Kunden em pfehlungen
Rezensionen von KimVi:
Berührt und regt zum Nachdenken an
Karolinas Töchter von Ronald H. Balson
Die fast 90-jährige Lena Woodward sucht im Jahr 2013 den Privatdetektiv Liam Taggert und seine Frau Catherine, die als Anwältin tätig ist, auf. Sie bittet die beiden, ihr bei der Erfüllung eines alten Versprechens zu helfen. Denn in den Wirren des Zweiten Weltkrieges gingen die beiden Töchter ihrer besten Freundin Karolina verloren.
Lena versprach ihrer Freundin damals, nach Kriegsende nach den Mädchen zu suchen. Nach all den Jahren will sie nun endlich ihr Versprechen einlösen. Der Privatdetektiv und seine Frau hören sich Lenas ergreifende Erzählung der damaligen Ereignisse an. Doch schon bald kommen Zweifel an Lenas Geschichte auf. Warum versucht sie erst jetzt das Versprechen einzulösen? Und warum setzt Lenas Sohn Arthur alle Hebel in Bewegung, um die Suche zu stoppen?
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Im aktuellen Strang beobachtet man Lena Woodward dabei, wie sie die dramatischen Ereignisse, die sie zu Kriegszeiten erlebt hat, nach und nach dem Privatdetektiv Liam und seiner Frau, der Anwältin Catherine, schildert. Außerdem verfolgt man, was ihr Versuch, das alte Versprechen endlich zu erfüllen, für Konsequenzen haben könnte. Denn ihr Sohn Arthur ist entschieden dagegen und versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass Lena die Suche nach den beiden Mädchen aufnimmt. Die aktuellen Ereignisse wechseln also immer zu Rückblicken in Lenas Vergangenheit.
Der Einstieg in diesen Roman gelingt mühelos. Denn der Autor versteht es vom ersten Moment an, dass Interesse an der Geschichte zu wecken. Dabei entwickeln beide Handlungsstränge ihren Reiz. In den Rückblicken erfährt man Lenas Lebensgeschichte. Da sie diese nach und nach Liam und seiner Frau erzählt, wirkt es beim Lesen so, als würde Lena einem selbst gegenüber sitzen und von ihrer tragischen Vergangenheit berichten. Lena ist Jüdin und wohlbehütet in ihrer angesehenen Familie aufgewachsen. Ihr Leben änderte sich schlagartig, als Polen von den Deutschen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs überrannt wurde. Ein jahrelanger Kampf ums nackte Überleben begann damals für sie. Sie schildert ihre Erinnerungen so lebendig, dass man alles mühelos vor Augen hat und nähert sich dabei erst Schritt für Schritt dem Kern ihrer Suche. Lena berichtet von schlimmen Ereignissen, die einen beim Lesen mitfiebern lassen und tief berühren. Doch auch der aktuelle Strang ist durchgehend interessant. Denn durch die Einmischung ihres Sohnes läuft Liam und seiner Frau die Zeit davon. Er kämpft mit allen Mitteln und will die Suche um jeden Preis verhindern. Gemeinsam mit Liam und seiner Frau kommt einem nach und nach der Verdacht, dass an Lenas Geschichte irgendwas merkwürdig ist. Man kann es jedoch nicht richtig greifen. Sie scheint etwas zu verschweigen und ein Geheimnis zu hüten. Da man unbedingt erfahren möchte, ob es Arthur tatsächlich gelingt, die Suche zu stoppen und ob man mit dem Gefühl richtig liegt, dass Lena etwas verschweigt, gerät man in den Sog der Geschichte und kann sich nur schwer davon lösen.
Ich war vom ersten Moment an gefesselt von dieser Geschichte, da sie einfühlsam und trotzdem spannend erzählt wird. Beide Erzählstränge konnten mich gleichermaßen in ihren Bann ziehen, sodass ich das Buch beinahe in einem Rutsch beendet habe. Ich habe mit Lena sowohl im aktuellen Handlungsstrang, als auch bei den Schilderungen der damaligen Ereignisse, durchgehend mitgefiebert. Das Buch hat mich berührt und zum Nachdenken angeregt. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt diese Erzählung deshalb alle fünf Bewertungssterne und eine begeisterte Leseempfehlung!
Spannender Reihenauftakt!
Böses Kind von Martin Krist
Seit Suse von ihrem Mann verlassen wurde, ist sie mit ihren drei Kindern völlig überfordert. Dazu kommt noch der Stress, genug Geld für die Wohnung und den Lebensunterhalt der kleinen Familie heranzuschaffen. Als ihre Teenager-Tochter Jacqueline dann auch noch spurlos verschwindet, gerät Suses Welt komplett aus den Fugen.
Ihrer Vermisstenmeldung geht die Polizei auch nur halbherzig nach, da es schon einmal vorgekommen ist, dass Jacqueline nicht nach Hause gekommen ist. Als sich dann jedoch herausstellt, dass Jacquelines Rucksack am Fundort einer grausam verstümmelten Leiche entdeckt wird, beginnt für den ermittelnden Kriminalkommissar Henry Frei ein rasanter Wettlauf gegen die Zeit....
"Böses Kind" ist der erste Fall für Kriminalkommissar Henry Frei und damit der Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe von Martin Krist. Der Einstieg in die Handlung gelingt mühelos, denn Martin Krist versteht es wieder hervorragend, vom ersten Moment an Spannung aufzubauen und das Interesse am Fall und seinen Hintergründen zu wecken.
Das neue Ermittlerteam, das vorwiegend aus Kriminalkommissar Henry Frei und seiner Kollegin Louisa Albers besteht, ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Denn Henry Frei wirkt außerordentlich pedantisch und seine Kollegin Albers scheint durch ihr Baby, das ihr nachts den Schlaf raubt, dauernd müde zu sein. Dennoch wirken die beiden sehr authentisch und nach kurzer Zeit hat man sich an die Eigenarten der beiden gewöhnt.
Das Geschehen wird aus wechselnden Perspektiven geschildert. Man beobachtet Kriminalkommissar Frei und sein Team bei den Ermittlungen und bekommt darüber hinaus einen guten Einblick in das chaotische Leben der völlig überforderten Suse. Außerdem gibt es immer wieder kurze Einschübe, in denen man eine gefangene Person beobachtet, die ängstlich auf ihren Peiniger wartet. Um wen es sich dabei handeln könnte, kann man nur erahnen.
Relativ kurze Kapitel und rasante Wechsel der unterschiedlichen Perspektiven, sorgen dafür, dass man das Buch bereits früh nicht mehr aus der Hand legen mag. Die Spannung knistert förmlich zwischen den Zeilen, sodass man gespannt beobachtet, was geschieht. Martin Krist versteht es auch in diesem Thriller wieder hervorragend, Spuren auszulegen, den man bei den eigenen Ermittlungen allzu bereitwillig folgt. Doch überraschende Wendungen sorgen dafür, dass man bis kurz vor Schluss nicht weiß, was man eigentlich glauben und wem man vertrauen soll. Dadurch bleibt die Handlung durchgehend spannend und kaum vorhersehbar. Zum Ende hin steigt die Spannung sogar noch einmal an und gipfelt in einem grandiosen Showdown.
Ich habe bereits einige Thriller von Martin Krist mit großer Begeisterung gelesen. Auch hier konnte er mich wieder durch sein rasantes Tempo und die unvorhersehbare Handlung überzeugen. Einmal angefangen, konnte ich das Buch erst aus der Hand legen, als ich am Ende angekommen war. Der fiese Cliffhanger, den der Autor ganz zum Schluss noch eher beiläufig einfließen lässt, weckt in mir die Neugier auf weitere Fälle mit Henry Frei und Louisa Albers. Ich werde ganz sicher zum nächsten Band greifen und bewerte diesen Reihenauftakt mit begeisterten fünf Sternchen!
Gesellschaftskritische Dystopie, die spannend erzählt wird und zum Nachdenken anregt
Leere Herzen von Juli Zeh
Britta Söldner lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Braunschweig. Sie betreibt mit ihrem Geschäftspartner und Freund Babak "Die Brücke", bei der es sich offiziell um eine psychologische Beratungspraxis handelt. Doch in Wirklichkeit versteckt sich eine ganz andere Geschäftsidee in den unscheinbaren Praxisräumen.
Britta und Babak verdienen mit ihrem Unternehmen viel Geld. Das scheint plötzlich Neider auf den Plan zu rufen. Es gibt Trittbrettfahrer, die anscheinend die gleiche lukrative Idee nutzen wollen. Britta und Babak geraten in Zugzwang und plötzlich müssen sie nicht nur um ihre berufliche Existenz kämpfen, sondern um ihr Leben......
Die Handlung von "Leere Herzen" trägt sich in Deutschland, im Jahre 2025, zu. Juli Zeh beschreibt eine Welt, in der die "Besorgte-Bürger-Partei" an der Macht ist und die Politikverdrossenheit und Gleichgültigkeit der Bürger für ihre Zwecke nutzt. Der Einstieg in die in naher Zukunft angesiedelte Dystopie gelingt relativ mühelos. Man beobachtet zunächst Britta Söldner und erfährt nach und nach, wie sie ihr Leben in der politikverdrossenen Gesellschaft eingerichtet hat. Dabei tappt man über weite Teile der Handlung im Dunkeln, was für eine Geschäftsidee wirklich hinter ihrer psychologischen Beratungspraxis steckt. Da man das aber unbedingt erfahren möchte, ist das Interesse sofort geweckt.
Juli Zeh versteht es hervorragend, die ferne Zukunft so zu beschreiben, dass man sich das Leben dort mühelos vorstellen kann. Man lernt diese Welt Schritt für Schritt durch Britta Söldner kennen und fügt dabei langsam ein Puzzleteil zum nächsten. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, sodass man förmlich über die Seiten fliegt, um alle Hintergründe zu erfahren. Dabei schwebt eine angespannte und zuweilen auch recht bedrohliche Atmosphäre zwischen den Zeilen. Die Handlung ist nicht nur tiefgründig, sondern regt außerdem zum Nachdenken an. Die Protagonisten wirken lebendig und vielschichtig. Ihre Emotionen werden glaubhaft vermittelt, sodass man sich ganz auf die Handlung einlassen kann und dabei fasziniert beobachtet, welche Wendung die Erzählung nimmt und welche Ausmaße die Politikverdrossenheit und Gleichgültigkeit der Bürger annimmt.
Ich habe mich beim Lesen dieser faszinierend erzählten Gesellschaftskritik sehr gut unterhalten und konnte das Buch deshalb nur schwer aus der Hand legen. Einmal angefangen, hing ich auch schon am Haken, sodass ich unbedingt erfahren wollte, was hinter allem steckt. Die Beschreibungen der dystopischen Welt wirkten auf mich durchaus vorstellbar und haben mich zum Nachdenken angeregt. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala erhält "Leere Herzen" deshalb auch alle fünf Bewertungssternchen und eine klare Leseempfehlung!
Spannende Fortsetzung
Niemals - Thriller (Jenny Aaron 2) von Andreas Pflüger
Von Kindesbeinen an, wurde Jenny Aaron von ihrem Vater auf ihren späteren Beruf vorbereitet. Sie ist eine Polizistin mit überragenden Fähigkeiten. Doch nun ist Jenny Aaron blind. Dennoch macht ihr das Berliner Spezialkommando, dem sie bereits als Sehende sechs Jahre lang angehörte, das Angebot zurückzukehren.
Doch Aaron zögert. Dann erfährt sie, dass ihr ein ehemaliger Todfeind eine sehr hohe Summe hinterlassen hat. Um mehr zu erfahren und das Erbe anzutreten, muss sie nach Marrakesch reisen. Dort wartet der mächtigste Mann der Welt auf Aaron. Er hat nicht nur an dem Geld Interesse, sondern auch an Aaron. Als sie erfährt, was er ihr angetan hat, ist sie bereit alles zu opfern, um ihn zu töten.....
"Niemals" ist der Folgeband zu "Endgültig". Man kann den aktuellen Ereignissen sicher auch folgen, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat. Allerdings erfährt man in "Endgültig" wie es zu Jenny Aarons Erblindung gekommen ist, bekommt außerdem viele Hintergrundinformationen zur Hauptprotagonistin und natürlich zu dem Berliner Spezialkommando. Es ist deshalb schon sinnvoll die Bände in der vorgesehenen Reihenfolge zu lesen, aber nicht zwingend notwendig.
Wie auch schon der erste Band, wird auch dieser wieder im Präsens erzählt. Dadurch hat man das Gefühl, sofort mitten im Geschehen zu sein. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die nicht nur in verschiedene Orte führen, sondern sich außerdem auf unterschiedlichen Zeitebenen zutragen. Neben der aktuellen Handlung gibt es Rückblicke in die Vergangenheit. Man braucht aber nicht zu befürchten, dass man dadurch die Übersicht verliert, denn die entsprechenden Kapitel sind mit Ort und Zeit gekennzeichnet.
Das Tempo dieses Thrillers ist wirklich rasant. Einmal angefangen, mag man sich kaum noch davon lösen. Handlungsorte und Protagonisten werden so detailliert und lebendig beschrieben, dass man das Gelesene sofort vor Augen hat. Der Autor versteht es hervorragend Spannung zu erzeugen und diese durchgehend zu halten. Die actionreichen Szenen treiben einen förmlich durch das Buch.
Jenny Aaron scheint auf den ersten Blick eine eiskalte und durchtrainierte Superheldin zu sein, der einfach alles gelingt. Doch sie hat auch eine andere Seite und diese vermittelt der Autor ebenfalls perfekt. Die Charaktere wirken allesamt glaubwürdig. Man fasst spontane Abneigungen, entwickelt aber auch Sympathien. Man kann sich also ganz auf das spannende Geschehen einlassen und die actionreiche Handlung auf sich wirken lassen.
Ich habe mich beim Lesen dieses Thrillers sehr, sehr gut unterhalten und mochte ihn kaum aus der Hand legen. Ich habe vorher bereits den ersten Band gelesen und muss gestehen, dass ich mich am Anfang erst daran gewöhnen musste, dass das aktuelle Geschehen im Präsens erzählt wird. Hier wusste ich ja bereits was mich erwartet und hatte deshalb überhaupt keine Startschwierigkeiten. Vom ersten Moment an, war ich mitten im Geschehen und habe atemlos die spannende Handlung verfolgt. Ich vergebe deshalb begeisterte fünf Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung. Ich hoffe sehr, dass es bald ein Wiedersehen mit Jenny Aaron gibt.
Startet zunächst gemächlich, entwickelt sich dann aber zu einem echten Pageturner
Durst von Nesbø Jo
Harry Hole arbeitet mittlerweile als Dozent an der Polizeihochschule. Als die Osloer Polizei es mit einem Serienkiller zu tun bekommt, der sich seine Opfer über die Dating-App Tinder sucht, versucht Hole, die Wellen die dieser Fall in der Presse schlägt, zu ignorieren. Doch sein alter Chef Bellmann setzt Hole unter Druck.
Da die Polizei im Dunkeln tappt, soll Harry Hole die Ermittlungen unterstützen. Schon bald wird Hole klar, dass der Killer kein Unbekannter ist...
"Durst" ist mittlerweile der elfte Fall für Harry Hole. Allerdings kann man den aktuellen Ermittlungen auch dann problemlos folgen, wenn man noch keinen Band der Reihe gelesen hat. Der Einstieg verläuft zwar zunächst etwas gemächlich, doch das Interesse an dem Fall wird sofort geweckt. Sobald Harry Hole sich an den Ermittlungen beteiligt, steigt die Spannung sprunghaft an, sodass man das Buch kaum noch aus den Händen legen mag.
Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und sehr angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen und dadurch ganz in die Handlung eintauchen. Das Geschehen wird aus wechselnden Perspektiven geschildert. Man bekommt einen guten Gesamtüberblick und kann in einigen Kapiteln sogar dem Täter über die Schulter schauen. Dieser wird recht schnell enttarnt. Das tut der Spannung allerdings keinen Abbruch, da die Jagd nach ihm einiges zu bieten hat. Außerdem hält der Autor noch einige Überraschungen bereit, die das Buch, trotz der nicht gerade geringen Seitenanzahl, zu einem wahren Pageturner machen.
Die Charaktere wirken authentisch und lebendig, sodass man mit ihnen mitfiebern kann. Harry Hole hat sich allerdings verändert, denn er ist mittlerweile trocken. Doch auch dieser veränderte Hole wirkt sehr sympathisch und lässt sich bei seinen Ermittlungen nur schwer in die Karten schauen. Dadurch bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten und gipfelt in einem nervenaufreibenden Finale.
Ich habe mich beim Lesen dieses Falls sehr gut und spannend unterhalten gefühlt. Zugegebenermaßen habe ich am Anfang ein wenig die Spannung vermisst, aber das hat sich recht schnell gelegt. Dann konnte ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen und habe es regelrecht verschlungen. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt Harry Holes elfter Fall deshalb alle fünf Sternchen und eine klare Leseempfehlung!
Interessanter Auftakt, der neugierig auf den weiteren Verlauf der Reihe macht
Moon Chosen von P. C. Cast
In einer Welt, die uralt und zukünftig zugleich ist, kämpfen drei verfeindete Stämme ums Überleben. Sie leben auf Waldlichtungen und Höhlen, in einer zerstörten Stadt und in einer Siedlung, die auf Plattformen in den Bäumen errichtet ist. Sie müssen sich nicht nur gegeneinander verteidigen, sondern todbringenden, mutierten Insekten und gefährlichen Krankheiten trotzen.
Im Lauf der Zeit hat jeder Stamm seine eigene Kultur entwickelt und betet unterschiedliche, überirdische Mächte an. Mari, eine junge Erdwanderin vom Weberclan, ist die Tochter der Mondfrau. Ihre Mutter hofft sehr darauf, dass Mari einst ihre Nachfolgerin wird. Doch das Schicksal hat Größeres mit Mari vor, denn durch ihre Herkunft und ihre verborgenen Kräfte ist sie dazu auserwählt, alles zu verändern....
"Moon Chosen - Gefährten einer neuen Welt" ist der Auftaktband zu einer neuen Jugendbuchreihe, die den Leser in eine geheimnisvolle Welt, voller Gefahren, Geheimnisse und dunkler Mächte entführt. Beim Einstieg in das Buch sollte man konzentriert lesen, da man sich in dieser unbekannten Welt erstmal orientieren muss. Man wird mit unterschiedlichen Stämmen und ihren jeweiligen Gebräuchen, den Gefahren, denen man in dieser Welt ausgesetzt ist, und allerhand Protagonisten, die in den verschiedenen Stämmen leben, konfrontiert. Am Anfang wird man deshalb mit einer Flut von Informationen überschüttet, die man erstmal richtig zuordnen muss.
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Die Hauptprotagonistin Mari gehört zu den Erdwanderern. Sie ist die Tochter der Mondfrau des Weberclans. Dieser Clan lebt gut versteckt im Wald. Da der Clan vom mysteriösen Nachtfieber heimgesucht wird, das nur die Mondfrau durch ein geheimnisvolles Ritual eindämmen kann, ist die Mondfrau und ihre spätere Nachfolgerin für den Clan von immenser Bedeutung. Nik, der Hauptprotagonist des zweiten Handlungsstrangs, gehört zu den Gefährten, die ihre Siedlung auf Plattformen in den Bäumen errichtet haben. Sie leben dort oben nach ihren Regeln, gemeinsam mit ihren treuen Hunden. Da dieser Stamm oft bei Verletzungen von einer tödlichen Hautfäule befallen wird, jagt und versklavt er die Erdwanderer für die Feldarbeit. In einem weiteren, ziemlich brutalen Handlungsstrang lernt man Fahlauge kennen. Er ist die zentrale Figur bei den Hautdieben, die nichts Gutes im Schilde führen.
Handlungsorte und Protagonisten werden sehr lebendig beschrieben, sodass man die fremde Welt und ihre Bewohner schnell vor Augen hat und nach und nach mit den unterschiedlichen Gebräuchen, den Gefahren und den damit verbundenen Regeln vertraut wird. Man entwickelt sowohl spontane Sympathien, als auch Abneigungen zu den Protagonisten. Da sich die Akteure im Verlauf der Handlung weiterentwickeln, überdenkt man bei manchen Protagonisten den ersten Eindruck und ändert seine Meinung. Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm lesbar, sodass man förmlich durch die Handlung fliegt und staunend die fremde Welt entdeckt. Dabei kommt es sowohl zu Szenen, die manchmal etwas langatmig wirken, allerdings durch ihre Infos dazu beitragen, dass man die geheimnisvolle Welt besser versteht, als auch zu spannenden und manchmal sogar sehr brutalen Momenten. Bei diesen darf man nicht zu zartbesaitet sein, da der Stamm der Hautdiebe nicht gerade zimperlich vorgeht, um seine Ziele zu erreichen. Nicht alles erscheint in dieser geheimnisvollen Welt logisch und viele Fragen bleiben offen. Da es sich jedoch um der ersten Teil der Serie handelt, kann man großzügig darüber hinwegsehen und darauf hoffen, dass man in der Fortsetzung mehr erfährt. Das Buch endet mit einem sehr interessanten Epilog, der definitiv die Neugier auf den weiteren Verlauf der Reihe weckt.
Auch wenn ich das empfohlene Lesealter, von ab vierzehn Jahren, bereits "geringfügig" überschreite, habe ich mich auch als erwachsene Leserin sehr gut beim Entdecken dieser neuen, geheimnisvollen Welt, unterhalten. Durch den flüssigen Schreibstil, die vielschichtige Welt und die interessanten Charaktere, bin ich förmlich durch das Buch geflogen und konnte es erst aus der Hand legen, als ich am Ende angekommen war. Ich werde die Reihe definitiv weiterverfolgen und hoffe auf eine baldige Fortsetzung. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt das Buch deshalb auch vier von fünf möglichen Sternen.
Weniger wäre hier sicher deutlich mehr gewesen
Kein Sommer ohne Liebe von Mary Kay Andrews
Greer ist Location-Scout und soll für einen Film den perfekten Drehort finden. Der kleine Küstenort Cypress Key scheint alle Kriterien zu erfüllen, die der Regisseur Greer bei ihrer Suche mit auf den Weg gegeben hat. Allerdings ist der Bürgermeister Eb nicht ganz so angetan von der Tatsache, dass eine Filmcrew das Leben in dem sonst eher verschlafenen Ort gehörig durcheinanderwirbelt.
Greer geht ganz in ihrem Job auf und versucht den Bürgermeister auf ihre Seite zu ziehen. Da der aber mit einer Szene, in der das alte Kasino des Örtchens in die Luft gesprengt werden soll, gewaltige Probleme hat, geraten die beiden aneinander....
Der Einstieg in Mary Kay Andrews Sommer-Roman gelingt mühelos. Durch den lockeren und leichten Schreibstil lässt sich die Geschichte wirklich gut lesen. Man kann sich die beschriebenen Szenen ohne Schwierigkeiten vorstellen. Da Covergestaltung, Buchtitel und Inhaltsangabe auf ein sommerliches Leseabenteuer hoffen lassen, in dem Herzklopfen und Romantik eine große Rolle spielen, lehnt man sich entspannt zurück, um die zu erwartenden Liebesverwicklungen zu genießen.
Leider stellt man schnell fest, dass man die handelnden Personen eher distanziert betrachtet und nicht richtig mit ihnen mitfühlt. Romantik und Liebe sucht man auch vergeblich, denn das Knistern zwischen den beiden Hauptakteuren wird so gut wir gar nicht vermittelt. Man hat nicht das Gefühl, dass die beiden irgendwas füreinander empfinden, da alles recht gefühlsarm beschrieben wird. In Liebesromanen ist es ja normal, dass es neben dem Handlungsstrang um die beiden Hauptakteure auch noch einige Nebenhandlungen gibt. Mary Kay Andrews hat es in diesem Roman damit allerdings etwas zu gut gemeint, denn es gibt etliche Nebenstränge, die in die Handlung geworfen werden, ohne dabei irgendetwas zu vertiefen. Dadurch wirkt die Gesamthandlung zu gewollt und konstruiert. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen!
Ich bin ja eigentlich gar kein Freund romantischer Liebesverwicklungen und glücklich aufseufzender Heldinnen, doch das, was in dieser Hinsicht in "Kein Sommer ohne Liebe" geboten wird, war selbst mir zu wenig. Ich hatte leider nicht einen Moment das Gefühl, dass Greer und Eb überhaupt irgendetwas füreinander empfinden und dass es zwischen ihnen knistert. Sie kamen mir eher vor wie flüchtige Bekannte, die nur zufällig miteinander zu tun haben. Die anderen Handlungsstränge konnten mich leider auch nicht begeistern, da für mich alles nur angeschnitten, nicht vertieft und dadurch zu konstruiert wirkte. Positiv aufgefallen ist mir allerdings der lockere und leichte Schreibstil. Da mir das allerdings deutlich zu wenig für einen Liebesroman ist, fällt meine Bewertung auch eher verhalten aus. Ich vergebe leider nur zwei von fünf Bewertungssternchen.
Berührende Geschichte, die direkt ins Herz trifft
Mein Herz wird dich finden von Kirby Jessi
Mia hat in Jacob ihre große Liebe gefunden. Doch plötzlich verwandelt sich ihr Leben in einen Alptraum, denn Jacob stirbt bei einem Unfall. Mia versinkt in ihrer Trauer und zieht sich zurück. Sie zählt die Tage, die sie ohne Jacob verbringen muss. Jacob war Organspender und der Kontakt zu den Menschen, denen Jacob mit seinem Tod wieder zum Leben verholfen hat, gibt Mia endlich etwas Lebensmut.
Der Empfänger des Herzens antwortet allerdings nicht auf Mias Brief und deshalb macht sie sich selbst auf die Suche. Sie stößt dabei auf Noah und nimmt sich vor, ihn nur einmal kurz anzusehen und die Sache auf sich beruhen zu lassen. Das Schicksal hat allerdings andere Pläne und so kommen sich die beiden näher. Mia wird von Schuldgefühlen geplagt, denn sie weiß, dass sie sich Noah nicht nähern darf und außerdem kommt sie sich Jacob gegenüber wie eine Verräterin vor.....
Die Geschichte wird in der Ich-Form, aus der Sicht der Hauptprotagonistin Mia, geschildert. Mia wirkt sehr sympathisch und man kann sich deshalb sofort mit ihr identifizieren. Durch den einfühlsamen Schreibstil der Autorin kann man voll und ganz in die Gedanken und Gefühle von Mia eintauchen und diese glaubhaft nachvollziehen. Man spürt die Trauer und später auch ihr Gefühlschaos, da sie ja weiß, dass sie sich Noah nicht unter dieses Voraussetzungen nähern darf oder ihm wenigstens die Wahrheit über ihre zufällige Begegnung sagen müsste. Man fiebert regelrecht mit ihr mit und fliegt dabei förmlich über die Seiten. Die Geschichte entwickelt beim Lesen eine Sogwirkung, sodass man sich kaum noch davon lösen kann.
Man mag einfach nicht aufhören, bevor man das Ende kennt und begleitet Mia dabei durch Höhen und Tiefen. Einige Themen hätten zwar noch etwas mehr Tiefe verdient, aber dennoch regt die Geschichte zum Nachdenken an. Zitate am Anfang der Kapitel, die sich alle mit Wissenswertem rund um das Herz befassen, machen das Buch zu einer ganz besonderen Lektüre.
Obwohl ich das Jugendbuchalter bereits geringfügig überschreite, habe ich mich beim Lesen sehr gut unterhalten und konnte mich kaum von der Geschichte lösen. Ich habe mit den Hauptprotagonisten mitgefiebert und mich außerdem mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt und gründlich darüber nachgedacht. Ich vergebe alle fünf Bewertungssterne und eine ganz klare Leseempfehlung!
Hinten sind gar keine Rezepte drin
Hinten sind Rezepte drin von Bauerfeind Katrin
Katrin Bauerfeind erzählt in ihrem Buch vom Wahnsinn, eine Frau zu sein. Kolumnenartig geht sie Fragen auf den Grund, die man sich vielleicht noch nie gestellt hat, die es aber trotzdem wert sind, mal drüber nachzudenken. Es geht u.a. um harte Mädchen und harmonische Frauen, Gebärdienstverweigerung, Pickel und andere kosmetische Verschwörungen, Panikattacken, Schnäppchen, die Frage, ob der Knigge noch knorke ist und natürlich darf auch ein Kapitel über Frauen und Schuhe nicht fehlen.
Denn sonst wäre es ja kein richtiges Frauenbuch! Aber auch sonst darf man sich von der Themenwahl überraschen lassen. Langweilig wird es jedenfalls nie!
Katrin Bauerfeind erzählt ihre Episoden in einem lockeren und humorvollen Tonfall. Da hat man regelrecht das Gefühl, ihr gegenüberzusitzen und ihr beim Sinnieren über das Frausein zuzuhören. Dabei bekommt man einige Wahrheiten zu hören und muss oft unverhofft breit grinsen. Man darf natürlich nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, sondern sollte das Ganze mit einem Augenzwinkern auf sich wirken lassen. Es empfiehlt sich allerdings, nicht zu viele Kapitel hintereinander zu lesen, da sonst die Gefahr besteht, dass der erfrischende Humor sich ein wenig abnutzt und zu gewollt witzig wirkt. Weniger ist hier einfach mehr!
Es spricht auch nichts dagegen, dass Männer mal in dieses Buch hineinschauen und es als Ratgeber nutzen. Denn so bekommen sie einen ungeschönten Einblick in die Gedankenwelt der Frauen und können diesen vielleicht nutzen, um bei der Damenwelt zu punkten.
Von mir gibt es drei von fünf Bewertungssternchen, da ich dieses Buch fast in einem Rutsch verschlungen habe. Dabei habe ich mich am Humor wohl ein wenig "überlesen" und konnte dadurch einigen Passagen nicht besonders viel abgewinnen.
Spagat zwischen zwei Welten
Der goldene Sohn von Shilpi Somaya Gowda
Anil wächst in einem indischen Dorf auf. Seine Familie ist wohlhabend und sehr angesehen. Wenn es nach seiner Mutter gehen würde, dann läge Anils Zukunft klar vor ihm. Denn sie möchte, dass er später den Platz des Vaters, als Familienoberhaupt und Schiedsmann, einnimmt und eine junge indische Frau heiratet.
Doch Anil und sein Vater haben andere Pläne. Denn Anil fällt das Lernen unheimlich leicht, sodass er Medizin studiert. Als junger Mann bekommt er die Chance, seine Ausbildung in Dallas abzuschließen. Er bricht auf, um sich diesen Traum zu erfüllen. Seine Familie und seine Jugendfreundin Leena bleiben zurück. Während Anil in den USA außergewöhnliche Erfahrungen sammelt und schon bald zwischen zwei unterschiedlichen Welten hin- und herpendelt, begnügt sich Leena mit einem Leben nach indischer Tradition. Das Schicksal zeigt allerdings beiden, dass im Leben nicht immer alles nach Plan verläuft....
Der Einstieg in "Der goldene Sohn" gelingt relativ mühelos, denn Shilpi Somaya Gowda versteht es hervorragend, Handlungsorte und Protagonisten so lebendig zu beschreiben, dass man sie beim Lesen vor Augen hat. Das Kopfkino springt umgehend an, sodass man in die Geschichte eintauchen und fasziniert das Leben in Indien, mit seinen ungewohnten Gebräuchen, beobachten kann. Der flüssige und sehr angenehm lesbare Schreibstil sorgt außerdem dafür, dass man förmlich durch die Seiten fliegt.
Das Geschehen wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet. Denn man schaut Anil in seinem neuen Leben in den USA über die Schulter. Beobachtet, wie es bei Leena weitergeht und bekommt durch Rückblicke in die Vergangenheit einen Eindruck von Anil und Leenas Kindheit. Außerdem gewähren Schiedsverhandlungen einen Einblick in das indische Leben.
Anils Spagat zwischen den beiden Welten wird anschaulich beschrieben. Man kann sich meist gut in ihn hineinversetzen, auch wenn man ihn zuweilen etwas distanziert beobachtet. Leena wirkt vom ersten Moment an sympathisch. Man fiebert regelrecht mit ihr mit und beobachtet ungläubig, wie ihr Leben verläuft und wie die indische Tradition damit umgeht.
Eine romantische Liebesgeschichte braucht man hier nicht zu befürchten, denn dieser Roman hat deutlich mehr zu bieten. Die Geschichte ist durchgehend interessant und regt zum Nachdenken an. Manchmal mag man kaum glauben, was das Schicksal beiden Protagonisten abverlangt. Allzu zartbesaitet sollte man beim Lesen der entsprechenden Szenen nicht sein. Auch wenn gängige Klischees bedient werden, überrascht das Buch mit einigen Wendungen.
Ich habe mich beim Lesen sehr gut unterhalten und konnte ganz in die fremde Welt eintauchen. Die unterschiedlichen Handlungsstränge wirkten auf mich durchgehend interessant. Allerdings muss ich zugeben, dass mir einige Wendungen etwas zu klischeehaft erschienen und dass das Ende auf mich ein wenig überstürzt wirkte. Deshalb ziehe ich auch ein Bewertungssternchen ab.











