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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von mari_liest:

Ging für mich nicht ganz auf

Die Bücherjägerin von Elisabeth Beer

Sara und ihre Schwester Milena kommen bei ihrer Tante Amalia unter, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Sara’s Tante jagt nach Buchantiquitäten, restauriert Bücher und matcht sich immer wieder mit dem alten Karl Dengelmann, der auch „Bücherjäger“ ist. Als die Tante verstirbt bleiben Schulden übrig und ein Auftrag um die Tabula Peutingeriana, einem Kartenteil, das gefunden werden will.

Dann taucht Ben, Bibliothekar aus GB, auf, der diesen Auftrag quasi bei Amalia offen hatte. Und so machen sich die beiden nach Frankreich und England auf, um das Kartenteil zu finden.

Die Geschichte hat nett unterhalten, dennoch hat sie mich nicht vom Hocker gerissen. Die zeitlichen Sprünge in die Vergangenheit haben mich phasenweise aus dem Hör- und Lesefluss geschmissen. Viele Dinge wirken konstruiert. Die unterschiedlichen Reaktionen der einzelnen Personen in Situationen konnte ich teilweise nicht nachvollziehen, waren für mich zu überspitzt, tlw. zu klischeehaft. Immer wenn ich dachte: JETZT GEHT’S LOS … plätscherte es weiter. Es kam für mich keine konkrete Spannung auf; auch nicht bei der Suche nach dem Kartenteil. Mich quälte nur permanent die Frage: Was ist mit den Schildkröten? (Da ich selbst eine habe)

Zum Schluss des Buches erklärt die Autorin noch, warum sie unterschiedlich gegendert hat und sich pauschal für alle Formen der Diskriminierung oder Rassismus entschuldigt. Das hat viele Fragezeichen aufgeworfen … wozu? Ein Genderstern schließt alle mit ein, da besteht aus meiner (akademischen) Sicht keine Notwendigkeit unterschiedliche Schreibformen zu wählen. Weiters fallen innerhalb des Romans dann doch diskriminierende Aussagen gegenüber den Briten, bspw. auf linker Spur zu fahren.

Der Schreibstil ist angenehm. Und zum Zeitpunkt des Lesens habe ich vermutlich genau eine derartige Geschichte gebraucht, da mein Hirn arbeitstechnisch total übervoll war. Somit hat es grundsätzlich gepasst.

Der Plot ist aus meiner Sicht aber nicht ganz durchdacht, mir fehlte etwas die Finesse und es kommt „zu gewollt“ daher. Sara und Melina konnte ich mich emotional gar nicht annähern. Amalia hat mich mit Wärme erfüllt und Ben fand ich mit seinem Hintergrund auch gut durchdacht. Dennoch hätte mehr investierter Mut in die Geschichte vermutlich den fehlenden „Bumms“ gebracht.

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Ein Psychogramm unserer Gesellschaft

Das Summen von Jordan Tannahill

"Du glaubst an eine Wahnvorstellung. Paul, du glaubst an sprechende Schlangen und die Teilung des Roten Meeres und an einen Gott, der irgendwie einen Sohn hat, den er auf die Erde geschickt hat, um von einer Jungfrau geboren zu werden... Okay, okay... Nein, ernsthaft, wie viel Leute müssen an etwas glauben, damit es nicht mehr als Wahnvorstellung gilt? Wenn ich in einer Sekte bin, dann bist du in einer viel größeren und krankeren als ich.

" (S. 220)

Eines Abends beginnt es, Teil 1 des Unheils. Claire wird wach und hört ES. Ein Summen. Ihr Mann Paul hört es nicht. Ihre Tochter Ashley hört es nicht. Das Geräusch ist unerträglich. Sie sucht das gesamte Haus ab, schaltet Geräte und den Strom ab, sucht auf der Straße. Doch das Summen sitzt. In ihrem Kopf. In ihrem Körper. Sie hört es. Und sonst niemand. Es lässt sie nicht schlafen. Nicht ihren gewohnten Alltag durchführen. Es lässt sie nicht denken. Es macht sich körperlich bemerkbar mit Kopfschmerzen, Nasenbluten. Es verfolgt sie in die Schule. Es treibt sie fast in den Wahnsinn. Sie sucht Fachkräfte auf, um eine Lösung zu finden, doch niemand kann ihr helfen. Ihre Freundinnen, Kolleginnen und Familie zweifeln immer mehr an ihrem Verstand, stempeln sie als überarbeitet ab. Sie schottet sich immer mehr ab, isoliert sich von der Welt. Und dann plötzlich trifft sie auf jemanden, der ES auch hört; einer ihrer Schüler, der 17jährige Kyle. Die beiden machen sich auf die Suche nach der Quelle dieser Qual. Machen Messungen an unterschiedlichen Orten, sammeln Informationen. Alles muss natürlich geheim sein, denn wenn man Claire mit einem ihrer Schüler träfe, wäre der Ofen buchstäblich aus. Doch dann erzählt Kyle eines Tages, es gäbe noch andere. Andere wie sie beide, die dieses unerträgliche Geräusch auch hören und dass es ein Treffen gibt. Doch bevor die beiden sich dort hinbegeben können, beginnt Teil 2 des Unheils seinen Lauf zu nehmen, denn man hat sie beide gemeinsam gesehen. Als gefühlt alles zusammenbricht sieht Claire nur noch einen Weg, sie muss zu dieser Gruppe, diesen Leuten, die verstehen wie es ihr geht. Sie muss wissen, WAS ES IST. Und Teil 3 des Unheils beginnt.

Ich bin immer noch geflashed wie schnell es gehen kann, dass man als verrückt abgestempelt werden kann. Wie rasch die riesige Sturmzelle aufzieht und alles mit sich reißt, bis man als verwurzelter Baum nur mehr alleine am Feld steht. Alle wenden sich ab, keine Unterstützung durch irgendwen. Getreu dem Motto: Was ich nicht habe oder kenne, das kannst du doch auch nicht haben. Das ist unmöglich. Wenn niemand dir helfen kann, dann bildest du dir alles ein. Du machst alles kaputt, reißt mit deinem Wahnsinn alles nieder. Doch DU bist es nicht, im Grunde bist DU einem Ding ausgeliefert – wie einer Gelse im Schlafzimmer, die sich nicht finden lässt, nur dass sie dich 24/7 bespaßt.

„Bis zu diesem Abend und meinem Gespräch mit Ashley auf der Treppe hatte ich vermutlich noch nicht ganz begriffen, dass Hysterie eine psychische Wunde ist, die wir Frauen immer noch tragen. Eine Wunde, die uns jahrhundertelang durch unsere Symptome, unsere Instinkte über unsere eigenen Körper, unsere Freuden und Leiden zugefügt wurde, dadurch, dass wir immer die Ersten waren, die diskreditiert und diskriminiert wurden, sogar von anderen Frauen. Sogar von unseren eigenen Töchtern, wie es vermutlich gerade der Fall war.“ (S. 207)

Der Roman #dassummen schält das Konstrukt von sozialen Strukturen ab, wie eine Mango. Man schält und schält, es wird weicher (man glaubt das Problem zu erkennen) und stößt dann auf einen harten Kern, der nicht genießbar ist.

Alle Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet, der Roman ist spannend und an vielen Stellen voll passender Dramatik, gepaart mit Zusammenhalt durch Fremde, Glauben an etwas Höheres (und auch doch nicht) und Verschwörungstheorien.
So wirft uns @jordan.tannahill ein Psychogramm der Gesellschaft in Form von fast 400 Seiten um die Ohren. Der harte Kern, die Menschen, die einem am Vertrautesten sind, wenden sich ab, weil sie nicht nachvollziehen können, was vor sich geht. Der Stempel des Irre-Seins lässt sich leichter aufdrücken, als die Kraft der Unterstützung. Das hatten wir doch erst unlängst bzw. haben wir auch noch im Nachgang mit Long-Covid oder Fatigue. Das sollte uns nochmal zum Nachdenken anregen!

Große #Leseempfehlung!

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Die Geschichte eines halben Lebens

Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe von Doris Knecht

„Solitude ist kein Schicksal, wie Einsamkeit, sie ist eine Entscheidung. […] Eine Lebensform, die Rückzug erlaubt an einen Ort, an dem keine andere Person deinen Platz beansprucht, Rechte hat, Stille zerredet, Abläufe stört, Bedürfnisse und Ansprüche artikuliert. Gewohnheiten etabliert, die nicht deine sind.

(S. 19)

Das Buch gibt sich anfangs als banale Bestandsaufnahme, doch schnell wird klar, dass es weit mehr zu bieten hat. Die Protagonistin, Mitte 50, alleinerziehend, steht vor der Herausforderung, ihr Leben neu zu definieren, als ihre Zwillinge ausziehen. Während sie praktische Überlegungen anstellt und sich auf einen Umzug vorbereiten muss, nimmt sie uns mit klarem Blick mit auf eine Reise durch ihr Leben. Eine Reise, in der sie nicht nur pragmatische Überlegungen anstellt, sondern auch ihre Lebensentscheidungen im Licht ihrer eigenen Hoffnungen und Träume, elterlicher Erwartungen und im Vergleich zu den Lebensentwürfen der beiden Zwillingsschwesternpaare Revue passieren lässt.

Dies ist kein gewöhnlicher Roman über den Abschied der Kinder und den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. Vielmehr ist es eine intensive Auseinandersetzung mit den Fragen nach Identität, Vergangenheit bzw. Zukunft sowie Freiheit und Selbstfindung.

Die Geschichte liest sich wie ein intimes Tagebuch, das uns die Heimtücke von Erinnerungen zeigt und zugleich die Chance auf Neuanfang und Selbstentdeckung offenbart.

Die einfühlsame und unaufgeregte Erzählweise hat mir wieder sehr gefallen und hat den Ton für die Geschichte genau getroffen. Ich habe es sehr gerne gelesen. #leseempfehlung

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Ich hab das Ende nicht kommen sehen …

Fourth Wing - Flammengeküsst von Rebecca Yarros

Ein Drache ohne seinen Reiter ist eine Tragödie. Ein Reiter ohne seinen Drachen ist tot." (Artikel 1, Abschnitt 1. Der Kodex des Drachenreiters.)

Fourth Wing ist ein wahrer Pageturner, der mich in eine mitreißende Welt voller Magie und Gefahr entführte.
Ich hatte keine großen Erwartungen, denn #throneofglass ist für mich nicht zu übertreffen, dennoch hat mich die Geschichte umgehauen, total gecatcht und ist für mich ein #lesehighlight.

Ein buchstäblich wilder Ritt, in dem ich mich befand. Ich habe jede Minute des Hörens und jede Seite des Lesens sooo genossen. Ich war extrem gefesselt (sodass ich es jetzt nebenbei gleich nochmal höre).

Violet Sorrengail, 20 Jahre, wird ihr Leben lang schon a lsSchreiberin für den Schreiberquadranten ausgebildet, sollte dort die Geschichte schreiben, zwischen Büchern leben. Ihr Schwester Mira ist bereits Reiterin. Ihr Bruder, der starb, war auch Reiter. Und dann ist da noch die Mutter: befehlshabende Generalin von Basgiath, streng und unnahbar. Und die liebe Mutter hat andere Pläne für Violet. Sie befiehlt ihr sich dem Kampf der Drachenreiter-Kadett*innen zu stellen. Violet, eher kränklicher Natur, sieht nicht viel Überlebenschance für sich, stellt sich aber der Herausforderung, die die Mutter ihr ungefragt gestellt hat. Bleibt ihr ja auch nix anderes übrig. Violett denkt, so oder so zu sterben, denn für viele ist sie Zielschreibe Nr. 1. Nicht nur weil sie klein und zerbrechlich wirkt, sondern weil ihre Mutter für den Tod von viele Verräter*innen verantwortlich ist. Und wenn es nicht die anderen sind, wird ein Drache sie fressen. Doch Violet ist geistig stark, hat einen unfassbaren Verstand, ist tapfer und mutig, denkt taktisch und weigert sich, einfach untergehen. Um das Basgiath War College zu verlassen gibt es nur zwei Wege: den Abschluss schaffen oder sterben! Und sterben steht nicht auf der To-Do-Liste!


Violet hat sehr viele Gegenspieler*innen, unter anderem Xaden Riorson, den Flügelanführer. Er ist ihr nicht gut gesinnt, da ihre Mutter seinen Vater tötete. Die Transformation von Xaden über den Lauf der Geschichte ist quasi wie eine Frucht auszuschälen, fantastisch. Und weitere der Kadett*innen wollten Violet auch mehr tot als lebendig sehen. Dain ist ihr ältester Freund und schon einige Zeit im Reiterquadranten. Er will Violet permanent beschützen. Ob er ihr damit hilft?
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Die Drachen sind ein Highlight, allen voran Tairn. Einerseits so angsteinflößend, andererseits so „familiär“. Auch das „gesellschaftliche“ Konstrukt, das zwischen den Drachen herrscht ist geheimnisvoll und nicht klar durchschaubar, stört aber den Lauf der Geschichte nicht.
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Das Worldbuilding ist faszinierend: 4 Quadranten (Schreiber, Reiter, Infanterie und Heiler) und die nötige Ausbildung in diesen, das Land sowie dessen Schutz und historische Entwicklung. Das Wachstum der Figuren ist sehr gelungen und selbst die Liebesgeschichte fügt sich harmonisch in die Handlung, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Die körperlichen Krankheiten von Violet werden zwar erwähnt, aber niemals als Ausrede missbraucht. Die Drachen sind genial. Und noch genialer fand ich es, dass der Drache vor Sarkasmus strotzt. Hab mich teilweise vor Lachen nicht mehr eingekriegt. Rebecca Yarros wirft ihre Charaktere immer wieder schonungslos und brutal in neue Situationen. Die Familienverbindungen zwischen den einzelnen Reiter*innen, die Geschichte der Quadranten und des Krieges. Das „Dreschen“, sprich die Auswahl der Reiter*innen durch die Drachen. Ein gigantisches Konvolut an Informationen, aber dennoch sehr klar und gut durchdacht.
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Und dann, der Cliffhanger am Ende: Ich habe dieses fu**ing Ende nicht kommen sehen, zu keinem Zeitpunkt.
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„Nicht alle Stärke ist körperlich“ [Zitat]

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Eine eindringliche Erzählung über Armut und Überlebenswillen

Tunnel von Grit Krüger

In "Tunnel" tauchen wir in das Leben von Mascha und ihrer Tochter Tinka ein, die in äußerst schwierigen finanziellen Verhältnissen leben. Die Autorin zeichnet ein schonungsloses Bild von Armut und zeigt auf, wie Menschen am Rand der Gesellschaft ums Überleben kämpfen.
Mascha, eine alleinerziehende Mutter, ergreift die Chance, eine Stelle als Pflegekraft in einem Heim für Senior*innen anzunehmen.

Die Unterkunft im Heim bietet ihnen eine warme Bleibe über den Winter und garantierte Mahlzeiten. Mit ihrem Freund Enders, der seine eigene düstere Vergangenheit hat, finden sie einen geheimen Zufluchtsort in einem leerstehenden Zimmer. Mascha ist jedoch entschlossen, nicht länger als nötig im Heim zu bleiben.

Die Geschichte wird aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt: Die Geschichte folgt den Perspektiven von Mascha, ihrer Tochter Tinka und ihrem Freund Enders sowie Tomsonov, ein älterer Herr und Bewohner des Heims. Diese Vielfalt der Erzählperspektiven ermöglicht es uns, tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonist*innen einzutauchen. Obwohl sie auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, eint sie alle ihr gemeinsamer Kampf gegen die Ausweglosigkeit ihrer Situation.

Grit Krüger vermittelt mit großer Sensibilität und Realitätsnähe, wie es ist, in Armut zu leben. Die Autorin drängt jedoch nicht auf Mitleid, sondern erzeugt vielmehr ein starkes Mitgefühl für die Charaktere. Besonders beeindruckend ist die Darstellung der Vorurteile, denen Mascha ausgesetzt ist, sowie die Ausnutzung ihrer prekären Lage durch andere. Ebenso werden Enders Verlorenheit und die Gefühle der Vernachlässigung bei den älteren Bewohner*innen des Heims eindringlich dargestellt. Die Art und Weise, wie Tinka ihre Situation erkennt und sich immer wieder geschickt anpasst, berührt mich als Leserin tief und lässt auch Raum für gelegentliches Schmunzeln.
"Tunnel" ist ein herausragendes Buch, das aktuelle gesellschaftliche Themen in den Fokus rückt und die Stimmen der Betroffenen hervorhebt. Die Autorin schafft es eine eindringliche Atmosphäre zu erzeugen und Leser*innen in die Sorgen und Ängste der Charaktere einzubeziehen. Der Roman ist ein Aufschrei gegen das System und ruft zur Aufmerksamkeit für die prekäre Situation von Menschen in schwierigen finanziellen Verhältnissen auf. Durch Maschas Arbeit im Altenheim wird zudem die Einsamkeit und Vernachlässigung älterer Menschen in unserer Gesellschaft thematisiert. Die Sehnsucht nach Nähe und Zuneigung wird schmerzhaft deutlich.

"Tunnel" ist ein Buch, das gerade in Zeiten der Diskussion diverser, sozialer Themen zum Nachdenken anregt. Ein absolutes Muss für alle, die sich mit sozialen Ungerechtigkeiten auseinandersetzen und eine inspirierende Geschichte über den Überlebenswillen der Menschen lesen möchten.

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Everybody is watching U!

Going Zero von Anthony Mccarten

„Die Menschen wollen keine Privatsphäre mehr. Privatsphäre ist passé. […] Die Menschen können es gar nicht abwarten, sie loszuwerden, […] Weil sie nämlich danach lechzen, bekannt zu sein, beobachtet zu werden … so als ob sie wichtig seien, als Beleg dafür, dass sie jemand sind. […] Weil beobachtet zu werden … das fühlt sich ein klein wenig an, wie geliebt zu werden.

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Cy Baxter, Medien-Mogul und IT-Genie, aus dem Silicon Valley hat es geschafft. Er hat eine Überwachungssoftware entwickelt, die niemand austricksen kann. Jeder Mensch auf diesem Planeten kann künftig gefunden werden. Die Dollarzeichen in Baxter’s Augen erscheinen, als die CIA ihr Interesse anmeldet.
Nun steht die Software als Beta-Version bereit. Gesucht werden 10 Freiwillige, denen es gelingt 30 Tage unauffindbar zu sein. Wer übrig bleibt erhält was in die Portokasse: nämlich 3 Millionen Dollar. Die Proband*innen sind angewiesen am Tage X alle digitalen Spuren zu beenden und abzutauchen. Cy ist sicher, er hat alle so rasch an den Eiern, so schnell kann niemand schauen. Und die unscheinbare Bibliothekarin Kaitlyn Day, die hat er gleich gefunden. Docht das Team und Cy haben sich geschnitten, denn Day lässt sich nicht so leicht fangen. Das Projekt droht zu kippen und es kommt zu einem genialen Plottwist.

Realistisch und beängstigend ist die Storyline, mit hohem Tempo, atemraubend. McCarten baut über 400 Seiten eine phantastische Spannung auf. Ich fands großartig: Bibliothekarin vs. Medien-Modul – David vs. Goliath. Und David zieht die Daumenschrauben von Goliath gewaltig an. Und wir wissen ja was geschieht, wenn man wen in die Ecke drängt. Die Figuren waren nicht sonderlich in die Tiefe ausgearbeitet, was mich aber gar nicht störte, denn das Thema ist die Observierung und Überwachung von Menschen mit neuen Technologien. Genial gemacht und #leseempfehlung für diesen spannenden #Roman.

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Genial aufbereitet - ich liebs!

Die Wissenschaft von Game of Thrones von Jean-Sébastien Steyer

„Worte sind Wind“.

[Ein nicht eingehaltenes Versprechen macht Worte unglaubwürdig, mit denen es gegeben wurde. Worte, die kaum länger Bestand haben als der Wind, leere Worte, wie jene, die man sagt, ohne an sie zu glauben oder wirklich über sie nachzudenken.] (S. 121)

Einige von Euch wissen vielleicht, dass ich die Serie „Game of Thrones“ verschlungen, zu jeder neuen Folge hingefiebert habe.

Dass ich die Serie mittlerweile schon neun Mal inhaliert habe und jedes Mal neue Dinge, Eigenheiten, Elemente entdecke. Und als ich dann auf dieses Buch stieß, war es klar: ich muss es lesen! UND … ICH … LIEBS!!!

Das Buch ist ein wahrer Schatz an Informationen, eine Ode an die Genialität des G. R. R. Martin, der hier eine Welt erschuf, die Fantasterei ist und dennoch so viel Ähnlichkeit mit unserer hat.

GRRM hat alle Eventualitäten bedacht – mir war nie klar, was bei so einer Geschichte alles zu bedenken ist. Angefangen beim Klima, Gesteine in den Bereichen den Ländern, der Landkarte, den Meeren und Bergen. Die Arten, der Schiffe, die vorkommen – ich musste hier wirklich viel googeln, wie bspw. Merjane, Karavelle, Lateinersegel, Triböcke, Karache, etc. Nie von gehört zuvor. Der Aufbau der Welt von GoT hat Unmengen an Ähnlichkeiten mit unserer Erde, unserem Sonnensystem, Fauna und Flora. In der Geschichte gab es tiefe Auseinandersetzung mit der Thematik der Sprachen. Bspw. wurde die Sprache der Dothraki quasi für die Serie erst von Sprachwissenschaftern erfunden – genialer Schachzug! Die Gemeine Zunge, das Hochvalyrische oder andere Sprachen bilden die Bausteine aller Sprachen und deren Aussprache.

GRRM hat die menschlichen Tiefen in die Charaktere eingebaut, mit psychologischen und psychiatrischen Diagnosen gespielt, um den Prota- und Antagonisten ein Gesicht zu malen. Warum war Jon Schnee einer der empathischsten Charaktere? Warum war Geoffrey Baratheon so ein A.rsch? Oder Ramsay Bolton derartig böse und empathielos? Was machte Cercei Lennister zu so einer Intrigantin? Fragen, die ich mir immer wieder gestellt habe. Und solche Fragen versucht dieses Buch zu beantworten. Und die Autor*innen haben diese auf geniale Weise geschafft. Viele meiner Fragen wurden geklärt, ich hatte geile AHA-Momente, die mich freudig aufschreien ließen.

Spannend zu erwähnen natürlich auch die Bedeutung der Sinnsprüche der einzelnen Häuser. Mein liebster natürlich: Der Winter naht. Oder: Ein Lennister begleicht immer seine Schuld.

Phänomenal auch die Erklärung, was die Bedeutung „der Mauer“ ist und warum sie nicht überwunden werden kann. GRRM flicht hier die alte Geschichte des „Lied von Eis und Feuer“ in neue Gegebenheiten ein. Denn die Vorgeschichte, wie es zu den „Weißen Wanderern“ kommt oder über die „Kinder des Waldes“ kommen in die Serie nicht so stark heraus.

Was ich nicht zuvor schon an Infos inhalierte geschah dann im Kapitel der Drachen, Symbole, die Entwicklung der Menschen. GRRM lässt auch Mythologie in die Geschichte einfließen, nämlich mit den Drachen, feuerspeienden Reptilien. Sind solche schon seit Jahrhunderten Bestand vieler mythologischer Geschichten: hier wird auch der Lindwurm aus Österreich erwähnt, der in unserer Landeshauptstadt Klagenfurt verweilt.

„Wie ein Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfte zu behalten“, sagt sagte Tyrion Lennister zu Jon Schnee. (S. 11)

Wenn ihr wissen möchtet, was der Norden bspw. repräsentiert, welche Bedeutung er hat, dann solltet ihr dieses Buch dringend lesen. Denn vieles was in dieser fantastischen Geschichte passiert, passiert aufgrund äußerer Umstände. Äußere Umstände macht die Menschen dazu wie sie sind. Ein Spiel um Macht, Geheimnissen und Verbindungen. Und auch hier sehe ich viele Parallelen zu unserer heutigen Welt.

Diese Geschichte wurde hier geschichtlich, politisch, psychologisch und akademisch von tollen Autor*innen aufgearbeitet und lässt auch hier nicht außen vor, dass die Spiele im Vordergrund von Männern gespielt werden, egal ob es weibliche Symbolfiguren an die Spitze schafften, oder nicht. Diese Welt ist unserer definitiv nicht unähnlich und hält uns im Grunde einen Spiegel vor. Einen Spiegel von Situationen und Erfahrungen, in denen wir uns wiederfinden können.

Ich könnte ja noch weiter schwärmen, aber dann verrate ich zu am Schluss noch zu viel. Ich spreche eine dicke, fette #Leseempfehlung aus für alle GoT-Liebhaber*innen und alle, die es noch werden wollen und SOLLEN. Toll inszeniert, super aufgearbeitet, schöne Illustrationen, an keiner Stelle trocken oder langweilig und angenehm zu lesen und zum Abtauchen.

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Als wir Vögel waren

Als wir Vögel waren von Ayanna Lloyd Banwo

3,5 Sterne

Darwin, auf der Suche nach seinem Vater, hat seine Mutter im Haus zurückgelassen, findet nach langer Suche einen Job als Totengräber. Nicht der optimale Job für ihn und ein absolutes No-Go für die Werte seiner Mutter, aber ein Job, der Geld bringt. Die große Stadt und die Nebengeschäfte der Kollegen bringen ihn an seine Grenzen.

Yejide’s wächst in einem Mehrgenerationenhaus auf. Liebt die alten Geschichten der Großmutter über Leben und Tod. Als ihre Mutter stirbt und hört sie die Stimmen der Toten und eine Einführung ins Familiengeheimnis beginnt.

Yejide und Darwin, das sind die beiden Figuren, um die sich die Geschichte hier dreht. Im bunten und teilweise gefährlichen Treiben der Stadt Port Angeles in Trinidad kreuzen sie ihren Weg und es entsteht eine besondere Begegnung, eine Liebesgeschichte, die schicksalhaft zu sein scheint.
Die Geschichte wird abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt und lässt so kleinen Spielraum die beiden kennenzulernen, dennoch kommt aufgrund dieses rudimentären Zugangs zu ihnen, der teils esoterisch angehauchten und langsamen Erzählweise, keine große Handlung rum.
Die bildhafte Sprache im Roman hat mich persönlich sehr angesprochen und abgeholt.

Gesamt gesehen war es ein nettes Buch für zwischendurch, dessen spiritueller Anteil mir etwas zu viel war, auch wenn ich von Beginn an darüber Bescheid wusste. Wer Geschichten mit einem Ticken an Poesie und Mystik, gepaart mit einer Liebesgeschichte oder dem Thema „Spiritueller Umgang mit dem Tod“ mag, wird mit dieser Lektüre sicherlich gut beraten sein und eine Freude haben, und denjenigen möchte ich es auch gerne empfehlen.

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Eindrücklich und wichtig

Macht von Heidi Furre

TW: Vergewaltigung, sexuelle Gewalt

„Ich weiß nicht, wo die Gewalt bleibt, wenn sie verübt worden ist. Sickert sie in die Matratze? […] Wenn sie wie Säure ist, ätzt sie sich durch die Matratze, durchs Parkett, in den Waldboden. Dringt in Hirn und Muskeln. Wird hässlich, zieht hässliche Furchen ins Gesicht.

“

Liv, ihr Mann, Terje, und ihre beiden Kinder, Rosa und Johannes, leben in Oslo. Sie arbeitet als Pflegerin in einem Altenheim. Von außen scheint es die perfekte Szenerie. Doch im Inneren von Liv brodelt es, unaufhaltsam, leise, dann wieder laut. Vor rund 15 Jahren wurde sie vergewaltigt. Seitdem ist für sie nichts mehr wie es war. Jeder Weg könnte Unheil bringen, jeder Frau könnte es auch geschehen sein. Nachts am Heimweg telefoniert sie immer mit ihrem Mann. Nur ihre Freundin, Frances, weiß Bescheid, nicht ihr Mann Terje. Mit Einzug einer neuen Patientin fängt Liv’s Fass langsam an überzulaufen. Denn mit der Patientin kommt auch deren Bruder, ein bekannter Schauspieler, der vor Jahren wegen Vergewaltigung angeklagt, aber freigesprochen wurde. Und so stülpt sich der innere Orkan langsam nach außen.

„Mein ganzes Leben lang habe ich gedacht, ich sei frei und souverän. Bis ich kapierte, dass das nicht so stimmt. Dass solche Dinge jedem und jederzeit passieren können. Das ist es, was mich so beschäftigt. Nicht der Vorfall an sich, sondern der Terror seiner Existenz.“

Heidi Furre hat eine starke Protagonistin geschaffen. Denn auch wenn Liv vergewaltigt wurde, als Opfer sieht sie sich nicht. Empfindet sogar Ekel für Frauen, die in der Opferrolle verharren, sich die Macht über ihr Leben und Tun nehmen lassen. Liv nennt es „den Vorfall“, nicht Vergewaltigung. Mit der Geburt ihrer Kinder bahnte sich der Vorfall wieder in ihre Gedanken.

Wie ein Adler kreisen die Gedanken um die Frage, ob sie Schuld hat? Ob sie nicht laut genug „Nein“ sagte? Hätte sie einfach nicht mit dem Typen mitgehen sollen? Was es vielleicht doch „nur nicht ganz einvernehmlich“?

„Denkt er darüber nach? Jetzt, in diesem Moment, denkt er darüber nach, was er hätte anders machen können? Kennt er meinen Namen noch? Wie funktioniert das körperliche Gedächtnis bei demjenigen, der vergewaltigt hat?“

Mit leiser, aber schlagkräftiger Power schafft es die Autorin das Innere der Protagonistin zu zeichnen. Wie sie mit dem Vorfall hadert, mit ihrem Tun, wie Überlegungen und Gedanken sich permanent in ihren Alltag, ihr Denken und Handeln schleichen. Wie sie mit der sexuellen Gewalt, die ihr widerfahren ist, umgeht; sich bemüht die Hoheit über ihr Leben zurückgewinnen.



Beim Lesen stellte ich mir immer die Frage, wer hier die „Macht“ über wen hat: hat „der Vorfall“ Liv im Griff oder hat Liv das Trauma bei den Eiern? Ihre Verbissenheit nach außen stark zu sein, tat mir im Herzen weh, denn natürlich ist man als Außenstehende oft der Meinung, dass „man darüber reden muss“. Ist es so? Hilft reden wirklich jedem Menschen? Benötigen manche Menschen nicht einfach nur ihren intrinsischen Umgang damit ohne mit reden wieder Wunden aufzureißen? Wenn man über etwas redet bekommt es eine gewisse „Hülle“, eine Art von „Daseinsberechtigung“, ein Ding, um dass man sich „kümmern“ muss.



Furre hat ein eindrückliches Buch geschrieben, dass nicht kalt lässt. Die Geschichte ist literarisch genial geschrieben; der Schreibstil absolut passend, zu der eindrücklichen Traurigkeit, die das Thema beinhaltet. Mit einer Kühlheit im Schreibstil ist es kaum möglich eine „Verbindung“ zu Liv aufzubauen und das fand ich hier absolut passend und gewieft. Eine beeindruckende Geschichte über das „Weiterleben nach einer Gewalterfahrung“, die schwer verdaulich, dennoch extrem wichtig ist! #leseempfehlung

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Gelungener Abschluss der Krimireihe

Wintersonne von Katrine Engberg

„Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.“

Jeppe Kørner hat sich eine Auszeit genommen – sein Leben ist ihm quasi über den Kopf gewachsen. Und was kann Anette Werner Ungünstigeres passieren während seiner Zeit? Richtig, ein brutaler, grausamer Mord.

Ihr erster Fall ohne Jeppe. Die Hälfte einer Leiche wird in einem Koffer auf einem Spielplatz gefunden. Hört sich nicht schwierig an, doch die Identität der toten Person lässt sich nicht klären. Denn diese liegt offenbar seit Monaten dort, vor sich hin dümpelnd und natürlich sind keine Zeug*innen auffindbar, die etwas Komisches bemerkt hätten.

Jeppe hat sich zurückgezogen und arbeitet als Forstarbeiter und ist nach Bornholm gezogen. Es fällt ihm schwer die Trennung von Sara zu überwinden und so stürzt er sich in Arbeit, die ihn körperlich fordert. Er kennt dort niemanden, bis auf eine, die sich zufälligerweise für eine Buchrecherche auch auf der Insel befindet. Seine liebe Freundin Esther de Laurenti. Sie sichtet Material für ein neues Buch. Material der bekannten Anthropologin Margarethe Dybris, die unlängst verstarb. Die Tochter der Verstorbenen gewährt ihr Einlass zu den persönlichen Dingen und bei der Sichtung findet sie ein einen Stapel alter Briefe, die Margarethe an ihre Schwester schrieb. Doch schon bald wird es auch unruhig in dem Haus, denn der Bruder ist plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Esther bitte Jeppe kurzerhand um Hilfe, der sich etwas sträubt. Als schließlich die Kopenhagener Polizei auf der Insel auftaucht und Ermittlungen im Fall der Kofferleiche anstellt, rutscht Jeppe ungewollt in die Ermittlungen und in Lebensgefahr. Haben das Verschwinden und die tote Person etwas miteinander zu tun? Und wie hängt die Familie Dybris in allem mit drin? Am Ende öffnet sich noch eine unerwartete Geschichte, die mich sehr berührte.

Wintersonne war extrem spannend. Für mich sogar der beste Teil, umso trauriger bin ich, dass es der letzte ist. Die Entwicklung der Figuren über jeden Band ist sehr gut gemacht. Der Plot extrem spannend und gefinkelt aufgebaut hat mich eingesogen. Die aktuellen Geschehnisse werden immer wieder durch einen Einschub der alten Briefe unterbrochen, was die Spannung für mich noch steigerte. Engberg hat ein komplexes Netz an Verdächtigen gesponnen, denn irgendwie sind alle verdächtig. Auch gesellschafts- und sozialkritische Aspekte der Insel sind in den Krimi miteingeflossen. Für mich, und ich bin keine regelmäßige Krimileserin, ein starker Krimi.
#leseempfehlung

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