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Rezensionen von carola1475:
Unbedingt lesenswerter tragikomischer Roman um Alkoholsucht
Voll im falschen Film von Wiebke Lorenz
Niemand wird Nora wirklich glauben, wenn sie von der Entführung erzählt, den vier Tagen Gefangenschaft in einem Keller mit leckerem Büfett, aber ausschließlich alkoholischen Getränken. Die seit drei Jahren trockene Alkoholikerin, Schauspielerin und Mutter hängt nach der Freilassung wieder an der Flasche, ausgerechnet jetzt, da Dreharbeiten anstehen und der Sorgerechtsstreit um die Kinder zu eskalieren droht.
Nora findet Hilfe bei Renate aus der damaligen Selbsthilfegruppe und ist entschlossen, herauszufinden, wer ihr das angetan hat.
Wiebke Lorenz schreibt aus Noras Ich-Perspektive, so dass ich ihre Gedanken und Gefühle teile, was mich oft sehr berührt hat. Die Protagonistin ist sehr selbstsicher und erscheint dadurch gelegentlich arrogant, will am liebsten alles allein schaffen, aber braucht beim Kampf gegen die Sucht nun doch Hilfe.
Der Schreibstil ist humorvoll auch durch Noras Selbstironie, locker, aber gleichzeitig eindringlich und macht Nora zu einer authentischen Figur, die ehrlich den Alltag einer Alkoholikerin beschreibt und deutlich Kritik übt an der Gesellschaft, in der man sich einerseits für Abstinenz rechtfertigen muss und andererseits oft als charakterschwach und „selber schuld“ gilt, wenn man alkoholabhängig wird.
Aus Anmerkungen und der Danksagung der Autorin geht hervor, dass sie zumindest familiär Erfahrungen mit Sucht hat, Wiebke Lorenz engagiert sich gegen den Konsum von Alkohol und die Stigmatisierung von Alkoholabhängigen. Ihre Protagonistin macht sehr klar, dass Alkoholiker eben keine Wahl haben.
Mit den glaubhaft beschriebenen Nebenfiguren kommt es zu unterhaltsamen Dialogen und tragikomische Szenen, nur David finde ich fast 'zu gut, um wahr zu sein', aber er ist natürlich wichtig als Rettungsring für Nora, er bewahrt sie vor dem Untergang, als ihr ihr Leben immer mehr entgleitet. Und er hilft ihr bei ihrem Versuch, den Verursacher ihrer Situation zu finden.
Es ist eher Zufall als Ermittlungserfolg, dass Nora letztendlich herausfindet, wer für die Entführung und die Folgen verantwortlich ist. Die Geschichte ist unterhaltsam, aber am meisten gepackt hat mich die fundierten Aufklärung über die Krankheit Alkoholsucht, die ich jetzt viel besser verstehe als vor 'Voll im falschen Film'.
Gut gefällt mir auch das farblich gelungene, zur Geschichte passende Cover, das sowohl eindeutig ist als auch neugierig macht.
Einfallsreich, spannend und sehr unterhaltsam
Canvas (Cryptos, Band 2) von Ursula Poznanski
Jana ist Weltendesignerin, sie arbeitet für den Konzern Mastermind, dessen Gründerfamilie zu den privilegierten 'Alphas' gehört. Jana entwirft virtuelle Welten, wartet und erweitert sie bei Bedarf. Die Menschen verbringen fast ihre ganze Zeit in Kapseln in großen Sammeldepots und besuchen virtuelle Welten, denn das Leben in der Realität ist kaum auszuhalten, hohe Temperaturen, eine zerstörte Umwelt und knappe Nahrungsmittel machen virtuelle Erlebnisse zur sehr viel attraktiveren Alternative.
Nur die Alphas leben in den wenigen noch intakten Gebieten.
Janas neueste Welt ist Canvas, eine Art Stellenvermittlung für stundenweise Aufgaben in allen möglichen Welten. So kann man Punkte verdienen, die für den Erwerb von Weltenpässen nötig sind.
Bezüge zum Vorgängerband Cryptos, der bereits vor sechs Jahren erschien, sind gut in die Geschichte integriert, so dass ich keine offensichtlichen Verständnisschwierigkeiten hatte. Im Buch sind die Cryptos-Ereignisse ein Jahr her und dem bisher inhaftierten Lauritz ist die Flucht gelungen. Und seit kurzem verschwinden Menschen aus den verschiedensten Welten, ein Rätsel, das Jana und die anderen vom Designcenter lösen wollen.
Es macht großen Spaß, Jana auf der Suche nach Lauritz und nach Antworten in die virtuellen Welten zu begleiten. Ursula Poznanski beschreibt sie so lebendig, einfallsreich und anschaulich, dass ich mich in die vielfältigen Welten mit hineinversetzt fühle, ich mich entspanne, genieße, staune oder Gänsehaut bekomme. Lange gibt es mehr Fragen als Antworten, aber da aus Janas Ich-Perspektive erzählt wird, kann ich ihren Gedanken folgen und fühle mich nicht allein gelassen.
Die Darstellung der Welten und Janas Erlebnisse dort sind fesselnd, die Charaktere bleiben jedoch eher blass, hier habe ich Tiefe vermisst. In 'Canvas' übt Ursula Poznanski Gesellschaftskritik an der abgeschotteten und auch rücksichtslosen Lebensweise der Elite und an verpasstem Klimaschutz.
Die Geschichte ist spannend und überrascht mit Wendungen, eine fand ich besonders clever erdacht und grandios, die hatte ich überhaupt nicht kommen sehen. Mir hat der Near-Future-Thriller großes Lesevergnügen bereitet. Schon das physische Buch ist ein Highlight mit dem Farbschnitt und der hochwertigen Verarbeitung. 'Canvas' hat mir sehr gut gefallen und bekommt von mir 4,5 Sterne.
Atmosphärisch und spannend
DAISY – Und all deine Geheimnisse werden mir gehören von Melanie Raabe
Die Berliner Anwältin Luca geht nachts einer ungewöhnlichen Beschäftigung nach. Sie bricht bei boshaften Menschen ein, die straflos mit ihren Vergehen davon gekommen sind und hinterlässt außer einem Gänseblümchen etwas, was diesen Leuten die Sicherheit nimmt, dass ihr Handeln auch in Zukunft ohne Konsequenzen bleiben wird.
Doch plötzlich hängen in der ganzen Stadt Plakate, die sich für Luca wie Drohungen lesen. Wer dreht den Spieß um und bringt ihre ganze Existenz in Gefahr?
Durch Lucas Ich-Perspektive lerne ich die junge Frau gut kennen und teile ihre Gedanken und Gefühle. Da gibt es ein nicht verarbeitetes Trauma, das mit ihrer Jugend zu tun hat, von der in einem zweiten Handlungsstrang ebenfalls in Ich-Perspektive erzählt wird und wodurch Lucas Entwicklung und Beweggründe allmählich klar werden.
Melanie Raabe schreibt bildhaft und eindringlich, die Geschichte fesselt von Beginn an und ich habe mit gerätselt, wer ihr Feind und was seine Motivation ist. Wie Luca war ich mir lange nicht sicher.
Die Figuren sind überzeugend ausgearbeitet, sie sind interessant und erscheinen authentisch, besonders Luca ist ein tiefgründiger und psychologisch schlüssiger Charakter.
Mit seinen unerwarteten Wendungen und einer beklemmenden Atmosphäre hat mir der spannende Thriller um Vertrauen, Geheimnisse und ein bedrohliches Katz-und-Maus-Spiel sehr gut gefallen und mich bestens unterhalten. Wieder ist Melanie Raabe ein lesenswerter Roman gelungen. Das dunkel gehaltene Cover passt perfekt zum Buch.
Spannend und komplex
Opfer, die wir bringen von Roman Voosen; Kerstin Signe Danielsson
Der dritte Fall für Jon Nordh und Svea Karhuu hat ein ungewöhnliches Setting. In einer alternativen, anthroposophisch arbeitenden ländlichen Gemeinschaft werden drei halbwüchsige Mädchen erschossen aufgefunden. Angehörige und andere Mitglieder der Kommune sind nicht sehr kooperativ und Jon und Svea sehen sich bei aller Betroffenheit wegen des Todes von drei jungen Menschen, äußerst schwierigen und umfangreichen Ermittlungen gegenüber.
Zu Beginn werden die Hintergründe der beiden Hauptfiguren (nicht nur) für Neueinsteiger in die Serie gut verständlich zusammengefasst. Sveas Privatleben ist durch ihre Angst um ihren Freund aus Furcht vor dem früheren Chef massiv beeinträchtigt und Jon ist mit seinen privaten Recherchen zum tödlichen Autounfall seines Kollegen und Jons Ehefrau nicht weitergekommen, gibt seinen Verdacht aber auch nicht auf. Er ist seit über zwei Jahren verwitwet und als alleinerziehender Vater trotz der Hilfe seiner Schwiegermutter überfordert, ständig erschöpft und ihm unterlaufen bei den Ermittlungen kleine Fehler, auf die ihn sein Team hinweist.
Svea hat mir als Ermittlerin diesmal besser gefallen als Jon, sie ist mit ihrem guten Gespür erfolgreicher als ihr erfahrener Kollege, der ihre Fähigkeiten zu schätzen weiß.
Erzählt wird aus den wechselnden Perspektiven Jons und Sveas und auf zwei Zeitebenen: zweieinhalb Jahre zuvor setzt das Tagebuch eines der erschossenen Teenager ein.
Der Schreibstil der Autoren ist lebendig, atmosphärisch und bildhaft, so dass ich mir Sveas Erlebnisse im unwirtlichen Nordschweden gut vorstellen kann oder auch die Ereignisse auf der kleinen Schäreninsel. Die Figurenzeichnung ist gelungen, auch Nebencharaktere werden glaubhaft beschrieben.
Voosen/Danielsson sprechen auch aktuelle gesellschaftliche Probleme an wie Rechtsradikalismus, Misogynie, grooming, und geben ihrem Thriller trotz des besonderen Settings so einen realitätsnahen Rahmen. Das Verhältnis von Details aus dem Privatleben und den beruflichen Ermittlungen finde ich ausgewogen.
'Opfer, die wir bringen' ist durchgehend spannend und komplex, führt auf falsche Fährten und überrascht mit unerwarteten Wendungen, am Schluss bleiben keine losen Fäden. Die Kapitel enden oft mit Cliffhangern und die gibt es auch im Epilog hinsichtlich Sveas und Jons offenen privaten Fragen – meine Neugier auf den nächsten Band ist auf jeden Fall geweckt. Den werde ich genau so gern lesen wie die ersten drei Bände der 'Tatort Malmö`-Serie.
Spannend, komplex und mit überraschenden Wendungen
Tod in heller Sommernacht von Lisa Sarah Brandstäter
Die Studentin Lina wird in einer Sommernacht auf dem Heimweg brutal mehrfach überfahren. Leena Victor und Sebastian Nyberg von der Mordkommission Helsinki übernehmen die Ermittlungen im Küstenort Parvoo. Bei den Befragungen stoßen sie auf Widersprüche, Ungereimtheiten und auch Lügen. Schnell zeigt sich, dass die Aufklärung des Mordfalls mühsam sein wird.
Obwohl ich den ersten Band der Reihe nicht kenne, hatte ich nicht das Gefühl, es fehle mir Hintergrundwissen. Leenas Geschichte wird zu Beginn gut zusammengefasst, auch von ihren Kollegen kann ich mir schnell ein Bild machen. Leena liebt die Polizeiarbeit, ist hartnäckig und vertraut auf ihre Intuition. Leena und Sebastian sind authentische Charaktere, besonders Leena erscheint nahbar, Sebastian ist zunächst etwas zurückhaltender.
Obwohl der teilweise auch überraschende Hintergrund vieler Nebenfiguren im Lauf der Handlung offenbart wird, blieb bei mir doch zu den meisten eine Distanz, Gefühle empfand ich eher 'erzählt' als 'gezeigt' und auch das Handeln mancher Charaktere konnte ich nicht immer nachvollziehen.
Die Spannung nimmt mit der Komplexität des Krimis zu, wozu auch wechselnde Perspektiven und Andeutungen an Kapitelenden beitragen. Die ein oder andere Wendung war mir etwas zu konstruiert und auch der Zufall spielt eine Rolle, trotzdem hat es Spaß gemacht, mit zu ermitteln. Lisa Sarah Brandstäter spricht auch gesellschaftliche Probleme an, wodurch die Geschichte realistisch und aktuell wirkt. Der Schreibstil der Autorin ist klar, lebendig und bildhaft, gut gelungen ist die atmosphärische Schilderung des finnischen Sommers am Meer, wo die Natur auch erholsame Ruhe bedeutet. Dazu passt das Cover mit der idyllischen Darstellung eines Stegs am Wasser, allerdings zeigt es auch düstere Wolken bis zum Horizont...
Ich hab den spannenden Krimi um die Aufklärung eines brutalen Mordes, mit seinen vielschichtigen sozialen Beziehungen, überraschenden Geheimnissen und einem ausgewogenen Verhältnis von Privatleben und Polizeiarbeit gern gelesen, er hat mich gut unterhalten.
Spannend, beklemmend und aktuell
Keine Angst, Darling von Vera Buck
Paula und Lea haben sich vor Jahren schon entfremdet und Paula steht Leas Selbstinszenierung als Tradwife äußerst skeptisch gegenüber, aber als sie bemerkt, dass Lea seit Wochen nichts mehr gepostet hat und sie ihre Schwester auch nicht erreichen kann, reist sie kurz entschlossen nach Florida, um nach Lea zu sehen.
Aber Lea ist nicht in der Gated Community 'Sancta Familia', sie sei in einem Retreat, behauptet ihr abweisender Mann. Paula begibt sich auf die Suche nach Lea.
Paula erzählt aus ihrer Ich-Perspektive, während Leas Geschichte aus personaler Sicht in Rückblenden, beginnend vor sechs Jahren und sich der Gegenwart annähernd, vor mir ausgerollt wird. Paulas Beschreibung ihres turbulenten Familienlebens ist so authentisch wie humorvoll, doch von Beginn an wird die Sorge um die jüngere Schwester deutlich. Lea macht einen labilen Eindruck und scheint in dem selbstsicheren starken Matt den passenden Partner gefunden zu haben, der ihr Sicherheit bietet. In der abgeschotteten Luxussiedlung entwickelt sie sich, zunächst aus Langeweile, zur Tradwife, einer Hausfrau, die das Jahrzehnte alte Rollenbild der sich dem Mann unterordnenden Ehefrau lebt und bald Millionen Follower ihrer perfekten Inszenierung in den Social Media hat. Eingeschobene Videos, Interviews und von Fans gepostete Kommentare lassen das Leben einer Tradwife lebendig werden und wecken in mir Unbehagen, genau wie die Schilderung des Alltags in der Sancta Familia.
Vera Buck schreibt bildhaft und intensiv, baut gekonnt auf beiden Erzählebenen eine bedrohliche Atmosphäre auf, schildert glaubhaft, wie Frauen sich zu Tradwives entwickeln und macht auch deutlich, wie sehr Männer von diesem Rollenbild profitieren.
Die Figurenzeichnung auch der Nebendarsteller ist gelungen und glaubhaft, wobei Leas Charakterisierung erst nach und nach vervollständigt wird, Lea entwickelt sich.
Die Autorin schafft es, mich auf falsche Fährten zu locken und untermauert meine Vermutungen scheinbar im weiteren Verlauf der spannenden Geschichte, bis ich bemerke, dass ich auf dem Holzweg bin.
'Keine Angst, Darling' hat mich mit seinen überraschenden Wendungen und der fesselnd erzählten, eskalierenden Handlung rund um ein aktuelles Thema bestens unterhalten. Sehr aufschlussreich und interessant ist für mich das Nachwort, hier geht Vera Buck ausführlich ein auf die Strukturen und Muster, die häusliche Gewalt und das Phänomen der Tradwives gemein haben.
Spannender Horror-Roman
Die Villa von Markus Heitz
Doreen ist seit ihrer Kindheit fasziniert von einer Villa im Leipziger Stadtteil Gohlis und kann ihr Glück kaum fassen, als sie bei der Zwangsversteigerung den Zuschlag für die vernachlässigte Villa im Poetenweg erhält. Obwohl ihre pubertierende Tochter Marina sich zuerst sträubt, ziehen die beiden schnell im Poetenweg ein.
Den beiden Frauen geht es gut in der Villa, Wünsche werden wahr und besonders Marina ist glücklich mit dem neuen Zuhause und macht engagiert bei der Renovierung mit.
Mit der Beschreibung der Zwangsversteigerung und der realistischen Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Doreen und Marina beginnt der Roman vermeintlich harmlos, doch in der Villa herrscht von Anfang an eine geheimnisvolle Atmosphäre.
In einem zweiten Erzählstrang hadert Ethan Ryce in London mit dem plötzlichen und gleichzeitigen Tod seiner Mutter und ihrer langjährigen Freundin. Er versteht die Todesumstände nicht und beginnt, anhand von alten Fotos in der Familiengeschichte zu recherchieren, andere Möglichkeiten hat er nicht.
Erzählt wird aus den wechselnden Perspektiven der Hauptfiguren, Cliffhanger an Kapitelende tragen zur Spannung bei. Bildhaft und anschaulich schildert Markus Heitz die Ereignisse in der Villa und während Ethans Nachforschungen, die zu Mitgliedern einer alten okkultistischen Loge führen. Sehr interessant, wenn auch nur kurz erwähnt, fand ich, wer damals dazu gehörte und auf Fotos im hinteren aufklappbaren Umschlag zu sehen ist. (Auch der vordere Umschlag ist gelungen und zeigt schön schaurig eine wichtige 'Figur' der Handlung.) Ebenfalls spannend war es, über das in der Vergangenheit real existierende Cabaret Du Néant zu lesen, dessen Nachfolgeetablissement Ethan in Paris aufsucht.
Nicht gefallen hat mir die vulgäre Sprache in zwei, drei Szenen. Das fand ich überflüssig, weil der übernatürliche Horror auch nonverbal deutlich wird.
Markus Heitz beweist seine einfallsreiche Fantasie beim düsteren Horror im Poetenweg, der immer mehr eskaliert, und packend bleibt bis zum Schluss die Frage, wer noch sterben muss und ob Doreen und Marina überleben werden.
Cosy Crime an Cornwalls Küste
The Shell House Detectives von Emylia Hall
Ally und Jayden treffen am Strand aufeinander, wo ein junger Mann von den Klippen gestürzt ist. Ally ist sehr betroffen, als sie erkennt, dass es Lewis Pascoe ist, der am Vorabend bei ihr geklopft und Hilfe von ihrem verstorbenen Mann angefragt hatte. Ally und Jaydon sind beide mitgenommen durch den Vorfall, verstehen sich auf Anhieb und beschließen, zusammen aufzuklären, was es mit dem Sturz auf sich hatte, um so mehr, als am gleichen Morgen Allys Nachbarin Helena Hunter nicht vom Joggen zurück kommt und spurlos verschwunden scheint.
Ally Bright ist verwitwet, einsam, und lebt außerhalb von Porthpella in den Dünen. Das Meer gibt ihr Kraft, sie läuft jeden Tag am Strand und sammelt Treibgut und Plastikabfall, den sie zu beeindruckenden Collagen verarbeitet.
Jayden Weston ist nach einem traumatischen Ereignis aus dem Polizeidienst ausgeschieden und mit seiner hochschwangeren Frau in deren Heimatort Porthpella in Cornwall gezogen.
Emylia Hall schreibt im Präsens, die Geschichte ist einfach und angenehm zu lesen, klar und anschaulich beschreibt Emylia Hall die abwechslungsreiche Küste Cornwalls mit ihren Dünen und malerischen Orten und die Faszination, die das Meer auf viele Menschen ausübt.
Durch wechselnde Perspektiven lerne ich viele Charaktere kennen, die nicht immer die Handlung voran bringen, aber zum Setting gehören. Die Figuren machen sich viele Gedanken, erinnern auch die Vergangenheit, aber meist nur für sich, es gibt wenig Austausch mit anderen. Es wird für meinen Geschmack zu viel erzählt und zu wenig gezeigt, entgegen dem Grundsatz „show, don't tell“.
Bei den Ermittlungen erweist sich Jayden als scharfsinnig und Ally ist beharrlich und intuitiv. Beide sind sympathisch und entwickeln sich im Lauf ihrer Nachforschungen.
Und es gibt noch mehr Protagonisten, deren Leben sich in diesen drei Tagen verändert. Trotz einiger Wendungen und falscher Fährten hat mir 'The Shell House Detectives' auf Figurenebene besser gefallen als auf Krimihandlungsebene, da fehlte es mir auch an Tempo. Insgesamt habe ich den atmosphärischen Cosy Crime-Roman gern gelesen.
Spannend, fesselnd und klug konzipiert
So kalt die Nacht von Marika Neitz
Mehrere ältere Menschen finden einen grausamen Tod, indem sie versteckt und gefesselt dem Verdursten überlassen werden.
Kriminalhauptkommissarin Anna Melcher soll den Fall aufklären. Anna ist alleinerziehend und ihr pubertierender Sohn sorgt für reichlich Stress, darüber hinaus machen ihr auch Panikattacken das Leben schwer.
Der neue Kollege Frieder Tann, operativer Fallanalytiker, ist pedantisch, hat offensichtlich eine Störung im Autismus-Spektrum und nervt Anna anfangs sehr. Aber die Zusammenarbeit mit Tann läuft gut, er trägt zu den Ermittlungsergebnissen bei und hat umfangreiches Wissen. Anna lernt ihn zu schätzen und zu mögen und auch Tann mag Anna trotz des Chaos im Büro (bevor Tann dort mit einzog), da sie ihm unvoreingenommen begegnet.
Es gibt keine Gemeinsamkeiten der Mordopfer und der Täter hinterlässt keine verwertbaren Spuren, und so konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Vergangenheit, die bei allen Toten zum Kölner Stadtteil Chorweiler führt.
Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven und es gibt Rückblenden zum Chorweiler Jugendamt Mitte der 1980er Jahre. Marika Neitz schreibt lebendig und bildhaft, angenehm zu lesen und vermittelt glaubhaft und nachvollziehbar die Gefühle der verschiedenen Protagonisten.
Die Figurenzeichnung ist sehr gelungen, auch Nebencharaktere erscheinen realitätsnah und glaubwürdig. Situationen und Dialoge zwischen den so unterschiedlichen beiden Ermittlerpersönlichkeiten sind humorvoll und schaffen willkommene Atempausen von der ab dem Prolog bedrückenden Atmosphäre der spannenden Krimihandlung.
Die Autorin legt falsche Fährten und konnte mich mit der ungewöhnlichen Auflösung überraschen. Besonders tragisch finde ich, wodurch die Mordserie ausgelöst wurde. Marika Neitz hat einen durchdachten, überzeugenden und durchgehend fesselnden Krimi geschrieben, der mir sehr gut gefallen hat.
Spannender Thriller mit interessantem Ermittlerduo
Kaltes Versprechen von Katharina Peters
Kommissarin Rebekka Just ist sehr betroffen, als die Kriminalpsychologin Hannah Jakob in ihrem Haus tot aufgefunden wird. Sie kannte und schätzte Hannah und glaubt von Anfang an nicht, dass der tödliche Treppensturz ein Unfall war. Doch die umfassenden Ermittlungen der Hamburger Mordkommission bleiben ohne Ergebnis und schließlich ermittelt nur noch Rebekka in dem Fall.
Hilfe bekommt sie überraschend von Krølle, einem Undercover-Agenten, der im Verborgenen arbeitet, dem keine Grenzen gesetzt sind und der Hannah Jakob seit Jahren kannte.
Es handelt sich um den ersten Band einer neuen Reihe und mir gefällt, wie die verschiedenen Figuren, einschließlich der Kolleginnen und Kollegen, eingeführt und beschrieben werden. Die Charaktere sind vielschichtig und zeigen auch glaubhafte Emotionen. Besonders berührt hat mich Kommissar Elmo Bruhn, der an einem anderen ungelösten Mordfall zu zerbrechen droht.
Die Fallanalytikerin Rebekka Just ist nach Stationen in Hannover und Berlin noch nicht lange in Hamburg. Sie ist direkt, zielstrebig, scharfsinnig und gründlich. Krølle ist ein geheimnisvoller Mann, radikal tierlieb und seit einiger Zeit verunsichert, er traut seinem inneren Kompass nicht mehr wie früher. Hier hätte ich gern mehr erfahren, zu der Entwicklung kam es wohl in einem anderen Krimi der Autorin, den ich nicht gelesen habe.
Katharina Peters Schreibstil ist angenehm zu lesen, lebendig, bildhaft und atmosphärisch. Die Autorin erzählt vorwiegend aus Rebekkas oder Krølles Perspektive und beschreibt realitätsnah die komplexen Ermittlungen, bei denen Rebekka sich innerhalb des Behördensystem bewegen muss, im Gegensatz zu Krølle. Immer mehr Nebenschauplätze tun sich auf und es sind sehr viele Figuren involviert, ich musste konzentriert lesen, um den Überblick zu behalten. Allmählich werden Hintergründe und Zusammenhänge klarer und die letztendlich ermittelte Tragweite des Verbrechens ist erschreckend.
Mir hat der spannende, clever konzipierte Thriller mit seinem passenden, düsteren Cover mit dem auffälligem Schnitt gut gefallen und ich freue mich auf weitere Fälle für Krølle und Rebekka Just.











