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Rezensionen von Ryria:

Einblick in die Werte der japanischen Gesellschaft

Akikos kleines Café von Yoko Mure

Die Gäste in Akikos Café beschweren sich manchmal, ihr Essen sei zu fade und es fehle die Würze, und irgendwie lässt sich so auch dieses Buch beschreiben.
In letzter Zeit sind ja Romane aus dem asiatischen Raum über Geschäfte aller Art sehr beliebt, diese sind meistens sehr cozy, man fühlt mit dem Personal und den Gästen mit und geht mit einem warmen Gefühl, aber auch neuen Gedanken, aus dem Buch.

Dies fand ich hier nicht wirklich zutreffend, auch wenn der Klappentext dies hat vermuten lassen. Es fühlte sich so an, als hätte der deutsche Verlag versucht, ein japanisches Buch aus 2012 jetzt irgendwie in diesen Trend zu pressen.
Stattdessen ist es halt einfach ein typisch japanischer Roman, der die dortigen Wertevorstellungen der Gesellschaft bedient und daher zum Bestseller wurde.

Durchgängig wird alles, was irgendwie von der Norm abweicht, in kleiner oder großer Form negativ dargestellt. Menschen, die zu viele Fragen stellen, die bunt gekleidet oder stark geschminkt sind, die sich nicht an Traditionen halten... Um auf dem japanischen Buchmarkt Erfolg zu haben, ist sowas meistens erforderlich, aus westlicher Sicht finde ich es jedoch schade. Besonders das Café-Setting würde doch eher dazu einladen, ganz unterschiedliche Gäste kennenzulernen, aber das bleibt hier komplett auf der Strecke. Stattdessen dreht sich die Handlung fast komplett um Akiko selbst. Man lernt ihr Leben und ihre Einsamkeit kennen, jedoch konnte ich trotz trauriger Momente nicht wirklich mitfühlen, da der Schreibstil den Leser doch auch auf Distanz hält. Auch Spannung oder besondere Momente sucht man vergebens.
Als cozy Roman konnte das Buch echt nicht bei mir punkten, dafür war es auf seine eigene Weise ein interessantes Zeitzeugnis der japanischen Gesellschaft.

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Im Herzen eines Viertels

Zeit der Monster von Seyda Kurt

Ich weiß gar nicht, wie man dieses Buch beschreiben soll. Irgendwie ist es mehr ein Gefühl statt eine Handlung, die sich einfach in Worte fassen lässt.
Im Zentrum steht hierbei das namenlose Viertel, das aber eigentlich einfach nur Köln-Kalk ist. Anlässlich der Buchpremiere habe ich das Viertel und die Kirche dort besucht und es ist wirklich eine besondere Atmosphäre.

Von außen gibt es viele Vorurteile, doch die Bewohner*innen verbindet eine ganz besondere Liebe zu ihrem Viertel, das total unperfekt und doch irgendwie sehr menschlich erscheint.
All das prägt die Atmosphäre des Buches, das für mich auch mehr von der Stimmung statt der Geschichte gelebt hat.

Die Sprache ist mit poetischen Passagen versetzt, die Perspektiven und Zeitebenen springen immer wieder hin und her, alles ist ein wenig verworren.
Dies ist kein Buch, das man nebenbei runterliest, sondern eins, in dem man ein wenig verloren geht.
Zwischendurch gibt es immer wieder Themen, die sich dazwischenmogeln, man kommt nie so ganz mit und ich habe vermutlich vieles nicht komplett verstanden.
Trotzdem ist es irgendwie wie ein Sog, wenn man sich auf dieses ungewöhnliche Abenteuer einlässt.
Die Charaktere fand ich dabei besonders interessant, vor allem, weil es eher solche Menschen sind, die sonst niemals im Fokus einer Geschichte stehen würden, obwohl es doch so viele von ihnen gibt.

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Großes Gedankenkarussell

Gewöhnungsbedürftig von Daniela Wilmer

Katha ist zwar "schon" 37, aber doch recht verloren in ihrem Leben und dabei irgendwie auch ganz liebenswert. Eine Verkettung von unglücklichen Umständen treibt sie zurück in ihre Heimat und zu ihrer Mutter. Was folgt ist eine Art Suche nach all dem, was für sie falsch ist, in ihren Gedanken, ihren Beziehungen (besonders auch zu ihrer Mutter) und ihrer Vergangenheit.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, die Sprache ist schön locker, enthält aber auch ein paar versteckte Zitat-Juwelen. Katha versteckt sich oft hinter viel Sarkasmus und Selbstironie, was einerseits interessant zu lesen, aber immer wieder auch sehr witzig ist. Das Ergebnis ist ein Roman, der durchaus auch ehrlich in die Tiefe geht, dabei aber seinen Humor und etwas Leichtigkeit nie verliert.

Katha selbst als Protagonistin und Erzählerin war mir überwiegend sympathisch und kam auch authentisch rüber, manchmal war mir ihr Gedankenkarussell jedoch ein wenig zu repetitiv und negativ. Dies ist zwar super, um ihren Charakter und ihre Ängste und Selbstzweifel anschaulich darzustellen, für den Leser vielleicht jedoch nicht immer so spaßig. Ähnlich lief es bei der Beziehung zu ihrer Mutter, bei jedem Schritt vorwärts geht es wieder drei Schritte zurück. Generell mochte ich die behandelten Themen aber sehr und hatte sie gar nicht in diesem Buch erwartet, beispielsweise die Herausforderungen der Mutterschaft inklusive Wochenbettdepressionen und Ähnliches. Insofern regt die Geschichte auch immer wieder mal zum Nachdenken an, besonders dazu, die eigenen Eltern vielleicht mal als Menschen statt als Eltern zu betrachten.

Auch eine kleine Liebesgeschichte entwickelt sich im Verlauf der Geschichte, steht jedoch nicht wirklich im Fokus. Ihr wird ein wenig Raum gegeben, aber auch nicht zu viel, mehr als Unterstützung für Katha. Den männlichen Protagonisten fand ich hierbei sehr sympathisch, er ist ein schöner Ruhepol und kann mit seinem eigenen Witz und Charme punkten.
Insgesamt eine unterhaltsame und auch etwas emotionale Mischung an Themen und Betrachtung eines "unperfekten" Lebens.

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Gelungener Einblick in die Gaming und E-Sport-Welt

Neon Nemesis von Ally Crowe

Gaming wird ja gerne mal quasi als "Kulisse" für eine Liebesgeschichte oder Ähnliches benutzt, jedoch hatte ich hier von Beginn an das Gefühl, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt, und dass Gaming auch im Fokus steht, anstatt nur Beiwerk zu sein.
Da ich mich selbst für dieses Hobby begeistere und auch im kleinen Rahmen mal im E-Sport unterwegs war, war dies eine positive Überraschung.

Es hat alles sehr authentisch gewirkt, nicht einfach nur für die Geschichte recherchiert.
Das fiktive Spiel Neon Nemesis erinnert hierbei ein wenig an Spiele wie Overwatch, das Turnier an große Events wie die LoL-Worlds.
In diesem Setting wird die Geschichte aus den Perspektiven der Profispieler Maeve und Hunter erzählt, die eine gemeinsame Vorgeschichte verbindet, die sich aber nun in konkurrierenden Teams wiederfinden.

Zunächst zum Spiel an sich: Da ich selbst schon ähnliche Spiele lange gespielt habe, konnte ich mir die Matches gut vorstellen. Es wird ein neues Spiel erschaffen und auch schön vorgestellt (Maps, Heroes, Win-Conditions, Story), ohne dabei jedoch zu sehr ins Detail zu gehen. Für den Rahmen der Geschichte fand ich es vollkommen ausreichend, kann mir aber vorstellen, dass es für jemanden ohne Vorerfahrung vielleicht ein wenig verwirrend sein kann.
Besonders mochte ich die zahlreichen kleinen Anspielungen und Referenzen aus der Gaming-Welt, die so fernab von üblichen Klischees waren - wenn auf den ersten Seiten schon Hatoful Boyfriend erwähnt wird, kann es ja nur gut werden.
Ebenso überzeugend waren die Gaming-Begriffe und die Sprache für mich. Es hat nicht unnatürlich oder gewollt gewirkt, sondern klang so, wie ich es von Discord oder Twitch auch kenne.

Das Turnier-Setting hat mir gut gefallen, besonders auch die Darstellung der Vorbereitungen/Trainings und der Matches an sich. Dies hat im späteren Verlauf des Buches leider ein wenig abgenommen, gerade bei wichtigen Matches hätte ich mir eine ausführlichere Beschreibung gewünscht.
Positiv überrascht hat mich der ehrliche Blick auf die Schattenseiten des E-Sports und die Darstellung des extremen Drucks. Auch sonst gab es ein paar Überraschungen innerhalb der Handlung, auch wenn manche Dinge vielleicht doch ein wenig vorhersehbar und konstruiert gewirkt haben.
Die Protagonisten und ihre besten Freunde sind mir doch sehr ans Herz gewachsen, besonders schön war die Entwicklung ihres Charakters und der Umgang mit ihren Gefühlen.
Auch die Liebesgeschichte war sehr süß, ich hätte mich nur über noch ein klein wenig mehr Banter gefreut.

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Erfahrungen einer Frau im Internet

Warum kümmert es dich? von JenNyan

JenNyan ist eine der bekanntesten Streamerinnen Deutschlands und hat dementsprechend schon so Einiges im Internet erlebt. In diesem Buch lädt sie uns in ihr Leben ein, sie erzählt von den Herausforderungen ihrer Kindheit, ihrer Karriere und persönlichen Themen wie Beziehungen.
Schon zu Beginn bei den Kindheitserinnerungen merkt man, dass dies doch ein unerwartet persönliches Buch ist.

Immer wieder öffnet sie sich sehr und scheut auch nicht davor zurück, über traurige und harte Zeiten zu erzählen.
Dies ist nicht immer leicht zu lesen, dafür wirkt es sehr authentisch und besonders, wenn man in ähnlichen Situationen ist/war, kann man umso mehr aus ihren Erzählungen mitnehmen.

Die Autorin und ich sind im gleichen Alter und haben sehr ähnliche Interessen, daher ist es nicht verwunderlich, dass ich immer wieder Momente des Wiedererkennens und gleiche Erfahrungen hatte. Angefangen bei den eher lustigen Schilderungen über die Anfänge unseres Internets und SchülerVZ bis hin zu Erlebnissen als Frau beim Zocken und generell in der Gaming-Welt.
Die Realität vieler Frauen dort wird kritisch und in klugen Beobachtungen dargestellt. Dies fand ich auch wichtig, denn so schafft es einerseits Aufmerksamkeit für vorhandene Probleme, andererseits gibt JenNyan auch nützliche Tipps, wie man selbst in schwierigen Situtionen agieren kann.
Ebenfalls interessant fand ich, dass sie offen über ihre OF-Zeit, aber auch über sehr persönliche Themen wie Depressionen und Therapie spricht. Manche ihrer Gedanken und Ratschläge sind hierbei nicht "neu", aber trotzdem durchaus wertvoll und haben mich auch teilweise zum Nachdenken gebracht.
Ich kannte sie vorher tatsächlich nur flüchtig, finde ihre Einstellung und ihr Engagement aber lobenswert und dieses Buch trägt ebenfalls dazu bei, ohne dabei langweilig oder belehrend zu wirken.

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Ein Leben im Stress

Gib mir alles von Alexandra-Maria Pipos

Dieses Buch ist vermutlich das genaue Gegenteil von den momentan so beliebten Cozy Romanen: Statt gemütlicher Szenen wird man direkt vom Arbeitsstress begrüßt, der neue Großkunde soll zufriedengestellt werden, die Präsentation ist noch nicht fertig, die Meetings rufen. Mitten drin ist Ioana, fest entschlossen, die Karriereleiter um jeden Preis weiter zu erklimmen.

Da kommt der Tod ihres Großvaters ihr natürlich ziemlich in die Quere, vor allem, weil die Beerdigung in ihrem Geburtsland Rumänien stattfindet.
Die Autorin hat es viel zu gut geschafft, diese extrem ungesunde Arbeitsatmosphäre einzufangen, immer wieder war sogar ich beim Lesen mit gestresst, obwohl ich ja eigentlich bequem auf dem Sofa sitze. Gleichzeitig diente es auch als gute Erinnerung daran, dass Arbeit nicht alles im Leben ist.

Der andere große Themenkomplex umfasst das Leben als Mensch mit Migrationshintergrund und die rumänischen Wurzeln. Hier scheint die Autorin auch ihre eigenen Erfahrungen verwendet zu haben, es wirkte alles sehr authentisch.
Ioana berichtet von der Last, als Kind für die Eltern übersetzen zu müssen, von der auf einmal fremd erscheinenden Heimat, von den kulturellen und finanziellen Unterschieden und vielem mehr.
Das Ganze geschieht in Vergangenheitsabschnitten, die sich aber sehr natürlich in den Text einfügen, oft z.B. als Erinnerungen an die Kindheit.
Auch das Leben in Rumänien wird auf interessante Weise dargestellt, man erfährt viel über den (Aber-)Glauben, die Kultur und die Entwicklung der Lebensumstände.
Immer wieder wird auch eine ungewöhnliche Erzählperspektive verwendet: Wir erleben die Handlung oder Rückblenden durch die Augen von den Heiligen auf Ikonen. Dies ermöglicht spannende Einblicke in die Familiengeschichte und all das, was sonst halt hinter verschlossenen Türen geschieht.
Ich mochte den Einblick in Ioanas Leben und Rumänien sehr, allerdings war es nicht immer ganz einfach zu lesen, bedingt durch die unangenehmen und stressigen Themen, aber auch durch die teilweise offene und vage Erzählweise. Trotzdem war es auf jeden Fall eine sehr interessante und lesenswerte Geschichte.

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Wo die Liebe hinfällt

One & Only von Maurene Goo

Während einer Fahrradtour stürzt Cassia und fällt dem aufmerksamen Ellis vor die Füße. Was wie der Beginn einer wunderbaren und lustigen Liebesgeschichte klingt hat nur leider einen Haken: Ellis ist nicht ihr vom Schicksal "Auserwählter", sondern sein Boss Daniel. Dies kann ihre Familie nämlich mithilfe der magischen Familiengabe feststellen, und dazu kommt noch der Altersunterschied von 12 Jahren zu Ellis.

..
Die Idee der Partnervermittlung mittels dieser magischen Methoden fand ich super und originell. Das Konzept war leicht verständlich und trotzdem faszinierend, daher fand ich es schade, dass man nicht noch mehr davon gesehen hat. So hätte ich mir noch mehr "Nebengeschichten" von Paaren gewünscht, die über die Agentur vermittelt wurden. Einige wurden mal kurz erwähnt, allerdings ist mir nur eine wirklich im Kopf geblieben.
Das Ganze als Familienunternehmen aufzuziehen war auch eine gelunge Idee, so hat man gut Cassias Familie kennenlernen, und dadurch gleichzeitig auch ihren Charakter besser einordnen und verstehen können. Zwischenzeitlich habe ich bei den ganzen Namen kurz nicht durchgeblickt, aber insgesamt hat das gut geklappt. Hierbei mochte ich auch den koreanischen Hintergrund sehr, so gab es immer wieder mal Erwähnungen der Kultur, Traditionen und Speisen.

Nun zu den Charakteren: Cassia war mir überwiegend sympathisch, hatte zwischendurch aber auch mal kurze Momente, in denen ich sie ein wenig anstrengend fand. Manche davon konnte man aber rückblickend besser verstehen bzw. ihr Verhalten besser einordnen.
Ellis habe ich quasi sofort in mein Herz geschlossen, hier hat die Autorin wirklich einen tollen Charakter erschaffen, der aber auch nicht perfekt ist und mit seinen eigenen Gefühlen zu kämpfen hat.
Bei Daniel hat mir irgendwie das gewisse Etwas gefehlt, seiner Beziehung zu Cassia konnte ich nicht wirklich etwas abgewinnen, das fand ich ein wenig schade.
Dafür gab es noch einige tolle Nebencharaktere, die die Handlung abgerundet haben.
Insgesamt war die Geschichte ein wenig vorhersehbar, was meinen Spaß aber nicht groß gemindert hat. Besonders hervorheben möchte ich den witzigen Schreibstil, die liebenswerten Charaktere und natürlich die schöne Botschaft zu der Frage, ob wir unser Leben vom Schicksal bestimmen lassen sollten.

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Die Geschichten unserer Mitmenschen

Theo in Golden von Allen Levi

Die ganze Geschichte überzeugt durch ihre Ruhe und so ist es nicht verwunderlich, dass schon das Setting und die Grundidee recht unaufgeregt sind: Theo ist 86, wohlhabend, und zieht eines Tages in die kleine Stadt Golden im Süden der USA. Dort entdeckt er in einem Café knapp 100 Bleistiftporträts verschiedenster Einwohner und in ihm reift der Plan, jedes Bild der darauf dargestellten Person zu schenken.

Dabei entwickeln sich überraschend offenherzige Gespräche und wir lernen viele der Charaktere besser kennen.

Den Anfang habe ich verschlungen, man kommt gemeinsam mit Theo in Golden an, kennt noch niemanden, erkundet die Stadt und lernt nach und nach die ersten Einwohner kennen. Über all dem schwebt außerdem das Geheimnis um Theo selbst: Wer ist er und was treibt ihn nach Golden?
Nach einer Weile wurde es ein wenig repetitiv, das Grundkonzept der Handlung verändert sich nicht wirklich, es wirkt etwas episodenartig.
Statt großer Spannung gibt es hier eher gemütliche kurze Geschichten, die sich auch Stück für Stück lesen lassen.
In dieser Form fand ich es doch angenehm und entspannend und habe dem Roman gerne mehr Zeit gegeben.

Insgesamt war die Erzählung doch ein wenig unrealistisch und eher schwarz/weiß gehalten, fast wie ein Märchen, aber mit diesem Gedanken im Hinterkopf ließ es sich gut lesen. Manchmal muss nicht alles authentisch sein, manchmal ist es auch schön zu lesen, wie ein alter Mann etwas in seinen Mitmenschen bewegt.
Dabei ist der Roman zweifellos von amerikanischen Idealen und Gesellschaftsbildern geprägt, was vermutlich auch den Hype dort erklärt, aber viele der Emotionen sind doch universell.

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Gefühle in Worte fassen

Der Briefladen, in dem ich dich fand von Baek Seungyeon

Die Autorin nimmt uns wieder mit nach Seoul, hinein in einen Briefladen und in die (Gefühls-)Welt der Mitarbeiter. Im Fokus steht hierbei Hyoyeong, die seit einigen Monaten von Yeonggwang getrennt ist und ihm nun nach langer Zeit wieder begegnet. Gleichzeitig läuft ihr aber auch ihr alter Freund Donggyu über den Weg, doch für wen schlägt ihr Herz?
Ich kannte den ersten Band noch nicht, wurde aber gut vom Buch in Empfang genommen.

Gleich zu Beginn gibt es eine Personenübersicht mit kurzer Zusammenfassung und Hinweis zur Aussprache der koreanischen Namen. Die ersten Seiten waren ein wenig herausfordernd durch die ungewohnten Namen und Handlungsorte, jedoch habe ich danach auch ohne Vorwissen erstaunlich gut in die Geschichte hineingefunden.
Durch die Übersetzung und den Charakter des Buches ist der Schreibstil vielleicht ein wenig ungewöhnlich und Geschmackssache, ich fand es aber doch sehr angenehm zu lesen insgesamt.
Besonders schön waren die vielen kleinen Zitate und Textstellen, die ich auch öfters doppelt gelesen habe, da es berührende oder kluge Worte waren. Falls jemand Sachen in Bücher markiert, hier gibt es wirklich ganz viel dafür.
Aber auch die normalen Gespräche zwischen den Charakteren und die verschiedenen Briefe haben mir sehr gefallen, da ist viel Liebe in die Worte geflossen. Dies liegt teilweise auch daran, dass tatsächlich echte Briefe ihren Einzug ins Buch gefunden haben, was ich als tolles Detail empfunden habe, die Gefühle waren so extra authentisch.

Auch die erfundenen Elemente der Geschichte konnten mich überzeugen, so habe ich den Briefladen als einen interessanten Wohlfühlort aufgenommen. Hierbei mochte ich die Idee des Penpal Services sehr, davon hätte ich auch gerne noch viel mehr gelesen. Generell kam mir die Handlung im Briefladen manchmal ein wenig zu kurz, was aber vielleicht auch meiner Neugier geschuldet war, da ich den ersten Band noch nicht kannte.
Das Liebesdreieck hätte es für mich jetzt nicht unbedingt gebraucht, allerdings hat es dann doch zu einigen witzigen (und auch emotionalen) Szenen geführt. Generell habe ich die Entwicklung der Gefühle gerne verfolgt, nicht nur bei den Hauptcharakteren, sondern auch bei den ganzen Nebenfiguren. Viele sind mir regelrecht ans Herz gewachsen und immer wieder habe ich auch richtig mitfühlen können.
Insgesamt ein sehr warmherziger Roman, der mit berührenden Textstellen und einem tollen cozy Setting punkten kann.

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Eine Geschichte, die Zeit braucht

Das Buch der gefallenen Blätter von A. S. Tamaki

Um es direkt vorweg zu sagen: Dies ist kein Buch, das man mal eben nebenbei lesen kann. Besonders am Anfang wird man als Leser direkt mit einer Masse an Charakteren, Orten, politischen Verwicklungen und Geschichte konfrontiert.
Dementsprechend ist mir der Einstieg auch nicht so leicht gefallen und ich habe eine Weile gebraucht, um alles einzuordnen.

An dieser Stelle auch der Hinweis, dass sich am Ende des Buches ein Personenregister versteckt.
Zusammen mit der Weltkarte am Anfang ist dies dann doch sehr hilfreich und quasi auch erforderlich.

Die dadurch erschaffene Welt hat mir dann aber doch sehr gut gefallen: Eine Fantasywelt, die durch ihre Namen und Kultur oft an das damalige Japan erinnert. Der Fantasyaspekt steht dabei jedoch nicht wirklich im Fokus, vielmehr hat mich das Ganze zwischendurch immer wieder mal an eine Art Game of Thrones erinnert.
Es gibt sehr viel Politik, zahlreiche Clans, Häuser und Familienfehden, ebenso viele Charaktere und blutige Kämpfe.
Besonders mochte ich die Atmosphäre, der Text wird durch schöne Beschreibungen und eine Menge Details angereichert.
Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven, auch ähnlich wie bei GoT, wobei jede Perspektive ihre Eigenheiten aufweist.
Was mir im direkten Vergleich jedoch gefehlt hat ist das Spannungselement: Es geht generell nur recht langsam voran, es wird viel Zeit für den Weltenaufbau aufgewendet. Anstatt das Buch zu verschlingen, habe ich daher nur immer wieder mal ein paar Kapitel gelesen.
Insgesamt von daher kein klassisches Spannungsbuch, sondern ein ausführliches Werk, auf das man sich konzentriert einlassen muss.

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