Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Anno:
Die Farben der grauen Stadt
Die graue Stadt von Torben Kuhlmann
Robin zieht in eine Stadt, in der keine Farben außer Grau zu existieren schwinden. Doch das Mädchen will diese Tristesse nicht hinnehmen und trägt weiterhin ihre geliebte gelbe Regenjacke. Gemeinsam mit ihrem neuen Freund Alani setzt sie alles daran die Stadt ihre Farben zurück zu geben und kommt dabei dem Geheimnis der Farbe Grau und dem des Lichts auf die Spur.
Ein neues Buch vom „Mäusemaler“, aber dieses Mal ohne Maus. So beschreiben meine Kinder es.
Die Illustrationen sind wie gewohnt bildgewaltig und wunderschön. Doch ganz so überzeugt wie die Mäuseabenteuer hat mich dieses Buch nicht. Der Erzählstil wirkt auf mich etwas zu schlicht und zu geradlinig. Das gewählte Thema ist zwar interessant, aber entfaltet dadurch leider nicht seine volle Wirkung. Die Grundlagen zu den Farben sind zwar im Anhang erklärt, aber kaum in der Geschichte wiederzufinden, was ich sehr schade finde. Auf mich wirkten die Bücher des Autors bisher immer als wollten sie auch Wissen vermitteln. Hier aber geschieht dies nur oder hauptsächlich durch den Anhang. Zudem fiel mir auch ein kleiner logischer Fehler in Bezug auf ein, in der Handlung vorkommendes Bibliotheksbuch ins Auge.
Für kleinere Kinder mag diese Geschichte ausreichend sein. Grössere aber, die auch die wissenschaftlichen Fakten der Farben schon verstehen wollen, wird die dazugehörige Handlung womöglich schon zu einfach sein.
Die Herde
Feuer. Wasser. Erde. Sturm. - Zum Überleben brauchst du alle Sinne von Boris Pfeiffer
Die Welt ist zerstört, Naturkatastrophen ziehen übers Land. Von den vielen Menschen überlebten nur wenige. Drdjuck ist einer von ihnen. Er schließt sich einer Büffelherde an und deren Anführerin lehrt ihn Wetter und Gefahren einzuschätzen. Als sie aber Jäger in die Hände fallen, ist es an Drdjuck seine Herde zu retten.
Doch der Herrscher des Clas erkennt in Drdjucks Fähigkeiten den Nutzen für sein eigenes Vorhaben und lässt ihn nicht ohne weiteres ziehen.
Zu Anfang war ich fasziniert von Drdjucks Leben in der Herde und dessen Verbindung zur Leitkuh, doch mit Auftauchen der Jäger wandelt sich das Bild des Buches. Die Kultur des Clans und dessen Anführer haben mich sehr überrascht. Ja, insgeheim hatte ich mit etwas ganz anderen gerechnet. Ob diese falschen Vorstellungen mit Schuld an meiner Abneigung des weiteren Verlaufs der Handlung, kann ich natürlich nicht zu Gänze ausschließen. Die blumige und hochtrabende Ausdrucksweise der Clanmenschen, die vielen inhaltlichen Wiederholungen in den Dialogen sowie Drdjucks Mangel die Absichten des Clans zu erkennen taten jedoch leider ihr übriges.
Weiterempfehlen möchte ich dieses Buch daher nicht.
Authentisch und sehr bewegend
Aenne und ihre Brüder von Reinhold Beckmann
Gegen Ende ihres Lebens übergibt Aenne ihrem Sohn einen Karton. Darin enthalten: die Feldpostbriefe ihrer Brüder.
Was wie ein spannender Auftakt eines Romas klingt, ist jedoch real. Aenne ist die Mutter von Reinhold Beckmann. Die vier Onkel und Verfasser der Briefe wird Reinhold jedoch nie kennenlernen.
Alle vier starben im Krieg. Zurück blieben nur deren Feldpost und die lebhaften Erinnerungen Aennes, die auch das Leben des Autors geprägt haben.
Mithilfe der Hinterlassenschaften und einigen Feldchroniken rekonstruierte Beckmann den Weg und Schicksal der vier Soldaten.
Die Originaltexte werden dabei im Hörbuch stimmlich hervorgehoben, in der gedruckten Ausgabe durch kursiver Schrift und Formatierung.
Mag der Schreibstil der Feldpostbriefe für heutige Ohren vielleicht manchmal etwas merkwürdig klingen, so verfehlten diese dadurch nicht ihre Wirkung. Ganz im Gegenteil! Aber auch die warmherzigen Worte und Erzählungen des Autors erzeugten ein Bild der Zeit in mir, als wäre ich zugegen gewesen. Und nicht wenige Male standen mir die Tränen in den Augen.
Eine unfassbar bewegende und authentische Aufarbeitung der eigenen Geschichte.
In Gedenken an die vielen Opfer dieses furchtbaren Krieges sollten Bücher wie dieses Pflichtlektüre an Schulen werden!
Griechische Mythologie hautnah
Psyche und Eros von Luna McNamara
Mit der Mythologie Griechenlands bin ich selbst nur rudimentär vertraut, so dass ich keinen Vergleich zum überlieferten Mythos Psyche und Eros ziehen kann.
Doch dieses Buch hat mich dennoch oder gerade deshalb fasziniert. Es lässt die griechischen Götter und deren Sagen auf eine sehr eingehende Art und Weise wieder aufleben.
Die verwendete Sprache ist weder überladen noch erzählend kühl, sondern nahbar und gut verständlich. Abwechselnd wird Psyches Geschichte und die Eros‘ erzählt. Psyches beginnt mit der Weissagung des Orakels vor ihrer Geburt, erzählt von ihrem Aufwachsen und ihrer Ausbildung bei Atalante, ihrem Wettkampf und dem Kampf mit der Schlange und wie sie damit Aphrodite erzürnte.
In Eros Geschichte fließt noch die andere Götter hinein. Eros findet Pfeil und Bogen, lernt seine Macht kennen und fürchten. Liebe, so scheint es ihm, ist nicht nur ein Geschenk, sondern allzu oft Ursache von etwas Schlechtem. Doch bald bricht die Liebe, wie eine Seuche über die Menschen herein. Ganz ohne Eros Zutun beginnen sie zu lieben. Als Phsyche unbeabsichtigt Aphrodite erzürnte, verflucht diese einen von Eros Pfeilen. Durch ihn würde Psyche nie ihr Glück finden.
Durch dieses Buch wurde die Mythologie für mich lebendig. Zuvor gekannte trocken vorgetragene Sagen und Erzählungen bekamen Farbe und so mancher Gott wurde greifbarer. Grobe Vorkenntnisse, wie z.B. die Entstehung der Welt und der Saga Gaias oder Namen und Aufgaben der bekannteren Götter halfen mir jedoch dabei die Handlung zu verstehen. Die Handlung dreht sich zwar vornehmlich um Psyche und Eros, doch besonders im späteren Handlungsverlauf tauchen auch einige weitere Gottheiten auf, die ins Geschehen eingreifen.
Romane über griechische Mythologie scheinen gerade einen Nerv der Zeit zu treffen. Vermehrt versuchen sich Autoren daran. Dies aber ist für mich das gelungenste der bisher erschienenen Bücher dieses Genres.
Grüne Invasion
Der Wald von Tibor Rode
Mich erinnert der Charakter des Buches ja irgendwie an Thriller a la Dan Brown. Wenn auch die Thematik eine etwas andere ist.
Eine unbekannte, höchst aggressive Pflanze bedroht die Bevölkerung. Eingeschleppt durch anonym versendete Samen. Allerdings kommt jede Warnung schon zu spät und sämtliche Versuche das Gewächs einzudämmen und zu vernichten scheitern.
Auch der Botaniker, Förster und Pflanzenfreund Marcus Holland weiß keinen Rat und beginnt nach der Herkunft der Samen zu recherchieren.
Die Handlung besitzt verschiedene Zeitstränge, die sich mehr und mehr miteinander verweben. Ist anfangs noch vieles unklar und unzusammenhängend ergibt sich im Laufe der Zeit ein Bild, dass irgendwann die Hintergründe des Auftauchens der Samen erahnen lassen, was dem Ende zwar etwas die Überraschung aber keineswegs die Spannung nimmt.
Der Thriller ist sehr gut geschrieben, interessant und in seiner Thematik mir in dieser Art neu. Gedankengänge und Handlungen wirkten auf mich logisch und nachvollziehbar. Einzig die Aggressivität der Pflanze lässt sich für mich nicht ganz nachvollziehen. Hier werfen sich mir Fragen auf, die ich der Spannung wegen hier jedoch nicht weiter ausführen möchte.
Nur ein Pusus
Ich, Sperling von James Hynes
Diese Geschichte zieht einen förmlich in eine andere Zeit. In die Zeit des spanischen Carthago Nova im 4. Jahrhundert n. Chr. Ein alter Mann Blick zurück auf sein entbehrungsreiches Leben. Doch entgegen meiner anfänglichen Annahme behandelt dieses Buch nicht das gesamte Leben des Jacob, sondern nur ein paar wenige Jahre seiner Kindheit.
Von seinem späteren Leben erfährt man leider nichts.
Als Sklave gekauft wächst der namenlose Junge im Bordell Carthago Novas auf. Anfangs findet er in der Küche Unterschlupf und in einer der Wölfinnen genannten Huren eine Vertraute und Mutter. Doch auch ihr ist es nicht möglich Pusus vor seinem Schicksal zu bewahren.
Die Sprache, die der Autor wählte ist schonungslos, nah und unglaublich ehrlich. Mich hat es noch nie so fasziniert von den vielen kleinen alltäglichen Dingen zu lesen. Es ist so unglaublich nahbar geschrieben, dass man förmlich mit Pusus dessen Leben und Aufwachsen zu teilen scheint. Man lernt dabei auch die häusliche Ordnung und das Machtgefüge der damaligen Zeit kennen, den „Wert der Dinge“ und die Huren und Sklaven als Menschen. Wie schon erwähnt beschreibt die Handlung nur einen kleinen, wenn auch bedeutenden Ausschnitt in Pusus‘ Leben. Gerne hätte ich erfahren, wie dieses weiter ging, was ihn noch erwartet hat und wie er sein biblisches Alter erreichen konnte. Aber vielleicht wird die Erzählung ja auch in einem Folgeband fortgeführt.
Für mich ist es jedenfalls eines der Bücher, die mich sehr beeindruckt haben und mir noch lange im Gedächtnis bleiben und mich beschäftigen werden.
Unausgereift
Kaya Silberflügel - Das Geheimnis der magischen Federn von Nelly Möhle
Leider wurde ich mit diesem Buch ganz und gar nicht warm. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, dadurch und dass sich die Handlung nur langsam entfaltet, war ich drauf und dran das Buch zur Seite zu legen. Lange Zeit geschieht nicht wirklich etwas. Dazu ist alles etwas wirr. Kaya hat kaum Informationen über das Volk der Avanoste, aber agiert wie selbstverständlich in ihren Reihen.
Auch die anderen Charaktere wirken eher flach und unausgereift. Milan wechselt problemlos die Seiten, die beste Freundin hilft ohne zu hinterfragen. Ich weiß nicht recht… Und dann ist da dieses Amulett, das auf mich sehr stöhnend wirkte. Die Idee dahinter mag interessant sein, doch die Umsetzung ist seltsam. Warum bitte soll ein Vogel mit Amulett fliegen? Wie soll das gehen? Das ist doch alles sehr umständlich und auch auffällig. Ja, für mich ist diese Geschichte nicht ganz ausgereift und hat mich weder gut unterhalten noch beflügelt.
Wortschatz?
Die Butterbrotbriefe von Carsten Henn
Die Idee mit Briefen die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten und auch damit die betreffenden Personen zu konfrontieren, klingt erst einsam recht spannend. Aber so ganz wird mir Kathis innerer Antrieb dies tun zu müssen nicht klar. Alles hinter sich lassen könnte sie auch ohne andere vor den Kopf zu stoßen.
Kathi hatte eine nicht gerade einfache Kindheit. Sie wird von der zwischenzeitlich verstorbenen Mutter abgelehnt, scheint dies aber nie wirklich begriffen zu haben. Wie sehr aber ihre Mutter ihr Leben wirklich bestimmt hat erfährt sie erst durch die eigenen Briefe und die Reaktionen der Leute.
Severin, ein Landstreicher aus eigenem Antrieb purzelt etwas plötzlich in Kathis Leben. Er, der selbst mit seiner Vergangenheit hadert verliebt sich in Kathi. Von dieser Liebe ist jedoch wenig zu spüren. Vielmehr begleitet er Kathis Suche nach sich selbst und bereichert die Geschichte mit seiner eigenen Vergangenheit.
Ich schwanke bei diesem Hörbuch sehr in meiner Meinung. Die Handlung wirkt auf mich schon etwas skurril und konstruiert und doch stößt sie tiefgründige Gedankengänge in mir an. Wirklich warm wurde ich mit den Protagonisten aber nicht. Da half auch Steffen Groths wunderbare Stimme nicht.
Wenig geheimnisvoll
Brynmor University - Geheimnisse von Dominik Gaida
So dark, wie ich dachte war dieses Buch gar nicht! Es ist vielmehr eine wunderschöne Liebesgeschichte, die zwar überschattet wird vom Unfall von Sams Bruder, aber dennoch einen großen Teil der Handlung einnimmt.
Sams Bruder verunglückte in seiner Zeit auf der Universität und liegt seither im Wachkoma.
Was genau vorgefallen ist, weiß niemand. Doch Sam lässt dies keine Ruhe. Er schreibt sich selbst in Brynmore ein um endlich Klarheit über den Unfall seines Bruders zu bekommen. Steckt womöglich eine dubiose Studentenverbindung hinter dem Unglück? War es überhaupt ein Unfall oder gar eine schief gelaufene Mutprobe? Stattdessen trifft er dort auf den überaus smarten Connor und Sam beginnt sein Leben wieder zu lieben. Und Connor.
Die Romanze zwischen den beiden Jungs ist sehr schön beschrieben. Sie wirkt wunderschön natürlich und weder aufgesetzt noch übermäßig dramatisch. Doch verliert sich dadurch der düstere Aspekt des Buches für mich zu sehr und auch das Ende war dann doch recht vorhersehbar.
Sieht man davon ab und sucht nur eine romantische LGBTQ+ Geschichte, kann ich aber dieses Buch nur sehr empfehlen.
Hoffnung in der Not
Wie ein Stern in mondloser Nacht von Marie Sand
Vorsicht: Zu Beginn des Buches wird über Abtreibung und Entwicklungsstand des ungewünschten Kindes gesprochen. Auch Selbstmord, Armut, Not und häusliche Gewalt sind Teil der Handlung.
Die Buchbeschreibung suggeriert eine Geschichte der Entstehung der Babyklappe. Doch letztendlich ist es die um nur ein einziges Bettchen, aufgestellt für einen bestimmten Fall.
Und es ist Hennis Lebensgeschichte. Doch von ihrem täglichen Leben als Hebamme und ihren Patientinnen erfährt man erstaunlich wenig und nur eine Handvoll Frauen finden im Buch tatsächlich Erwähnung. Diese Frauen aber haben wesentlichen Anteil am Verlauf der Geschichte und Hennis Werdegang.
Henni ist ein sehr starker und bewundernswerter Charakter, der auch mal eigenmächtig handelt um zu erreichen was sie sich vorgenommen hat. Ihre Geschichte wurde sehr nahbar und mitreißend geschildert, so dass sie mich rasch gefangen genommen hat. Ich bin jedoch mit ganz anderen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Statt einer auf Wahrheiten beruhenden historischen Geschichte handelt es sich hier um einen emotionalen, fiktiven Roman. Nichts desto trotz ist es eine wunderbare und beeindruckende Handlung, die mir sehr gut gefiel.











