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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Eternal-Hope:

Ein Hoch auf die Freundschaft!

Dynasty of Hunters, Band 1 - Von dir verraten von P. J. Ried

"Dynasty of Hunters" ist für mich ein ganz besonderes Fantasy-Buch, das noch lange nachhallen wird. Gerade habe ich es atemlos beendet und werde mir direkt den zweiten Band, der nächstes Jahr erscheinen wird, vorbestellen.

Was liebe ich an diesem Buch so? Zuerst einmal die wunderschöne Aufmachung mit dem Farbschnitt und dem aufwändig und ansprechend gestalteten Cover, die es ein Vergnügen macht, das Buch anzusehen oder in der Hand zu haben.

Aber das schönste Cover alleine wäre nichts ohne eine tolle Geschichte... und auch hier überzeugt "Dynasty of Hunters" auf allen Ebenen.

Nach der Beschreibung war ich mir nicht sicher, ob es nicht eine kitschige Liebesgeschichte sein würde, so wie es unter den als "Romantasy" gelabelten Büchern so einige gibt. Das ist nicht meines, ich bin deutlich mehr Fantasy- und Dystopie- als Romance-Fan. Umso glücklicher war ich, als ich feststellen konnte, dass es in diesem Buch so viel mehr um Freundschaft, Loyalität, Zusammenhalt und Gesellschaftskritik geht als um eine Romanze.

Worum geht es?

Laelia de Bleu wächst behütet als einzige Tochter der Hauptadelsfamilie der de Bleus auf, mit liebenden, umsorgenden Eltern und zwar ohne Geschwister, aber mit einer Cousine, Astoria, die ihr nah steht wie eine Schwester ("ma soeur"). Als Adelige und Thronerbin erhält sie ein umfangreiches Training, insbesondere in den für die sogenannte "Jagd" nötigen Fähigkeiten. Es gibt nämlich ein Initiationsritual, dem sich alle adeligen Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren unterziehen müssen, um in die adelige Gesellschaft aufgenommen zu werden: sie werden zehn Tage auf einer einsamen Insel ausgesetzt, gemeinsam mit bürgerlichen Jugendlichen. Jedem adeligen Jugendlichen ist ein bürgerlicher Jugendlicher zugeteilt, den er jagen und "zeichnen" soll. Zeichnen bedeutet, sich den anderen als lebenslanger persönlicher Diener untertan zu machen, unter Einsatz der magischen Kräfte der adeligen Jugendlichen, die sie über ihre Hände in einen anderen leiten können.

Je nach Farbe des Adelshauses unterscheidet sich, über welche Bereiche anderer Menschen man verfügen kann: die de Bleus (blau) kontrollieren den Körper, die de Rouges (rot) die Emotionen, die d'Ors (gold) den Geist, die de Verts (grün) die Erinnerungen, die de Blancs (weiß) Leben und Tod des Unterworfenen. Und dann gab es früher auch noch die nun ausgelöschten de Noirs, die die Fähigkeiten hatten, die Kräfte aller anderen Häuser zu kontrollieren und deren Zeichnungen zu verändern oder zu löschen. Diese hatten als einzige Mitgefühl mit den bürgerlichen Jugendlichen gezeigt und sich für die Abschaffung der Jagdspiele eingesetzt - für diesen Frevel (in den Augen der anderen Adelshäuser) wurden sie ausgelöscht und ihre Ländereien unter den anderen Häusern aufgeteilt.

Laelia ist schon seit einigen Jahren in einer Liebesbeziehung mit Laurent de Vert, nach den erfolgreichen Jagdspielen möchten sie heiraten. Doch dann geschieht das Unvorstellbare: bei der Ziehung wird Laelia nicht wie allen anderen adeligen Jugendlichen das Los einer Jägerin, sondern das einer Gejagten zugeteilt - und Laurent ist ihr Jäger.

So weit die bekannte Geschichte, die sich schon aus Einführung und Klappentext erschließt. Und jetzt hätte das eben eine schnulzige, dramatische Liebesgeschichte werden können... wird es aber nicht! Den Großteil des Buches macht die Zeit auf der Insel aus und - ohne inhaltlich zu viel vorab zu verraten - ich habe es einfach großartig gefunden, wie die kluge und sensible Laelia sehr schnell beginnt, diese Spiele zu hinterfragen, nun, da sie selbst in der Position der Gejagten ist. Wie wir mitbekommen, wie sie mehr und mehr kritisch zu denken beginnt und erkennt, Teil von was für einem unterdrückerischen Regime sie eigentlich ist/war. Wie sie sich den gejagten Jugendlichen annähert und sich mit diesen anfreundet.

Richtig großartig habe ich all die Freundschaften und die Verbundenheit und Loyalität unter den gejagten Jugendlichen gefunden - es ist wunderschön zu sehen, wie diese unter extremen Bedingungen zusammenhalten, füreinander einstehen und sich sogar füreinander opfern. Hier ist das Buch trotz der düsteren Hintergrundkulisse deutlich angenehmer zu lesen als z.B. "Die Tribute von Panem", das in einem ähnlichen, aber noch wesentlich unbarmherzigeren Setting spielt, in dem kaum wirklicher Zusammenhalt möglich ist, weil alle gegeneinander kämpfen. In "Dynasty of Hunters" hingegen sind Bündnisse möglich, sehr leicht auf jeden Fall unter den Jägern und den Gejagten, aber es gibt auch Überraschungen.

Ich mag es auch, wenn mich ein Buch - auch wenn es eine Romantasy-Dystopie wie diese ist - nicht nur unterhält, sondern auch zum kritischen Nachdenken anregt, über die im Buch beschriebene Gesellschaft und mögliche Parallelen zu real existierenden Gesellschaften. Sehr authentisch ist zum Beispiel dargestellt, wie die jagenden Jugendlichen von Vornherein einmal das Szenario kaum wirklich hinterfragen, nur die Gejagten tun das - wie es so oft auch real zu beobachten ist: die ganz oben, die über Privilegien verfügen und diese oft auch zum Schaden anderer einsetzen, sind sich dessen oft gar nicht bewusst, und das Mitgefühl mit Ausgebeuteten und Unterlegenen ist erst einmal meist gering. Außerdem wird gezeigt, wie sich die unterschiedliche Sozialisierung auch in der Körperhaltung und im Auftreten zeigt: Laelia hat selbst in der Rolle der Gejagten ein viel selbstbewussteres Auftreten und auch dadurch bessere Chancen als die bürgerlichen Jugendlichen, die sozialisiert wurden, sich zu unterwerfen, den Blick zu neigen und Opfer zu sein. Wobei auch das nicht von allen angenommen wird, es gibt auch eine Widerstandsbewegung...

Das Buch ist also auf vielen Ebenen nicht nur unglaublich spannend und unterhaltsam, sondern regt auch zum Nachdenken an. Fantasy-Dystopie vom Feinsten - klare 5 Sterne von mir und eine Leseempfehlung für alle, die für dieses Genre offen sind! Ich habe in diesem Genre schon länger nicht mehr so etwas Gutes und Berührendes gelesen!

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Hat mich nicht so richtig gepackt

We hunt the Flame von Hafsah Faizal

Von einem guten Fantasy-Buch erwarte ich mir Spannung, glaubhafte Charaktere und ein tolles World-Building. Und dass es mich emotional so richtig involviert und ich in eine neue Welt entführt werde, die so spannend ist, dass ich sie kaum mehr verlassen will, mit Charakteren, die mir ans Herz wachsen und mit denen ich mitfiebere.

Ich kenne Bücher, die mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen haben. So etwas habe ich mir hier auch erhofft, nur leider hat mich das Buch in dieser Hinsicht enttäuscht.

Das Buch wird abwechselnd aus der Perspektive von Zafira und Nasir erzählt. Mit keinem davon kann ich mich emotional wirklich verbinden. Was trägt dazu bei? Die sehr komplexe Fantasywelt, in der ich mich noch nicht so ganz zurecht finde. Vor allem aber sehr oft eingebaute, vermutlich arabische Fremdwörter, die sich mir nur erschließen, wenn ich sie hinten im Glossar nachschlage. Immerhin gibt es dieses Glossar. Um sich ein Bild zu machen: die Anzahl der dort nachzuschlagenden Fremdwörter sind knapp 90, dazu kommen 16 Personennamen (immerhin deutlich weniger) und 11 Ortsnamen. Gefühlt war ich beim Lesen aber deutlich zu häufig mit Nachschlagen beschäftigt und das hat mich aus dem Lesefluss rausgerissen.

Die Charaktere werden für mich auch nicht wirklich fühlbar und ich empfinde sie als eher eindimensional. Sie werden zwar in Beziehung zu anderen Menschen gezeigt, aber ebenfalls auf eine Weise, die mich nicht wirklich mitfühlen lässt. Die Handlung schreitet nur sehr langsam voran und hat mich insbesondere in der ersten Hälfte des Buches oft gelangweilt.

Insgesamt hat mich das Buch emotional nicht erreicht und damit war es für mich nicht wirklich spannend zu lesen, weil mir die Charaktere eher gleichgültig blieben. Gleichzeitig kommt einiges an Grausamkeiten in dem Buch vor, was auch nicht so meines war.

Ich werde die Fortsetzung nicht lesen.

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Wichtiges Buch zum Thema Cybermobbing, mit Schwächen

Was wir nicht kommen sahen von Katharina Seck

Mit "Was wir nicht kommen sahen" ist Katharina Seck ein wichtiges Buch zu einem sehr relevanten und aktuellen Thema gelungen: Cybermobbing, das solche Ausmaße annehmen kann, dass es Menschen in den Suizid treiben kann. Das Buch ist von wahren Beispielen dafür inspiriert, wie die Autorin im Nachwort auch selbst anführt.

Das Buch ist aus drei Perspektiven geschrieben:

1) Ada, eine 18-jährige Schülerin, die sich auf Twitch einen Namen im Internet gemacht hat. Anfangs, indem sie während ihrer Videospiele live streamt, später - in Reaktion auf das Mobbing - auch als Aktivistin. Leider wird sie zur Zielscheibe einer Gruppe von Hatern, überwiegend aus der Incel-Community, die sich einen Spaß daraus machen, sie immer mehr zu bedrohen und zu bedrängen, nicht nur im Internet, sondern auch tatsächlich mit anonymen Nachrichten in ihrem Postkasten. So lange bis Ada keinen Ausweg mehr sieht und sich das Leben nimmt. Mit ihrem Suizid beginnt das Buch, die weiteren Ada-Kapitel sind dann aber wieder aus der Zeit vor dem Suizid geschrieben und zeigen, wie es so weit kommen konnte.

2) Jenny und Dominik, die Eltern von Ada, die durch den Suizid ihr einziges Kind verloren haben, gar keine Ahnung von Adas Online-Aktivitäten und dem Mobbing hatten und sich im Nachhinein versuchen, ein Bild davon zu machen und zu verstehen, was hier geschehen ist und wie es dazu kommen konnte. Sehr sympathische, bemühte Eltern, die ihre einzige Tochter über alles geliebt haben.

3) Die Anonymität: hier wird aus wechselnden Perspektiven, manche männlich, manche weiblich, von denen erzählt, die auf die eine oder andere Weise zum Cybermobbing beigetragen haben. Entweder, indem sie dieses direkt ausgeübt, andere angefeuert oder eine Nachricht oder ein Video weitergeleitet haben.

Insgesamt ist es damit ein sehr spannendes und aufrüttelndes Buch zum Thema Cybermobbing. Man spürt in jeder Zeile, wie es der Autorin ein echtes Anliegen ist, zu diesem Thema zu sensibilisieren und zum Kampf gegen Cybermobbing zu mobilisieren und dafür eignet es sich auch hervorragend und kann auch als Schullektüre empfohlen werden.

Warum dann keine fünf Sterne, sondern doch nur vier?

Ich habe mich mit dem Thema Suizid sehr tiefgründig beschäftigt, habe selbst Erfahrung als Hinterbliebene nach Suizid und ich habe schon so einige andere Bücher darüber gelesen, denen es gelingt, die damit verbundenen Dynamiken extrem authentisch einzufangen (z.B. "Wohin das Licht entflieht" von Sara Barnard oder "Von dem, der bleibt" von Matteo B. Bianchi). In Bezug auf dieses Thema kommt dieses Buch hier an die anderen Bücher nicht ran. Ich muss aber zugeben, hier sehr hohe Ansprüche an das Buch zu stellen.

Auch wenn die Autorin immer wieder versucht, mit sprachgewaltigen Metaphern das damit verbundene Leid zu schildern... etwas fehlt in dieser Perspektive und fühlt sich für mich als Betroffene nicht authentisch an, und zwar sowohl in der Zuspitzung der Entwicklung hin zu Adas Suizid, die ich in der Figur der Ada nicht wirklich nachfühlen kann, als auch in der Bewältigung des Suizids durch die Eltern, die dann doch überraschend schnell wieder Hoffnung zu schöpfen scheinen und schon nach sechs Wochen wieder deutlich positiver auf die Welt blicken , was sich in keinster Weise mit meiner Erfahrung in der Arbeit mit Menschen, die ein Kind durch Suizid verloren haben, deckt.

Es ist für mich somit kein authentisches Buch, um etwas über Suizidalität oder die Bewältigung des Suizids durch die Hinterbliebenen zu lernen, dafür ist es für mich nicht nah und authentisch genug an diesem Thema dran. Die Dynamiken des Cybermobbings finde ich hingegen sehr authentisch dargestellt und zu diesem Thema sensibilisiert und mobilisiert das Buch ausgezeichnet.

Ein bisschen schade habe ich auch gefunden, dass man im Buch sehr klar merkt, dass die Autorin sich selbst ganz eindeutig dem linken politischen Spektrum zuordnet und die Menschen mit konservativen bzw. Mitte-rechts-Einstellungen stark dämonisiert. Auch wenn es zweifellos solche Gestalten, wie sie im Buch vorkommen, genau so in der Realität und im Internet gibt, hätte dies nicht noch damit verstärkt werden müssen, dass auch die Nachbarn - die mit dem Cybermobbing an sich nichts zu tun haben - als Coronamaßnahmengegner und als solche als dumpf und blöd charakterisiert werden.

Ich unterstelle der Autorin ein ziemlich einseitiges Weltbild und keine tiefgehende Beschäftigung mit Menschen ganz anderer politischer Einstellungen, die aber fernab von Radikalisierung sind. Es wirkt so, als ob sie, wie es derzeit leider in einigen Bereichen der Gesellschaft Mode zu sein scheint, alles rechts der Mitte einfach als radikal und dumm abstempeln würde, und die Weltsicht der eigenen sozialen Blase als einzig legitime und gute ansehen würde. Damit nimmt sich das Buch ein bisschen von dem Potential, breitflächig Menschen abzuholen. Insgesamt bleibt es aber dennoch aus den oben genannten Gründen ein gutes und wichtiges Buch.

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Enttäuschend und banal

Mordscoach von Lilli Pabst

Eine Psychotherapeutin als Mörderin, das klang nach einer spannenden Geschichte!

Leider ist die Geschichte aber äußerst enttäuschend umgesetzt. Sophie, die Therapeutin, mordet munter vor sich hin, eine Person nach der anderen, und niemals ist ihr die Polizei wirklich ernsthaft auf der Spur. Die Morde passieren auch so leicht, dass es fast schon unglaubwürdig wirkt, wie eine als zierlich beschriebene Person das körperlich zustande bringen soll, schließlich sind die meisten Ermordeten kräftigere Männer.

Wenn man gar nichts über Psychologie weiß, könnten vielleicht die eingeflochteten Bemerkungen über Psychologie und Psychotherapie ganz interessant sein. Wenn man sich mit dem Thema ein bisschen auskennt, bleiben aber auch diese auf sehr banalem Niveau und es geht sehr viel um Klischees und Küchenpsychologie.

Dazu endet das Buch noch an einer unerwarteten Stelle und hat keinen wirklichen Schluss... ich habe extra nachblättern müssen, ob da außer Werbung noch etwas kommt, kam aber nichts mehr.

Das Buch ist also leider nicht wirklich gut gelungen, nicht sehr spannend und interessant, die Charaktere eher flach gezeichnet und es eignet sich bestenfalls als anspruchslose Unterhaltung an einem Tag, an dem man mit Fieber im Bett liegt und nicht so viel nachdenken möchte und kann.

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Liebevolle Einführung in das Thema

Die Kunst der Hexerei von Iris Panhans

"Die Kunst der Hexerei" von Iris Panhans, online als Vollmondfüchsin bekannt, ist ein sehr liebevoll und behutsam geschriebenes und wunderschön gestaltetes Büchlein zur Einführung in die Hexerei. Es geht dabei um den bedachten Umgang mit den Energien, die nach diesem Glauben allem innewohnen: Menschen, Tieren, Pflanzen, der Natur und den Elementen.

In einem sehr persönlichen und zugewandten Stil lässt die Autorin uns an ihrer persönlichen Erfahrung mit Magie teilhaben. Es ist, wie wenn sie Interessierte an der Hand nimmt zu einer kleinen gemeinsamen Erkundungstour in diese Weltsicht und Lebensweise.

Schon in den Buchklappen finden sich spannende Informationen zur magischen Wirkung der verschiedenen Farben, zu Sigillen zum Nachzeichnen, zur magischen Wirkung von Pflanzen und eine kurze Basics-Einkaufsliste sowie ein wunderschönes Lesezeichen zum Herausschneiden.

Das Buch selbst beginnt mit einer Einführung in die Lebenseinstellung und den Glauben einer modernen Hexe, dabei werden auch die Parallelen zu der uralten und international verbreiteten Welt des Glaubens an Energien, ob nun Hexerei, Wicca, Schamanismus oder anders genannt, erklärt. Dabei räumt die Autorin auch mit verbreiteten Vorurteilen auf und macht auch die Grenzen der Hexerei klar (z.B. dass es damit natürlich nicht möglich sein wird, auf einem Besen herumzufliegen).

Danach geht es an die Grundlagen, praxisorientiert beinhaltet dieses Kapitel ein spannendes Experiment mit den eigenen Handflächen, um einen ersten Einblick darin zu gewinnen, Energien zu spüren. Danach geht es um äußere Energiequellen wie Pflanzen, Kräuter, Steine und Farben, den Mond und die Elemente und das Arbeiten mit Entitäten, letzteres jedoch, wie die Autorin klar betont, nur für Fortgeschrittene. Auch hier zeigt sich wieder der achtsame und bedachte Zugang der Autorin zu ihrem Thema, von dem sie begeistert ist, in das sie einführen, aber mit dem sie auch niemanden überfordern möchte.

Schließlich werden in den darauffolgenden Kapiteln einige Zauber und Rituale dargestellt, zu Themen wie Wohnungsschutz, Auflösung von Negativität oder Selbstliebe. Und am Ende des Buches finden sich noch ein paar Räuchermischungen.

Mir persönlich gefällt der liebevolle, pragmatische und achtsame Zugang der Autorin sehr gut und ich kann das Buch allen, die eine humorvolle und persönliche Einführung in dieses Thema suchen oder sich allgemein für den bewussten Umgang mit Energien, das Setzen von Intentionen und eine tiefere Verbindung zur Natur interessieren, sehr empfehlen.

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Eine narzisstische Mutter und ihre beiden Töchter

Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen von Anna Brüggemann

Regina, Jahrgang 1948, wird Anfang der 1980er Jahre Mutter zweier Töchter: Wanda und Antonia. Sie arbeitet als psychologische Psychotherapeutin in einer eigenen Praxis, lebt mit Edgar in einer soliden, aber eher leidenschaftslosen Ehe und definiert sich über ihre Intelligenz, ihren Erfolg und ihre schlanke Figur.

Kritisch und erbarmungslos richtet sie ihren wertenden Blick auf alle Menschen in ihrem Umfeld, besonders auf andere Frauen, und auf ihre Töchter. Von der stillen, einfühlsamen und etwas pummeligen Antonia ist sie maßlos enttäuscht. Wanda hingegen ist mehr eine Tochter nach ihren Erwartungen, sehr dünn und hübsch, hochintelligent und ehrgeizig, ein Ebenbild der Mutter in allen Bereichen. Dass Wanda eine ernsthafte Essstörung entwickelt und ebenfalls an den unerfüllbaren Erwartungen an sie leidet, will die Mutter lange nicht sehen, und ihren eigenen Anteil daran leugnet sie bis zuletzt.

Das knapp 400 Seiten lange Buch ist in drei Teile geteilt. Der erste Teil, knapp 200 Seiten, beschreibt die Familie im Jahr 1998 und im Jahr danach, als erst Wanda und dann Antonia Abitur machen. Der zweite Teil, etwa 100 Seiten, spielt im Jahr 2010: die Töchter sind um die 30, die Eltern sind deutlich älter geworden. Und schließlich begleiten wir die Familie auf den letzten 100 Seiten durch die Jahre 2019 bis 2020, bis zum Beginn der Coronapandemie. Beide Töchter werden auch selbst Mütter und wir erleben auch mit, wie sie nun mit ihren eigenen Kindern umgehen.

Es ist also auch neben einer Mutter-Töchter-Erzählung auch eine weibliche Entwicklungsgeschichte und wir erleben die Hoffnungen, Träume, Ziele, Pläne, aber auch Rückschläge und Enttäuschungen der drei Frauen über mehr als zwei Jahrzehnte mit. Begleiten die beiden Mädchen von der Teenagerzeit bis in ihre 40er-Jahre und erleben mit, wie sie sich schrittweise zu eigenen Persönlichkeiten entwickeln und nach und nach auch die Kraft entwickeln, der dominanten und urteilenden Mutter zumindest ein bisschen die Stirn zu bieten und für ihre eigenen Lebensentwürfe einzustehen.

Insgesamt ist es ein sehr interessantes und psychologisch feinsinniges Buch für alle, die sich für Mütter-Töchter-Beziehungen, für Entwicklungsromane und auch für die Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen interessieren. Ich bin etwas jünger als die beiden im Buch vorkommenden Töchter und kenne viele Frauen aus der Generation von Regina - in vielem habe ich die Spannungen vieler Frauen meiner Generation im Verhältnis zu ihren Müttern wiedererkannt.

Da wird im Buch sehr gut aufgezeigt, welche Schattenseiten gerade auch die Anspruchshaltung an Frauen, sie sollten stark sein und alles verwirklichen, sollten gleichzeitig die traditionell männlich wie die traditionell weibliche Rolle erfüllen, beruflich sehr erfolgreich, intelligent, leistungsfähig und stark sein, aber auch die Familie im Griff haben und sich niemals schwach zeigen, mit sich bringt. Wie diese Sozialisierung oft zu Lasten des Zulassens der eigenen Emotionen, aber auch des Mitfühlens mit anderen geht, und damit echte Beziehungen zu anderen, auch zu den eigenen Kindern, unmöglich macht. Solche durch die gesellschaftlichen Umstände narzisstisch geprägten Frauen wie Regina gibt es viele, und auch viele ihrer Töchter, die ähnlich darunter leiden wie Antonia und Wanda. Hier ist das Buch also sehr authentisch und wirklich gelungen.

Insbesondere die zweite Hälfte des Buches hat mich beim Lesen auch sehr gefesselt. Auf den ersten 100 bis 150 Seiten hingegen war mir das Buch etwas zu langatmig, gerade die allererste geschilderte Lebensphase, um die Abiturzeit der beiden Mädchen herum, wird ausführlichst geschildert, ohne dass die Handlung wirklich viel voranschreitet. Anfangs war ich mir deshalb gar nicht sicher, ob ich das Buch wirklich zu Ende lesen will, rückblickend bin ich aber nun froh darüber und es ist in den späteren Abschnitten deutlich spannender geworden.

Ein Detail finde ich auch eher unrealistisch bzw. möglicherweise nicht so genau recherchiert: Reginas psychotherapeutische Privatpraxis wird als der leichtere Karriereweg im Vergleich zu einer wissenschaftlichen Karriere dargestellt, als etwas, das Regina halt neben den Kindern noch schnell erreichen konnte, während ein Doktoratsstudium zu dieser Zeit nicht mehr möglich gewesen wäre. Es wird beschrieben, dass Regina als junge Frau erst jahrelang ziellos Lehramt studiert hätte, dann Jahre in Südamerika verbracht hätte und danach dann noch schnell Psychologie studiert und Psychotherapeutin geworden wäre, während sie schon Anfang 30 ihre zwei Kinder bekommen habe.

Wer sich mit dem Psychologiestudium und der darauf folgenden anspruchsvollen postgraduellen Ausbildung auch nur ein bisschen auskennt, weiß, das ist zeitlich sehr unrealistisch, auch wenn man intelligent und ehrgeizig ist wie Regina. Und selbst wenn, dann bedeutet ein Psychologiestudium samt mehrjähriger psychotherapeutischer Weiterbildung einen Aufwand, der in Summe sicher nicht geringer ist als ein Psychologiestudium plus Doktorat. Wer das gemacht hat, so wie Regina in dem Buch, der würde das wissen, insofern wirkt das etwas unrealistisch. Zur narzisstischen Persönlichkeit Reginas passt es natürlich, dass sie sich unzulänglich fühlt und das Gefühl hat, ihr überragendes Talent beruflich nicht genug verwirklicht zu haben, doch hätte sich hier vielleicht ein passenderes Beispiel finden können.

Abgesehen von diesem Detail und dem, wie gesagt, etwas langatmigen ersten Teil, ist es aber ein durchaus sehr gelungenes und psychologisch tiefgründiges, authentisches Buch, das zum Nachdenken anregt. Wohlfühlbuch ist es aber eher keines, dafür sind die vorkommenden Konflikte zu heftig und insbesondere Regina in ihrer Unbarmherzigkeit deutlich zu unsympathisch.

Es ist ein gutes Buch, aber kein sonderlich schönes. Dazu passt dann wiederum auch wieder der etwas sperrige Titel, auf den im Buch nur kurz Bezug genommen wird und der sich erst bei genauerem Darüber-Nachdenken als Metapher erschließt.

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Humorvoll geschriebener Coming-of-Age-Roman

Die große Sehnsucht von René Sydow

"Die große Sehnsucht" von René Sydow ist ein humorvoll-nachdenklich machender Coming-of-Age-Roman, in dem wir drei junge Männer kurz vor dem Abitur und deren Umfeld durch die letzte Zeit in der Schule begleiten.

Es handelt sich um Raphael, genannt Rabe, der immer in schwarz gekleidet ist und von einer Karriere als Drehbuchautor träumt.

Weiters Thomas, genannt Fete, von allen als sehr cool eingeschätzt, ein Mädchenschwarm und bei jeder Party dabei. Und dann schließlich der etwas schüchterne, zurückhaltende Michael, der bei seiner alleinerziehenden Mutter lebt und seinen Vater nicht kennt. Wir befinden uns in den 1990er-Jahren, in einer Zeit noch ohne Smartphones und in den Anfängen des Internets, aber dafür mit großen Träumen und Visionen einer wunderbaren Zukunft.

Die drei träumen von der Zukunft, verlieben sich in Mädchen, beginnen erste zaghafte Beziehungsversuche, legen sich mit Lehrkräften an, gehen auf Partys und vieles mehr. Es ist ein authentisches Bild dieser Lebensphase, das hier mit sehr viel Leichtigkeit und Humor gezeichnet wird, und gleichzeitig bleibt auch die Ernsthaftigkeit nicht aus und es kommen auch diverse herausforderndere Themen der Jugendzeit vor, etwa Mobbing.

Die drei jungen Männer selbst sind sehr sympathisch und es verbindet sie eine wunderschöne Freundschaft. Das Buch lädt dazu ein, sie beim Erwachsenen-Werden zu begleiten und mit ihnen über die Träume nachzudenken, die man selbst als Jugendliche/r hatte und was aus ihnen geworden ist. Einen kleinen Teil im Buch nehmen auch die Eltern der Jugendlichen und deren Perspektive auf das Leben ein, dieser Teil steht aber keineswegs im Vordergrund, zu 90 % geht es klar um die Jugendlichen selbst und deren Erfahrungswelt.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Ich war selbst in den 1990ern Kind und dann Jugendliche und es hat mich beim Lesen ein bisschen in diese Zeit zurückversetzt. Auch mochte ich die sehr sympathischen Hauptcharaktere und ihre Freundschaft sowie den humorvollen Schreibstil sehr.

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Frischer neuer Blick auf die Archetypen hinter den Sternzeichen

Die Wunder des Kosmos von Phi Weber

"Die Wunder des Kosmos" von Phi Weber ist ein sehr hochwertig gestaltetes Buch mit dickem Einband, robusten Seiten, übersichtlicher Gliederung und ansprechenden Farbbildern. Es ist also schon von der äußeren Gestaltung her ein Buch, das man gerne in die Hand nimmt und mit dem man sich gerne beschäftigt.

Astrologie ist ein Thema, das so einige fasziniert, aber von anderen wiederum sehr skeptisch gesehen wird und zu dem es viele Vorurteile gibt. Egal, welche persönliche Haltung jemand nun zum Thema Astrologie mitbringt - ich empfehle, diese kurz zur Seite zu stellen, wenn man bereit ist, sich dieses Buch näher anzuschauen. Es geht hier nicht darum, die Zukunft vorherzusagen oder Menschen aufgrund ihres Horoskops festzulegen, es geht um Archetypen.

Und es ist ein in vielerlei Hinsicht tolles Buch, das ich auch Menschen empfehle, die sich gar nicht für Astrologie interessieren und dieser sehr skeptisch gegenüberstehen. Und gleichzeitig empfehle ich auch allen, die Astrologie lernen möchten, sich genau anzuschauen, worum es sich hier handelt, um nichts Falsches zu erwarten.

"Die Wunder des Kosmos" ist nämlich hauptsächlich ein Buch über psychologische Archetypen, die anhand der 12 Sternzeichen sehr klar herausgearbeitet werden.

Wer sich darauf einlässt, kann darin viel Weisheit und Wissen über Psychologie und Persönlichkeitseigenschaften finden, genauso wie wertvolle Hinweise zur Ausbalancierung und Entwicklung einzelner als schwierig empfundener Eigenschaften.

Ich empfehle es also auch allen, die noch nicht viel über Astrologie wissen, aber dem Thema gegenüber offen sind, die psychologisch interessiert sind und sich für das uralte und vielfältig (z.B. von C.G. Jung) bearbeitete Thema der Archetypen interessieren.

Das Buch beginnt nach einer kurzen Einführung mit dem Widder-Archetypen. Hier geht es, wie die Autorin auch im Buch schreibt, nicht um eine banalisierte Zuschreibung von Eigenschaften der Menschen, die gerade in einem bestimmten Zeitraum im Frühjahr geboren sind, sondern es geht um den Archetyp dahinter.

Wenn man sich mit Astrologie beschäftigt, findet man schnell heraus, dass Menschen so viel mehr sind als ihr Sonnenzeichen/Sternzeichen, das stellt auch Phi klar. Es geht also um Archetypen in ihrer Reinform, die kein lebender Mensch so im Extrem ausdrücken wird, aber genau in dieser prägnant beschriebenen Form besonders gut erkennbar und unterscheidbar sind. Und dann kann jede/r selbst entscheiden, was man davon in sich erkennt, mitnimmt und entwickeln will.

Das Kapitel zum Widder-Archetyp beginnt mit einer Übersicht der grundlegenden Eigenschaften dieses Archetypen, im Positiven beispielsweise Idealismus, Ideenreichtum und Begeisterungsfähigkeit, im Herausfordernden das Potential zu Ungeduld, Impulsivität und Rücksichtslosigkeit. Auch Berufsfelder, die diese Eigenschaften stark verkörpern, werden genannt: etwa Extremsportler:in, Reisejournalist:in, Gründer:in eines Start-Ups oder Motivationscoach:in.

Danach geht es, nach einer weiteren kurzen Einführung in die Prinzipien des Archetypen, um den unbewussten Widder auf der unteren Bewusstseinsstufe, der blitzartig losstürmt, ohne viel zu reflektieren und damit durchaus Schaden für sich und andere anrichten kann. Auch seine größte Angst - der Schwächere zu sein - wird beschrieben. Darauf folgt ein Kapitel zur nächsten Bewusstseinsstufe, dem reflektierten Widder, der Selbstbeherrschung und Nachgeben lernt, und noch so einiges mehr.

Und dann gibt es schließlich noch - dieser Ansatz ist auch in der Astrologie gar nicht so häufig - ein Unterkapitel zur Bewusstseinsentwicklung mittels des kardinalen Kreuzes: hier geht es darum, sich von den Eigenschaften anderer Zeichen (in diesem Fall denen, die auch, wie der Widder, zum kardinalen Kreuz gehören, das sind Krebs, Waage und Steinbock) inspirieren zu lassen, um die Eigenschaften des Widders auszubalancieren. Beispielsweise inspiriert der Krebs zu Mitgefühl und der Steinbock zu Selbstdisziplin. Dazu gibt es jeweils Anleitungen zu praktischen Übungen zur Reflexion und Umsetzung.

Nach diesem Muster sind auch die weiteren elf Kapitel der anderen Sternzeichen aufgebaut. Es lässt sich also auf psychologischer Ebene viel über die Archetypen lernen und reflektieren, ohne notwendigerweise dafür an Astrologie "glauben" zu müssen.

Für jene, die sich für Astrologie interessieren, noch ein paar abschließende Worte: dieses Buch ist, wie gesagt, mehr Einführung in die grundlegenden Archetypen der Sternzeichen als komplette Einführung in die Astrologie. Wenngleich das Verständnis dieser Archetypen extrem wichtig ist, um in diesem Bereich kompetent zu werden, stellt es doch nur die Grundlage dar. Man lernt in diesem Buch nicht, Horoskope zu interpretieren, darum geht es überhaupt nicht. Und es geht auch nicht um die Bedeutungen der einzelnen Planeten, Aspekte oder sonstiges.

Wer über all das etwas lernen möchte, ist mit anderen Einführungswerken besser bedient. Hier geht es wirklich ausschließlich um die Archetypen der zwölf Zeichen, das aber sehr ansprechend, fundiert und zum Nachdenken anregend, gleichzeitig praxisorientiert und mit Übungen fürs tägliche Leben.

Insgesamt ist es ein schönes und inspirierendes Buch, das auf vielen Ebenen zum Nachdenken anregt und von dem sich viel lernen lässt. Es wird einen Stammplatz in meinem Bücherregal bekommen und sicher immer wieder mal rausgeholt werden, um mich mit einem der Archetypen näher zu beschäftigen, neue Aspekte davon zu erkennen und mich inspirieren zu lassen.

Ich kann das Buch also allen, die sich für Psychologie und Archetypen interessieren, eine offene Einstellung gegenüber unkonventionellen Ansätzen haben und/oder einen neuen frischen Zugang zu den Basics der Astrologie interessieren, sehr empfehlen!

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Anspruchsvoller historischer Roman für rechtsgeschichtlich interessierte Menschen

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg

In der letzten Zeit kommen mir immer mehr Bücher unter, die nicht ganz eindeutig einem Genre zuzuordnen sind, und damit meiner Meinung nach die literarische Landschaft sehr bereichern - aber gleichzeitig die Lesenden herausfordern, sich auf sie tief einzulassen. Um so ein Buch handelt es sich auch bei dem neuen Wälzer von Tore Renberg - das Buch umfasst mehr als 700 Seiten, noch ohne den Anhang, den man sich online runterladen kann - und bewegt sich an den Grenzen zwischen guter Literatur, historischem Roman und Sachbuch.

"Die Lungenschwimmprobe" basiert in vielen Teilen auf realen historischen Tatsachen, die der Autor in jahrelanger akribischer Arbeit in Archiven zusammengetragen, durch viele Details zu den einzelnen Personen ausgeschmückt und zu einem spannend zu lesenden historischen Roman entwickelt hat. Ich habe mich beim Lesen des Buches sehr gut unterhalten gefühlt und gleichzeitig viel über das Leipzig an der Schwelle zwischen Mittelalter und Aufklärung sowie über die Grundlagen der frühen wissenschaftlichen Medizin und Rechtsgeschichte gelernt.

Worum geht es? Die jugendliche Anna, 14 oder 15 Jahre alt, so genau geben das die historischen Quellen nicht her, Tochter eines Gutsbesitzers, wurde vom Knecht geschwängert und hat ein Kind zur Welt gebracht und dieses gemeinsam mit ihrer Mutter in der Erde vergraben. Die Leiche des Kindes wurde vom Dienstpersonal gefunden und Anna als Kindsmörderin angezeigt. Anna bestreitet dies vehement, beteuert ihre Unschuld und gibt an, dass das Kind schon tot zur Welt gekommen sei. Und dass sie außerdem von ihrer Schwangerschaft nichts gewusst habe und von der Geburt, zu diesem Zeitpunkt alleine zu Hause, völlig überrascht worden sei.

Wir befinden uns zeitlich in den letzten Ausläufern des Mittelalters, in einer zutiefst religiös geprägten Gesellschaft, Ende des 17. Jahrhunderts, eineinhalb Jahrhunderte nach Martin Luther und in protestantischem Gebiet, und einige Jahrzehnte nach dem 30-jährigen Krieg, der in der Erinnerung der Menschen immer noch sehr präsent ist. So ist auch das Rechtssystem noch sehr stark durch den Einfluss der Kirche geprägt, Folter, Kerker, letzte Hexenprozesse und die Todesstrafe sind weit verbreitet und werden als vereinbar mit der Religion, ja, sogar als von Gott gewollt angesehen und durch Bibelpassagen gerechtfertigt. Außerehelicher Geschlechtsverkehr ist verboten, ein uneheliches Kind wird als große Schande für die betroffenen Frauen angesehen, und mit den meisten Frauen, die des Kindesmordes bezichtigt werden, wird kurzer Prozess gemacht, sie werden - ob unschuldig oder nicht - unter Folter zu einem Geständnis gezwungen und danach enthauptet.

Wird es Anna auch so ergehen? Zwei Faktoren sind auf ihrer Seite: einerseits ist sie, im Gegensatz zu den meisten anderen Frauen mit ähnlichem Schicksal, als Tochter eines Gutsbesitzers aus einer reichen Familie und hat einen liebenden Vater, der sich mit aller Kraft für sie einsetzt und einen Anwalt für sie engagiert, um sie zu verteidigen. Und andererseits zeigen sich neben den letzten Ausläufern des Mittelalters auch schon die ersten Vorboten der Aufklärung und einer rationalen, wissenschaftlichen Herangehensweise, die allerdings erst noch dafür kämpfen muss, sich zu behaupten.

Der Anwalt ist ein junger Mann namens Christian Thomasius, eine reale historische Persönlichkeit, der sich später im Sinne der Aufklärung und der Rechtsgeschichte einen Namen machen wird. Dieser holt unter anderem medizinische Gutachten ein, unter anderem eines des angesehenen Arztes Dr. Schreyer, der bei dem verstorbenen Säugling eine sogenannte "Lungenschwimmprobe" durchgeführt hatte. Dazu gibt es ein reales historisches Dokument, auf das sich der Autor stützt. Der Arzt hatte also das tote Baby obduziert, ihm die kleine Lunge entnommen und diese in Wasser eingelegt und über die Ergebnisse berichtet.

Dahinter stand die Annahme, dass ein Kind, das im Mutterleib verstorben sei, nie geatmet hätte, dadurch die Lunge schwerer sei und im Wasser sofort sinken würde. Während ein Kind, das lebendig zur Welt gekommen und erst danach verstorben sei, eine Lunge hätte, die sich erstmalig mit Luft gefüllt hätte, wodurch diese bei der Lungenschwimmprobe schwimmen und nicht sinken würde. Also ein wissenschaftlich-experimentelles Denken, das für die damalige Zeit sehr innovativ und neu war und dadurch noch nicht von allen anerkannt, auch in medizinischen Kreisen und umso mehr vor den stark religiös beeinflussten Gerichten.

Die Lungenschwimmprobe von Annas Baby geht - das erfahren wir schon ziemlich zu Anfang des Buches - zu Annas Gunsten aus: die kleine Lunge sinkt im Wasser, was auf ein totgeborenes Baby hindeutet. Nur wird das in einer noch so stark vom Mittelalter geprägten Zeit reichen, um die junge Frau vor dem Tode zu bewahren? Damit beschäftigt sich das Buch auf den folgenden vielen hundert Seiten. Und mit noch so vielem mehr.

Wir erleben die Gesellschaft in Leipzig und Umgebung Ende des 17. Jahrhunderts aus vielen Perspektiven mit und begleiten nicht nur das Leben von Anna und ihrer Familie, sondern blicken auch durch die Augen von Annas Strafverteidiger und seiner Familie, lernen den Arzt Dr. Schreyer etwas näher kennen, ebenso wie den Scharfrichter, seine Familie und Lebensumstände, diverse Priester und noch so einige andere Personen. Dadurch entsteht insgesamt ein lebendiges und facettenreiches Gesellschaftsporträt einer spannenden Zeit, das so viel mehr ist als nur die Abhandlung eines Gerichtsfalls.

Mir persönlich hat das Buch außerordentlich gut gefallen, weil es mich eben nicht nur unterhalten, sondern auch gebildet hat und ich das Gefühl habe, dank der umfangreichen Recherche des Autors und des in vielen Bereichen auf historischen Tatsachen beruhenden historischen Romans auch meine Geschichtskenntnisse deutlich erweitert zu haben. Auch zum Nachdenken darüber, was es bedeutet, wenn eine Epoche endet und die nächste beginnt, aber auch, was wir durch den wissenschaftlichen Ansatz gesellschaftlich alles gewonnen haben, regt das Buch sehr an. Von mir bekommt das Buch deshalb verdiente 5 Sterne!

Wem würde ich das Buch empfehlen? Zuerst einmal allen, die sehr an Geschichte, insbesondere Rechts- und Medizingeschichte, interessiert sind, die generell anspruchsvolle Bücher mögen und die sich von Literatur weit mehr erwarten, als nur unterhalten zu werden. Nur mit Vorbehalt empfehle ich es Menschen, die ansonsten fast nur historische Romane, Krimis und ähnliches lesen und bei denen der reine Unterhaltungsaspekt im Vordergrund steht - diese könnten das Buch durchaus an manchen Stellen als langatmig empfinden. Es ist eben deutlich mehr Gesellschaftsporträt als Krimi, und das behandelte Thema und die Epoche werden ausführlich und von vielen Perspektiven umkreist. Für mich macht das eine der herausragenden Qualitäten des Buches aus.

Wer aber mit der Erwartung an das Buch herangeht, einen "typischen" historischen Roman (diese sind oft sehr spannend geschrieben, was aber zulasten geschichtlicher Detailtreue und vielfältiger Perspektiven geht) zu lesen, könnte möglicherweise enttäuscht werden. Es empfiehlt sich jedenfalls, sich vor der Anschaffung genau darüber zu informieren, um was für ein Buch es sich handelt und zu reflektieren, ob man persönlich solche Bücher mag und sich auf so eine umfangreiche und tiefgehende Lektüre einlassen will.

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Anschauliche Einführung in eine spannende Transformationsmethode

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg

"Neurographik - die Anleitung aus der Praxis" von Ingrid Werner ist ein sehr hochwertig und wunderschön gestaltetes Buch: das zeigt sich schon am festen Einband mit dem wunderschönen Neurographik-Bild gleich als Titelbild, und zieht sich auch sonst durch das Buch, das mit vielen Farbbildern sehr anschaulich und ansprechend gestaltet ist.

Das Buch beginnt, nach einer kurzen Vorstellung der Autorin, in der wir erfahren, wie sie zu Neurographik gekommen ist, mit einer Einführung in die Methode. Offen und nahbar ermutigt die Autorin dabei dazu, die Methode einfach mal auszuprobieren und stellt gleich klar, dass dafür keinerlei Zeichenkenntnisse erforderlich sind. Es wird beschrieben, wie das neurographische Zeichnen dabei unterstützen kann, das eigene Leben zu transformieren und wie es auf das Unterbewusstsein wirkt. Auch Themen wie der innere Widerstand und der mögliche Umgang damit bekommen ihren Raum.

Und dann werden die Lesenden auch schon eingeladen, direkt in die erste Selbsterfahrung mit dieser Methode einzuzeigen und eine erste neurographische Zeichnung anzufertigen. Also dazu erst einmal ein Thema zu aktivieren, Glücksbubbles zu zeichnen, diese mit neurographischen Linien, Feldlinien und Farbe zu ergänzen, alle Ecken abzurunden und am Ende einen Bereich bewusst auszuwählen und zu fixieren. Ich habe diese Zeichnung anhand der Anleitung und ohne vorige Neuroraphik-Erfahrung angefertigt und es war leicht zu schaffen, weil die Anleitung wirklich sehr gut und detailliert ist und mich Schritt für Schritt durch den Prozess geführt hat.

Nach dieser ersten eigenen Zeichenerfahrung wird im nächsten Kapitel detailliert auf praktische Tipps und Tricks für das neurographische Zeichnen eingegangen, so gibt es z.B. Tipps für die Wahl des passenden Materials, für die Themenwahl und Aktivierung des Themas, für Feldlinien, Fixierung und WOW-Effekt. Mit diesen Tipps kann man schon sehr schöne und wohltuende erste neurographische Zeichnungen erstellen.

Schließlich beinhaltet das Buch noch zwei weitere konkrete Zeichenanleitung, eines zur Aktivierung der eigenen Ressourcen und eines zum Thema "Heilung über deine Hand".

Wer also vorab wissen möchte, wie viele konkrete Zeichenanleitungen sich in diesem Buch befinden: es sind drei.

Damit komme ich auch schon zu dem Punkt, warum ich diesem Buch, das mir grundsätzlich in vielen Bereichen sehr gut gefällt und mich inspiriert hat, vier Sterne gebe statt fünf, und das ist das letzte Kapitel "Anwendungsbereiche der Neurographik". Ich verstehe die gute Absicht der Autorin, hier die Vielfalt der unterschiedlichsten Anwendungsmöglichkeiten der Neurographik anhand von Beispielen aufzuzeigen. Wir lesen über Klientinnen und Klienten, die z.B. abnehmen oder mit dem Rauchen aufhören wollen, oder Probleme in ihrer Familie harmonisieren, ein berufliches Projekt retten, sich selbst mehr annehmen oder die eigenen Rollen im Leben besser verstehen.

Diese Beispiele sind auch an sich sehr interessant und zu vielen gibt es schöne neurographische Zeichnungen, allerdings werden jeweils viele neurographische Modelle genannt, die neugierig machen, aber nicht näher erklärt werden. Das kann speziell am Anfang des Kapitels beim Lesen auch verwirrend sein, weil zumindest mir nicht gleich klar war, dass sich auf Modelle bezogen wird, die eben im Buch nicht vorkommen und auch nicht näher erklärt werden. Um diese konkret kennen zu lernen, braucht es dann wohl den Besuch der Kurse in dieser Methode. Es ist kein Buch für das komplette Selbststudium der Neurographik oder ein umfangreiches Nachschlagewerk sämtlicher Zeichenmethoden, das war aber wohl auch nicht die Intention der Autorin.

Wem kann ich somit das Buch empfehlen? Allen, die gerne einen ersten Einblick in die Methode der Neurographik gewinnen wollen, um ein erstes Gefühl zu entwickeln, ob das für sie etwas sein könnte und ob sie gerne weitere Schritte gehen und einen Basiskurs oder eine längere weiterführende Ausbildung in diesem Bereich beginnen möchten.

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