophen” vorgelegt, der hervorragend in die Adventszeit passt. Das fröhliche Hardcover und die Illustrationen von Mareikje Vogler machen die witzige Geschichte zum vorweihnachtlichen Lesevergnügen.
Katha ist schon ganz aufgeregt, heute soll sie das erste Säckchen ihres Adventskalenders öffnen, ihre liebevolle, aber manchmal etwas chaotische Mutter hat ihn befüllt.
Was ist denn da drinnen? Greift sich gar nicht gut an! Kathas Hoffnung richtet sich auf den Klassenadventskalender, da wird gewichtelt. Ausgerechnet sie hat Schniesi gezogen, ihre Klassenlehrerin. Was schenkt man der? Vor allem, weil sie jetzt immer eine fiese Handpuppe in den Unterricht mitbringt, die alle einschüchtert. Noch schlimmer hat es Kathas Freundin Lisi getroffen, der Adventskalender von Urchen enthält absonderliche Dinge, igitt! Alle Schüler sind im Tauschfieber, es gibt sogar einen Flüstermarkt in der Tischtennisecke. Ob Lisi ihre ekligen Sachen da auch los wird?
Doch das ist nicht das einzige Problem. Schniesi möchte, dass alle Kinder im Geist von Weihnachten eine gute Tat tun. Da weiß Katha doch etwas! Kathas Vater hat für seine Waren einen Lagerraum, aber da wohnt jetzt Bernie. Wer ist das und was macht der? Sehr verdächtig. Katha und Lisi müssen dem unbedingt auf den Grund gehen. Aber spionieren ist gar nicht so einfach, fast werden sie erwischt und plötzlich hat Lisi ein fremdes Fahrrad in der Hand. Wie soll sie das zurückgeben? Kann Katha bei Schniesi vielleicht Pluspunkte sammeln, wenn sie sich um Bernie kümmert? Oder ist es Bernie, der den Mädchen helfen muss?
Johanna Klement hat mit “Kathas Katastrophen: Mein Leben zwischen Weihnachts-Hype und Grusel-Vibe” eine Geschichte mit liebevoll gezeichneten Charakteren geschrieben. Katha zieht zwar Katastrophen richtiggehend an, aber sie findet sich in allen Situationen zurecht. Besonders wichtig ist ihre Freundschaft mit Lisi und mit Helin, einer Klassenkameradin, die nicht nur gute Ideen hat, sondern auch einen großen Bruder Elyas, der Kathas heimliches Interesse weckt. Der leicht lesbare Schreibstil, die verschiedenen Schriftarten, die große Schrift, kurze Kapitel und der Comic- Style tragen dazu bei, dass auch Lesemuffel dieser Geschichte toll finden werden. Das Buch wird für Kinder ab elf Jahren empfohlen.
Die witzigen Situationen und absurden Pannen machen das Buch aber auch für ältere Kinder und Erwachsene interessant. Als Beilage gibt es noch eine coole Weihnachtskarte.
Ich habe das Buch gemeinsam mit einem zwölf Jahre alten Mädchen gelesen und wir hatten viel zu schmunzeln. Wir können bestätigen- nicht nur bei Katha gibt es Weihnachtschaos, sondern auch wir sind schon im Weihnachtsfieber- Pannen inklusive! Daher können wird allen, die Comicromane lieben, dieses gelungene, humorvolle Buch wirklich empfehlen und wünschen fröhliche Weihnachten!
Frauenleben: Ein Roman, 1934 geschrieben, heute wiederentdeckt
Was vor uns liegt von Alba de Céspedes
Alba de Céspedes hat ihren Erstlingsroman “Was vor uns liegt” bereits im Jahr 1934 verfasst, zu einer Zeit, in der die gesellschaftliche Ordnung, die Moralvorstellungen und die politischen Ideen faschistisch geprägt waren und von der Ideologie der Bestimmung der Frau als Mutter, die nicht erwerbstätig sein sollte, getragen wurden.
Bereits bei seinem Erscheinen 1938 wurde der Roman von der faschistischen Zensur verboten. In einer neuen Übersetzung wird die Autorin heute wiederentdeckt und nimmt die Lesenden mit in ein unglückseliges Kapitel der Geschichte. Dennoch zeigt der Buchumschlag, der teilweise in hellen Farben gehalten ist, junge Frauen, die positiv in die Zukunft blicken.
Acht junge Frauen studieren an der Universität in Rom und leben im Grimaldi Institut, das von Nonnen geführt wird. Obwohl hier eine gewisse Freizügigkeit herrscht, werden die Mädchen abends eingeschlossen und das Licht wird ausgeschaltet. Daher lernen oder unterhalten sich die Freundinnen im Schein einer Petroleumlampe.
Acht verschiedene Lebensentwürfe prallen aufeinander. Viele der Mädchen kommen aus kleinen Dörfern in Italien, aus einer Welt, in die sie nicht mehr zurückwollen. Doch stellt sich für sie die Frage, ob sie aus der patriarchalischen Struktur des Elternhauses in die Unfreiheit einer Ehe wechseln wollen. Oder ist es der Sinn des Seins, in seiner Arbeit aufzugehen? Augusta, ein Mädchen, das nicht wie die anderen Freundinnen Literatur studiert, sondern an einem Roman arbeitet, stellt die provokante Frage, ob Frauen überhaupt Männer brauchen und ist überzeugt, dass Frauen ihr Leben eigenverantwortlich und ohne Abhängigkeiten gestalten müssten. Allerdings- ihre Romane finden keinen Verlag und so scheint es, dass sie dauerhaft in dem Studentenwohnheim bleiben wird, unglücklich in ihrer Phantasiewelt gefangen.
Natürlich spielen Männer eine wesentliche Rolle im Leben der Mädchen. Vinca aus Andalusien verliebt sich in einen Landsmann, der in den Krieg gegen die Falangisten zieht und Vinca letztlich verlässt. Dennoch ist ihr Sehnen und ihre Sorge um den Geliebten so plastisch beschrieben, dass man durchaus mitfühlen kann. Emanuela hat ein Geheimnis, das letztlich ihr Leben zu zerstören droht: Ein Kind- und sie überlegt, ob es nicht besser wäre, wenn dieses Kind nicht mehr lebte. Denn Emanuela hat keine Beziehung zu den kleinen Mädchen und ist über seine Kälte verwundert.
Xenia, die ihre Prüfung an der Universität nicht geschafft hat, wird zur Geliebten mehrerer Männer, die sie letztlich verabscheut, deren Geld sie jedoch nimmt und einen sorglosen Lebenswandel genießt.
Auf diese Art führt Alba de Céspedes vor Augen, welche Möglichkeiten Frauen in der Zwischenkriegszeit hatten, auch wenn klar ist, dass diese Mädchen privilegiert waren, denn universitäre Bildung für Frauen gehörte damals nicht zur Norm. Das Buch versucht, aufzurütteln und Frauen aufzuzeigen, dass es notwendig ist, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Alle Charaktere der Protagonistinnen sind präzise und feinfühlig gezeichnet, ihre Gedankenwelt können sich die Lesenden gut zu Eigen machen. Auch wenn das Thema nicht auf Spannung angelegt ist, ist man doch interessiert und manchmal fasziniert von den Entwicklungen.
Alba des Céspedes hat zu einer Zeit, als das Frauenbild andere Entsprechungen verlangte, einen feministischen Roman geschrieben, der von klugen und interessanten Dialogen lebt und von einer Gedankenwelt, die auch den jetzt lebenden Frauen nicht gänzlich fremd ist. Ihr Buch verdient es, mit heutigen Augen gelesen zu werden und die Appelle der Autorin für Frauenrechte sind noch immer aktuell. Zeitgeschichtlich Interessierte werden den Einblick in eine unter den damaligen Umständen als gefährlich geltende Geisteshaltung schätzen und den Mut der Autorin zu würdigen wissen. So ist “Was vor uns liegt” ein auch heute noch gesellschaftspolitisch relevantes Buch, das ich gerne weiterempfehle.











