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Rezensionen von *RC*:

Bagger, Kipper, Kran und Co

Wieso? Weshalb? Warum? Band 7 - Fahrzeuge auf der Baustelle von Andrea Erne

Wieso? Weshalb? Warum? - Das ist eine fantastische und interessante sowie vielseitige Sachbuchreihe aus dem Ravensburger Verlag, die sich an junge, neugierige und wissbegierige Kinder im Alter von 4-7 Jahren richtet. Die Bücher eignen sich hervorragend zum Vorlesen aber auch für Erstleser zum selber lesen – ich würde sogar studieren sagen, da hier Wissen auf kindgerechte Art und Weise vermittelt wird.

Und auch als Erwachsener kann man hier so einiges lernen, da alles einfach und verständlich erklärt wird.
Dieses Buch ist echt der Hammer! Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass die Vielfalt der Baustellenfahrzeuge so gigantisch ist.
Mir gefällt besonders, dass eine kleine pfiffige Ameise in Arbeitsmontur (Hose, Warnweste, Helm, Handschuhe und Schuhwerk) den Leser von Seite zu Seite begleitet und passende amüsante Kommentare abgibt.
So wandert man im Buch vom Baumaschinendepot zu diversen Baustellen (Hausabriss und -bau, Großbaustelle, Tunnel- und Straßenbau, Kinder-Spielplatz und Kiesgrube).
Hier wird dann einem vor Augen geführt, dass bei der Vielfalt der Dimensionen auch die Anforderungen an die Maschinen extrem unterschiedlich ist. Denn Bagger ist nicht gleich Bagger und Kran nicht gleich Kran.
Vermittelt wird dem Betrachter und Leser das Wissen durch Text und Bild. Es gibt immer einen Haupttext und ergänzende Texte zu den einzelnen Bildern (Bildunterschriften).
Der Text ist in einer einfachen, verständlichen aber dennoch sehr ansprechenden Sprache verfasst. Größen- und Mengenvergleiche helfen, sich das ein oder andere bildlich vorzustellen. Die Zeichnungen egal ob Baustellenfahrzeuge, Einsatzstätte oder Personen, sind sehr detailliert und farbenfroh.
Den Entdeckergeist fordern vor allem die vielen Klappbilder heraus, die das Buch auf allen Seiten enthält. So kann man beispielsweise beim Öffnen einer Klappe entdecken, wie es unter der Motorhaube eines großen Kippers aussieht und gleichzeitig sehen, welch großes Fahrzeug auf einen Radlader passt.
Lobend möchte ich auch hervorheben, dass auf den verschiedenen Baustellen Frau und Mann zusammenarbeiten, so dass klar wird, dass diese Berufe nicht nur von einem bestimmten Geschlecht ausgeübt werden – Gleichberechtigung wird hier thematisiert. Prima!

Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen, da alles kurz und knapp erklärt wird und man einen super Ein- und Überblick über Einsatzfahrzeuge auf den verschiedensten Baustellen bekommt.

Man muss kein Technik-Freund sein, um dieses Buch ins Herz zu schließen. So vergebe ich 5 Raupen – ich meine 5 Sterne!

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„Sacrebleu“, so flucht ein Geist mit Manieren

Eddie Fox und der Spuk von Stormy Castle (Eddie Fox 1) von Antje Szillat

Wenn nach mehr als 200 Jahren Leben in die Schlosswände einkehrt, dann wird’s dem Geist zu bunt....

Eddie ist ein 'junger' Geist und ca. 299 Jahre alt. Aber er sieht noch sehr jung aus. Das kommt daher, weil er mit zehn dreiviertel Jahren gestorben ist und in der Hülle des damals kleinen Jungen auf Schloss „Stormy Castle“ herumgeistert.

Eddie, eigentlich Graf Edward Donald Darius Ignatz Eliot von Fox Und Wood, liebt sein beschauliches und ruhiges Leben auf seinem Schloss. Aber ganz alleine ist er doch nicht. Mit dabei ist meistens seine Fledermaus-Freundin Mathilda – kurz Tilla.
Aber eines Tages kann er seinen Augen fast nicht trauen. Im Innenhof herrscht reges Treiben, Möbel, Tische und Bänke werden hin und hergeschleppt. Und Tilla erklärt ihm, dass sie mitbekommen hat, dass das Schloss ('sein' Schloss) zu einer Schule umgebaut werden soll. Dies ist für Eddie die reinste Horrorvorstellung – vor allem deshalb, weil er Kinder absolut nicht ausstehen kann, schließlich hat er damals als Schüler schlechte Erfahrungen mit Klassenkameraden gemacht. Nun muss er sich was einfallen lassen. Er muss verhindern, dass diese irrsinnigen Pläne Gestalt annehmen. Sein Glauben, ein wenig rumzuspuken würde genügen um die Eindringlinge davonzujagen, wird sofort erschüttert. Auch schärfere Maßnahmen führen nicht zum Erfolg. Es nützt alles nichts. Im Gegenteil, Pia, die Tochter der Schuldirektorin findet es sogar aufregend, dass es auf dem Schloss nicht mit rechten Dingen zugeht. Eddie ist recht niedergeschlagen und möchte am liebsten das Weite Suchen. Aber da hat er die Rechnung ohne den Wirt – ähm Hausdrachen Golfo und Tilla – gemacht. Und die Vertreibungsjagd geht weiter, bis dass Pia ihn entdeckt und sich ihm an die Fersen hängt. Ausgerechnet ein Mädchen, denn Mädchen sollen ja „schlimmer als Monster“ sein! Aber irgendwie imponiert und gefällt es Eddie dann doch, dass Pia irgendwie besonders ist. Und bald schon ist seine Abneigung wie weggeblasen...

„Eddie Fox und der Spuk von Stormy Castle“ ist eine wunderbare Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalten verpackt in einer kleinen und magischen Spukgeschichte. Der Schreibstil ist locker und witzig; man findet sich schnell ins Geschehen ein und kann sich die Protagonisten, die vorab auf liebenswürdige Art und Weise charakterisiert werden, gut vorstellen. Bei solchen Geschichten, die wunderbare und magische Fantasyelemente haben, finde ich es immer so berührend, dass Tiere – hier die Fledermaus Tilla und der Hausdrache Golfo – nahezu menschliche Züge haben, dass sie einem sofort am Herzen liegen. Man möchte sie am liebsten knuddeln und beneidet fast schon Eddie, solch treue Gefährten an seiner Seite zu haben.
Gut ist auch, dass die Geschichte in mehrere recht kurze Kapitel (16 Kapitel bei 192 Seiten) aufgeteilt ist, wobei zahlreiche nett gestaltete Illustrationen die Geschichte auflockern, so dass Erstleser oder „Mitschauer“ (die das Buch vorgelesen bekommen) vom vielen Text nicht erschlagen werden und sinnvolle Lesepausen vorgeschlagen bekommen.

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Paris - die Stadt der Hiebe!

Fehlstart von Marion Messina

Paris – die Stadt der Hiebe!


Das Leben in Paris ist ein Schlag ins Gesicht! Nichts ist schön in dieser „Monsterstadt“ (S.155), wo sich „unter dem Arsch des Eifelturms“ (S. 83) ganz Frankreich drängt, eine Stadt voll mit „Ramschläden, Taubenkacke (S.78), eine Stadt, in der für Familien kein Platz mehr ist und somit zur „Stadt ohne Seele“ (S.

103) wird.

Es ist ein interessantes Buch, ich kann nicht sagen, ob es gut oder schlecht ist, da ich richtig zwiegespalten bin wie schon lange nicht mehr. Ich bin auf Sätze gestoßen, die mich fasziniert haben, da ich ihn ihnen irgendwie ein Tiefe, wenn nicht sogar sprachliche Eleganz gesehen habe. Gleichzeitig war ich aber schockiert von banalen und vulgären Äußerungen, die ich abstoßend fand und die Leselust gehemmt haben. Ich hatte oft den Eindruck, dass Sex – neben 'Saufen' - das Einzige ist im Leben junger Sinn suchender, aber zum Scheitern verurteilter junger Menschen ist, diesem stressigen und widrigen Alltag zu entkommen.

Die in Frankreich viel gelobte Autorin Marion Messina ist 1990 in Grenoble geboren und studierte nach ihrem Abitur Politikwissenschaft und Agrarwissenschaft. Ihr Debüt-Roman „Fehlstart“ erschien in Frankreich bereits 2017 unter dem Titel „Faux départ“. Bei diesen Eckdaten könnte man fast meinen, dass der gesellschafts- und politikkritische Roman (auto)biographische Züge haben könnte, schließlich ist die Protagonistin Aurélie ebenfalls 1990 geboren und in Grenoble aufgewachsen. Es kann aber auch sein, dass diese biographische Übereinstimmung deshalb gewählt wurde, da sich Messina mit dieser Generation und den Problemen am besten auskennt und identifizieren kann und somit aus dieser Perspektive den hier angeprangerten Bildungsnotstand in Frankreich, die schlechte Wohnungs- und Arbeitsmarktsituation – vor allem der Hauptstadt - unter die Lupe nehmen vermag.

In dem Roman lässt sich für mich keine richtige Handlung erkennen. Die Probleme und der Alltag der Figuren werden aber gut beschrieben. Es sind aber immer deprimierende, triste und düstere Darstellungen, so dass man mit den Figuren nicht warmwerden kann, sondern eher mitleidig (von oben) betrachtet. Bei den fast schon animalischen sexuellen Bedürfnissen habe ich sogar schon etwas wie Abscheu und Verachtung empfunden.

Aurélie (19 Jahre), die nach dem Abitur glaubt, dem Arbeitermilieu mit dem Jura-Studium, das sie in ihrer Heimatstadt Grenoble beginnt, zu entkommen, wird bald ernüchtert. Sie kann in dieser neuen Welt keinen Fuß fassen und findet keinen Anschluss zu den Kommilitonen. Schon hier wird sie dermaßen ausgebremst. „Sie gehörte weder zur künftigen Elite noch zur nächsten Politkergeneration. Sie gehörte weder zur Zukunft noch zur Gegenwart“ (S.33). Zum Glück – oder zum Pech – lernt sie bei einem Putzjob den ein fünf Jahre älteren kolumbianischen Literaturstudenten Alejandro kennen. Es ist aber eine einseitige Liebe. Alejandro möchte ungebunden und frei bleiben. So bleibt es bei einer durch Gespräche und Sex geprägten Beziehung, für die sich Aurélie aber vollends aufgibt, sich schon beinahe nur durch ihn definiert: „Ohne Alejandro an ihrer Seite war sie niemand mehr“ (S. 71).
Alejandro, der sich immer mehr von seinem Heimatland Kolumbien entfremdet wird quasi zum Heimatlosen, zum Umherirrenden, da er auch in Frankreich nicht ankommt. Nachdem Alejandro den Studienort Grenoble verlässt um nach Lyon zu gehen, beschließt gleichfalls Aurélie in Paris ein neues Leben zu beginnen, was sich als Illusion entpuppt. Und auf einmal steht Alejandro wieder vor ihr; tja, man sieht sich immer zweimal im Leben.... Gibt es nach dem Fehlstart nun einen Neustart?

Ein in der Schwebe Existieren – es ist ja kein Leben – wird in diesem Buch gut herausgestellt. Weder Alejandro noch Aurélie finden eine richtige Wohnung (ist ja auch nicht bezahlbar); der Arbeitsstress in einem mehr oder weniger ihren Vorstellungen entsprechenden Arbeitsverhältnis laugt sie aus; es bleibt die Sucht nach dem und die Flucht in den Sex.

Dieses Buch ist nicht für zart besaitete gedacht, da Messina gnadenlos und schonungslos mit vielen Facetten des französischen Lebens abrechnet. Scheitern ist an der Tagesordnung. Sie teilt ordentlich aus, so dass man den Eindruck erhält, Frankreich (mit der seiner Hauptstadt Paris) ist ein zukunftsloser Ort auf einem absteigenden Ast.
Der Glanz und die Leichtigkeit, die man vom „savoir vivre“ hat, geht verloren – leider. Mut und Hoffnung ist vergeblich! Kein „vive la france!“

Die Idee, mit dem diesem kompakten Roman Kritik zu üben, gefällt mir. Beeindruckend, dass man so viel Anklagepunkte auf so wenig Seiten packen kann. Aber es ist schon ein mutig – wenn nicht sogar anmaßend – alles nur so einseitig schlecht und missmutig zu sehen. Deshalb konnte mich der Roman nicht vollends überzeugen.
Lesenswert aber kein ausgesprochenes Highlight!

✶ ✶ ✶ (✶)
3,5 Sterne

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„Jedes Herz hält unterschiedlich viel aus.“

Rikka - Wirklich für immer von Maiken Nylund

Die 10-jährige Rikka hat es momentan nicht leicht. Sie ist ein Patchwork-Familien-Kind. Sie sitzt in vielerlei Hinsicht zwischen den Stühlen. Ihre Freundin Lise ist in Tom aus der Nachbarklasse verliebt und möchte, dass sie ihn mit ihr verkuppelt, da Rikka und Tom schließlich Nachbarn sind. Das passt Rikka gar nicht, sie hat Angst, Lise an Tom zu verlieren.

Verliebt – Pah! So was kann nicht sein. Eifersucht und Neid machen sich breit, denn nun hat Lise ihr was voraus. Und dann muss Rikka alle Nase lang an den Wochenenden zu ihrem Vater, seiner neuen Frau Gunn und der kleinen Stiefschwester Sina, mit der sie gar nichts anfangen kann. Viel lieber würde sie daheim bleiben, damit sie mir ihren Freunden etwas unternehmen kann. Warum kann es nicht sein wie früher? Früher war die Welt - ihre Welt! - ja noch in Ordnung. Und jetzt, jetzt geht ihr sogar noch Lise aus dem Weg. Das tut weh.
In der rührenden, turbulenten und feinfühligen Geschichte kann man sich fantastisch in das Gefühlschaos der jungen Protagonistin, der momentan einiges abverlangt wird, hineinversetzen. Gut kann man ihre boykottierenden und bockigen Handlungsweisen verstehen, ohne es ihr aber übel zu nehmen.
Mir gefällt, dass letztendlich auch Rikka von dem Kribbel-Gefühl im Bauch überfallen wird, als im Nachbarhaus ein Junge in ihrem Alter einzieht, der offen auf sie zugeht und ihr zur Seite steht.

Für junge Leser ist dies ein tolles Buch, da hier der Wert der Freundschaft im Mittelpunkt steht, aber ebenso der Aspekt der Patchwork-Familien thematisiert wird. In der Geschichte geht es turbulent und witzig aber ebenso auch spannend zu. Mit dem Happy-End ist es auch ein richtiges Mut-Mach-Buch, das die Leser zuversichtlich stimmen lässt.
Die Zeichnungen im Buch lockern die Textseiten auf. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und jugendlich gehalten. Kurze Kapitel helfen, gezielt Lesepausen zu setzen.
Ein Hingucker ist vor allem auch das Cover: Rikka sitzt locker-lässig im Schneidersitz im Mittelpunkt der Titelseite und grübelt vor sich hin. Und was ihr so durch den Kopf geht, das sieht man um sie herum schwirrend auf dem Cover.
Ich kann das Buch wärmstens empfehlen, da die Geschichte sehr realistisch und lebensnah geschrieben ist. Wenn ich hier von Lesern schreibe, sollte ich aber schreiben, dass ich in erster Linie Leserinnen meine, denn ich sehr bei dieser Story insbesondere junge Mädchen als Zielgruppe.

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Eine Familie, die einem das Herz stiehlt

Familie von Stibitz - Der Riesenlolli-Raub von Anders Sparring; Per Gustavsson

Nomen est omen! Ja, Familie von Stibitz macht ihrem Namen alle Ehre. Naja, Ehre – ist das lobenswert, wenn jemand sich seinen Lebensunterhalt dadurch beschreitet, wenn er nur klaut?! Sicherlich nicht! Aber wir haben es hier ja mit einer kleinen Ganovengeschichte zu tun, bei der man sofort merkt, dass genau dieses „Stibitzen“ und das ständige Flunkern das Urkomische und Absurde den Witz / die Komik dieser kurzen Geschichte ausmacht.

Der Anfang der Geschichte ist so aufgebaut, dass man das Gefühl hat, Familie von Stibitz wohnt gleich um die Ecke, so dass sie einem dadurch schon sympathisch ist. Und das irrsinnige ist, dass, in den Augen der Familie, das schwarze Schaf der jüngste Spross ist. Ture will nicht klauen, er möchte wie der Nachbar der Familie Polizist werden.

Und da ja alles, was benötigt oder auch nicht gebraucht wird, geklaut (stibitzt!) wird, beschließt die Familie Tures Wunschgeburtstagsgeschenk – einen Riesenlolli – in in einer Nacht und Nebel-Aktion zu stehlen. Ein nicht einfaches Unterfangen, das mit vielen, vielen Hindernissen und Pannen versehen ist. Leider führt die Aktion nicht zum gewünschten Erfolg. Aber keine Angst, auch hier im Buch heißt es: Ende gut – alles gut (oder sogar besser!).
Das Buch ist aus meiner Sicht ein besonderes Buch. Es ist in einer wunderbar komischen Sprache geschrieben. Die Dialoge haben Pep, die Protagonisten sind charakterlich – irgendwie komödiantisch - gut gezeichnet.

Nicht zuletzt bekommt das Buch durch die tollen Zeichnungen einen fantastischen Schliff. Sie veranschaulichen das Gelesene auf eine herrlich-witzige Art und Weise, dass man alleine bei den vielen Bildern lange innehalten und schmunzeln kann.

Macher dieses wunderbaren Kinderbuches ist ein Schweden-Duo (Text: Anders Sparring; Illustrationen: Per Gustavsson). Wer denkt da dann nicht gleich auch an Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga usw.?
Diese Episode ist ein wunderbarer Auftakt zur Ganoven-Familien-Serie. Da freut man sich doch schon auf: „Familie von Stibitz – Die Ganoven-Omi“!

Dieses Buch hat die volle Sternen-Zahl echt verdient. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, diese sonderbar schräge Familie (mit Hund) kennenzulernen. Ich habe sie jedenfalls ganz in mein Herz geschlossen.

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Schlafen kann Kind überall

Wenn kleine Kinder müde sind von Reider Katja

Das handliche Papp-Bilderbuch „Wenn kleine Kinder müde sind“ (Katja Reider [Text] und Katja Senner [Illustration]) ist im Ravensburger Verlag erschienen und wurde in Zusammenarbeit mit der Elternzeitschrift 'Eltern' entwickelt. Es ist in der Reihe 'mini steps' und für junge Leser/innen ab 12 Monate gedacht.

In einer einfachen und kindgerechten Sprache werden die die gesamten Seiten einnehmenden Illustrationen beschrieben. Mal sind es kurze Sätze, mal sind es kleine Fragen, die – das finde ich besonders gelungen – in Reimform gehalten werden. Reime sind klasse, denn was sich reimt, das bleibt eher im Kopf. Die Zeichnungen sind herzallerliebst gezeichnet, die Kinder (Jungen und Mädchen unterschiedlichster Couleur) strahlen Zufriedenheit und Ruhe aus. Beim Blättern des Büchleins stellt man mit Erstaunen fest, dass, wenn die Müdigkeit die Kinder 'fängt', dass überall geschlafen werden kann: Fußboden, Hochstuhl, Tragetuch etc.. Aber seht selbst!

Das Papp-Bilderbuch umfasst 24 stabile – relativ dicke und abgerundete – Papp-Seiten und ist daher recht robust und kann getrost kleinen Kindern überlassen werden, so dass sie sich eigenständig das Buch anschauen können. Dabei wird unter anderem die Feinmotorik geschult aber auch das Beobachten der einzelnen im Buch dargestellten vielfältigen Szenen, in denen es immer Neues zu entdecken gibt, sei es ein kleiner Rabe auf einem Schild oder eine Katze auf einem Dach. Dadurch dass unterschiedliche Kinder die Hauptprotagonisten sind, glaube ich, dass selbst kleine Kinder es schaffen, mit den kleinen 'Persönchen' mitzufühlen.
Allein das Cover – ein kleiner Junge der beim Lesen im Bett eingeschlummert ist, ist schon ein Hingucker, da es durch eingearbeitetes Silber einen Glitzereffekt hat. Ein kleines Guckloch verrät schon, was einen auf der nächsten Doppelseite erwartet.

Der Preis von 5,99 Euro ist bei der hochwertigen Aufmachung meines Erachtens sogar ein echtes Schnäppchen. Ich kann dieses warmherzige Büchlein nur empfehlen, da es sicherlich nicht nur als 'Gute-Nacht-Geschichte' gefragt sein wird.

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Perfekt ist Ansichtssache

Eine fast perfekte Welt von Agus Milena

„Eine fast perfekte Welt“ ist ein melancholisch schöner und zum Nachdenken anregender Roman, über ein Gefühl und den Wunsch, es 'perfekt' haben zu wollen. Wie kommen wir dahin und was können wir dafür tun?
Auf 205 Seiten, aufgeteilt in 50 kurze Kapitel, werden wir in eine sardische Familiengeschichte entführt, die drei Generationen umfasst.

Sie beginnt mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und endet in der Gegenwart.

Ester, die das Leben in ihrem kleinen Ort auf Sardinien unerträglich findet, wartet den ganzen Krieg auf die Rückkehr ihres Verlobten Raffaele und darauf, dass er sie endlich heiratet und sie aus der Misere ihres öden Lebens rettet. Nach der Hochzeit gehen sie gemeinsam nach Genua, später nach Mailand. Die Zuversicht oder die Hoffnung, dass das Leben auf dem Festland besser wird, wird schnell getrübt. Auch hier bekommt sie keinen Fuß auf den Boden und hadert mit sich und der Welt. An allen und allem hat sie etwas auszusetzen. Überzeugt, dass eine Rückkehr nach Sardinien – ihre Heimat - sie wieder aufleben lässt, bringt sie zum Entschluss, wieder zurückzukehren. Und wieder kann sie sich nicht einfinden, dass 'alte' Leben gibt ihr nichts, außer Grund zum Nörgeln.
(Da habe ich mich gefragt, wie man(n) mit einer Frau wie dieser zusammen sein kann....)

Lichtblick in der Geschichte ist für mich Felicita, die Tochter von Ester und Raffaele. Sie zeigt sich als genau das Gegenteil von Ester. Ich denke, sie wird in der Geschichte bewusst den Namen Felicita bekommen haben, denn ihr Name bedeutet „die Glückliche“. Sie ist aufgeweckt, gutmütig, feinfühlig, geduldig und mutig und schafft es, sich mit sämtlichen Umständen zu arrangieren, ihnen meistens sogar etwas Positives abzugewinnen. Als sie ungewollt schwanger wird, eine Hochzeit mit dem Kindsvater – einem aus guten, reichen Hause stammenden jungen Mann - aber nicht stattfindet, zieht sie alleine nach Cagliari und bekommt ein Zimmer bei einer alleinstehenden eigenbrödlerischen Frau namens Marianna. Zwischen beiden Frauen entwickelt sich im Laufe der Zeit eine vertrauensvolle Freundschaft.

Felicita bringt einen Sohn zur Welt, den sie Gregorio nennt. Gregorio ist aber ein problematisches, Kind, das sich schwertut, sich in der Gemeinschaft mit anderen Kindern zurechtzufinden. Er wird zum Außenseiter, den fast alle Kinder meiden. Das einzige, was ihn interessiert ist die Musik, insbesondere das Klavierspielen. Und durch die Musik findet er zudem eine besondere Beziehung zu seinem Großvater Raffaele, der einst nach der Gefangenschaft und die Befreiung durch die Amerikaner die Liebe zum Jazz entdeckt hat. Auch wenn Felicita ein einfaches Leben führt – sie verdient sich ihr Geld, indem sie aus Müll Haushaltsutensilien herstellt - unterstützt sie ihren Sohn und ermöglicht ihm, seinen Musiktraum zu erfüllen und lässt ihn nach New York (sein 'Gelobtes Land') ziehen.

Der Roman ist ein stiller und tiefsinniger, melancholischer Roman. Die Handlung ist nicht spektakulär, aber die Charaktere sind vielschichtig und gut gezeichnet. Ich konnte mich in jede Lage hinein versetzen, aber bewundert habe ich vor allem Felicita, die der Welt positiv gegenüber steht und sich nicht entmutigen lässt und es schafft, auf alle Leute zuzugehen, sie nimmt, wie sie sind. Ihre Herzlichkeit und ihr Optimismus sind auch Grund dafür, dass viele ihrer Mitmenschen von ihren verbohrten und festgetretenen Standpunkten heraustreten, über ihren Schatten springen und der Welt offener gegenüber treten.
Während nämlich die eher pessimistisch eingestellte Ester - egal wo sie ist - sich fragt, „Wie schafft man es bloß, an einem Ort wie diesem zu leben?“ (S. 55), ist Felicita optimistischer eingestellt und meint, „dass es keinen Ort auf der Welt gibt, wo man sich nicht wohlfühlen kann“ (S. 104).
Und diese Eigenschaft, die Felicita an den Tag legt ist für mich eine Aufforderung, mal den Blickwinkel auf die Welt anders zu richten, nicht immer nach was Besseren streben, sondern auch mal mit dem zufrieden sein, was ist.
Denn, wer immer sucht, kommt nie an!

Man sollte sich beim Lesen des Buches ruhig Zeit lassen und die Sätze, und die teils tiefsinnigen / bewegenden Dialoge wirken lassen. Die Geschichte hallt bei aller „Ruhe“ des Romans nach.

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Hyperaktiver Chaosstifter

Chilli, ich und andere Katastrophen von Antje Szillat

Ein kleines Feuerfrettchen schleicht sich in das Herz eines Jungen und wirbelt sein Leben durcheinander.

Der elfjährige Jelko hat es nicht leicht. In der Schule ist er den fiesen Attacken insbesondere seines Mitschülers Bert Branco ausgeliefert und seine Mutter ist fast schon eine Glucke. Zum Glück hat er aber eine beste Freundin: Lotte.

„Lotte und ich, wir haben keine Geheimnisse voreinander. Höchstens miteinander“ (S. 42). Aber diese Freundschaft wird fast schon auf die Probe gestellt, als eines Tages unverhofft Chilli, ein Feuerfrettchen / ein „Glücksfrettchen“, das zaubern und sich verwandeln kann, in Jelkos Leben tritt. Es ist also ein besonderes Frettchen, das sich nur Jelko in seiner wahren Gestalt zeigt. Chilli ist nur für Jelko da und erfüllt seine Wünsche. Sind andere in seiner Nähe, so verwandelt er sich ruckzuck in irgendetwas anderes. Chillis Eifer, Jelko zur Seite zu stehen, ihm zu helfen, ist aber mit Pannen verbunden. Und diese Missgeschicke, die sich durch die Geschichte ziehen, bringen Schwung und Witz in diesen wunderbaren kurzweiligen Roman, der in einer frechen, kind-zeitgemäßen Sprache geschrieben ist.
Beim Lesen schließt man Jelko sofort ins Herz; aber auch Chilli, der mit seinem Senf-Spleen und seinen selbst den Leser anzuschmachtenden Glubschaugen, uns um den Finger zu wickeln vermag.

Wunderbar sind auch die im Comic-Stil gehaltenen Zeichnungen, die zu genüge die Seiten auflockern. Mir gefällt auch, dass einzelne Wörter immer wieder dick oder/und in einem anderen Schriftstil hervorgehoben werden. Sie unterstreichen die Gefühle und die Gedanken Jelkos und bringen Schwung und Raffinesse ins Textbild.

Es ist eine herzliche und humorvolle Geschichte, die sich mit dem Thema Mobbing, Freundschaft und Mut / Selbstbewusstsein beschäftigt und aus der die jungen Leser lernen, dass manchmal kleine Veränderungen im Leben Großes bewirken können. Ich gebe die absolute Leseempfehlung, auch deshalb, weil viele gebrauchte Wörter absolut dem heutigen Slang entsprechen und somit ein hohe Authentizität vermitteln.

Ich würde es begrüßen, wenn es einen Folgeband zu der Geschichte um das Feuerfrettchen Chilli geben würde, da ich den kleinen Wirbelwind ebenfalls sehr liebgewonnen habe.

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Weihnacht – Eine Nacht zum Weinen?!

Die Weihnachtsgeschwister von Alexa Hennig von Lange

Alexa Hennig von Lange hat sich ein alltägliches oder ein alljährliches Thema für ihren kurzen und kurzweiligen Roman herausgesucht.
Es geht um das Familienfest Weihnachten! Provokant und mit spitzer Zunge erzählt sie die Geschichte dreier erwachsener Geschwister, die sich „alle Jahre wieder“ bei ihren Eltern treffen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern.

So platzen Tamara, Elisabeth und Ingmar mir ihren Kindern und (Ehe)Partnern bei ihren Eltern einen Tag vor Heiligabend herein. Das Treffen ist irgendwie Tradition, aber keiner scheint sich richtig auf das Aufeinandertreffen zu freuen. Beim Lesen spürt man sofort, dass das Geschwisterverhältnis extrem angespannt ist. Missgunst, Neid, Unverständnis und Eifersucht bestimmen stets unterschwellig die verbale und nonverbale Kommunikation. Sarkasmus und Ironie dürfen natürlich auch nicht fehlen. Aber jeder fällt im gemeinsamen Elternhaus auch wieder zurück in die gemeinsame, vertraute Kindheit zurück. Hier haben sie die gemeinsamen Wurzeln.
Alexa Lange von Hennig gelingt es, diese vielschichtige Dimension jenes Familientreffens gekonnt durch mehrfachen Perspektivenwechsel darzustellen. Die kurzen Sätze schaffen es, dass man sofort in die Geschichte einsteigen kann. Mir fiel es leicht, dieses soziale Drama nachzuvollziehen. Es war, als blicke man in einen Spiegel. Vielleicht wird manch einer meinen, es wäre etwas übertrieben, aber in meinen Augen trifft sie den oder einen Kern. Denn so, oder so ähnlich, kann sich eine Familie, die früher - als die Kinder noch Kinder waren - vereint und harmonisch unterm Baum gefeiert haben, entwickeln. Man driftet auseinander, hält aber innerlich am Gemeinsamen fest. Aber keiner schafft es, den ersten Schritt auf das im Herzen tief ersehnte Miteinander zu wagen. Ist es Stolz?!
Aber was wäre eine Weihnachtsgeschichte, die nicht gut ausgeht? Zu viel will ich nicht verraten, aber auch hier gibt es schließlich und letztendlich den „Geist der Weihnacht“, der gekonnt durch eine geschickte Aktion der Eltern eingefädelt wird. Und am Ende lernt man, was Familie ausmacht!

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Vom ersten Satz war ich gleich mit dabei. Alle drei Geschwister, deren Partner und Kinder, mit ihren Nöten, Bedenken und Argwohn aber auch Wünschen konnte ich bestens nachvollziehen. Man muss nicht extrem konzentriert lesen. Aufgrund der einfachen Sätze hat man beim Lesen genügend Zeit, sich über seine eigene Familie Gedanken zu machen. Und somit hat der zu Herzen gehende und durchaus tiefsinnige Roman für mich neben einem unterhaltenden / unterhaltsamen Charakter auch einen Finger-zeigenden Wert, da er zum Nachdenken auffordert.

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Sternenhimmel über'm Kochtopf: Jeden Tag genießen

Rachs Rezepte für jeden Tag von Christian Rach

„Große Küche für kleines Geld“, so heißt der Untertitel des Kochbuchs. Und da wird nicht zu viel versprochen. Das Kochbuch ist einfach großartig. Die Rezepte sind wahnsinnig vielseitig. Und in der hochwertigen 240 Seiten (schönes dickes, leicht angerautes Papier) dicken Rezepte-Sammlung wird viel geboten.

Die Gerichte werden auf einer Doppelseite präsentiert, also, auf der einen Seite die Anleitung für die Zubereitung und auf der anderen Seite kann man sehen, wie man das fertige Gericht nahezu kunstvoll auf dem Teller anrichten kann. Vor einem dezent-grauen Hintergrund ist jeweils eine Portion abgebildet. Das sieht richtig gut aus, da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Da war ein echter Profi am Werk! Die Vorgehensweise bei der Zubereitung ist sehr übersichtlich, da die einzelnen Arbeitsschritte in gut von einander abgehobenen Textblöcken auf der Seite platziert sind.
Das Buch ist wie ein wahres, zauberhaftes Bilderbuch, durch das man auf der Suche nach „Was-koch-ich-denn“ reist. Beim das Richtige-Finden helfen auch die kurzen und prägnanten Schlagwörter, die anzeigen, in welche Richtung diese Mahlzeit geht, wie beispielsweise: „zum Sattesssen“, „schnell und fein“, „raffinierte Kombi“, „südlich leicht“, „frühlingsfrisch“, „herzhaft und köstlich“, „ofenfrisch“, „mexikanisch“ etc.

Die einzelnen Kapitel sind: Salate, Suppen & Eintöpfe, Gemüse, Ofengerichte, Nudeln & Reis, Fisch & Meeresfrüchte, Geflügel & Fleisch, Süßes & Desserts sowie Grundrezepte.

Mir gefällt, dass dem Gemüse hier ein großer Stellenwert eingeräumt wird. Bei dem Rezepten findet man ein internationales, globales Spektrum, so dass neben Kartoffeln, Reis und Nudeln auch Couscous, Falafel, Bulgur, Polenta etc. ins Gericht gezaubert werden.
Vereinzelt findet man auch zu den einzelnen Rezepten auf der Bildseite über dem abgebildeten Gericht einen „Rachs-Profi-Tipp“, was man bei der Zubereitung beachten sollte und/oder wie man noch mehr 'Bums' der Köstlichkeit verpasst. (Es darf sich ja von selbst verstehen, dass frische Kräuter das A&O und somit die halbe Miete für ein gutes Gelingen sind.)

Ich finde es schön, dass hinten im Buch ein kurzes Kapitel („Grundrezepte“) eingebunden ist, in dem gezeigt wird, wie man diverse Brühen, Dressings, Saucen und Öle – teils auf Vorrat – einfach ohne viel SchnickSchnack selber machen kann.
Ich habe in dem Buch viele neue Rezepte gefunden, die mich richtig anlachen und anmachen; außerdem habe ich Inspirationen erhalten, meinen Speiseplan-Alltag zu erweitern.
So hat mich z.B. das Rezept der „Pizza mit Zitrone“ besonders überrascht, vom „Bananen-Zimt-Quark“ war ich richtig geflasht.

Meiner Ansicht ist es ein wenig übertrieben, dass die „Rezepte für JEDEN TAG“ sein sollen. Für mich sind sie alle etwas Besonderes. Aber man kann es auch sehen: Hier wird der Alltag zu was Besonderem. Alltagsküche soll kein provisorisches und langweiliges, sich immer wiederholendes Notkochen sein. Wer sich gut vorbereitet und plant, der schafft es, mit dem Kochbuch regelmäßig ohne großen Aufwand und ohne tief in die Tasche greifen zu müssen ein kulinarisches Event zu zaubern. Und ich denke, jeder wird doch so flexibel und kreativ genug sein, mit etwas Fantasie, diese Gerichte seinen Ansprüchen/Vorlieben und Möglichkeiten anzupassen.

Und das Ziel / die Quintessenz ist – und da stimme ich Rach voll zu: „Kochen ist einfach, macht Spaß und kostet nicht viel – ich weiß jetzt auch, wie es geht (S.7)“

Das Buch kann ich wärmstens empfehlen und gebe 5 Sterne. Ein tolles Geschenk für Hobbyköche und die, die es werden wollen!

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