Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Natalie:
Wenn dich deine Vergangenheit wieder einholt…
Kaltes Vergessen von Eva-Maria Silber
Fünf Teenager, die am Karfreitag 1984 beim gemeinsamen Zelten am See eigentlich nur Spaß haben wollen…und doch endet es in einem Blutbad - drei sind tot, zwei verletzt und können (oder wollen) sich nicht mehr an die Geschehnisse erinnern. Der grausame Mord wird nicht geklärt und landet bei den Akten….
30 Jahre später lässt der Fall Ermittlerin Janna Habena noch immer keine Ruhe und sie rollt den cold case nochmal auf…
Gleich vorweg - das spannende Setting hält, was es verspricht. Der Thriller baut permanent Spannung auf, wobei die Kapitel abwechselnd aus dem Jahr 1984 und der Gegenwart erzählen. Die beiden Überlebenden - Katharina und Sebastian - spielen dabei eine zentrale Rolle. Beide Charaktere sind in meinen Augen sehr gut gelungen, die immer noch vorhandene Amnesie bei Katharina als auch ihr Werdegang werden toll authentisch dargestellt. Man fühlt als Leser mit, ist durch den gelungenen Schreibstil gefühlt mittendrin statt nur dabei und die Wendungen überraschen immer wieder.
Für mich war es das erste Buch der Autorin, wird aber definitiv nicht das letzte sein. Klare Leseempfehlung
Der Albtraum einer jeden Mutter
Was dich nicht umbringt von Mark Billingham
Zwei spielende Jungs, eine kurze Unaufmerksamkeit einer der Mütter und plötzlich kommt nur noch einer der beiden aus dem Wald. Während Cat, die Mutter des verschwundenen Jungen Kieron, ihren persönlichen Albtraum durchlebt, versucht Detective Tom Thorne alles, um den Jungen wiederzufinden. Ein erster Verdächtiger wird festgenommen.
Jedoch stellt sich bald heraus, dass er nichts mit Kieron‘s Verschwinden zu tun hat. Stattdessen gibt es der Polizei Rätsel auf, als er kurz darauf ermordet wird, genauso wie eine zweite Person aus Kieron‘s Umfeld. Gleichzeitig kämpft Josh, der zweite Junge mit seinen eigenen Dämonen…
Der Thriller schafft es sehr gut, die Verzweiflung der Mutter an den Leser rüberzubringen. Auch die Schuldgefühle ihrer Freundin Maria, unter deren Aufsicht Kieron verschwunden ist, wird authentisch dargestellt. Detektive Thorne kämpft nicht nur mit seiner Vergangenheit und dem Fall, sondern auch mit so mancher Korruption innerhalb des Teams.
Der Schreibstils ist flüssig zu lesen und während des gesamten Buches bleibt die Spannung aufrecht. Für mich war die Auflösung zum Schluss überraschend und hat somit definitiv zum positiven Eindruck des Buchs beigetragen. Von mir daher eine Leseempfehlung.
ein Buch das nachwirkt…
Das Dorf und der Tod von Christiane Tramitz
Nach einer wahren Begebenheit… dieser Zusatz zum Kriminalroman hat mich zu dem Buch greifen lassen und eines vorweg - ich wurde nicht enttäuscht.
Das Buch erzählt von einer tragischen Liebesgeschichte, welche auch über hundert Jahre danach noch nachwirkt. Das Buch ist in zwei Teile geteilt, wobei wir im ersten Vroni ab dem Jahr 1921 begleiten, im zweiten Abschnitt wird das Leben von Simmerl im goldenen Dorf beleuchtet.
Beide sind tief mit der Geschichte verbunden, wobei es mit Vroni‘s tragischer Liebe zu Lenz beginnt, Simmerl erst später wieder ins Dorf zurückkehrt. Besonders im zweiten Teil nimmt auch der zweite Weltkrieg eine wesentliche Rolle ein.
Das einst so beschauliche Leben im golden Dorf wird von dieser Tragik, aber auch vom Krieg mitgenommen und es verändert sich vieles.
Aufgrund des Klappentextes habe ich mir das Buch anders vorgestellt (vor allem, was den Aufbau betrifft), jedoch hat mir dies richtig gut gefallen. Starke Charaktere, toll recherchiertes Dorfleben ab den frühen 1920iger Jahren und authentische Darstellung von diesem. Das Buch wirkt nach und lässt einen tief in das Dorfleben von früher eintauchen. Die Geschichte fesselt definitiv und je mehr man erfährt, umso klarer wird es schlussendlich, wie es zu diesem unbändigen Hass und dem Mordfall in den 1990igern kommen konnte. Bereits während der Erzählung werden immer wieder Gedankenausschnitte des späteren Mörders eingestreut, welche nach und nach Einblick gewähren.
Ein True-Crime-Roman der unter die Haut geht und von mir eine ganz klare Leseempfehlung.
gelungener Auftakt dieser Dänemark-Reihe
Winterland von Kim Faber; Janni Pedersen
Ein Bombenanschlag mitten in Kopenhagen auf einem Weihnachtsmarkt beschäftigt Signe Kristiansen und ihre Kollegen. Zur gleichen Zeit ermittelt ihr ehemaliger Kollege Martin Juncker in der Provinzstadt Sandsted in einem Mordfall bzw. Vergewaltigung. Juncker wurde dorthin strafversetzt und wohnt nun wieder in seinem Elterhaus - mit seinem Demenz kranken Vater.
Beide Fälle halten die Ermittler in Atem, bis ein anonymer Hinweis alles in eine unvorstellbare Richtung zu lenken scheint…
Winterland ist der Auftakt der Reihe rund um das Ermittlerduo Kristiansen und Juncker, der den Leser von der ersten Seite in Atem hält und begeistert. Es wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Ermittler erzählt, in dem nicht nur die Umgebung - Großstadt mit ihrer Anonymität vs. Provinz, wo jeder jeden kennt - toll und authentisch inszeniert wird, sondern der Leser lernt Signe und Juncker auch privat kennen - mit all ihren großen und kleinen Päckchen, die jeder so mit sich rumträgt. Für mich eine tolle Mischung.
Prägnant und vor allem in jeder Hinsicht authentisch präsentiert sich der Schreibstil. Als Leser hat man das Gefühl, das es im wahren Leben genauso spielt. Darüber hinaus werden einige sensible, auch hochbrisante und aktuelle gesellschaftliche Themen im Buch verarbeitet, wie zB islamistischer Terror, Flüchtlinge, Vergewaltigung oder der politische Einfluss im Allgemeinen. Trotz der Fülle an „schwerer“ Themen verliert man nie den Überblick oder den Faden. Das ist meines Erachtens dem tollen Schreibstil geschuldet. Extrem spannend bis zur letzten Seite, welche Stränge wie zusammenhängen, arbeitet das Ermittlerduo das Geschehene auf.
Ein paar wenig gut platzierte offene Fragen machen die Vorfreude auf den nächsten Band noch größer.
Jeder, der authentisch erzählte Krimis mit spannend und menschlich besetzten Hauptcharakteren mag, wird mit Winterland seine Freude haben. Von mir eine absolute Leseempfehlung.
Familiensaga in schwierigen Zeiten
Die Blankenburgs Roman. Gebunden. von Berg Eric
Die Porzellanmanufaktur der Familie Blankenburg ist seit 150 Jahren eine Erfolgsgeschichte, die mit dem schwarzen Freitag 1929 jedoch einen jähen Riss bekommt. Familienoberhaupt Adalmar und Richard, sein Schwiegersohn, verlieren beim Börsencrash ihr Vermögen. Beide können damit nicht umgehen und begehen Selbstmord.
Dadurch entsteht zwischen den beiden Schwestern Elise und Ophélie ein Erbstreit um die Manufaktur und wie diese in die Zukunft geführt werden soll.
Jedoch ist dies bei Weitem nicht das Einzige, womit sich die Schwestern auseinandersetzen müssen - das Nazi-Regime nimmt immer mehr Gestalt an und macht auch vor den Blankenburgs nicht Halt…
Dieser Roman war für mich nicht nur ein sehr gut recherchierter rund um das Erwachen des Nationalsozialismus, sondern auch eine berührende Erzählung einer Familiengeschichte. Das Wort Familienbande bekommt hier auch nochmal eine ganz andere Bedeutung - es taucht nicht nur plötzlich Tante Arabella aus Amerika wieder auf, sondern auch Wido, der lang verschollene Bruder sowie Tankred, der uneheliche Sohn von Otto, einem weiteren (bereits verstorbenen) Bruder der Schwestern, auf. Sie alle nehmen im weiteren Verlauf eine wesentliche Position ein und beeinflussen die Entscheidungen rund um die Manufaktur. Dabei spielt auch die Haltung zum Nationalsozialismus innerhalb der Familie eine immer größere Rolle und entzweit die Familienmitglieder teilweise noch mehr. Was zählt in diesen Tagen wirklich noch?
Alles in allem für mich ein großartiges Buch, welches mich von der ersten Seite an fesseln konnte - die beklemmende Atmosphäre, die Verluste der Familie, die Tragödien während des Nazi-Regimes - all das hat dazu beigetragen, dass dieser Roman nicht kalt lässt.
Von mir daher eine klare Leseempfehlung.
Faszination Abenteuer
Eis. Abenteuer. Einsamkeit von Richard Löwenherz
Mit dem Fahrrad allein durch den Sibirischen Winter? Wo die meisten von uns nur ungläubig den Kopf schütteln und schon beim Gedanken daran, Frostbeulen bekommen, ist dies für Richard Löwenherz und lonely traveller absolute Leidenschaft.
In seinem Reisebericht nimmt Richard den Leser auf sein Abenteuer quer durch Sibirien mit.
Eis, Schnee, extreme Kälte und Einsamkeit begleiten ihn dabei, aber auch pure Freiheit, unglaubliche Landschaften und viele hilfsbereite und freundliche Einheimische, die seine Reise bereichern. Sehr persönlich und mit viel Liebe zum Detail erzählt der Autor über seine Reise und wirkt dabei zu jedem Zeitpunkt authentisch. Oder anders gesagt: von Jakutsk bis nach Tiksi oder oder über knapp 1800 km mit dem fatbike. Tolle Fotos von Landschaft und Leute Sibirien‘s runden dieses tolle Buch ab und so ganz nebenbei lernt man auch noch was über Nachhaltigkeit.
Jedem, der dem Alltag gegen ein paar vergnügliche Lesestunden tauschen möchte, kann ich dieses Buch nur empfehlen und freue mich schon auf den nächsten Reisebericht.
Schattenseiten des Spitzensport
Ein Grab für zwei von Anne Holt
Selma Falk, bis vor kurzem, erfolgreiche Rechtsanwältin scheint am Tiefpunkt ihres Lebens angekommen zu sein. Just zu diesem Zeitpunkt benötigt Jan Morell, Vater einer der besten Langläuferin Norwegens, ihre Hilfe. Hege wird beschuldigt, gedopt zu haben. Kurz darauf wird ein weiterer erfolgreicher Langläufer sogar tot aufgefunden - ebenfalls gedopt.
Wie hängen die beiden Fälle zusammen? Wurden sie Opfer eines Sabotage-Akt oder haben sie sich schuldig gemacht? All diese Fragen soll Selma klären - und ihr selbst so auch aus ihrer Krise zu helfen…
Der Krimi gibt sich Zeit, um die Geschichte rund um die Charaktere zu erzählen. Es wird dabei aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, auch Kapitel in Form eines Drehbuchs sind integriert. So lernt der Leser nicht nur die Personen und Zusammenhänge untereinander kennen, sondern auch einiges über den Langlaufsport in Norwegen. Der Spannungsaufbau war für mich immer da, auch wenn dieser eher langsam, aber stetig, vor sich ging.
In meinen Augen ein gelungener Auftakt rund um Selma Falk - die Kombination aus Spitzensport, Doping, Geheimnisse aus der Vergangenheit und Mord hat die Leseneugierde immer aufrechterhalten. Wer einen Krimi erwartet, wo ständig ein Aufreger den nächsten ohne Unterbrechung jagt, wird aber vielleicht enttäuscht sein - in diesem Krimi wird neben dem Mord und Dopingvorwurf Platz und Raum für das „Drumherum“ gelassen. Für manche langweilig und -atmig, für mich eine ausgewogene Kombination und eine Leseempfehlung dafür.
Tiere sind keine Dinge!
Anthologie von Jürgen Zwilling
Es ist das zweite Buch, welches ich von Jürgen Zwilling gelesen habe und auch dieses konnte mich wieder begeistern. Auf knapp 100 Seiten schildert der Autor eindringlich, dass wir gegenüber Tieren Verantwortung tragen. Ein Beispiel (von vielen) ist, dass man sich vor Anschaffung von Haustieren überlegen sollte, was das bedeutet und ob man dafür bereit ist.
Dass immer noch tausende Tiere jährlich herzlos ausgesetzt werden, wird immer noch viel zu wenig Beachtung geschenkt oder als Bagatelle abgetan.
Schnörkellos und authentisch hält der Autor die oft grausamen Handlungen von uns Menschen den Tieren gegenüber fest. Ein solches Buch sollte meiner Meinung nach von so viel mehr Menschen gelesen werden, um auf diese Umstände aufmerksam zu machen und Bewusstsein zu schaffen - Tiere sind keine Dinge! Unbedingt lesen.
Wie beeinflussen Katastrophen uns?
Wild Card von Claudia Sammer
Der Leser begleitet in dem Buch hauptsächlich vier Protagonisten aus New York und Österreich, die der Terroranschlag von 9/11 alle unterschiedlich prägt.
Das Buch erzählt abwechselnd von ihnen, nicht nur aus dem Jahr 2001, sondern auch kurz danach und mit einem größeren Zeitsprung nochmal ab dem Jahr 2019.
Wild Cards steht für unerwartete, katastrophale Ereignisse, die das Leben von vielen Menschen für immer beeinflusst. Die Autorin erzählt dies anhand von vier ganz normalen Menschen, welche sehr unterschiedlich damit umgehen und sich weiterentwickeln. Lässt man sich auf den doch etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstil ein, liest sich dieser gut und man kann meines Erachtens einiges zwischen den Zeilen lesen. Trotz allem wurde ich mit den Protagonisten nicht wirklich warm, weil ich sie nicht ganz greifen konnte. Trotzdem hat mir das Buch deshalb gut gefallen, da es einem zum Nachdenken anregt und auch zeigt, wie tief solche Ereignisse jeden einzelnen von uns für das restliche Leben (unbewusst) beeinflussen können. Die dafür verwendete Schreibweise finde ich sehr passend, man muss sich aber darauf einlassen. Wer dafür bereit ist, wird mit diesem Buch anregende Lesestunden verbringen.
wer eine solche Schwester hat, braucht keine Feinde mehr…
SCHWEIG! von Judith Merchant
Die beiden Schwestern Esther und Sue haben seit ihrer Kindheit ein schwieriges Verhältnis zu einander. Trotz eines Eklat letztes Weihnachten fährt Esther auch dieses Jahr einen Tag vor Weihnachten zu Sue, die nach ihrer Scheidung allein in einem abgelegenen Haus im Wald wohnt. Welche Abgründe sich aber tatsächlich während dieses Besuchs auftun, war so nicht absehbar…
Was würdest du tun, um deine Schwester zu retten? Und was, um sie loszuwerden? Dieser Auszug von der Buchbeschreibung kratzt nur an der Oberfläche dessen, was den Leser erwartet.
Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Schwestern und Esther‘s Mann, Martin, erzählt. Was zuerst wie ein normales, schwierigeres Verhältnis zwischen den Familienmitgliedern scheint, wird bald zu einer komplexen und vor allem hochtoxischer, manipulativen Beziehung. Beim Leser werden Gefühle wie Abscheu, Unverständnis, Erstaunen und Unglaube geweckt, um nur ein paar davon zu nennen. Im ersten Drittel des Buches werden dem Leser hauptsächlich die drei Hauptprotagonisten und ihre Ansichten, Gefühle und Gedanken nahegebracht, es gibt auch immer wieder Blicke in die Vergangenheit. Es scheint, als passiere nicht allzu viel, was an einen Thriller erinnert, jedoch baut sich in diesen, scheinbar so unbedeutenden, Abschnitt das Grauen auf - die Atmosphäre ist greifbar toxisch und als Leser ahnt man bereits, dass es irgendwann zum großen Knall kommen muss. Gespickt mit unerwarteten Wendungen und einem großartigen Ende war es für mich ein toller Psychothriller, den ich verschlungen habe. Absolute Leseempfehlung von mir.











