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Rezensionen von mari_liest:

Die Message kommt auf leisen Sohlen

Kangal von Anna Yeliz Schentke

“Von Deutschland aus wählen sie die Parteien, die mein Land zu einem gemacht haben, in dem man nicht mehr bleiben kann.”

Die offensichtlichen und doch unvorhersehbaren Unruhen in der Türkei, machen sich schleichend auch im Leben von Tekin und Dilek breit. Dilek operiert online als Kangal1210.

Der Umgang mit den Menschen - nach dem gescheiterten Putschversuch im Jahr 2016 – ist für Dilek nicht in Ordnung. Personen, die sich gegen das Regime äußern verschwinden. Ein falsches Wort, ein unbedachter Satz, ein demonstratives Gespräch, das die falschen Personen hören; und man findet sich im Gefängnis wieder. Eines Tages ist Dilek fort, ohne ein Wort, in Deutschland untergetaucht.

Ein Teil ihrer Familie lebt dort. Der Teil, mit dem sie früher Sommerurlaube in der Türkei verbrachte, bevor die Mütter sich zerstritten hatte. Ihre Cousine Ayla, mit der sie sehr eng verbunden war. Doch ist diese Verbundenheit nach all den Jahren und der Absenz noch immer da? Kann man sich, in Zeiten wie diesen, vertrauen? In Zeiten, wo in der Türkei Menschen ohne Vorwarnung verhaftet werden, währen die Türken in Deutschland dies abtun, als ob es nicht passiert? Kann sie je wieder zurück in ihre Heimat? Wird sie Tekin und die anderen je wiedersehen?
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„Ich weiß, Dilek wird nie still sein, egal wo sie ist. Selbst wenn Baran Kangals Namen nennen würde. Dilekt ist nicht Kangal und Kangal ist nicht Dilek. Wir sind Kangal und auf Dauer sind wir mehr.“
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Als ich zu Beginn in die Geschichte eintauchte, hat sie mich so gar nicht abgeholt, bin ich doch thematisch in der politischen Lage in der Türkei nur am Rande drin. Es kam mir langweilig vor, dachte mir, was soll da Großartiges kommen. Doch der Irrtum offenbarte sich recht flott, denn auch wenn die einzelnen Protagonist*innen sprachlich immer nur in kurzen Episoden auftauchen, so sagen sie dennoch genug, um herauszufinden, dass ZU VIEL GESPRÄCH einen das Leben kosten kann. Das permanente Gefühl „einen Verfolger“ zu haben, ist für mich unvorstellbar. Der psychische Druck. Die tägliche Angst verraten zu werden. In Verbindung gebracht zu werden, mit möglichen feindlichen Personen des Regimes. Mit bester Phantasie kann ich mich nicht hineindenken. Nur fürchten, Kopfschütteln und Gänsehaut bekommen – das kann ich.
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Auf den ersten Blick wäre meine Kritik, dass das Buch nicht sehr in die Tiefe geht. Nach etwas Nachdenken braucht es das hier aber nicht, finde ich. Das was wir hier lesen (und auch nicht lesen) ist völlig ausreichend, um zu erahnen, dass es einfach falsch läuft, dass es prekär werden kann, dass MANN mit Ängsten und Macht spielt. Und eines wird klar, die Türkei ist nicht nur bekannt für Urlaubs-Halligalli und einen schönen Markt, wo man einkaufen kann. Nein, sie steht auch für eine Politik, die keinen Widerstand duldet, egal welcher Art.

Ich freue mich auf weiteres von der Autorin und hoffe, dass sie thematisch anknüpft – ich bin sehr interessiert.
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Ein tolles Buch, dass mich nach wenigen Seiten total eingesogen hatte, sodass ich es bis 3 Uhr morgens weginhalierte.
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LESEEMPFEHLUNG & Jahrehighlight!

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Könige und Melkkühe

Die Kinder sind Könige von Delphine Vigan

Mélanie betreibt einen sehr erfolgreichen Familienkanal auf Youtube, „Happy Récré“. Hauptakteur*innen dieser Kanäle sind ihre Kinder Sammy und Kimmy. Nach jahrelangem Hinhecheln auf Ruhm und Moneten hat Mélanie den Durchbruch geschafft, zwar mit ihren Kindern, dennoch flattern die Scheinchen und die Bekanntheit täglich schwer bei der Tür herein.

Millionen Follower*innen und extrem einträgliche Sponsoringverträge machen die Familie reich.
Als Tocher Kimmy älter wird hat sie immer weniger Lust sich dauernd filmen zu lassen und nett in die Kamera zu lächen. Doch Mommy-Influencerin Mélanie übersieht den Unmut und psychische Belastung ihrer Tochter, ignoriert sie förmlich, da sie die Sichtbarkeit, Klicks und Likes für ihren Selbstwert braucht. Doch eines Tages ist Kimmy verschwunden und Mélanie verfällt in einen weiteren, ganz persönlichen Wahnsinn, der auch ihre Familie in die Tiefe reißt. Die Realität rauscht bei der Türe herein wie ein ICE und mit ihr die Polizeibeamtin Clara.

Aktueller, notwendiger, eindringlicher, gefährlicher denn je – sind die realen digitalen Situationen um die neue Lektüre von Delphine de Vigan. Wie oft sehen wir sie auf Instagram … die Mommy-Influencerinnen, die laut mutmaßen, wie gerne ihre Kinder sich online zeigen und wie wichtig den Kindern das auch ist. Was für ein B.U.LL.SH.I.T. Die Unschuld der Kleinen wird bis in die persönlichen Tiefen ausgenutzt, einzig und allein, um es sich in den Dagobert-Talern gemütlich zu machen.
Die Autorin schreibt sehr stark und raffiniert über das Mysterium der heutigen Zeit, in dem Fame-Mütter ihre Kinder instrumentalisieren und diese finanziell melken, ohne Rücksicht auf Verluste. Protokollartig werden das Verschwinden und die letzten Tage im Buch beschrieben. Und das hat mich extrem gefesselt. Den Schreibstil mag ich sowieso sehr gerne und den Aufbau der Bücher auch. Wir lernen Mélanie in drei Erzählsträngen kennen, die sehr interessant die Geschichte verweben: als Jugendliche, zum Verschwinden ihrer Tochter im Jahr 2019 und in der Zukunft, im Jahr 2031. Lesend streifen wir aus verschiedenen Perspektiven der Handlungsträger*innen durch den Roman.
Da die Mutter ihre Kinder wie Kamele verhökert, ist der Titel sehr passend: Die Kinder sind Könige! … im Sinne von königlichen Melkkühen & der Ausbeutung selbiger im Netz.

Gesellschaftskritik verpackt in eine Art Krimi – well done! Ich bin total begeistert und daher eine große Leseempfehlung!

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Eine entspannende Geschichte für zwischendurch

Sommerschwestern von Monika Peetz

Die vier Schwestern Amelie, Helen, Doro und Jella haben ihre Sommerferien mit ihren Eltern fürher immer in Holland in Bergen verbracht. Doch eines Tages stirbt der Vater bei einem Autounfall und es ist nichts mehr wie es war.

Jetzt, 20 Jahre später erhalten die Schwestern eine ominöse Einladung ihrer Mutter, Henriette Thalberg, zum alten Familienort.

Eine wichtige Kunde stehe an.

Vorrangig befinden wir uns in den Gedanken von Jella, die ihres Gefühls nach, die Vorgaben ihrer Mutter nie erreichen kann und konnte. Sowohl persönlich nicht, als auch mit der Partnerwahl nicht. Henriette Thalberg, würde ich als egozentrischen Menschen wahrnehmen, würde die Geschichte nicht einiges von ihrem Leben preisgeben. Doro, die älteste der Schwestern, scheint den Stein im Brett der Mutter zu haben, war sie sogar in das Vorhaben der Mutter eingeweiht und benötigt immer einen Platz im Mittelpunkt. Die beiden Zwillinge Amelie und Helen sind ebenfalls wie Tag und Nacht, was ihre Persönlichkeit angeht.

Im Laufe der Geschichte lernen wir die Schwestern jede individuell, dennoch nicht sonderlich in die Tiefe kennen. Wir haben teil an Streitigkeiten unter Schwestern, Konfliktgesprächen von Kindern und Müttern, persönlichen Animositäten in Beziehungen. Als plötzlich die besagte „Kunde“ der Mutter ins Spiel kommt, nimmt alles eine gefühlsbetonte und tragische Wendung.

Ich habe das Buch als Hörbuch auf Bookbeat entdeckt und mich in die Geschichte fallen lassen. Es war angenehm für zwischendurch, nicht besonders tiefgreifend, dennoch spannend auf seine Art. Die Handlung plätschert bis zum Schluss gleichbleibend vor sich hin. Es ist kein Buch, welches einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen wird, dennoch habe ich es sehr gerne gehört und ich möchte es für zwischendurch, als entspannende, feine Lektüre jedenfalls empfehlen.

Inka Teichmüller hat das Buch gelesen und ich fand ihre Stimme sehr angenehm.

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Eine wertvolle, liebevolle, biographische Reise

Auf Basidis Dach von Mona Ameziane

„(…) Jede allgemeine Kritik gegen das Verhalten von Menschen in Marokko ist immer auch ein kleiner Angriff auf meine Identität und damit im weitesten Sinne auf meine Familie. Manchmal möchte ich auch zeigen, dass unter der glatten Schale von Argumenten, die schlüssig und klar klingen, viele weitere Facetten liegen, die man erst mühevoll freilegen muss, (…)“ (S.

59)

Mona Ameziane, ein Name, der vielen von uns sicher bekannt ist :-) Der Papa Marokkaner, die Mama ist Deutsche. Mona wuchs in Deutschland auf und verbrachte viele ihrer Ferien in Marokko bei ihren Großeltern. Sich daheim fühlen in zwei Kulturen, sprechen von zwei Sprachen, dem Umgang mit der Religion (Allah oder Gott) und verzichtbaren Rassismus-Erfahrungen – darin dürfen wir miteintauchen.

Ich war mit Mona im Urlaub! Sowohl im familiären als auch im kulturellen und ich habe es sehr genossen. Es war eine einfühlsame, wohlige, warme Reise, auf die ich Mona begleiten durfte, zu einem Teil ihrer Wurzeln, zu ihrer Familie, ihrem Großvater, Großmutter Lalla, ihrem Papa, den Märkten, den Bergen, haben-wollenden Teekannen und netten Taxifahrern, namens Mohammed. Mona hat uns Marokko ungeschminkt und ungeschönt vorgestellt mit all seinen Ecken und Kanten, so wie auch wir Menschen sind. Und Menschen machen ein Land aus, machen es hoffentlich auch zu einem zu Hause, in das mehr gerne immer zurückkehrt. Dennoch auch mit seinen wunderschönen Seiten, der Gastfreundschaft, der Familie, den Eigenheiten dieses offensichtlich schönen Landes, welches ich leider noch nicht persönlich kenne.
„Irgendwann wirst du merken, dass es ein Geschenk ist, in zwei Ländern dieser Welt zu Hause zu sein“ hat mein Vater immer wieder früher zu mir gesagt.“ (Seite 15).
Die Wärme der Vater-Tochter-Beziehung hatte für mich eine starke Sogwirkung. Ich habe mich so wohl gefühlt beim Lesen. Und ich wäre so gerne dabei gewesen, als die beiden durch die kleinen Gassen und Straßen gehirscht sind, oder als sie Mohammed’s Familie kennenlernten. Auch den kritischen Teil über Marokko beleuchtet Mona ohne Umwege. Und obwohl das Buch auch bedrückende und furchtbare Themen streift, ist es dennoch ein Wohlfühlbuch, voller Liebe, Zuneigung und Respekt gegenüber der zweiten Heimat. Eines, dass ich sicherlich wieder zur Hand nehmen werde, um es mir gemütlich zu machen für eine Reise mit Mona nach Fes und mit ihr dort gedanklich einen Tee zu schlürfen (ohne Zucker).

Und wer Mona jetzt noch immer nicht kennt, folgt ihr am besten direkt auf Instagram und hört sonntags ihre Radiosendung auf 1Live oder ihren Podcast.

Und da ihr sicher auch alle wissen wollt, wer Basidi ist: lest Mona’s Buch!

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Stimmen & Gesichter

Gesichter von Tove Ditlevsen

“Nur wenn sie schrieb, drückte sie sich selbst aus, und ein anderes Talent besaß sie nicht.“ (S. 9)

Hinweis "Spoiler":
Lise Mundus, Mutter von Soren, Hanne und Mogens, gefeierte Autorin von Kinderbüchern, schafft es seit 2 Jahren nicht nur eine Zeile zu schreiben. In der Familie geht etwas vor sich.

Lise ist überzeugt, dass ihre Haushälterin Gitte ihren Mann Gert verführt. Es muss ihm gefallen, er hatte ja schon Affären – denn er kann ja nicht mit einem Stück Literatur ins Bett gehen, sagt der erfolgs-eifersüchtige Ehemann. Lise steigert sich immer tiefer in ihre Sorgen und kann schließlich die Realität von ihrer Gedankenwelt nicht mehr unterscheiden. Ihre psychische Verfassung wird immer schlimmer. Sie hat Angst, nie mehr ein Buch schreiben zu können. Sie hört Stimmen. Sie sieht Gesichter. Sie ortet eine Verschwörung. Als sich die erste Affäre ihres Mannes suizidiert, denkt auch Lise, dass sie nur mit einer Überdosis aus ihrem ganz persönlichen Horror entfliehen kann.

Als sie aufwacht, ist sie im Krankenhaus. Die Stimmen und Gesichter, ihre stetigen Begleiter, sind auch hier. Sie haben sie nicht verlassen. Sie sieht und hört sie überall. Sie hört die Stimmen in ihrem Kopfpolster. Sieht die verräterischen Gesichter auch in den Menschen, die dort arbeiten. Sie misstraut allem und jedem. Schließlich wird sie auf die geschlossene Abteilung für psychiatrisch Kranke verlegt. Wird Lise’s inneres heilen?

Dieser Roman ist kurz, dennoch tiefgründig. Er ist real, dennoch auch täuschend und voller Einbildung. Er geht ins Herz, und macht dennoch argwöhnisch. Er zeigt tiefe Abgründe und büßt dennoch thematisch nichts ein. Er ist schonungslos, offen und trifft direkt ins Herz. Genie und Wahnsinn liegen wirklich sehr nah beieinander.

Der Umgang Lise’s mit der Einnahme einer Überdosis aus dem eigenen Alltag zu entfliehen, steht für mich für eine Art Befreiung. Befreiung vom Druck der Mutter, der Ehefrau, der Autorin. Und nur mit dieser persönlichen Extraktion aus ihrer Situation, konnte sie gesund werden.
Das Buch hat mich eingesogen. Beim Lesen kam mir vieles surreal vor und doch weiß ich, dass es diese Gedanken, Menschen und Situationen gibt. Gefühlt war ich Monate mit Lise im Krankenhaus. Doch waren es nur 3 Wochen. Sprachlich sehr besonders, stellenweise poetisch, tiefgründig, begeisternd. Keine einzige Stelle fand ich konstruiert oder zu sehr gewollt.

Bin total begeistert! Große Leseempfehlung!

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Liebenswerte, tollpatschige Elsa Stern

Liebe, Männer, Eierlikör ...und andere Katastrophen von Elsa Stern

Von einer Katastrophe zur nächsten, tollpatschig, liebenswert und dem Eierlikör verfallen … von wem reden wir? Richtig, von Elsa-Antoinette Stern, ihres Zeichens Sternderl.
Sternderl nimmt das Leben wir es kommt, mit Humor, sehr vielen Fettnäpfchen, viel Selbstironie und bei hoher Frustrationstoleranz schlürft sie halt einfach mal ein oder zwei Eierlikörchen, dann ist das Leben wieder gut.

Sternderl auf der Suche nach dem Liebesglück, 29 und unverheiratet, wird sie auch mal kreativ und bumst (haha Wortspiel) jemandem hinten ins Auto. So landet sie vor Gericht und wird dann von ihrem Anwalt, dem Herrn Winkler, mal eindringlich umworben. Doch den Herrn Winkler, den hat sie so gar nicht am Schirm. Sondern den Anwalt der Gegenpartei, den Herrn Q. Da fährt ihr doch gleich die Butter in die Knie. Und so reiten wir ein in die Welt der Elsa Stern und ihrer Familie, ihren Fettnäpfchen und der Story um ihren Traummann. Wir lernen ihre Familie kennen – oh Gott, ich wäre ja schon ausgewandert bei der Mutter, der Tante und der Dumpfbacke von Cousine, die bald heiratet. Als Elsa dann die Brautparty ausrichten muss, geht die Showse erst richtig los (das war übrigens dann auch die Stelle, wo ich fast gestorben wäre vor Lachen). Und mehr verrate ich nicht, ihr müsst schon selbst reinschnuppern und ein Likörchen dabei schlürfen.

An einigen Stellen war es mir persönlich etwas zu übertrieben, denn das sich jemand gar so dumm anstellt, dass kann sogar ich mir nicht vorstellen, und ich habe wirklich viel Phantasie.
Wenn ihr was Lustiges, humorvolles, zum Schreien komisches wollt, gepaart mit etwas Realität und Ironie, dann lest auf jeden Fall rein in das Leben der lieben Elsa Stern.
Was mir sehr gefallen hat, war der Schreibstil aus Sicht von Elsa und der österreichische Charme, der auch schön miteinfließt. Und selbst wenn das Buch an der einen oder anderen Stelle überzogen scheint, so nehme ich klar drei Dinge aus dem Buch mit:
1. Man sollte sich nicht immer so ernst oder wichtig nehmen.
2. Kommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen ist das A und O.
3. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung – schon lange nicht mehr so gelacht (und dabei fast dem Erstickungstod erlegen …) … und ich bin gespannt wie es bei Elsa weitergeht. :-)

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Zauberhaftes Märchen

Die Sonnenwächterin von Maja Lunde

Ich bin ein Sonnenkind. Kälte, Nebel, Regen und Dunkelheit sind nichts für mich … ich liebe es, wenn es wieder wärmer wird. Wenn der Frühling im Anmarsch ist und ich weiß, der Sommer lässt nicht mehr lange auf sich warten.

Leider kennt Lilja den Frühling und die Sonne nicht. Seit sie denken kann ist es grau in grau, nass, dunkel, finster, trist, traurig.

Seit Jahren ist die Sonne verschwunden. Es gibt kaum was zu essen, denn ohne Sonne wächst natürlich auch nichts auf den Feldern, Bäumen und Sträuchern. Lilja’s Großvater besitzt ein Gewächshaus, in dem scheinbar die wenigen Dinge wachsen, um das Dorf halbwegs mit Essen zu versorgen. Einmal pro Woche kommt der Großvater mit einem vollen Korb. Lilja erscheint dies merkwürdig – wie schafft es der Großvater in dieser tristen Welt so farbenfrohes, leckeres Gemüse und Obst zum Wachsen zu bringen? Ihre Neugierde ist groß und Lilja begibt sich auf ein Abenteuer, dass ihre Welt und die des Dorfes ins Wanken bringt.



„Die Sonnenwächterin“ ist eine zauberhafte Geschichte, eine wunderbare Parabel auf Mut, Menschlichkeit, Liebe, Freundschaft und Vergebung, und noch vieles mehr. Eine Geschichte, die Hoffnung gibt. Die Illustrationen sind wunderschön, sie passen so perfekt zur Geschichte. Sie hauchen dem Buch fast Leben ein.

Für mich ist das Buch Magie – es hat mich, trotz der Tristheit, fröhlich gestimmt, denn Lilja ließ sich nicht beirren. Ich freue mich auf den ersten Band aus Maja Lunde’s Feder.

Uneingeschränkte Leseempfehlung!

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Hoffnung sollten wir teilen

Hoffnung von Nermin Ismail

#Hoffnung … etwas, das wir alle schon hatten. Was wir erbeten haben. Uns wünschten. Nach „oben“ schickten in unzähligen Selbstgesprächen. Etwas, das uns #Menschen verbindet. Etwas, das wir alle kennen.

Nermin Ismail geht in ihrem Buch einem tiefmenschlichen Gefühl auf den Grund und berichtet, was Menschen in schwierigen Zeiten #Hoffnung gab.

Sie hat hierzu mit verschiedenen Personen gesprochen, deren Hoffnung schon fast gestorben war. Sie sprach mit #Opfern von Anschlägen, mit #Kriegsflüchtlingen, Migrant*innen, Verfolgten, Menschen, die ihr zu Hause verloren hatten oder verfolgt wurden. Sie schreibt auch von #Genoziden, von Georg Floyd, über Heimat und Familie. Und, sie zeigt uns mit dieser wundervollen Lektüre wie mächtig Hoffnung sein kann und wie unterschiedlich sie zum Tragen kommt, je nachdem, in welcher Lebenslage man sich befindet.

Die Themen, die Ismail aufgegriffen hat, sind die, die weh tun, sie hat tief in die Wunde gedrückt. An manchen Stellen empfand ich es als hoffnungslos, als emotionsverzehrend, aussichtslos. Dennoch lässt Hoffnung uns Menschen nicht aufgeben. Sie (ver-)eint uns an vielen Punkten wieder. Sie gibt uns #Kraft.

Und womit sie vollkommen Recht hat: WIR ALLE sollten mehr über unsere Hoffnungen #miteinander reden! Es wird zu mehr #Verständnis führen.

Ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat und das ich gerne empfehle! #LESEEMPFEHLUNG!

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Eine wichtige Lektüre - Leseempfehlung!

(K)eine Mutter von Jeanne Diesteldorf

„Ein Staat der Schwangerschaftsabbrüche stark einschränkt oder sogar verbietet, vertraut Frauen nicht, sondern erhebt sich über sie und maßt sich an, es besser zu wissen. (im Vorwort von Teresa Brückner)

Schwangerschaftsabbrüche hat es doch schon immer gegeben. Wenn man sie verbietet, unter Strafe stellt oder den Zugang zu Informationen verhindert, nimmt man in Grund einfach nur in Kauf, dass Frauen bei illegalen Abbrüchen sterben.

(S. 122)

Als ehemaliger Mitarbeiterin an eines Krankenhaues in der Abteilung für Gynäkologie & Geburtshilfe war es mir ein Anliegen, dieses wichtige Buch zu lesen.

Jeanne Diesteldorf (@jeannesbilder) hat hier einen ganzen wichtigen Schritt getan und begonnen, mit dem Tabuthema Abtreibung „aufzuräumen“. Aufzuräumen im Sinne von sichtbar machen, uns näherzubringen, dass wir hiervor nicht die Augen verschließen oder Frauen deswegen verurteilen dürfen.

Diesteldorf hat mit 12 Frauen in unterschiedlichen Lebenslagen und Altersklassen gesprochen. Bei einigen ist die Erfahrung relativ frisch, bei einigen schon einige Jahre her. Jede für sich deutet diese Erfahrung anders: von „die beste Entscheidung meines Lebens“ bis hin zu „Wehmut“ finden wir in den Erzählungen diverse Gefühlslagen.

Eines haben alle Frauen gemeinsam: die schlechte #Aufklärung, das Gefühl sehr schwer an Informationen zu kommen, und den gefühlt schwierigen gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema. Durchschnittlich bricht jede vierte Frau einmal im Leben eine #Schwangerschaft ab, doch es wird kaum darüber gesprochen. Warum nur?

Die Autorin hat mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass jede Frau einen Abbruch bereut, dass jede Frau nach einem Abbruch traumatisiert ist. Was dringend benötigt wird, ist Unterstützung von Frauen in diesen Situationen, Akzeptanz von persönlichen Entscheidungen über den eigenen Körper, Transparenz für Informationen. Abtreibungen dürfen kein #TABUTHEMA sein, egal wie einzelne Individuen diese Entscheidungen finden.

… was gestern, 24.11.2021 endlich geschah ist, dass der §219a des Deutschen StGB gefallen ist, der öffentliche Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen verboten hat. Was für ein Fortschritt für Betroffene und für Ärzt*innen!

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Generationengeschichte

Damals, am Meer von Marco Balzano

„Ich weiß nicht, wie viele Jahre ich nicht mit meinem Vater gesprochen hatte. Ich glaube sogar, es war das erste Mal überhaupt. Vielleicht, weil wir noch nie in einer Sternennacht im Gebirge spazieren gegangen waren. Vielleicht, weil wir jetzt weniger Vater und Sohn als vielmehr zwei Männer waren.

Allein mit der Dunkelheit und der Angst vor der Abwesenheit Gottes.“ (Zitat)

Ein leiser, zarter Roman über drei Generationen, über „Heimat“, eine Wohnung am Meer und zwischenmenschliche Distanz.
Seit Ewigkeiten lebt die Familie Russo in Mailand, einst dorthin gezogen in die Großstadt, weit weg aus dem kleinen Dorf nahe dem Meer. Nun, nachdem sich jahrelang niemand um die Wohnung gekümmert hat, steht der Verkauf selbiger an. Großvater Leonardo, liebevoll Babbo genannt, ehemaliger Kommunist, verspürt tiefen Herzschmerz. Für ihn ist die Wohnung ein Stück Heimat, das er zurücklassen musste; ein Gefühl, das tief vergraben war, aber nie weg. Für Riccardo, Leonardo’s Sohn und Vater von Nicolà, ist die gefühlte Verbindung zu dieser Wohnung eine andere. Für ihn führte diese zum Zerfall und stetigem Streit unter den Geschwistern. Für Nico, arbeitssuchenden Lehrer, ist es die Wohnung, die er in den Ferien besuchte, wo er seine Freizeit verbringen durfte und die Zeit mit Großeltern und Freunden verbrachte. So unterschiedlich jedoch die Gemütszustände und Gefühle der Drei zur Wohnung sind, so stark ist trotzdem ihre Verbindung dadurch zueinander.
Die Wohnung wurde zurückgelassen, als man sich in den wirtschaftlich besseren Norden aufmachte, um dort ein besseres Leben zu genießen. Eines Tages ist es soweit, die Wohnung verfällt langsam, soll verkauft werden und dem sentimentalen Denken ein Ende gemacht werden. Und so machen sich die drei auf die Reise von Mailand nach Barletta/Apulien. Für Nico ist Großvater Leonardo sein Held, ein großer Krieger. Bei ihm und seiner Großmutter hat er dort viel Zeit verbracht, daher will er auch mitfahren nach Apulien – und, um seinen Vater zu ärgern. Auf diese Reise lernen die drei auch sehr viel über sich selbst, kommen sich selbst auch näher, streiten und trauern gemeinsam.

Balazano hat hier wieder tolles geschaffen. Eine gefühlvolle Geschichte, leise und doch ausdrucksstark. Hier wird beim Lesen schnell klar, dass Balzano die Reise sowie die Wohnung als Metaphern benutzt, als Symbole für Erinnerungen, Vater-Sohn-Beziehungen, dem Gefühl von Heimat und Lebensveränderungen bzw. Erfahrungen. Er beschreibt die Heimatlosigkeit, das Auseinanderleben der Familie. Der Verfall der Wohnung ist ein Symbol für den Zerfall der Familie. Die Leben und die damit verbundenen Veränderungen, die in Barletta von Statten gingen, als Leonardo weg war. Früher noch Herr der Gassen, heute teilweise nicht mehr erkannt. Zu lange war er weg.
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Marco Balzano hat hier wieder kluges vollbracht. Eine Generationengeschichte, pointiert, herrlich ehrlich, klar, laut & leise und doch auch zurückhaltend, authentisch und sehr unterhaltsam. Ein Buch über das Loslassen von nostalgischen Erinnerungen, den Verlust von anderen und von Heimat. Ein Buch, das ins Herz geht. Leseempfehlung!
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„Es handelte sich um Sand von vor zwanzig Jahren, er war noch nicht zerfallen und verschwunden. Das wären die richtigen Körnchen gewesen, die Atome, damit hätte ich die Sanduhr meiner Zeit füllen können. Mit der festgebackenen Erde meiner Kindheit.“ (Zitat)

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