Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lilli33:
Sehr melancholisch
Das Glück meiner Mutter von Bayer Thommie
Sehr melancholisch
Inhalt:
Der Drehbuchautor Philipp Dorn, 49, steckt in der Krise. Seine Mutter ist vor einigen Jahren gestorben, seine Freundin hat ihn vor zwei Jahren verlassen. Mit seinem neuen Auto reist er in die Toskana, die er liebt und die er auch mit seiner Mutter schon besucht hat. Hier lässt er seinen Gedanken an Mutter und Ex-Freundin freien Lauf, bis er die Bekanntschaft einer Fremden macht, die nachts nackt im Swimmingpool seines Ferienhauses schwimmt …
Meine Meinung:
Ich mag den Schreibstil von Thommie Bayer im Allgemeinen sehr.
Mit klaren Worten und prägnanten Sätzen erzählt er seine Geschichten recht schnörkellos und weckt im Leser die verschiedensten Gefühle. Bei „Das Glück meiner Mutter“ hat mich etwas gestört, dass er Alltägliches zu detailliert beschreibt, zum Beispiel den genauen Straßenverlauf auf seiner Reise oder was er genau einkauft. Das sind Nebensächlichkeiten, die für die Handlung kaum eine Rolle spielen. Das eigentlich Wichtige in dieser Geschichte wird demgegenüber auf wenigen Seiten erzählt.
Doch diese wenigen Seiten haben es in sich. Dachte ich zunächst noch, es plätschert so ein wenig vor sich hin, kam dann doch noch eine überraschende Wendung, die es in sich hatte. So lässt mich das Buch am Ende ein bisschen aufgewühlt, aber zufrieden zurück.
Hartes Thema, locker geschrieben
Mörderfinder - Die Spur der Mädchen von Arno Strobel
Hartes Thema, locker geschrieben
Inhalt:
Vor sechs Jahren verschwand die damals zehnjährige Leni Benz spurlos auf dem Schulweg. Ihr Vater ist mehr als erstaunt, als nun plötzlich Gegenstände, die Leni damals bei sich hatte, in seinem Haus auftauchen: ihr Schulrucksack, ihre Strickjacke, ihre Puppe.
Doch von Leni keine Spur. Kann es sein, dass sie zurückgekommen ist oder treibt hier jemand ein böses Spiel? Da die Polizei in all den Jahren in dem Fall nicht weitergekommen ist, engagiert Robert Benz Max Bischoff, den Ex-Polizisten, der eigentlich nicht mehr ermitteln wollte …
Meine Meinung:
Die Trilogie um den Düsseldorfer Kriminalkommissar Max Bischoff hat mich richtig begeistert, und ich war etwas traurig, dass er nach 3 Bänden aus dem Polizeidienst ausscheiden wollte. Umso mehr habe ich mich gefreut, jetzt wieder auf ihn zu treffen. Er ist nun Dozent an der Polizeihochschule in Köln, doch eigentlich ist er ein Vollblutermittler und kann einfach nicht aus seiner Haut. Den vorliegenden Thriller „Mörderfinder“ kann man problemlos ohne Vorkenntnisse lesen.
Ich mag Arno Strobels Thriller allgemein sehr gerne. Er schreibt schön locker und unangestrengt, sodass man beim Lesen gut vom Alltag abschalten und tief in seine Kriminalstorys eintauchen kann. „Mörderfinder“ erweist sich als sehr spannend und fesselnd, man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil es so unter die Haut geht. Verschiedene Perspektiven, hauptsächlich aus Max Bischoffs Sicht sowie kürzeren Einschüben aus Täter- und Opfersicht, geben immer wieder neue Hinweise auf das, was damals geschah und was heute wieder geschieht. Es lässt sich gut miträtseln, aber durch überraschende Wendungen kaum etwas vorhersagen.
Der Titel des Buches „Mörderfinder - Die Spur der Mädchen“ gibt ja schon einen Hinweis, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt. Wer damit Probleme hat, sollte lieber die Finger davon lassen. Es ist schon harter Tobak und für entsprechend veranlagte Menschen nicht gut zu ertragen.
Für alle anderen ist es eine tolle, spannende Lektüre, die ich gerne weiterempfehle.
TRIGGERWARNUNG (bei Bedarf bitte rückwärts lesen):
HCUARBSSIMSEDNIK
Romantische Tragikomödie
Ewig Zweiter von David Nicholls
Romantische Tragikomödie
Inhalt:
Der junge Schauspieler Stephen McQueen wartet noch auf seine große Chance. Nach etlichen Leichen, Rieseneichhörnchen und ähnlichen aufregenden Rollen wartet er nun als Zweitbesetzung am Theater darauf, dass der große Josh Harper eines Tages ausfällt und er ihn vertreten darf.
Doch Josh erfreut sich bester Gesundheit. Nicht nur beruflich spielt Stephen die zweite Geige, auch bei seiner Ex-Frau hat er nicht mehr viel zu melden. Wenigsten seine kleine Tochter Sophie freut sich meistens, wenn sie einen Tag mit ihm verbringen darf. Und dann verliebt Stephen sich ausgerechnet in Joshs Frau Nora …
Meine Meinung:
„Ewig Zweiter“ ist ein älteres Werk von David Nicholls und bereits vor seinem großen Durchbruch mit „Zwei an einem Tag“ erschienen. Nun wurde es vom Ullstein Verlag neu aufgelegt. Zum Glück - sonst hätte ich es wohl gar nicht beachtet. Und damit hätte ich diesem feinen Roman wirklich Unrecht getan.
Mir gefiel schon die ganze Aufmachung. Da die Geschichte im Theatermilieu spielt, sind immer wieder kleine Szenen mit Regieanweisungen usw. eingefügt. Auch etliche Zitate von bekannten Schauspielern und Schriftstellern sind enthalten, was ich sehr passend fand.
Den Protagonist Stephen habe ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Klar, er macht Fehler, ist auch nicht gerade ein perfekter Superheld, aber gerade das macht ihn so sympathisch und authentisch. Seine Handlungsweisen konnte ich leicht nachvollziehen, auch die, die ich nicht gutheißen konnte. Er wirkt ein wenig tollpatschig und unsicher, gibt aber die Hoffnung nie auf, dass auch er irgendwann an der Reihe sein wird. Ich habe mich ihm sehr nahe gefühlt. Ich habe mit ihm mit gelitten und ihm die Daumen gedrückt. Manchmal wollte ich ihn warnen oder ihn in den Hintern treten, weil er einfach zu gutgläubig oder zu lasch ist.
Die Story ist ein wenig tragisch, und doch muss man ständig schmunzeln und lachen. Viele Dialoge sind einfach witzig - ein großer Pluspunkt, denn der Humor verleiht der tiefgründigen Handlung viel Leichtigkeit, sodass das Lesen umso mehr Spaß macht.
Lediglich zu viele Wiederholungen bei bestimmten Dingen fand ich ein wenig nervig. Aber trotzdem lohnt sich die Lektüre über das, was im Leben wirklich wichtig ist.
Konnte mich erst gegen Ende fesseln
Das Geheimnis von Zimmer 622 von Dicker Joël
Konnte mich erst gegen Ende fesseln
Inhalt:
Im Urlaub in einem Luxushotel in den Schweizer Bergen lernt der Schriftsteller Joël seine Zimmernachbarin Scarlett kennen. Gemeinsam wundern sie sich über die seltsame Nummerierung. Zwischen den Zimmern 621 und 623 befindet sich nicht etwa die Nummer 622, sondern 621a.
Sie gehen dem auf den Grund und stoßen auf einen ungeklärten Mord, der sich hier vor Jahren im Zusammenhang mit einem großen Schweizer Bankhaus ereignet hat.
Meine Meinung:
Joël Dicker ist ein toller Schriftsteller - eigentlich. Mit „Das Geheimnis von Zimmer 622“ konnte er mich aber leider nicht begeistern. Die ersten zwei Drittel ziehen sich wie Kaugummi. Präzise und bis ins kleinste Detail seziert er die Ereignisse in der Vergangenheit, wobei er wild zwischen verschiedenen Zeitebenen und Orten hin und her springt. Ich empfand dies als sehr anstrengend zu lesen, zumal sich lange Zeit überhaupt kein Weiterkommen abzeichnet.
Es ist ein Hin und Her in Liebesbeziehungen, ein Hin und Her in beruflichen Dingen, ein Hin und Her in der Familie. Kaum ist man in die eine Richtung unterwegs, kommt wieder etwas dazwischen und es geht wieder andersherum. Intrigen, Eifersucht und Neid sind die Antriebsfedern der handelnden Personen. Dabei wirken diese allerdings nicht sehr glaubwürdig. Einiges ist hier an den Haaren herbeigezogen.
Joël Dicker hat diesen Roman wohl auch als Hommage an seinen verstorbenen Verleger geschrieben, der immer wieder erwähnt wird. Sich selbst hat der Autor auch hineingeschrieben. Hier stieß mir unangenehm auf, dass die Leute ihn immer nur „der Schriftsteller“ nennen, also ob es nur einen einzigen Schriftsteller gäbe. Vielleicht war es ja ganz anders gedacht, aber für mich hatte das einen Beigeschmack von Überheblichkeit.
Schließlich hatte ich mich durch etwa zwei Drittel des Romans durchgekämpft und wurde endlich belohnt. Nach und nach werden die ganzen Verwicklungen aufgedröselt und gezeigt, wie alle Handlungsfetzen wie Zahnräder ineinandergreifen. Manche Person offenbart nun ihr wahres Ich und kann dadurch überraschen. Dieser Teil hat mich wirklich gefesselt und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Ein wenig hat er mich auch mit dem zähen Anfang versöhnt.
Ein echter Pageturner
VANITAS - Rot wie Feuer von Poznanski Ursula
Ein echter Pageturner
Inhalt:
Carolin Bauer ist wieder in Frankfurt, wo sie damals Fürchterliches mit dem Karpin-Clan erlebt hat. Nachdem die Karpins erfahren haben, dass ihr Tod nur vorgetäuscht war, bleibt Carolin nichts anderes übrig, als in die Offensive zu gehen und von der Gejagten zur Jägerin zu werden.
Sie hat einen Plan, wie sie ihren verhassten Widersacher Andrei Karpin vernichten kann …
Meine Meinung:
Nach dem Cliffhanger am Ende des 2. Bandes konnte ich es kaum erwarten, Band 3 von „Vanitas“ in den Händen zu halten. Anders als in den beiden Vorgängerbänden gibt es hier keinen eigenständigen Kriminalfall, der gelöst werden müsste. Die ganze Story beruht nur auf Carolins Abrechnung mit den Karpins. Konnte man die ersten zwei Bände auch jeweils einzeln lesen, sollte man für den dritten aber besser Vorkenntnisse haben, weil sonst vieles im Unklaren bleibt, was für die Handlung wichtig ist.
Von der ersten Seite an hat mich dieser Thriller gepackt. Während Band 1 und 2 eher gemächlich verliefen, geht es im finalen Band rasant zur Sache. Die Autorin gönnt weder der Protagonistin noch den Leser*innen eine Verschnaufpause. Es geht sehr spannend los und Ursula Poznanski schafft es auch, diese Spannung bis zum Schluss hoch zu halten. Carolin erzählt in der Ich-Form und in der Gegenwart. Dadurch bekommt man das Gefühl, alles gerade im Moment selbst zu erleben, und das treibt den Adrenalinspiegel hoch. Denn die junge Frau schlittert von einer brenzligen Situation in die nächste - wie es halt so ist, wenn man sich mit verschiedenen mafiösen Clans einlässt. Zwar hat sie einen ausgeklügelten Plan, wie sie ihre Feinde zur Strecke bringen kann, doch vieles lässt sich einfach nicht vorhersehen und so funkt ihr ständig jemand dazwischen. Das ist auch für die Leserschaft überraschend und gibt der Handlung immer wieder neue Wendungen. Langweilig wird es hier wirklich nicht!
Wer es gerne brutal und blutig mag, ist hier genau richtig. Manche Beschreibungen können empfindlichen Personen heftig auf den Magen schlagen. Zuweilen ist das schon ziemlich unappetitlich zu lesen.
Auch wenn ich gerne noch mehr von Carolin Bauer lesen würde, bin ich damit zufrieden, dass das Ende nun erreicht ist. Es ist ein befriedigender Abschluss einer langen Jagd, auch wenn es etwas anders kommt, als man erwartet.
Die Trilogie:
Vanitas 01. Schwarz wie Erde
Vanitas 02. Grau wie Asche
Vanitas 03. Rot wie Feuer
Aktuelles Thema spannend umgesetzt
Fair Play von Kerstin Gulden
Aktuelles Thema spannend umgesetzt
Inhalt:
Vier Schüler*innen eines Gymnasiums nehmen an einem Wettbewerb des Berliner Senats zum Thema Klimakrise teil, Kera, Elodie, Leonard und Max. Sie entwickeln eine App für die Schüler*innen ihrer Schule, die den ökologischen Fußabdruck jedes Einzelnen abbildet - für alle Teilnehmer sichtbar.
Schon bald spaltet sich die Schule in zwei Lager, Fair Player (nach der App, die Fair Play heißt) und Foul Player, die sich weigern, sich von einer App ihr Handeln vorschreiben zu lassen. Schon bald kommt es zu ersten Schummeleien, um besser dazustehen, andererseits zu Mobbing und Schlimmerem.
Meine Meinung:
Die Klimakrise ist ein sehr aktuelles und äußerst wichtiges Thema, über das sich gerade auch Jugendliche Gedanken machen sollten und auch machen. Ich finde es gut, dass es in diesem Jugendbuch aufgegriffen wird. Auch wie die Autorin es in ihre Story eingebaut hat, halte ich für sehr gelungen. Sie zeigt, dass mit Fanatismus nichts gewonnen ist, dass jeder mithelfen muss, die endgültige Klimakatastrophe abzuwenden oder zumindest aufzuhalten, und dass auch Jugendliche in dieser Sache durchaus verschiedene Möglichkeiten haben, für die Sache einzutreten.
Daneben haben unsere jugendlichen Helden und Antihelden auch ganz normale Teenagerprobleme wie Liebeskummer, schlechte Schulnoten, familiäre und finanzielle Probleme oder Einsamkeit.
Erzählt wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive der vier Protas. Sie stellen total unterschiedliche Charaktere dar. Hier ist sicher für alle Lesenden eine Identifikationsfigur dabei. Durch die verschiedenen Sichtweisen wirkt das Geschehen sehr vielschichtig und bunt. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, sodass es keinesfalls langweilig wird.
Ein kleines Manko ist für mich, dass die Programmierung der hoch komplexen App unglaubwürdig einfach vonstatten ging. Davon abgesehen, konnte mich Kerstin Gulden aber von der ersten Seite an packen. Teilweise liest sich das Buch so spannend wie ein (Polit-) Thriller.
Wer bin ich?
Ypsilons Rache von Lou Bihl
Wer bin ich?
Inhalt:
Professor Dr. Kristian Starck, Mitte fünfzig, Pathologe, geschieden, aber immer noch freundschaftlich verbunden mit seiner Ex-Frau und seinen erwachsenen Töchtern, nimmt sich eine Auszeit. In einem Sabbatjahr will er eine Reise machen, ein Buch schreiben und vor allem sich darüber klarwerden, was er weiterhin mit seinem Leben anfangen will.
Kris fühlt sich in seinem männlichen Körper nicht zu Hause. Ob er aber ganz als Frau leben will und kann, weiß er auch nicht.
Zu Beginn des Sabbatjahrs erhalten Kris’ Pläne erst mal einen Dämpfer, als bei einem Routinecheck Prostatakrebs diagnostiziert wird. Nun gilt es, sich für eine Therapieform zu entscheiden. Naiv wie ich bin, dachte ich, kein Problem, als Frau braucht Kris doch eh keine Prostata, also Radikal-OP, und gut ist es. Weit gefehlt! Offensichtlich ist es schwer, bei einer geschlechtsangleichenden OP ohne die Prostata auszukommen. Und so bedroht ausgerechnet ein Körperteil, das Kris für sich als unpassend empfindet, sein Leben.
Meine Meinung:
Glücklicherweise findet das Thema Transidentität bzw. Diversität allgemein immer häufiger Eingang in die Literatur. „Ypsilons Rache“ bereichert die Palette der diesbezüglichen Werke ungemein. Denn anders als in anderen Romanen, die ich zu diesem Thema bereits gelesen habe, ist sich Kris nicht ganz sicher, wie viel Frau in ihm steckt. So wird während des ganzen Romans auch das Pronomen „er“ verwendet, wenn Kris in männlichem Outfit unterwegs ist, und nur wenn er als Frau erscheint, heißt es „sie“. Das sind jedoch eher wenige Ereignisse, da kaum jemand über Kris’ „Transtendenzen“ Bescheid weiß. Auf seiner Reise quer durch Deutschland besucht er verschiedene Menschen, Familienmitglieder und alte Freunde, mit der Absicht, sich endlich zu outen.
Da Kris als Ich-Erzähler auftritt, werden seine Gedanken, seine Hoffnungen, Zweifel und Ängste auf direktem Weg zur Leserschaft transportiert. Es fällt leicht, sie nachzuvollziehen und zu verstehen. Kris ist ein überwiegend sympathischer Mensch, den man gerne auf seiner Reise zu seinem neuen Ich begleitet. Er überlegt, ob er den Weg der Geschlechtsangleichung gehen muss und ob sie für ihn unbedingt vollständig sein muss, um ein zufriedenes Leben führen zu können.
So unterschiedlich wie Kris’ Gedanken und Empfindungen sind auch die Reaktionen auf sein Coming-out. Dies alles wird sehr realistisch dargestellt.
Lou Bihl erzählt Kris’ Geschichte auf interessante Weise. Sie lässt die Leser*innen Anteil nehmen an einem fremden Leben und berührt einen im Innersten. Lediglich die Wortwahl konnte mich nicht begeistern. Zwar mochte ich den subtilen Humor und die (Selbst-) Ironie in Kris’ Worten, aber insgesamt war mir die Sprache etwas zu gestelzt. Ich habe nichts gegen Fremdwörter, aber bitte in Maßen. Ich liebe auch originelle Wortneuschöpfungen, aber nicht um jeden Preis. Hier war mir das definitiv zu viel und manchmal auch unpassend. Aber das ist mein persönliches Empfinden und sollte niemanden von der Lektüre abhalten, denn dieser Roman ist auf jeden Fall lesenswert.
Konnte mich leider nicht ganz überzeugen
Lockvogel von Theresa Prammer
Konnte mich leider nicht ganz überzeugen
Inhalt:
Toni ist Schauspielschülerin am Konservatorium in Wien. Dummerweise ist ihr geliebter Felix mit ihrem gesamten Ersparten und dem wertvollen Schmuck ihrer Großmutter abgehauen, was sie in die Bredouille bringt. Sie beauftragt den Detektiv Edgar Brehm, Felix und das Geld aufzuspüren.
Da sie ihn nicht bezahlen kann, arbeitet sie für ihn. Die Frau eines bekannten Filmregisseurs hat Hinweise, dass ihr Mann vor Jahren eine junge Schauspielerin sexuell belästigt hat. Als wäre das nicht schon genug, wurde nach einer Party auf dem Grundstück des Regisseurs auch noch ein Drehbuchautor ermordet.
Meine Meinung:
Zunächst hörte sich diese Story für mich sehr interessant und spannend an. Es ging auch sehr gut los. Ich las die Leseprobe und wollte direkt weiterlesen. Leider flacht der Spannungsbogen dann aber recht schnell ab. Über weite Strecken rücken sämtliche Verbrechen in den Hintergrund. Dafür werden die Protas detailliert aufgebaut. Die Figuren erwachen vor dem inneren Auge direkt zum Leben, so plastisch sind sie beschrieben. Zum Teil wirken sie aber auch recht unrealistisch. So werden zum Beispiel ständig Brehms Herzattacken thematisiert. Der Mann hat andauernd Beschwerden und kann kaum einen Schritt laufen und arbeitet trotzdem als Detektiv? In den wenigen Tagen, an denen die Geschichte spielt, müssen die Rettungssanitäter mehr als ein Mal anrücken und er landet im Krankenhaus. Inzwischen schmeißt seine frisch gebackene Assistentin Toni den Laden alleine. Mir fiel es öfter schwer, Handlungsweisen der Figuren nachzuvollziehen. Manches erschien mir einfach nicht logisch.
Nachdem der anfangs ziemlich mürrische Detektiv erst mal etwas aufgetaut ist, wuchsen mir beide Protas schnell ans Herz. Sie sind wirklich liebenswürdige und ganz besondere Menschen. Zusammen ergeben sie ein tolles Ermittler-Duo, bei dem es allerdings ziemlich chaotisch zugeht. Da man die Charaktere nun gut kennt, könnte Theresa Prammer in einem eventuellen weiteren Band schneller zur Sache kommen und sich mehr auf den Kriminalfall konzentrieren, und zwar am besten nur einen einzigen Kriminalfall, nicht wie hier gleich drei. Da hat sie in meinen Augen zu viel gewollt und dabei etwas Tiefe vermissen lassen. #metoo wird nur am Rand gestreift - wie auch die vielen anderen Themen, die der Autorin wohl ein Anliegen sind. Schade, da hätte man noch viel mehr draus machen können. Nett zu lesen und unterhaltsam war es aber auch so.
Leider nur mittelprächtig
Keine weiteren Fragen von David Nicholls
Leider nur mittelprächtig
Inhalt:
Brian wollte schon immer etwas aus seinem Leben machen, obwohl oder vielleicht gerade, weil er aus kleinen Verhältnissen kommt. Im Gegensatz zu seinen zwei besten Kumpels geht er zum Studieren an die Uni. Hier ist er ein sozialer Außenseiter, bemüht sich aber nach Kräften, Anschluss zu finden.
Mit einem Platz im Universitätsteam für das Fernseh-Quiz „The Challenge“ geht einer seiner Träume in Erfüllung. Dass er sich in seine Teamkolleign, die schöne Alice, verliebt, macht das Leben für ihn allerdings nicht leichter.
Meine Meinung:
Was sich in der Buchbeschreibung nach aufregender erster großer Liebe und Erwachsenwerden anhörte, entpuppte sich leider als mittelmäßig interessante Story. Es gibt viele gute und interessante Ansätze bezüglich zum Beispiel Freundschaft, Familie, Gesellschaftskritik oder Toleranz. Doch wird alles nur recht oberflächlich angerissen. Als oberflächlich erweist sich auch der Protagonist Brian. Geblendet durch Alice’ Schönheit, benimmt er sich wie ein notge.ler Hammel. Und leider entwickelt er sich auch überhaupt nicht weiter, lernt nichts dazu. Insofern hat mich vor allem der Epilog enttäuscht.
Erzählt wird aus Brians Perspektive. So gelang es mir auch gut, viele seiner Gedanken und Wünsche zu verstehen. Doch wie er handelt, konnte ich tatsächlich oft nicht nachvollziehen. Viele der Situationen, in die er stolpert, sind einfach zum Fremdschämen. Etliche Sympathiepunkte, die ich ihm anfangs noch zugestand, verspielte er bis zum Ende leider grandios.
Was diesen Roman für mich noch einigermaßen rettete, ist David Nicholls Schreibstil, der eine gehörige Portion britischen Humor enthält und einfach immer Spaß macht. Es gibt allerdings auch einige Längen, auf die ich gerne verzichtet hätte. Insgesamt konnte mich daher David Nicholls’ Debütroman leider nur mäßig begeistern.
Atmosphärischer Kriminalroman
Mordsand von Fölck Romy
Atmosphärischer Kriminalroman
Inhalt:
Frida Paulsen und Bjarne Haverkamp von der Kripo Itzehoe bekommen es mit einem Cold Case zu tun. Auf der Elbinsel Bargsand wurde ein jahrzehntealtes Skelett mit gefesselten Händen im Schlick eingegraben gefunden. Kurz darauf wird auf einer anderen Insel die Leiche eines Hamburger Bauunternehmers entdeckt, auf die gleiche Weise gefesselt wie das Skelett von Bargsand.
Hängen die beiden Fälle zusammen oder gibt es hier einen Nachahmer?
Meine Meinung:
Dies ist bereits der 4. Teil der Reihe um die Itzehoer Kommissare Bjarne Haverkamp und Frida Paulsen. Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen. Daher kann man dieses Buch gut ohne Vorkenntnisse lesen. Auch das Wichtigste zu den bereits bekannten Akteuren wird noch einmal wiederholt. Allerdings nimmt auch das Privatleben der Ermittler in dieser Reihe einen großen Raum ein. Da macht es natürlich mehr Spaß, wenn man dies von Anfang an verfolgt. Ich finde die beiden Protagonisten samt ihrem Familienanhang sehr sympathisch und freue mich immer, darüber zu lesen. Das gibt dem Ganzen die besondere Atmosphäre. Dazu kommen die gewohnten liebevollen Landschaftsbeschreibungen, die einen gedanklich direkt in die Elbmarsch versetzen.
Der Kriminalfall ist ganz schön verzwickt und wenig vorhersehbar. Durch bedrückende Einschübe, die etwa dreißig Jahre in der Vergangenheit im Jugendwerkhof Torgau in der DDR spielen, ergibt sich zwar bald eine Richtung, in die uns das Buch führt. Doch die letztendlichen Zusammenhänge hat Romy Fölck zunächst gut verschleiert.
Als Leser*in begleitet man die Ermittler bei den ziemlich authentisch erscheinenden, mühsamen Ermittlungen. Spannung ist durchgehend vorhanden, wenn auch nicht auf allerhöchstem Niveau, aber das muss bei einem KriminalROMAN ja auch nicht unbedingt sein. Einige extrem spannende Szenen gibt es aber durchaus auch.
Einige Kleinigkeiten kamen mir nicht sehr glaubwürdig vor. Diese schmälern das Leseerlebnis aber nur marginal. Im Großen und Ganzen liegt hier ein solide aufgebauter und ausgearbeiteter Krimi mit tiefgründigen Charakteren vor, der jetzt schon meine Vorfreude auf den nächsten Band angefacht hat.
Die Reihe:
1. Totenweg
2. Bluthaus
3. Sterbekammer
4. Mordsand











