Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lydia_Te:
Beziehungen
Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? von Wencke Mühleisen
Das Cover und der Titel wirken unscheinbar. Umso mehr war ich über den Inhalt überrascht und erfreut.
Im Buch "Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?" von Wencke Mühleisen geht es um ein 65-jähriges Ehepaar. Erika und Jan machen einen gemeinsamen Urlaub in Italien, in der Hoffnung das dieser Urlaub die eingestaubte Beziehung in Schwung bringt.
Aber leider ist genau das Gegenteil der Fall. Am letzten Abend gesteht Jan, dass er seit mehr als einem Jahr eine Beziehung zu einer anderen Frau hat. Nach dieser Beichte hat Erika so ziemlich alle Gedanken die man einfach nur haben kann. Die Geschichte ist wirklich ausgezeichnet umgesetzt und hat mich sehr gefesselt. Besonders interessant finde ich die ganzen verschiedenen Gedankengänge die Erika hat und das sie sich mal mit ihrem Schicksal abfindet und dann wieder nicht. Manchmal sind mir ihre Gefühle wie ein Pendel vorgekommen die von einem Extrem ins andere geschwankt sind.
Auch wenn ich mit Ende 20 eher nicht in die angepeilte Lesegruppe falle, hat mich der Roman durch die Sprache und den Inhalt absolut abgeholt und war mein Lesehighlight im Februar 2026.
Ernste Themen leichtfüßig erzählt
Alma von Federica Manzon
"Alma" von Federica Manzon hat mich sehr überrascht. Ich habe mir einen oberflächlichen Roman mit einer verlorenen und wiedergefundenen Liebe erwartet. Doch zum Glück wurde ich in meiner Annahme nicht bestätigt. Der Roman ist alles andere als oberflächlich. "Alma" erzählt von der gleichnamigen Protagonistin und wie sie nach dem Tod ihres Vaters in ihre "Heimat" zurückkehrt.
Heimat setze ich mit Absicht unter Anführungszeichen, da Alma eine Heimatlose ist. Das ist auch Teil der Geschichte die von ihrer Vergangenheit und von der Gegenwart erzählt. In ihrer Vergangenheit erfahren wie viel über Alma und den gleichaltrigen Vili der aus dem Nichts von ihrem Vater zu ihnen nach Hause geholt wird und kurzerhand lange Zeit dort lebt.
Zwischen Erwachsenwerden, erste sexuelle Erfahrungen, Selbstfindung, Familiengeschichte, Politik und Krieg lernen wir Alma kennen. So ernst diese Themen klingen, schafft es Federica Manzon das Buch so elegant leichtfüßig zu gestalten, dass man nur so durch den Roman fliegt und immer weiterlesen möchte. Zudem gibt es im letzten Drittel die eine oder andere Pikante Enthüllung die mich sehr überrascht hat.
Gewöhnungsbedürftig
Schleifen von Elias Hirschl
Der Klappentext und das Cover vom neuen Roman von Elias Hirschl, der "Schleifen" heißt, haben sehr ansprechend gewirkt.
Zu Beginn war ich etwas verwirrt, da der Autor im Buch immer wieder andere Bücher zitiert. Nach kurzer erfolgloser Recherche wurde mir klar, dass es sich um fiktionale Charakter handelt.
(Und nach erneutem lesen des Klappentextes)
Für mich persönlich wird die Lesbarkeit durch die ganzen Zitate und Fußnoten erheblich gestört. In manchen Kapiteln wird mit den Verweisen maßlos übertrieben und in anderen Kapiteln kommt kein einziger vor.
Zudem stört es mich auch, das ca. auf Seite 117/118 eine Brandrede von der Protagonistin Franziska Denk zitiert wird. Die Brandrede an sich stört mich nicht, jedoch hat diese ca. 1990(?) stattgefunden und erwähnt Google, Wikipedia, Pokemon-Go und TikTok. Ob das vom Autor absichtlich gemacht wurde oder nicht, ist mir nicht klar.
Ich habe mich anschließend noch ein paar Seiten weiter gequält und bei Seite 130 abgebrochen.
Leider ist dieser Roman für mich nichts. Kann ich daher nicht empfehlen.
Enttäuschend
Spielverderberin von Marie Menke
Sophie, Lotte und Romy sind die Protagonistinnen im Roman „Spielverderberin“ von Marie Menke. Zu Beginn steht ein kurzes Interview mit der Autorin, das finde ich gut und stellt eine kurze Einführung in den Roman dar. Der Roman selbst ist in zwölf Kapitel unterteilt. Dabei wechseln wir zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit.
Der Schreibstil ist sehr bildlich gestaltet, was konkrete Bilder zeichnet und eher weniger Spielraum für die persönliche Kreativität lässt. Mir persönlich gefallen die zahlreichen Wortwiederholungen nicht, erst recht, wenn es sich um ausgefallene Wörter wie „Bauerschaft“ oder „entzwei“ handelt. Auf mich macht das einen unkreativen und eintönigen Eindruck. Zudem finde ich die Besessenheit von Sophie auf Romy befremdlich. Für mich hat das nichts mehr mit einer Freundschaft zu tun. Ich verstehe jedoch, dass Sophie sich nicht leicht von Romy trennen kann, da die beiden ein trauriges Geheimnis teilen. Mich hat es auch gestört, dass im Roman so viel zwischen Land- und Stadtkinder bzw. Menschen differenziert wird. Ich selbst bin am Land aufgewachsen und habe nie eine so tiefe Kluft zwischen mir und meinen Freundinnen empfunden. Vielleicht ist das in Österreich aber auch nicht so ausgeprägt wie in Deutschland.
Alles in Allem habe ich mich auf den Roman gefreut und wurde schlussendlich leider enttäuscht. Die Story hätte viel hergegeben, aber leider hat mir das ganze drumherum nicht gefallen.
Erwachsenwerden
Trag das Feuer weiter von Leïla Slimani
Was mir erst beim lesen klar wurde: "Trag das Feuer weiter" ist Teil einer Trilogie. Das Gute: man muss nicht unbedingt einen der beiden Vorgänger gelesen haben, um der Geschichte folgen zu können. Zu Beginn werden alle wichtigen Personen kurz Beschrieben, ähnlich wie kleine Steckbriefe.
Das hat mir sehr gut gefallen und ist bei mehrteiligen Bänden immer von Vorteil. Der Schreibstil von Leila Slimani gefällt mir. Obwohl sie schwierige Themen behandelt wie (verbotene) Sexualität, Religion, Machtverhältnisse in Marokko, Selbstfindung und noch vieles mehr, erschafft sie ein flüssiges Leseerlebnis das man nicht unterbrechen möchte. Zudem hat es mir sehr gut gefallen, dass die Geschichte nicht aus einer Perspektive erzählt wird, sondern von verschiedenen Personen. Von Mia der Protagonistin, Ihrer Schwester Ines und anderen Verwandten die wichtige Rollen spielen. Außerdem habe ich einiges über Marokko, seine Einwohner und die schwierigen Lebensverhältnisse gelernt. Nur zu empfehlen!
Nervenaufreibend
Ruf der Leere von Daniel Alvarenga
Da ich bereits "Hundswut" von Daniel Alvarenga gelesen habe, war ich äußerst neugierig auf "Ruf der Leere". Deshalb musste ich die beiden Romane auch Laufend miteinander vergleichen. Vorneweg: mein persönlicher Favorit ist Hundswut.
Aber jetzt zum neuen Roman von Herrn Alvarenga.
In "Ruf der Leere" geht es viel um Ethik und Moral. Denn die Protagonisten des Romans, Felix und Laura, sind Medizinstudenten. Ihre Wege kreuzen sich in einem begehrten Seminar zum Thema Medizinethik. Durch diese flüchtige Bekanntschaft ergibt sich eine Freundschaft die von Felix angestoßen wird.
Zum Aufbau des Romans: die einzelnen Kapitel werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Hauptsächlich von Felix und Laura, aber auch von Felix Vater, seiner Schwester, Ben (Felix bester Freund) und Lisa (Lauras beste Freundin). Durch die verschiedenen Perspektiven erhält man einen tiefen Einblick in die gesamte Geschichte und ihre Reichweite. Zudem gibt es zwei Handlungsstränge, der eine läuft in rund einem Tag ab (Felix schmeißt für Ben eine Party auf einer Hütte), der zweite erstreckt sich über einige Monate und springt immer weiter, je weiter wir im ersten Handlungsstrang kommen. Diese Erzählweise finde ich sehr interessant und regt zum weiterlesen an. Man verstrickt sich immer weiter in der Geschichte und erfährt erschreckendes und hinterfragt immer öfter die viel besprochene Ethik und Moral.
Leider hat mich das Buch nicht so sehr schockiert wie "Hundswut". "Ruf der Leere" behandelt zwar ein äußerst wichtiges Thema: die Ethik. Jedoch wird dabei auf ein eher abstraktes Stilmittel gegriffen das die gesamte Geschichte für mich etwas fragwürdig darstellt.
Familiär
Elf ist eine gerade Zahl von Martin Beyer
"11 ist eine gerade Zahl" von Martin Beyer hat mich persönlich schon alleine mit dem Cover sehr angesprochen. Das Schutzumschlag ist wie folgt aufgebaut: ein türkiser Hintergrund, darauf die Zahl 11 sehr dominant in der oberen linken Buchecke, daneben ist ein Fuchs aus der Vogelperspektive zu sehen der auf der gesamten rechten Buchseite entlangschreitet, sein buschiger Schwanz nimmt auch sehr viel Platz ein, darüber steht noch der restliche Buchtitel.
Ohne Schutzumschlag ist das Buch in einem kräftigen Orange gehalten, das dem des Fuchses sehr ähnelt.
Das Buch ist in einzelne Kapitel unterteilt, die genau die richtige Länge haben um genug Spannung aufzubauen und genug Handlungsspielraum bieten.
Die Story selbst ist sehr einprägsam und komplettes Neuland für mich. Die Mutter-Tochter-Dynamik hat mich sehr gefesselt und positiv überrascht.
Österreicherinnen
We are Austria von Nina Pavicsits
"We are Austria - 77 außergewöhnliche Frauen aus Österreich" von Nina Pavicsits ist wohl DAS must-read für jede Österreicherin und jeden Österreicher.
Schon alleine das Cover besticht mit seiner außergewöhnlichen Darstellung. Ganz in Pink, Titel dominant in schwarz und überall verstreut die Protagonistinnen des Buches.
(Man beachte auch den wunderschönen Farbschnitt der ebenfalls in pink gehalten ist und von verschiedenen weiblichen Vornamen geziert wird)
Jede Seite wird einer anderen wichtigen österreichischen Frau geprägt. Auf der einen Seite die Eckdaten und auf der anderen Seite eine wunderbare Illustration der jeweiligen Frau. Dieses Buch ist eindeutig etwas für Hirn und Augen.
Am Ende wird auch noch eine Seite der Frauenrechte gewidmet, was ich sehr klug und wichtig halte. Ebenfalls ist am Ende noch Platz für eine Frau die nicht fehlen darf. Diese Seite kann man selbst gestalten.
Alles in Allem bin ich begeistert und tendiere dazu, diese Buch mehrfach an Weihnachten zu verschenken.
Tiefe Einblicke
Inside von Boris Becker
Das Cover von "Inside" wirkt bereits sehr eindrucksvoll. Darauf zu sehen ist Boris Becker, um genau zu sein eine Nahaufnahme von seiner rechten Gesichtshälfte. Besonders sticht dabei sein Auge und die Lichtreflexion heraus, dadurch bekommt das Titelbild einen emotionalen Touch.
Nimmt man den Schutzumschlag ab, ist der Buchumschlag in einem satten schwarz gehalten, wirkt mysteriös und passt zum Buch.
Auch interessant zu wissen: die Originalausgabe erschien im Englischen und wurde von Dieter Fuchs ins Deutsche übersetzt.
Zum Inhalt: Boris Becker erzählt von seiner eigenen Geschichte. Als Ausnahmetalent steigt er in den Olymp der Tennisspieler auf und ist bereits als Teenager ein Wimbledonsieger. Wie er mit diesem frühzeitigen Ruhm umgegangen ist, wer ihm dabei stehts unterstützt hat und welche Rückschläge er erlitten hat, werden im Buch behandelt.
Es ist immer wieder erstaunlich, welche Sicht man auf die Dinge bekommt, wenn man eine Biografie liest. Sehr beeindruckend.
Royal
Prinzessin Alice von Irene Dische
Im Roman "Prinzessin Alice" beschreibt die Autorin Irene Dische (ins Deutsche übersetzt von Tanja Handels) das Leben der Prinzessin von Griechenland. Ihr Leben beginnt schon mit einer Hürde: sie wird taub geboren. Aber davon lässt sie sich nicht unterkriegen und lernt Lippenlesen, in mehreren Sprachen.
Neben ihrem Ehemann Andreas, findet Alice ihre spätere Liebe im Glauben und bei Gott. Ihre Schwägerin Marie, großer Fan von Sigmund Freud, war Alice schon immer ein Dorn im Auge. Kurzerhand wird Alice gegen ihren Willen kastriert und in einer psychologischen Anstalt festgehalten. Nach einer geraumen Zeit, schafft sie es zu fliehen und trifft auf ihre Schwägerinnen Marie und Edwina. Trotz all der Schicksalsschläge die Prinzessin Alice in ihrem Leben ertragen muss, verlässt sie der Wille zum Leben und der Glaube an Gott nicht.
Eine wahre Geschichte, leichtfüßig erzählt.











