Kunden em pfehlungen
Rezensionen von goejos:
Neubeginn
Samson und Nadjeschda von Andrej Kurkow
Kein guter Beginn für Samson in den Wirren der Russischen Revolution in Kiew. Sein Vater wird von einem Rotarmisten erschlagen und ihm selbst fehlt seither ein Ohr. Aber trotzdem versucht er sein Leben als Vollwaise in de Griff zu bekommen. Durch Zufall wird er in den dienst der Polizei genommen und er verschreibt sich voll der Verbrechensaufklärung.
Diese gestaltet sich nicht einfach und ist zeitweise auch für sein persönliches Leben gefährlich. Irgendwann lernt er über Vermittlung seiner Hausmeisterin Nadjeschda kennen. Er ist von ihr fasziniert, jedoch kann er ihr noch nicht seine Liebe gestehen. Aufgrund ihrer beengten Wohnverhältnisse nimmt sie sein Angebot an und zieht zu ihm in seine Wohnung. Neruflich will er den Mord an seinen Arbeitskollegen aufklären. Doch die herrschenden Verhältnisse machen das auch nicht einfacher. Ziemlich deutliche Beschreibung der damaligen Verhältnisse. Schluss nicht ganz nachvollziehbar. Wahrscheinlich wird es eine Fortsetzung geben.
Eine lange Familiengeschichte
An den Ufern von Stellata von Daniela Raimondi
Ein harter Winter zwingt vor ca. 200 Jahren Teile einer Gruppe des fahrenden Volkes in Stellata zu bleiben und dort sesshaft zu werden. Für Giacomo verändert sich das Leben durch seine Liebe zu Viollca. Er ist fasziniert von ihrer, für ihn fremden Art und auch von ihren mystischen Fähigkeiten. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes scheint in Glück vollendet.
Doch auch er hat viel von seiner Mutter geerbt. Er spricht viel mit den Toten. Der Autorin gelingt es hervorragend, von diesem Beginn an eine Familiensaga über zwei Jahrhunderte hinweg zu entwickeln. Es geht sehr schnell durch die vielen Jahre, daher ist es oft nicht ganz einfach dem Geschehen zu folgen. Aber die Vielfalt der Protagonisten machen dieses Epos zu einem dramatischen Leseereignis, welches man unbedingt genießen sollte. Man legt dieses Buch ungern aus der Hand bevor man fertig ist. Das wunderschöne Cover passt ausgezeichnet zu diesem Werk.
Rührend
Solange gehört das Leben noch uns von Josefine Weiss
Eine berührende und sentimentale Geschichte, welche aber trotzdem auch zum Nachdenken anregt. Wie kann sich eine junge Frau (eigentlich mit einem Freund) in einen sterbenskranken Menschen, den sie gerade im Hospiz beim Tod ihres Großvaters kennengelernt hat, verlieben? Ina weiß wahrscheinlich selbst nicht wie das geschehen konnte und auch ihre beste Freundin Caro ist mehr als überrascht als sie es erfährt.
Doch trotzdem ist es passiert. Mit viel Gefühl und Einfühlungsvermögen wird diese Geschichte dem geneigtem Leser näher gebracht. Für mich mit etwas zu viel Druck auf die Tränendrüse. Zugegeben, man erfährt auch relativ viel über den Ablauf in einem Hospiz. Problem dieser Geschichte ist, man ahnt wie sie ausgehen wird. Und trotzdem liest man mit unveränderter Begeisterung diese Geschichte zu Ende. Viel mehr kann man über eine gute Geschichte nicht sagen. Unbedingt lesenswert.
Ein meisterhafter Lebensbericht
Violeta von Isabel Allende
Allende in Bestform. Eine begnadete Autorin schreibt ein gewaltiges Werk über das Leben von Violeta. Beeindruckend in Sprache und Erzählstil lässt sie das Leben der Hauptdarstellerin ablaufen. Nichts kann Violeta erschüttern. Sie meistert alle Bedrohungen und Geschichtsabläufe. Ihre Stärke ist ihr unerschütterlicher Lebenswille, welcher ihr hilft, auch durch scheinbar aussichtslose Situationen durchzutauchen und stärker als zuvor aufzustehen.
Man lebt und erlebt praktisch Violetas Schicksal persönlich mit, da man von dem Geschriebenen derart gefesselt wird, dass es einem schwerfällt, das Lesen zu unterbrechen. Violetas Leben verläuft alles Andere als eintönig, von der Spanischen Grippe, den Selbstmord des Vaters und der finanzielle Absturz der Familie, welche auch einen gesellschaftlichen Niedergang nach sich zog. Und auch die politischen Ereignisse werden meisterhaft in die Erzählung eingeflochten und bearbeitet. Mein Resümee über dieses Buch: Ein grandioser Bericht über das Leben einer beachtenswerten Persönlichkeit. Meisterhaft bearbeitet von einer grandiosen Autorin. Ein Buch, welches fünf Sterne in der Bewertung mehr als verdient.
Grausam spannend
Der Zoom-Killer (Tom-Bachmann-Serie 2) von Chris Meyer
Ein Buch, nicht unbedingt für Leser mit schwachen Nerven. Die detaillierten Schilderungen der Morde vor laufenden Zoom-Kameras lassen nichts an Deutlichkeit aus und werden in schockierenden Einzelheiten beschrieben. Das einprägsame Cover sagt schon Einiges über den Inhalt aus. Im Laufe des Romanes erfährt man einige Grausamkeiten, welche Tom Bachmann in seiner Jugend hinnehmen musste.
Auch sein einstiger Jungendfreund Aaron ist nicht gerade ein reines Schaf. All diese Komponenten werden in dieser Geschichte vom Autor spektakulär vermischt und dem Leser nahe gebracht. Auch was es mit den Gedankengängen des Mörders auf sich hat, wird versucht, verständlich zu erklären. Die Ermittler tun sich schwer, die verstrickten Fäden zu entwirren und es dauert, bis sie glauben, den wirklichen Täter zu kennen. Trotz einiger Längen ein lesenswertes Buch. Einziges Manko: Das Finale ist nicht wirklich berauschend, da habe ich schon weit bessere gelesen. Aber sonst kann man es bedenkenlos weiter empfehlen.
Flug ins Verderben
Flug 416 von T. J. Newman
Ein Geiselnehmer hat die Frau und die beiden Kinder eines Flugkapitäns in seiner Gewalt. Seine Forderung: Entweder es Lässt das Flugzeug abstürzen oder er tötet die Frau und die Kinder. Ein fürchterlicher Zwiespalt für Bill. Dem Autor T. J. Newman gelingt es diesem Roman dieses fürchterliches Dilemma, in welchem sich Kapitän Bill Hoffmann befindet, authentisch bis zum Schluss aufrecht zu erhalten.
Er schildert hautnah die Ängste und die psychologischen Anspannungen der Hauptakteure mit sämtlichen seelischen Höhen und Tiefen. Der Leser fiebert und leidet mit. Auch ein FBI-Agent, dessen Tante in diesem Flugzeug als Flugbegleiterin ist, wird in diese spannende Handlung mit einbezogen. Auch er handelt intuitiv gegen die Vorschriften und versucht zu retten, was noch zu retten ist. Auch der fulminante Schluss wird der vorangegangenen Handlung gerecht und hält den Leser bis zu letzten Zeil in Atem. Ein wahrhaft gelungenes Werk, welches man sofort zu Ende lesen möchte. Unbedingt zu empfehlen.
Aufgeben gibt´s nicht
Die Knochenleser - Karibik-Thriller (Digson und Miss Stanislaus ermitteln 1) von Jacob Ross
Von goejos
Wunderbare Handlung. Schon allein, wie "Diggger" zur Polizei kommt, ist wahrscheinlich nur auf eine Insel wie Camaho möglich. Und auch, wie ihn sein Boss Superintendent Chilman fördert und zugleich unterdrückt, gibt es sonst nirgendwo. Aber "Digger" macht was aus seinem Talent, bildet sich weiter und verfolgt unbeeindruckt seine Ziele.
Bis ihm Miss Stanislaus begegnet. Deren Einfluss entkommt er nicht. So spinnt sich ein Netz von Verschwörungen, Vergangenheitssuche und Selbstbestätigung, aus welchen immer neue Probleme auftauchen. Bis hierher ist diese Geschichte voll glaubwürdig und spannend. Nun aber, je näher dem Ende, überschlagen sich die Ereignisse, leider nicht immer zu Guten. Trotzdem. tolle Geschichte. Aus einigen Figuren dieser Handlung, wäre mehr herauszuholen gewesen. Aus das Liebesleben von "Digger" wird nur angedeutet und komplett im Dunklen gelassen. Schade um die wirklich spannend beginnende Handlung, welche zum Schluss leider ziemlich abflacht. Trotzdem lesenswert.
Rüstiges Altern
Man muss sich nur trauen von Renate Bergmann
Ein wunderbares Buch über die Hochzeit von Renates bester Freundin. Das beginnt schon beim lustigen Cover. Auch der Schreibstil ist hervorragend, lustig und informativ. Die Geschichte beschreibt nicht nur die Vorbereitungen für die bevorstehende Hochzeit von Gertrud und Gunter (beide im weit fortgeschrittenen Alter), sondern greift auch alte, fast nicht mehr bekannte Rituale in Verbindung mit Vermählungen wieder auf.
Humorvoll werden die Schwierigkeiten bei der Vorbereitung einer großen Veranstaltung geschildert. Brautkleid, Anzug, Blumen, Tischdekoration, Sitzordnung (wer sitzt neben wem, wer passt zu wem?), das Alles muss organisiert und durchgedacht werden. Und doch passiert immer etwas Unvorhergesehenes. Und gerade das macht es spannend. Pointiert geschildert, die einzelnen Charaktere wurden hervorragend herausgearbeitet. Dieses Buch ist flott zu lesen, man mag gar nicht aufhören damit, weil man schon auf die nächste Anekdote gespannt ist. Ein wirklich gelungenes Werk.
Harte Probe
Gretas Erbe von Nora Engel
Grete, 16 Jahre, wächst als Ziehkind bei der Winzerfamilie Hellert auf. Von ihrer Mutter, die bei ihrer Geburt gestorben ist, hat sie nur Foto, ihren Vater kennt sie nicht. Sie arbeitet gerne in den Weinbergen, hat aber ein großes Ziel, Lehrerin zu werden. Doch damit stößt sie bei ihren Zieheltern nur auf Ablehnung.
Einzig mit Robert, einem Hellert-Sohn, versteht sie sich und er versteht ihren Wunsch. Kurze Zeit kann sie auch auf eine höhere Schule gehen, doch der alte Hellert kann das sehr schnell unterbinden. Sie lernt nun in seinen Betrieb das Winzergeschäft. Als dann auch noch die Liebe zu Robert entflammt, wird ihr Leben dadurch nicht einfacher. Aber auch die wird auf eine große Probe gestellt, als er als Musiker nach Amerika geht. Hin- und hergerissen von ihren Gefühlen, verändert ein Schreiben eines Notars ihr Leben grundsätzlich. Leidenschaftlich geschriebener Roman über ein pflichtbewusstes Mädchen, welches beharrlich versucht, ihren selbstgewählten Weg zu gehen. Trotz aller Schwierigkeiten gibt sie nie auf. Das Finale ist allerdings ein Hammerschlag und bereitet den Weg für eine Fortsetzungsgeschichte, welche um nichts spannender werden wird. Hoffen wir zumindest.
Vikki überdrüber
Zurück nach Übertreibling von Gloria Gray; Robin Felder
Wahnsinn, was diese Frau alles bewegt. Als sie um 10 Uhr morgens (für sie zur mitternächtlichen Zeit) erfährt, dass der Toni Besenwiesler aus der Haft ausgebrochen ist, schrillen bei Vikki die Alarmglocken. Schließlich hat er sie ja als Grund für seine Haft auf den Schirm. Was dann abgeht, ist mit normalen Maßstäben nicht zu bewältigen.
Vikki setzt mit ihrem Freund Wolf einen Ermittlungsapparat in Bewegung, mit welchen es selbst die bayerische Polizei noch nie zu tun hatte. Dass da alles anders abläuft als wie vorhergesehen, versteht sich von selbst. Dass Vikki da auch mal in Lebensgefahr gerät, kann sie natürlich nicht aufhalten. Dass gegen den Ermittlungssturm von Vikki und ihren Freunden auch die Polizei überfordert ist, versteht sich von selbst. Dass das Alles auch noch gut ausgehen kann, erfordert schon gewaltige Erzählkunst. Obwohl, das Finale enttäuscht dann schon etwas. Aber es ist schon klar, irgendwann muss dieser Erzählorkan auch mal zur Ruhe kommen. Aber alles Vorhergewesene übertüncht das farblose Ende. Trotzdem, viel Humor in dieser Geschichte und eine traumhafte Protagonistin Vikki. Die schon allein macht dieses Buch lesenswert.











