Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gabiliest:
Der Kampf um die Drachenperle
The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro
Die bekannte britische Autorin Naomi Ishiguro hat mit ihrem epischen Fantasyroman “The Rainshadow Orphans” den ersten Band einer Trilogie von vorgelegt. Dystopische Szenarien treffen auf den Kampf um Gerechtigkeit und das Gute im Menschen. Der farbenfrohe und phantasievoll entworfene Buchumschlag sowie der exklusive dreiseitige Motivfarbschnitt zeigen den Bezug zu japanischer Mythologie.
Das Buch ist hochwertig ausgestattet, zum besseren Verständnis trägt eine Karte von Rainshadow Island am Buchanfang bei.
Rainshadow Island ist eine zweigeteilte Insel. Im wohlhabenden Abschnitt ist der Palast von Kaiserin Asayo Soramoto, die zusammen mit der Verbrecherorganisation der Lucky Crows über die Insel herrscht. Im durch einen elektrisch geladenen Stacheldrahtzaum von der Stadt abgetrennten Teil wohnen die Kinder des Hüters, eines Kindgottes, bettelarm und ausgebeutet. Dort lebten auch die drei Wahlgeschwister Mei, Toshiko und Jun Kawakami. Als Waisenkinder wurden sie von Tante Reiko aufgenommen. Der Anführer der Lucky Crows, Ken Saito, hat Tante Reiko ermordet. Seitdem leben die Geschwister im Verborgenen in der Stadt, um sich an Saito und den Crows zu rächen.
Bei einem Fest stiehlt Toshiko Ken eine Drachenperle, die übernatürliche Kräfte hat. Auch der kleine Haru, Sohn der Kaiserin, scheint diese Fähigkeiten zu haben, denn er kann Sonnengeister sehen und ist fest entschlossen, die Perle den Drachen, denen sie gestohlen wurde, zurückzugeben. Doch die Sensei, die Anführerin der Crows und selbst magisch begabt, scheut keine Brutalität, um die Perle zu erhalten. Denn sie und die Kaiserin planen, menschenähnliche Bots zu erschaffen. Dazu brauchen sie den Halbmond des Hüters, den armen Teil der Stadt. Nur Haru und die mutigen Bewohner scheinen das Blatt wenden zu können, es gibt fürchterliche Kämpfe. Doch dann taucht plötzlich ein Drache aus dem Meer auf..…
Naomi Ishiguro hat einen beeindruckenden Roman geschrieben, der nicht nur alternative Welten schafft, sondern auch Bezug zur Realität hat. So wird die Ausbeutung des armen Teils der Bevölkerung, ihre Angst und Not überzeugend dargestellt. Die absolute Herrscherin nützt ihre Untergebenen aus, die kaiserliche Garde und die Kriminellen bedrohen immer wieder das Leben der Menschen. Die Verflechtung mit einer Verbrecherorganisation, die enormen Einfluss gewonnen hat, ist nicht nur spekulative Fiktion sondern zeigt, welche gesellschaftlichen Entwicklungen absolute Herrschaft hervorbringen kann. Besonders hervorzuheben ist die stimmige Zeichnung der Charaktere der drei Geschwister. Mei ist ein Computergenie, als Hackerin gelingt es ihr immer wieder, die Kommunikationswege der Crows zu stören. Toshiko ist eine furchtlose Kämpferin, die nie aufgibt. Jun ist ein Heiler. Alle drei übernatürlichen Gaben sind unverzichtbar, um die Herrschaft der Kaiserin und das Elend der Hüterskinder zu beenden. Auch der kindliche Kaiser Haru, der Sonnenwesen liebt und bereit ist, ein gerechter Herrscher zu werden, ist einfühlsam dargestellt. Doch ist auch die Sensei besiegt? Wie eng liegen Loyalität und Verrat beisammen?
Mein Fazit:
Der Roman steht für phantastische Welten, bevölkert von magischen Wesen. Bittere Armut und Entrechtung stehen Menschen, die ihre Macht und Herrschaft missbrauchen, gegenüber. Nur mit Mut und Zusammenhalt gelingt es, dieses Joch und den Einfluss krimineller Organisationen abzuschütteln und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Verlustreiche Kämpfe bringen den Tod, aber auch Freiheit und den Glauben an eine bessere Zukunft. Dennoch ist das Böse noch nicht besiegt.
“The Rainshadow Orphans” ist ein bis zur letzten Seite spannender, ideenreicher und in bildhafter Sprache geschriebener Fantasyroman, auf dessen Fortsetzungen ich mich freue. Dieser erste Teil der Trilogie hat mir sehr gut gefallen und ich bewerte ihn mit fünf Sternen.
Hilfe, Bonusgeschwister!
Meine schrecklich chaotische (Alb-)Traumfamilie von Heike Abidi
Mit “Meine schrecklich chaotische (Alb-) Traum- Familie” hat die SPIEGEL- Bestseller- Autorin Heike Abidi ein fröhliches Buch über das verwirrende Leben in einer Patchworkfamilie geschrieben. Wie schon das bunte Hardcover des Buches beweist, kann diese mit Bonuseltern und Bonusgeschwistern ergänzte Familie nicht nur schwierig, sondern auch vielfältig und lustig sein.
Bezeichnenderweise trägt der erste Band dieser neuen Reihe den Titel: “Der Schlamassel beginnt”.
Nelly ist zwölf Jahre alt, ihre Eltern haben sich getrennt. Heute ist der gefürchtete Tag, Nelly wird umziehen, eine Woche zu ihrer Mutter mit neuem Partner Florian, eine Woche zu ihrem Vater mit neuer Partnerin Romy. Doch das wäre noch nicht das Schlimmste, als Draufgabe gibt es viele Bonusgeschwister. Da muss sich Nelly bei ihrer besten Freundin Antonia ausheulen. Dumm nur, dass Antonia jetzt in Neuseeland lebt, am anderen Ende der Welt. Aber es gibt ja Videochats, so kann Nelly ihr Herz ausschütten: Da ist Annabell, vierzehn Jahre alt und gemein, Nevio, genau so alt und besserwisserisch, neunjährige Zwillinge und Gianna, die Nelly anhimmelt. Aber eigentlich hat niemand Nelly gefragt, ob sie das alles möchte. Also Schlamassel vorprogrammiert! Doch da gibt es plötzlich einen ganz süßen Jungen, Lounis. Vielleicht sollte Nelly ihre Pläne, nach Neuseeland auszuwandern, doch noch einmal überdenken!
Heike Abidi beschreibt humorvoll, aber durchaus realitätsnah, welche Gefühle dieses Familienchaos in Nelly auslöst. Einerseits möchte sie ihrer Mutter, die ständig versucht, ein harmonisches Familienleben zu schaffen, keine Sorgen machen. Andererseits aber erzählt Nelly niemandem, wie schwierig die Situation wirklich für sie ist. Als Einzelkind plötzlich so viele neue Geschwister zu haben ist einfach herausfordernd. Die Eltern haben wenig Zeit, an ihre neuen Zimmer muss sich Nelly erst gewöhnen. Und da ist auch noch die verflixte Pubertät. Glücklicherweise gibt es Großeltern, bei denen man Trost finden kann. Und Opa Kurt macht sogar mit Nelly angesagte Retro- Musik.
Die Autorin hat tolle Charaktere geschaffen und das Gefühlsleben der Kinder nach der Trennung der Eltern gut beschrieben. Einerseits wünscht sich Nelly, dass ihre Eltern wieder zusammenkommen, andererseits ist klar, dass das nicht funktionieren wird. Die Bonusgeschwister begegnen Nelly anfangs mit Abneigung oder übergroßer Begeisterung. Erst spät gelingt es Nelly, sich mit ihrer Mutter über ihre Gefühle auszutauschen und der neuen Familiensituation auch etwas Positives abzugewinnen. Denn eigentlich sind ihre Bonusgeschwister gar nicht so übel. Und Lounis ist einfach wunderbar. So ist Nelly inmitten des familiären Chaos einfach schockverliebt. Hier beschreibt Heike Abidi mit großem Einfühlungsvermögen die Unsicherheit dieser ersten jungen Liebe und das langsame Herantasten an die schwierige Welt der Erwachsenen, die mit der Liebe auch nicht immer klar kommen. Besonders schön fand ich, dass es auch eine kleine Liebesgeschichte für die ältere Generation gibt, oft ein Tabuthema, das in diesem Jugendbuch jedoch wie selbstverständlich mitbehandelt wird.
“Meine schrecklich chaotische (Alb-) Traum- Familie” ist ein gelungenes und warmherziges Jugendbuch, in dem die manchmal schwierige Situation in einer neuen Patchworkfamilie zwar locker- leicht, jedoch trotzdem mit großer Sensibilität beschrieben wird. Das Buch wird ab zehn Jahren empfohlen, aber auch Eltern und Großeltern werden manches ihrer Lebensrealität wiederfinden. Am Beginn des Buches gibt es ein Personenverzeichnis, in dem man auch die familiären Verflechtungen nachlesen kann. Also gelingt es gut, in diesen anfangs schwer durchschaubaren Familienkosmos einzutauchen, ein Abenteuer, das wirklich lesenswert ist. Daher gibt es von mir gerne eine Leseempfehlung und fünf Sterne für dieses witzige und kluge Buch.
Bei Hochzeit Mord
Wiener Wedding Killer von Franziska Waltz; Claus Schönhofer; Norbert Peter
Nach ihren zwei Themenkrimis über fröhliches Morden in der Weihnachtszeit und im Sommer haben die drei bekannten Autoren Franziska Waltz, Claus Schönhofer und Norbert Peter nunmehr den dritten Band vorgelegt. Neun Hochzeitskrimis sollen von der Gefährlichkeit des angeblich schönsten Tages im Leben überzeugen, der im schlechtesten Fall auch der letzte Tag für mindestens einen der an dieser Feier Beteiligten sein wird.
In diesen Kurzkrimis fehlt es nicht an unterschiedlichen Motiven, Eifersucht und Geld werden gerne genommen, allerdings kommt es auch zu katastrophalen Missverständnissen, denn wer würde damit rechnen, dass ein Häufchen Mehl den Tod bringt. Gemordet wird an allen schönen Wiener Locations, die Szenerie gibt einen phantastischen Hintergrund für familiären Hass, missverstandene Liebe und ungewöhnlich endende Polterabende.
Die Autoren empfehlen, das Buch gerne zur Hochzeit, Scheidung oder einem ähnlich freudigen Anlass zu verschenken. Das kann ich mir gut vorstellen, zusammen mit einem kleinen Hackebeilchen hübsch verpackt, macht es sicher viel her- Entschuldigung, jetzt ist gerade das goldene Wienerherz mit mir durchgegangen, ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Auf jeden Fall sollten die so Beschenken Humor haben und über zumindest rudimentäre Kenntnisse des Wiener Dialekts verfügen, der manchmal charmant klingt, manchmal aber einfach nur ordinär ist. Natürlich gibt es in Wien auch heute noch die “Bassena-Sprache”. Für Unwissende sei erklärt: Bassena war die einzige Wasserentnahmestelle am Gang eines Stockwerks in einem Substandardmietshaus. Dort trafen sich die Frauen und der gute Ton war ein so seltener Gast wie unser Herr Bundespräsident in einem Strizzicafé (Strizzi= Kleinganove).
Die Wiener Polizei ermittelt durchaus kompetent, allerdings führt sie Leibesvisitationen auch gerne in den eigenen Reihen durch. Dumm nur, wenn so ein Schäferstündchen durch einen Mord gestört wird und man wieder an die Arbeit gehen muss. Dennoch haben die Autoren interessante und manchmal sogar sympathische Charaktere geschaffen- abgesehen von den Mördern natürlich.
Daher bietet “Wiener Wedding Killer” einen heiteren Zugang sowohl zur großen Liebe wie zum abgrundtiefen Hass. Durch die kurzen Geschichten eignet sich das Buch gut, um zwischendurch einmal hineinzulesen. Ob man das entspannend findet, hängt wohl davon ab, ob man gerade Hochzeitspläne schmiedet. Dann sollte man vielleicht das Bild auf dem Cover kritisch betrachten und überlegen, ob man wirklich mit dem Ehegespons die Hochzeitstorte anschneiden möchte. Unterhaltsam aber ist diese Lektüre auf jeden Fall.
"Trau dich zu leben" sagt der Tod
Du hast noch einen Sommer, sagt der Tod von Marie-Kristin Hofmann
Er ist immer da, auch wenn wir ihn ignorieren. Aber normalerweise spricht er nicht. Ganz anders ist das in dem romantischen Liebesroman der bekannten Autorin Marie-Kristin Hofmann, denn dort redet der Tod mit Alba in Gestalt einer Steckdose. Einer Steckdose, ernsthaft? Ja, ernsthaft, meint der Tod.
Alba ist Soziophobikerin, wenn sie Menschen sieht, läuft sie davon.
Natürlich hat sie daher keine Beziehung und nur eine gute Freundin, Rei. Der kann sie doch nicht erzählen, welches Ultimatum ihr der Tod gestellt hat. Fünf Aufgaben muss Alba lösen, sonst wird sie am Ende des Sommers sterben. Die erste davon ist, ein Date zu haben. Da ist Rei sofort begeistert und meldet Alba auf Tinder an. Tatsächlich möchte Marlon, ein Yogalehrer, ein Treffen mit Alba, das erst klappt, als er sie in dem Busch gefunden hat, in dem sich Alba versteckt hat. Doch dann gewinnt Marlon mit seiner ruhigen Art Albas Vertrauen, so dass sie sich mit ihm an Aufgabe zwei wagt. Nun werden die Aufgaben immer schwieriger, Alba muss sich den schlechten Erfahrungen ihrer Kindheit stellen, den berühmten Eltern, die sie jedoch nie ermutigt haben und ihrer Schwester, die sie seit jeher ignoriert. Denn Alba hatte schon als Kind einen Traum: Sie wollte auf der Bühne stehen und Musik machen.
Marie-Kristin Hofmann begleitet auf unterhaltsame, aber dennoch tiefgründige Art Alba bei ihrer Entwicklung. Immer mehr traut sich Alba zu, immer mehr wagt sie sich ins Leben. Zwischen den Aufgaben erscheint wieder der Tod, in wechselnden Gestalten und eher witzig und freundlich als furchterregend. Eigentlich beneidet er die Menschen, die lieben können. Das würde er auch gerne, oder zumindest ein bisschen beim Sex zuschauen. Obwohl Albas Beziehung mit Marlon intensiver wird, empfindet sie das als No Go. Dennoch, nie weiß man, wo der Tod gerade steckt. Alba genießt den Sommer mit Marlon auf seinem Berliner Hausdach, lernt seine Freunde kennen und will eines nicht- sterben. Denn Marlon hat Angst, einen Menschen zu verlieren, wie er schon seine Schwester an den Tod verloren hat. Soll Alba Marlon sagen, dass sie bald sterben könnte?
“Du hast noch einen Sommer, sagt der Tod” ist eine gelungene romantische Komödie, die jedoch auch Ernsthaftigkeit zulässt. Die Autorin zeichnet mit viel Einfühlungsvermögen die Charaktere der Protagonisten und gibt ihnen somit ein glaubhaftes Profil. Schon am gelungenen Cover dieses Romans sieht man das Fensterbrett in Albas Wohnung, von dem aus sie die Menschen auf der Straße beobachtet. Wird sie je vor ihnen singen und damit ihren Traum leben? Kann sie den Tod dazu bringen, ihr mehr Zeit zu geben? Marlon ist als ihr Freund und Liebhaber geduldig, nicht fordernd und akzeptiert Albas Sichtweise. Dennoch ermutigt er sie immer wieder, sich mehr zuzutrauen. Rei ist die beste Freundin ever, die Alba in allem unterstützt und alles unternimmt, um Albas Traum wahr zu machen.
Marie-Kristin Hofmann hat einen fein konstruierten Roman geschrieben, der mit leichter Hand und witzig Albas Weg zurück ins Leben erzählt, aber auch spüren lässt, dass der Hauch der Ewigkeit immer präsent ist. Daher ermutigt die Geschichte, neue Wege zu gehen, das Leben auszukosten und seine Träume nie aufzugeben. Passend zu Albas Traum findet sich am Beginn des Buches eine Playlist. Das Thema dieses Buches und seine Umsetzung haben mir sehr gut gefallen, denn die Autorin hat eine wirklich schöne und stimmige New Adult Romance vorgelegt, einen perfekten Sommerroman mit Witz und Tiefgang, den ich gerne weiterempfehle.
Reich, schön, tot
Léon und die Frau im blauen Kleid von Alexander Oetker
Der SPIEGEL Bestseller-Autor Alexander Oetker hat mit “Léon und die Frau im blauen Kleid” eine neue Krimireihe über Commissaire Léon de Cavallier und seine Kollegin Nadia Bentaleb begonnen. Schon das sonnige und einladende Cover führt nach Nizza in den Kreis der Reichen, Schönen und Gelangweilten.
Dort nimmt das Unheil seinen Lauf.
Die Leiche einer jungen Frau wird am Strand angespült. Kann die Frau von einem Schiff gefallen sein? Wurde sie gestoßen? Ist sie ertrunken? Léon und Nadia nehmen die Ermittlungen auf, die schnell in das Milieu der Superreichen, zwischen Nizza und Monaco, führen. Angeblich war kein Schiff unterwegs, aber kann man der Brigade maritime vertrauen? Ihr Leiter lebt weit über seine Verhältnisse. Letztlich stellt sich heraus, dass die Frau, eine Osteuropäerin, ermordet wurde. Drogen, Alkohol und sexueller Missbrauch lassen sich nachweisen. Cavallier und Bentaleb suchen nicht nur in illustren Kreisen nach Verdächtigen, sondern auch in der Banlieue von Nizza, in der eigene Gesetze herrschen. Zwei verschiedene Welten und zwei Ermittler, die aus diesen verschiedenen Welten kommen.
Commissaire Léon der Cavallier ist nicht nur Leiter der Brigade criminelle von Nizza, sondern auch adelig, anmaßend, arrogant, unfreundlich und beleidigend. Das Letzte, das er brauchen kann, ist eine Kollegin, die aus der schlimmsten Banlieue von Paris stammt und von Champagner keine Ahnung hat. Doch genau das ist Nadia Bentaleb, mit Migrationshintergrund und dunkler Hautfarbe. Sie hat schnell innerhalb der polizeilichen Hierarchie Karriere gemacht, denn sie hat in Paris spektakuläre Verbrechen aufgeklärt. Der Snob und die tätowierte Frau in der Lederjacke, Ferrari versus Kawasaki, kann das gut gehen?
Alexander Oetker führt in seinem Roman in eine Welt, in der Geld keine Rolle spielt, in der Beziehungen zählen und der schöne Schein unter allen Umständen gewahrt werden muss. Junge Menschen, die sich noch nie in ihrem Leben um ihr Fortkommen sorgen mussten, leben in einer Blase zwischen Party und Langeweile, die nur durch immer wildere Ausschweifungen Sinn ergibt. Junge Frauen dienen sich den reichen Männern an, mit ihnen kann man viel Spaß haben. Auch die Tote, Katarzyna, war auf einer Party, auf einem Schiff. Immer stärker deuten die Indizien auf den Söhne reicher Familien. In diesem Milieu hat Léon keine Hemmungen, seine Ermittlungen voranzutreiben. Allerdings braucht er auch Nadia, denn die Drogendealer leben in der Banlieue.
Vielleicht mag es erstaunen, dass Commissaire Cavallier in diese berüchtigte Banlieue mit seinem Ferrari fährt, gekleidet in einen maßgefertigten Smoking. Nur durch die Erfahrungen von Bentaleb in diesen Milieu bekommen die Kriminalisten Informationen, wobei Nadia illegale Verhörtaktiken anwendet. Cavallier wird als naiv und mit den Herausforderungen der Vorstadt absolut nicht vertraut dargestellt. Das ist verwunderlich, denn als Leiter der Brigade criminelle hat er sicher viel in dieser Gegend tun, da dort die Verbrechensrate besonders hoch ist. Inkompetenz würde ihn hier für seinen Job disqualifizieren. Zudem war Léon früher Soldat und an den Krisenherden der Welt als Kommandant im Einsatz. Planloses Vorgehen ist daher von ihm nicht zu erwarten. Hier hätte ich mir ein stringenteres und glaubwürdigeres Persönlichkeitsprofil von Léon gewünscht, auch wenn verständlich ist, dass der Autor Nadia Bentaleb eine Bühne bieten wollte.
“Léon und die Frau im blauen Kleid” ist ein spannender und gut geschriebener Kriminalroman, in dem die Unterschiede von Einkommen und Vermögen immer wieder, auch ironisch, thematisiert werden. Ebenso kommt das Flair an dieser wunderschönen französischen Küste nicht zu kurz. Am Ende des ersten Bandes dieser Reihe erweist sich, dass sowohl Léon wie Nadia ein Geheimnis haben und gegenseitige Hilfe benötigen werden. Doch dann fällt ein Schuss, soviel Blut! Ist Léon tot? Diese Frage beantwortet dieses gelungene Buch, das ich gerne empfehle.
Mit Charme und Witz: Im Wein liegt die Wahrheit
Tote trinken keinen Riesling von Lilly Hess
Mögen Sie ältere Damen? Und speziell durch das Leben gereifte Hobbyermittlerinnen im Stil von Miss Marple? Dann sollten sie “Tote trinken keinen Riesling” lesen. Wenn sie trockenen Humor schätzen, dann sind sie hier richtig! Die bekannte Autorin Lilly Hess hat den ersten Band ihrer Krimi- Reihe “Mord im Gepäck” veröffentlicht, der witzig und geistreich, manchmal ein bisschen ironisch, aber immer lebensfroh ist.
Und den es sich ohne Zweifel zu lesen lohnt!
Rosi ist ehemalige Kanzlerreferentin von Helmut Kohl und nun Reiseleiterin einer munteren Seniorentruppe, die die Pfälzische Weinstraße erkundet- natürlich immer auf dem Weg zu den besten Schmankerln, den süffigen Pfälzer Weinen und zu den nächsten Toiletten. Zwei ihrer ältesten Freundinnen begleiten Rosi; Monique, die früher Assistentin von Präsident Mitterrand war und Olga, die als Ex-Kommissarin vom Fach ist, denn statt einer Toilette findet die Rentnergruppe eine Leiche. Anna, eine Winzerin, liegt tot im Wald. Als die Polizei nicht in die Gänge kommt, ermitteln die drei Golden Girls auf eigene Faust. Was sie herausfinden, gibt zu denken. War Konkurrenzneid ein Mordmotiv? Oder familiäre Katastrophen? Verschmähte Liebe? Oder doch das Auftauchen einer Person, die zwar zur Familie der Ermordeten gehört, sich aber verschlossen gibt und seltsam verhält?
Mit Genuss führt Lilly Hess die Lesenden immer wieder in die Irre, denn die Motive sind so vielfältig wie die Protagonisten, die die Autorin erschaffen hat. Sie zeichnet feine Verflechtungen und Animositäten zwischen den Winzerfamilien, die für die drei Hobbydetektivinnen ganz oben auf der Verdächtigenliste stehen. Rosi, die Geschichte studiert hat, hält sich an Zahlen und Fakten. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, sieht sie die Katastrophe kommen- und die Ereignisse geben ihr Recht. Olga, die ursprünglich aus Georgien stammt und erfolgreich vier Ehemänner überlebt hat, hält sich an Alkohol. Nicht nur sie ist überzeugt, dass die Verhandlungen zur Deutschen Wiedervereinigung nicht durch taktisches Geschick, sondern durch eine gute Flasche Wodka einen positiven Abschluss gefunden haben. Bei diesen Verhandlungen begann die Freundschaft der drei Frauen. Zuletzt Monique, elegant, charmant und diplomatisch, erkennt einen Tangotänzer schon auf den ersten Blick.
Die drei zwar ungleichen, aber durch eine innige Freundschaft verbundenen Frauen machen sich daran, diesen verzwickten Mordfall zu lösen. Natürlich bekommen sie von der Polizei keine Unterstützung, daher müssen sie selbst mit subtilem Befragen der Verdächtigen ein Mosaik aus Indizien zusammentragen. Dass dabei die moderne Technik und gute Beziehungen helfen können, erleichtert das Unterfangen der Hobbydetektivinnen. Langsam, erst als Monique zu Schaden kommt, scheinen sich die Puzzleteile dieses Verbrechens zusammenzufügen. Dabei spart Lilly Hess nicht mit verwirrenden Familienkonstellationen, Eifersucht, Intrigen und einem ganz bösen Spiel aus Geld- und Machtgier.
“Tote trinken keinen Riesling” ist ein einfallsreich und logisch aufgebauter Kriminalroman, der die Lesenden auf beschwingtem Weg zur unerwarteten Lösung des Falles führt, denn die Autorin hat einige geschickte Twists eingebaut. Lilly Hess führt launig durch eine scheinbare Dorfidylle und lässt durch ihre bildhaften Beschreibungen sofort einen heiteren Film im Kopfkino ablaufen. Dieser Cozy Crime Roman überzeugt mit ansteckender Neugier, ist leichthändig geschrieben und liest sich so geschmackvoll wie guter Wein, den man gerne verkostet. Ich habe mich bei diesem sehr gelungenen Buch, das den Spannungsbogen bis zur letzten Seite hält, wirklich amüsiert und kann “Tote trinken keinen Riesling” sehr empfehlen. Vielleicht wollen Sie ihn ja auch mit einem guten Gläschen Wein genießen? Also: Prosit auf eine Bewertung mit fünf Sternen.
Im Spiegel siehst du deine Seele
Mit anderen Augen von Jane Tara
Die aus Australien stammende Autorin Jane Tara hat ihren bemerkenswerten Roman “Mit anderen Augen” über die Bedeutung der reiferen Frau in der Gesellschaft vorgelegt. Schon auf dem gelungenen Hardcover kann man die Intention des Buches erkennen, das Frauen, egal welchen Alters, dazu ermutigen will, vor den Vorhang zu treten.
Tilda ist zweiundfünfzig, betreibt eine eigene Firma, die Motivationssprüche auf diverse Artikel wie beispielsweise Kaffeetassen druckt. Sie hat erwachsene Zwillingstöchter und wunderbare Freundinnen. Aber sie hat keinen Partner, ihr Ehemann hat sie für eine jüngere Frau verlassen. Als Tilda eines Tages bemerkt, dass ihre Körperteile sukzessive verschwinden, erhält sie die Diagnose “Unsichtbarkeit”, nicht heilbar! Doch Tilda nimmt Hilfe in Anspruch, eine berühmte Therapeutin verspricht Genesung. Dazu muss Tilda sich klar werden über ihr Selbstbild und ihre negativen Gedanken, die sie ständig begleiten. In einer Selbsthilfegruppe- denn sehr viele Frauen sind auch von Tildas Krankheitsbild betroffen- fühlt sich Tilda nicht wohl, Meditation und Schweigen scheinen einen Weg zu weisen. Und ihr Jugendtraum, Porträts zu fotografieren, tritt wieder in den Vordergrund.
Auch ein attraktiver Mann, der ihre Makel nicht bemerkt, zeigt Interesse an Tilda. Unsichtbarkeit, ein Schicksal?
Jane Tara bettet die Geschichte von Tilda in eine allgemeine Analyse des Lebens von Frauen, die das gebärfähige Alter hinter sich haben. Sind sie deswegen weniger begehrenswert? Werden sie tatsächlich nicht mehr gesehen, vor allem von den Männern? Stellen sie für die Gesellschaft keine Bereicherung mehr dar, vielleicht sogar eine Last?
All diese Fragen verwebt die Autorin mit Tildas Leidensweg. Vielleicht mag es irritieren, dass die Autorin hier als Protagonistin eine Frau wählt, die in komfortablen Verhältnissen lebt, über viele Sozialkontakte verfügt und ökonomisch keine Probleme hat. Dennoch ist die Annahme richtig, dass dieses Gefühl des Verschwindens, des nicht wahrgenommen Werdens, jede Frau, ganz unabhängig von ihrer Situation, betreffen kann. Oft ist die Unsichtbarkeit eine Folge von Traumata in der Kindheit, die Muster für die Partnerwahl im späteren Leben geprägt haben und die Frauen gelehrt haben, dass sie Konflikten am ehesten aus dem Weg gehen, wenn sie so unbemerkt wie möglich bleiben. Auch negative Gedankenspiralen zerstören den Selbstwert. Für Tilda scheinen die Hinwendung zur Selbstliebe und Meditation ein Heilmittel zu sein. Hier verallgemeinert die Autorin nicht, sondern zeigt Wege auf, die aus einer scheinbar aussichtslosen Situation, wenn man sich selbst aus dem Blick verloren hat, herausführen können.
Natürlich hilft Tilda auch die Liebesgeschichte, die Jane Tara gekonnt in das Geschehen einbaut. In diesem Zusammenhang mögen sich die Lesenden fragen, ob von Bedeutung ist, dass der Mann, Patrick, superreich, attraktiv und empathisch ist. Wird nicht zu sehr die Außensicht betont? Genau hier liegt aber Patricks Defizit, diese Sicht des Äußeren ist ihm verwehrt.
“Mit anderen Augen” greift ernste gesellschaftliche Entwicklungen auf, dennoch besticht das Buch immer wieder mit subtilem Humor. In klarer Sprache führt die Autorin durch ein Frauenleben, das zu kippen droht, dennoch fehlt es dem Buch nicht an Spannung und Zuversicht. Damit bietet der Roman in großen Linien soziologische Befunde über den Bedeutungsverlust von Weiblichkeit, jedoch führt er beschwingt, aber gelassen durch ein schwieriges Thema. So bietet “Mit anderen Augen” vieles, was gute Literatur erfüllen soll: Der Roman ermöglicht Diskussion und kritische Betrachtung, er regt an, dem Geschehen in eigenen Gedanken nachzuspüren. “Mit anderen Augen” ist ein empfehlenswertes Buch, das nicht nur Frauen lesen sollten.
Kultig und komisch: Die ganz geheimen (?) Tagebücher
Die ganze Wahrheit über die 5. Klasse von Kim Tomsic; Mark Parisi
Mit “Die ganze Wahrheit über die 5. Klasse” haben Kim Tomsic und Marc Parisi einen tollen und witzigen Comicroman vorgelegt. Das beginnt schon bei der Gestaltung des Hardcovers, zu diesem Buch würde man in der Buchhandlung sofort greifen, um mal hineinzulesen und sich dann zu sagen: “Wenn ich nur aufhören könnte!”.
Das Buch wird ab zehn Jahren empfohlen, aber hier können alle Altersgruppen noch jede Menge Spaß haben.
Zwei beste Freunde: Alex und Charli sind beste Freunde, beide fast elf Jahre alt und kommen in die fünfte Klasse. Sie kennen sich seit Ewigkeiten- also seit dem Kindergarten, sind Nachbarn und haben keine Geheimnisse voreinander- bis jetzt!
Zwei Tagebücher und zweimal erste Liebe: Jetzt vertrauen sie ihre Geheimnisse ihren Tagebüchern an. Charli ist von den Socken, sie hat Henry im Schwimmbad beobachtet, er hatte ein Faultierleibchen an und Charli liebt Faultiere. Also zeichnet sie in ihr Tagebuch viele Herzchen und Sternchen. Egal, was Henry sagt oder nicht sagt, er kann nur seine Beziehung zu Charli meinen.
Alex schreibt Tagebuch, weil seine Eltern das wollen, obwohl er viel lieber zeichnet. Aber gut, das kann man ja in einem Tagebuch auch machen. Auch Alex hat einen heimlichen Schwarm, Kiara. Die muss er noch beeindrucken und von sich überzeugen. Ob das gelingt?
Zweimal Zoff: Charli ist empört. Alex hat ihr ganz geheimes Geheimnis verraten, davon ist sie fest überzeugt. Alle wissen Bescheid, das kann doch nicht wahr sein! Nicht nur, dass sie mit Alex nicht mehr spricht, sie wird sich rächen, und sie weiß auch schon, wie.
Alex ist verwirrt. Wieso spricht Charli nicht mehr mit ihm? Er ist sich keiner Schuld bewusst, aber vielleicht steht ja etwas darüber in Charlis Tagebuch? Nur mal schnell reinschauen, wenn Charli nicht hinguckt! Da stehen ja tolle Sachen darüber, was Kiara gerne mag. Das muss Alex unbedingt machen!
Ein irre witziger Comicroman: In die fünfte Klasse zu kommen, ist toll, aber auch eigenartig. Angeblich verändert man sich da. In fröhlichen und fast wie aus dem wahren Leben gegriffenen Texten schildern die beiden bekannten Autoren, wie die Kinder, jedes aus seiner Perspektive, diese Zeit erleben. Der Stil der Tagebücher unterscheidet sich grundlegend. Charli versieht ihr Tagebuch mit vielen liebevollen Details und Kritzeleien, Alex zeichnet eher sachlich, aber deswegen nicht weniger komisch. Natürlich unterscheidet sich nicht nur der Schreibstil, sondern auch die Schriftart zeigt sofort, wessen Tagebucheintrag man gerade liest. Das Buch ist hochwertig ausgestattet, die Seiten sind aus dickem Papier, so dass man meint, tatsächlich ein Tagebuch vor sich zu haben.
Die Charaktere der Kinder sind liebevoll, aber manchmal echt schräg gezeichnet und beschrieben. Nicht nur junge Lesende, sondern auch Erwachsene, die gerne- oder mit Schaudern- an dieses Alter zurück denken, werden sich hier köstlich unterhalten. Lesemuffel freuen sich an der größeren Schrift und den vielen phantasievoll gezeichneten Details. “Die ganze Wahrheit über die 5. Klasse” ist ein chaotischer und witziger Comicroman, den man einfach mögen muss und den ich mit fünf Sternen bewerte.
Auge um Auge, Zahn um Zahn
Das Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri
“Töte die Reichen” Dieser Slogan findet sich nach Attentaten auf Milliardäre an den Tatorten und im Internet. Das erste Opfer ist ein ehemaliger, millardenschwerer Fußballspieler, Jesús Martínez. Seinem Tod folgen weitere prominente Opfer, alle ermordet auf eine Art und Weise, die Bezug zu ihrem bisherigen Leben hat.
Colomba Caselli, ehemalige Vizepolizeidirektorin und Dante Torre, ein genialer Amateurkriminalist, ermitteln. Colomba, die jetzt Privatdetektivin ist, wird von der Familie von Jesús zu dem Fall, an dem auch der Geheimdienst großes Interesse zeigt, hinzugezogen. Dante weicht nicht von ihrer Seite, denn die beiden verbinden schreckliche Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit.
Der bekannte Autor Sandrone Dazieri hat mit “Das Gesetz der Elite: Ihr Reichtum ist ihr Untergang” einen hoch aktuellen Thriller vorgelegt, der sich, oberflächlich betrachtet, auf die weltweiten Einkommens- und Vermögensunterschiede bezieht. Der Vergleich der Welt mit “Dollaronia”, in der wenige Superreiche alles bestimmen, ist durchaus der Realität entsprungen. Der Autor beschreibt die Welt des Geldes als Hochhaus, in den unteren Stockwerken bewohnt von den Durchschnittsverdienern und letztlich den bitter Armen. Und er legt nahe, den Wert des menschlichen Lebens in diesem Szenario zu überdenken, denn letztlich sind diese Menschen “entbehrlich”. Das deckt sich inhaltlich mit dem Eingangszitat des Buches von John Brunner aus “Schafe blicken auf“, das vorschlägt, zweihundert Millionen Menschen, die absonderlichsten und schädlichsten, zu eliminieren. Wie lautet wohl die Antwort der Elite auf die Frage, ob die gesamte Menschheit weiter bestehen solle?
Ebenso fasziniert der Traum vom ewigen Leben. Sandrone Dazieri lässt die Superreichen eine Organisation erschaffen, die es durch Kryokonservierung möglich machen soll, in der Zukunft durch verbesserte medizinische Möglichkeiten weiterzuleben. Doch führt vieles, das der Autor heranzieht, um den Spannungsbogen aufzubauen, die Lesenden gekonnt in die Irre. Denn als es letztlich gelingt, den Täter zu stellen, ergibt sich der Blick auf eine psychisch gestörte und narzisstische Persönlichkeit, die lange Zeit über jeden Verdacht erhaben war.
Besonders herauszustreichen sind die beiden Hauptfiguren Colomba Caselli und Dante Torre. Beide sind schwer traumatisiert. Das Buch wirft im Rückblick nur Schlaglichter auf das Schicksal der Protagonisten, die erahnen lassen, dass sie Furchtbares durchgemacht haben müssen. Colomba, die nicht mehr an vorderster Front ermitteln möchte, kann durch ihre Hartnäckigkeit nicht aufhören, nach dem wahren Täter zu suchen, auch als die Morde bereits geklärt erscheinen, doch immer wieder wird sie von Panikattacken gequält. Dante ist körperlich und psychisch schwer geschädigt und doch der Mastermind bei der Aufklärung der Verbrechen.
Bei aller Düsternis stellt der Autor die Beziehung von Dante und Colomba liebevoll dar, denn Colomba wird Dante, der eine sehr unorthodoxe Lebensweise pflegt, immer beschützen. Obwohl Colomba und Dante nicht zur Welt der Reichen und Schönen zählen, ergibt sich im Zuge der Aufklärungsarbeit für Colomba eine unerwartete und einfühlsam erzählte Liebesgeschichte.
Mein Fazit:
“Das Gesetz der Elite: Ihr Reichtum ist ihr Untergang” ist ein gut gelungener Thriller, der den Spannungsbogen bis zur letzten Seite aufrecht erhält. Die Unterschiede zwischen Fakten und Fiktion verschwimmen, souverän führt der Autor durch eine den meisten Menschen verschlossene Welt des Reichtums, ohne jedoch eine Verteilungsdebatte anzufachen. Die faszinierenden Charaktere der Protagonisten zeigen unerwartete und bizarre Persönlichkeitsstrukturen, zur besseren Einordnung finden die Lesenden am Beginn des Buches ein Personenverzeichnis. Ich hätte mir gewünscht, mehr über die Vorgeschichte von Colomba und Dante zu erfahren, die der Autor jedoch in seinen zwei bereits vor Jahren erschienen Romanen der Colomba Caselli- Reihe behandelt hat. Durch seine Realitätsnähe lohnt es sich, das Buch auch als Diskussionsgrundlage über die Einflussnahme der Superreichen auf Politik und Gesellschaft zu verstehen. So wirft der Autor, verpackt in einen fesselnden Spannungsroman, zeitgemäße und hochaktuelle Problemstellungen auf, über die es sich lohnt, nachzulesen und nachzudenken.
Cosy bis kriminell: Sektparty mit Mörderjagd
Mordseeparty von Emmi Johannsen
Mit “Mordseeparty” hat die bekannte Autorin Emmi Johanssen bereits den siebenten Band ihrer Borkum- Krimireihe vorgelegt. Das humorvolle Cover stimmt auf einen heiteren Küstenkrimi ein, wieder mit den bereits aus den Vorbänden bekannten Hobbyermittlern Caro Falk und Jan Akkermann. Dennoch kann dieser Band ohne Vorwissen gelesen werden, die Geschichte ist in sich abgeschlossen.
Caro bereitet die Party zu ihrem vierzigsten Geburtstag vor, Jan hilft ihr natürlich. Auch wenn es zwischen ihnen immer wieder knistert, näher gekommen sind die beiden einander noch nicht. Da muss erst Caros Schwester Conny kommen, zur Party angereist und gleich von Jan begeistert. Caro ist verwirrt, aber sie hat jetzt etwas anderes im Kopf: Auf der Seehundbank vor dem Nordstrand wurde eine nackte männliche Leiche gefunden. Der Tote ist Uwe Petersen, ehemals Milchbudenkönig, mittlerweile pleite. Wer hat nach seinem Leben getrachtet? Diese Person, die ihre Wut und ihren Hass in der Ich- Form beschreibt, weiß, dass Petersen schwere Schuld auf sich geladen hat. Noch ist nicht erkennbar, ob ein Mann oder eine Frau die Tat begangen haben könnten. Jan und Caro ermitteln in alle Richtungen, denn viele Menschen hätten ein Motiv gehabt, sich an Petersen zu rächen. Er hat Tiere wie Menschen gleichermaßen gequält und schlecht behandelt. Waren es Tierschützer oder eine Frau, an der er sich vergangen hat? Neben Partyvorbereitungen und Familienchaos versuchen Caro und Jan, diesen verzwickten Mordfall zu lösen.
Emmi Johannsen hat mit “Mordseeparty” einen spannenden und gut durchdachten Küstenkrimi geschrieben, der Jan und Caro, genau so wie die Lesenden, immer wieder in die Irre führt und unerwartete Twists bietet. Die Charaktere der Protagonisten sind alle sympathisch und zugewandt. Caro erinnert sehr an Miss Marple, auch wenn sie jünger ist, ist sie doch genau so neugierig und hartnäckig. Jan, ein bodenständiger und verlässlicher Mann, ist sichtbar in Caro verknallt, doch zu schüchtern, um auf sie zuzugehen. So ist dieser Roman ein unterhaltsamer Cosy-Krimi, denn er bietet auch eine schöne, sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte. Dazu gibt es jede Menge Familienleben, denn Caros Geschwister samt Nachwuchs, Eltern und Freunden wollen natürlich bei der Geburtstagsparty dabei sein. Auch hier hat die Autorin viele witzige Situationen eingebaut und die Lesenden würden Caro gerne einen kleinen Schubs geben, um ihre Beziehung mit Jan zu vertiefen.
Obwohl “Mordseeparty” heiter und fröhlich ist, zeigt das Buch doch auch Hintergründe eines Verbrechens auf. So war der Tote in der Kindheit selbst Opfer prekärer Familienverhältnisse, später dann manchmal großzügig der Gemeinde oder Menschen in Not gegenüber. Trotzdem wurde er in der Gemeinschaft nie akzeptiert und bekam als Kind keine Hilfe. So zeichnet das Buch ein differenziertes Bild des Mordopfers, der gleichzeitig Täter, aber in seiner Kindheit auch Opfer war.
Emmi Johannsen hat einen heiteren, gut lesbaren Kriminalroman geschrieben, der mit spektakulären Szenen genau so aufwartet wie mit unverhofften Wendungen. Die Protagonisten wirken lebendig, leichthändig erzählt die Autorin eine beschwingte und pointierte Geschichte. Sofort fühlt man sich auf die schöne Insel Borkum versetzt und würde an liebsten, dort am Strand liegend, dieses Buch lesen. So entsteht perfektes Urlaubsfeeling, daher empfehle ich diesen beschwingten und launigen Roman gerne weiter und bewerte ihn mit fünf Sternen.











