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Rezensionen von gabiliest:
Witziges Gänsehautfeeling
Rupert präsentiert: Echt unheimliche Gruselgeschichten 2 von Jeff Kinney
Lust auf Gänsehautfeeling? Dann lies doch mal den zweiten Band von Ruperts “Echt unheimlichen Gruselgeschichten”! Der international bekannte Autor von “Gregs Tagebuch” und “Ruperts Abenteuern“, Jeff Kinney, lässt wieder einen Ideenschauer über seiner jugendlichen Leserschaft niedergehen und legt einen humorvollen und spannenden Comicroman vor, den man besser nicht vor dem Schlafengehen lesen sollte.
Denn schon am schaurig schönen Cover sieht man das erste Missgeschick, eine missglückte Verwandlung – und welcher Junge möchte gern als Käfer enden?
Doch in diesem grauenhaften Universum geschehen noch mehr seltsame und gespenstische Dinge. Hast du dir schon einmal überlegt, warum der Sensenmann heute so unbeliebt ist? Das war nicht immer so! Wenn nicht dumme Zufälle dazu geführt hätten, dass er immer über Leichen stolpert, könnte er heute ein fröhliches Leben führen! Und wer sagt denn, dass eine Übernachtungsparty immer gelungen sein muss? Auch nicht erwartete und eigenartig aussehende Gäste können sehr nett sein! Wusstest du übrigens, dass Zombies hervorragend mit Computern umgehen können oder dass man nicht erschrecken soll, wenn man plötzlich einen riesigen Mund auf dem eigenen Bauch sieht? Jeder Körper ist schön, es kommt nur auf das Auge des Betrachters an!
Die Augen der Kinder und Jugendlichen, die diesen Comicroman lesen, werden jedenfalls leuchten. Neben den fantasievollen Illustrationen finden sie ideenreiche, abstruse und witzige Geschichten, die für einen angenehmen Gruselschauder sorgen. Das Buch wird ab zehn Jahren empfohlen, aber auch ältere Jugendliche (und Eltern!) werden Spaß haben.
Jeff Kinney hat mit “Rupert präsentiert: Echt unheimliche Gruselgeschichten 2” ein Buch vorgelegt, das auch Lesemuffel begeistern wird. Denn die zwölf spannenden Abenteuer sind nicht nur haarsträubend komisch erzählt, sondern sind durch die große Schrift auch angenehm und vergnüglich zu lesen. Daher empfehle ich diesen zweiten Gruselschauder-Band von Gregs bestem Freund Rupert gerne allen jungen und jung gebliebenen Comicfans, die verrückte Ideen und Gänsehautfeeling lieben.
Übungen gegen den Rückenschmerz
Dein Wirbelsäulen-Coach von Ralf Blume
Der als Bundesliga-Physiotherapeut bekannte Autor Ralf Blume legt mit “Dein Wirbelsäulen-Coach” einen fundierten Ratgeber vor, der Betroffenen hilft, Rückenbeschwerden gezielt entgegenzuwirken. Dabei verbindet der Autor theoretisches Wissen mit langjähriger praktischer Erfahrung.
Zur Einführung erklärt Ralf Blume, welche Mechanismen immer wiederkehrenden Rückenschmerzen zugrunde liegen.
Damit schärft er das Verständnis dafür, wie muskuläre Dysbalancen entstehen und wieso es nicht ausreicht, den Rücken isoliert zu betrachten. Die Wirbelsäule ist dabei ein Spiegelbild der körperlichen und seelischen Verfassung und reflektiert den akuten Zustand der Organe und des Nervensystems.
Als Fundament des Trainings hat der Autor ein Gerät entwickelt – den Wirbelsäulenwächter. Darauf basieren die im zweiten Teil des Buches beschriebenen Übungen zur Stabilisierung der tiefen Rückenmuskulatur. Ralf Blume betont zwar, dass die Übungen auch ohne Gerät nur mit zwei an einer Tür befestigten Spanngurten durchgeführt werden können, doch scheint mir das für untrainierte Personen wenig praktikabel. Das strukturierte Übungsprogramm sieht eine kontinuierliche, wöchentliche Belastungssteigerung vor, wobei die Schwerpunkte auf Stabilität, Wahrnehmung und Bewegungssteuerung liegen.
Ein weiterer Buchteil beschäftigt sich mit Übungen, die unkompliziert nur mithilfe eines Sessels ausgeführt werden können. Positiv ist, dass auch Einsteiger hier profitieren werden. Es lohnt sich, diese Ansätze auszuprobieren, um ihre Eignung für das eigene Aufbauprogramm zu prüfen. Ebenso gelingt es dem Autor, die Lesenden dazu zu motivieren, die eigene Komfortzone zu verlassen und aktiv zu werden.
Viele der vorgestellten Übungen lassen sich einfach in den Alltag integrieren. Auch ohne Kauf des Wirbelsäulenwächters bietet das Buch daher einen praktischen Mehrwert. Ich hätte mir allerdings schon auf dem Buchcover einen transparenten Hinweis gewünscht, dass das Konzept maßgeblich auf dem vom Autor entwickelten Gerät beruht.
“ Dein Wirbelsäulen-Coach” ist ein Ratgeber, von dem sowohl Profis wie Untrainierte profitieren können. Ob man das für das beschriebene Aufbauprogramm notwendige Gerät besorgen möchte, bleibt den Lesenden überlassen. Als besonders wertvoll erweisen sich ohnehin die alltagstauglichen Übungen mit dem Sessel.
Sehr spannend: Eine Leiche zum Hafengeburtstag
Tatort Hafen - Der Tote von Lagerhaus F von Kästner & Kästner
Die SPIEGEL Bestseller-Autoren Angélique und Andreas Kästner haben mit “Tatort Hafen –Der Tote von Lagerhaus F” den vierten Band ihrer “Wasserschutzpolizei Hamburg-Reihe” vorgelegt. Diesmal ist der Schauplatz der pulsierende Hafengeburtstag und daneben ein vergessener, heruntergekommener Platz: das Lagerhaus F im Moldauhafen.
Natürlich passt das Cover perfekt und nimmt sofort mit ins Geschehen.
Der Hafengeburtstag ist in vollem Gang und der leitende Wasserschutzpolizist Tom Bendixen hat alle Hände voll zu tun, um das Spektakel zu koordinieren und zu überwachen. Doch abseits des Rummels wird von drei jungen Leuten eine Leiche in einem Oldtimer entdeckt, der dem Reeder Viktor Blankenhagen gehört. Bei der Untersuchung des Falles stellt sich heraus, dass im Kofferraum auch das Blut einer jungen Frau gefunden wird, die vor zwanzig Jahren ermordet wurde. Für Tom Bendixen und Jonna Jacobi vom LKA deutet alles auf den Reeder als Täter hin. Doch es gibt einen Zeugen: den alten Säufer Henri, der auf einem vergammelten Schiff im Moldauhafen lebt. Aber Henri schweigt – auch diesmal, wie er das schon seit zwanzig Jahren tut. Auch die Rolle der drei jungen Leute ist unklar: Moritz, dessen Vater bereits verstorben ist, ist der Neffe des Reeders; Vanessas Vater hat den alten, bisher ungeklärten Mordfall untersucht und ihr Freund Finn hat den Oldtimer ins Lagerhaus F gefahren. Schwierige und langwierige Ermittlungen bringen keine Ergebnisse, auch wenn sich der Verdacht gegen Viktor immer weiter konkretisiert. Welche Spur ist brauchbar, welche führt ins Leere? Bringt die Lösung des Cold Case auch den aktuellen Mörder zur Strecke?
Angélique und Andreas Kästner haben wieder einen interessanten, spannenden und realitätsnahen Krimi geschrieben, der auch Landratten mitnimmt in die glitzernde und mondäne Atmosphäre des Hamburger Hafengeburtstags. Alles an diesem Krimi ist real – alle Polizeieinsätze, alle Funksprüche und auch das seltsame und gefährliche Verhalten mancher Teilnehmer an der Schiffsparade. Das Ehepaar Kästner weiß, wovon es schreibt, denn Andreas war bis vor einigen Jahren Hauptkommissar der Wasserschutzpolizei im Hamburger Hafen. Angélique wiederum kennt als Psychologin und Psychotherapeutin die menschliche Seele und ihre Abgründe nur zu gut. Beide haben unverwechselbare Charaktere mit Ecken und Kanten erschaffen, die nicht nur mit der Lösung der beiden Fälle zu tun haben, sondern deren Privatleben auch nicht immer geradlinig verläuft. In dieser Mischung aus True Crime und Fiktion führen die Autoren die Lesenden gekonnt und lustvoll in die Irre und präsentieren Verdächtige auf dem Serviertablett, sodass man glaubt, die Story durchschaut zu haben – nur um dann zu erkennen, dass man wieder einer falschen Spur aufgesessen ist.
“Tatort Hafen –Der Tote von Lagerhaus F” ist ein durchkomponierter, logisch und folgerichtig aufgebauter Kriminalroman. Ebenso einfallsreich wie detailreich wird man in ein kriminelles Geschehen verstrickt, das sofort großes Kopfkino auslöst. Besonders beeindruckend ist, wie viel Realität in diesem Krimi steckt – von der Schilderung der Polizeiarbeit bis zur” Pfanne der unwissenden Köche”, die die hungrigen Polizisten nach ihrer Schicht zubereiten. So darf man zwischendurch auch ein bisschen schmunzeln. Nur die Morde sind erfunden.
“Tatort Hafen –Der Tote von Lagerhaus F” ist ein absoluter Pageturner, den man am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Glücklicherweise ist auch Band fünf schon im Entstehen, daher sind Entzugserscheinungen von dieser gelungenen und spannenden Krimireihe nicht zu befürchten.
In der Strömung
Die Flussfrau von Tanja Weber
Frei zu sein wie ein Vogel, der sich auf dem ausdrucksvollen Buchcover zeigt, und frei zu sein wie der Fluss – dieses Lebensmotto hat Tanja Weber ihrem Roman “Die Flussfrau” zugrunde gelegt. Die Autorin nimmt die Lesenden mit von den furchtbaren Kriegsjahren bis in die Gegenwart, um sie zu Begleitern eines ungewöhnlichen Frauenlebens zu machen.
Lis ist eine Bauerntochter, die mit drei Brüdern auf einem großen Hof aufwächst. Schon von ihrer Kindheit an kennt sie nichts als harte Arbeit, in den Kriegsjahren dann Hunger, Not und Naziterror. Ein Bruder ist gefallen, der Vater sprachlos und einbeinig aus dem Krieg zurückgekehrt. Doch Lis klebt nicht an der Scholle, sie ist eine Frau des Wassers. Als sie den Binnenschiffer Horst heiratet und mit ihm die deutschen Flüsse befährt, scheint sich ihr Glück zu erfüllen. Liebe ist es nicht, aber Kameradschaft und Vertrauen. Obwohl Deutschland sich nach den Kriegsjahren wirtschaftlich erholt, wird das Frachtgeschäft zunehmend unlukrativ. Horst lässt seine Enttäuschung an Lis aus, und sie erträgt es. Doch ihre Hand zuckt zurück, greift nicht zum Rettungsring, als ein Kopf in der Strömung auf und ab taucht.
Tanja Weber zeichnet ein eindringliches Bild einer Frau, die jede Abhängigkeit hasst und ihr hartes und unstetes Leben liebt, das Freundschaften unmöglich macht. Doch aus ihrer Jugend gibt es Edith, die fast wie eine Schwester für sie war. Dann ist zwischen ihnen etwas vorgefallen, das Lis lange nicht begreift. Erst als sie Ediths Tochter Karin kennenlernt, erkennt sie, dass sie betrogen wurde. Dennoch bleibt Edith ihr Herzensmensch. Und als ein kleines Wesen in der Strömung verzweifelt um sein Leben kämpft, kehrt auch das Glück zu Lis zurück.
“Die Flussfrau” ist ein Roman über eine Frau, die sich in einer Männerwelt gegen alle Vorurteile und Ressentiments durchsetzt. Ihr Leben zieht an den Lesenden vorüber wie die Ufer des Flusses, den die Menschen zu begradigen und in ein Bett zu zwingen versuchen und der doch seine Freiheit bewahrt. Die Autorin schreibt unprätentiös, ruhig, manchmal fast bedächtig, aber immer ausdrucksvoll uns präzise. Große Gefühle liegen ihrer Hauptfigur nicht. Lis steht für ein Wertesystem, das Geradlinigkeit symbolisiert, das es versteht, das Wenige zu schätzen und das Glück in der Unabhängigkeit zu finden. Sie sieht den ziehenden Störchen nach, die doch immer wieder in dasselbe Nest zurückkehren. Dieses Nest hat sie sich auf ihrem kleinen Lastkahn geschaffen und gibt es auch nicht auf, als das Schicksal sie vor die Wahl stellt, auf ihr Boot oder ihre Liebe zu verzichten. Trost findet sie immer wieder im Fluss, in dessen Strömung sie sich geborgen fühlt, der ihrem Leben stets die Richtung vorgegeben hat und ohne den sie nicht sein kann.
Tanja Weber hat die Geschichte einer Lebensreise geschrieben. Sie lässt die Lesenden teilnehmen am Schicksal einer Frau, das in der Zeit des Wirtschaftswunders außergewöhnlich verläuft. Soziale Strukturen verändern sich, aus Wiesen wird Bauland, die Menschen ziehen in die Städte. Nur die alten Nazis sind noch am Werk.
Doch das alles kümmert Liz auf ihrem Schiff kaum. Unbeeindruckt von den menschlichen Schicksalen fließen die Zeit und der Fluss, in den Lis glücklich lächelnd steigt, um sich sicher umarmt von seiner Strömung forttragen zu lassen.
Mein Fazit:
“Die Flussfrau” ist ein tiefgründiger, stimmungsvoller Roman. Tanja Weber zeichnet mit feinen Strichen das Bild eines freien und selbstbestimmten Lebens. Die Hauptfigur Lis dabei begleiten zu dürfen, ist ein faszinierendes und beglückendes Leseerlebnis.
Dunkellicht
Über vier Leben von Pauline Hatscher
Pauline Hatscher hat mit “Über vier Leben” ihren Debütroman vorgelegt – eine beeindruckende Schilderung über das Schicksal von vier Frauengenerationen. Auf dem künstlerischen Hardcover im Stil eines Ölgemäldes symbolisiert ein farbenfroher Himmel über düsterer Landschaft Gefahr ebenso wie Hoffnung.
Ab dem Jahr 2023 beginnt die Geschichte von Mirabell. Als Ich- Erzählerin schildert sie ihr tristes Leben in Leipzig: kein Job, keine sozialen Kontakte, Einsamkeit und Verzweiflung. Zwar hat sie eine Ausbildung, eine Wohnung und ein bisschen Geld, dessen Herkunft nicht näher erläutert wird, doch Mirabell ist in Therapie. Nur ihre Freundin Franzi scheint seltsamerweise immer genau dann da zu sein, wenn sie gebraucht wird. Vielleicht lässt sich Mirabells Traurigkeit aus der Vergangenheit erklären?
Über ihre Mutter Sabine wird ab dem Jahr 1994 erzählt. Sie ist Gymnasiallehrerin und von der Angst getrieben, alleine zu bleiben. Daher erträgt sie eine von Gewalt geprägte Ehe. Um die Tochter Mirabell vor den Launen des Vaters zu schützen, ist sie zu schwach. Und so erlebt Mirabell eine Kindheit, in der sie auf jeden Atemzug ihres Vaters lauscht, um nur ja nichts falsch zu machen.
Mirabell hat Sabines Mutter Lisa nicht mehr kennengelernt. Sie zerbrach trotz eines Lebens in guten wirtschaftlichen Verhältnissen und einer liebevollen Ehe an dem Gefühl, nie zu genügen. Neben dieser familiären Tragödie, unter der Sabine gelitten hat, wird noch von Lisas tragischer Kindheit berichtet. Urgroßmutter Hannchen, eine Kohlenhändlerstochter, wurde im Jahr 1930 durch ein Verbrechen mit Lisa schwanger und konnte ihre Tochter nicht aufwachsen sehen.
Pauline Hatscher hat allen Generationen eine immense Lebenslast aufgebürdet, die Mirabell zu begreifen sucht. Ist sie aus diesem Grund geworden, wie sie ist? Wirkt das Unglück früherer Generationen in ihr weiter? Was Mirabell über ihre Vergangenheit nicht in Erfahrung bringen kann, füllt sie mit erfundenen Situationen. So schreibt sie ihre eigene Geschichte, erschafft sich ihre eigene, traurige Welt.
Der Tenor des Romans ist dunkel und schmerzhaft, die Sprache eindringlich und so detailliert, dass sie die Manie der handelnden Personen erlebbar macht. Die Autorin schreibt fragmentarisch, schon nach wenigen Absätzen wechseln die Protagonistinnen und Zeitebenen. Manchmal ergeben sich Parallelstrukturen, meist aber erscheint dieser Wechsel willkürlich. Dennoch zieht er die Lesenden in einen fast voyeuristischen Sog – vergleichbar mit Gaffern, die ein Unfallgeschehen beglotzen.
Verwundern mag das egozentrische Weltbild, das Mirabell den Ereignissen überstülpt. Obwohl die Generationen von Hannchen und Lisa den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, kommt dieser nur in wenigen flapsigen Sätzen vor. Ist dieser Weltenbrand, dieses Töten, dieses Leid, dieser Hunger, dieses Elend wirklich vernachlässigbar? Der verengte Blickwinkel von Mirabell spart dieses Trauma aus, sie konzentriert sich nur auf den Mikrokosmos der Familie, auf toxische Männer und die Moralvorstellungen der jeweiligen Epoche. Realität und Fiktion verschwimmen.
Der versöhnliche Schluss des Romans wirkt unpassend und konterkariert die bisherige Erzählung. Als Sabine Mirabells Ausführungen liest und sie dafür lobt, entspricht das nicht dem Scheinbild, das Sabine über ihre glückliche Ehe mit aller Macht aufrechterhalten wollte. Aber vielleicht ist dieses Happy End auch nur Fiktion – ein letzter, verzweifelt ersehnter Lichtblick im erzählerischen Dunkel.
Verbrechen, Vertuschung, Verhaberung? Ein Wiener Politkrimi
Buberlpartie von Petra Hartlieb
Die bereits durch mehrere Bestseller bekannte Wiener Buchhändlerin und Autorin Petra Hartlieb hat mit ihrem zweiten Band der Dilogie “Alma Oberkofler ermittelt” einen Wien-Krimi mit starkem politischen Hintergrund vorgelegt. “Buberlpartie” war, wie die Autorin ihrem Buch voranstellt, die Bezeichnung einer Gruppierung junger Männer um den ehemaligen FPÖ Parteivorsitzenden Jörg Haider, um dessen Unfalltod sich immer noch Verschwörungstheorien ranken.
Doch heute dominiert die Parteifarbe der FPÖ, Blau, nicht nur auf dem einprägsamen Cover des Romans, sondern auch in der politischen Landschaft Österreichs. Wie Alma Oberkofler, Chefinspektorin und Leiterin der Abteilung “Leib und Leben” beim LKA Wien, meint, ist der abgebildete Hirsch ein Symbol toxischer Männlichkeit.
Und tatsächlich, in diesem Geschehen spielt die Politik eine wesentliche Rolle. Sofort nachdem ein als stramm rechts bekannter Sohn eines Wiener Baulöwen mit dem Auto in ein jüdisches Lokal gekracht ist, steht für Kanzler, Innenminister und Harald Hackl, Chef der immer mehr erstarkenden Heimatpartei, fest, dass es sich nur um einen Unfall gehandelt haben kann. Allerdings einen Unfall mit vier Toten. Der jüdische Besitzer des Lokals, eine junge Kellnerin und ein linker Enthüllungsjournalist sind tot, ebenso wie der Fahrer selbst. Verschwunden ist ein rauchender Mann, der kurz vor dem Ereignis auf der Bank vor dem Lokal saß. Viel ist von den Toten nicht mehr übrig, denn es gab eine verheerende Explosion.
Chefinspektorin Alma Oberkofler, die zufällig und rein privat Zeugin des Unglücks war, ermittelt mit ihrem Team auf Hochtouren. Sogar vom Geheimdienst kommen – auf dem kurzen Dienstweg – wertvolle Informationen. Zwischen den Opfern gibt es ein Beziehungsgeflecht, das man eigentlich nicht mehr als Zufall ansehen kann. Auch die noch lebenden Verwandten sind persönlich miteinander verbandelt, ebenso ist die WKStA involviert (das ist die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft). Wer gab wem welche Hinweise? Wer war das eigentliche Opfer? Gibt es einen rechtsextremen oder antisemitischen Hintergrund? Und ist das alles überhaupt noch von Belang, wenn die hohe Politik bereits vorgegeben hat, dass es sich nur um einen bedauerlichen Unfall gehandelt haben kann?
Petra Hartlieb zeichnet ein Bild der österreichischen Politszene, das viele Fragen aufwirft. Wieso war Harald Hackl überhaupt bei dieser Besprechung? Er ist gar kein Regierungsmitglied. Wird hier vielleicht schon die nächste Koalition ausgepackelt, denn die Heimatpartei ist im Umfragehoch. Auch wer sich jetzt nicht so gut mit den österreichischen politischen Verhältnissen auskennt, wird keine Klarnamen brauchen, um zu erkennen, wen die Autorin meint. Realität und Fiktion gehen ineinander über. Österreich ist ein kleines Land, wo jeder einen kennt, der einen kennt…. Und Vitamin B kann ja in verschiedenen Formen nützlich sein. Jedenfalls beruhigt es sehr oft die Nerven.
Die Intention von “Buberlpartie” ist ein Plädoyer für die Demokratie und gegen faschistische Strömungen. Dieses Anliegen hat Petra Hartlieb gekonnt in einen spannenden Krimi mit viel wienerischem Flair verpackt.
Lebendig zeichnet sie die Bemühungen der Exekutive, das Verbrechen lückenlos aufzuklären, während im Hintergrund schon andere die Fäden ziehen. Doch es geht auch um die Angst und die Ablehnung, die jüdische Mitbürger erfahren, sowie um die Rolle, die die Presse in solch aufsehenerregenden Fällen spielt. Letztlich beleuchtet der Roman ebenso die rechtsextreme Szene, die für ihre Treffen immer wieder harmlose Gründe vorschiebt, aber in Wahrheit gegen das Verbotsgesetz verstößt.
“Buberlpartie” ist ein gekonnt geschriebener und konstruierter Kriminalroman, der schon durch seine aktuellen Bezüge ein Pageturner ist. Die Lesenden werden sich unwillkürlich auf die Seite der Ermittler schlagen, um dann festzustellen, dass die Lösung des Falles ganz anders ist als erwartet. In dieses Buch hineinzulesen ist ein Vergnügen, vergleichbar mit dem Genuss einer Sachertorte. Die Ereignisse der spektakulären Krimihandlung sind überzogen mit einer Glasur politischer Einflussnahme, und nur gemeinsam ergeben die beiden ein absolutes Lesehighlight.
Das bisschen Haushalt macht sich von allein...
Mama reicht's! von Anke Neckar
Der Beginn dieses Schlagertextes, gesungen von Johanna von Koczian, stammt schon aus dem Jahr 1977. Damals kannte niemand die Begriffe Care-Arbeit oder Mental Load. Aber hat sich seither wirklich die Arbeitsaufteilung in den Familien verändert?
Das thematisiert der Debütroman “Mama reicht’s!” der bekannten Autorin, Bloggerin und Creatorin Anke Neckar.
Das aussagekräftige und ansprechende Cover zeigt bereits die Hauptfigur, Julia, die in der Zwickmühle zwischen Privat- und Arbeitsleben steckt.
Julia ist 24/7 Mutter von zwei Kindern und Ehefrau von Marcel, einem Grundschullehrer. Halbtags arbeitet sie als Ordinationshilfe. Soweit geht es der Familie gut, doch die Trennung eines befreundeten Pärchens macht Julia nachdenklich. Geht es auch ihr gut? Oder übernimmt sie viel zu selbstverständlich wesentlich mehr Verantwortung für das Funktionieren ihrer Gemeinschaft als ihr Mann?
Viele Leserinnen werden nun schmunzeln oder seufzen – je nachdem, wie weit sie ihr eigenes Familienleben darin wiedererkennen. Marcel hilft zwar, wenn Julia ihm ganz genau sagt, was er wann tun muss, womit – und wo er alle Sachen findet. Vielleicht in seinem vollgestopften Kleiderkasten, in dem die Motten nie fliegen lernen werden? Wo sind die Sachen der Kinder, wenn Marcel sie braucht? Und wieso ist Marcel unfähig, die Einkaufsliste zu lesen?
Ist das Buch ein Männer-Bashing? Nein, es zeigt nur auf, mit welchen Problemen und fiesen Situationen Frauen heute noch zu kämpfen haben. Auch in der Ordination gibt es Bemerkungen, die unangebracht sind, sogar Übergriffe kommen vor, wie Julia von ihren Freundinnen berichtet wird. Was Julia bisher hilft: Sie schreibt Briefe an ihr “Older Me” – nachts, wenn ihre Familie schläft. Diese Briefe sollen sie später erinnern: an Kapitel ihres Lebens, die sie abgeschlossen hat; an Schönes und an große Trauer, als sie ihr Baby verlor; an die übergriffige Schwiegermutter; und immer wieder an ihre Kinder, die sie von ganzem Herzen liebt. Doch in den Briefen stehen auch ihre Zweifel – so kann es mit Marcel nicht weitergehen! Julia wünscht sich einen Partner, keinen Mann, der sich wie ein drittes Kind verhält, dem man alles mehrmals sagen muss, der sehr liebesbedürftig ist und schon für jede Kleinigkeit gelobt werden will.
Als an Julias dreiundvierzigstem Geburtstag die Situation eskaliert, weil Marcel beim Grillen einige Bierchen zu viel gezischt hat, scheint es völlig offen, wie sich die Beziehung weiter gestalten wird. Wäre Julia ohne Marcel besser dran? Oder ist er doch ihr Fels in der Brandung?
Und Marcel? Der fällt aus allen Wolken! Es geht ihnen doch gut zusammen, was also hat er falsch gemacht? Sind das vielleicht schon die Wechseljahre? Erst langsam erkennt er, dass die Arbeit in der Familie nicht gerecht verteilt ist und dass er Julia auch noch seine Probleme aufgeladen hat.
Mit “Mama reicht‘s!“ hat Anke Neckar einen klugen und einfühlsamen Roman geschrieben, der die Situation vieler Frauen und damit gleichzeitig unserer Gesellschaft beleuchtet. Die Autorin greift nicht nur innerfamiliäre Themen auf, sondern schreibt auch über wirtschaftliche Abhängigkeit, Altersarmut und toxische Beziehungen. All diese Themen sind in einem fröhlichen, gut lesbaren und interessant aufgebauten Roman verpackt, der humorvoll, ehrlich und mit Augenzwinkern die Situation vieler Paare beleuchtet. Daher kann ich dieses Buch wirklich empfehlen. Es eignet sich gut als Sommerlektüre – und das ausdrücklich nicht nur für Frauen.
Das ist der Fluch der bösen Tat....
Jenseits des Scheins von Anna Johannsen
Die bekannte SPIEGEL Bestseller-Autorin Anna Johannsen hat den fünften Band der Serie über die Ermittler Jan de Bruyn und Hanna Will vorgelegt. Diesmal zeigt das gelungene Cover, dass die Spurensuche in verborgene Tiefen führen wird.
Der Ehemann der Bundestagsabgeordneten Meyerdirks wird bei einer Campingtour im Harz vermisst – Jakob Berger, der nie den Namen seiner Frau angenommen hat.
Sehr betroffen scheint die Abgeordnete, der bisher nur hinter vorgehaltener Hand Korruption vorgeworfen wird, nicht zu sein. Da der Fall aber von öffentlichem Interesse ist, werden die LKA-Kommissare Jan de Bruyn und Hanna Will, denen ein legendärer Ruf als Sonderermittler vorauseilt, zur Unterstützung des lokalen SoKo-Teams hinzugezogen. Als sie Erkundigungen zu Berger einholen, sprechen manche von einem Schöngeist, andere Befragte jedoch von einem Mann mit zwei Gesichtern. Auch hatte Berger kaum eigene Einnahmen, sondern wurde von seiner Frau finanziert.
Lange bringen die Recherchen keine konkreten Ergebnisse, doch in Bergers Leben gibt es viele Liebschaften und Beweise für seine Untreue. Er sowie zwei seiner Schulfreunde stehen jedoch auch im Verdacht, sich als Jugendliche an einer Mitschülerin vergangen zu haben. Die Befragungen stoßen lange auf Schweigen, schließlich gelingt es, die damaligen Mittäter auszuforschen. Durch Hannas Hilfe ist das Opfer nun sogar bereit, gegen seine Peiniger auszusagen.
Unterstützt werden Jan und Hanna von einer Investigativjournalistin, die den Lebenslauf von Meyerdirks durchleuchtet. Da gibt es durchaus Beweise, dass Gelder geflossen sind, aber auch dafür, dass die Ehe mit Jakob Berger gescheitert war. Was hat Jakob Berger vor vielen Jahren getan? Und wurde er wegen seiner Vergangenheit getötet?
Neben diesem komplexen Fall, in dem sich die Ermittlungen schwierig und anfangs schleppend gestalten, bringen auch persönliche Probleme die beiden Kommissare, die ebenso privat liiert sind, an ihre Grenzen. Hanna hat schon einmal einen schweren Verlust erlitten und steht daher dem Gedanken einer Familiengründung mit Jan skeptisch gegenüber. Möchte sie wirklich ein Kind, ist sie jetzt vielleicht bereit für eine neue Rolle, oder wird ihr die Arbeit über alles gehen? Wie steht Jan, der gerade Probleme mit seinem Sohn aus erster Ehe hat, zu diesen Fragen? Hier erzählt Anna Johannsen von schweren Schicksalsschlägen und peinigenden Zweifeln, das eigene Leben komplett zu verändern.
Obwohl die gesamten Untersuchungen sehr professionell geführt werden, arbeitet vor allem eine Beamtin, Rosa Lipinski, dem Ermittler-Duo hervorragend zu. Ihre genaue, unaufgeregte und intelligente Art bringt Jan und Hanna auf die Idee, sie künftig als Sonderermittlerin bei brisanten Fällen anzufordern. Das würde nicht nur ihre Arbeit erleichtern, sondern auch ihre privaten Überlegungen positiv beeinflussen. Letztlich gönnt die Autorin den Lesenden ein schönes und stimmiges Ende. Dass die Aufklärung des Falles gelingt, stand sowieso außer Zweifel.
“Jenseits des Scheins” ist ein gut konstruierter Kriminalroman mit Figuren, die ihre Ecken und Kanten haben, aber dennoch immer menschlich und souverän agieren. Wer gerne interessante und spannende Kriminalfälle mit viel persönlichem Touch liest, hat hier sicher zum richtigen Buch gegriffen.
Auch Wünsche erfüllen will gelernt sein
Ein Otti für alle Fälle - Verflixte Steinerei! von Nicola Anker
Hast du schon einmal einen Otti gesehen? Nein? Das ist kein Wunder, denn normalerweise sind Ottis unsichtbar. Nur mit Seifenwasser müssen sie aufpassen, dann sieht man sie nämlich. Wie du aber trotzdem Ottis sehen kannst, ist ganz einfach: Nicola Anker hat über sie ein ganz tolles Buch geschrieben.
Schon am Anfang gibt es natürlich ein Otti-Bild und du erfährst jede Menge über diese knuddeligen magischen Tiere. Dazu gibt es viele bunte und lustige Bilder von Nikolai Renger. Also jetzt –Buch auf!
Ottis gibt es schon sehr lange, mit ihren Zaubersteinen helfen sie Menschen und Tieren. Heute bekommt jedes Otti-Kind in der Schule seinen ersten eigenen magischen Stein. Otti Wurfel wünscht sich einen Spaßstein, denn er ist ein kleiner Witzbold. Aber wieso bekommt er einen Wunschstein- was soll Wurfel denn mit dem? Der ist ja furchtbar langweilig! Kann man den nicht umtauschen? Steinkundelehrer Moosbert willigt unter einer Bedingung ein: Zuerst muss Wurfel den Menschen Wünsche erfüllen. Welchen Menschen? Wurfel kennt ja gar keine!
Als Wurfel dann doch eine Familie findet, steht dummerweise ein Kübel mit Seifenwasser auf der Terrasse, und verflixt- Wurfel wird sichtbar. Schnell erkennt er, dass alle Familienmitglieder seine Hilfe brauchen könnten. Und Wurfel zaubert mit dem Wunschstein, doch alles geht schief! Aber nicht nur der Zauber funktioniert ganz verkehrt, Wurfel hat in der Schule Dinge über Menschen gelernt, die so gar nicht stimmen können. Menschen trinken aus der Kloschüssel oder mögen besonders stinkende Pupse – das ist doch echt grauslich. Doch trotzdem schließt ihn die Familie fest ins Herz, denn Wurfel hat ihnen etwas gebracht, das alle mögen- Spaß!
Nicola Anker hat mit “Ein Otti für alle Fälle– Verflixte Steinerei!” ein witziges, warmherziges Kinderbuch geschrieben, das mittels durchgehender, farbiger Illustrationen von Nikolai Renger zu einem echten Hingucker wird. Schon das fröhliche Hardcover lässt erahnen, dass Wurfel mit seinem Wunschstein für Erstaunen sorgt. Wurfel ist so knuddelig beschrieben, manchmal etwas hilflos, aber immer fröhlich und einfach zum Liebhaben. Ein besonderer Spaß ist, dass Lehrer Moosbert im bairischen Dialekt spricht, der immer ausgeprägter wird, je mehr er sich ärgert. Aber in wenigen Sätzen werden auch ernste Probleme dargestellt wie Überforderung in der Arbeitswelt und Depression. Sollten Kinder hier nachfragen, bietet die Geschichte einen guten Gesprächsansatz.
Das Buch wird für Kinder ab sieben Jahren empfohlen und eignet sich durch die kurzen Kapitel, die große Schrift und das dicke Papier gut zum Vorlesen und ersten Selberlesen. “Ein Otti für alle Fälle– Verflixte Steinerei!” gehört für alle gut sichtbar in jedes Kinderbuchregal!
Gefühlsecht, gemein und großartig: Betrug
Das habe ich wegen dir getan von John Lanchester
Der bekannte englische Autor John Lanchester legt mit seinem neuesten Roman “Das habe ich wegen dir getan” eine brillante Rachekomödie vor. Wer ist hier Täterin, wer Opfer? Schon das gelungene Cover lässt die Grenzen verschwimmen: Was ist Licht, was ist Schatten?
Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Rachepläne, zwei Motive: Kate und Phoebe erzählen von Vergeltung:
“He, ich will dich, Disco Doll.
” Das ist nur eine von Jacks frivolen Bemerkungen in seiner Ehe mit Kate. Worte, die so nie in der Öffentlichkeit fallen würden, die jedoch die Intimität dieser Beziehung prägen. Jack ist erfolgreicher Architekt, auch sozial sehr engagiert. Er kümmert sich um Obdachlose und bietet sogar einer betrunkenen jungen Frau, die auf seiner Türschwelle sitzt, spontan Asyl für die Nacht. Obwohl Kate und Jack der Boomer-Generation angehören, ist Jack sehr technikaffin; sein Smart-Home ist sein ganzer Stolz. Doch unerwartet stirbt er.
Phoebe, eine junge, gefragte Drehbuchautorin, feiert gerade ihren Durchbruch. Ihre Netflix-Serie ist ebenso amoralisch wie gemein, doch damit trifft sie den Zeitgeist. Phoebe empfindet keine Reue, weil sie intimste Details einer Ehe – der Ehe zwischen Jack und Kate – zum Gegenstand ihres Drehbuchs macht. Der Erfolg gibt ihr recht, vorerst. Doch dann folgen schlechte Kritiken und eines Tages steht Kate vor ihrer Tür.
John Lanchester beschreibt in unnachahmlicher und einfühlsamer Weise, wie Kate nach Jacks Tod leidet. Niemals wieder gemeinsam lästern, lachen, lieben – niemals, niemals, niemals! Jack muss sie betrogen haben und die intimsten Details ihrer Ehe verraten haben. Kate fühlt sich gedemütigt, ihr bisheriges Leben erscheint als Lüge. Trauer schlägt in Wut um, der Schmerz weicht jedoch mit der Zeit einer unwiderlegbaren Analyse: Genau so, nur so kann es gewesen sein! Und Kate sinnt auf Rache – Rache an Phoebe, die erstaunlich bürgerlich mit Toni zusammenlebt, einem Lehrer und verkannten Musiker. Daneben kümmert sie sich um ihre fürchterliche Mutter. Doch es gibt etwas in ihrer Familiengeschichte, ein Ereignis, das nach Vergeltung verlangt. Nach Rache an Kate und Jack!
John Lanchester zeichnet das Bild zweier Frauen, die vor nichts zurückschrecken, um das Leben der anderen zu zerstören, und die sich bedenkenlos nehmen, was sie wollen. Beide haben gute Gründe für ihr Handeln, beide kennen keinerlei Gewissensbisse oder moralische Zweifel. Unterschwellig und gekonnt ironisch verhandelt der Autor auch den Generationenkonflikt und verschiebt dabei lustvoll die Grenzen des Anstandes.
Die Stärke des Buches liegt in seiner unverwechselbaren und launig-bildhaften Sprache. Aus Worten wachsen große Gefühle – so echt und intensiv, als würde man sie tatsächlich spüren. Wenn man glaubt, die Figuren und ihre Motive durchschaut zu haben, führt John Lanchester die Lesenden mit einem gekonnten Twist in die Irre. “Das habe ich wegen dir getan” ist meisterhaft konstruiert, witzig und voller skrupelloser Gemeinheiten – ein absoluter Pageturner, ein Lesevergnügen und ein herausragender Roman.











