Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tintenteufel:
Erste Liebe in London
Conni & Co 6: Conni, Mandy und das große Wiedersehen von Dagmar Hoßfeld
Conny, unsere Freundin aus Kindertagen, ist längst zum Teenie herangewachsen und darf nun mit ihrer Klasse zum Schüleraustausch nach Brighton und London. Dagmar Hoßfeld gelingt es wieder, sich in ihre junge Leserschaft hinein zu versetzen, und erzählt von der Aufregung bei der ersten Auslandsreise ohne Eltern, den ersten Erfahrungen mit den Schmetterlingen im Bauch und natürlich auch wieder von Familienbanden und guter Freundschaft.
Wie sie selbst im Nachwort berichtet, hat sie die Orte selbst vorher besucht, und so ist Connys Tagebuch ein authentisches Zeugnis eines aufregenden Besuchs in der unbekannten großen Stadt voll detaillierter Eindrücke. Jedes Kapitel startet mit einer hübschen kleinen Zeichnung von Barbara Karthues, in welcher die Kapitel-Nummer phantasievoll in das Geschehen der folgenden Seiten eingebunden ist. Dies rundet die nette Geschichte ebenso gut ab, wie Connis Tagebucheinträge und der altersgerechte Mix aus deutscher Sprache und ersten kleinen englischen Redewendungen. Ein rundum gelungenes Büchlein, das der Zielgruppe viel Freude macht!
Leicht, aber nicht seicht!
Das Pensionat am Holstentor: Frühlingstöchter von Anna Perbandt
Der Roman 'Frühlingstöchter' von Anna Perbandt spielt zur Jahrhundertwende in Lübeck. Die Komtess Eleonore von Jagov wird von ihrem älteren Bruder in ein Internat für höhere Töchter geschickt, damit sie das Benehmen lernt, welches von einer Tochter aus besserem Haus erwartet wird. Daraus entwickelt sich eine angenehm zu lesende Geschichte, in welcher überraschende Verbindungen und Zusammenhänge auftauchen und auch das Gefühl nicht zu kurz kommt.
Alle Schicksale, nicht nur Eleonores persönliche Bindung zum Stallburschen Karl und die Sympathie ihres Bruders für die junge Lehrerin Gesche Petersen, kreisen um die zentrale Frage, welche ökonomischen und gesellschaftlichen Zwänge dieser Zeit die individuelle Lebensplanung einschränken und ein Leben nach persönlicher Neigung sowie eine Ehe aus Liebe erschweren.
Ergebnis ist eine leichter, aber keineswegs seichter Roman für einen schönen gemütlichen Lese-Nachmittag!
Abenteuer und Sachbuch!
Ein Fall für die Forscher-Kids 4. Dino in Not von S. J. King
Dieses Büchlein ist der vierte Band der kleinen Forscherkids-Reihe, in der jeder Band ein Thema aufgreift, das bei Kindern beliebt ist: Wale, Weltall, Ägypten und hier die Welt der Dinosaurier. Die Protagonisten sind Kinder aus der ganzen Welt mit besonderen Interessen und Kompetenzen etwa in den Fachgebieten Geologie, Zoologie, Geschichte und anderen.
Diese werden zusammengerufen, um unter Anwendung ihres Fachwissens Abenteuer zu bestehen.
So kommt es zu einer geschickten Synthese von spannender Abenteuergeschichte und kindgerechter Wissensvermittlung. Schon im Text sind viele Informationen eingebunden, und zudem vertieft das anschließende Tagebucheintrag der beteiligten Forscherkids noch einige Themen. So wird den jungen Lesern subtil vermittelt, dass Wissen nicht trocken ist, sondern bei der Bewältigung verschiedenster Aufgaben helfen kann. Die Geschichte ist altersgerecht spannend und auch ein wenig witzig, und sie entwickelt sich schnell genug voran, um auch bei langsameren Lesern den Spannungsbogen und die Lese-Motivation hoch zu halten.
Die Schwarz-Weiß-Illustrationen, insbesondere die comicartig skizzierten Gesichter mit den verzerrten Mündern treffen nicht unseren Geschmack und tragen ebenso wie das minderwertige Papier leider nicht so zum Lesevergnügen bei.
Überwältigende interdisziplinäre Studie
Mutterhirn. Was mit uns passiert, wenn wir Eltern werden von Chelsea Conaboy
Chelsea Conaboy beschäftigt sich in diesem Buch mit der Frage „was mit uns passiert, wenn wir Eltern werden“. Als zweifache Mutter und Wissenschaftsjournalistin hat sie den persönlichen Erfahrungshintergrund und die intellektuelle Kompetenz sich diesem Thema sowohl aus eigener Betroffenheit wie auch aus theoretischem Interesse zu nähern.
Dies macht die besondere Qualität, aber auch die Problematik dieses Buches aus.
Auf 400 Seiten Fließtext, ergänzt um 60 Seiten Anmerkungen mit Quellennachweisen erläutert sie umfassend alle Aspekte des Elternwerdens aus Sicht der verschiedensten Disziplinen: von der Verhaltens- und Neurobiologie über die Erziehungswissenschaften und die Soziologie bis hin zu Geschichts- und Politikwissenschaften. In den neun Kapiteln nimmt sie jeweils eine persönliche Erfahrung als Ausgangspunkt für einen Problemkontext und erforscht die vorhandenen Studien und Literatur, um dieses Thema gründlich zu erforschen.
Dies ist im Prinzip ein gutes Mittel, um ihr persönliches Engagement und die wissenschaftliche Analyse zu verknüpfen, aber es mündet leider in einem relativ unübersichtlichen Wortschwall: Die Kapitel sind mit jeweils circa 50 Seiten ziemlich lang und nicht weiter untergliedert, und ihre kryptischen Überschriften verraten auch nur wenig über den zu erwartenden Inhalt. Die ausführlichen persönlichen Schilderungen bremsen den Lesefluss ebenso wie die detaillierte Benennung und Charakterisierung der beteiligten Wissenschaftler. Ja, Chesea Conaboy will zurecht darauf hinweisen, dass auch diese Wissenschaftler vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biographie und Sozialisation forschen, aber es fällt schwer, bei der Lektüre den roten Faden zu erkennen und im Blick zu behalten.
Aussagekräftigere Überschriften und eine erkennbare Untergliederung oder knappe Resümees würden dem Leser helfen, wirklich etwas aus dem Buch ‚mitzunehmen‘. So aber bleibe ich etwas verwirrt zurück, mit dem Gefühl viel Neues kennengelernt, aber gleichzeitig den Überblick darüber verloren zu haben. Schade, ein engagierteres und mutiges Lektorat hätte den Lesegenuss und Erkenntnisgewinn deutlich steigern können.
Eiskaltes Grillvergnügen!
Weber's Wintergrillbibel von Manuel Weyer
Weil die diesjährige Sommer-Grillsaison langsam zu Ende geht, möchte mein Mann seinem Hobby nun auch im Winter frönen. Und dieses Buch lässt keine Fragen offen: Von verschiedenen Grills und nützlichen Tools über Grill- und Räuchertechniken bis hin zu hilfreichen Vorbereitungstips ist alles beschrieben.
Die Rezepte wecken mit ganzseitigen Fotos Appetit und dokumentieren mit kleinen Abbildungen die einzelnen Zubereitungsschritte. Angaben zu Vorbereitungs- und Grillzeiten helfen bei der Planung, so dass die Gäste nicht warten müssen.
Nach 20 Jahren Erfahrung hatte ich Bedenken, wie viel Neues uns dieses Buch noch zeigen könnte, doch ich wurde positiv überrascht: Die Grillideen sind vielfältig und delikat, und sie reichen von alltagstauglichen Eintopfgerichten bis hin zu Festtagsgans und gegrilltem Fasan. Auch Nachtisch wird auf dem Grill zubereitet, und sogar Salate aus Wintergemüse werden in der Outdoorküche gereicht!
Ich bin mir sicher, unser Grillvergnügen wird mit diesem Buch ganz neue Dimensionen annehmen: Dutch Oven und Plancha stehen schon auf dem Wunschzettel meines Mannes! Daher kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen!
Federleicht und doch so stark
Feather & Rose, Band 1: Ein Sturm zieht auf (geheime Elemente-Magie an einer Eliteschule ab 10 Jahren) von Claudia Siegmann
Feather ist zierlich und wirkt zerbrechlich, doch wenn sie wütend wird, bricht ein Sturm los! Als sie lernen soll, ihre Kräfte zu beherrschen, muss sie nicht nur den Kampf mit den Naturgewalten aufnehmen, sondern auch die Auseinandersetzung mit den Wortführerinnen an ihrer neuen Schule und ihrer ersten Liebe!
Dies ist ein sensibler Roman, der junge Mädchen in eine magische Welt entführt und ihnen zugleich ihre eigenen Erfahrungen vor Augen führt: ihre eigene Schüchternheit, der Neubeginn an einer neuen Schule, die Auseinandersetzung mit den Zicken und Wortführerinnen und den Wert wahrer Freundschaft und gegenseitiger Unterstützung!
Dies ist alles nicht gänzlich neu, aber phantasievoll umgesetzt, und es sind schon Handlungsfäden eingewoben, die im Finale dieses ersten Bandes noch keine Rolle spielen und daher neugierig auf die Fortsetzung machen! Wir dürfen gespannt sein, wie Feather an den Herausforderungen wachsen und die verschiedenen Naturgewalten versöhnen wird.
Kompendium der Brotbackkunst
Das große Brotbackbuch von Christina Bauer
Das große Brotbackbuch von Christina Bauer trägt seinen Titel zu Recht, denn es ist ein wahres Kompendium einer vergessenen und erst langsam wieder beachteten Kunst. Es finden sich nicht nur 120 Rezepte, sondern auch viel Grundlagenwissen zu Mehlsorten und Küchenzubehör, Techniken des Teig-Knetens und Faltens und der Sauerteig-Führung.
Spezielle Tabellen ermöglichen einen Austausch einzelner Zutaten, so dass jedes Rezept entsprechend der eigenen Vorräte oder Geschmacksvorlieben abgewandelt werden kann. Dieses Erfahrungswissen ist von unschätzbarem Wert und erspart dem unerfahrenen Bäcker viele Fehlversuche.
Besonders hilfereich sind auch die vielen Tips und Beschreibungen, die den Fortschritt der Arbeiten begleiten: zur Beurteilung der Textur, und des Reifezustands des Teigs und vielem mehr!
Die Rezepte zeigen eine faszinierende Vielfalt der Formen und Zubereitungsarten, so dass es schwerfällt, sich überhaupt für die Auswahl der ersten Rezepte zu entscheiden.
Nur zwei Wünsche blieben letztlich doch noch offen: Die Rezepte basieren auf gekauften Mehlen mit verschiedenem Ausmahlungsgrad. Manche finde ich leider nicht in der ursprünglichen Auflistung der verschiedenen Sorten, so etwa das Schwarzroggenmehl von Seite 184. Außerdem finde ich keine Angaben zur Verwendung selbst gemahlenen Getreides. Doch diese Probleme werde ich wohl mit etwas Übung lösen können.
Nur wenig Neues
Omi, ich bin jetzt vegan! von Angelique Vochezer
Das Buch von Angelique Vochezer entstand, weil sie aus gesundheitlichen Gründen zur Veganerin wurde und die klassischen Gerichte aus Ihrer Kindheit vermisste. Daher holte sie ihre Großmutter Ingeborg Teßmann mit ins Boot und schrieb mit ihr die alten Rezepte so um, dass sie vegan wurden.
Von Suppen über Klassiker wie Eintöpfe, Aufläufe und Knödel über Salate bis hin zu Kuchen und Weihnachtagebäck finden sich in diesem Buch viele alte Bekannte, zubereitet ohne tierische Produkte.
Die Kapitel über Kuchen und Weihnachtsgebäck finde ich für Einsteiger in die vegane Küche wirklich hilfreich, denn Teige ohne Ei wohlschmeckend zuzubereiten, ist nicht leicht. Doch die Kapitel über Suppen, Hauptgerichte, Salate und Eingemachtes bringen nicht viel neues: Es sind entweder immer schon Rezepte ohne tierische Zutaten gewesen oder aber es wird einfach im Auflauf normales Hack durch veganes Hack und der Bergkäse in den Käsespätzle durch veganen Käse ersetzt. Darauf wäre ich auch allein gekommen.
So bin ich unter dem Strich etwas enttäuscht von dem Buch, weil ich ein bisschen mehr erwartet hatte als das Altbekannte. Klar, es war Absicht, die vertraute Küche aus Kindertagen weiterhin genießen zu können und eine Brücke zwischen Generationen zu schlagen, aber ein bisschen Neues und Kreatives hatte ich doch erhofft. Aber vielleicht war dies nur meine falsche Erwartung.
Daher je 1 Stern Abzug für den naheliegenden einfachen Austausch von Zutaten und für die alltäglichen Gemüse-Rezepte, für die ich kein veganes Kochbuch zu Rate ziehen muss.
Spannung mit Tiefgang
Die Welt kippt von Heiko von Tschischwitz
Dieser Umwelt- und Polit-Thriller verbindet Spannung mit Tiefgang: Europa setzt mit Chinas Hilfe einen Quantencomputer ein, um die Folgen des Klimawandels zu berechnen. Als die ersten Ergebnisse feststehen, überstürzen sich die Ereignisse und nicht nur die westlichen Demokratien versuchen, sowohl ihre Bevölkerung als auch ihr politisches System vor den Folgen zu schützen.
Besonders China hat sich mit dem Thema intensiver beschäftigt, als es in der Vergangenheit den Anschein hatte…
Doch nicht nur auf global-politischer Ebene treffen Weltanschauungen und Interessen aufeinander, sondern auch bei den Umweltschützern innerhalb Europas treffen unterschiedliche Ansichten aufeinander:
Sowohl die deutsche Umweltaktivistin Tessa Hansen als auch die Silicon Valley-Investorin Shannon O’Reilly engagieren sich für den Klimaschutz, setzen aber auf andere Mittel. Während Tessa die Bevölkerung sensibilisieren und auf Politiker Druck ausüben möchte, ist Shannon überzeugt, dass nur schnellere und radikalere Maßnahmen zum Erfolg führen und die ökonomische Macht größer ist als die politische.
Die Spannung in diesem Thriller entsteht so weniger in Action und Nervenkitzel der klassischen Art als vielmehr in der spannenden Frage, wie sich in dieser Gemengelage von ökonomischen Interessen, politischen System-Unterschieden und individueller Ethik ein Ausweg aus der Klimakatastrophe finden lässt, welche die ganze Menschheit bedroht! Und ob der westliche Individualismus mit seinen Einzelinteressen angesichts der notwendigen umwälzenden Maßnahmen handlungsfähig ist oder ob der chinesische Kollektivismus hier mehr Macht entfalten kann. Aber darf die ökologische Rettung der Welt mit der Aufgabe demokratischer Prinzipien und individueller Menschenrechte erkauft werden? Wer an wirtschafts- und politikethischen Fragen etwas Gefallen findet, wird dieses Buch mit Genuss lesen!
Sensibler Umgang mit dem Thema Demenz
Bleibt Oma jetzt für immer? von Friedbert Stohner
Dies ist ein sensibler und kindgerechter Roman, der Eltern helfen kann, mit ihren Kindern über das Thema Demenz zu sprechen: Friedbert Stohner gelingt die Gratwanderung, eine Geschichte zu erzählen, in welcher die Demenz der Oma eine Rolle spielt, aber nicht alles andere dominiert. Das normale Leben der Familie geht weiter, und es darf auch weiterhin geliebt und gelacht werden.
Die erste Liebe, der Streit mit der besten Freundin, alles hat auch seinen Platz und findet Beachtung. Die kleinen Auffälligkeiten im Verhalten der Oma werden von den Familienmitgliedern nicht in ihrer Anwesenheit kommentiert, die Eltern sind aber mit den Kindern im Gespräch und helfen Ihnen, die Geschehnisse einzuordnen. Zugleich sind es auch oft die Kinder, die mit ihrem Blick auf die Dinge beim Umgang mit der Krankheit helfen, etwa als sie Omas ‚Eichhörnchenblick‘ bemerken, als diese ängstlich auf ihre eigene Hilflosigkeit reagiert. Sie entwickeln eine feine Antenne dafür, wie sie ihrer Oma helfen können, ohne sie zu belehren, und spüren, wenn sie ihre Nähe sucht.
Ich habe viel aus unseren eigenen Erfahrungen wieder entdecken können, und hätte damals gerne ein solches Buch zur Hand gehabt, um mit unseren Kindern in das Gespräch zu kommen. Das Buch stellt einen ruhigen Verlauf der Demenz und leitet auch relativ schnell zum Thema Tod über. Mögliche Probleme mit Persönlichkeitsveränderung und aggressiven Phasen werden ausgeblendet, wie auch die u.U. Jahre dauernde Phase des Abgleitens und Nicht-Erreichbar-Seins. Doch ist es wohl auch sinnvoll, nicht gleich alle Schrecken an die Wand zu malen und ein versöhnliches Bild von der Krankheit zu zeichnen!











