Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Julia:
Weitreichende Familiengeschichte
Beeren pflücken von Amanda Peters
Die jüngste Tochter (Ruthie) einer einer Mi'kmaq-Familie, die jedes Jahr als Erntehelfer nach Maine kommen, verschwindet spurlos. Ich glaube den Lesenden ist bereits beim Klappentext klar, um wen es sich bei Norma handelt und wir erfahren im Laufe des Buches immer mehr über ihre Kindheit und ihren Weg ins Erwachsenenleben.
Immer eingeschränkt durch ihre Helikoptermutter, die sie quasi mit Samthandschuhen anfasst und penibel darauf achtet, sie so gut es geht von der Außenwelt fernzuhalten.
Und dann gibt es noch Joes, den älteren Bruder von Ruthie, der sich selbst die Schuld am Verschwinden seiner Schwester gibt. Auch sein Leben lernen wir in Rückblicken kennen.
Beide Geschichten werden durch wechselnde Kapitel der beiden erzählt und es lässt sich wohl eine Sache festhalten: Die Entführung der kleinen Ruthie hat Auswirkungen auf beide Leben und das der beiden Familien, und diese sind überwiegend negativer Natur. Es handelt sich hier also nicht um einen Wohlfühlroman. Was dabei auch immer mit rein spielt, ist die Stellung der indigenen Völker, welche zur Zeit, in der die Geschichte spielt, einfach sehr schlecht war. Das merkt man am Umgang mit der Familie und an den nicht vorhandenen Polizeiarbeit, die das Verschwinden eigentlich aufklären sollte. Im Hintergrund steht hier das Thema, welches Kanada stark beschäftigt: Hier wurden bewusst indigene Kinder den Familien weggenommen und in Pflegefamilien oder Schulen eingerichtet, damit sie ‘kulturell angepasst’ werden können.
Der Schreibstil war angenehm zu lesen und hat für mich auch eine zur Geschichte passende, drückende Atmosphäre geschaffen. Ein Schicksalsschlag jagt den nächsten. Und auch wenn beide Lebensgeschichten nicht durchgehend fröhlicher Natur waren, so habe ich sie doch gerne gelesen und dann vor allem die guten Ereignisse noch mehr gefeiert. In diesem Buch wird ein wirklich wichtiges Thema mit eingearbeitet und für mich ist ein absolut gelungenes Debüt der Autorin!
Wenn Freiheit spürbar wird
Hearts & Falcons. Im Herzen wild und frei von Nora Lynn
In diesem Buch begleiten wir Hedwig bei ihrer Arbeit als Falknerin und den Vorbereitungen zum Jagdturnier, an dem bisher noch nie eine Frau teilgenommen hat. Eigentlich bestens vorbereitet, kommt ihr da aber noch Konrad dazwischen. Adelig und Großstadtmensch durch und durch. Er hat keine Ahnung von der Falknerei, möchte aber auch am Turnier teilnehmen und erpresst Hedwig, damit sie ihn unterrichtet.
Dieses Buch sprüht nur so vor Freiheitsgedanken und auch wenn Hedwig teilweise etwas starrköpfig ist, habe ich sie sehr schnell ins Herz geschlossen. Vielleicht auch deswegen, weil ich ihren Drang nach Freiheit und der Natur total nachvollziehen kann. Sie ist eine tapfere, junge Frau, die sich gegen die Regeln der damaligen Zeit auflehnt und sich nicht zu Herzen nimmt, was andere von ihr denken. Ihre freche Art, vor allem Konrad gegenüber, ist einfach nur herrlich zu lesen. Konrad hingegen ist ein total offener Mensch, der zwar seine Fehler hat, aber versucht, Dinge zu hinterfragen und zu verbessern.
Nicht nur die beiden sind wundervoll ausgearbeitete Charaktere, auch die Nebenfiguren, wie den Grafen oder Hedwigs Schwester Valerie, sind einfach wundervolle Figuren in diesem Roman. Und weil ich Hedwig und Konrad wirklich gerne hatte, hat das leider auch dazu geführt, dass ich sie an der ein oder anderen Stelle gerne einmal wach gerüttelt hätte. Die beiden tänzeln um sich herum, missverstehen den anderen ständig oder kommunizieren einfach nicht miteinander.
Die Geschichte baut ja auf den Grundgedanken des Jugendturniers auf. Bis wir da ankommen, bietet das Buch aber schon einiges an Höhen und Tiefen und das Turnier selbst lässt die Spannung dann nochmal richtig ansteigen. Der Schreibstil war super zu lesen und so bildhaft, dass man sich sehr gut in den Wienerwald und die Hütte von Hedwig hineinversetzen konnte. Die Geschichte hat mir so gut gefallen, dass ich das Buch am liebsten gar nicht mehr zur Seite legen wollte. Für Frauenpower und das Freiheitsgefühl gibt es daher eine klare Leseempfehlung.
Erdrückendes Gefühl
When the Rain Burns - Based on Sina's True Story von Justine Pust
Nach diesem Buch musste ich das Gelesene erst einmal sacken lassen und auch während des Lesens habe ich immer wieder kurz durchatmen müssen, weil ich das Thema sehr erdrückend fand. Und dazu muss ich sagen, dass ich nicht zu jeder dritten Frau gehöre, die so etwas schon einmal erleben musste. Umso fantastischer fand ich, dass Justine Pust dieses Thema für ihren Roman genutzt hat und dass Sina den Mut gefunden hat, über ihre Geschichte zu erzählen!
Der Schreibstil war flüssig und in seinem Sinne angenehm zu lesen, was bei dem Thema auch bedeutet, dass ich immer wieder wütend auf bestimmte Charaktere war oder einfach einen Klos im Hals hatte beim Lesen.
Die Charaktere und ihre Geschichten sind sehr gut ausgearbeitet und während man einige gehasst hat, hat man andere sofort ins Herz geschlossen und ich hätte Lina am liebsten ganz fest in die Arme geschlossen. Liam war nicht nur für Lina eine Wohlfühlperson, sondern auch für mich als Leserin. Seine Kapitel haben Wärme ausgestrahlt, aber auch immer wieder gezeigt, wie schwer er es hat und mit welchen Dingen er eigentlich zu kämpfen hat.
Wir begleiten Lina und Liam abwechselnd in ihren Kapiteln durch ihre Entwicklungen, Rückschläge und auch durch ihre Vergangenheit beim Amoklauf. Wir sehen wie beide mit dem selben ausschlaggebenden Ereignis in der Vergangenheit auf ihre eigene Art und Weise ganz unterschiedlich umgehen und ich habe beide total gerne auf ihrer Reise begleitet. Ich wollte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.
Ja, es ist ein schwieriges Thema.
Ja, dieses Buch ist kein Wohlfühlroman und nicht für jeden geeignet.
Aber es ist so wichtig nicht zu schweigen und auch solche Themen aufzugreifen, damit es noch mehr in den Vordergrund rückt. Denn “not all men, but all women”, eine sehr wichtige Aussage in diesem Buch! Für alle, die mit den Themen Trauma und toxische Beziehungen/Gaslighting umgehen können, kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen!
Zwischen Spice und Spannung
Kodiak Echoes – Hide me von Julia Pauss
Als ich das Cover gesehen habe, hatte ich erst gedacht: Oh Gott, da kommt der nächste vorhersehbare Roman. Aber schon anhand des Klappentextes erkennt man, dass es sich ganz und gar nicht um einen kitschigen Liebesroman handelt. Die Mischung aus Thriller und Roman wurde wunderbar umgesetzt und der Schreibstil hat das Buch für mich zu einem Pageturner gemacht.
Brynn kommt durch ein Zeugenschutzprogramm in die Einsamkeit Alaskas. Und neben der Tatsache, dass das für sie als Großstadtmensch schon schwer genug ist, gibt es da auch noch ihren griesgrämigen Nachbarn Archer. Die Geschichte wird überwiegende aus Brynns Sichtweise geschrieben, es gibt aber auch einige Kapitel aus Sicht von Archer. Beide Charaktere sind mir sehr sympathisch gewesen.
Beide haben ihre Geheimnisse und Päckchen zu tragen und nur stückchenweise erfährt der Leser immer mehr über die Geschehnisse in der Vergangenheit. Immer wieder kam es zu unerwarteten Wendungen und auch das Ende war für mich mehr als nur gelungen. Da es sich hier um zwei Bände handelt, hatte ich erst die Befürchtung, dass am Ende zu viele Fragen offenbleiben. Und es bleiben zwar ein paar Fragen offen, was die Spannung auf Band zwei erhöht, aber es werden auch genug Dinge aufgeklärt, sodass man nicht enttäuscht zurückbleibt.
Ich mochte die Geschichte wirklich sehr und hab mich in Kodiak Echos verliebt. Und auch wenn die Stadt nur erfunden ist, so basieren viele Details auf tatsächlichen Gegebenheiten. Ich freue mich auf jeden Fall auch in Band zwei nochmal dort hin reisen zu können und kann dieses Buch daher absolut empfehlen!
Einengend
Die Kammer von Will Dean
Eingesperrt auf engstem Raum kommt es plötzlich zum Todesfall in der Kammer der Sättigungstaucher. Was erst wie ein unbemerktes gesundheitliches Problem wirkt, ist schon bald nicht mehr so, als die zweite Person plötzlich stirbt.
Alleine der Gedanke daran, auf engstem Raum zu sein und nicht zu wissen, wieso die Leute um einen herum sterben, erzeugt schon ein bedrückendes Gefühl.
Durch den gelungenen Schreibstil aus der Ich-Perspektive und die knappen Kapitel wird dieses Gefühl dann noch einmal verstärkt. Man befindet sich mitten in einem Wettlauf gegen die Zeit und weiß nicht, wem man eigentlich noch trauen kann.
Die Welt der Sättigungstaucher war für mich bis zu diesem Buch eher unbekannt, dennoch bin ich bei der Geschichte gut mitgekommen, auch wenn ich den ein oder anderen Fachbegriff dann teilweise einfach nur überflogen habe, ohne mir konkret etwas darunter vorstellen zu können. Teilweise haben sich für mich Dinge zu oft wiederholt und beim zigten Mal dachte ich mir dann: ok, ich hab es jetzt wirklich verstanden. Vor allem in der Mitte der Geschichte gab es für mich auch immer mal wieder kleine Durchhänger. Dennoch wollte ich das Buch nicht aus der Hand legen, da ich natürlich unbedingt erfahren wollte, das dahinter steckt. Am Ende wurde die Spannung dann noch einmal richtig in die Höhe getrieben.
Ein sehr interessanter Thriller, der durch das ungewohnte Setting von Anfang bis Ende eine einengendes Gefühl verschafft und auch wenn mir an der ein oder anderen Stelle das gewisse Etwas gefehlt hat, ist dieses Buch auf jeden Fall lesenswert.
Emotionale Familiengeschichte
Vor hundert Sommern von Katharina Fuchs
Katharina Fuchs erzählt in ihrem Roman eine Familiengeschichte, die über mehrere Generationen hinweg prägend ist. Dabei erzählt Elisabeth über die Vergangenheit ihrer Tante Clara, die Anfang des 20ten Jahrhunderts aufgewachsen ist und eine wichtige Person in Elisabeths Leben war, auch wenn sie ihrer Familie kaum etwas über sie erzählt hat.
In drei Handlungssträngen begleiten wir die Frauen nun also bei ihrer Reise in die Vergangenheit. Aus Anjas und Lenas Sicht erfahren immer wieder etwas über die Geschehnissen in der Gegenwart, Claras Kapitel spielen im Jahr 1924/25, sowie 1933. Während man durch Clara einen Blick auf die kritischen politischen Entwicklungen und auch soziale Stellung der Frau zu ihrer Zeit erhält, schocken Anjas und Lenas Kapitel immer wieder mit vergleichbaren Entwicklungen und Antisemitismus in der heutigen Zeit.
Aber natürlich enthält dieser Roman neben dem dunklen Familiengeheimnis auch viele wunderschöne Momente, freudige Ereignisse und zeigt vor allem, wie stark die Frauen der Familie eigentlich sind. Der Schreibstil ist dabei super angenehm zu lesen und ich bin nur so über die Seiten geflogen. Neben den total spannenden Geschehnissen rund um Clara, habe ich aber auch total gerne die Entwicklung von Lena und Anja mitverfolgt und fand es super, wie die unterschiedlichen Generationen aufgegriffen und wiedergegeben wurden.
Ein wirklich packender historischer Roman, der noch einmal deutlich unterstreicht wie wichtig das Verständnis für die Vergangenheit auch heute noch wichtiger den je ist. Und auch wenn er größtenteils fiktiv ist, fand ich sehr gelungen, wie die Autorin auch ihre eigene, reale Familiengeschichte mit in das Buch eingebunden hat.
Ein Buch für die Seele und ein kleines Stück Paradies
Sommergold von Josephine Cantrell
In Sommergold werden wir in das wunderschöne Irland nach Eden Fields entführt, wo wir einerseits Loreena in der Gegenwart und ihre Vorfahrin Gwendolyn zu Beginn des 20. Jahrhunderts begleiten. Beide haben ihre ganz eigenen Schicksale und während Loreena selbst mit ihrer Zukunft kämpft, versucht sie herauszufinden, was damals mit Gwendolyn passierte und warum sie plötzlich verschwand.
Dazu kommt Sommerfeeling und Schmetterlinge im Bauch. Ein richtiger Wohlfühlroman, der allerdings auch immer wieder von den Schattenseiten unterbrochen wird. Denn die beiden Schicksale sind nicht immer einfach und man fiebert mit beiden Frauen gleichermaßen mit.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und immer wenn wieder aus Sichtweise der jeweils anderen erzählt wurde, freute ich mich einerseits endlich mehr zu erfahren, andererseits wollte ich natürlich auch wissen, wie es mit der anderen Person weitergeht. Der Schreibstil und die Geschichten der beiden jungen Frauen fesseln auf jeden Fall und lassen einen die Sorgen des Alltags vergessen. Ich habe es geliebt, Zeit in dem kleinen Paradies Eden Fields zu verbringen und freue mich noch mehr, dass die Geschichte der beiden noch nicht zu Ende ist. Denn auch wenn sich der zweite Teil nicht primär um Lori und Gwen drehen wird, hoffe ich doch noch ein wenig mehr zu erfahren, was die beiden aus ihrem Leben gemacht haben oder noch machen werden.
Josephine schafft es, mit ihrem Schreibstil nicht nur Eden Fields, sondern auch die Charaktere so herzlich zu zeichnen, dass man am liebsten direkt dorthin reisen und die Apfelfarm besuchen möchte. Wer Lust auf Sommer hat, der wird ihn in Sommergold auf jeden Fall finden! Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.
Die letzte Aufführung
Der Engelschlitzer (Thriller) von Gunnar Schwarz
Ein Mörder, der auf brutalste Art und Weise eine junge Balletttänzerin ermordet und sie wie einen Engel auf der Bühne inszeniert. Wer ist dafür verantwortlich und wieso musste die junge Frau sterben? Emma Bajetzky und Alex Kuper übernehmen ihrem neuen Fall und treffen dabei auf die Intrigen und dunkle Geheimnisse in der Ballettszene.
Doch dem/der Täter/in kommen sie irgendwie nicht auf die Schliche. Lange tappen sie bei ihren Ermittlungen im Dunklen und dabei verschwinden immer mehr junge Frauen.
Man verzweifelt beim Lesen fast, da man nicht nur das Gefühl hat, dass die Ermittlungen nicht voran kommen, sondern dass man auch merkt, wie hinderlich die Zeugen sind, da sie nicht möchten, dass ihre Geheimnisse ans Licht kommen. Am liebsten würde man einigen der Verdächtigten mal eine Ohrfeige geben, da ihnen ihre eigenen Geheimnisse wichtiger sind, als der Schutz der weiteren Opfer. Alleine, dass dieses Gefühl erzeugt werden konnte, zeigt mal wieder, wie gut der Schreibstil von Gunnar Schwarz ist. Er weckt bei mir einfach immer alle Emotionen und das Buch möchte man natürlich auch nicht mehr aus der Hand legen, da man unbedingt wissen möchte, wer hinter den Morden steckt.
Aber, auch wenn die Ermittler lange im Dunklen tappen, hatte ich doch relativ früh einen Verdacht, wer hinter allem steckt. Nur das Motiv war bis zum Ende eher unklar. Durch meine Vermutung, waren für mich die Ermittlungen, die in eine komplett andere Richtung, etwas schwierig zu verfolgen, da ich ja die Vorahnung hatte, dass alles in die komplett falsche Richtung geht. Wenn man aber, wie viele andere, keinen Verdacht hat, wer der/die Täter/in ist, dann ist es mal wieder Spannung pur bis zur letzten Seite. Auf jeden Fall kann man mit einem Thriller von Gunnar Schwarz nichts falsch machen, was auch dieses Buch mal wieder bewiesen hat.
Anders, als erwartet
Nell von Tobias Heuer
Der Klappentext verspricht hier eine total interessante Geschichte, über eine junge Frau, die sich 1932 in einem Spiegelkabinett verirrt und darin gefangen bleibt. Wie gut oder schlecht dieses Potential der Geschichte genutzt wurde, darüber lässt sich streiten, denn hier handelt es sich um eine Kurzgeschichte und da kann natürlich nicht alles mit so viel Tiefgang betrachtet werden, wie bei einem 500 Seiten Roman.
Aber genau das macht diese Geschichte meiner Meinung nach auch aus. Denn die Geschichte rund um Nell soll auch ein wenig die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit widerspiegeln und genau das schafft sie auf zwei Wegen. Einerseits durch die Knappheit der Geschichte, andererseits durch den sehr gelungenen Schreibstil des Autors. Während des Lesens kommt es immer wieder zu unvorhergesehenen und schnellen Wendungen.
Anfangs tat ich mich bei den Perspektivenwechseln innerhalb der Kapitel etwas schwer zu folgen, aus welcher Sicht wir die Geschichte gerade erleben, mit der Zeit kam ich aber sehr gut damit klar.
Die Kernaussage des Buches wird auf jeden Fall gut rübergebracht und auch noch einmal durch das Nachwort ergänzt. Eine aus meiner Sicht gelungene Geschichte, die zwar kurz scheint, aber auch im Nachgang immer wieder zum Nachdenken anregt.
Bewegende Schicksale
Suche liebevollen Menschen von Julian Borger
Wir alle kennen die Geschichte des zweiten Weltkrieges und wissen, welche grauenhaften Taten gegenüber Juden und anderen Menschen passiert sind. In diesem Buch erfahren wir etwas über eine ganz besondere Gruppe an Menschen: den Wiener Kindern, welche per Zeitungsanzeigen an Familien in England vermittelt und somit aus der Schusslinie gebracht werden sollten.
Der Vater des Autors war selbst so ein Kind und somit sind alle Geschichten immer wieder mit dieser Geschichte verknüpft. Die Kinder, welche auf der selben Zeitungsseite ihre Anzeigen hatten, wie der Vater. Und doch gibt es einen Unterschied: Der Autor hatte nie die Möglichkeit die Dinge aus Sicht seines Vaters erzählt zu bekommen und so kann er nur Mutmaßungen anstellen, ob sein Schicksal wohl dem der anderen Kindern geähnelt hat.
Man merkt, wie viel Mühe sich Julian Borger bei der Recherche zu diesem Buch gegeben hat und er deckt Teile der Geschichte auf, die mir so gar nicht bekannt waren. Denn wir lernen in der Schule viel über die Entwicklungen in Deutschland, jedoch nicht die, die in Österreich passiert sind. Für mich war das ein sehr spannender Einblick.
Die Schicksale der Kinder waren alle sehr unterschiedlich und hatten doch eins gemeinsam: sie gehen einem beim Lesen sehr nahe. Man möchte sich gar nicht vorstellen, welches Leid manche ertragen mussten. Da waren Geschichten dabei, die mir regelrecht eine Gänsehaut beschert haben.
Ein top recherchiertes Buch, mit vielen persönlichen Schicksalen, welche mit originalen Bildern noch einmal mehr unter die Haut gehen. Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung!











