Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde, Sigrun Alten:
Schräges Gedankenexperiment
Popóm von Johanna Sebauer
Ein junger Mann in einer Sinnkrise begegnet seinem älteren Alter Ego und erliegt der Faszination, dieses ältere ich kennenzulernen. Dabei verliert er sich nahezu selbst. Leicht lesbare, humordurchwirkte Prosa, die man letztendlich ohne große Erkenntnisse wieder ins Regal stellt.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Sigrun AltenDieses Kadaverleuchten lebender Leichname
Im ersten Licht von Norbert Gstrein
Geboren 1901 erlebt Adrian den Untergang der K&K Monarchie und die beiden verheerenden Weltkriege. Eine Einberufung bleibt ihm aufgrund seiner vom Vater herbeigeführten Behinderung erspart, nicht aber die Begegnung mit Männern, die schwer verletzt und traumatisiert aus dem Krieg zurückkehren und ihn nachhaltig prägen.
Adrian ist kein Mitläufer, eher ein Mithinkender, nicht fähig, Stellung zu beziehen, sein Leben und seine Beziehungen aktiv zu gestalten, die Bilder und Gespenster der Vergangenheit loszulassen. Erst in den 60ern erfährt er noch eine späte Liebe in seinem Sehnsuchtsland England und so etwas wie Befreiung.
Im ersten Licht ist ein beeindruckendes Stück Literatur über die österreichische Geschichte des 20. Jahrhunderts, über Krieg und die damit einhergehenden Traumata, seelischen Verwüstungen, über Überlebende und Opfer, Gewinner und Verlierer.
Libertat
Die Passantin von Nina George
Ein herausragendes Buch über Gewalt gegen Frauen, über Freundschaft und Frauensolidarität, über Selbstermächtigung und den Weg zu einem selbst bestimmten Leben mit einem fulminanten Show Down. Nina George erfindet nicht nur einen spannenden Plot sondern zeichnet emphatisch und nachvollziehbare Leidensgeschichten von Frauen und deren Mut, ihren Opferstatus zu verlassen.
Eine Buchempfehlung, für alle, die vor Gewalt gegen Frauen nicht die Augen verschließen.
Auf der Suche nach sich selbst
Himmel ohne Ende von Julia Engelmann
Ein mitreißendes Buch übers Erwachsenwerden. Julia Engelmann schildert in einer wunderbar feinfühligen Sprache das Gefühlschaos der Protagonistin und die Welt um sie herum. Eine absolute Buchempfehlung auch für ältere Semester.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Sigrun AltenAm Ende ratlos
Botanik des Wahnsinns von Leon Engler
Eine Familie mit psychopathischen Krankheitsbildern und ein junger Mann, der dieser familiären Last und der Angst, ebenso krank zu werden, versucht zu entkommen indem er letztendlich Psychologie studiert und in der Psychiatrie arbeitet. Die Rückblenden auf die Leben der alkoholkranken Mutter und dem depressiven Vater und die ebenfalls psychisch kranken Großeltern wechseln mit Beschreibungen seines gegenwärtigen Leben und mit Zitaten aus psychologischer Fachliteratur.
Der Text schaffte es nicht, mich wirklich zu berühren, die Ängste des jungen Mannes glaubhaft zu vermitteln. Ein Buch, das man durchaus lesen kann aber nicht muss.
Man kann`s auch übertreiben
Wie Risse in der Erde von Clare Leslie Hall
Ein von Kitsch und Klischees triefender Groschenroman auf 400 Seiten – das muss man mögen. Ich für meinen Teil konnte mich dafür nicht erwärmen.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Sigrun AltenEin Buch wie eine Melodie
Für Polina von Takis Würger
Takis Würgers Buch „Für Polina“ ist eine berührende Liebesgeschichte im allerbesten Sinn. Er schafft wunderbar lebendige, eigenwillige Figuren, denen man mit Neugier und Empathie folgt. Ab der ersten Seite erliegt man dem Sog dieser Geschichte, die ohne kitschig zu sein das Herz rührt. Dieses Buch ist ein Geschenk.
Vom Leben und Sterben einer alten Lady
Honey von Victor Lodato
Das Cover zeigt das Bild einer Frau fortgeschrittenen Alters mit Eleganz, Sexappeal und ausgeprägtem Charakter. Dieser Eindruck bestätigt sich beim Lesen mit jeder Zeile. Ilarias bzw. Honeys Leben mag auf den ersten Blick wie ein Luxusgeschenk des Schicksals anmuten, aber nach und nach kommen die dunklen und schmerzlichen Puzzleteile des Lebens an die Oberfläche.
Mafiöse und patriarchale Familienstruktur, (sexuelle) Gewalt und Flucht prägten ihr Leben genauso wie all die schönen und teuren Dinge, mit denen sie sich umgibt. Mit viel Humor und Empathie schildert Victor Lodato seine Heldin und bereitet ihr auch einen würdevollen Abgang. Ein großes Lesevergnügen.
Ich gehöre niemandem
Malnata von Beatrice Salvioni
Ab der ersten Seite ein fesselndes Leseerlebnis über weiblichen Widerstand und Selbstbestimmung im faschistischen und von patriarchalen Regeln und Bigotterie geprägten Italien. Eine unmöglich erscheinende Freundschaft zwischen zwei jungen Frauen aus unterschiedlichen Klassen, die den ihnen auferlegten gesellschaftlichen Einschränkungen die Stirn bieten und sich gegen männliche Gewalt und den Versuch, diese zu vertuschen öffentlich zur Wehr setzen.
Eine absolute Leseempfehlung.
Wer kennt Jo van Gogh?
Die Entflammten von Simone Meier
Die Autorin schafft es am Beginn des Buches große Leselust zu wecken und mit ihrer eleganten Sprache zu verzaubern. Sie verwebt zwei vollkommen unterschiedliche Frauenfiguren zu einer Geschichte, was im Laufe der Handlung leider nicht ganz gelingen mag - zu weit liegen die Biografien der Jo van Gogh und der Studentin Gina auseinander.
Trotzdem ist die Lektüre eine interessante Reise in die Welt der Kunst um 1900. Die Geschichte der Jo van Gogh mit ihrer Kraft, ihrem Engagement und ihrer Begeisterung für das Werk ihres Schwagers Vincent ist es jedenfalls wert gelesen zu werden.











